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die­sen mitt­woch, BBC „world have your say“ aus ber­lin

felix schwenzel

mor­gen mit­tag um 13 uhr sen­det der BBC world news ser­vice die sen­dung „world have your say“ aus ber­lin eine dis­kus­si­on über deutsch­land:

With un­der a fort­night to the elec­tion, World Have Your Say is live from the Ger­man His­to­ri­cal Mu­se­um in Ber­lin to find out how Ger­mans see their place in the world in 2013. How does the rest of the pla­net see Ger­ma­ny? Should the world learn to be a bit more Ger­man? In which di­rec­tion will this elec­tion take Ger­ma­ny? And is An­ge­la Mer­kel the best per­son to con­ti­nue to lead it?

es sind ein paar (um die hun­dert) deut­sche ein­ge­la­den, un­ter an­de­rem auch ich. wer dort wann oder wie et­was sa­gen wird weiss ich nicht. ge­streamt wird die sen­dung we­gen ähn­lich blö­der bri­ti­scher me­di­en­ge­set­ze wie in deutsch­land nicht, aber über sa­tel­lit soll­te BBC world news zu emp­fan­gen sein. aus­schnit­te könn­ten ir­gend­wann im whys-you­tube-ka­nal auf­schla­gen, aber viel­leicht auch nicht. aber ich wer­de von dort mit mei­nem te­le­fon tweets und bil­der sen­den.


[nach­trag 11.09.2013]
in ei­nem klei­nen teaser der der­zeit auf BBC world news ver­sen­det wird darf ich auch ei­nen hal­ben satz sa­gen, näm­lich, dass wir deut­schen sehr wahr­schein­lich nicht in den krieg ge­gen ir­gend­wen zie­hen wer­den.

ty­pisch fern­se­hen: 8 se­kun­den fern­se­hen zu pro­du­zie­ren kön­nen auch schnell mal an­dert­halb stun­den pro­duk­ti­ons­zeit kos­ten (war­ten, fil­men und plau­dern). hier ist der gan­ze clip zu se­hen.


der mo­de­ra­tor ros at­kins mein­te bei der pro­be, die auf­zeich­nung wür­de auch auf you­tube ver­öf­fent­licht (und noch ein paar mal neu ver­sen­det).

hier mein ver­an­stal­tungs­be­richt (auf eng­lisch).


frei­heit statt angst de­mo sep­tem­ber 2013

felix schwenzel


heu­te, 13 uhr alex­an­der­platz in ber­lin

felix schwenzel

heu­te um 13 uhr am alex­an­der­platz de­mons­trie­re ich ge­gen die­ses gif:

NSA USA

cur­ry­wurst

felix schwenzel

kürz­lich habe ich ge­sagt: „po­li­tik in deutsch­land re­giert nicht, son­dern ka­pi­tu­liert“. ich muss er­gän­zen: bei po­li­tik in deutsch­land re­giert die cur­ry­wurst, nicht das ko­te­lett.

 
 


tv-du­ell 2013

felix schwenzel

vor ein paar wo­chen habe ich mich zum tv-du­ell zi­schen an­ge­la mer­kel und peer stein­brück ak­kre­di­tiert. weils ging. ich war ein ein biss­chen auf­ge­regt ob ich dann wirk­lich ein­ge­las­sen wer­de, weil es in der ein­la­dungs­mail hiess:

Bit­te brin­gen Sie die­se aus­ge­druck­te Ak­kre­di­tie­rungs­be­stä­ti­gung und die an­ge­ge­be­ne Le­gi­ti­ma­ti­on (Pres­se­aus­weis oder Ak­kre­di­tiv des Ar­beit­ge­bers bzw. auf­trag­ge­ben­den Me­di­ums) mit.

da ich mich mit wir­res.net als auf­trag­ge­ber an­ge­mel­det habe, habe ich mir ent­spre­chend auch eine ak­kre­di­tie­rung aus­ge­stellt:

Sehr ge­ehr­te Da­men und Her­ren,
Fe­lix Schwen­zel be­rich­tet für das On­line Ma­ga­zin „wir­res.net“ von der Bun­des­tags­wahl 2013. Bit­te er­mög­li­chen Sie ihm den Zu­gang zum „TV-Du­ell 2013“ am 1. Sep­tem­ber.
Mit freund­li­chen Grü­ße
Fe­lix Schwen­zel
Chef­re­dak­teur und Her­aus­ge­ber wir­res.net

als back­up hat­te ich aber noch eine ak­kre­di­tie­rung ei­ner „ech­ten“ re­dak­ti­on da­bei. und? die ha­ben we­der auf den per­so­nal­aus­weis, noch auf das „Ak­kre­di­tiv“ ge­guckt. ich habe ein­fach so mein kärt­chen be­kom­men.

drin­nen ein gros­ser fern­seh­stu­dio-ar­ti­ger, be­scheu­rert be­leuch­te­ter raum, in dem ty­pi­sche fern­seh­stim­mung herrscht. wich­tig rum­ste­hen und war­ten. da­bei et­was es­sen und trin­ken, ge­le­gent­lich te­le­fo­nie­ren oder in eine ka­me­ra spre­chen. die ak­ku­s­tik ist al­ler­dings sehr an­ge­nehm, weil über­all stoff rum­hängt und tep­pich aus­liegt.

ne­ben den jour­na­lis­ten lau­fen hier sehr vie­le si­cher­heits­leu­te rum oder leu­te die eben aus­se­hen wie jour­na­lis­ten oder si­cher­heits­leu­te. das kann man ja nicht im­mer so ge­nau un­ter­schei­den. die klei­nen men­schen die hier rum­lau­fen sind po­li­ti­ker. ur­su­la von der ley­en lief eben an mir vor­bei als ich auf ei­nem hö­cker­chen sass und wir konn­ten uns dann ei­nen klei­nen au­gen­blick in die au­gen se­hen. so klein ist die.

pe­ter klöp­pel trägt üb­ri­gens hoch­was­ser­ho­sen. mi­chel fried­man auch. muss also ein trend sein.

ich selbst füh­le mich et­was un­der­dres­sed mit mei­nem röt­li­chen cord­ja­cket und dem schwar­zen t-shirt mit leich­ten salz­rän­dern vom 11 ki­lo­me­ter-marsch nach ad­lers­hof. ja, ich bin vom ost­kreuz ins tv-stu­dio ge­lau­fen. was des­halb be­mer­kens­wert ist, weil die dich­te der NPD-pla­ka­te rich­tig ad­lers­hof stark zu­nimmt und dann am s-bahn­hof ad­lers­hof schlag­ar­tig auf null zu­rück­geht. da­für wa­ren dann plötz­lich über­all po­li­zei­au­tos.


laut ul­rich dep­pen­dorfs te­le­prom­ter steigt die span­nung im pres­se­zen­trum mi­nüt­lich:

bei pro7 herrscht al­ler­dings ziem­li­che ruhe:

span­nend fand ich, dass ro­nald po­falla vor dem du­ell eine cur­ry­wurst be­stell­te und ass.

als es dann los­ging, fand ich dass stein­brück sei­ne er­öff­nung et­was bes­ser aus­wen­dig ge­lernt hat­te, als mer­kel. of­fen­bar nicht nur ich.

aber stein­brück brach­te die aus­wen­dig ge­lern­ten pas­sa­gen nicht nur ei­nen ti­cken glaub­wür­di­ger rü­ber als mer­kel, ich fand be­son­ders auf­fäl­lig, dass er sich nicht wie mer­kel von den zwi­schen­fra­gen aus dem tritt brin­gen liess. stein­brück fass­te die gan­ze ver­an­stal­tung viel mehr als ein ge­spräch auf als mer­kel, bei der man das ge­fühl hat­te, dass sie nur ihre tal­king points run­ter­spu­len woll­te. die­se tal­king points ka­men lei­der zum gros­sen teil nicht nur wie auf­ge­sagt und nicht ab­ge­holt rü­ber, son­dern wa­ren, wie von mer­kel ge­wohnt, lei­der oft auch völ­lig ver­wort­hülst. mich wun­der­te, dass sie nicht ir­gend­wann sag­te, dass sich zu­kunft wie­der loh­nen müs­se und fri­sche luft ge­sund sei. nur ganz sel­ten liess sie sich von den schie­nen he­ben und zu aus­sa­gen brin­gen, die so mög­li­cher­wei­se nicht ge­plant wa­ren: ja das sei schon mög­lich, dass emails die den deut­schen bo­den ver­las­sen mit­ge­le­sen wer­den könn­ten, wo­bei das na­tür­lich auch zu prü­fen sei. und zu dis­ku­tie­ren. und nee, au­to­bahn­maut für PKWs geht gar nicht.

mer­kel merk­te man deut­lich an, dass ihr das du­ell kei­nen spass mach­te. stein­brück schon. ich hat­te das ge­fühl, dass er sich über man­che fra­gen freu­te und meis­tens so­gar über un­ter­bre­chun­gen und nach­fra­gen. ein­mal sag­te er may-britt ill­ner so­gar, dass er ihr ger­ne zu­hö­re — und das war nur halb iro­nisch ge­meint. auch über­ra­schend: stein­brück be­ant­wor­te­te man­che fra­gen mit ei­nem kla­ren ja oder nein. meis­tens schob er dann zwar noch ne er­klä­rung hin­ter­her, aber auch das meis­tens so knapp und auf den punkt, dass mer­kel ir­gend­wann 10 mi­nu­ten vor­sprung bei der re­de­zeit hat­te.

mer­kel ging aber mei­ner mei­nung nach nicht leer aus. stein­brück wirk­te zwar über wei­te stre­cken so viel kom­pe­ten­ter, bes­ser vor­be­rei­tet und tie­fer in der ma­te­rie, dass ich mich dazu hin­reis­sen liess ihn staats­män­nisch zu nen­nen, aber mer­kel schaff­te es ir­gend­wie we­ni­ger aka­de­misch und knuf­fi­ger zu wir­ken. also ein biss­chen wie ein bau­er mit di­cken kar­tof­feln: kann sich zwar nicht so doll aus­drü­cken, ist nicht so irre hel­le, aber hats ir­gend­wie schon drauf, mit den kar­tof­feln.

An­ge­la Mer­kel er­ahnt lang­sam, dass ihr wah­rer Geg­ner in die­sem #tv­du­ell wo­mög­lich nicht Stein­brück, son­dern Raab sein könn­te.

staats­män­nisch ver­such­te auch pe­ter klöp­pel zu wir­ken. und zwar sehr be­müht. so sehr, dass er min­des­tens ein­mal eine fra­ge ver­dreh­te und stän­dig an sei­nem fül­ler rum­fum­mel­te. auch die et­was zu jo­via­le art von may-britt ill­ner ver­fing bei mir nicht. ich war heu­te abend anne will und ste­fan raab fan­boy. bei­de spra­chen und frag­ten flos­kel­los, bis­sig, di­rekt und ein biss­chen un­ver­schämt, bei­de hak­ten so nach, dass bei­de kan­di­da­ten je­des­mal ein biss­chen baff wa­ren und bis zu 3 zehn­tel-se­kun­den brauch­ten, bis sie sich wie­der ge­fan­gen hat­ten. mer­kel brauch­te bei man­chen zwi­schen­fra­gen 3-4 se­kun­den, bis sie sich wie­der auf ihr flos­kel-gleis ge­ho­ben hat­te. raab brach­te nicht nur fri­sche luft in die mo­de­ra­to­ren-run­de, son­dern in­spi­rier­te of­fen­bar auch anne will zu mehr ag­gres­si­vi­tät. ste­fan raab hät­te ich jetzt ger­ne öf­ter bei sol­chen ver­an­stal­tun­gen da­bei.


nach dem du­ell ass ro­nald po­falla üb­ri­gens wie­der eine cur­ry­wurst. wie vor dem du­ell. und spiel­te an sei­nem han­dy rum. ir­gend­wann rausch­te die kanz­le­rin in ei­nem cor­don von 20 per­so­nen­schüt­zern vor­bei. mer­kel sah po­falla nicht, po­falla mer­kel nicht und ich sah mer­kel zu­erst auch nicht. erst als sie vor­bei war, sah man ihr schön ge­mach­tes haar be­we­gungs­los auf ih­rem kopf ent­lang­lau­fen.

pe­ter alt­mai­er woll­te nach der ver­an­stal­tung ei­gent­lich vor al­lem bier trin­ken, sag­te bei in­ter­view-an­fra­gen aber nicht nein. ich habe bei zwei in­ter­views kurz zu­ge­hört und sei­ne ein­schät­zung war bei­de mal wie vor­her ein­stu­diert und na­tür­lich auch wort­gleich. ich fand ihn aber trotz­dem knuf­fig.

er­staun­lich wie vie­le re­gie­rungs­po­li­ti­ker, mi­nis­ter und CDU ober­che­cker im pres­se­zen­trum wa­ren. von der SPD wa­ren so­weit ich das er­ken­nen konn­te nur an­drea nah­les und hu­ber­tus heil da. der ver­stand sich ganz pri­ma mit klaas he­ufer-um­lauf. klaas he­ufer-um­lauf hat­te üb­ri­gens po­li­ti­ker-schu­he an. po­li­ti­ker-schu­he sind im­mer pi­ko­bel­lo ge­putzt oder brand­neu. seit ich vor 15 jah­ren mal lo­thar späth auf ei­ner bier­bank ge­se­hen habe und da­bei sei­ne per­fekt ge­pfleg­ten schu­he sah, ach­te ich bei po­li­ti­kern im­mer auf die schu­he und bin fas­zi­niert, wie ein­heit­lich per­fekt die schu­he im­mer sind. ich habe bis­her nur ei­nen po­li­ti­ker ge­se­hen, der un­ge­pfleg­te schu­he hat­te: jörg tauss.


mar­kus be­cke­dahl fasst das du­ell wie folgt zu­sam­men: „Acht Mi­nu­ten NSA-Skan­dal im TV-Du­ell“ auch hier bin ich ste­fan raab üb­ri­gens (wahr­schein­lich zu un­recht) dank­bar. just in dem mo­ment wo ich fürch­te­te (und twit­ter­te), dass NSA und netz­po­li­tik gar nicht mehr dran­kom­men, fing raab an ge­nau da­nach zu fra­gen.

co­rin­na emundts hat ein paar blog­ein­rä­ge im ta­ges­schau-blog ver­öf­fent­lich, die die stim­mung im „press­zen­trum“ ganz gut wie­der­ge­ben: “Ja­woll”, sagt Schäub­le und schaut in­ter­es­siert, 1:1 oder 2:1, nur für wen?, “Sekt oder Sel­ters” (Stein­brück), Die Stun­de da­nach.

ro­land nel­les meint auf spie­gel.de, „das war 0:0“, was ich an­ders sehe. könn­te ich stein­brück di­rekt wäh­len und müss­te nicht die ver­kack­te wan­kel­mü­ti­ge SPD wäh­len, er hät­te mich heu­te über­zeugt. wenn jetzt auch noch der un­wahr­schein­li­che fall ein­tre­ten wür­de, dass er sich plötz­lich für bür­ger­rech­te auch im in­ter­net und nicht nur auf der stras­se ein­set­zen wür­de und klar stel­lung ge­gen die vor­rats­da­ten­spei­che­rung oder flug­gast­da­ten­über­mitt­lung und für ein mo­der­nes ur­he­ber­recht be­zie­hen wür­de, könn­te er mich viel­leicht noch über­zeu­gen. aber da­für sind 21 tage wohl zu knapp.

apro­pos kurz und knapp:

An­ge­la Mer­kels Re­gie­rungs­pro­gramm in ei­nem Satz: "Sie ken­nen mich." #tv­du­ell


das zdf hat die längs­ten mi­kro­fon­stän­der

mei­ne tweets, bil­der und in­sta­gram­me von ges­tern zum #tv­du­ell re­la­tiv über­sicht­lich in mei­ner re­cla­im-in­stal­la­ti­on.


CDU-kan­di­da­ten die sa­chen hal­ten

felix schwenzel

wenn ich rich­tig ge­zählt habe, sieht man hier 32 CDU-kan­di­da­ten die ei­nen stift in der hand hal­ten, ei­nen der ein ipho­ne in der hand hält, drei die so tun als ob sie ein ipad be­nut­zen und ei­nen der an sei­nem fin­ger riecht.


[quel­le: bil­der.cdu.de, in­spi­ra­ti­on von b. in den kom­men­ta­ren]

[nach­trag 30.08.2013]
be­sim ka­ra­de­niz hat 70 kan­di­da­ten­fo­tos kom­men­tiert.

der ta­ges­spie­gel zu den hin­ter­grün­den die­ser „mo­der­nen“ CDU-fo­tos. dank an speed­racr für den link.


di­rekt­kan­di­da­ten cas­ting

felix schwenzel

heu­te abend habe ich mir im spr­en­gel­haus eine ver­an­stal­tung an­ge­se­hen, in der sechs di­rekt­kan­di­da­tin­nen für den be­zirk mit­te ge­le­gen­heit hat­ten sich ih­ren wäh­le­rin­nen vor­zu­stel­len. an­we­send wa­ren

die drei ers­ten wur­den auch mit ih­rem ti­tel auf­ge­lis­tet, da sie aber auf ih­ren wahl­pla­ka­ten alle drei auf ih­ren ti­tel ver­zich­ten, ver­zich­te ich auch. ins­ge­samt wa­ren in dem re­la­tiv klei­nen ver­an­stal­tungs­raum re­la­tiv vie­le, sehr bunt ge­misch­te leu­te, was ich er­freu­lich fand, an­de­rer­seits fand ich, dass für die grös­se des wahl­be­zirks er­schre­ckend we­nig leu­te in­ter­es­se an ih­ren kan­di­da­ten zeig­ten.

schaue mir 6 #btw13 kan­di­da­ten für ber­lin-mit­te an. pic.twit­ter.com/lrk8KPPU­Zy

phil­ipp lengs­feld

mir fiel auf, dass die kan­di­da­ten in 3D alle sehr viel sym­pa­thi­scher als auf ih­ren pla­ka­ten wirk­ten. mit der aus­nah­me des CDU-kan­di­da­ten phil­ipp lengs­feld, der in echt ge­nau­so stre­ber­mäs­sig wirkt, wie auf sei­nen pla­ka­ten. herr lengs­feld hat al­ler­dings, wie man sei­nem pres­se- und pla­kat­bild ent­neh­men kann, eine be­son­de­re fä­hig­keit, die er für so wich­tig hält, dass er sie in eben­die­sem pres­se­bild zen­tral her­aus­stellt: er kann ei­nen stift auf ein lee­res, un­be­schrie­be­nes, ka­rier­tes heft hal­ten.

phil­ipp lengs­feld be­nutzt ei­nen stift

die ver­an­stal­tung be­gann da­mit, dass je­der kan­di­dat sich und sei­ne zen­tra­len po­li­ti­schen bot­schaf­ten un­ge­fähr 4 mi­nu­ten lang vor­stel­len durf­te. er­staun­li­cher­wei­se klapp­te das mi­nu­ten­ge­nau. hart­mut bade von der FDP fing an. der ers­te ein­druck war sehr sym­pa­thisch. in sei­ner spra­che schwang et­was hes­sisch mit, was ich mag und er sag­te an­fangs sa­chen („da­mit ich in den bun­des­tag kom­me, müss­te die FDP auf un­ge­fähr 40% kom­men“) die da­von zeug­ten, dass er sich selbst nicht so irr­sin­nig wich­tig nimmt, was ich auch mag. als er dann aber ver­such­te zu er­klä­ren, dass die FDP in der bun­des­re­gie­rung ganz tol­le sa­chen ma­che, wech­sel­te sei­ne spra­che ins un­an­ge­nehm scha­blo­nen­haf­te. ich glau­be die­se out-of-body-ex­pe­ri­en­ces, in de­nen po­li­ti­ker ih­ren kör­per ver­las­sen und sich in spre­chen­de par­tei­pro­gram­me wan­deln, sind nicht nur für die zu­hö­rer schwer er­träg­lich, son­dern auch für die po­li­ti­ker selbst.

nicht scha­blo­nen­haft, son­dern in breit­ge­dro­sche­nen phra­sen sprach eva högl (SPD). sie rat­ter­te um die 20 „bür­ger-und-bür­ge­rin­nen“ oder „kan­di­da­ten-und-kan­di­da­tin­nen“-kon­struk­tio­nen pro mi­nu­te raus, flocht zwei­mal pro mi­nu­te ein lo­cke­res „mei­ne da­men und her­ren“ ein und war be­müht, als käme sie frisch vom rhe­to­rik­trai­ning, wirk­lich je­den men­schen mit sei­nem na­men an­zu­spre­chen. das soll­te ein­deu­tig ver­bun­den­heit mit dem wahl­volk, dem kiez, den men­schen si­gna­li­sie­ren, wirk­te auf mich aber un­an­ge­nehm krie­che­risch fra­ter­ni­sie­rend. an­de­rer­seits war sie wirk­lich gut ver­ständ­lich, mo­du­lier­te ihre spra­che mus­ter­gül­tig und wirk­te durch­aus auf­rich­tig und en­ga­giert, als sie über ihre po­li­ti­sche ar­beit und an­sich­ten sprach. für mei­nen ge­schmack al­ler­dings ei­nen ti­cken zu dick auf­ge­tra­gen.

klaus le­de­rer von der lin­ken wirk­te jo­vi­al, ju­gend­lich, of­fen und fast laus­bü­bisch als er vor der ver­an­stal­tung den raum be­trat und sei­ne kon­kur­ren­ten be­grüss­te. wenn er po­li­tisch wird, also über po­li­tik re­det, ver­fliegt die jo­via­li­tät und er ver­wan­delt sich in ei­nen schimp­fen­den rohr­spatz. al­ler­dings ei­ner der durch­aus kom­pe­tent und wohl­in­for­miert wirkt, der sau­ber ar­gu­men­tiert und das gan­ze auch noch an­satz­wei­se prag­ma­tisch und kon­kret (statt dog­ma­tisch und ver­all­ge­mei­nernd). wür­de er et­was we­ni­ger ver­bis­sen und em­pört ar­gu­men­tie­ren, könn­te ich mir so­gar vor­stel­len, ihn rich­tig gut zu fin­den.

her­zens­gut, sym­pa­thisch, auf­ge­regt und echt war the­re­se leh­nen von den pi­ra­ten. ich wür­de kei­nen au­gen­blick an ih­ren gu­ten ab­sich­ten zwei­feln, was ich aber ver­geb­lich such­te war sub­stanz und an­sät­ze von durch­set­zungs­ver­mö­gen oder -wil­len.

(po­li­ti­sche) sub­stanz fehlt lei­der auch phil­ipp lengs­feld. er hat die rhe­to­ri­schen fä­hig­kei­ten von ed­mund stoi­ber und kann sehr schön ges­ti­ku­lie­ren. aber sein haupt­ar­gu­ment, dass man ihn wäh­len sol­le weil die wahl für schwarz-gelb schon so gut wie ent­schie­den sei und er sich dann als an­ge­hö­ri­ger ei­ner re­gie­rungs­frak­ti­on im bun­des­tag ma­xi­mal ef­fek­tiv für sei­nen wahl­kreis, also den wed­ding und mit­te, ein­set­zen kön­ne, war we­nig über­zeu­gend. er be­kun­de­te zwar mehr­fach, dass er furcht­bar ehr­lich sei und im ge­gen­teil zu sei­nen kon­ku­ren­ten sei­nen wäh­lern nicht das blaue vom him­mel ver­spre­chen wür­de, ver­stand aber of­fen­bar nicht, dass zum strei­ten nicht nur das be­haup­ten ge­hört, son­dern das über­zeu­gen.

phil­ipp lengs­feld ver­sucht mit je­dem wort und je­der ges­te ei­nen po­li­ti­ker dar­zu­stel­len und schei­tert da­bei so gran­di­os, dass ich bei­na­he mit­leid be­kam. da er sich aber mehr­fach ver­bal ex­trem un­an­ge­nehm ver­gal­lo­pier­te, konn­te ich das mit dem mit­leid schnell aus­knip­sen. ge­gen die dop­pel­te staats­bür­ger­schaft ar­gu­men­tier­te er mit dem „tot­schlä­ger vom alex­an­der­platz“, der sich dank sei­ner dop­pel­ten staats­bür­ger­schaft dem zu­griff der deut­schen staats­ge­walt mit ei­ner rei­se in die tür­kei ent­zog. das ar­gu­ment war so ab­surd, dass so­gar sein kum­pel von der FDP deut­lich in­ter­ve­nier­te und den bull­shit von legs­feld bull­shit nann­te (mei­ne wor­te). phil­ipp lengs­feld er­klär­te auch sein ge­sell­schafts­bild in dem es zwei ar­ten von men­schen gibt: men­schen wie er, die ar­bei­ten, und harz-4-emp­fän­ger.

öz­can mut­lu von den grü­nen trug ein grü­nes po­lo­hemd mit ro­tem kra­gen. er kam als letz­ter, aber im­mer noch eine mi­nu­te vor dem ver­an­stal­tungs­be­gin. ich bin ja fest ent­schlos­sen den grü­nen die­ses mal nicht mei­ne zweit­stim­me zu ge­ben (aus grün­den), aber öz­can mut­lu be­kommt mit ziem­li­cher si­cher­heit mei­ne erst­stim­me.

öz­can mut­lu war ei­ner der we­ni­gen der kei­ne scha­blo­nen­af­te spra­che nutz­te, son­dern frei schnau­ze re­de­te, teil­wei­se sehr emo­tio­nal aber trotz­dem ziem­lich sach­lich und sehr kon­kret. er schaff­te es nicht nur sei­ne po­si­tio­nen klar und deut­lich (und ohne po­pu­lis­mus) aus­zu­drü­cken, son­dern auch mit we­ni­gen sät­zen phil­ipp lengs­felds ah­nungs­lo­sig­keit und hohl­raum-ar­gu­men­te frei­zu­le­gen. mir ge­fiel auch wie er eva högl ein­mal kurz an­pieks­te, wor­auf­hin de­ren fra­gi­le flos­kel-mas­ke un­ter ei­nem hef­ti­gen sar­kas­mus- und zi­ckig­keits­aus­bruch zer­brach. (högl fand das mil­lio­nen­ge­halt von flug­ha­fen­chef mehr­dorn eine schwei­ne­rei und nicht nach­voll­zieh­bar, wor­auf mut­lu „fak­ten­check“ rief und dar­auf hin­wies, dass dem auf­sichts­rat des ber­li­ner flug­ha­fens bis vor kur­zem zwei SPD män­ner vor­sas­sen.)

mir war öz­can mut­lu sehr sym­pa­tisch, aber ich fin­de auch, dass er am bes­ten zum wahl­kreis passt, zu­min­dest so wie ich den wahl­kreis wahr­neh­me oder wahr­neh­men möch­te: bunt, le­ben­dig und dy­na­misch, aber auch ge­prägt von tie­fen so­zia­len ge­fäl­le, in­te­gra­ti­ons­pro­ble­men und ar­beits­lo­sig­keit. die lö­sun­gen die mut­lu vor­schlug fand ich prag­ma­ti­scher und we­ni­ger ideo­lo­gisch ge­prägt als die von klaus le­de­rer oder den lin­ken. wo­bei klaus le­de­rer per­sön­lich gar nicht so ideo­lo­gisch ge­prägt wirk­te, son­dern eher auf­rich­tig be­sorgt.

bei al­len sechs kan­di­da­ten war ech­te, auf­rich­ti­ge lei­den­schaft und en­ga­ge­ment für po­li­tik zu spü­ren. alle (bis auf lengs­feld) lies­sen durch­schei­nen, dass sie nicht mit al­len ent­schei­dun­gen ih­rer par­tei­en ein­ver­stan­den sind und „per­sön­lich“ teil­wei­se et­was an­de­re mei­nun­gen ver­tre­ten. so konn­ten sich auf eine pu­bli­kums­fra­ge hin ei­gent­lich alle kan­di­da­ten (bis auf lengs­feld) ein be­din­gungs­lo­ses grund­ein­kom­men vor­stel­len — zu­min­dest auf die lan­ge sicht. alle (bis auf lengs­feld) wa­ren ge­gen ein be­waff­ne­tes ein­grei­fen in sy­ri­en und waf­fen­ex­por­te, wo­bei högl und bade sich rhe­to­risch ge­schickt aus der schlin­ge zo­gen und ele­gant re­la­ti­vier­ten. beim ver­such zu re­la­ti­ve­ren stol­per­te phil­ipp lengs­feld ganz böse, als er zum the­ma waf­fen­ex­por­te aus dem CDU-wahl­pro­gramm vor­las:

CDU und CSU ver­fol­gen das Ziel, welt­weit die Ver­brei­tung von kon­ven­tio­nel­len Waf­fen stärker zu kon­trol­lie­ren.

das war der witz des abends und der zeit­punkt an dem ich zum ers­ten mal glaub­te, dass phil­ipp lengs­feld even­tu­ell ein schau­spie­ler, eine art po­li­tik-dar­stel­ler sein könn­te.


ich fand das ganz gross­ar­tig, dass das spr­en­gel­haus die­se ver­an­stal­tung or­ga­ni­sis­ert hat. es ist das ers­te mal, dass ich mir die di­rekt-kan­di­da­ten mei­nes wahl­krei­ses zu ei­ner bun­des­tags­wahl ge­nau­er an­ge­se­hen habe. aus ers­ter hand, di­rekt. ich habe mir zwar schon ge­dacht, dass ich öz­can mut­lu am sym­pa­thischs­ten und un­ter­stüt­zungs­wer­tes­ten fän­de, aber zu se­hen, dass die men­schen die sich hier zur wahl stel­len ihre sa­che ernst neh­men, sich enorm en­ga­gie­ren und auf­rich­tig kämp­fen fand auf eine art sehr be­ru­hi­gend. heu­te abend ist mir der wert der erst­stim­me bei ei­ner bun­des­tags­wahl zum ers­ten mal in mei­nem le­ben rich­tig be­wusst ge­wor­den.


auf spie­gel on­line kann man sei­ne di­rekt­kan­di­da­ten mit hil­fe von ant­wor­ten der kan­di­da­ten auf ab­ge­ord­ne­ten­watch „che­cken“: kan­di­da­ten­check.spie­gel.de

das ding scheint zu funk­tio­nie­ren, denn mir wur­de vom kan­di­da­ten­check öz­can mut­lu wärms­tens ans herz ge­legt: „18 Über­ein­stim­mun­gen bei 24 The­sen“


me­ta­gram

felix schwenzel


sonn­tags­spa­zier­gang

felix schwenzel

schmuck aus pa­ris oder so
ups
kom­mu­ni­zie­ren­de bän­ke
ups
mas­sa­ge

tote hose bei fa­mi­lie bar­bie
wunsch­la­den
ohm­stras­se
not­aus­gang tre­sor
treff­punkt
bau­rui­ne
klei­nes auto — ich glau­be der fah­rer trug kein go­ril­la-kos­tüm

face­book em­bed mit ei­nem sym­bol­bild für al­les

felix schwenzel

in die­sem ar­ti­kel sind zwei face­book-ein­trä­ge ein­ge­bet­tet. aus dem ein­bett­code habe ich den face­book-uni­ver­sal-ja­va­script­code ent­fernt, des­halb wird stan­dard­mäs­sig im feed­rea­der, aber auch auf der web­an­sicht nur der no­script-teil des ein­bett­codes an­ge­zeigt. den kann man üb­ri­gens auch be­lie­big ma­ni­pu­lie­ren und er­wei­tern, also rein­schrei­ben was man will. so­bald der em­bed durch ja­va­script ak­ti­viert ist, ver­schwin­det das selbst hin­zu­ge­füg­te. ent­schei­dend für das em­bedden ist die in ei­nem div ver­steck­te data-href mit dem link zum ent­spre­chen­den face­book-ein­trag.

um die na­ti­ve em­bed-an­sicht zu se­hen, muss das aus­späh- und an­zei­ge-ja­va­script von face­book nach­ge­la­den wer­den. das geht mit ei­nem klick hier oder in­dem der face­book-auf­klap­per am fuss des ar­ti­kels auf­ge­klappt wird (da­mit lädt der face­book-aus­späh-ja­va­script-code für den like-but­ton nach).


Ein­trag von Fe­lix Schwen­zel.


Ein­trag von Mar­kus An­ger­mei­er.

mal ne gute sa­che der cdu:
par­tei­pro­gramm in leich­ter spra­che. das ist bar­rie­re­frei: http://link.to.it/178jKDF
und so ka­pierts hof­fent­lich je­der.
z.B.: 
»
Wir wol­len:
- Mehr Über-Wa­chung. Mit Ka­me­ras.
«
»
Ver­bre­cher im In­ter­net
Man­che Leu­te ma­chen im In­ter­net schlim­me Sa­chen.
Zum Bei­spiel:
- Sie klau­en Bil­der im In­ter­net.
«
hier mehr:
http://www.cdu.de/sites/de­fault/files/me­dia/do­ku­men­te/re­gie­rungs­pro­gramm-in-leich­ter-spra­che-btw13.pdf


in­ter­es­sant ist, dass der ers­te ein­ge­bet­te ein­trag ei­nen share be­inhal­tet von ei­nem post das mit spe­zi­el­len pri­vat­s­hä­ren-ein­stel­lun­gen auf face­book ein­ge­tra­gen wur­de. wenn ich den em­bed mit ei­nem brow­ser auf­ru­fe mit dem ich nicht bei face­book ein­ge­loggt bin, wird der em­bed nicht ge­r­en­dert. wird er ge­r­en­dert, zeigt sich ein ren­de­ring-pro­blem; das ein­ge­bet­te­te bild wird viel zu gross an­ge­zeigt.


wan­dern in ber­lin, teil 2

felix schwenzel

(teil 1 hier)
beim wan­dern sieht man sei­ten der stadt, die man sonst, auf dem fahr­rad, im auto, in der bahn kaum zu se­hen ver­mag. man er­kennt, wenn man durch ber­lin wan­dert, wie un­glaub­lich viel­sei­tig die­se stadt ist — und wie we­nig man von ihr weiss. bei­spiels­wei­se dass der weg durch den tier­gar­ten, vor­bei am schleu­sen­krug, di­rekt am bahn­hof zoo aus­kommt. das ist lo­gisch, steht so in je­der land­kar­te, aber erst wenn man den fuss­weg lan­ge­gan­gen ist, qua­si aus dem wald auf den vor­platz des bahn­hof zoo tritt, ver­steht man den zu­sam­men­hang.

jede stras­se der man folgt än­dert sich alle paar hun­dert me­ter mal ra­di­kal, mal we­ni­ger. die bun­des­alle, die am bahn­hof zoo als joa­chim­s­ta­ler stras­se an­fängt und un­ge­fähr eine kreu­zung nach dem kur­fürs­ten damm zur bun­des­al­lee wird, fängt präch­tig an, strot­zend vor tou­ris­ten­fal­len und wan­delt sich dann lang­sam in eine 70er-jah­re ar­chi­tek­tur­höl­le. in­klu­si­ve ei­ner pas­sen­den ein­rich­tungs­höl­le.

ve­ni­zia­ni­sche ein­rich­tungs­höl­le

hier rei­hen sich be­ton­bur­gen mit woh­nun­gen, ho­tel­zim­mern und ver­wal­tungs­ge­bäu­den an­ein­an­der.

job­cen­ter char­lot­ten­burg wil­mers­dorf

zwi­schen­durch bricht der be­ton auf und es tun sich stras­se auf die aus­se­hen als sei­en sie aus düs­sel­dorf hier­her ge­beamt wor­den. düs­sel­dor­fer chi­que trifft ber­li­ner grös­sen- und 70er-jah­re ef­fi­zi­enz­wahn. ich muss­te dann ir­gend­wann ein biss­chen in die wohn­vier­tel nach wes­ten ab­drif­ten, weil mich die bun­des­al­lee zu sehr frus­trier­te. dort gibt es of­fen­bar eine ha­cker­stras­se.

ha­cker­stras­se

von dort aus lan­de­te ich dann an der hin­ter­sei­te ei­nes rie­si­gen ein­kauf­zen­trums das sich „bou­le­vard ber­lin“ nennt. die ar­chi­tek­tur zeit­ge­nös­sisch, am­bi­tio­niert, aber trotz­dem gi­gan­to­ma­nisch und schreck­lich.

hin­ter­hof des „bou­le­vard ber­lin“
park­haus­ein­fahrt des „bou­le­vard ber­lin“
schild­hor­stras­se mit blick auf den „bou­le­vard ber­lin“ und den „bier­pin­sel“

den turm da an der schild­horn­stras­se kann­te ich noch nicht. er sah aus, als hät­ten sich dort mal woh­nun­gen be­fun­den. in der wi­ki­pe­dia steht, dss der turm le­dig­lich gas­tro­no­misch ge­nutzt wur­de und bier­pin­sel ge­nannt wird. da­von hat­te ich schon öf­ter in der zei­tung ge­le­sen, aber im­mer ge­dacht, der bier­pin­sel wäre der turm an der avus. aber das ist die avus rast­stät­te. der bier­pin­sel steht zur zeit je­den­falls leer und bie­tet platz für graf­fi­ti und tau­ben.

bier­pin­sel

ich war also schon in ste­glitz. in der schloss­stras­se hat­te ich dann end­gül­tig mein düs­sel­dorf déjà-vu. con­fi­se­ri­en, pâ­tis­se­rien, schuh­ge­schäf­te, ein hipps­ter-kauf­haus („na­tur­kauf­haus“), body shops, ja­pa­ner, ita­lie­ner — und ein star­bucks. ich muss­te jetzt nach fast 2½ stun­den marsch doch mal pin­keln. ich ent­schied mich da­ge­gen, €3,50 für heis­se milch mit ei­nem es­pres­so zu be­zah­len und freu­te mich auf den gu­ten, alt­mo­di­schen fil­ter­kaf­fee mit kaf­fee­sah­ne, der mich bei mei­nen ver­wand­ten er­war­te­te. noch 20 mi­nu­ten, 20 mi­nu­ten ste­glitz. das hoch­haus über dem ubahn­hof ra­th­haus ste­glitz sah aus als büs­se es für die bau­sün­den der 70er jah­re und rief laut: „re­no­viert mich!“ nie­mand schien sich für die rufe zu in­ter­es­sie­ren. kurz dar­auf ein denk­mal für den ver­zwei­fel­ten ar­chi­tek­ten.

10 mi­nu­ten vor dem ziel dann noch ein rie­si­ger BMW, mini, rolls roy­ce und fer­ra­ri und so wei­ter händ­ler. für die rolls-roy­ce aus­stel­lung wur­de ex­tra ein klei­nes show­room-ge­bäu­de ge­baut. lei­der ex­trem scheuss­lich. die be­trei­ber fin­den den bau zwar „mo­dern und ele­gant“ und dass mit die­sem „Am­bi­en­te das Image der welt­be­rühm­ten Ma­nu­fak­tur für Lu­xus-Au­to­mo­bi­le“ un­ter­stri­chen wer­de. das kann man, zu­min­dest mit dem blos­sen auge, lei­der nicht er­ken­nen.

rolls-roy­ce show­room („mo­dern und ele­gant“)

die rolls-roy­ce au­tos selbst ha­ben in etwa die rei­fen-grös­se und ka­ros­se­rie-höhe von mo­der­nen SUVs. ich mag die klo­bi­ge und gi­gan­to­ma­ni­sche ge­stal­tung der wa­gen. und ich glau­be SUVs ver­su­chen in ge­nau die­se rei­fen­spur zu tre­ten: er­höh­te sitz­po­si­ti­on, viel ge­bor­gen­heit spen­den­des und ag­gres­si­vi­tät aus­strah­len­des blech um die pas­sa­gie­re, rie­sen­rei­fen und platz und ver­brauch ohne ende. qua­si das ge­naue ge­gen­teil ei­nes klein­wa­gens.

rolls-hy­un­dai

10 mi­nu­ten spä­ter war ich am ziel. mein t-shirt hat­te ein paar salz­rän­der, die aber vom ein­set­zen­den re­gen wie­der mas­kiert wur­den. er­staun­li­cher­wei­se war ich nicht er­schöpft, die bei­ne wa­ren nicht müde, auch ei­nen tag spä­ter hat­te ich kei­nen mus­kel­ka­ter. zu­rück­zu­lau­fen hat­te ich dann aber doch kei­ne lust mehr, ich wäre dann erst ge­gen 22 uhr zu­hau­se ge­we­sen. und man solls ja nicht über­trei­ben.

(teil 1 hier)


wan­dern in ber­lin, teil 1

felix schwenzel

heu­te früh hab ich mir ge­dacht: was herr nil­zen­bur­ger kann, kann ich schon lan­ge. statt al­ler­dings ta­ge­lang durch die ita­lie­ni­sche wa­la­chei zu lau­fen (teil eins, zwei, drei, vier) und da­bei ent­we­der fast zu ver­durs­ten, von wöl­fen an­ge­fal­len zu wer­den und teil­wei­se kein funk­netz emp­fan­gen zu kön­nen, habe ich mir vor­ge­nom­men durch die ber­li­ner wa­la­chei zu lau­fen. qua­si die zi­vi­li­sa­ti­on zu er­kun­den, statt der na­tur. da kam es mir ge­le­gen, dass die frau mei­nes cou­sins (wie nennt man die, schwie­ger-cou­si­ne?) heu­te nach­mit­tag ih­ren ge­burts­tag im ge­gen­über­lie­gen­den teil ber­lins fei­ern woll­te, in ste­glitz. laut goog­le maps dau­ert die 13 ki­lo­me­ter lan­ge stre­cke vom wed­ding nach ste­glitz zu fuss ca. drei stun­den.

peace, ey

also bin ich um 14 uhr nach dem mit­tag­essen (erb­sen­sup­pe mit schäl­erb­sen, die lei­der al den­te wa­ren) los­ge­gan­gen. ohne ruck­sack, ohne wan­der­schu­he, ohne pro­vi­ant und was­ser, nur mit mei­nem mul­ti­funk­ti­ons-te­le­fon und ei­nem la­de­ka­bel. ein­fach im flur tschüss ru­fen, raus aus dem haus und im­mer rich­tung sü­den lau­fen.

gleich nach 700 me­tern das ers­te high­light der wan­der­stre­cke, eine ro­bo­cop-plas­tik für den frie­den im bel­gi­schen vier­tel und die welt. um­ge­ben von ro­sen, bäu­men und bier­trin­kern (nicht im bild).

ups!

kurz da­nach ein ge­stürz­ter baum und je­mand der im ge­hen sprech­ge­sang übt (nicht im bild). das ist et­was was ich im wed­ding jetzt schon öf­ter be­ob­ach­tet habe, jun­ge, stark von männ­lich­keits­ri­tua­len ge­präg­te män­ner, die kopf­hö­rer auf dem kopf ha­ben und da­bei laut mit­sin­gen rhyt­misch spre­chen. oder rei­men. was weiss ich. auf je­den fall fo­to­gra­fie­re ich die nicht — aus furcht da­nach eben­falls wie der um­ge­fal­le­ne baum aus­zu­se­hen.

da­nach ging es vor­bei an der beu­th­hoch­schu­le für tech­nik, der cha­ri­té, auf de­ren ge­län­de, beim deut­schen herz­zen­trum wit­zi­ger­wei­se das axel-sprin­ger-gäs­te­haus liegt und am kraft­werk moa­bit.

bi­ber in ber­lin?

in moa­bit selbst gibt es of­fen­bar bie­ber (oder wie herr k. ver­mu­te­te, kif­fer mit fress­flashs). aus­ser­dem gibt es in moa­bit ge­nau­so­vie­le spiel­hal­len und fri­seu­re wie im wed­ding. ich fühl­te mich fast ein biss­chen wie zu­hau­se. was mich auch wun­der­te; ich hat­te we­der durst noch ap­pe­tit auf eis oder dö­ner, ob­wohl ich schon bei­na­he 4 ki­lo­me­ter ge­lau­fen war.

an der spree bin ich auf ei­nen ufer­weg ab­ge­bo­gen der an­geb­lich bun­des­rat­ufer ge­nannt wird. der weg war schö­ner als der name ver­mu­ten lässt und die ra­sen­stü­cke am was­ser und die sitz­bän­ke wur­den in­ten­siv ge­nutzt. ei­ni­ge ruck­sack­tou­ris­ten oder ob­dach­lo­se schlie­fen dort, el­tern mit kin­dern, ju­gend­li­che ohne el­tern, shi­sha-rau­cher und eine frau die die flö­te zu spie­len schien, in echt aber nur eine ca­lip­po-eis ge­nuss­voll in den mund schob.

tu­can

plötz­lich war ich dann im tier­gar­ten. bis hier­hin ging al­les so schnell. ich hat­te im­mer noch kei­nen durst und nur eine kit­ze­klei­ne lust auf spei­se­eis ent­wi­ckelt. die ver­ging mir aber ein biss­chen am ein­gang zum tier­gar­ten, an dem ein toi­let­ten-con­tai­ner ei­nen in­fer­na­li­schen pis­se-ge­ruch ver­brei­tet. den be­kam ich bis zum schleu­sen­krug nicht aus der nase und da dort auch kein „im­puls­eis“ ver­kauft wird (so nen­nen die pro­fis das of­fen­bar), ging ich wei­ter zum bahn­hof zoo.

am bahn­hof zoo pack­te mich dann die spei­se­eis-gier. ich ging zu mc­do­nalds, aber als ich dort ge­fühl­te 10 mi­nu­ten in ei­ner schlan­ge stand und da­bei kein be­frie­di­gen­des vor­an­kom­men be­ob­ach­ten konn­te, war mein spei­se­eis­im­puls ver­flo­gen und ich ver­liess den of­fen­bar min­der­wer­tig or­ga­ni­sier­ten la­den wie­der und ging wei­ter rich­tung sü­den. am kur­fürs­ten­damm gab zum glück ei­nen wei­te­ren mc­do­nalds-out­let, der zwar auch mit schlan­gen voll­stand, bei dem man aber am au­to­ma­ten be­stel­len konn­te. die ta­blett­be­fül­ler die ihre an­wei­sun­gen von klei­nen mo­ni­to­ren ab­la­sen und of­fen­bar sehr froh wa­ren, nicht mehr mit kun­den re­den zu müs­sen, wa­ren ein mus­ter­bei­spiel der ef­fi­zi­enz. zu­min­dest im ver­gleich zum mc­do­nals am bahn­hof zoo. draus­sen ver­speis­te ich mein am au­to­ma­ten be­stell­tes und von stum­men an­ge­stell­ten ge­zapf­tes soft­eis mit scho­ko­sos­se mit blick auf ei­nen „kip­pen­las­ter“.

kip­pen­las­ter

die hälf­te der stre­cke hat­te ich jetzt hin­ter mir. und ich frag­te mich, was es bes­se­res gebe, als sonn­tags durch die stadt zu wan­dern. vor al­lem fiel mir auf, dass ich an nor­ma­len sams­ta­gen beim ein­kau­fen ähn­li­che stre­cken zu­rück­le­ge, aber lan­ge nicht so weit kom­me. mit ei­nem ziel vor au­gen und ei­nem frisch ge­la­de­nen mul­ti­funk­ti­ons-te­le­fon un­ge­hetzt, ent­spannt durch die stadt zu lau­fen, eis es­sen — ich glau­be ich hat­te mir ge­ra­de mei­ne neue lieb­lings­sport­art aus­ge­dacht.

(teil 2 hier)


die hells­ten köp­fe sa­gen „fick­ge­sicht“ und nicht „hin­ter­fot­zi­ges arsch­loch“

felix schwenzel

nach­dem vor ein paar ta­gen mat­thi­as ma­tus­sek mein­te, dass in den USA al­les bes­ser sei, vor al­lem das fern­se­hen, als in deutsch­land, hat jetzt jan fleisch­hau­er in das glei­che horn ge­stos­sen. ma­tus­sek deu­te­te an, dass er in der dai­ly show be­stimmt nicht be­lei­digt wor­den wäre, weil dort „pro­fis“ und „kön­ner“ ar­bei­te­ten, statt dumpf­ba­cken wie krö­mer:

Ich emp­feh­le drin­gend, sich an­de­re Late-Nights rein­zu­zie­hen, For­ma­te wie die Dai­ly Show mit Jon Ste­wart, die be­son­ders die jun­ge Ziel­grup­pe bin­den - die sind tat­säch­lich un­ter­halt­sam und in­tel­li­gent, ohne „Arsch­loch“ und Puff-Wit­ze.

War­um? Weil hier von Kön­nern und Pro­fis an Poin­ten ge­ar­bei­tet wird und an Re­cher­chen über die Gäs­te, statt auf Mo­men­te des Fremd­schä­mens zu hof­fen. Weil Ge­sprä­che ge­führt wer­den, mal mehr, mal we­ni­ger geist­reich, statt den Mob grö­len zu las­sen.

ge­nau­so wie ma­tus­sek greift jan fleisch­hau­er auf spie­gel on­line die RBB-in­ten­dan­tin dag­mar reim an, dass sie je­man­den wie krö­mer un­ge­straft fern­se­hen ma­chen lässt und stellt jon ste­wart als leuch­ten­des bei­spiel der in­tel­li­gen­ten und pro­fes­sio­nel­len fern­seh­un­ter­hal­tung dar:

In den USA ist die Late-Night-Show eine Gat­tung, die mit Rück­sicht auf die vor­ge­rück­te Stun­de nur die hells­ten Köp­fe be­schäf­tigt. Die trau­ri­ge Wahr­heit ist hier­zu­lan­de, dass je­mand wie die RBB-In­ten­dan­tin Reim Jon Ste­wart für ei­nen 1993 ver­stor­be­nen Schau­spie­ler hält und "Late Night" für eine Er­fin­dung von Hans-Joa­chim Ku­len­kampff.

fuck­face von clown­stick

statt je­man­den „hin­ter­fot­zi­ges arsch­loch“ zu nen­nen, hat jon ste­wart kürz­lich do­nald trump „fick­ge­sicht“ („fuck­face von clown­stick“) ge­nannt. na gut, die „kön­ner“ und „pro­fis“ der dai­ly-show-re­dak­ti­on hat­ten „re­cher­chiert“, dass das do­nald trumps ge­burts­na­me sei. was nicht stimmt, aber irre wit­zig ist. viel wit­zi­ger als puff­wit­ze.

im märz nann­te ste­wart den ame­ri­ka­ni­schen kon­gress, also das ame­ri­ka­ni­sche par­la­ment „ver­fickt in­kom­pe­tent“ („fuck­ing in­com­pe­tent“) und sug­ge­rier­te, dass des­sen an­ge­hö­ri­ge lie­ber rum­wich­sen wür­den als den ame­ri­ka­nern zu hel­fen („We’re the ones black­ing out, while they’re all still jer­king off“).

in ei­nem sehr be­rühmt­ge­wor­de­nen ge­spräch in der mitt­ler­wei­le ab­ge­setz­ten CNN-sen­dung „cross­fi­re“ (wi­ki­pe­dia dazu), nann­te ste­wart ei­nen der mo­de­ra­to­ren „pim­mel“, „arsch“ oder „schlapp­schwanz“, je nach­dem wie man das wort dick über­set­zen möch­te.

lind­sey gra­ham

in ei­ner sen­dung im au­gust des letz­ten jah­res, nann­te er ei­nen idio­ten völ­lig zu recht eben­falls „dick“, und nahm in der ein­lei­tung zu die­ser ge­konn­ten und pro­fes­sio­nel­len poin­te gleich noch ei­nen se­na­tor we­gen sei­nes aus­se­hens aufs korn; er deu­tet an, dass der se­na­tor lind­sey gra­ham, der sich wohl ve­he­ment ge­gen gleich­be­rech­ti­gung für schwu­le und les­ben aus­sprach, wie eine „mit­tel­al­te les­be“ aus­se­he und frag­te sich ob lind­sey nicht ein mäd­chen­na­me sei.

was ich mit die­sen be­spie­len ei­gent­lich nur sa­gen will, was aber auch je­der der die dai­ly show auch nur ein­mal ge­se­hen hat auf an­hieb er­kennt: jon ste­wart und sei­ne „Kön­ner und Pro­fis“ agie­ren ger­ne und ag­gres­siv un­ter der gür­tel­li­nie. ste­warts sen­dung piept stän­dig, weil sein lieb­lings­wort „ver­fickt“ („fuck“, „fuck­ing“, „fu­cker“, „fuck­face“) nicht un­ge­piept über den sen­der ge­hen darf.

jon ste­wart als flä­ti­gen und ge­sit­te­ten ge­gen­pol zu kurt krö­mer dar­zu­stel­len ist lei­der ein aus­weis von völ­li­ger ah­nungs­lo­sig­keit. si­cher­lich ist jon ste­wart furcht­bar schlau, pro­fes­sio­nell und wit­zig und kann gran­di­os in­ter­view füh­ren (hier eine sen­dung in der es vor­nehm­lich um für­ze geht). aber er be­lei­digt men­schen auch furcht­bar ger­ne. meis­tens zu recht, wo­bei das ja auch ne ge­schmacks­fra­ge ist, wer zu recht und wer zu un­recht be­lei­digt wird.

aber apro­pos pro­fes­sio­na­li­tät; die bei­den groß­kop­fer­ten vom spie­gel be­kle­ckern sich bei ih­ren an­grif­fen auf kurt krö­mer und dag­mar reim nicht ge­ra­de mit pro­fes­sio­na­li­tät: der eine geht, ganz der pro­fi, in eine sen­dung die er noch nie ge­se­hen hat und von der er nichts weiss. der an­de­re liest bei sei­nem kol­le­gen, dass jon ste­wart ein klu­ger, pro­fes­sio­nel­ler sau­ber­mann sei und reicht das un­ge­prüft an die spie­gel-on­line-le­ser wei­ter. das wirkt zwar mei­nungs­stark, aber lei­der auch merk­be­freit und pein­lich.


noch­mal jan fleisch­au­er:

Nur wer in der Gre­mi­en­welt der ARD groß­ge­wor­den ist, kann es als Aus­weis von Hu­mor ver­ste­hen, wenn ein Mo­de­ra­tor in sei­ner Sen­dung mög­lichst oft das Wort "Arsch" un­ter­bringt, äl­te­re Frau­en fragt, war­um sie nicht schon tot sind, ih­nen dann ei­nen Plas­tik­ei­mer zwi­schen die Bei­ne hält, um "al­les ab­trop­fen zu las­sen", und sich an­schlie­ßend das Mi­kro als Pe­nis­er­satz vor den Ho­sen­latz klemmt.

ich fands wit­zig, auch ohne in der gre­mi­en­welt der ARD gross­ge­wor­den zu sein. und auch die be­hand­lung von mary roos war nicht nur wit­zig, son­dern trotz der kräf­ti­gen spra­che, durch­aus re­spekt- und sor­gen­voll.

ich fand es frü­her™ auch wit­zig, dass ha­rald schmidt in schmidtein­an­der nicht nur ei­nen „fot­zi­bär“ hat­te, son­dern auch ein­mal nor­bert blüm rudi ca­rell ein­lud der sich ei­nen ei­mer was­ser über den kopf schüt­te­te und dann wie­der die sen­dung ver­liess. oder dass schmidt sich nicht an ab­spra­chen mit sei­nen in­ter­view­part­nern hielt und die in der sen­dung zur weiss­glut trieb. ich fin­de auch craig fer­gu­son irre wit­zig, den man­che — völ­lig zu recht — als klügs­ten show­men­schen im ame­ri­ka­ni­schen fern­se­hen be­zeich­nen. ma­tus­sek und fleisch­hau­er wür­den aber die pro­fes­sio­na­li­tät, wit­zig­keit und klug­heit von craig fer­gu­son nie­mals be­mer­ken, weil sie die sen­dung schon in der stan­dup-sek­ti­on ab­schal­ten wür­den. fer­gu­son kommt dort nie­mals ohne min­des­tens ei­nen pe­nis-, les­ben-sitz­rei­hen-witz oder bil­li­ge se­xu­al­le an­spie­lun­gen und an­mer­kun­gen zu sei­nen an­geb­lich er­reg­ten brust­war­zen aus. craig fer­gu­son kas­pert voll auf kurt-krö­mer-ni­veau her­um, teil­wei­se mi­nu­ten­lang un­ter der gür­tel­li­nie.

dem ni­veau der dis­kus­si­on die ma­tus­sek und fleisch­hau­er hier an­zu­schie­ben ver­su­chen, wäre enorm ge­hol­fen, wenn sie ein­se­hen wür­den, dass es ver­schie­de­ne ar­ten von hu­mor gibt und ge­ben muss. und dass nicht ihr hu­mor — oder ge­nau­er, sei­ne ab­we­sen­heit — das mass der din­ge ist.


ikea kann nach 7 mo­na­ten kei­ne ver­brauchs­tei­le mehr lie­fern

felix schwenzel

kurz­ver­si­on: die ikea ak­tiv­koh­le­fil­ter nyt­tig fil 558 für die aus dem sor­ti­ment ge­nom­me­ne ab­zugs­hau­be luf­tig BF325 kann man mit [ama­zon-wer­be­link] elek­tro­lux fil­tern des typ 303 er­set­zen.


im de­zem­ber ha­ben wir bei ikea eine neue kü­che ge­kauft. ei­gent­lich soll man die ak­tiv­koh­le­fil­ter der kü­chen­ab­zugs­hau­be ja alle 4 mo­na­te aus­tau­schen (im­mer­hin kos­ten die je­weils 15 euro und un­se­re „LUF­TIG BF325“ braucht zwei da­von), aber wir ha­ben ein­fach ge­war­tet bis der fil­ter so voll war, dass nichts mehr durch­ging. nach 7 mo­na­ten war es so­weit.

bei ikea er­fuh­ren wir dann am wo­chen­en­de, dass ikea un­se­re „luf­tig“ ab­zugs­hau­be, so­wie die be­nö­tig­ten ak­tiv­koh­le­fil­ter „NYT­TIG FIL 558“ aus dem sor­ti­ment ge­nom­men hat. in die­sem strang des of­fi­zi­el­len ikea-com­mu­ni­ty-dings lässt eine mit­ar­bei­te­rin ver­lau­ten:

… lei­der gibt es kei­ne Er­satz­fil­ter für die Dunst­ab­zugs­hau­be. Ak­tu­ell gibt es je­doch noch ge­rin­ge Rest­be­stän­de des NYT­TIG Fil­ters in den Ein­rich­tungs­häu­sern Ber­lin-Tem­pel­hof, Chem­nitz und Re­gens­burg.

Lie­be Grü­ße
Dein hej Team

das ist schon er­staun­lich; wie will man bei ikea ei­gent­lich die 5 jah­re ga­ran­tie die auf das ge­rät ge­währt wer­den ein­hal­ten, wenn ein er­satz­teil das alle 4 mo­na­te aus­ge­tauscht wer­den soll, nicht mehr lie­fer­bar ist? ei­gent­lich soll­te man die scheis­se das ge­rät aus­bau­en und bei ikea vor die tür kip­pen den ga­ran­tie­fall an­mel­den. de­fak­to ist das ge­rät so be­reits nach sie­ben mo­na­ten im arsch un­brauch­bar. ka­putt. müll­reif. von lieb­lo­sen gross­ein­kaufs-an­zug­trä­gern weg­ge­spart oder sor­ti­ments-op­ti­miert. an­zugsträ­ger, die sich im mar­ke­ting-mo­dus per du an ei­nen ran­wan­zen, aber an­sons­ten bei ih­rer pro­fit­ma­xi­mie­rung öf­fent­lich auf die kunschaft scheis­sen pfeif­fen.

ikea und die bei­fah­re­rin (und ich) wa­ren mal gute freun­de. un­ser ver­hält­nis ist jetzt aber ernst­haft ge­trübt. sagt die bei­fah­re­rin, die lei­der sehr nach­tra­gend ist.

in aus­tra­li­en wird die alte luf­tig-ab­zugs­hau­be BF325 und ihr nut­ti­ger fil­ter 558 er­staun­li­cher­wei­se noch ver­kauft.


mit et­was such­ma­schi­nen­be­die­nung lässt sich üb­ri­gens ra­zu­sfin­den, dass die LUF­TIG BF325 wohl von elek­tro­lux ge­baut wur­de und sich dort elek­tro­lux koh­le­fil­ter des typ 303 ein­set­zen las­sen. bei ama­zon kann man die dann für prei­se von bis zu €134,00 kau­fen. aber eben auch für [ama­zon-wer­be­link] knapp 14 euro. das ist in etwa der ikea-ori­gi­nal­preis. am sams­tag habe ich zwei stück da­von be­stellt und tat­säch­lich pas­sen die fil­ter pro­blem­los in un­se­re ab­zugs­hau­be.


rss-le­ser­an­zahl steigt oh­ne den goog­le rea­der

felix schwenzel

mo­nat­li­che an­zahl be­su­cher vom au­gust 2011 bis zum juli 2013
mo­nat­li­che an­zahl RSS-le­ser vom no­vem­ber 2012 bis zum juli 2013

das sind laut pi­wik die mo­nat­li­chen be­su­cher­zah­len die­ser web­site bis ende juli 2013 (sie­he auch hier). man sieht dass die mo­nat­li­chen be­su­cher­zah­len um die 28tau­send her­um­schwen­zeln, was eine recht mi­k­ri­ge zahl von knapp 900 web­site­be­su­chern pro tag macht. per RSS liest noch­mal die glei­che an­zahl le­ser mit.

die an­zahl der rss-le­ser (so er­fas­se ich die) hat im juni erst­mal über 30tau­send er­reicht. die ab­schal­tung des goog­le rea­ders hat also kei­nes­falls zu ei­nem rück­gang der RSS-nut­zung ge­führt. zu­min­dest nicht hier.


2013

felix schwenzel

ich pos­te ja nicht so ger­ne na­ti­ve em­bedcodes (we­gen track­ing und so) hier rein, aber ges­tern habe ich aus ego­zen­tri­schen und äs­the­ti­schen grün­den eine aus­nah­me ge­macht und heu­te aus an­de­ren grün­den:

an­sons­ten: be­nutzt blo­cker wie ghos­tery oder ähn­li­ches und geht am 7. sep­tem­ber auf die stras­se.


öf­ter mal sich selbst zi­tie­ren

felix schwenzel

links vom 11.08.2013

»si­cher­heit, ver­schlüs­se­lung, da­ten­spar­sam­keit wer­den jetzt mar­ke­ting­be­grif­fe wie pro­bio­tisch, bio und light.«

Mar­tin Wei­gert re­com­men­ded this ar­tic­le from wir­res.net

!func­tion(d,s){var js,fjs=d.ge­t­Ele­ments­By­Tag­Na­me(s)[0];js=d.crea­te­Ele­ment(s);js.src="https://quo­te.fm/em­bed.js?id=90653";js.char­set="UTF-8";fjs.par­ent­Node.in­sert­Be­fo­re(js,fjs);}(do­cu­ment,"script");


be­zahl­schran­ken über­all

felix schwenzel

vor acht ta­gen ge­fiel mir ein kos­ten­los les­ba­rer ar­ti­kel auf süd­de­usch­te.de so gut, dass ich da­für et­was be­zah­len woll­te. eine be­zahl- oder spen­den-funk­ti­on fand ich auf der sei­te der süd­de­ust­chen zei­tung nicht. die süd­deut­sche bie­tet zwar print- und di­gi­tal­abos und jede men­ge apps (itu­nes­link) an, aber eine mög­lich­keit ein­zel­ne ar­ti­kel zu be­zah­len, oder der re­dak­ti­on ein­fach geld zu­kom­men zu las­sen habe ich nicht ge­fun­den.

ich habe dann zwar noch eine mög­lich­ket ge­fun­den für den ar­ti­kel zu be­zah­len, in­dem ich das (pa­pier) sz-ma­ga­zin für ex­akt zwei euro be­stellt habe, in dem der ar­ti­kel ur­sprüng­lich er­schien. das fin­de ich su­per güns­tig, zu­mal in den zwei euro auch das por­to für die un­nüt­ze pa­pier-lie­fe­rung ent­hal­ten ist. aus­ser­dem bin ich jetzt „re­gis­triert“, wo­für ich so­gar eine dan­kes-email er­hielt:

Sehr ge­ehr­ter Herr Schwen­zel,
vie­len Dank für Ihre Re­gis­trie­rung bei Süd­deut­sche Zei­tung Shop!

kurz dar­auf be­dank­te man sich er­neut bei mir:

Sehr ge­ehr­ter Herr Schwen­zel,
vie­len Dank für Ihre Be­stel­lung im Süd­deut­sche Zei­tung Shop.

bei fra­gen kön­ne ich mich auch ger­ne an den kun­den­ser­vice wen­den. da ich eine fra­ge hat­te, be­dank­te ich mich also auch und frag­te:

vie­len dank für die prom­te be­stä­ti­gung.
kön­nen sie mir die rech­nung auch gleich per email schi­cken?
ich zah­le dann auch gleich.

dar­auf be­kam ich eine hand­ge­schrie­be­ne email zu­rück, in der sich eine sehr freund­li­che dame auch zu­erst be­dank­te und mir schrieb:

Sehr ge­ehr­ter Herr Schwen­zel,

vie­len Dank für Ihre Nach­richt.

Gern sen­den wir Ih­nen die Rech­nung per Mail, so­bald die­se er­stellt wur­de.

Soll­ten Sie noch Fra­gen ha­ben, ste­hen wir Ih­nen gern zur Ver­fü­gung.

mir brann­te die fra­ge war­um der ma­ga­zin-kauf die ein­zi­ge abo- und app-freie me­tho­de für süd­deut­sche-zei­tungs-in­hal­te zu zah­len sei dann doch zu sehr un­ter den fin­gern, also frag­te ich:

ja, ich habe noch eine fra­ge. das sz-ma­ga­zin habe ich ge­kauft, weil es kei­ne an­de­re mög­lich­keit gab für die re­por­ta­ge von mi­cha­el obert et­was zu zah­len. und ich un­be­dingt et­was für die ge­schich­te zah­len woll­te.
http://sz-ma­ga­zin.sued­deut­sche.de/tex­te/an­zei­gen/40203/

jetzt kommt die fra­ge: gibt es kei­ne an­de­re mög­lich­keit (frei­wil­lig) für ar­ti­kel aus der sz oder dem sz-ma­ga­zin die on­line zu le­sen sind zu be­zah­len, als ein heft zu kau­fen? vor al­lem ohne ein abo ab­zu­schlies­sen? wenn nein, war­um nicht?

die hand­ge­schrie­be­ne ant­wort der sehr freund­li­chen dame dau­er­te dies­mal un­ge­fähr ei­nen tag und fing, na­tür­lich, so an:

Sehr ge­ehr­ter Herr Schwen­zel,

vie­len Dank für Ihre Nach­richt.

die ant­wort selbst war et­was un­be­frie­di­gend. die sehr freund­li­che dame er­klär­te mir, dass die ge­sam­te zei­tungs­bran­che der­zeit im wan­del sei und dass mein wunsch, nur für die in­hal­te die ich le­sen woll­te zu zah­len, si­cher­lich auch ir­gend­wann ein­mal mög­lich sein wer­de und der­zeit in der ver­lags­welt aus­gie­big dis­ku­tiert wer­de. sie wies mich dar­auf hin, dass die ver­lags­welt sich der­zeit fra­ge, ob man sich bei ei­nem sol­chen be­zahl­mo­dell dann über­haupt noch leis­ten kön­ne eine zei­tung zu pro­du­zie­ren und ob dann viel­leicht nur noch ar­ti­kel die mas­sen­taug­lich sei­en ver­öf­fent­licht wür­den. das al­les müs­se bei mei­ner fra­gen be­rück­sich­tigt wer­den.

ob­wohl mich die sehr freund­li­che dame ab­schlies­send (wie­der) dar­auf hin­wies, dass ich ihr ger­ne noch mehr fra­gen stel­len könn­te, liess ich das mal so ste­hen. ich hat­te ja nur 2 euro be­zahlt und kein abo ab­ge­schlos­sen und woll­te nicht ner­ven.

ich wies sie also nicht dar­auf hin, dass es mir nicht dar­um gehe nur noch für sa­chen zu zah­len die mir ge­fal­len (wo kä­men wir denn da­hin wenn je­der nur noch für sa­chen die ihm ge­fal­len geld aus­gibt?), son­dern dass ich über­haupt zah­len kön­nen woll­te ohne mich gleich an die süd­deut­sche zei­tung zu bin­den.

ich weiss na­tür­lich, dass eine mit­ar­bei­te­rin des sz-shops nicht für den ver­lag der süd­deut­schen zei­tung spre­chen kann, aber ich fürch­te bei­na­he, dass das was sie mir schrob doch ge­nau der men­ta­li­tät der deut­schen ver­la­ge ent­spricht.

wenn es nach de­nen geht, sol­len die le­ser statt der an­geb­li­chen kos­ten­lo­s­kul­tur nach­zu­ge­hen, die die ver­la­ge der­zeit an­bie­ten, mit je­dem ein­zel­nen ver­lag abon­ne­ments ab­schlies­sen. da ich re­gel­mäs­sig die zeit, den spie­gel, di­ver­se hei­se-ma­ga­zi­ne, die brand­eins, den guar­di­an, die new york times, die FAZ, die wired und ca. 200 an­de­re ver­lags­er­zeug­nis­se lese wä­ren das pi mal dau­men 211 abon­ne­ments die ich ab­schlies­sen müss­te.

man kann die ab­sur­di­tät die­ses abo-ge­dan­kens in ei­ner di­gi­ta­len welt, in der ich zu­griff auf je­des er­denk­li­che ver­lags­er­zeug­nis der welt ha­ben kann, ei­gent­lich kin­der­leicht er­ken­nen — nur kon­se­quen­zen scheint in der ver­lags­welt nie­mand zu zie­hen. statt­des­sen wer­den wei­ter­hin abo-mo­del­le als das nächs­te gros­se ding ge­prie­sen. die welt ist stolz auf 47 tau­send (oder so) di­gi­tal abon­nen­ten, die bild ver­kauft ihr plus auch nur als abo. bei der FAZ habe ich (ne­ben abos) nur die mög­lich­keit ein­zel­ne ar­ti­kel zu apo­the­ken­prei­sen um die zwei euro zu kau­fen oder gar nichts be­zah­len zu kön­nen. wenn ich woll­te, könn­te ich al­ler­dings „rech­te“ er­wer­ben.

ich will das al­les nicht. ich will kei­ne abos ab­schlies­sen, ich will kei­ne rech­te er­wer­ben, ich will nach dem be­zah­len kein pa­pier ge­lie­fert be­kom­men. ich will ein­fach für et­was das ich schät­ze, das mir emp­foh­len wor­den ist oder über dass ich im netz ge­stol­pert bin be­zah­len kön­nen. das muss auch nicht die ein­zi­ge me­tho­de sein, aber mir er­scheint sie im mo­ment lo­gisch und ver­ständ­lich. war­um ist die taz die ein­zi­ge zei­tung die das an­bie­tet? ha­ben die ver­la­ge wirk­lich angst vor der abon­ne­ment-ka­ni­ba­li­sie­rung durch mi­cro­zah­lun­gen für ein­zel­ar­ti­kel? sind es die tech­ni­schen schwie­rig­kei­ten? ist es furcht vor dem miss­erfolg? glaubt nie­mand, aus­ser jeff be­zos, dass man mil­lio­nen durch die ver­eh­rung von lou­sy pen­nies schef­feln kön­ne?


das sz-ma­ga­zin kam ei­nen tag nach der be­stel­lung per post, die rech­nung zwei tage spä­ter. und heu­te, 10 tage nach mei­ner be­stel­lung habe ich die drit­te hand­ge­schrie­ben email der sehr freund­li­chen mit­ar­bei­te­rin des sz-shops er­hal­ten, die mich dar­auf hin­wies, dass ich die rech­nung jetzt per email er­hal­ten habe. men­schen die mal freund­lich be­han­delt wer­den möch­ten, kann ich nur emp­feh­len im shop der süd­deut­schen ein­kau­fen zu ge­hen.


bild von josch­maltz cc li­zen­siert by-nc-sa


ant­wor­ten auf fra­gen die nie­mand stellt

felix schwenzel

ich glau­be das ist eine der her­aus­ra­gen­den qua­li­tä­ten des in­ter­nets; dass es fra­gen be­ant­wor­tet, die nie­mand stellt und die oft auch nie­man­den in­ter­es­sie­ren. zum bei­spiel: wer steckt ei­gent­lich hin­ter peer stein­brück? oder ge­nau­er, hin­ter peer­stein­brueck?

eins ist si­cher: nicht pete sou­za, der das flickr-kon­to des weis­sen hau­ses füllt. aber zur be­ru­hi­gung: das in­sta­dings von ba­rack oba­ma ist auch kreuz­öde.


war­um in­ter­net­fil­ter quark sind

felix schwenzel

Ron­ny Jahn @ron­ny­jahn

@mal­te­wel­ding In Eng­land fal­len dei­ne Bei­trä­ge in die Ka­te­go­rie "Por­no­gra­phy" pic.twit­ter.com/Gx5KdGc9PP

08.08.2013 12:08  Ant­wor­ten Ret­wee­ten Fa­vo­rit 


ix bin ein pfer­de­mäd­chen

felix schwenzel

ich moch­te pfer­de schon als kind. und pfer­de zu rei­ten fand ich, mög­li­cher­wei­se auch we­gen des fern­se­hens, to­tal fas­zi­nie­rend. wahr­schein­lich ist das auch so ein kind­li­ches macht­dings: auf ei­ner krea­tur sit­zen und be­stim­men wo es lang­geht. wie au­to­fah­ren; hier sit­ze ich und ma­che mir die tech­nik oder das pferd un­ter­tan.

mei­ne ers­ten ver­su­che mit die­sem macht­dings wa­ren nicht be­son­ders er­folg­reich. ich muss so um die 6 oder 7 jah­re alt ge­we­sen sein, als mich mein va­ter auf ei­ner nord­see­insel auf mei­nen aus­drück­li­chen wunsch auf ein miet­po­ny setz­te und das pony mit mir auf dem rü­cken am strand ent­lang­führ­te. ich fand das nach ei­ner wei­le ein biss­chen lang­wei­lig und war der fes­ten über­zeu­gung das biest un­ter mir auch ohne sei­ne hand am half­ter be­herr­schen zu kön­nen. was soll­te auch so schwer sein am rei­ten? gas gibt man in­dem man die bei­ne zu­sam­men­drückt, wenn man den zü­gel recht zieht, geht das pony rechts, zug am zü­gel nach links lenkt nach links und an bei­den zü­geln zie­hen bringt das pony zum still­stand. das wuss­te ich be­reits als kind — wie alle an­de­ren kin­der auch.

also bat ich mei­nen va­ter in­stän­dig, die hand vom pony­ge­schirr zu neh­men und mir die steue­rung zu über­las­sen. als er los­liess schritt das pony folg­sam wei­ter an sei­ner sei­te ge­ra­de­aus. aber auch das wur­de mir nach ei­ner wei­le zu lang­wei­lig und ich gab ein biss­chen gas. er­staun­li­cher­wei­se funk­tio­nier­te das su­per. aus dem schritt be­schleu­nig­te das pony über­gangs­los in den ga­lopp. mit mir oben drauf. ich war der kö­nig der nord­see. als ich mei­nen va­ter von hin­ten ir­gend­was ru­fen hör­te, ver­such­te ich zu brem­sen. aber die brem­se war of­fen­bar ka­putt. das pony ga­lo­pier­te ein­fach wei­ter. so ein ga­lopp ist ziem­lich rüt­te­lig. ich hop­se von hoch und run­ter auf dem pfer­de­rü­cken und da mei­ne bei­ne, ich war ja noch ein kind, zu kurz wa­ren um rich­tig gu­ten halt auf dem pony zu fin­den, wan­del­te sich mei­ne auf­rech­te po­si­ti­on lan­sam in eine seit­li­che po­si­ti­on. ich rutsch­te den sat­tel lang­sam zur lin­ken sei­te her­ab. als mei­ne stel­lung etwa 20 vor 12 zum po­ny­hals ent­sprach, ent­schied ich mich mich fal­len zu las­sen. so­bald ich den po­ny­rü­cken ver­las­sen hat­te, funk­tio­nier­te die brem­se des pony plötz­lich. es hielt an, dreh­te um um ga­lop­pier­te nach ei­ner kur­zen ge­denk­se­kun­de zu­rück zum stall. ohne mich.


als ich 12 jah­re alt war zwang mich mei­ne mut­ter mir ei­nen sport aus­zu­su­chen dem ich künf­tig wö­chent­lich nach­ge­hen soll­te. judo hat­te ich nach zwei jah­ren, dem gel­ben gür­tel und mei­nem ers­ten ver­lo­re­nen wett­kampf ge­ra­de auf­ge­ge­ben. das trai­ning war an­stren­gend, die an­sprü­che des trai­ners hoch. ich woll­te künf­tig ei­nem et­was we­ni­ger an­stren­gen­den und frus­trie­ren­dem sport nach­ge­hen. ei­nen, wo man sich nicht von stär­ke­ren auf den bo­den drü­cken las­sen oder an­stren­gen­des kon­di­ti­ons­trai­ning durch­ste­hen muss­te. ei­nen, wo man sich wie ein kö­nig füh­len konn­te. also sag­te ich mei­ner mut­ter, dass ich rei­ten ler­nen möch­te.

lei­der war das dann doch ziem­lich an­stren­gend, weil ich jede wo­che 10 ki­lo­me­ter von zu­hau­se zu ei­nem rei­ter­hof mit dem fahr­rad fah­ren muss­te. die reit­stun­den fand ich eher lang­wei­lig, mach­te das aber re­gel­mäs­sig für die nächs­ten drei oder vier jah­re. ich lern­te len­ken, gas ge­ben und brem­sen auf stö­ri­schen, ab­ge­stumpf­ten gäu­len, aber auch auf hy­per­sen­si­blen pfer­den, die auf die kleins­ten hil­fen re­agier­ten. ich lern­te flie­gen­de ga­lopp­wech­sel, lern­te wie man bei pfer­den den rück­wärts­gang ein­legt und spä­ter so­gar, wie man auf ei­nem pferd über hin­der­nis­se springt. nur ei­nes habe ich in all den jah­ren reit­un­ter­richt nie ge­macht, aus­ser­halb der reit­hal­le oder des reit­plat­zes „aus­zu­rei­ten“.

mit sech­zehn jah­ren schaff­te ich es aus dem „du musst aber ir­gend­ei­nen sport ma­chen“-pro­gramm mei­ner mut­ter aus­zu­stei­gen. ich glau­be es half, dass mei­ne schu­li­schen leis­tun­gen mi­se­ra­bel wa­ren und ich so tat als wür­de ich dann die schu­le als sport­li­che her­aus­for­de­rung an­neh­men. ich glau­be das war die zeit, in der ich zum ers­ten mal nicht ver­setzt wer­den soll­te und mich auf mei­ne ers­te nach­prü­fung vor­be­rei­te­te. ich sass dann auch sehr lan­ge nicht mehr auf ei­nem pferd, aber mei­ne schu­li­schen leis­tun­gen wur­den trotz­dem nicht bes­ser. ich blieb noch zwei­mal sit­zen¹ und in­ter­es­sier­te mich mehr oder we­ni­ger nicht mehr für pfer­de bis ich 18 jah­re alt war.


zwei bil­der von strän­den in wa­shing­ton sta­te anno 1994

ir­gend­wann im som­mer, wäh­rend ich als aus­tausch­schü­ler in den USA war, war ich auf ei­nem aus­flug mit ein paar an­de­ren aus­tausch­schü­lern ir­gend­wo an der küs­te von wa­shing­ton (dem bun­des­staat). dort gibt es wun­der­schö­ne ur­wüch­si­ge strän­de. und an ei­nem die­ser strän­de konn­te man sich pfer­de stun­den­wei­se mie­ten. wir wa­ren glau­be ich zu fünft und lie­hen uns alle ein pferd. un­ge­fähr 5 mi­nu­ten lang rit­ten wir ge­mein­sam den strand ent­lang, bis vier der pfer­de kei­ne lust mehr dar­auf hat­ten den strand ent­lang zu rei­ten. die pfer­de hat­ten sich of­fen­bar ent­schlos­sen, dass sie zu­rück zu ih­rem stall am strand woll­ten. und ihre vier rei­ter hat­ten of­fen­bar nicht die fä­hig­kei­ten das zu ver­hin­dern.

ich fand, dass die man­geln­den rei­te­ri­schen fä­hig­kei­ten mei­ner kol­le­gen mich nicht da­von ab­hal­ten soll­ten mei­ne vol­le miet­zeit aus­zu­kos­ten und ritt wei­ter den strand ent­lang. das war in der tat ge­nau­so toll wie ich mir das beim be­trach­ten von mal­bo­ro-wer­bung im­mer vor­ge­stellt hat­te. in ame­ri­ka! am strand! ent­lang­ga­lop­pie­ren! mit ei­ner flup­pe im mund!

für die­se hal­be oder gan­ze stun­de am pa­zi­fik-strand hat­ten sich die vie­len jah­re reit­un­tericht, die stun­den­lan­gen an­fahr­ten mit dem fahr­rad und spä­ter mit dem bus zum reit­stall ge­lohnt. so pa­the­tisch sich das an­hört, so ge­noss ich die­se au­gen­bli­cke. die­ser aus­ritt am ge­hört zu mei­nen zwan­zig lieb­lings­er­in­ne­run­gen.

ich ver­mu­te — und fürch­te — dass die hoff­nung auf ge­nau­sol­che au­gen­bli­cke auch der grund für vie­le men­schen ist, sich schnel­le au­tos, ca­bri­os, mo­to­rä­der oder mo­tor­boo­te zu kau­fen. aber auf ei­nem pferd ist es glau­be ich be­son­ders be­frie­di­gend, weil es nicht ohne wei­te­res wil­lig ist, wie ein auto oder ein boot. um ein pferd zu be­herr­schen braucht man ei­nen ta­cken mehr know-how. ei­nem com­pu­ter üb­ri­gens nicht ganz un­ähn­lich.


  • pfer­de sind üb­ri­gens sehr, sehr schwer. ich weiss das, weil mal eins auf mei­nem fuss ge­stan­den hat
  • wenn pfer­de sich auf­re­gen, pup­sen sie
  • spo­ren darf man erst nach ein paar jah­ren er­fah­rung be­nut­zen, eine klei­ne peit­sche (ger­te) von der ers­ten reit­stun­de an
  • mit pfer­den kann man tat­säch­lich re­den, teil­wei­se hö­ren sie sehr auf­merk­sam zu was man gut an ih­ren oh­ren se­hen kann — man darf nur kei­ne ant­wor­ten er­war­ten
  • ich kann pfer­de auf 200 me­ter ab­stand rie­chen — wenn der wind nicht zu un­güns­tig steht

es gibt zum the­ma po­ny­hof eine „blog­pa­ra­de“ von anne schüss­ler. sie­he auch riv­va.


1) ins­ge­samt bin ich drei­mal sit­zen­ge­blie­ben, ahbe aber zwei­mal trotz­dem ver­setzt wor­den, weil ich die nach­prü­fung in fran­zö­sisch schaff­te. beim drit­ten mal durf­te ich kei­ne nach­prü­fung ma­chen, weil ich meh­re­re sech­sen auf mei­nem ver­set­zungs­zeug­nis hat­te.