„Ihr Arschlöcher, ihr verdammten! Ihr wahnsinnigen, irren, durchgeknallten Arschlöcher! Ihr sollt alle in der Hölle schmoren!“, sagte Matthias Matussek der Nachrichtenagentur dpa in einer ersten Stellungnahme.
vor ein paar tagen wollte ich mal gucken wie gut wirres.net unter https läuft. seit ner weile geht das, weil cloudflare, das wirres.net ausliefert, kunden sein SSL-zertifikat zur verfügung stellt.
das funktioniert eigentlich ganz gut: https://wirres.net (SSL-link), allerdings ganz offensichtlich nicht zu 100%. denn sowohl meine eigene fever-installation, als auch rivva.de konnten danach den RSS-feed von wirres.net nicht mehr abholen, wie ich dank frank westphals hilfe erkannte, wegen SSL-fehlern die curl unter umständen ausspuckt.
irgendwann werde ich mir ein richtiges zertifikat besorgen und dann wieder hoffen, dass danach weiterhin alles funktioniert. jetzt erstmal weiter ohne SSL-weiterleitung. wer https://wirres.net per SSL anfordert bekommt es auch so, es kann dann aber sein, dass man nach ein paar klicks wieder auf der http-variante landet.
ich kenne viele leute die online-banking für teufelszeug halten. weil das ja so unsicher sein soll. so stand es ja auch in den achtziger und neunziger jahren in den zeitungen. ähnliche vorbehalte gibt es bei sehr vielen menschen die ich kenne gegenüber kreditkarten oder anderen bargeldlosen zahlungsverfahren. weil es immer wieder betrugsfälle bei diesen zahlungsmitteln gibt, sind diese methoden folglich zu meiden.
wenn internetskeptiker davor warnen privates ins internet zu schreiben (die jugend!), fotos im internet zu veröffentlichen (identitätsdiebstahl!) oder undifferenziert vor dem grossen, bösen google warnen, lachen wir (die „internetgemeinde“) in der regel laut auf. überzogene ängste von politikern vor offenen wlans ridikülisiert netzpolitik seit vielen jahren. netzpolitik und grosse teile dieser „internetgemeinde“ versuchen seit jahren die chancen der digitalisierung hervorzuheben und überzogener angstmache und sicherheitsbedenken aus politik und gesellschaft entgegen zu wirken.
nur beim zahlungsverkehr ist das aluhut-tragen nach wie vor schick. netzpolitisch bestens gebildete aktivisten, wie zuletzt andreas von gunten, warnen mit methoden vor einer bargeldlosen gesellschaft, die normalerweise von innenpolitikern oder grossverlagen genutzt werden: indem vor totalitären potenzialen gewarnt wird und kreativer logik arumentiert wird.
oder jetzt auf netzpolitik, von jan girlich. mit jan girlich stimme ich überein, dass es unbedingt zahlungsmethoden geben muss, die zahlungen ermöglichen, die nicht ohne weiteres nachverfolgbar sind. bargeld funktioniert für solche fälle nach wie vor bestens. allerdings gibt und gab und gibt es durchaus auch bargeldlose zahlungsmittel, die das ermöglichen. die geldkarte beispielsweise erlaubt (unter bestimmten umständen) anonyme zahlungsvorgänge, genauso wie vorausbezahlte kreditkarten (prepaid-karten). diese werden „ohne Bonitätsprüfung auch an nicht kreditwürdige Personen ausgegeben, die beispielsweise noch nicht volljährig sind oder für die ein Negativeintrag in der Schufa vorliegt.“ (zitat wikipedia)
diese möglichkeiten erwähnt jan girlich in seinem netzpolitik-artikel, in dem er vor einer bargeldlosen zukunft warnt, nicht. im gegenteil:
Festgehalten werden kann, dass wir ohne Bargeld unserer Möglichkeit anonym und spurlos zu zahlen beraubt werden.
bitcoins sind ganz sicher noch nicht im mainstream angekommen, aber als ich zuletzt darüber gelesen habe, blieb bei mir hängen, dass man mit bitcoins anonym und spurlos zahlen könne (siehe anmerkung unten). und was hindert uns weitere technische alternativen zu entwickeln (oder zu fordern), die uns ermöglichen anonym und spurlos zu zahlen?
mich erinnert diese argumentation an die diskussion, dass guter journalismus nur auf dem trägermedium papier möglich sei. in dieser diskussion wurde verkannt, dass nicht das trägermedium entscheidend für qualität ist, sondern die ideen hinter der journalistischen arbeit. so wie die idee des journalismus nicht untrennbar mit papier verbunden ist, ist auch die idee der anonymen und spurlosen bezahlung nicht untrennbar mit papier oder bargeld verbunden.
aber jan girlich meint festhalten zu können, dass „die Argumente der Befürworter“ von bargeldlosen zahlungsmitteln sich leicht entkräften liessen:
Das Ende der Kriminalität wird die Abschaffung des Bargelds ganz gewiss nicht, denn gerade bei bargeldlosen Bezahlmethoden wächst der Betrug rasant z.B. mit gestohlenen Logins durch Trojaner.
um diese these zu belegen, verlinkte jan girlich vor ein paar tagen auf die FUD-pressemitteilung eines sicherheitsdienstleisters, ich habe das vor ein paar tagen hier kurz notiert. den link hat jan girlich nach meinem hinweis mittlerweile ausgetauscht, mit einem link auf einen text, der für die flächendeckende einführung von EMV-verfahren (chip statt magnetstreifen) plädiert. das habe ich ebenfalls kurz notiert.
natürlich ist es unbestritten, dass der betrug „bei bargeldlosen Bezahlmethoden“ zunimmt, momentan sogar stärker als sich bargeldlose bezahlverfahren durchsetzen. den entscheidenden punkt lässt girlich aber aus: die verluste werden zum allergrössten teil von den kreditinstituten getragen.
sonst liest man auf netzpolitik von etwas pragmatischeren herangehensweisen an probleme, die die digitalisierung mitbringt: statt auf emails zu verzichten oder emails als gefahr darzustellen, wird starke verschlüsselung empfohlen. bei sicherheitsproblemen oder datenschutzproblemen fordert netzpolitik in den wenigsten fällen die betroffenen dienste abzustellen, sondern technische und organisatorische verbesserungen; zwei-faktor-authentifizierung und starke passwörter, statt abstinenz von der digitalen teilhabe.
das meiste von dem was jan girlich in seinem kurzen artikel zusammengetragen hat, deutet auf ernste probleme. wir sollen uns sorgfältig mit diesen problemen auseinandersetzen: wie können wir sicherstellen dass die teilhabe aller menschen in der digitalen welt gesichert ist, wie können wir in der digitalen welt privatshäre sicherstellen, wie können wir betrug, diebstahl und kriminalität verhindern? was mir überhaupt nicht gefällt ist stimmungsmache und das streuen von angst und unsicherheit durch unredliche oder einseitige argumentation.
anmerkung/nachtrag: bitcoins sind nicht anonym und spurlos meinen viele, am besten begründet von torsten kleinz hier und folgenden kommentaren. nichtsdestotrotz sind bitcoins (noch) schwer mit personen in verbindung zu bringen, wie es unter anderem in diesem ars technica artikel steht:
Bitcoin, a novel digital currency based on cryptography, provided a similarly hard-to-trace method of handling payments. Though anyone in the world could watch payments flowing through the Bitcoin system, tying particular accounts to individuals could prove extremely challenging.
heute nachmittag sind wir kurz an den müggelsee gefahren, der mit dem auto geschlagene 40 minuten entfernt ist. mit der bahn wären wir über eine stunde unterwegs gewesen. und weil wir noch den mietwagen hatten, sind wir natürlich auto gefahren.
der ortsteil wo man kurz vor dem müggelsee unter der spree durchlaufen kann, heisst glaube ich eisengrundfriedrichshagen. dort wurde bis 2010 auch das berliner bürgerbräu gebraut, in einer ziemlich grossen und mittlerweile ziemlich verfallenen brauerrei, die jetzt laut wikipedia nur noch als brauereimuseum genutzt wird.
neben der ex-brauerei liegt der spreetunnel.
demnächst soll es dort richtig schön werden.
im moment wird die eine hälfte des spreetunnels schön gemacht.
auf der anderen seite ist es bei schönem wetter bestimmt sehr schön.
wir sind dann an der spree runtergelaufen, und fragten uns ein paar hundert meter weiter, ob das eine kunst-installation oder notwendigkeit ist.
noch ein paar hundert meter weiter ein sehr interessantes gastronomie-konzept: einfach das restaurant schlecht erreichbar machen und dann auf kundschaft hoffen, die sich durch nichts abschrecken lassen.
auf den ungefähr 4 kilometern an der spree entlang war sehr wenig los, wahrscheinlich lags auch am beschissenen wetter. ein bisschen fühlte sich der weg wie in schottland an. den rückweg sind wir dann mit der strassenbahn gefahren.
und stellt dabei ein paar gute fragen. ich kann die fragen auch nicht alle beantworten, ausser der allgemeinen feststellung, dass realität natürlich immer subjektiv ist. niemand kann die realität voll erfassen, wenn das so wäre, gäbe es bereits eine heilung für krebs oder ein mittel gegen schnupfen. weil die zelluläre realität der menschlichen wahrnehmung aber verschlossen ist und wir uns ihr nur mit primitiven werkzeugen näheren können sind uns unendlich viele aspekte der realität noch immer verschlossen, trotz rasterlektronenmikroskopen oder enormen fortschritten der molekularbiologie, der virologie und anderen wissenschaftszweigen.
aber auch die realität die wir mit den augen und dem verstand erfassen können ist nur nur ein winziger ausschnitt aus dem gesamtbild. abhängig von unserem aufenthaltsort, unserer erziehung, ausbildung oder gesellschaftsform in der wir leben, abhängig von unserem alter, unserem familienstand oder freunden — aber natürlich auch abhängig von unserem medienkonsum — nehmen wir die „realität“ unterschiedlich wahr. und dann kommt noch das ganze geraffel mit der erkenntnistheorie oder gar der quantenphysik dazu.
der witz ist: wir sollten uns stets vor augen halten, dass nicht nur jon snow nichts weiss, sondern dass wir alle nichts wissen. oder in diesem zusammenhang, dass wir uns die welt bewusst oder unbewusst oder aus mangel an wahrnehmungskapazität so oder so zurechtfiltern. gehirnforscher und psychologen wissen ebenfalls, dass wir unsere wahrnehmung massiv filtern. viele menschen nehmen gerne drogen um mit den grenzen dieser wahrnehmungsfilter zu experimentieren, aber richtig im alltag funktionieren, ich glaube das ist konsens, können wir nur mit intakten filtermechanismen.
während meines zivildienstes und meiner ausbildung empfand ich es als ausgesprochen überraschend zu erfahren welche lebensweisen, ansichten und probleme ausserhalb eines gymnasiums und eines mittelklassehaushalts existieren. ich erkannte in meiner zivildienst- und ausbildungsfilterblase, dass ich die letzten 18 jahre in einer gymnasiums- und mittelklassefamilienblase lebte.
ich erkannte aber auch, dass der bevorzugte lebensraum der menschen blasen sind. und der einzige weg aus einer blase besteht darin, in andere blasen zu steigen. die werkzeuge, um möglichst viele blasen zu betreten liegen auf der hand: reisen, lesen, neugierde, experimentierfreude, lernen, kommunizieren und lesen, lesen und lesen.
aber das wichtigste werkzeug ist und bleibt das ständig aufgefrischte bewusstsein, dass wir nunmal in blasen leben und dass es werkzeuge dagegen gibt, die wir immer wieder aktiv nutzen müssen.
ich weiss gar nicht, warum der begriff der filter-bubble im zusammenhang mit den „neuen“ medien so negativ konotiert ist. ich habe es in den letzen 40 jahren immer vermieden die bild-zeitung oder andere publikationen zu lesen, die meinem weltbild zu wider laufen. genauso wie ich nicht auf death metal konzerte gehe (eigentlich auf gar keine konzerte), schliesse ich (schon immer) einen grossteil der auf der welt existierenden publikationen und menschen aus meiner wahrnehmung aus. warum sollte ich das im internet anders handhaben?
mein medienkonsum ist trotzdem relativ divers und zeitintensiv, erst recht durchs internet, aber neben den natürlichen filtern, filtere ich selbstverständlich auch bewusst. ich vermeide echtzeitnachrichten und ziehe abgehangene berichterstattung vor, selbst der alte tanker tagesschau ist mir an den meisten tagen viel zu hektisch und aufgeregt. ich bin froh über die vorfilterung die facebook in meiner timeline vornimmt und bin immer wieder erstaunt darüber, dass es leute gibt die ihrer twitter-timeline akribisch folgen. mir reicht es bei twitter alle paar tage mal kurz die lage zu sondieren und unter umständen auf ein paar vorgeworfene infohäppchen zu reagieren.
vor zwanzig jahren habe ich meine informationen über die aussenwelt (mehr oder weniger) ausschliesslich über wochenzeitungen bezogen. dadurch verliert die welt keinesfalls ihren schrecken und die grausamkeiten die in der welt passierten zogen dadurch keinesfalls an mir vorbei, aber die ereignisse liessen sich durch die zeitliche distanz sehr viel besser einordnen und verdauen. als nachrichtenjunkie am livestream der welt zu sitzen ist ein bisschen wie ausschliessliche rohkosternährung. nicht gegen gelegentliche rohkost, aber gekocht und gewürzt schmeckt essen meistens besser und lässt sich sehr viel leichter verdauen.
so wie ich mich entschieden habe mir keine kaum horrorfilme oder schnulzige romanzen anzusehen, habe ich mich auch entschieden nur bestimmte publikationen zu lesen, bzw. informanten auszufiltern, die mich zu sehr aufregen oder ratlos werden lassen. um die frage vom nuf oben also kurz zu beantworten: du darfst. du sollst. du kannst.
@edelpunk auch du lebst nicht in der „realität“. du siehst das was an dich rankommt, was du nicht ausfilterst und was sichtbar ist /@dasnuf
Die Dummheit, mit der wir es hier, in Dresden und anderswo, zu tun haben, ist also nicht eine des Geistes, jedenfalls nicht in erster Linie. Es geht nicht um einen Mangel an Intelligenz: In diesem Sinne dumme Menschen können sehr intelligent sein – oder sagen wir besser: schlau? Nein, es geht um Seelendummheit, und um, wie Musil sagte, die Dummheit als »Gefühlsfehler«, die ihren Ursprung in Furcht vor dem Leben, in Angst vor der Zukunft, ja, in Panik hat. Und in der Unfähigkeit, damit auf andere Art als hassend umzugehen.
einer der besten texte die ich bisher als reaktion auf die anschläge von paris gelesen habe. wobei ich nicht viel dazu gelesen habe, auch aus der erkenntnis heraus, dass aus unmittelbaren reaktionen, meist kein allzu grosser erkenntnisgewinn erwächst, dafür aber um so mehr aufregung. und aufregung gilt es insbesondere jetzt zu vermeiden.
Wenige Stunden nach den Anschlägen in Paris mit rund 130 Toten Freitagnacht haben sich erste Strafverfolger hierzulande für umfangreichere Überwachungskompetenzen ausgesprochen. "Das eng gefasste Gesetz zur Vorratsdatenspeicherung muss überdacht werden", betonte der stellvertretende Vorsitzender der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Jörg Radek, am Samstag gegenüber der "Rheinischen Post".
erstaunlich, wie schnell und schamlos die instrumentalisierung von katastrophen manchmal einsetzt. abgesehen davon dass frankreich bereits eine vorratsdatenspeicherung für 12 monate durchführt (und dieser hinweis natürlich auch eine instrumentalisierung der anschlagsserie ist), ist es doch erschreckend zu sehen, dass führende mitglieder des sicherheitsaparats glauben, mit ein paar selektoren oder regexen liessen sich die arschlöcher, die uns mit ihrem anschlägen in angst und schrecken versetzen wollen, einfangen. als wären die so blöd, ihre planungen per email und handy durchzuführen. diese allmachtsphantasie, dass man nur mehr überwachen müsse um irgendwann alles zu wissen, hat sascha lobo bereits mehrfach brilliant in seiner kolumne thematisiert.
Centuries have passed since the wars of religion ceased in Europe, and since men stopped dying in large numbers because of arcane theological disputes. Hence, perhaps, the incredulity and denial with which Westerners have greeted news of the theology and practices of the Islamic State. Many refuse to believe that this group is as devout as it claims to be, or as backward-looking or apocalyptic as its actions and statements suggest.
sehr langer, auf mehreren ebenen schwer verdaubarer text von graeme wood über den ISIS.
jenkins zitiert, wie wood, diverse islam-gelehrte, nur eben andere. vor allem widerspricht jenkins woods these, bzw. woods quellenauswahl zur frage, was den wahren glauben ausmache, bzw. wie weit man bei der interpretation von heiligen schriften gehen darf und wie weit man sich wörtlich an die texte halten müsse. da — und an vielen anderen stellen — habe wood zu viel „ausgelassen“ um zu einem ausgewogenen bild zu kommen. das kann man jetzt hier nachlesen oder wem das noch nicht reicht, auch in einem interview mit bernard haykel, einem experten der auch ausgiebig im atlantic-stück von wood zu wort kam.
Um es klarzustellen – ich habe nichts persönlich gegen Ellis Fröder. Ich habe allerdings viel gegen Verantwortliche in öffentlich-rechtlichen Anstalten, die immer noch nicht in der Lage sind, für Milliarden an Rundfunkbeiträgen eine zuverlässige Berichterstattung auch – und gerade in Krisensituationen zu gewährleisten. Wenn die „Mutter aller deutschen Fernsehnachrichten“ als erste Sondersendung nach dermaßen dramatischen Ereignissen wie am Freitagabend in Paris, lediglich ein sechs Minuten langes Geplänkel zweier in dieser Situation offensichtlich überforderter Fernsehfrauen zustande bringt, dann ist das schon fast eine Bankrotterklärung gegenüber den Zuschauern.
als beleg für die „unfähigkeit“ der öffentlich-rechtlichen „Anstalten“ zitiert horst müller den dialog zwischen susanne daubner und ellis fröder in der sonderausgabe der tagesschau am 13. november 2015, ab 23.35 im volltext. ich finde das gespräch, im gegenteil zu horst müller, allerdings beispielhaft gut: keine spekulationen, bzw. vermutungen klar als solche kennzeichnen, keine übereiligen schlussfolgerungen, dafür aber ein paar hintergründe die als gesichert gelten können.
die frage ist tatsächlich, was erwartet horst müller? livebilder von leichen und blutenden menschen? live-einspielungen von handybilder oder filmen die möglicherweise gerade die sozialen medien fluten? wenn ich die tagesschau einschalte (was ich in den seltenseten fällen tue) erwarte ich genau das was susanne daubner und ellis fröder geatn haben: eine sonderierung der als gesichert geltenden fakten und eine einordnung, welche informationen als gesichert gelten — und welche nicht.
jan girlich über die potenziellen gefahren einer bargeldlosen zukunft. mir ist der text etwas zu FUD, auch wenn er ein paar nachvollziehbare und wichtige argumente aufzählt. aber völlig unverständlich ist mir, warum ein autor auf netzpolitik auf eine pressemitteilung eines herstellers von „sicherheitssoftware“ linkt, um damit nachzuweisen dass bei bargeldlosen bezahlmethoden „der Betrug rasant“ wachse.
ich gebe zu: ich google manchmal auch die thesen über die ich schreben möchte um dann einen passenden artikel zu verlinken, aber von pressemitteilungen mit eindeutigem hintergrund, nehme ich dann schon abstand. und bei netzpolitik oder einem CCC-mitglied erwarte ich schon ein bisschen bessere expertise und quellenkentnis.
[nachtrag 17.11.2015] auf netzpolitik ist der link auf die pressemitteilung jetzt mit einem link auf eine „unabhängigere Quelle für Betrug mit bargeldlosen Zahlungsmitteln“ ersetzt, einen artikel auf businesswire, dessen zentrale aussage ist, dass man dem betrug mit bargeldlosen zahlungsmitteln vor allem durch den einsatz von EMV-konformen zahlungskarten entgegentreten kann. der artikel plädiert also für chips statt magnetkarten für den bargeldlosen zahlungsverkehr. auch nicht erwähnt wird, dass die verluste durch betrug vor allem von den banken, bzw. zahlungsdienstleistern getragen werden:
Of the total $16.31 billion lost to fraud last year, card issuers worldwide absorbed 62%. Merchants accounted for the other 38%. In the U.S., card issuers lost $4.91 billion and merchants lost $2.95 billion. Those losses do not include related costs issuers and merchants incur.
das widerspricht natürlich der these im netzpolitik-artikel, dass die bargeldlosen zahlungsverfahren von banken vor allem aus profitgier, bzw. aus kostengründen in den markt gedrückt würden. unerwähnt bleibt folglich auch der hinweis bei netzpolitik, dass verluste durch betrügerische aktivitäten fast immer durch die kartenausgeber getragen werden und nicht beim konsumenten landen, eine sicherheit die bargeld in den wenigsten fällen bietet.
If you can differentiate between white Christians and the KKK / Westboro, then you can differentiate between Muslims and ISIS.
auf dem weg zum flughafen tegel, um sieben uhr morgens am kurt-schumacher-platz
heute sehr früh zum flughafen gefahren um dort nen mietwagen zu holen. bis jetzt hab ich am flughafen tegel immer grössere autos bekommen als ich bestellt und bezahlt habe und vor allem hat nie einer der autovermietungsschalterangestellten versucht sein verkaufsscript auf mich anzuwenden. na gut, den vollkasskoschutz mit null euro selbstbeteiligung versuchen mir immer alle anzudrehen. heute kam ich dann doch wieder in den genuss einer sales-script-aufführung: „ihnen kann ich heute etwas besonderes anbieten, für nur 16 euro ein upgrade auf ne e-klasse …“
das ist eigentlich schon der todesstoss für ein verkaufsgespräch, weil der herr mit 16 euro eigentlich 48 euro meinte: 16 euro pro tag. aufs glatteis geführt zu werden mag ich nur unter bestimmten umständen. heute jedenfalls war ich nicht in diesen umständen und sagte „nö danke“.
„mit dem vollkaskoschutz mit null euro selbstbeteiligung bekommen sie die e-klasse kostenlos.“
natürlich kostet das vollkasko-upgrade mehr als 16 euro pro tag. diese sales-tricks funktionieren bei mir sehr gut, wenn ich nach 17 stunden flug aus einem flugzeug steige, heute um sieben war ich ausgeschlafen. ich lehnte erneut dankend ab.
„ok, ich mache ihnen ein angebot und gebe ihnen das upgrade für 7 euro.“
weil die e-klasse ein diesel mit harnstoff-technologie war, die ja so umweltfreundlich sein soll, aber auch um endlich ins auto steigen zu können, sagte ich dann ja.
um neun sind wir losgefahren, pünktlich um zwölf, wie vom navigationssystem vorausgesagt kamen wir im „hotel freigeist“ in northeim an. wir waren hier mit meiner mutter, meinem vater und meiner schwester verabredet, um meinen opa, der vor zwanzig jahren gestorben war, umzubetten, damit er neben seiner frau, die letztes jahr gestorben war, liegen konnte.
vorher gabs natürlich noch mittagessen. auf der speisekarte wird novalis zitiert:
Wer Schmetterlinge lachen hört, der weiß, wie Wolken schmecken.
meine mutter mochte den spruch.
ich nahm als vorspeise ein rinder-tartare, von regionalen rindern glaube ich, dass mir etwas zu pompös ornamentiert war, aber sehr, sehr lecker schmeckte.
tartare im hotel freigeist
als hauptgang hab ich mir ein pilzrisotto kommen lassen. das war auch sehr lecker und es kam viel bescheidener auf den tisch.
ruhewald bürgerholz in northeim
meine oma haben wir letztes jahr im „ruhewald bürgerholz“ bestatten lassen. sie sprach nicht gerne über ihren tod, vor allem weil sie ihn auch mit 92 für sehr unwahrscheinlich hielt. ihr einziger ausgesprochener wunsch war, neben ihrem mann bestattet zu werden. letzte jahr liess sich dieser wunsch aus irgendwelchen bürokratischen oder organisatorischen gründen noch nicht umsetzen, dieses jahr konnten wir ihr den wunsch erfüllen.
blick vom ruhewald bürgerholz in northeim auf einen anderen wald
das grab im wald zu finden war gar nicht so einfach. die bestatter warteten eigentlich am „andachtsplatz“ auf uns, kamen dann aber zu uns rüber, als sie merkten, dass wir eher daran dachten, am grab selbst ein bisschen andächtig zu sein. einer der herren brachte dann die urne, in die mein opa umgebettet wurde, sehr andächtig, zu uns rüber. ich kam mir vor wie im film:
die urne war sehr schön (und kompostiert sich in den nächsten jahren selbst), auch die kleine andacht war stilvoll, aber vor allem lagen die beiden jetzt wieder zusammen. darüber freuten sich auch die beiden bestatter.
auf dem rückweg sahen wir die vorbereitungen für einen schulklassenausflug in den wald, für den (offensichtlich) eine falknerin aus dem kreis northeim engagiert worden war, die den kindern einen rotschwanzbussard, eine schleiereule und einen uhu mitgebracht hatte.
schleiereule
uhu
mein vater, der sich mit vögeln eigentlich sehr gut auskennt [sic!] erkannte den rotschwanzbussard nicht, was aber daran liegt, dass er nicht heimisch ist, sondern aus nordamerika kommt. die schleiereule war relativ jung, der uhu hingegen um die 36 jahre alt. in der wikipedia steht, dass uhus in gefangenschaft bis zu 68 jahre alt werden können. in freiheit werden sie bei weitem nicht so alt. eine häufige todesursache von eulen in deutschland ist hunger. es gibt immer weniger möglichkeiten für eulen im winter mäuse zu jagen, einerseits weil die schädlichsbekämpfung die zahl der mäuse kräftig reduziert (und die nahrung vergiftet), andererseits weil eulen kaum noch zugang zu scheunen haben, um dort auch im winter zu jagen. wegfliegen wollten die schleiereule und der uhu, als wir so um sie rumstanden, trotzdem ständig.
nach dem abendessen habe ich die speisekarte nach whisky abgesucht. im „freigeist“ gabs nur einen schottischen single malt, bunnahabhain. der kommt wie mein lieblingswhisky laphroiag auch aus islay und in der tat hat er mir auch sehr gut geschmeckt: viel weniger torfig als der laphroiag, aber ähnlich ätherisch-leicht. im whisky-store wird er als „leicht mit Früchten, einem Hauch Vanille“ beschrieben und ich muss sagen das stimmt. vor allem schmeckt er sehr viel komplexer, beinahe würde ich sagen komplizierter, als der laphroiag. gerne wieder.
echt? so „absolutely“ würde ich die meinung von andrew keen nicht teilen. angelina irinici zitiert eine ältere aussage von andrew keen zu seiner selfie-kritik, die so mehr oder weniger auch in keens buch „the internet is not the answer“ steht und die er heute abend, soweit ich das mitbekommen habe, auch nicht weiter differenziert hat:
Andrew Keen, described [selfies] as an “extreme form of narcissism” and that people who take them are trivializing and embarrassing themselves.
well:
Hab mich gerade im ZDF bei der #zdfdebatte von meiner charmanten Seite präsentiert. pic.twitter.com/AyK44uxs0O
und für eine gute sache, kann man selfies dann auch mal so gut finden, dass man sie retweeted:
"I hope we can all finally change laws and mentalities in order to establish what is nothing more than common sense." pic.twitter.com/NtkLpMTUzT
andrew keen differenziert nicht zwischen „guten“ und „schlechten“ selfies. er bügelt sie einfach pauschal als narzisstischen blödsinn ab. oder hab ich heute abend was verpasst?