vom spd-parteitag: „die spd hat im internet die nase vorn“ (teil 6)

(ursprünglich im „wahlblog“ veröffentlicht)
ich habe es befürchtet. die veranstaltung wurde furchtbar selbstbeschaulich. nicht nur dass ich eben fast 45 minuten mit einer journalistin vom tagesspiegel sprach (also ein interview) die hier unter schrecklichen arbeitsbedingungen arbeiten muss: ganz ohne online zugang! so musste ich ihr alles erzählen was ich unter mühen formuliert, aufgeschrieben und gebloggt habe. ich musste mich selbst erklären. wer mich kennt, weiss welche qualen ich durchlebte. dann war die gute frau auch ein bisschen in hektik, denn bis um halb fünf müsse ihr artikel fertig sein. mal schaun was die dame, ich nenne sie mal offlinelady, morgen in den tagesspiegel reinschreibt.
ein anderer blogger hatte ein rtl2 fernsehteam dabei, das ihn auf schritt und tritt begleitete.
der parteitag rauschte an mir vorbei. hängen blieb der eindruck einer staubtrockenen veranstaltung begewohnt zu haben. da war selbst der linksparteitag leidenschaftlicher und emotionaler. der unterschied bestand im wesentlichen in der grösse, der anzahl anwesender journalisten und gäste (bei der spd waren es ein paar mehr). der parteitag wurde eingeläutet von ein paar akkustisch und inhaltlich kaum zu ertragenden schreihälsen rednern, fand seinen flauen höhepunkt in schröders rede (die laut mitgehörtem journalistengespräch anderthalb stunden dauerte und 12 minuten applaus erntete). nach schröders rede stürmte der halbe saal nach draussen und schwang sich ans buffet. ich auch. ich wurde mit meinem teller strafreis mit hühnerfrikasse fast vom panzer überfahren. an den stehtischen im pressezentrum wurde ein bisschen gefachsimpelt („länger als sonst hat er geredet“) und alkoholfreies getrunken. die spd mutet es den zahlenden parteimitgliedern offenbar nicht zu den alkoholismus der anwesenden presse mit ihren beitragsgeldern zu unterstützen. saufen ja, aber nur auf eigene kosten (da fällt mir, ich weiss nicht warum, rüttgers ein: „ehrlichkeit und anstand!“). müntefering hielt eine gute rede, schnappte ich irgendwo auf. nur wollte kaum einer zuhören. am ende, als eine bergmannnkapelle rumsang, sass kaum noch einer im saal, die paar die noch da waren, standen und riefen, so hörte ich es von ganz hinten im saal: „schröder du weichei.“ sebastian reichel, der onlinewahlkampfkoordinator der sich um uns blogger kümmerte, antwortete mir, auf auf meine frage warum die spdler denn sowas sagen, dass sie „schröder für deutschland“ riefen. achso.
auch die eingeladenen weicheier „profilierten blogger“ machten früh feierabend, die offlinelady schrieb an ihrem artikel für morgen und allle packten langsam zusammen.
der parteitag schlug, meiner bescheidenen meinung nach, wie eine trockene staubbombe ein.