alles
crawling, lesen, früher

gestern abend, kurz bevor ich ins bett gehen wollte, sah ich hohe CPU last auf dem server auf dem wirres.net läuft. normalerweise (re-) aktivere ich dann kurz cloudflare (was ich normalerweise deaktiviert habe) und die unhöflichen AI-crawler, die meine meine seite mit anfragen beschiessen, verschwinden dann relativ schnell. gestern schien das aktivierte cloudflare nicht viel auszurichten. die last blieb hoch. erst als ich das caching und die AI-crawler-abwehr auf sehr aggressiv umstellte, ging die last runter.
das heisst wohl zweierlei: die crawler scheinen etwas geschickter darin zu werden, sich als legitime besucher auszugeben, sind aber weiterhin viel zu aggressiv oder nachlässig programmiert. ich hab ja nichts dagegen, wenn die meine seiten indexiert werden. von suchmaschinen, AI-crawlern oder mechanischen türken. aber ich würde mir schon wünschen, dass sie sich an die regeln halten oder zumindest höflich bleiben. ich habe vor allem keine lust, die ganze zeit die cloudflare schutzwälle hochgezogen zu lassen oder AI-labyrinthe aufzustellen.
jedenfalls stolperte ich gestern abend bei meinem kontrollgängen über meine website über diesen fast 20 jahre alten beitrag: ich nenne es lesen
der beitrag erinnerte mich daran, dass „wir nennen es arbeit“ jetzt schon 20 jahre alt ist, dass ich seit 2006 einen youtube-kanal mit 63 abonnenten habe und einmal ein video veröffentlicht habe, das > 100k views eingesammelt hat.
und weil alex matzkeit mir, der kaltmamsel und franzi auf der republica die frage „wie war es damals wirklich?“ stellen wird, fiel mir die offensichtliche antwort wieder ein: damals war es genauso wie heute. ausser dass wir etwas jünger waren. es gab etwas weniger crawler und das hosting war eine spur einfacher, aber es gab und gibt genau so viel oder wenig interesse von echten menschen an in text-, audio- oder videoform geloggten inhalten wie heute.
google fand blogs damals total gut und schickte gelegentlich besucher vorbei, die dann irritiert wieder abzogen. heute schickt google nur noch leute vorbei, die sich für rezepte interessieren.
was geblieben ist: bloggen ist weiterhin ein randphänomen. und das ist auch nicht weiter schlimm. im gegenteil.
via conversationswithtyler.com:
Tyler and Craig discuss why webpage design has gotten worse for 30 years, what Craig’s “obsessive customer service disorder” taught him about human nature, why trusting people and maintaining a nine-second rule for scams aren’t as contradictory as they sound, why roommate ads are a better way to find love, why Craigslist never added seller evaluations, why Leonard Cohen speaks to him more than Bob Dylan, what William Gibson’s Neuromancer got right about the internet, why Jackson Lamb is now one of his role models, why large foundations lose accountability, what two painful Ivy League grants taught him philanthropy, what he gets from rescuing pigeons, the hard lesson he learned about confronting people who lie for a living, his favorite TV shows and movies, the one genuine luxury he can’t go without, what he still needs to learn, and much more.
leider hat craig newmark nicht besonders viel dazu gesagt, warum jackson lamb sein vorbild ist, trotzdem sehens- und hörenswert wenn man craig newmark gerne zuhört, was ich sehr gerne tue.
Noch eine kleine Erkenntnis nebenbei: Man kann, wenn man an Krücken läuft, beim Gehen gar nicht aufs Handy sehen und dadurch erneut stürzen. Wie klug ist das denn eingerichtet? Und sollte man also einfach zur Prophylaxe an Krücken gehen?
kontraintuitiver morgenspaziergang

heute früh haben frida und ich den morgenspaziergang zum büro statt in den rehbergen gemacht. ich bin ja ein steter homeoffice-mensch und gehe nur äusserst selten ins büro. aber der spaziergang in richtung und die anschliessende fahrt ins büro waren gar nicht mal so ineffizient. um 07:15 uhr sind wir los (zu fuss vom wedding zur bornholmer strasse, danach s-bahn zum ostkreuz) und um 8:50 uhr waren wir im büro. das waren anderthalb stunden, inklusive einer 5 minütigen frühstückspause. sonst gehen wir eine bis anderthalb stunden morgenspazieren.
trotzdem: meine produktivität im büro lässt sehr zu wünschen übrig. ich weiss gar nicht warum manche arbeitgeber immer noch das gegenteil annehmen, dass die produktivität im homeoffice zu wünschen übrig liesse. na gut, ich vermute ich weiss es schon: mangelndes vertrauen in die arbeitnehmenden.
das mit dem vertrauen funktioniert ja bekanntlich kontraintuitiv: wer vertrauen schenkt, bekommt es nicht nur zurück, sondern säät pflichtgefühl. das ist zumindest meine erfahrung. funktioniert mit menschen, genauso wie mit hunden.
was ich erst in den letzten monaten realisiert habe: wie effizient beschwerden sein können, wenn sie sachlich, freundlich und ohne emotionen vorgetragen werden. ich habe diese erfahrung als beschwerden-empfänger gemacht und ich kann berichten: emotional oder gar aggressiv vorgetragene beschwerden kann man leicht abperlen lassen und wegrationalisieren. die sachlichen, stimmigen und freundlichen hingegen sind die, die wirklich an die substanz gehen.
es gibt so vieles wo man mit intuition daneben liegen kann. gestern hat mir zum beispiel mark manson erklärt, dass die jagd nach positiven gefühlen dazu führt, dass wir uns schlecht fühlen. wenn man hingegen loslässt und auch negative gefühle akzeptiert, desto mehr kann diese akzeptanz positive gefühle hervorrufen. mark manson hat ein buch mit dem hervorragenden titel „the subtle art of not giving a fuck — a counterintuitive approach to living a good life“ geschrieben. leider fand ich mark manson in dem video eher unsympathisch, so dass ich derzeit weder lust habe weitere videos von ihm zu sehen, noch sein buch zu lesen, was es eigenartiger (und unintuitiver) weise auch als frei zugängliches pdf gibt.
trotz alledem bin ich weiterhin ein grosser fan von intuition. ich erzähle immer wieder gerne von meinem vater, der als krankenhaus-arzt im notdienst oft zehn bis zwanzig minuten vor einem notfall-anruf wach wurde. meine erklärung dafür ist völlig unesoterisch: wer sich intensiv mit etwas beschäftigt, tut das nicht nur bewusst, sondern auch unbewusst. das passiert, wenn man sich wirklich für ein thema interessiert und tief darin abtaucht.
ich habe mir immer gewünscht, auch in meinem leben solche themen zu finden, in die ich so tief eintauchen kann, dass sich daraus eine solche intuition entwickelt. gelegentlich gelingt mir das auch.
→ weiterlesen youtube.com: Why Times Square’s Billboards Are Required By Law | Walking Tour | Architectural Digest











extrem faszinierend, die welt der polymorphe und kristalle. sehr gut und anschaulich erklärt.
und: schokolade ist auch ein polymorph und ich hab jetzt endlich die wissenschaft hinter temperierter schokolade verstanden. kristallklare sehpfehlung.