nachtrag und klassiker aus dem archiv
das habe ich heute mit meiner an-diesem-tag-funktion (in der beilage) wiedergefunden. quasi ein klassiker.
das habe ich heute mit meiner an-diesem-tag-funktion (in der beilage) wiedergefunden. quasi ein klassiker.


zugefrorener weg, zugefrorener bach, zugefrorener kanal.
alles eis, alles schön, aber kalt.
eigentlich sollte man aus protest konsequent auf der strasse laufen. die wahrscheinlichkeit, dass einem ein auto die knochen bricht, ist im berliner winter vermutlich geringer als das risiko, sich auf dem auf den gehwegen ausliegenden eis zu zerlegen.
gestern hat mir der youtube algorithmus vorgeschlagen doch mal zu gucken „what really happend to christopher lambert“. mit christopher lambert verbinde ich in erster linie subway (nicht wie einige ander den highlander), ein film von 1985 von luc besson. während ich das video über christopher lamberts leben auf youtube sah, dachte ich mir: subway kannste eigentlich noch mal gucken. das letzte mal, dass ich den gesehen habe ist jetzt so um die 40 jahre her, mal gucken wie der film gealtert ist.
obwohl eigentlich gingen mir ganz andere fragen durch den kopf. damals hat mich der film emotional gepackt, ich glaube ich war bestimmt eine woche lang high von dem film. regt sich in mir noch was, wenn ich den jetzt gucke? wird’s peinlich? um was ging der film nochmal?
also hab ich amazon 4 euro in den rachen geworfen und mir den film „geliehen“. um was der film geht weiss ich, nachdem ich ihn gesehen habe, immer noch nicht, aber das ist auch unerheblich, weil der film eigentlich nur die pariser ubahn zeigen und ein paar junge schauspieler gut aussehen lassen will. eigentlich ist er ein musikvideo in spielfilmlänge. das erklärt auch die emotionale reaktion, die ich auf diesen film damals hatte. musikvideos sind darauf ausgelegt emotionale reaktionen auszulösen und gut gemachte musikvideos haben das dann gelegentlich auch geschafft.
am anfang vom film war ich noch ein bisschen kritisch und suchte fehler. wie kann fred beim herumstreunen in der ubahn-infrastruktur einfach einen safe sprengen, obwohl er vorher, ganz offensichtlich nichts als einen anzug am leib hatte? später fiel mir dann auf, dass er ständig einen halfter mit ein paar stangen sprengstoff am leib trug, auch wenn er schlief.
dann war ich irritiert, weil der film kaum einen gedanken zu ende führte und ständig abrupt schnitt, wenn sich eine handlung zu ergeben schien. dann kam mir der gleiche gedanke, der mir kürzlich bei fallout kam: mir reicht’s eigentlich die bilder anzuschauen und den figuren bei ihrem treiben zuzusehen. handlung und dialoge sind sekundär bis egal. das scheint sich damals auch luc besson gedacht zu haben, denn handlung und dialoge sind spartanisch. und das funktioniert heute noch genau so gut wie damals.
wirklich grossartig sind die bilder. der film spielt zu 95% unter tage, im gewirr der pariser ubahn-infrastruktur. soweit ich verstehe, wurde der film auch tatsächlich vor ort, in der pariser ubahn, gedreht und nicht im studio. und das sieht man auch, alles wirkt hyperrealistisch und gleichzeitig surreal und vertraut. auch erstaunlich: die ubahn des paris der achtziger ist der ubahn des berlin von heute gar nicht mal so unähnlich.
jetzt, 40 jahre später, stelle ich fest, dass die achtziger, wenn sie ordentlich fotografiert sind, auch gar nicht so peinlich aussahen wie in meinen fotoalben. die unterschiede sind andererseits deutlich: es wird andauernd und überall geraucht, kamera-überwachung schien es zwar in ansätzen gegeben zu haben, aber so richtug scheint sie damals noch nicht funktioniert zu haben.
ich finde der film ist gut gealtert und mir war es dann gar nicht peinlich, dass ich den film damals so gut fand. ich hab den damals zwar in der deutschen synchronisierung auf einem niedrig auflösenden CRT-display im linearen fernsehen gesehen und jetzt, quasi wie im kino, auf einem hochauflösenden bildschirm 60 zentimeter vor meinem gesicht. aber er funktioniert damals wie jetzt und unabhängig von der projektionsmethode. der film hat kaum handlung und sinnvollen dialog und zeigt eher als dass er erzählt. damit ergibt sich einiges an projektionsfläche. ich merkte oder erinnerte dann auch, was mich damals so packte. ich weiss nicht ob das ein achtziger jahre ding ist, aber einen taugenichts wie fred zu sehen, der die annehmlichkeiten und die infrastruktur der gesellschaft zwar gerne nutzt, sich ihr und ihren regeln aber verweigert, war für mich damals ein starker anknüpfungspunkt. möglicherweise wollten wir damals irgendwie alle so sein wie fred und hélèna.
und es war schön jean reno und isabell adjani in jung zu sehen, christopher lambert wirkte wie ein alter bekannter — die pariser ubahn sowieso — und trotzdem hielt sich bei mir die nostalgie auf einem erträglichen niveau. vielleicht war das auch schon damals die essenz des film: er hat bereits in den achtzigern nostalgie nach den achtzigern erzeugt.
das grösste kunststück ist natürlich das ende. quasi ein virtuelles happy-end das keins ist und gerade deshalb ungeheuer zufrieden oder euphorisch macht. was mir auch jetzt erst auffiel, die klammer mit der besson den film einrahmt und im prinzip bereits auf der ersten titel-karte das ende des films framed: do be do be do, mah na mah na.
letzte einstellung von subway (1985)
siehe auch:
eine liste von dingen, die ich in den letzten tagen anderswo geliked, favorisiert oder gebookmarked habe, teilweise kommentiert.
ich mag die videos und die nerdige fachkunde von alt shift x. und ich mag a knight of the seven kingdoms.
starfleet academy folge 4 war leider ziemlich unerträglich und knirschte erzählerisch an jeder ecke. pathetisch, vorhersehbar, unlogisch und übers knie gebrochen. am ende blieb ausser einem spruch nix hängen:
maybe the trick is not to let go of the past, but to let the present in.
nachtrag 30.01.2026:
ich optimiere ja gerne an meinem kirby rum.
ich weiss gar nicht genau warum, weil eigentlich ist es mir egal sachen richtig zu machen und wichtiger dinge so zu machen, wie sie mir gefallen. andererseits gibt es oft überschneidungen zwischen richtig und gefällt mir.
so gefällt es mir, wenn meine webseite in allen browsern und readern, die ich selbst gerne benutzte, gut aussieht. responsive design, also dass sich die webseite an die bildschirmgrösse anpasst, ist ja mittlerweile fast ein no-brainer. gelegentlich schaue ich mir meine website auch mit lynx an, einem textbasierten kommandozeilen-browser. damit sieht man dinge, die normale browser nicht zeigen, die aber trotzdem von manchen menschen oder maschinen, die die website besuchen, so gesehen werden kann. genauso gerne rufe ich meine webseite gelegentlich mit deaktiviertem css auf. beide, lynx und kein-css zeigen potenzielle probleme, die ich wegoptimieren oder aufschieben kann.
weil ich selbst gerne und viele webseiten per RSS lese, prüfe ich auch regelmässig wie meine seite in RSS aussieht — und wenn mir was auffällt oder mich stört, optimiere ich es weg. neben diversen RSS-feeds, biete ich diese webseite auch sozusagen als html-feed an. das geht, weil ich das HTML mit microformaten (mf2) auszeichne. damit lässt sich diese seite als json parsen (beispiel) und sogar als html-feed abonnieren (vorschau)
all diese ansichten, in lynx, ohne css, als geparste oder gerenderte mf2-microformate oder als RSS-feed, sind ansichten dieser website, wie sie auch maschinen sehen, suchmaschinen- oder KI-crawler, der rivva-bot oder andere aggregatoren. auch screenreader sehen die website eher in diesen minimalversionen, weshalb ich auch ein interesse daran habe, dass wirres.net in diesen ansichten ganz okay aussieht, bzw. mir gefällt.
das schöne an den eingebauten mf2-microformaten ist auch, dass man mit geeigneten readern auch meinen favoriten- oder bookmarks-strom abonnieren könnte, obwohl ich dafür noch kein RSS gebaut habe.
ich bemühe mich natürlich auch um gute maschinenlesbarkeit damit sich meine webseite gut mit google versteht. nach meiner blogpause und ein paar monaten offline-zeit wegen technischer probleme, verlor ich alle sympathien die mir google vormals gewährt hatte. noch nicht mal eine suche nach meinem namen zeigte meine heimstätte im netz (wirres.net) mehr auf den ersten 10 suchergebnisseiten an. nachdem ich es hier wieder schön für google und andere maschinen gemacht habe, schickt mir google auch gelegentlich wieder besucher vorbei. derzeit zwar nur für eine seite (erfreulich und erschütternd), aber dafür im januar so um die 1000.
irgendwann vor ein paar monaten gefiel mir die idee, dass ich bilder hier so unter einer cc lizenz veröffentlichen könnte, so dass suchmaschinen sie auch mit dieser lizenz erkennen. bei flickr klappt das super, wenn man dort für seine fotos eine cc-lizenz gewählt hat. weil ich das auch wollte, aber natürlich auch weil ich die idee der reibungslosen maschinenlesbarkeit gut finde, habe ich angefangen für alle artikel json-ld mit auszuliefern. damit liefere ich zwar auch nicht viel mehr metadaten als mit den microformaten aus, aber unter anderem kann man eben auch bilder explizit mit lizenzen versehen.
das klappt einerseit auch ganz gut, andererseits vergisst google einmal indexierten und erkannten lizenzen aber auch immer wieder. irgendwie schaffe ich es nicht, mit mehr als 50 bilder von dieser website mit cc lizenz in den suchergebnisseiten unterzubringen.
was mit json-ld allerdings super klappt ist die maschinenlesbatre auszeichnung von rezepten. so ausgezeichnete rezepte nimmt google mit kusshand und rezepte die im karussel oben in den suchergebnissen angezeigt werden sind auch der grund, warum google mir im moment so viele besucher schickt. zum ersten mal mit maschinenlesbaren rezeptdaten experimentiert hab ich vor 14 jahren. mittlerweile klappt das wirklich gut.
was ich aber eigentlich sagen will: diese ganzen optimierungen, die ich auch gerne als experimente ansehe um suchmaschinen- und technik-gedöns besser zu verstehen, haben vor allem den effekt, dass ich kleine, subtile, aber auch grobe fehler aud wirres.net finde, die ich sonst nie gefunden hätte oder die mir egal gewesen wären.
vor ein paar monaten habe ich sehr viel energie darein gesteckt in den PageSpeed Insights gute punktzahlen zu bekommen. dabei habe ich viele anpassungen am server vorgenommen, die html-struktur, lazy und eager-loading und die bildgrössen optimiert. mit der startseite ist google nicht immer 100% zufrieden, aber die einzelseiten schrammen in der regel an den 100%.
gleichzeitig habe die speed-optimierungen wieder zu fehlern an anderen ecken geführt, die ich dann nach und nach wieder wegoptimiere. so ergibt sich im prinzip ein manischer kreislauf von immer neuen optimierungen. mach ich aber gerne, vor allem weil: ist ja alles meins hier.
tools die ich gerne zum rumoptimieren nutze:
ich hab mir die beifahrerin hat mir hosenträger gekauft. meine ersten hosenträger seit ungefähr 25 jahren. bis nach dem studium hab ich immer hosenträger getragen, keine ahnung warum ich irgendwann angefangen habe einen gürtel zu tragen. der gürtel nervte mich in den letzten monaten zunehmend, weil er aus allen meinen hosen sozusagen bundfaltenhosen machte.
das einzige foto, das ich finden konnte auf dem ich hosenträger trage ist eins aus lyon aus dem jahr 2003 (hier schonmal gepostet). man sieht auch nur die schnallen der hosenträger.
wenn ich hier schon bei der nabelschau bin, kann ich auch nochwas zu meinem gewicht schreiben. über die letzten monate hat sich mein gewicht im durchschnitt stabil bei 94 kilogramm gehalten, mit ganz leichter tendenz nach unten. heute stand zum ersten mal seit vielen, vielen jahren eine 92 vor dem komma auf der waage. gewichtsverlust 1 kg/3 monate, nicht viel, aber besser als plus. und natürlich mal schauen, wie es 18 monate nach dem absetzen von semaglutid aussieht.
ich esse (und koche) weiterhin alles, was sich die beifahrerin wünscht, sei es salat, raclette, nudeln mit tomatensosse, ofengemüse und zur darmspiegelung auch mal wieder „streichwurst“ mit toast, weils so in der darmentleerungsanleitung stand. nur eben kleinere portionen und nix süsses ausser meinen täglichen tk-fruchtquark, den ich mit süssstoff süsse und sehr geniesse. mein appetit ist (natürlich) merklich grösser als zu semaglutid-zeiten und die portionen dementsprechend auch nen ticken grösser, aber ich denke der bringer ist viel gemüse, wenig bis nichts süsses und stark reduzierter alkoholkonsum mit wenigen ausnahmen, zuletzt weihnachten.
das mit dem muskelaufbau ist auch eher schleppend, das regelmässige training (klimmzüge und liegestützen) wurde durch eine heimtückische attacke eines tödlichen männerschnupfens und gelegentliche lustlosigkeit unterbrochen, aber erstaunlicherweise schaffe ich mit hilfe meiner bizepse jetzt ein bis zwei 85-prozentige klimmzüge. bei allen anderen hand-/armhaltungen komme ich gerade mal 30% weit hoch. da ruft die rückenmuskulatur laut vernehmlich: „bau mich weiter auf!“
heute habe ich in meiner zugriffsstatistik ein paar zugriffe auf diesen sieben jahre alten artikel gesehen.
also hab ich angefangen den selbst nochmal zu lesen und war — in aller bescheidenheit — begeistert. ich hangle mich in dem artikel zwar vornehmlich an fremdmaterial entlang, in diesem fall an zitaten von penn & teller, aber ich schaffe es von penn und teller auf journalismus, kunst und den allgemeinen zustand der welt zu kommen. hier noch zum appetit machen ein zitat von penn:
For 50 million years our biggest problems were too few calories, too little information. For about 50 years our biggest problem has been too many calories, too much information. We have to adjust, and I believe we will really fast. I also believe it will be wicked ugly while we’re adjusting.
während sich heute die meisten menschen, die wir sahen, für die dicke eisschicht und vielen kleinen eiszapfen auf ihren autos interessierten, fiel mir beim morgenspaziergang eine (sicht-) achse auf, die mir bisher verborgen war. da war bishher das freilichtkino in meiner sicht, heute sah ich zum ersten mal wie sich in den baumwipfeln die achse abzeichnete.
siehe auch morgenspaziergang vom 22.01.2026.
das ist ein lebenslauf den emma thompson für hugh laurie für deren damaligen theaterverein (cambridge footlights) schrieb. der volltext steht in der alt-beschreibung des bilds, aber diesen satz mag ich sehr gerne:
A cross between Albert Einstein and Clint Eastwood, Hugh is ugly and stupid.
(screenshot aus der graham norton show, youtube link)
ein liste von dingen, die ich in den letzten tagen anderswo geliked oder favorisiert habe, teilweise kommentiert und weiter unten mit ein paar anmerkungen aus dem maschinenraum.
ich hab hier schon ein bisschen erklärt wie ich neuerdings favoriten-, bzw. like-listen erstelle. aber ich muss nochmal drauf hinweisen, wie zufrieden ich mit diesem neuen system bin. der ablauf ist im prinzip, dass ich sachen, die mir gefallen, einfach per browser-bookmarklet in den favoriten-fluss schmeisse, gegebenenfalls noch ein via oder einen kommentar nachpflege und, wenn’s geht, auch noch an der quelle einen nativen like hinterlassen, also zum beispiel bei youtube oder mastodon.
wenn ich webseiten die webmentions unterstützen in den favoriten fluss werfe, landet auf der webseite automatisch ein herz (beispiel ergebnis, ursache).
das bookmarklet übermittel beim „liken“ nur die url an kirby, bzw. wirres.net und kirby baut dann, je nach url, einen mastodon-embed, eine link-box oder einen youtube-embed. das funktioniert mittlerweile ganz OK, instagram-embeds würde ich gerne näher am original rendern, aber das lässt instagram derzeit nicht zu, ausser man nutzt deren nativen embed-code, der einem dann aber ganz viele tracker und javascript-scheiss beschert. keins meiner embeds läuft über dritte, es werden mit den embeds also keine tracker, kein obskures javascript das ich nicht kontrolliere ausgeliefert oder http-request an fremde seiten geleitet.
aus dem was in den favoriten- oder lesezeichen-flüssen liegt, pick ich mir dann irgendwann beiträge raus und verknüfte die zu einem beitrag wie diesem hier.
mit diesem vorgehen, dieser teilaustomatisierung, habe ich jetzt sehr viel reibung reduziert und mir vieles einfacher gemacht. und darüber freue ich mich, auch wenn es sonst kaum jemanden vorranbringt.
apropos reibung; es gibt ja gerade eine meta-diskussion zwischen ein paar bloggern, die sich um die frage entspann, warum bloggende offenbar wenig jung sind, hier kann man sich dazu einlesen, wenn man blogdings-meta-diskussionen mag:
johannes und konstantin argumentieren vor allem damit, dass blogs deshalb verkümmert sind, weil interaktionen (likes, reposts, mentions, bidirektionale links) auf (kommerziellen) platformen viel reibungsloser funktionieren als in blogs. und tatsächlich wünschte ich mir auch, dass es für dieses, im grunde grossartige, aber praktisch viel zu komplizierte indiewebgedöns, das ich mir jetzt wieder hier mühsam zusammengeschraubt habe, einfache software-lösungen gegeben hätte oder geben würde. ansätze gab’s immer wieder (known oder micro.blog fallen mir da zum beispiel ein), aber auch die waren und sind durchgängig furchtbar kompliziert und gewöhnungsbedürftig.
von aussen sieht das system, das ich mir hier zusammengebaut habe, möglicherweise kompliziert aus und ich glaube dass das noch sehr weit weg ist von einem system, dass ich anderen menschen empfehlen möchte. aber trotzdem, falls jemand anders damit rumspielen möchte, hier nochmal kurz die zutatenliste:
ich sage ja oft, dass mir rechtschreibung egal ist. ist sie mir auch zu grossen teilen, dann aber auch wieder nicht. heute beim morgenspaziergang habe ich darüber nachgedacht, ob ich ein wort in meinen links richtig geschrieben habe und gleichzeitig drüber nachgedacht, dass ich das nicht googeln werde, sonder gemini fragen werde: „nazi-gräul oder nazi-gräuel?“
die antwort war kurz und bündig und auf den punkt. früher™ war rechtschreibung googeln schrecklich. SEO-optimierte seiten ganz oben, die eben nur SEO optimiert waren, aber nicht auf kurze und bündige antworten. für sowas sind LLMs wirklich ein segen.
ich bin kein star trek-fan, aber ich gucke star trek seit über 40 jahren sehr, sehr gerne. als das „original“ im fernsehen lief, war ich noch ein kind und eigentlich hat mich nur die tatsache interessiert, dass es da ein raumschiff gibt, das durch den weltraum gleitet und unbekannte welten erkundet. das war spannend genug für mich. mir waren das billige, grelle setdesign und die erzählten geschichten egal.
in den achtziger und neunziger jahren fing star trek plötzlich mit TNG an, aufgeräumt auszusehen, und ich fing an zu verstehen, dass es in star trek nicht um die erkundung des weltraums ging, sondern um die erkundung von humanität, die frage, was uns menschen ausmacht, wie wir über uns hinauswachsen können, als gesellschaft und als individuen.
mit dem fragmentierten deep space nine, das im fernsehen versendet wurde, konnte ich nicht so viel anfangen, bis ich dank netflix die möglichkeit bekam, DS9 sequentiell, folge für folge zu sehen. da erkannte ich, dass es neben der erkundung von humanität, gerechtigkeit und moral in star trek auch um episches erzählen ging, um das abklopfen von philosophischen ideen und sogar um den konflikt zwischen rationalismus und religion. DS9 vollbrachte das kunststück, zu unterhalten und gleichzeitig zu zeigen, dass wahrheit und moral oft eine frage der perspektive sind.
mit voyager wurde dann klar, dass star trek auch nervig sein kann – ich sag nur neelix. ich mochte es trotzdem, es sah gut (vielleicht etwas zu clean) aus und es fielen gelegentlich tolle geschichten hinten raus. in den späten 90ern und frühen 00ern fand ich voyager trotz neelix und gesichts-tatoo toll und auch das spätere durchbingen auf netflix war nur zu 30 % langweilig.
enterprise, also die serie mit captain archer, die um das jahr 2150 spielte, sah wieder fast so billig und kammerspielartig aus wie das „original“ mit captain kirk. ich fand kaum eine folge langweilig, als ich mir das vor ein paar jahren am stück reinzog.
discovery und später picard empfand ich dann als extremen bruch. star trek wollte plötzlich kein kammerspiel mehr sein, sondern ambitionierte action-unterhaltung. ich habe alle folgen von discovery und picard gesehen und nach jeder folge dachte ich genau drei buchstaben: WTF? ich dachte auch: kann ja nur besser werden — wurde es dann aber nicht.
pathos hatte star trek immer schon, aber seit discovery wurde das pathos unerträglich. subtil war star trek auch nie, aber seit discovery verschwand das hintergründige: statt dem publikum die interpretation des gesehenen zu überlassen, wurde star trek explizit und konnte vor lauter exposition kaum noch atmen.
picard empfand ich dann eigentlich nur noch als fan-service und nostalgie-quark — für den sich allerdings kaum noch fans zu interessieren schienen. picard war die erste star trek-serie, die mich aggressiv machte, weil sie gleichzeitig angestrengt und lieblos war.
prodigy und strange new worlds gefielen mir dann wieder. in strange new worlds zog wieder humor ins star trek-universum ein, den ich seit worf in TNG und DS9 so sehr liebte. prodigy war teilweise nervig, wagte aber auf eine art so was wie eine mutige neuinterpretation des guten alten star trek-themas: die erkundung der frage, was menschlichkeit, was humanismus ausmacht.
lower decks fand ich vorwiegend langweilig und billig und wenn überhaupt, hab ich das sehr sporadisch und unenthusiastisch gesehen.
und jetzt: starfleet academy. drei folgen sind versendet und ich bin hin und her gerissen. visuell stimme ich thomas gigold zu:
Die Sets sind, wie immer in neuem Trek, überbordend.
mit dem unterschied dass thomas das offenbar gefällt und ich es grässlich finde. mir ist das zu viel von allen, vor allem zu viel bling, zu dick aufgetragen, als ob man eine swarowski-filiale oder den trump tower betritt.
„alles fake“ ist ein altes, bewährtes star trek muster, aber in academy ist es so dick, bunt und glänzend aufgetragen, dass es unerträglich wird. ich überlege ernsthaft meinen bildschirm für die nächsten folgen auf schwarz/weiss zu stellen um das überhaupt noch ertragen zu können.
etwas zu dick aufgetragen sind für meinen geschmack auch die muskeln von caleb. in den ersten beiden folgen hatte ich noch den eindruck, dass das ensemble zwar mit allen möglichen körperformen ausgestatte ist und nicht nur denen, die gängigen schönheitsidealen entsprechen, aber das auftritte in unterhemden oder freiem oberkörper den durchtrainierten körpern vorbehalten waren. das wurde in folge 3 dann aber relativiert, in dem das ganze ensemble in badehosen und -anzügen auftreten musste.
auch wenn ich nach drei folgen academy hin und her gerissen bin und vieles doof finde, habe ich anknüpfungspunkte gefunden die mich — glaube ich — weiter am ball halten werden. ich finde die geschichten gar nicht mal sooo schlecht und ich bin froh, dass (ausser beim setdesign) das bombastische der discovery-ära wieder zurückgefahren wurde. academy fühlt sich wieder kammerspielartiger an und hat es in folge 2 zweimal geschafft mich dazu zu bringen mir zitate zu notieren:
Children are our ambassadors to now.
und:
- Would you agree progress is impossible without change?
- I believe that most people who say they want progress don’t really want to change. Which often makes both impossible.
- Touché.
das erste zitat finde ich nach einer woche immer noch so klug wie vor einer woche, das zweite ist schlechter gealtert, ist aber gar nicht mal so dumm.
als zwischenfazit würde ich über starfleet academy sagen: es macht mich nicht aggressiv, dass es scheisse aussieht stört mich nicht wirklich und die geschichten sind zwar keine weltklasse, aber erträglich. wenn ich schulnoten vergeben müsste: gerade noch befriedigend, hat luft nach oben.









vor ein paar tagen habe ich eine kurze doku zu pottwalen verlinkt, dieser clip von „Nightshift – Kurzgesagt After Dark“ ergänzt das thema sehenswert aus der historischen perspektive.