vom spd-par­tei­tag: selbst­be­trach­tun­gen (teil 2)

felix schwenzel in artikel, teil der sammlung: #wahl05

(ur­sprüng­lich im „wahl­blog“ ver­öf­fent­licht)

bleibt ja nicht aus, so kurz vor der rede des bun­de­kanz­lers, sich mal zu­rück­zu­leh­nen und sich ge­die­gen selbst zu be­trach­ten. oder die an­de­ren. don zum bei­spiel. der liest heim­lich spie­gel-on­line statt zu blog­gen, ist aber noch feuch­ter am ober­kör­per als ich. john­ny schwitzt auch, stöhnt aber zu­sätz­lich ganz laut rum. aus­ser­dem schreibt er sich den arsch ab. jetzt ist sein ser­ver ka­putt. die an­de­ren her­ren die hier ne­ben mir blog­gen, ken­ne ich zu mei­ner schan­de nicht. aber das blaue licht am wlan­stick vom kol­le­gen links von mir, macht mich noch fah­ri­ger als ich eh schon bin.

mich hat eben eine re­por­te­rin vom ta­ges­spie­gel er­kannt. sie wol­le mal mit mir re­den. mhh. wor­über bloss? was ich so ma­che woll­te sie zwi­sche­durch mal wis­sen. das was ich ihr sag­te, ver­stand sie nicht, weil da ge­ra­de der schrei­hals ull­brich­te. ich wür­de es ihr jetzt hier­hin­schrei­ben, was ich so ma­che, nur er­in­ne­re ich mich nicht mehr was ich ihr sag­te. mein ge­däch­nis ist eh nicht bei mir, son­dern hier.

jetzt re­det schrö­der. im ge­gen­teil zu sei­nen vor­red­nern ist sei­ne laut­stär­ke auf ein ei­ni­ger­mas­sen er­träg­li­ches le­vel ge­re­gelt. er schreit auch nicht so kei­fig wie wo­we­reit und uwe hück (ja wo­we­reit schreit selbst ta­ges­ord­nungs­punk­te). was mich wun­dert: der ver­hal­te­ne, spo­ra­di­sche ap­plaus für schrö­der. so rich­tig geil fin­det man den ger­hard hier ir­gend­wie nicht. viel­leicht bin ich auch ver­wöhnt von den jun­ge uni­on-ju­bel­ari­en und den acht­tau­send ju­bel­per­sern in der west­fa­len­hal­le. da­ge­gen ist es hier mucks­mäus­chen still. ap­plaus, leich­tes klat­schen, mehr nicht. bin ich im fal­schen film? apro­pos stil­le. hin­ten rechts auf ei­ner zu­schau­er­tri­bü­ne sitzt eine ge­bär­den­dol­met­sche­rin und schaut und ges­ti­ku­liert ins pu­bli­kum.

vor ein paar mi­nu­ten hat schrö­der ge­sagt, das was die op­po­si­ti­on ma­che sei „eine in­sze­nie­rung ohne jede sub­stanz“. wit­zig, das scheint so eine art all­zweck­waf­fe zu sein. ich bin sub­stanz­los, rütt­gers sag­te vor ein paar ta­gen die re­gie­rung ma­che eine sub­stanz­lo­se „show“ und nun nennt der schrö­der­kanz­ler die an­de­ren sub­stanz­los. ich pro­bier das jetzt auch mal: das ist doch al­les to­tal sub­stanz­los hier.

jetzt, nach 30 mi­nu­ten re­de­zeit, re­agiert die men­ge ein biss­chen spon­ta­ner und wil­li­ger auf schrö­der. schrö­der wird lau­ter, das pu­bli­kum auch. gleich­zei­tig hat die spd aber auch ju­bel­per­ser mit ro­ten tshirts in die rei­hen zwi­schen den de­le­gier­ten ge­trie­ben. das sind sehr gut ge­laun­te jun­ge men­schen, die keh­lig „juuuuuuuh“ ru­fen wenn ih­nen et­was ge­fällt, aber sehr zi­ckig re­agie­ren wenn ih­nen eine ka­me­ra­mann auf die schul­ter klopft um sich vor­bei­zu­zwän­gen.

fo­tos lade ich ge­ra­de in die­ses set.

kommentare