vom fdp-par­tei­tag: ger­hardt re­det (teil 3)

felix schwenzel in artikel

(ur­sprüng­lich im „wahl­blog“ ver­öf­fent­licht)

es ist ja nichts neu­es und welt­weit be­kannt, wolf­gang ger­hardt re­det so als ob sein kopf in ei­nem luft­bal­lon ste­cken wür­de oder als ob er schwe­ren lun­gen­über­druck hät­te. wirk­lich un­über­ra­schend war wie sehr wolf­gang ger­hardt bei sei­ner rede den er­war­tun­gen der pres­se ent­spro­chen hat: er ver­such­te sich mit sät­zen wie „mein hob­by, mei­ne nei­gung galt im­mer der ge­schich­te“ für sein von der par­tei zu­ge­teil­tes aus­sen­mi­nis­ter­amt zu pro­fi­lie­ren. das war teil­wei­se so lang­wei­lig, dass die krab­ben im glas (auf sa­lat, an to­ma­ten und erd­bee­ren) le­ben­di­ger wirk­ten als ger­hardt am red­ner­pult.

wirk­li­che kri­tik an der der­zei­ti­gen aus­sen­po­li­tik hat­te ger­hardt nicht auf la­ger, kein wun­der, rot-grün habe ja auch „an vie­len“ von scheel, gen­scher und kin­kel ge­präg­ten tra­di­tio­nen fest­ge­hal­ten. also be­müh­te er statt klar­text die bild­spra­che: „wir müs­sen mit aus­sen­po­li­tik wie­der ver­än­dern. die aus­sen­po­li­tik muss raus aus dem schlaf­wa­gen! wir müs­sen aus­sen­po­li­tik aus der lo­ko­mo­ti­ve ma­chen!“ die pfif­fer­ling­sup­pe war ähn­lich fade.

auf der büh­ne sas­sen rechts-aus­sen die al­ten her­ren, die die schon mal an der macht wa­ren, gen­scher, lamb­s­dorff und kin­kel. gen­scher wirkt für sein al­ter von 120 jah­ren er­staun­lich frisch, knab­bert ge­müt­lich, mit an­ge­leg­ten oh­ren an ir­gend­wel­chen nah­rungs­mit­tel her­um und liest. kein gel­ber pul­lun­der. kei­ne gros­se auf­re­gung. lamb­s­dorff ist sehr mit sich selbst be­schäf­tigt. mal juckt es an den au­gen, mal an der glat­ze. bril­le auf, bril­le ab. wenn er sich nicht ir­gend­wo kratzt, guckt er stur nach vor­ne. coo­le sau. wirkt aber sehr müde. klaus kin­kel sieht aus als ob er wer­bung für sham­poo macht. ein sei­di­ger glanz um­hüllt sei­ne pracht­vol­le mäh­ne. wäre da nicht die­se go­ckel­haf­te kopf­hal­tung und die­ses über­trie­be­ne ge­sicht, kin­kel könn­te re­spek­ta­bel und wür­de­voll wir­ken.

ger­hardt war beim un­aus­weich­li­chen trit­tin-bas­hing vor­sich­ti­ger als die het­zer von der CDU, der CSU und dem spie­gel on­line. er nennt trit­tin ein­fach „un­barm­her­zig“. wenn freun­de in der not wä­ren, dür­fe man nicht sa­gen „du bist selbst schuld.“ dass trit­tin so un­bar­her­zig sei, wäre auch der be­weis das die grü­nen kei­ne wer­te hät­ten, kei­ne wer­te wie die fdp, die eine „wer­te-po­li­tik“ be­trei­ben möch­te.

ei­nen lap­sus leis­tet sich ger­hardt auch noch, als er von der ame­ri­ka­ni­schen „ad­mi­nis­tra­ti­on“ re­det aber die ame­ri­ka­ni­sche re­gie­rung meint. ein aus­sen­mi­nis­ter der ver­wal­tung und re­gie­rung nicht aus­ein­an­der­hal­ten kann? wahr­schein­lich sagt der möch­te-gern-aus­sen­mi­nis­ter auch „der blog“. ok, ge­nug ge­klug­ge­schis­sen.

wen­den wir uns wie­der der pres­se zu. eine ein­schät­zung die ich eben auf­schni-schna-schnapp­te:

das ist der gip­fel der lan­ge­wei­le. frü­her stan­den sie in scha­ren um möl­le­mann rum. jetzt ste­hen sie ein­fach rum.

auch die ab­nei­gung ge­gen pie­per ist in der pres­se-lounge of­fen­bar weit ver­brei­tet: „was die pie­per re­det wie­der? mach mal ei­ner den fern­se­her lei­ser!“

bet­ti­na schaus­ten sah heu­te nicht so zau­ber­haft aus wie letz­te wo­che bei der cdu und der csu. eher über­näch­tigt und un­aus­ge­schla­fen. da­für hat sie mich ein­mal ver­wirrt an­ge­guckt. das ist ja auch was. das wer­de ich das nächs­te mal, wenn ich sie im fern­se­hen an­schaue auch ma­chen.

vor zwei stun­den kam ein äl­te­rer herr, lamb­s­dorff-style mit et­was mehr haa­ren, in die pres­se-lounge, setz­te sich vor ei­ni­ger zeit an ir­gend­ei­nen rech­ner und surf­te dar­auf wie ein wil­der rum. die kol­le­gin de­ren rech­ner das war, fand das als sie wie­der­kam nicht so doll. der alte blieb aber ganz cool, wun­der­te sich ein biss­chen rum und sag­te als er auf­stand und den rech­ner frei­gab: „sor­ry üb­ri­gens“.

an­bei noch drei su­per li­be­ra­le zia­ta­te:

  • „mit der zwei­ten wählt man bes­ser.“ dirk nie­bel

  • „rot-grü­nes for­mu­lar gu­lasch.“ rai­ner brü­der­le

  • „je­der kann in mei­ne home­page ge­hen.“ her­man-otto-solms

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