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  spie­gel.de: Nost­al­gie: Hal­lo, hier ist Nor­bert
nor­bert blüm ruft num­mern aus sei­nem te­le­fon­buch an:

Er reist zu Gen­scher – „Hans-Diet­rich, wie geh­t's dir denn?“ Gen­scher hat sich eine Prel­lung am Rü­cken­wir­bel zu­ge­zo­gen, als er die Ent­fer­nung zwi­schen Ge­säß und Stuhl nicht rich­tig ein­ge­schätzt hat.

„Ja, mach dir nichts draus, Hans-Diet­rich, du hast ein­fach mehr Ah­nung von Po­li­tik als von Phy­sik.“

(via)


  sz-ma­ga­zin.sued­deut­sche.de: Der Ver­kehrs­psy­cho­lo­ge Jörg-Mi­cha­el Sohn im In­ter­view
der ver­kehrs­psy­cho­lo­ge jörg-mi­cha­el sohn:

Sie selbst ha­ben kein Auto. War­um nicht?
Die meis­ten Au­to­fah­rer un­ter­schät­zen die Zeit, die sie brau­chen, um das Mo­bi­li­täts­kon­zept ei­ge­nes Auto zu er­hal­ten. Be­rech­nen Sie ein­mal, wie viel Zeit Sie im Auto, mit dem Auto und für das Auto ver­brin­gen. Zur Fahrt­zeit kommt die Zeit für Tan­ken, Wa­schen, An­mel­den, Werk­statt­checks. Nicht zu ver­ges­sen: die Ar­beits­zeit, die Sie auf­wen­den müs­sen, um sich das Auto leis­ten zu kön­nen. Ad­die­ren Sie das al­les und ver­rech­nen es mit der Fahr­leis­tung pro Jahr, dann er­hal­ten Sie je nach Wa­gen­klas­se und Ein­kom­men eine Durch­schnitts­ge­schwin­dig­keit zwi­schen drei und 27 Ki­lo­me­ter pro Stun­de. Für mich als Nicht-Au­to­fah­rer ent­fällt das al­les. Ich stei­ge aufs Fahr­rad und kann so­fort los­fah­ren.

das gilt für städ­te — oder die schweiz. ich ken­ne ein paar schwei­zer die tat­säch­lich kei­nen füh­rer­schein brau­chen und doch, mit ih­rem ge­ne­ral­abon­ne­ment in je­den win­kel der schweiz kom­men. glei­ches gilt für gros­se deut­sche städ­te. die sind vom öf­fent­li­chen nah­ver­kehr meist so gut er­schlos­sen, dass ein auto eher eine be­las­tung und zeit­schleu­der ist. aber so­bald man in ent­le­ge­ne­ren länd­li­chen ge­bie­ten wohnt ist man ohne auto de­mo­bi­li­siert.

ich bin üb­ri­gens ein gros­ser fan des nacht­fah­rens. nachts zu fah­ren kommt den my­then und bil­dern der auto-wer­bung noch am nächs­ten. lei­der is­ses dann dun­kel und nachts muss man auch meist nir­gend­wo hin fah­ren.

ich möch­te aus­ser­dem jörg-mi­cha­el sohn wi­der­spre­chen, wenn er sagt, dass selbst­fah­ren­de au­tos sich sei­ner mei­nung nach nie durch­set­zen wer­den. ich glau­be, dass selbst­fah­ren­de au­tos mit­tel­fris­tig dazu füh­ren wer­den, den in­di­du­al­ver­kehr in städ­ten ra­di­kal zu ver­än­dern. ein ver­bot von in­di­vi­du­el­len men­schen-ge­steu­er­ten au­tos wird sich in ab­seh­ba­rer zeit und bei ent­spre­chen­den (selbst­fah­ren­den) al­ter­na­ti­ven durch­set­zen las­sen. ob sich dass dann auch auf ge­bie­te aus­ser­halb ur­ba­ner räu­me aus­wei­ten lässt muss man se­hen. aber in städ­ten sehe ich das durch­aus als ei­nen ak­zept­ta­blen weg, städ­te wie­der at­trak­ti­ver zu ma­chen.


  welt.de: Ai Wei­wei: War­um wir den Künst­ler nicht mehr ver­ste­hen

oh wei, oh wei. wenn der ga­le­rist ei­nes künst­lers sei­nen künst­ler wie scha­les sau­er­bier an­prei­sen muss, dann wird’s schnell pein­lich. auch wenn an­dre­as ro­sen­fel­der und ron­ja von rön­ne hier recht ten­den­zi­ös über ai wei­wei schrei­ben:

„Wir ap­pel­lie­ren an die deut­sche Öf­fent­lich­keit“, so warn­te der Ber­li­ner Ga­le­rist Alex­an­der Ochs als Spre­cher von Ai Wei­weis Freun­des­kreis schon letz­te Wo­che die Me­di­en, „ihn in Zu­kunft als her­aus­ra­gen­den Künst­ler wahr­zu­neh­men und nicht als po­li­ti­schen Ak­ti­vis­ten.“

Man wünscht ja kei­nem Künst­ler der Welt, dass sein Ga­le­rist es für nö­tig hält, die Leu­te per De­kret dazu auf­zu­for­dern, ihn als be­deu­ten­den Künst­ler zu be­trach­ten, erst recht nicht als her­aus­ra­gen­den. Und na­tür­lich be­wirkt ein sol­cher Auf­ruf das Ge­gen­teil – er macht erst recht dar­auf auf­merk­sam, dass der Künst­ler Ai Wei­wei jetzt kei­nen mehr in­ter­es­siert. Als Künst­ler war Ai Wei­wei des­halb so irr­sin­nig er­folg­reich, weil sei­ne in den Wes­ten ver­schiff­ten Kunst­wer­ke dort als po­li­ti­sche Schmug­gel­wa­re er­schie­nen – ein Ge­gen­ge­schäft zu all den nach Chi­na ex­por­tier­ten VWs und Ma­schi­nen, gut für die mo­ra­li­sche Au­ßen­han­dels­bi­lanz. Aber je mehr Groß­pro­duk­tio­nen in Groß­auf­la­gen Ai Wei­wei aus Pe­king an die Mu­se­en der Welt ver­kauf­te, des­to we­ni­ger nahm man sei­ne Äs­the­tik ernst. Sein Ge­schäfts­mo­dell ba­sier­te am Ende ganz auf sei­ner Glaub­wür­dig­keit als staat­lich ge­prüf­ter Dis­si­dent. Und ge­nau die­se Glaub­wür­dig­keit steht schon nach ein paar son­ni­gen Ta­gen in Deutsch­land auf dem Spiel.

bei chris­ti­an y. schmidt ge­fun­den. apro­pos chris­ti­an y. schmidt; das was er hier auf face­book kom­men­tiert und ver­linkt, lohnt sich auch zu le­sen:


  je­ze­bel.com: Sharon Stone On Her Ab­ra­si­ve­ness: 'I Have Brain Da­ma­ge...Deal With It'

der link be­han­delt ei­nen ar­ti­kel rund um (ei­nen klick ent­fern­te, harm­lo­se) nackt­bil­der von sharon stone. nor­ma­ler­wei­se ver­lin­ke ich sol­che click­bait und auf­merk­sam­keits­er­schlei­cher ja nicht, aber das be­glei­ten­de por­trait/in­ter­view auf har­pers ba­sar mit sharon stone ist ziem­lich gut. stone hat­te 2001, nach ei­nem schlag­an­fall ein hirn-an­eu­rys­ma, nach des­sen ope­ra­ti­on sie schwe­re mo­to­ri­sche und rhe­to­ri­sche stö­run­gen be­kam:

“It al­most feels like my en­ti­re DNA ch­an­ged. My brain isn’t sit­ting whe­re it used to, my body type ch­an­ged, and even my food all­er­gies are dif­fe­rent.” On the plus side, “I be­ca­me more emo­tio­nal­ly in­tel­li­gent. I cho­se to work very hard to open up other parts of my mind. Now I’m stron­ger. And I can be ab­ra­si­ve­ly di­rect. That sca­res peo­p­le, but I think that’s not my pro­blem.” She laughs. “It’s like, I have brain da­ma­ge; you’ll just have to deal with it.”

ich fands le­sens­wert, und ro­chus wolf of­fen­bar auch, denn der hat’s mir emp­foh­len.


  zoe­beck.word­press.com: Flucht
ein freund von zoe beck, der „der im Mo­ment noch an­onym blei­ben möch­te“, hat ei­nen text über die si­tua­ti­on und die ge­schich­te von sy­ri­en ge­schrie­ben, der un­be­dingt le­sens­wert ist:

1 – Der Sta­tus Quo, der ca­sus bel­lum

In sämt­li­chen vom IS be­setz­ten Re­gio­nen, ob im Irak, in Sy­ri­en, Li­by­en etc. ist die Si­tua­ti­on so ent­setz­lich grau­sam, dass die we­ni­gen Über­le­ben­den, wel­che ihre An­ge­hö­ri­gen ver­lo­ren, ein­fach a) zu sehr mit dem ei­ge­nen Über­le­ben be­schäf­tigt sind und b) so ab­ge­stumpft und c) so hoff­nungs­los, dass die wirk­li­chen Weh­kla­gen gar kei­nen Ein­zug in un­se­re Me­di­en fin­den. Wer al­ler­dings vom tat­säch­li­chen Wir­kungs­grad der Ab­schlach­tungs­or­gi­en des IS nicht so wirk­lich über­zeugt ist, kann über Bei­rut, Am­man oder An­ta­lya ger­ne in die­se Re­gio­nen ein­rei­sen und sich ein Bild ma­chen. Ein One Way Ti­cket ist da­bei an­zu­ra­ten, denn dass her­kömm­li­che Mit­tel­eu­ro­pä­er im Bür­ger­krieg ver­schleppt, er­mor­det oder als Ka­non­e­fut­ter ein­ge­setzt wer­den, ist nicht aus­zu­schlie­ßen. Den Rest er­le­di­gen mör­de­ri­sche 40 bis 50 Grad Hit­ze, mas­si­ver Was­ser­man­gel, Nah­rungs­man­gel und Epi­de­mien. Aber ge­hen wir da­von aus, dass der nor­ma­le Mit­tel­eu­ro­pä­er das über­lebt, weil er noch selbst Ar­mee­dienst ge­leis­tet hat, über to­po­gra­phi­sche, sprach­li­che und me­di­zi­ni­sche Kennt­nis­se ver­fügt: Das, was er / sie dort sieht, wird so we­nig be­greif­lich und er­klär­bar sein, dass ei­nem im wahrs­ten Sin­ne die Wor­te feh­len. Schwei­gen. Trau­ma. Un­fall­op­fer auf deut­schen Au­to­bah­nen, nicht zu re­den von Miß­brauchs­op­fern spre­chen teils bis zum Le­bens­en­de nicht vom er­leb­ten Leid, trotz Trau­ma­the­ra­peu­ten, Ärz­ten, Psy­cho­lo­gen etc. pp., wel­che Hil­fe leis­ten.

2 – Das The­ma WLAN, Smart­phone etc.

Es ist rich­tig, dass nicht je­der in ei­ner Kriegs­re­gi­on so­fort Zu­gang zu Elek­tri­zi­tät und tech­ni­schem Zu­be­hör hat. Aber vie­le eben doch. Dort, wo Mi­li­tär ist, ist im­mer auch Strom. Liegt in der Na­tur der Sa­che. Es gibt ein­fach auch mehr Waf­fen als Brot. Liegt auch in der Na­tur des Krie­ges. Sprich, es ist tat­säch­lich ein­fa­cher, ein Smart­phone auf­zu­la­den, selbst an der Bat­te­rie ei­nes aus­ge­brann­ten Jeeps, als Trink­was­ser zu be­sor­gen.

wei­ter­le­sen auf zoe­beck.word­press.com …


  zeit.de: Pro­sti­tu­ti­on: Sex ist auch nur eine Dienst­leis­tung

gut dif­fe­ren­ziert von so­phie el­men­tha­ler:

Am­nes­ty In­ter­na­tio­nal hat eine gute Ent­schei­dung ge­trof­fen. Zu­nächst ein­mal hat die Or­ga­ni­sa­ti­on ih­ren Be­schluss nach Be­ra­tun­gen und Ge­sprä­chen mit Sex­ar­bei­te­rin­nen aus ver­schie­de­nen Län­dern ge­fasst. Das heißt, sie hat sich wirk­lich an­ge­hört, wel­che Be­dürf­nis­se Frau­en im Pro­sti­tu­ti­ons­ge­wer­be ha­ben, an­statt über ih­ren Kopf hin­weg zu re­den. Am­nes­ty In­ter­na­tio­nal hat be­schlos­sen, zwi­schen Zwangs­pro­sti­tu­ti­on und frei­wil­li­ger Sex­ar­beit sorg­fäl­tig zu un­ter­schei­den. Un­ter an­de­rem des­halb, weil so erst Struk­tu­ren ent­ste­hen, die es er­leich­tern, Zwangs­pro­sti­tu­ti­on an­zu­zei­gen und sicht­bar zu ma­chen, da die Op­fer nicht mehr kri­mi­na­li­siert wer­den.

schön fin­de ich auch (kei­ne iro­nie), dass so­phie el­men­tha­ler das ar­gu­ment, „kei­ne eman­zi­pier­te, rich­ti­ge Frau wür­de frei­wil­lig Sex ge­gen Geld ha­ben“ wol­len, ein­mal se­xis­tisch nennt und das spä­ter dann so re­la­ti­viert:

Sex­ar­beit ist oft lu­kra­ti­ver als an­de­re Jobs. Wer sich ein­mal an­schaut, was Fri­seu­rin­nen, Al­ten­pfle­ge­rin­nen oder Call­cen­ter-Agen­tin­nen ver­die­nen, soll­te sich nicht dar­über auf­re­gen, dass Frau­en sich in an­de­ren Ge­wer­be­zwei­gen um­schau­en. In­so­fern ist viel­leicht doch et­was dran an der Be­haup­tung, dass vie­le Frau­en nicht wirk­lich frei­wil­lig Sex­ar­bei­te­rin­nen sind.

so zu ar­gu­men­tie­ren lässt raum zum nach­den­ken. für die­se art zu ar­gu­men­tie­ren gibt’s be­stimmt auch nen rhe­to­ri­sches fach­wort, oder?


  kon­rad­lisch­ka.info: So läuft Di­gi­tal­jour­na­lis­mus: Irr­sin­nig lan­ge Tex­te, kaum Up­dates, kei­ne Fo­tos

sehr tol­ler le­se­tipp, bzw. blog­tipp, bzw. hin­weis auf eine tol­le web­site von kon­rad lisch­ka. näm­lich auf . dort schreibt tim ur­ban alle paar tage oder wo­chen lan­ge tex­te zu the­men die ihn in­ter­es­sie­ren oder über die er stol­pert und dann so lan­ge re­cher­chiert, bis er zu­frie­den ist. ein paar tex­te habe ich jetzt schon ge­le­sen, un­ter an­de­rem die­sen hier über das fer­mi-pa­ra­do­xon (wi­ki­pe­dia: „Das Fer­mi-Pa­ra­do­xon […] hin­ter­fragt die Wahr­schein­lich­keit in­tel­li­gen­ten au­ßer­ir­di­schen Le­bens.“) oder die­sen hier über mich (und dich).


  news.wisc.edu: Apes may be clo­ser to spea­king than many sci­en­tists think
das ist al­les sehr fas­zi­nie­rend und zur fei­er des ta­ges, woll­te ich dann doch mal et­was mehr über koko die go­ril­la-frau er­fah­ren. das hier ist eine doku von PBS von 1999 über die go­ril­las koko und mi­cha­el. sehr fes­selnd, wenn auch mit­un­ter aus dem off et­was dick auf­ge­tra­gen.


  bo­ing­bo­ing.net: Vi­deo of man sin­ging ope­ra while un­der­go­ing brain sur­gery

das hat mich zu trä­nen ge­rührt, ich weiss al­ler­dings nicht ob das die si­tua­ti­on ins­ge­samt war (sän­ger singt auf dem OP-tisch wäh­rend sei­ner ge­hirn­ope­ra­ti­on) oder ob es schu­bert’s „Gute Nacht“-lied war.

youtube-video laden, info, direktlink

  get­idan.de: Be­hör­den und Ge­flüch­te­te: In die­sen Ta­gen wird die In­ef­fi­zi­enz, In­kom­pe­tenz und so­zia­le Ver­wahr­lo­sung deut­scher Be­hör­den deut­lich.
ines kap­pert über die in­sti­tu­tio­na­li­sier­te mis­an­thro­pie und das ver­sa­gen der „lei­tungs­ebe­ne“:

Zu Recht weist etwa Jo­chen Schwarz vom Pro­jekt Flücht­linglot­sen Pan­kow dar­auf hin, dass die so wich­ti­ge pri­va­te Hil­fe mit ei­ner „Skan­da­li­sie­rung der fa­ta­len jah­re­lan­gen Fehl­po­li­tik auf lo­ka­ler, na­tio­na­ler und eu­ro­päi­scher Ebe­ne” ver­bun­den wer­den muss.

Nur so kann die so­zia­le Ver­wahr­lo­sung der ver­ant­wort­li­chen Be­hör­den ge­bremst wer­den. Die­se üb­ri­gens ba­siert we­sent­lich auf ei­nem Ver­sa­gen der Lei­tungs­ebe­ne. Wür­de das Ma­nage­ment die Mit­ar­bei­ten­den an­wei­sen, sich lö­sungs­ori­en­tiert zu be­neh­men und ih­nen als ers­te Maß­nah­me ba­sa­les Eng­lisch als Spra­che der Kom­mu­ni­ka­ti­on ver­ord­nen so­wie län­ger­fris­tig auf eine Ent­bü­ro­kra­ti­sie­rung der An­trä­ge drin­gen – es gäbe die lan­gen Schlan­gen und die lan­gen War­te­zei­ten nicht, ge­nau­so we­nig wie Hun­ger und Durst in den Vor- und Hin­ter­hö­fen.

In­so­fern war es rich­tig, dass Oli­ver Hö­fing­hoff, Ex­vor­sit­zen­der der Pi­ra­ten­frak­ti­on und Mit­glied des Ber­li­ner Ab­ge­ord­ne­ten­hau­ses, ei­ge­nen An­ga­ben zu­fol­ge Straf­an­zei­ge we­gen un­ter­las­se­ner Hil­fe­leis­tung ge­gen So­zi­al­se­na­tor Ma­rio Cza­ja (CDU) und ge­gen Franz Al­lert, den Lei­ter des [Lan­des­amts für Ge­sund­heit und So­zia­les], ge­stellt hat. Er hat die Ver­bin­dung her­ge­stellt.


  bos­ton.com: Har­vard stu­dent lo­ses Face­book in­tern­ship af­ter poin­ting out pri­va­cy flaws

bei face­book herrscht ganz of­fen­sicht­lich eine aus­ge­präg­te flach­pfei­fen-kul­tur. kühn­heit und das aus­tes­ten von gren­zen ist das pri­vi­leg hoch­be­zahl­ter face­book-an­ge­stell­ter oder -grün­der. alle an­de­ren be­kom­men die die all­ge­mei­nen ge­schäfts­be­din­gun­gen um die oh­ren ge­schla­gen.

die AGB sind auch das haupt­werk­zeug der face­book-un­ter­neh­mens­spre­cher: so­bald ei­nem oder ei­ner der face­book-un­ter­neh­mens­spre­cher kei­ne ar­gu­men­te mehr ein­fal­len, wer­den die all­ge­mei­nen ge­schäfts­be­din­gun­gen als pseu­do­ar­gu­ment raus­ge­kramt — wich­tig ist da­bei nie­mals spe­zi­fisch zu wer­den, oder zu sa­gen, um wel­chen punkt der all­ge­mei­nen ge­schäfts­be­din­gun­gen es ge­nau geht.

In his first let­ter to in­ves­tors back in 2012, Mark Zu­cker­berg said that Face­book fol­lows an ap­proach they co­in­ed the “Ha­cker Way.” […]

Khan­na thought his ex­ten­si­on — which he built quick­ly and which tes­ted boun­da­ries — was per­forming a pu­blic good by show­ing users how their data was be­ing used.

“I didn’t wri­te the pro­gram to be ma­li­cious,” he said. […]

In the clo­sing of his let­ter to in­ves­tors, Zu­cker­berg said one of the five core va­lues of Face­book is for its em­ployees to “be bold.”

But not too bold.


  sued­deut­sche.de: Flücht­lings­de­bat­te - Eli­tä­re Kri­tik an Til Schwei­ger

gu­ter text von han­nah beit­zer, in dem sie til schwei­ger ge­gen kri­tik und häme ver­tei­digt. auch wenn hier der glei­che me­cha­nis­mus ar­bei­tet, den mar­kus rei­ter kürz­lich auf deutsch­land­ra­dio­kul­tur.de kri­ti­sier­te:
for­ma­le kri­tik an per­so­nen oder ih­ren äus­se­run­gen soll­te man ab­schwä­chen oder weg­las­sen, wenn ei­nem der in­halt der äus­se­run­gen passt oder da­mit über­ein­stimmt — und kri­tik, häme oder ri­di­küli­sie­rung nur für ab­wei­chen­de mei­nun­gen re­ser­vie­ren. mit an­de­ren wor­ten, so­lan­ge till schwei­ger auf un­se­rer sei­te steht, spa­ren wir uns kri­tik an ihm und ma­chen uns nicht über sei­nen aus­ru­fe­zei­chen­ge­brauch lus­tig, so­bald er wie­der öf­fent­lich die to­des­stra­fe für kin­der­schän­der for­dert oder schrei­krämp­fe we­gen des deut­schen rechts­sys­tems be­kommt, kön­nen wir wie­der wit­ze über ihn ma­chen?

ich per­sön­lich hal­te es lie­ber mit dem grund­satz, dass man sich grund­sätz­lich über al­les lus­tig ma­chen muss. auch (und erst recht) über die gu­ten oder die, die man auf der ei­ge­nen sei­te wähnt. hu­mor ist, wie die ge­wal­ten­tei­lung im po­li­ti­schen be­reich, viel zu wich­tig für die checks and ba­lan­ces, als dass man sie für die rich­ti­ge sa­che ein­fach pau­sie­ren las­sen könn­te. nicht nur die ver­meint­lich bö­sen, auch die ver­meint­lich gu­ten müs­sen kri­tik, kon­trol­le und wit­ze er­tra­gen. was dann im üb­ri­gen auch nicht aus­schliesst, die gu­ten und ihre vor­ha­ben zu un­ter­stüt­zen.

das steht am ende von han­nah beit­zers text:

Denn so er­for­dert es dop­pel­ten Mut von Leu­ten wie Til Schwei­ger, sich in Deutsch­land zu Flücht­lin­gen zu be­ken­nen: ge­gen­über den vie­len Ras­sis­ten und Flücht­lings­fein­den - und ge­gen­über de­nen, die ih­nen ei­gent­lich zur Sei­te ste­hen soll­ten.

es geht mei­ner be­schei­de­nen mei­nung nicht nur um ein „be­kennt­nis“ zu flücht­lin­gen, son­dern viel mehr um ein be­kennt­nis zu an­stand und mensch­lich­keit. und mehr noch: um an­stän­di­ges und men­schen­freund­li­ches han­deln — nicht nur dem be­kennt­nis dazu.

und wo ich ge­ra­de beim wort­klau­ben bin: die ge­stal­ten die sich in den letz­ten mo­na­ten ins zen­trum der auf­merk­sam­keit brach­ten, sind eben nicht nur ras­sis­ten und „flücht­lings­fein­de“, son­dern men­schen­fein­de und hass­streu­bom­ben. die­ser hass und die­se aus­ge­präg­te mis­an­thro­pie ver­ur­sa­chen auch frem­den­hass, aber sie ver­gif­ten noch viel mehr be­rei­che un­se­rer ge­sell­schaft, wes­halb wir uns alle für mehr mensch­lich­lich­keit in je­dem le­bens­be­reich ein­set­zen soll­ten.


  herz­da­men­ge­schich­ten.de: Wo­an­ders – Der Wirt­schafts­teil

der wirt­schafts­teil von ma­xi­mi­li­an bud­den­bohm hat es heu­te so­gar in die kraut­re­por­ter-mor­gen­post ge­schafft, ganz zu recht. vie­le le­sens­wer­te ge­schich­ten um das the­ma flucht und flücht­lin­ge und mensch­lich­keit. ganz be­son­ders gut ge­fal­len hat mir die ge­schich­te von kurt saar-schnitts oma, die auch mal flücht­ling war. oder den „schau in mei­ne welt“-film über lii­ban, den ich vor ei­nem mo­nat auch schon mal ver­linkt hat­te.


  nar­ra­ti­ve.ly: As My Face Di­s­ap­peared So Did My Mo­ther and Fa­ther

ho­ward shul­man:

Th­ree days af­ter his birth, a per­fect baby, the car­ri­er of his young par­ents’ dreams and am­bi­ti­ons, be­ca­me what some might call a mons­ter. Like ants on ho­ney, a bac­te­ri­al in­fec­tion con­su­med his face, and as quick­ly as his face di­s­ap­peared, so did his mo­ther and fa­ther. The new­born that his par­ents had ex­pec­ted to take home and rai­se as their che­ris­hed son was no lon­ger the child they had the cou­ra­ge to cla­im.

I was that baby.

die er­schüt­tern­de, aber sehr ein­fühl­sam und fast di­stan­ziert auf­ge­schrie­be­ne le­bens­ge­schich­te von ho­ward shul­man.


  rot­ten­to­ma­toes.com: Shaun the Sheep (2015)

der shaun-das-schaf-film hat auf rot­ten to­ma­toes 99%. das ist mehr als mad max: fury road. (via)


  sued­deut­sche.de: War­um Flücht­lin­ge Smart­phones ha­ben

ei­gent­lich schlimm, dass das kli­ma hier so von miss­gunst und em­pa­thie­lo­sig­keit ge­prägt ist, dass sol­che selbst­ver­ständ­lich­kei­ten in der süd­deut­schen er­klärt wer­den müs­sen.


  taz.de: Kri­sen­ju­gend in Eu­ro­pa: Kei­ne neue Hei­mat für Mar­ta

In der EU herrscht Frei­zü­gig­keit. Doch seit Ja­nu­ar gel­ten schär­fe­re Re­ge­lun­gen. Wer Bei­hil­fen be­an­tragt, ris­kiert sein Auf­ent­halts­recht. Mar­tas Ge­schich­te.

wenn man das so liest, könn­te man das ge­fühl be­kom­men, dass ei­nes der haupt­zie­le der CSU und an­de­ren split­ter­grup­pen, die dem ver­meint­li­chen volks­wil­len hin­ter­her­he­cheln, mitt­ler­wei­le er­reicht wur­de: miss­gunst und neid ver­stär­ken und die eu­ro­päi­sche idee von in­nen aus­höh­len, in­dem man miss­gunst, neid und un­mensch­lich­keit in­sti­tu­tio­na­li­siert.


  spie­gel.de/ei­nes­ta­ges: Ali Mit­gutsch: Er­fin­der der Wim­mel­bü­cher wird 80
schö­ner text über ali mit­gutsch, sei­ne bü­cher und sein wim­mel­le­ben. fast ge­nau schön ist, dass die bil­der­stre­cke sehr vie­le sei­ner wim­mel­mo­ti­ve zeigt, ei­ni­ge der klas­si­ker die ich noch aus der kin­der­gar­ten­zeit ken­ne und die ich wit­zi­ger­wei­se nie ver­ges­sen habe. dass ist al­les so gross­ar­tig, dass ich mir nicht nur die bio­gra­phie von mit­gutsch kau­fen möch­te, son­dern auch gleich ei­nen hau­fen gross­for­ma­ti­ger wim­mel­bü­cher.


  zeit.de: Ein Ab­grund von Lan­des­ver­rat

bun­des­rich­ter tho­mas fi­scher:

Die­se Sa­che wird den­noch vie­les be­schä­digt zu­rück­las­sen: Ein Bun­des­mi­nis­te­ri­um, das beim Feld­ge­schrei ei­ner ab­ge­dreht hys­te­ri­sier­ten Pres­se ein­knick­te wie ein wel­ker Halm, aus lau­ter Angst, es sich mit der "öf­fent­li­chen Mei­nung" zu ver­der­ben. Ei­nen obers­ten Straf­ver­fol­ger der Re­pu­blik, der da­hin­schwank­te und im Ne­bel ver­schwand. Ei­nen Ver­ein der Bun­des­rich­ter, der das Maul auf­reißt, wo es nichts (mehr) kos­tet, und un­ter­tä­nig klatscht, wenn ihm be­foh­len wird, das Recht für 80 Mil­lio­nen Bür­ger mit der­sel­ben Per­so­nal­stär­ke zu voll­zie­hen wie für 60 Mil­lio­nen Bür­ger – und halt ein­fach ein biss­chen ober­fläch­li­cher zu ar­bei­ten. Hel­den, wo­hin man blickt.

kurz­ver­si­on: alle doof, in­kom­pen­tent, fei­ge, hys­te­risch. alle. ich und du, die jour­na­lis­ten, „de­ren in­tel­lek­tu­el­le Fä­hig­kei­ten und Fach­kennt­nis­se ge­ra­de eben zum Zu­bin­den der Schu­he […] aus­rei­chen“. die lan­ge ver­si­on zu le­sen lohnt sich aber den­noch sehr, weil’s ein sel­ten nüch­ter­ner und di­stan­zier­ter blick auf die #lan­des­ver­rat-sa­che ist und je­der be­kommt sein fett weg. je­der aus­ser tho­mas fi­scher na­tür­lich.


  te­le­graph.co.uk: Mad Max: Fury Road re­view

rob­bie col­lin sagt im te­le­graph ei­gent­lich al­les was zu mad max: fury road zu sa­gen ist und kommt mit die­sem ein­zel­nen satz dem na­gel-kopf recht nahe:

Ima­gi­ne if Cir­que du Sol­eil ree­nac­ted a Hie­ro­ny­mus Bosch pain­ting and so­meone set the theat­re on fire. This is more or less what Mil­ler has come up with.

ich habe mir, ent­ge­gen dem rat den mir ei­ni­ge leu­te ein­dring­lich ge­ge­ben ha­ben, den film nicht im kino an­ge­se­hen, son­dern als HD-ver­si­on im (US) itu­nes-store ge­kauft. dann habe ich mir den film zu­sam­men mit der bei­fah­re­rin auf un­se­rem (re­la­tiv) neu­en und gros­sen HD-fern­se­her an­ge­guckt. nor­ma­ler­wei­se hal­ten wir es nicht aus, ge­mein­sam fil­me oder se­ri­en zu se­hen, un­ter an­de­rem weil die bei­fah­re­rin der über­zeu­gung ist, dass sie al­les und je­den dia­log ver­ste­hen muss und ich der glau­bens­rich­tung fol­ge, dass sich der sinn aus dem zu­sam­men­hang er­gibt. die­ses mal hat es ge­passt, weil es bei fury road nicht so vie­le dia­lo­ge zu ver­ste­hen gibt.

tat­säch­lich hat das auf dem fern­se­her sehr gut funk­tio­niert und der bes­te ne­ben­ef­fekt, den das kino auch nicht bie­ten kann, sind die ex­tras, die mit der itu­nes HD-ver­si­on mit­ge­lie­fert wer­den. denn das ma­king of, die pro­duk­ti­on, bie­ten noch­mal, ne­ben ein paar wi­ki­pe­dia-ar­ti­keln zum film, ein paar stun­den bes­te un­ter­hal­tung.


  deutsch­land­ra­dio­kul­tur.de: De­bat­te über Mei­nungs­ma­che - Wenn Me­di­en­kri­ti­ker un­kri­tisch wer­den

Es gibt ein­zel­ne Fäl­le, in de­nen Le­ser mei­nen Bei­trag lo­ben, ob­wohl sie mei­ne An­sicht nicht tei­len. Man kann sie an den Fin­gern ei­ner Hand ab­zäh­len. Noch nie aber hat sich ir­gend­ein Le­ser be­schwert, mein Bei­trag sei zwar ein mie­ses, ma­ni­pu­la­ti­ves Stück Jour­na­lis­mus. Sie sei­en aber ganz mei­ner Mei­nung. Ich fin­de: Ge­nau so ein dia­lek­ti­sches Ur­teil wäre rich­tig gute Me­di­en­kri­tik.

ich mag die­sen ar­ti­kel, bzw. bin ganz der mei­nung des haupt­ge­dan­kens die­ses ar­ti­kels — ich wür­de aber ger­ne gleich­zei­tig die to­ta­le ver­all­ge­mei­ne­rung in die­sem ar­ti­kel an­pran­gern, die ihn zu ei­nem „mie­sen, ma­ni­pu­la­ti­ven Stück Jour­na­lis­mus“ macht (SCNR).

ja, me­di­en­kri­ti­ker soll­ten tex­te kri­ti­sie­ren, un­ab­hän­gig da­von ob sie ihre mei­nung wie­der­ge­ben oder nicht. aber war­um nennt mar­kus rei­ter nur all­ge­mei­ne bei­spie­le und kei­ne kon­kre­ten tex­te? wer sind die­se „Me­di­en­kri­ti­ker“ von de­nen er re­det? wir sind doch im zeit­al­ter des blog­dings und so­cial-me­dia-ge­döns alle me­di­en­kri­ti­ker, meint er uns alle? meint er me­di­en­kri­ti­ker die eine zei­tungs­ko­lum­ne ha­ben? meint er ste­fan nig­ge­mei­er? das bild­blog? oder mat­thi­as kal­le? joa­chim hu­ber? ir­gend­wel­che blog­ger? face­book­kom­men­ta­to­ren?

ja me­di­en­kri­ti­ker soll­ten auch bei tex­ten die ihre mei­nung wie­der­ge­ben kri­tisch sein. aber sie soll­ten auch so kon­kret wie mög­lich sein. all­ge­mei­nes rum­ge­mei­ne ohne kon­kre­te text­ar­beit ist wie ein lau­ter furz: er­regt kurz auf­merk­sam­keit, hin­ter­lässt aber kei­nen blei­ben­den ein­druck. (via)