ich bin gros­ser fan staat­li­cher re­gu­lie­rung. die gros­sen kri­sen, die uns ge­gen­über­ste­hen oder auf uns zu­kom­men, lö­sen wir nicht al­lein durch in­di­vi­du­el­le um­stel­lung un­se­rer le­bens­wei­se. es ist lo­bens­wert, das auto ste­hen zu las­sen (am bes­ten gleich beim au­to­händ­ler, vor dem kauf) und das fahr­rad zu be­nut­zen. aber der aus­bau von fahr­rad­we­gen, der um­bau un­se­rer städ­te zu men­schen­freund­li­chen statt au­to­freund­li­chen le­bens­räu­men ist eine po­li­ti­sche und ge­sell­schaft­li­che auf­ga­be. ge­nau wie die um­stel­lung der en­er­gie­ver­sor­gung auf er­neu­er­ba­re en­er­gie­quel­len, um un­se­re ab­hän­gig­keit von fos­si­len en­er­gie­quel­len und schur­ken­staa­ten zu re­du­zie­ren, oder die re­du­zie­rung zum bei­spiel von ver­pa­ckungs­müll. fast 60 jah­re jute statt plas­tik ha­ben den ver­pa­ckungs­müll kaum re­du­ziert, ge­nau­so wie schau­fens­ter­po­li­ti­sche stunts wie der grü­ne punkt oder trittins pfand­ge­döns.

es gibt un­men­gen bren­nen­der fra­gen (im wahrs­ten sinn des wor­tes) und kri­sen, die wir po­li­tisch lö­sen müs­sen. das ist kom­pli­ziert und funk­tio­niert nicht im­mer im ers­ten wurf, aber an­ders als mit staat­li­cher, ge­sell­schaft­li­cher re­gu­lie­rung, also ge­set­zen und re­geln für alle, kom­men wir da nicht wei­ter.

an­de­rer­seits gibt es re­gu­lie­run­gen, die von an­fang an zum schei­tern ver­ur­teilt sind, also nach­ge­wie­se­ner­mas­sen nicht funk­tio­nie­ren. das sind vor al­lem ju­gend­schutz­re­geln und be­täu­bungs­mit­tel­ver­bo­te. al­les, was sol­che re­gu­lie­run­gen be­wir­ken, sind ge­wis­se rei­bungs­ver­lus­te bzw. leich­te schwie­rig­kei­ten bei der be­schaf­fung. wer trin­ken, kif­fen oder rau­chen will, egal wie alt er ist, egal wie le­gal, il­le­gal oder teu­er die be­schaf­fung ist, fin­det wege. auch das so­cial-me­dia-ver­bot in aus­tra­li­en wirkt so gut wie gar nicht:

Die bis­he­ri­gen Da­ten zei­gen, dass das aus­tra­li­sche So­cial-Me­dia-Min­dest­al­ter die Nut­zung durch Un­ter-16-Jäh­ri­ge bis­lang nur be­grenzt re­du­ziert hat und die Al­ters­be­schrän­kun­gen in gro­ßem Um­fang um­gan­gen wer­den.

-- quel­le

na­tür­lich bin ich der mei­nung, dass wir staat­li­che re­gu­lie­rung von so­cial me­dia und tech-platt­for­men brau­chen, aber eben für alle. dark pat­terns, sucht­för­dern­de de­sign­mus­ter oder mo­de­ra­ti­ons­de­fi­zi­te auf öf­fent­lich zu­gäng­li­chen platt­for­men müs­sen ge­nau wie schäd­li­che sub­stan­zen oder ge­sund­heits­ge­fähr­den­de pro­duk­te re­gu­liert oder mit re­gu­la­to­ri­schen mit­teln so ver­teu­ert wer­den, dass sie sich für die be­trei­ber we­ni­ger loh­nen.

aber das mit dem ju­gend­schutz al­lein durch ver­bo­te kön­nen wir uns ab­schmin­ken. oder we­ni­ger po­le­misch for­mu­liert: re­gu­lie­rung soll­te nicht bei den nut­zen­den an­set­zen, son­dern bei den an­ge­bo­ten und an­bie­tern. und die bes­te ju­gend­schutz­grund­la­ge ist im­mer noch, ju­gend­li­che da­bei zu un­ter­stüt­zen, stark, au­to­nom und selbst­stän­dig wer­den zu kön­nen. nicht vor­nehm­lich die ju­gend vor po­ten­zi­el­len ge­fah­ren und ri­si­ken schüt­zen, son­dern ih­nen das rüst­zeug an die hand ge­ben, um mit den ri­si­ken um­zu­ge­hen oder sie zu ver­mei­den.

ich habe gros­ses ver­trau­en in die ju­gend. nicht weil ich zu ei­nem mil­den on­kel ge­wor­den bin, son­dern weil ich selbst mal ju­gend­li­cher war und mich dar­an er­in­ne­re, dass ich mei­nen el­tern dank­bar bin, dass sie mich dum­me feh­ler ha­ben ma­chen las­sen und ich mir selbst aus­su­chen konn­te, wel­che ri­si­ken ich ein­ge­hen woll­te. ich hat­te zum bei­spiel kei­ne zeit, zu der ich am wo­chen­en­de spä­tes­tens zu hau­se sein muss­te, so­lan­ge ich mon­tag­mor­gens in ei­nem ak­zep­ta­blen zu­stand zur schu­le ging.

re­gu­lie­rung, die ver­ant­wor­tung von der ge­sell­schaft auf den ein­zel­nen ver­schiebt und das dann ju­gend­schutz nennt, nervt mich. ge­nau­so wie leu­te, die jun­gen men­schen kein ver­trau­en schen­ken und un­ter dem deck­man­tel des ju­gend­schut­zes ent­sch­ei­dun­gen für sie tref­fen wol­len. leu­te, die ju­gend­li­che für nar­ziss­tisch, fast-food-, ni­ko­tin-, spiel-, por­no-, gad­get-, auf­merk­sam­keits- oder kon­for­mi­täts­süch­tig hal­ten, ha­ben mich schon als ju­gend­li­cher ge­nervt. und sie ner­ven mich im­mer noch. ins­be­son­de­re wenn ich aus­ge­rech­net auf netz­po­li­tik ko­lum­nen wie die­se von ih­nen le­sen muss.

Statt die eigene Per­sön­lich­keit aus­zu­drü­cken, eti­ket­tie­ren Nutzer:innen alles, was sie tun und was sie sind, mit einem der zahllosen Labels, die über ihre Bild­schir­me fliegen. Dabei passen sie sich allzu ge­schmei­dig wö­chent­lich wech­seln­den Trends an. Sie schreiben über sich selbst, ohne etwas über sich aus­zu­sa­gen.

Social-Media-Trends bestimmen, was Menschen über sich selbst sagen, wie sie sich kleiden und welche Musik sie hören, nicht aber das eigene Interesse oder der eigene Geschmack. So ver­schwin­den sie im Gleich­strom der Clean-Girl-Ästhetik oder in Cow­boy­stie­feln und Mi­ni­rö­cken in ir­gend­ei­ner Bar. Chic.

was für ein quatsch. diese kolumne hätte genauso gut vor 20, 30, 40 oder 60 jahren er­schei­nen können. dann hätte man statt von social-media-platt­for­men von mas­sen­me­di­en oder me­di­en­kon­glo­me­ra­ten geredet. oder statt tech-bros hätte man zei­tungs­ba­ro­ne, rechts­kon­ser­va­ti­ve me­di­en­mo­gu­le, medien- oder stu­dio­bos­se gesagt. die „gleich­schal­tung“ von geschmack, trends und moden wäre dann statt von „grossen tech­platt­for­men“ aus zeitungen, zeit­schrif­ten, film und fernsehen „diktiert“ worden. davor waren es weltliche und kir­chen­fürs­ten, die uns in die „kon­for­mi­tät“ drängen wollten.

alles, was carla siepmann hier über trends, mode, kon­for­mi­tät, in­di­vi­dua­li­tät und darüber, wie „die jugend“ damit umgeht, schreibt, wird seit jahr­hun­der­ten genauso über „die jugend“ ge­schrie­ben. in der regel sind das al­ler­dings alte, weisse männer, die der jugend fehlende stärke, schwache per­sön­lich­kei­ten oder einen mangel an autonomie, willen und in­di­vi­dua­li­tät vorwerfen.


nach­trag 28.09.2026:

jan­nis scha­ka­ri­an hält fest, was der psy­cho­lo­ge pe­ter gray über die „Dis­kus­si­on um So­cial Me­dia und mög­li­che Aus­wir­kung auf Teen­ager und Kin­der [die zum Groß­teil durch] den Best­sel­ler „The Anxious Ge­ne­ra­ti­on“ von Jo­na­than Haidt be­stimmt [wur­de]“ zu sa­gen hat.

Pe­ter Gray sagt, dass sich der An­stieg von An­xie­ty und Sui­zid­zah­len eher durch ge­stie­ge­nem schu­li­schen Druck in den USA er­klä­ren lie­ße. Ins­be­son­de­re führt er an, dass seit den 1980er-Jah­ren die Selbst­stän­dig­keit von Kin­dern im­mer wei­ter ein­ge­schränkt wur­de und das feh­len von frei­em, un­struk­tu­rier­tem Spiel de­ren Re­si­li­enz scha­det. Wäh­rend frü­her Kin­der un­be­auf­sich­tigt mit­ein­an­der spiel­ten, ist das heu­te sel­te­ner ge­wor­den. Dar­in sind sich Haidt und Gray so­gar ei­nig.

der ar­ti­kel ist schon neun tage alt, ich hab ihn aber erst jetzt in mei­nem feed­rea­der ge­se­hen. 



buch: „die wahr­schein­li­che wahr­heit“ von mads pan­kow

felix schwenzel in rezensionen

ich habe mir mads pan­kows buch „die wahr­schein­li­che wahr­heit“ auf der ver­lags­sei­te ge­kauft, nach­dem er mich zu sei­ner buch­vor­stel­lung ein­lud, und gleich an­ge­fan­gen dar­in zu le­sen. bis zur buch­vor­stel­lung hat­te ich die hälf­te durch. mir ge­fiel mads pan­kows art zu schrei­ben von der ers­ten sei­te an. er schreibt ver­ständ­lich und nach­voll­zieh­bar und an kei­ner stel­le fühlt man sich über­for­dert oder ir­ri­tiert1. ich habe bei vie­len au­toren das un­gu­te ge­fühl, dass sie kom­ple­xe sach­ver­hal­te ab­sicht­lich kom­pli­ziert auf­schrei­ben und das als di­stink­ti­ons­merk­mal se­hen. viel­leicht weil sie glau­ben, dass sie dann be­son­ders in­tel­li­gent wir­ken. bei mads pan­kow hat­te ich die­ses ge­fühl nicht ein ein­zi­ges mal. es scheint ihm nicht wich­tig zu sein, in­tel­li­gent zu wir­ken, son­dern es scheint ihm wich­tig, ver­ständ­lich zu schrei­ben. dazu kommt eine un­auf­ge­regt­heit und sach­lich­keit, die ich bei den meis­ten tex­ten über künst­li­che in­tel­li­genz in den letz­ten mo­na­ten im­mer wie­der ver­misst habe.

auch wenn der un­ter­ti­tel des buchs

Wie KI un­se­re Wirk­lich­keit, Mo­ral und Ge­sell­schaft neu be­rech­net

lau­tet, ist das buch nicht wirk­lich über künst­li­che in­tel­li­genz. es ist ein buch über re­la­ti­vi­tät, die re­la­ti­vi­tät von wahr­heit — oder die ge­schich­te und zu­kunft der wahr­heit.

ich habe über das the­ma seit jah­ren auch (re­la­tiv) in­ten­siv nach­ge­dacht. 2015 stell­te ich als teil­fa­zit ei­nes re­pu­bli­ca-vor­trags die stei­le the­se auf, dass die wahr­heit im­mer ein kom­pro­miss oder re­la­tiv sei. das ist so zu­sam­men­hangs­los ein sehr miss­ver­ständ­li­cher satz, und auch wenn ich spä­ter prä­zi­sier­te, dass es mir dar­um ging, der so­ge­nann­ten „wahr­heit“ im­mer dif­fe­ren­ziert, skep­tisch und mit de­mut zu be­geg­nen. vor al­lem des­halb, weil die wahr­heit — die welt — un­se­rer wahr­neh­mung nicht voll­um­fäng­lich zu­gäng­lich ist.

ich habe mich ge­freut, bei mads pan­kow ähn­li­che the­sen zu le­sen, die aber um ein viel­fa­ches ele­gan­ter und so­li­der be­grün­det sind als mein rum­ge­eie­re vor 11 jah­ren. hier zum bei­spiel über die „prag­ma­ti­sche wahr­heit“ und eine „alte The­se des Kon­struk­ti­vis­mus“:

Die Welt weiß nichts von un­se­ren Be­schrei­bun­gen und Theo­rien. Sie bleibt letzt­lich un­zu­gäng­lich. Eine letz­te Wahr­heit gibt es nicht, nur bes­se­re und schlech­te­re Mo­del­le. Wahr ist, was funk­tio­niert, Pro­gno­sen er­laubt.

mads pan­kow ord­net die ver­schie­de­nen aus­prä­gun­gen von wahr­heit in die me­di­en­ge­schich­te ein. münd­lich­keit, schrift und buch­druck ha­ben je ei­ge­ne mass­stä­be da­für ge­setzt, was als wahr, be­leg­bar und all­ge­mein­ver­bind­lich gilt. so­zia­le me­di­en und neu­er­dings „pro­ba­bi­lis­ti­sche ma­schi­nen“ (wie mads pan­kow KI oft nennt2), re­la­ti­vie­ren un­se­ren wahr­heits­be­griff noch ein­mal.

EINE KLEI­NE GE­SCHICH­TE DER WAHR­HEIT

Neue Kom­mu­ni­ka­ti­ons­tech­no­lo­gien ver­än­dern die Art und Wei­se, wie wir die Welt be­schrei­ben und ver­ste­hen. Mit der Schrift setz­te sich die li­nea­re Ar­gu­men­ta­ti­on durch und er­for­der­te eine Ord­nung der Wirk­lich­keit in Ka­te­go­rien und Re­geln. Der Buch­druck ver­viel­fäl­tig­te nicht nur Tex­te, son­dern auch Per­spek­ti­ven – und schuf da­mit ei­nen öf­fent­li­chen Dis­kurs, in dem Wahr­hei­ten um Gül­tig­keit kon­kur­rie­ren. Mit den di­gi­ta­len Tech­no­lo­gien ent­ste­hen nun zwei neue Wis­sens­ord­nun­gen: die ge­fühls­be­zo­ge­ne der so­zia­len Me­di­en und die wahr­schein­lich­keits­ba­sier­te der Künst­li­chen In­tel­li­genz.

wie ge­sagt, mads pan­kow lei­tet sei­ne me­di­en­ge­schich­te der wahr­heit gut les­bar und nach­voll­zieh­bar her, und das zu le­sen hat mir gros­ses ver­gnü­gen be­rei­tet. er ver­zich­tet auf jar­gon und nutzt fremd­wor­te nur, wenn es wirk­lich nö­tig ist oder passt. ich lese zu ähn­li­chen the­men auch sehr ger­ne die tex­te von mi­cha­el see­mann (zum bei­spiel die­sen), aber ge­ra­de der kon­trast zu see­manns tex­ten macht deut­lich, wel­che mühe sich pan­kow macht, sein buch auch nicht-in­si­dern zu­gäng­lich zu ma­chen. er setzt nichts vor­aus, man muss kein wis­sen über car­te­sia­nis­mus, an­thro­po­mor­phis­mus oder re­la­tio­na­len ma­te­ria­lis­mus mit­brin­gen, aber man merkt, dass pan­kow das wis­sen mit­bringt. aber statt es dem le­ser ins ge­sicht zu klat­schen, packt er es in die an­mer­kun­gen und läuft die ex­tra mei­le, bleibt im deut­schen, de­fi­niert be­grif­fe, be­vor er sie be­nutzt, deu­tet nicht an, son­dern for­mu­liert aus. aber er ver­ein­facht auch nicht so weit, dass die dif­fe­ren­zie­rung und prä­zi­si­on ver­lo­ren ge­hen. das eine oder an­de­re wis­sen­häpp­chen hat­te ich bei der lek­tü­re schon in­tus und im­mer wenn ich beim le­sen mal kurz dach­te, dass eine er­klä­rung zu kurz griff, dif­fe­ren­zier­te pan­kow ein paar sät­ze spä­ter.

das buch ist ein me­di­en- und ge­sell­schafts­theo­re­ti­scher es­say, der mich the­ma­tisch stark an mei­ne lek­tü­re von vor 40 jah­ren von neil post­mans „wir amü­sie­ren uns zu tode“ er­in­nert. aber ohne den gan­zen pes­si­mis­mus und die tech­no­pho­bie. die wahr­schein­li­che wahr­heit spru­delt im kon­trast nur so vor op­ti­mis­mus und dem glau­ben, dass wir als ge­sell­schaft die her­aus­for­de­run­gen der neu­en me­di­en und pro­ba­bi­lis­ti­schen ma­schi­nen schon meis­tern und die chan­cen er­grei­fen wer­den — ob­wohl „spru­deln­der op­ti­mis­mus“ viel­leicht et­was über­trie­ben ist. im­mer­hin lau­tet das fa­zit des buchs: „Die Me­di­en­ka­ta­stro­phe“. aber wie ein gu­ter op­ti­mist sieht er das glas we­der als halb voll noch als halb leer an, son­dern als glas, das man fül­len kann. die ka­ta­stro­phe sieht er als ge­stalt­bar an, vom kul­tur­pes­si­mis­mus lässt er die fin­ger.

so so­li­de mir sei­ne kul­tur­theo­rie der wahr­heit vor­kam, scheint mir der zwei­te teil des bu­ches auf wei­che­ren, hy­po­the­ti­schen füs­sen zu ste­hen. oder um­ge­kehrt, viel­leicht war ich auch ein­fach vom zwei­ten teil über­for­dert. aber das ist wohl we­ni­ger mads pan­kows schuld, als die kom­ple­xi­tät der her­aus­for­de­run­gen vor die uns die­se neu­en pro­ba­bi­lis­ti­schen sys­te­me stel­len, die uns ge­ra­de von den tech­no­lo­gie-un­ter­neh­men über­ge­stülpt3 wer­den.

die ver­wer­fun­gen der so­zia­len me­di­en, die uns ge­ra­de mal 20 jah­re be­glei­ten, zie­hen ge­ra­de in un­se­re par­la­men­te ein. den um­gang mit die­sen af­fek­ti­ven wahr­hei­ten ha­ben un­se­re ge­sell­schaf­ten noch nicht mal im an­satz ge­meis­tert — und schon dro­hen die wahr­schein­lich­keits­ba­sier­ten me­di­en die ge­sell­schaft­li­che ord­nung noch­mal in ih­ren grund­fes­ten zu er­schüt­tern. mads pan­kow sieht chan­cen in der ka­ta­stro­phe und hält sie für gestal­bar. ich fra­ge mich, ob die ge­stal­tung mehr zeit braucht, als der fort­schritts-takt uns der­zeit lässt und ob wir die­sen takt mit et­was mehr fort­schritt­pes­si­mis­mus und re­gu­lie­rung aus­brem­sen soll­ten.

so oder so brau­chen wir mehr denk­ar­beit zum ge­sell­schaft­li­chen wan­del in den uns der ra­sen­de tech­no­lo­gi­sche fort­schritt so oder so schleu­dert. und im con­stan­tin seibt’schen sin­ne4 lie­fert mads pan­kow auf 284 sei­ten 5 un­men­gen an denk­ar­beit zum wei­ter­den­ken. 

zum wei­ter­le­sen und wei­te­re re­zen­sio­nen::


Mads Pan­kow
Die wahr­schein­li­che Wahr­heit.
Wie KI un­se­re Wirk­lich­keit, Mo­ral und Ge­sell­schaft neu be­rech­net.
Matthes & Seitz Ber­lin, 2026.
e-book 19,99 € · ge­bun­den 25,00 €

ver­lag epub/ge­bun­den | ama­zon | tha­lia

★ ★ ★ ★ ☆

  1. was mich ein biss­chen ir­ri­tier­te war mads pan­kows nut­zung des ge­ne­ri­schen mas­ku­li­num und fe­mi­ni­num und der klas­si­schen dopp­lung (au­torin­nen und au­toren, bür­ger­rin­nen und bür­ger). auch wenn die dopp­lung das häu­figs­te mit­tel ist, pen­delt der text wild zwi­schen dop­pe­lung, mas­ku­li­num und fe­mi­ni­num. ↩

  2. auch: pro­ba­bi­lis­ti­sche sys­te­me/mo­del­le/al­go­rith­men ↩

  3. sie­he je­re­my keith: „The ma­jo­ri­ty con­sen­sus among­st ac­tu­al re­gu­lar peo­p­le is that this is be­ing forced down our throats and stuf­fed into our eyes and ears.“ ↩

  4. con­stan­tin seibt über kom­pri­mier­te zeit: „Das Kon­zept von kom­pri­mier­ter Zeit ist auch das der Grund, war­um Leu­te gern le­sen: Sie ma­chen ein blen­den­des Ge­schäft. In ei­ner Mi­nu­te ha­ben sie eine Stun­de frem­de Denk­ar­beit oder mehr ge­won­nen.“ quel­le: ta­ges­an­zei­ger.ch/dead­line (in 404 ver­siegt) ↩

  5. in mei­nem e-book rea­der wa­ren es 936 sei­ten ↩



se­ren­di­pi­tät

felix schwenzel in über wirres

heu­te ein biss­chen plan­los in mei­ner web­site rum­ge­klickt und mich da­bei ge­fragt, was der un­ter­schied zwi­schen den ka­te­go­rien „ix über wir­res“ und „über wir­res“ sein könn­te. mei­ne ent­sch­ei­dun­gen von vor zehn, drei jah­ren, manch­mal auch die von vor zehn oder zwei ta­gen, sind für mich selbst nicht im­mer klar nach­voll­zieh­bar. die ant­wort lau­tet wahr­schein­lich, dass ich die ka­te­go­rie „ix über wir­res“ in die an­de­re über­füh­ren soll­te. je­den­falls bin ich dann wie­der auf den elf jah­re al­ten ar­ti­kel mit dem ti­tel „20 jah­re ins in­ter­net lin­ken“ ge­lan­det und von dort auf den ar­ti­kel „Wie ich das Blog­gen er­fand“ von tim cole. dort be­schreibt tim cole, wie er 1995 an­fing zu blog­gen.

un­ter dem bei­trag stand ein kom­men­tar von be­ne­dikt koeh­ler, der da­mals me­ta­roll.de be­trieb und dort un­ter an­de­rem eine „Ge­schich­te der deut­schen Blogos­hä­re“ als zeit­strahl pfleg­te. die ori­gi­nal­ad­res­se der sei­te er­gibt schon lan­ge 404, die ko­pie auf ar­chi­ve.org funk­tio­niert we­gen ja­va­script-feh­lern nicht mehr.

also dach­te ich mir: „scha­de!“ und ob ich das nicht mal schnell rü­ber­ko­pie­ren könn­te und wie­der zum lau­fen brin­gen könn­te. mit et­was hil­fe ging das ganz schnell, auch die alte SI­MI­LE ja­va­script-bi­blio­thek, die den zeit­strahl baut, funk­tio­nier­te noch:

wir­res.net/html/me­ta­roll.de/blog­his­to­ry.html

dann frag­te ich mich, ob viel­leicht ne mo­der­ne­re bi­blio­thek zur dar­stel­lung ei­nes zeit­strahls gibt und die gibts of­fen­sicht­lich mit vis-time­line:

wir­res.net/html/me­ta­roll.de/blog­his­to­ry-vis.html

die blog­his­to­ry quell­da­tei die be­ne­dikt koeh­ler da­mals zu­sam­men­ge­tra­gen hat habe ich un­ver­än­dert ge­las­sen, aus­ser dass ich zwei ein­trä­ge hin­zu­ge­fügt und ei­nen ver­scho­ben habe:

  • time cole führt die time­line mit dem 4. ja­nu­ar 1995 an
  • mei­ne al­ten link­sei­ten von min­des­tens dem 11. ok­to­ber 1995 habe ich hin­zu­ge­fügt
  • den be­ginn von wir­res.net habe auf den 20. april 2002 ver­scho­ben, aber da­für
  • ix.edit­thispage.com auf den 1. juli 2000 ge­ho­ben (wo vor­her, in be­ne­dikts ver­si­on, wir­res.net stand)

dann habe ich ein biss­chen auf dem zeit­strahl rum­ge­klickt und war ei­ner­seits nicht über­rascht, wie vie­le der blogs ver­stor­ben sind und an­de­rer­seits doch über­rascht.

über die frü­he ver­si­on von in­dus­tri­al tech­no­lo­gy & witch­craft, dann auf eine spä­te­re ver­si­on von in­dus­tri­al tech­no­lo­gy & witch­craft ge­langt und dort die­se per­le von heinz er­hard via nip­pes­hex­chen von majo tran­skri­biert:

Der Fi­scher

Das Meer ist an­ge­füllt mit Was­ser
und un­ten ist’s be­son­ders tief,
am Stran­de die­ses Mee­res sass er,
d.h. er lag, weil er ja schlief.

Und noch­mal: Am Mee­re sass er,
d.h. er lag, weil er ja schlief,
und in dem Meer war sehr viel Was­ser
und un­ten war’s be­son­ders tief.

Da plötz­lich teil­ten sich die Flu­ten
und eine Jung­frau kam her­für,
auf ei­ner Flö­te tat sie tu­ten,
das war kein schö­ner Zug von ihr.

Dem Fi­scher ging das Lied zu Her­zen,
ob­wohl sie fal­sche Töne pf­off ---
man sah ihn in das Was­ser ster­zen,
dann ging er un­ter und er­soff.

ich ab mich dann al­ler­dings ge­fragt, ob er­hardt wirk­lich „d.h.“ und „---“ ver­wen­det ha­ben könn­te und goo­gel­te/sterz­te dem ge­dicht nach, bis ich ei­nen (re­la­tiv neu­en) ab­druck in buch­form (sei­te 24) fand. also noch­mal neu set­zen:

Der Fi­scher

(Frei nach Jo­hann Se­bas­ti­an Goe­the)

Das Meer ist an­ge­füllt mit Was­ser
und un­ten ist’s be­son­ders tief,
am Stran­de die­ses Mee­res saß er,
d. h., er lag, weil er ja schlief.
Und nun noch mal: Am Mee­re saß er,
d. h., er lag, weil er ja schlief,
und in dem Meer war sehr viel Was­ser
und un­ten war’s be­son­ders tief.

Da plötz­lich teil­ten sich die Flu­ten
und eine Jung­frau kam her­für,
auf ei­ner Flö­te tat sie tu­ten,
das war kein schö­ner Zug von ihr.
Dem Fi­scher ging das Lied zu Her­zen,
ob­wohl sie fal­sche Töne pf­off – – –
man sah ihn in das Was­ser ster­zen,
dann ging er un­ter und er­soff.


für den mor­gen­spa­zier­gang sind fri­da und ich heu­te mit der sbahn nach froh­nau ge­fah­ren und von dort durch froh­nau und den te­ge­ler forst zu­rück nach te­gel ge­lau­fen.

die ap­ple watch hat ins­ge­samt 8,8 km und fast 10.000 schrit­te auf­ge­zeich­net, nach dem spa­zier­gang hat fri­da bis 16:30 ge­schla­fen. ich ver­mu­te es ist für sie um ein viel­fa­ches an­stren­gen­der an der kur­zen lei­ne zu ge­hen als im frei­lauf zu schnüf­feln, zu stö­bern und jä­ge­rin zu spie­len. wenn sie wie heu­te im wald durch­ge­hend an der kur­zen lei­ne ist und sich auf mich kon­zen­trie­ren muss, dürf­te das sehr an­stren­gend sein. auf der rück­fahrt im bus an ei­nem wahl­kampf­pla­kat vor­bei­ge­kom­men das zwar als CDU pla­kat zu er­ken­nen war, aber sich trotz­dem das CDU-logo spar­te, bzw. das mit 80% trans­pa­renz in der obe­ren, rech­ten ecke ver­steck­te. 






fdp wahlplakat von maren jasper-winter mit de, slogan: „gutes deutsch. gute chancen.“

manch­mal hilft auch „gu­tes deutsch“ nicht um eine chan­ce zu ha­ben.
oder an­ders­rum: egal wir gut und ober­che­cker­mäs­sig das deutsch ist, wenn sich wor­te und ver­spre­chen nicht mit ta­ten de­cken, hat man of­fen­bar nicht so gute chan­cen. 


aus der ab­tei­lung quod li­cet iovi, non li­cet bovi. fried­rich merz von 2 ½ jah­ren. 



22.09.2026

felix schwenzel in notiert

ur­laub zu ha­ben ge­fällt mir er­war­tungs­ge­mäss sehr gut. die letz­ten ar­beits-wo­chen wa­ren ziem­lich an­stren­gend und es ge­lang mir nicht mehr so gut die ar­beit nach fei­er­abend hin­ter mir zu las­sen. ich habe mich in den letz­ten wo­chen mehr­fach da­bei er­wischt, wie ich beim ein­schla­fen über ar­beits­the­men nach­dach­te oder sie in ge­dan­ken ver­such­te zu struk­tu­rie­ren. des­halb tut es gut beim ein­schla­fen, träu­men oder un­ter der du­sche über mei­ne ei­ge­nen the­men und pro­ble­me nach­zu­den­ken.

auch schön, hun­de dür­fen jetzt bei ikea mit ein­kau­fen ge­hen. weil die bei­fah­re­rin ein paar sa­chen brauch­te, ha­ben fri­da und ich das gleich mal aus­pro­biert. ging gut, auch wenn sie ge­le­gent­lich quak­te, wenn ich mir sa­chen zu lan­ge an­sah. aus der ikea-smar­thome-ab­tei­lung reiz­te mich nicht zu ei­nem spon­tan­kauf, aber eine edel­stahl­pfan­ne woll­te ich doch mal aus­pro­bie­ren. ich habe jetzt so vie­le koch-you­tube-vi­de­os ge­se­hen, dass ich reif da­für war. gleich aus­pro­biert und da klebt tat­säch­lich nix fest, wenn man sie vor­her or­dent­lich auf­heizt (lei­den­frost-test). und wie er­fri­schend es ist mit me­tall­werk­zeu­gen in der pfan­ne han­tie­ren zu kön­nen. die be­schich­te­ten pfan­nen und töp­fe flie­gen in den nächs­ten tage alle raus und fri­da und ich wer­den noch­mal zu ikea fah­ren.


mei­ne mitt­ler­wei­le über 9 mo­na­te dau­ern­de aus­wer­tung/log­ging mei­nes me­di­en­kon­sums hat er­ge­ben, dass ich pro tag im schnitt fast um die zwei stun­den vor der glot­ze hän­ge. heu­te hab ich mir ei­nen neu­en trick bei­ge­bracht. auf dem sofa sit­zen und statt auf dem lap­top be­wegt­bil­der mit ton zu schau­en, hab ich mir den ta­schen­rech­ner vors ge­sicht ge­hal­ten und dort ein buch zu­en­de ge­le­sen, das ers­te seit ei­ni­gen jah­ren. ich habe in den letz­ten jah­ren zwar ein paar bü­cher ge­le­sen, aber keins zu­en­de.

an­de­rer­seits, wenn bü­cher CDs wä­ren, hät­te ich seit ei­ni­gen jah­ren kei­ne CD mehr ge­hört. was aber eben nicht be­deu­tet, dass ich kei­ne mu­sik ge­hört hät­te. die fra­ge stell ich mir öf­ter: sind bü­cher nicht ein­fach sorg­fäl­tig ge­schrie­be­ne und zu­sam­men­ge­stell­te ar­ti­kel? bis mar­kus ein buch ge­schrie­ben hat­te, wuss­te ich mit dem be­griff no­vel­le nicht viel an­zu­fan­gen. weil mar­kus sein much aber im­mer „no­vel­le“ nennt, ist mir der be­griff jetzt ge­läu­fig, bzw. ich weiss, dass es ein re­la­tiv kur­zes buch ist, des­sen ka­pi­tel auch als ar­ti­kel-se­rie in ei­nem blog er­sch­ei­nen könn­te. dann könn­te man die tex­te aber nicht so ein­fach ver­kau­fen und es wür­den kei­ne kri­ti­ken er­sch­ei­nen. kri­ti­ker schrei­ben kei­ne blog-kri­ti­ken, sie be­müs­si­gen sich nur bei bü­chern sie zu durch­zu­le­sen und da­nach zu be­wer­ten.

sach­bü­cher die­nen, ähn­lich wie blogs, auch dazu den au­toren oder die au­torin als ex­per­ten oder ex­per­tin zu iden­ti­fi­zie­ren. aber sach­bü­cher funk­tio­nie­ren bes­ser um ein­la­dun­gen zu vor­trä­gen oder dis­kus­si­ons- oder ex­per­ten­run­den zu be­kom­men. auf der re­pu­bli­ca ist ge­fühlt die hälf­te der vor­tra­gen­den auf pro­mo für ihr neu­es­tes buch.

ein wei­te­rer grund ein buch zu ver­öf­fent­li­chen, statt eine web­sei­te oder blog zu ver­öf­fent­li­chen, sind ran­kings. blog- oder web­sei­ten-ran­kings nimmt nie­mand mehr ernst und ab­ge­se­hen daon gibt es sie ei­gent­lich auch gar nicht mehr. bes­te­sel­ler­lis­ten meh­men man­che leu­te noch ernst.


ei­gent­lich woll­te ich heu­te bei ikea mei­nen weg tra­cken. oder zu­min­dest aus­pro­bie­ren ob das in der ikea-blech- und be­ton-büch­se über­haupt funk­tio­niert. hab ich aber lei­der ver­ges­sen und konn­te das des­halb auch nicht als nach­mit­tags-wan­de­rung log­gen. noch nicht mal ein­ge­scheckt hab ich mich heu­te dort. ich glau­be ich habe ei­nen in­ne­ren zwang mei­nen ikea-be­such zu ef­fi­zi­ent wie mög­lich zu ge­stal­ten und ver­ges­se da­bei dann al­les was ich mir aus­ser ein­kau­fen vor­ge­nom­men habe: op­ti­mal plat­zier­ten park­platz fin­den, ein­gang hoch, so­fort run­ter in die „markt­hal­le“, dort so vie­le ab­kür­zun­gen wie mög­lich nut­zen, um so schnell wie mög­lich an der selbst-scan-kas­se wie­der raus zu kom­men. ich glau­be wir wa­ren heu­te ge­ra­de mal 20 mi­nu­ten im ikea.


zu es­sen hab ich mir ges­tern mal wie­der die sau­er­kraut­sup­pe nach mäl­zer ge­macht. statt mit kalbs­brat­wurst­brät mit selbst­ge­mach­ten tofu-brät das köst­lich war, aus dem ich aber fri­ka­del­len bra­ten muss­te, weils zu flüs­sig wur­de. das an­bra­ten des tofu-brät-breis war der ul­ti­ma­ti­ve edel­stahl­pfan­nen-sti­cki­ness-test, den sie mit bra­vur be­stan­den hat. 




im­mer noch 14 von 66 seen

felix schwenzel in artikel, teil der sammlung: 66 seen wanderungen

die stre­cke von han­gels­berg nach fürs­ten­wal­de hab ich raus­ge­sucht, weil sie nicht zu lang ist (14 ki­lo­me­ter) und man von fürs­ten­wal­de mit der bahn zu­rück nach han­gels­berg fah­ren kann. wir sind dann zwar mit dem bus ge­fah­ren, aber das klapp­te ge­nau­so gut. die an­fahrt ha­ben wir mit dem auto ge­macht, weil das nur 50 mi­nu­ten dau­er­te und mit den öf­fent­li­chen zwei stun­den ge­dau­ert hät­te.

die tour soll­te 14 ki­lo­me­ter lang sein und drei stun­den dau­ern, wir ha­ben das mit zwei pau­sen dann auch tat­säch­lich in 3 stun­den ge­schafft.

die GPX-rou­te von hier ist ziem­lich ver­al­tet und hat uns ein­mal in eine sack­gas­se ge­lei­tet. auch von dem fast durch­ge­hen­den fahr­rad­weg zwi­schen han­gels­berg und fürs­ten­wal­de wuss­te die GPX-rou­te nichts. trotz­dem, die stre­cke war nicht kom­pli­ziert, im prin­zip im­mer an der müg­gel­spree und spä­ter an der fürs­ten­wald­spree ent­lang. be­son­ders an­spruchs­voll war die stre­cke auch nicht, aber teil­wei­se sehr schön. seen gabs kei­ne, aber die müg­gel- und fürs­ten­wal­de-spree wa­ren auch schön und teil­wei­se seen-ar­tig.

ei­ner­seits schön, an­de­rer­seits ein biss­chen an­stren­gend war, dass der ziem­lich neue fahr­rad­weg zwi­schen han­gels­berg und fürs­ten­wal­de oft auch gleich­zei­tig der 66 seen wan­der­weg war. trotz­dem hat das auch gut mit dem hund ge­klappt. bei ei­ner hun­de­be­geg­nung wur­de es kurz ein biss­chen laut, ei­ner von zwei hun­den kam bel­lend auf uns zu und das frau­chen schrie un­ab­läs­sig um ihn zu­rück­zu­ru­fen. er war aber be­schäf­tigt ei­nen ko­mi­schen al­ten mann (mich) mit ei­nem noch ko­mi­sche­ren klei­nen hund (fri­da) zu ver­trei­ben und konn­te des­halb nicht zu­rück zur be­sit­ze­rin lau­fen. ich hab ihn dann lang­sam aber si­cher (mit ab­stand) doch wie­der in rich­tung sei­ner be­sit­ze­rin ge­drückt. wäh­rend­des­sen blieb fri­da ru­hig und vor­bild­lich hin­ter mir und liess mich die si­tua­ti­on re­geln.

die zwei­te und drit­te hun­de­be­ge­gung er­in­ner­te mich an die ge­schich­te vom igel und dem ha­sen. ein päär­chen mit je ei­nem hund an der lei­ne kam uns auf dem weg zwei­mal (!) ent­ge­gen. wir hat­ten wirk­lich ein gu­tes tem­po1 drauf und ich kann mir, ob­wohl wir zwi­schen­durch eine 20-mi­nü­ti­ge pau­se ge­macht ha­ben, nicht wirk­lich er­klä­ren wie die das ge­macht ha­ben.

die 14 ki­lo­me­ter ha­ben wir gut weg­ge­steckt, fri­da hat­te ei­nen ste­ti­gen und ent­spann­ten vor­wärts­drang. das ent­span­nen fiel ihr wit­zi­ger­wei­se bei der pau­se schwer. ein­mal un­ter­wegs läuft und läuft und läuft sie und ich glau­be ich/wir kön­nen auch eine län­ge­re wan­de­rung als 14 ki­lo­me­ter mit ihr wa­gen. al­ler­dings war sie nach der wan­de­rung schon sehr müde und schläft und schläft und schläft. 


  1. der durch­schnittspace über die gan­ze stre­cke war 10'25"/km, also fast 6 km/h (ob­wohl stän­di­ges fo­to­gra­fie­ren und die­se eine hun­de­be­geg­nung den pace na­tür­lich leicht rui­niert ha­ben). ↑︎

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was frau klug­sch­eis­ser hier über das ok­to­ber­fest schreibt, er­in­nert mich an die rhei­ni­sche tra­di­ti­on des kar­ne­vals. ich bin im rhein­land auf­ge­wach­sen und habe das un­ge­fähr 20 jah­re mit­er­lebt und be­ob­ach­tet. im un­ter­schied zum ok­to­ber­fest, hat kar­ne­val auch ei­nen po­li­ti­schen hin­ter­grund, von dem man in der neu­zeit­li­chen aus­prä­gung zwar nicht mehr all­zu viel mit­be­kommt. die idee, im schutz von ver­klei­dung und hu­mor die ob­rig­keit zu ver­spot­ten und ge­sell­schaft­li­che zu­stän­de zu kri­ti­sie­ren, ist aber hier und da noch sicht­bar.

prak­tisch dient der kar­ne­val, wie das ok­to­ber­fest, aber vor al­lem als aus­re­de, sich mass­los zu be­sau­fen, sich ge­hen zu las­sen und ge­wis­se ge­sell­schaft­li­che kon­ven­tio­nen für eine wei­le aus­zu­set­zen. als ju­gend­li­cher im rhein­land fand ich das gut und habe die ge­le­gen­heit ger­ne ge­nutzt. ich habe er­fah­run­gen sam­meln kön­nen, zu de­nen ich im nor­ma­len le­ben kei­ne ge­le­gen­heit hat­te, wie zum bei­spiel ei­nen faust­schlag ins ge­sicht zu be­kom­men und die ge­le­gen­heit auf ei­ner abend­ver­an­stal­tung zu knut­schen.

bis zu mei­nem acht­zehn­ten le­bens­jahr fand ich kar­ne­val gut. ich habe die ta­ge­lan­ge ver­an­stal­tung ra­tio­na­li­si­ert und mir ge­dacht, dass es gut sei, wenn men­schen ein­mal pro jahr nar­ren­frei­heit be­kom­men und die­se zeit als ab­lass­ven­til nut­zen kön­nen und für eine ge­wis­se zeit ihre sor­gen, zwän­ge und hem­mun­gen ver­ges­sen könn­ten. dann fuhr ich mit 17 jah­ren für ein jahr als aus­tausch­schü­ler nach ame­ri­ka. dort bil­de­te ich mir kurz ein, den kar­ne­val zu ver­mis­sen, aber als ich als acht­zehn­jäh­ri­ger zu­rück­kam, war ich dem kar­ne­vals­trei­ben völ­lig ent­frem­det.

in mei­ner nach-aus­tausch­schü­ler-zeit fand ich kar­ne­val nur noch stö­rend, laut, über­grif­fig und al­bern. je­des jahr zur kar­ne­vals­zeit flüch­te­te ich aus dem rhein­land. das ist auch ei­ner der un­ter­schie­de zum ok­to­ber­fest, das ok­to­ber­fest, die the­re­si­en­wie­se, kann man viel­leicht um­fah­ren, auch wenn die aus­wir­kun­gen in der gan­zen stadt mün­chen spür­bar sind, ist der ei­gent­lich wahn­sinn ört­lich be­grenzt. dem kar­ne­val ent­kommt man in rhei­ni­schen städ­ten nicht. es wird über­all ge­sof­fen, froh­sinn in die welt ge­ru­fen und krach ge­macht. die gan­ze stadt steht im wahrs­ten sin­ne des wor­tes kopf, von don­ners­tag bis diens­tag. um dem wahn­sinn zu ent­kom­men, muss man das rhein­land ver­las­sen. 


tas­ta­tur­kür­zel

felix schwenzel in über wirres

mir ist auf­ge­fal­len1, dass ich den html-tag <kbd> noch nie rich­tig ge­sty­led hat­te. das habe ich jetzt nach­ge­holt und kann über die tas­ta­tur­kür­zel, die auf wir­res.net funk­tio­nie­ren, schrei­ben.

was ich stän­dig selbst be­nut­ze, ist die tas­te y. die klappt das na­vi­ga­ti­ons­me­nü rechts auf, egal wo ich mich auf der sei­te be­fin­de. was ich auch stän­dig selbst be­nut­ze, ist j/k. auf ar­ti­kel­sei­ten na­vi­giert man da­mit zum vor­he­ri­gen / nächs­ten ar­ti­kel, auf über­sichts­sei­ten scrollt man da­mit von ei­nem bei­trag zum nächs­ten.

eine über­sicht der tas­ta­tur­kür­zel be­kommt man mit ?, und mit x klappt man ar­ti­kel tem­po­rär zu (was über­sichts­sei­ten manch­mal über­sicht­li­cher macht).

(ko­n­a­mi code ist nicht im­ple­men­tiert. der funk­tio­niert aber auf bubbles.) 


  1. an den html-tag <kbd> hat mich die­ser mark­down-edi­tor er­in­nert. den nut­ze ich zwar nicht, aber in den letz­ten ta­gen habe ich sehr oft das pas­te-to-mark­down-fea­ture auf der glei­chen sei­te ge­nutzt. das ist enorm hilf­reich, wenn man for­ma­tier­ten text (mit for­ma­tie­rung oder links) mal eben schnell in mark­down wan­deln will, was ich bei der re­kon­struk­ti­on mei­ner al­ten piqs sehr viel ge­tan habe. ↑︎



18.09.2026

felix schwenzel in notiert

ab heu­te 2 wo­chen ur­laub. in mee­tings habe ich heu­te mehr­fach auf die fra­ge, was ich denn ma­chen wür­de, ge­scherzt: von der ur­laubs­über­ga­be er­ho­len. ich konn­te zwar er­staun­lich vie­le lose en­den letz­ten bei­den ta­gen ver­kno­ten, aber lan­ge nicht alle. ur­laubs­über­ga­ben sind wahr­schein­lich auch der grund, war­um ich so un­ger­ne ur­laub neh­me. was ich sehr ger­ne ma­che, wenn ich am ende des jah­res zu­viel ur­laubs­ta­ge üb­rig habe, ist mir ei­ni­ge mitt­wo­che frei­zu­neh­men und mir so jede wo­che ein zwei­tes, kur­zes wo­chen­en­de zu be­sche­ren. ein frei­er mitt­woch struk­tu­riert die wo­che auf eine sehr an­ge­neh­me art.

seit mei­ner kind­heit bin ich un­fä­hig wo­chen­en­den wirk­lich zu ge­nies­sen, weil mir ir­gend­wann auf­fiel, wie schnell so ein wo­chen­en­de rum ist. ei­gent­lich ist nur der sams­tag rich­ti­ges wo­chen­en­de. am sams­tag kann ich mich noch ein biss­chen freu­en, weil ich weiss, am nächs­ten tag noch frei zu ha­ben. am sonn­tag sehe ich den mon­tag stän­dig am ho­ri­zont win­ken. an­de­rer­seits, und das ma­che ich erst seit ich über 50 bin, freue ich mich mon­tags dar­über, dass die wo­che bald wie­der vor­bei ist. weil im al­ter rennt die zeit nur so an ei­nem vor­bei. das il­lus­triert die­ser xkcd co­mic sehr schön, der ers­te den ich seit mo­na­ten auf an­hieb ver­stan­den habe.

foto vom möwensee im volkspark rehberge, im wasser reflektiert sich der wolkige himmel, der se ist dicht mit saftigen, grünen bäumen zugewachsen.
him­mel im mö­wen­see vor ein paar ta­gen

kon­stan­tins hüf­te er­laubt ihm skate­board zu fah­ren:

Bin erst ganz vor­sich­tig drauf­ge­stie­gen und lang­sam los­ge­fah­ren. Ging gut. Dann ge­dreht, mit der Hüf­te Schwung ge­ge­ben. Ging rich­tig gut. Da nahm ich Fahrt auf.

und hier schreibt er:

Was ich nach wie vor nicht kann, und kei­ner­leih Am­bi­tio­nen da­für habe, ist das Tricks ma­chen auf ei­nem Skate­board. Aber was ich in­zwi­schen ohne grös­se­re An­stren­gung be­herr­sche, ist das die-Stras­se-ent­lang-Glei­ten auf mei­nem kur­zen Long­board, Shor­ty.

kon­stan­tin hat mit 44 an­ge­fan­gen skate­board zu fah­ren. ich so mit 12 oder 13. aus­ser zu fah­ren hab ich auch nie was ge­lernt und hat­te kei­ne am­bi­tio­nen ir­gend­wel­che tricks zu ler­nen. im ge­gen­teil. ich hielt das skate­board für das idea­le fort­be­we­gungs­mit­tel. man kann es un­ter den arm klem­men, in den öf­fent­li­chen oder pri­va­ten nah­ver­kehr mit­neh­men, in ge­schäf­te mit­neh­men oder sich eben ein­fach drauf stel­len und schnel­ler als zu fuss vor­an­kom­men.

ir­gend­wann bin ich so viel skate­board ge­fah­ren, dass sich mei­ne achil­les­seh­ne ent­zün­det hat und ich ein paar wo­chen pau­sie­ren muss­te.

wäh­rend des stu­di­ums in stutt­gart bin ich über­all mit dem skate­boad hin­ge­fah­ren. da ich mich wäh­rend des stu­di­ums schon ziem­lich alt ge­fühlt habe und nicht mehr ju­gend­lich schlank war, dach­te ich mir, dass ich mein skate­board-fah­ren iro­nisch bre­chen müss­te und trug beim ska­ten aus­schliess­lich an­zug und pas­sen­de le­der­schu­he. vor 22 jah­ren hab ich da mal was zu ge­schrie­ben:

dass skate­board­fah­ren viel an­stren­gen­der, lau­ter, und zum teil auch un­prak­ti­scher [als fahr­rad fah­ren] war nahm ich in kauf. […] aus­ser fah­ren und brem­sen kann ich mit dem skate­board nicht viel, vor al­lem kann ich kei­ne trep­pen­ge­län­der run­ter­fah­ren oder in der hal­ben pfei­fe fah­ren.

videostill aus einem kurzen video in dem ich mit einem anzug und lederschuhen kurz auf einem skateboard rumtolle
ix vor > 22 jah­ren im an­zug auf ei­nem skate­board

ja­son kott­ke liest ge­ra­de ein buch über den ge­ruchs­sinn. ab­ge­se­hen da­von dass ich es sehr ger­ne mag, wenn ja­son kott­ke mal mehr als kur­ze kom­men­ta­re un­ter links oder vi­deo pos­tet, ist das eine gute er­in­ne­rung dar­an, sich noch­mal in­ten­si­ver mit ge­rü­chen aus­ein­an­der zu set­zen.

Smell is the most di­rect of all our sen­ses. When I hold a vio­let to my nose and inha­le, odor mole­cu­les float back into the na­sal ca­vi­ty be­hind the bridge of the nose, whe­re they are ab­sor­bed by the mu­co­sa con­tai­ning re­cep­tor cells bea­ring mi­cro­sco­pic hairs cal­led ci­lia. Five mil­li­on of the­se cells fire im­pul­ses to the brain’s ol­fac­to­ry bulb or smell cen­ter. Such cells are uni­que to the nose. If you de­s­troy a neu­ron in the brain, it’s fi­nis­hed fo­re­ver; it won’t re­grow. If you da­ma­ge neu­rons in your eyes or ears, both or­gans will be ir­repa­ra­b­ly da­ma­ged. But the neu­rons in the nose are re­pla­ced about every thir­ty days and, un­li­ke any other neu­rons in the body, they stick right out and wave in the air cur­rent like ane­mo­nes on a co­ral reef.

noch­mal zur er­in­ne­rung: wir ha­ben 5-6 mil­lio­nen die­ser zel­len, hun­de 200–300 mil­lio­nen. mei­ne ver­mu­tung ist ja, dass so wie wir in bil­dern den­ken, hun­de in ge­rü­chen den­ken. so wie wir uns ge­schich­ten er­zäh­len um in­ne­re bil­der zu kon­stru­ie­ren, kon­stru­ei­ren sich hun­de ihr welt­bild aus ge­rü­chen, den­ken in ge­ruchs­ka­te­go­rien — und: kein wun­der das hun­de so emo­tio­nal sind.


 

aus­ser­dem ge­le­sen:

These whist­le­b­lo­wers aren't really sur­pri­sing anybody with the re­ve­la­ti­on that our biggest tech companies are wildly unethical, don't develop their products re­spon­si­bly, and utterly loathe trans­pa­ren­cy. The fact that they're just now ap­par­ent­ly realizing this raises more than a few questions.

Amusingly, Sam Altman (a few months out from a feature story framing him as an abject sociopath) and Elon Musk (a white su­pre­macist fascist with a head full of con­spi­ra­cy theories and re­crea­tio­nal ketamine) leveraged all the fear to claim the tech industry needs to slow the rate of AI de­ve­lo­p­ment over safety concerns.

via pxlnv.com