making of favoriten
ich hab mich gefragt, warum soll ich die sammlungen von maston- und bluesky-beiträgen eigentlich lieblingströöts nennen? bluesky-beiträge sind ja genauso wenig trööts wie sie tweets sind. vielleicht sollte man alle kurzbeiträge imn internet tweets nennen? oder bei samlungen nicht das beitragsplattform benennen, sondern die sammlung. also hab ich mir überlegt, dass ich
- regelmässig favoritensammlungen veröffentliche, statt lieblingströöts.
- die favoriten jetzt etwas anders sammle, nämlich fortlaufend und hier: favoriten
die favoriten erscheinen erst auf den hauptseiten (und im RSS feed), wenn ich sie in sammlungen bündle, vorher schwimmen sie im favoritenstrom im hintergrund. genauso mache ich das jetzt auch mit bookmarks, die ich dann regelmässig zu (kommentierten) linksammlungen bündle.
bisher habe ich links oder bookmarks fast ausschliesslich auf pinboard gespeichert, entweder per bookmarklet aus dem browser oder aus meinem RSS-reader miniflux, der sie per per API dort sichert oder auf dem telefon mit einer sharing-extension. das mach ich gegebenenfalls auch weiter so, aber hauptsächlich sammle ich favoriten und bookmarks ab jetzt aber direkt auf wirres.net per bookmarklet und quill. quill rufe ich per bookmarklet auf, dann lässt quill mich bei bookmarks noch den inhalt bearbeiten und sichert den favoriten oder das bookmark dann per micropub hier auf wirres.net. für einen favoriten sieht der vorgang in etwa so aus:
mir gefällt dieser workflow. für die sammlungen verlinke ich die so gesicherten favoriten oder bookmarks und kirby bettet sie entsprechend ein. auch dieses vorgehen gefällt mir gut, weil einzelne favs und bookmarks dann quasi eine permalink url haben (per # unter dem embed verlinkt).
ich finde das konzept des im hintergrund leicht rauschenden favoriten und bookmarkstroms sehr ansprechend. es stört niemanden, erfreut mich aber und wer das rauschen hören will, kann jederzeit auf wirres.net/favoriten oder wires.net/bookmarks gehen. noch gibt’s dazu keinen RSS feed, sobald mich auch nur eine person fragt, setz ich das aber bestimmt gleich um.
darmspiegelung
weil meine hausärztin es mir vorschlug, habe ich mir vor einem halben jahr einen termin zur darmspiegelung von der beifahrerin organisieren lassen. am dienstag war es soweit.
zur vorbereitung der darmspiegelung muss man den darm (natürlich) erstmal leeren. am tag vor der untersuchung darf man ab neun uhr nichts mehr essen, fünf tage vorher musste ich bereits auf kerne, nüsse und alle vollkörnige verzichten. einen tag vorher muss man ziemlich eklige abführflüssigkeit trinken. das hatte ich noch in schlechter erinnerung von meinen vorherigen darmspiegelungen. aber da die anleitung darauf hinwies, dass ich zweimal einen halben liter von dem zeug „langsam, in kleinen schlücken“, über eine stunde verteilt trinken soll, war das dann ziemlich entspannt. ausserdem empfahl die anleitung dazu auch noch einen halben liter klares wasser zu trinken, damit war es dann fast ein vergnügen.
durch die zeitliche entzerrung der darmreinigungsflüssigkeitsaufnahme, lief auch das entleeren des darms relativ gesittet ab. mir fiel auf, wie homeoffice, ist auch homedarmentleerung sehr viel angenehmer als in einem wartezimmer oder krankenhaus.
für die koloskopie selbst hatte ich mir vorgenommen auf eine betäubung oder „schlafspritze“ zu verzichten. meine bisherigen darmspiegelungen hatte ich auch alle ohne betäubung gemacht und auch wenn ich mich daran erinnere dass das nicht besonders angenehm war, vor allem wenns um die kurven geht und luft in den darm gepumpt wird, wollte ich es dieses mal auch so machen. allein schon das ganze gewese mit abholen lassen, aufwachraum und den restlichen tag nicht ganz bei mir sein zu können hielt mich schon davon ab mich betäuben zu lassen.
ich muss sagen: angenehm ist das nicht, aber schlimmer als ein quersitzender furz ist es auch nicht. und ich konnte so auch mal wieder in mich reingucken und smalltalk mit den anwesenden machen. unterwegs fand der arzt ein paar polypen, die er einfach abschnitt und die abschnitte dann rauszog zur histologischen untersuchung. die reise durch den darm ging bis zum dünndarm und dauerte so um die 10 minuten.
für die darmreinigung wollte mir der arzt nicht die bestnote geben, aber die sicht war schon ziemlich klar. ich war wieder begeistert wie aufgeräumt es in mir aussieht. und die technik! das endoskop kann mit einem wasserstrahl die darmwände abzuspritzen, die linse war nicht eine sekunde beschlagen oder verschmiert, das bild war durchgehend kristalklar. irgendwie scheint die technik insgesamt fortschritte gemacht zu haben, denn auch die mörderblähungen die ich nach den letzten untersuchungen dieser art hatte, blieben diesmal aus.
in drei jahren soll ich wiederkommen um nochmal einen blick auf die polypen zu werfen. freu ich mich nicht unbedingt drauf, aber im prinzip würde ich schon sagen: gerne wieder.
die wichtigste erkenntnis habe ich nachträglich gewonnen, war mir in der form noch gar nicht klar: das was ich esse braucht ungefähr 23 stunden, bis die reste wieder ausgeschieden werden. ich dachte eigentlich dass ich mir mit der verdauung mehr zeit nehme.
apropos darm, ich glaube dieses „handwerkskunst“ video, in dem man einem chirurgen bei einer darmoperation zusehen kann, hatte ich schon mal empfohlen. am faszinierensten finde ich die ästhetik des eingriffs und des menschlichen innenlebens. da ist eigentlich nichts ekliges zu sehen und auch das auseianderschneiden und wieder zusammenfügen des darms sieht beinahe trivial einfach und unspektakulär aus.
mein vortragsvorschlag für die republica 2026

ich habe 90 minuten vor dem ende der deadline meinen vortragsvorschlag für die republica dieses jahr eingereicht. eigentlich wollte ich meine einreichung zuerst um die idee wickeln die eine fernsehserie (pluribus) in mir geweckt hat: was, wenn es gar nicht so toll ist, wenn in der welt frieden herrscht, alle zufrieden sind und sich gegenseitig lieben? diese höchst kontraintuitiven gedanken würde ich gerne auswalzen und trotzdem die frage beantworten, wie man angesichts der weltlage optimismus und motivation auf einem erträglichen niveau hält.
am ende isses dann etwas generischer geworden und angesichts der vielen vorbereitungsarbeit die so ein vortrag und die vorab aufgestellten steilen thesen bedeuten, wünsche ich mir beinahe, dass mein vorschlag dieses jahr abgelehnt wird.
das habe ich eben eingereicht:
Die Welt ist scheisse — und das ist auch gut so
Sobald wir akzeptieren, dass die Welt voller Ungerechtigkeit, Schmerz und Absurdität ist, können wir uns dem Schönen zuwenden. Das Schlechte ist nicht wünschenswert, aber notwendig. Es ist der Rohstoff, aus dem Sinn, Kunst, Fortschritt und Optimismus überhaupt erst entstehen.
Die Welt in der wir leben hat nichts mütterliches, auch wenn der Volksmund das seit Jahrtausenden behauptet. Die Welt macht ihr Ding, nimmt ihren Lauf und beachtet uns Menschen nicht weiter. Wir Menschen machen es uns Menschen auch nicht gerade leicht, im Gegenteil. Aber genau die Feinseligkeit und Absurdität der Welt ist die Quelle aus der wir Optimismus, Kraft für Veränderung und Glück schöpfen können. Optimismus muss keine Schönfärberei sein und ist nicht der Glaube, dass alles gut wird. Optimismus ist die Entscheidung, in einer beschissenen Welt trotzdem Bedeutung zu erzeugen.
In diesem Sinne möchte ich 30 Minuten Optimismus verbreiten.
siehe auch:
micropub
bis vor kurzem hab ich instagram vor allem deshalb benutzt, weil es so einfach damit ist fotos oder videos vom telefon ins netz zu bringen. instagram hat das posten von mediadateien von anfang an wirklich einfach gemacht. ich erinnere mich, dass früher, als das mobile netz noch sehr, sehr langsam war, bilder nicht erst mit dem veröffentlichen button hochgeladen wurden, sondern schon vorher, im hintergrund hochgeladen wurden. das fühlte sich damals wie zauberei an.
mittlerweile hat instagram fleissig alles in seiner app verschlechtert. das geotagging ist seit dem abschied von foursquare aus der instagram-app nicht mehr wirklich gut zu gebrauchen, ich bekomme meine beiträge rnur unter grössten anstrengungen auch wieder aus instagram raus und überhaupt, wegen digitale unabhängigkeit und so, veröffentliche ich fotos und videos eigentlich fast nur noch hier auf wirres.net.
das ist zwar auch nicht ganz unkompliziert, aber dafür ganz genau so wie ich es will. der feuchte blogger traum vom „mobloggen“, also dem mobilen bloggen, ist mit kirby zwar grundsätzlich möglich, erfordert aber ziemlich spitze finger und viel geduld. genau das was ich unterwegs nicht habe, weshalb ich meine morgenspaziergangs-fotos meist erst ein paar stunden später veröffentliche, am desktop.
vor ein paar monaten habe ich ownyourswarm reaktiviert, mit dem ich meine swarm checkins ins blog hieven kann (wirres.net/checkins). damit hatte ich eine sehr einfache möglichkeit, bilder (inklusive geodaten) mit kirby auf wirres.net zu veröffentlichen. den micropub-endpunkt, der dafür nötig ist, hatte ich mir damals mit chatGTP zurechtgehämmert. so richtig gut war die implementierung des micropub-endpunkts allerdinsg nicht. deshalb hab ich das jetzt nochmal mit cursor überarbeitet und generischer nutzbar gemacht. so kann ich jetzt auch mit quill kurze beiträge — und vor allem fotos — auf wirres.net veröffentlichen. für quill müssen die finger nicht so spitz sein wie im mobilen kirby frontend und die anzahl der optionen ist radikal reduziert — und trotzdem kann ich im hintergrund alles so einstellen wie ich es möchte und brauche.

es gibt auch eine einfache möglichkeit geodaten an den beitrag zu hängen, ich kann beliebig viele fotos hochladen und optional die „syndizierung“ aktivieren, also den beitrag automatisch auf mastodon und bluesky weiterveröffentlichen (als platzhalter steht dort noch twitter, syndiziert wird aber nur zu mastodon und bluesky).
gestern früh habe ich innerhalb von 60 sekunden das hier aus dem volkspark rehberge gepostet: diesig, inklusive automatischer veröffentlichung auf mastodon und bluesky.
mich machen solche spielereien sehr glücklich, einerseits weil mich teilautomatisierungen immer glücklich machen und andererseits, weil da noch potenzial für weitere automatisierung und massschneiderung auf meine bedürfnisse schlummert.
ein weiteres experiment sind bookmarks die ich mit einem quill-bookmarklet einfach aus dem browser in wirres.net posten kann. ob und wie ich das langfristig nutze, muss ich noch rausfinden, aber theoretisch hab ich mit wirres.net/bookmarks jetzt einen ersatz für pinboard.in.

aus der krautreporter morgenpost; „Morgenrot, schlecht Wetter droht“
mal schaun.
frida hatte heute zum ersten mal seit vielen jahren keine lust spazieren zu gehen. kurz vor den rehbergen fragte sie mich, ob wir wieder zurückgehen könnten. ich schlug auf dem rückweg noch einen schlenker über die müllerstrasse vor, ein angebot was sie normalerweise nie ausschlägt, weil es dort immer lecker nach döner riecht und gelegentlich döner auf der strasse liegt. nee, sie wollte lieber direkt nach hause. geht mir ehrlichgesagt auch bei dem wetter so, ich denke draussen dann immer: die bewegung kann ich ja zuhause machen, liegestützen und klimmzugübungen und so, über den tag verteilt, drei mal, dann bekomm ich trotz kurzspaziergang auch ausreichend bewegung. leider vergesse ich die gymnastik zuhause dann gerne. gestern nur einmal 13 (langsame) liegestützen, statt dreimal, immerhin ziemlich viel an der klimmzugstange rumgezogen.
ich bin heute und morgen krankgeschrieben weil ich morgen darmspiegelung habe. ich bin jetzt ja im vorsorgealter. in den letzten 5 tagen musste ich mich kernlos und ballaststoffarm ernähren. das fiel mir sehr schwer, weil ich mich einerseits gerade daran gewöhnt habe besondern ballaststoffreich zu essen und andererseits offensichtlich alles was ich gerne esse entweder viele balaststoffe oder kerne enthält oder aus nüssen ist. heute bin ich der empfehlung auf dem zettel der arztpraxis gefolgt und habe 2-4 scheiben toast mit „streichwurst“ oder „streichkäse“ gegessen. das vergnügen hielt sich in grenzen, ein deftiger salat zum frühstück oder das abendessen vom vortag liegt mur zum frühstück sehr viel mehr. aber trotzdem lecker.
wobei: der reiz von toastbrot erschliesst sich mir nicht mehr zu 100%. dunkleres oder körnigeres brot ist so viel mehr befriedigend und geschmackvoll. was ich aber zugeben muss: der hefe-duft, der aus einer tüte toast quillt, ist schon toll.
der toast ist die letzte feste nahrung die ich in den nächsten 24 bis 30 stunden zu mir nehmen werde. auch wenn das niemanden interessiert, ich bin mal gespannt wie ich diesmal die abführflüssigkeit vertragen werde und ob sie auch wieder lieber oben austreten möchte als unten. ich werde berichten.

plenvu darmreinungsmittel mit mango- und fruchtpunsch-aroma
lieblingströöts dezember 2025 / januar 2026
das jahr ist schon 10 tage alt und ich habe das gefühl, dass es jetzt nicht mehr lange dauert und das jahr ist schon wieder vorbei.
der grosse angekündigte sturm blieb in berlin aus, das wetter fror einfach so vor sich hin, statt aggressiv zu werden. das ist nicht das erste mal, dass meine benachrichtigungen auf dem handy voller warnungen und vervorsichtigungen waren und dann am ende weder wind, noch schnee oder orkan aufkamen. mir ist schon klar, dass wettervorhersagen komplexe wahrscheinlichkeitsrechungen sind und ein schmetterling in ostasien den wintersturm potenziell verhindern oder mitauslösen kann. aber vielleicht sollten die warnungserzeuger trotzdem nochmal ihre kommunkationsstrategien überdenken und warnungen mit mehr konjunktiven präsentieren und entwarnungen mit der gleichen reichweite und wucht verbreiten wie die ursprünglichen warnungen. weil so bleibt bei mir irgendwie die frage hängen: wie ernst werde ich die nächste warnung nehmen?
gleiches gilt für die warnungen zum stromausfall im süden berlins. den stromausfall hat bei mir keine der installierten warnapp am 3. januar angekündigt. daür bekam ich am 7. januar mit viel getöse eine „Extreme Gefahr WARNUNG MITTEL“ und kurz danach, mitten in der nacht eine „Gefahreninformation ENTWARNUNG“ die mein telefon schreien liess.

warnungen und entwarnungen
das ist ein bisschen so, als ob die herolde der senatsverwaltung um 22 uhr sturm klingeln um zu sagen: „alles OK, KEIN GRUND ZUR SORGE, BITTE SCHLAFEN SIE WEITER! und bedenken sie, nach 18 uhr kein glas in glascontainer zu werfen, damit ihre mitbürgerinnen in ihrer nachtruhe nicht gestört werden!“
jedenfalls war es heute zum morgenspaziergang wieder -6°C aber es wirkte irgendwie milder als in den vorherigen tagen. zum teil kann das daran gelegen haben, dass ich heute zum ersten mal meine winterjacke, statt meines sommermäntelchens trug. zum anderen blies kein wind, was die gefühlte temperatur erhöht haben dürfte.
alle menschen und hunde die wir heute früh trafen waren extrem entspannt. frida auch, obwohl sie mich 5 mal fragte ob es ok sei, wenn sie mal kurz einen exkurs ins unterholz macht um dort eventuell sitzende vögel aufzuschrecken. ich liess sie gewähren, auch weil sie vorher übereifrig folgsam war, als ich sie darum bat.

catcherwiese
schnelle gurkensticks mit knoblauch
das rezept hab ich dieses jahr weihnachten von meiner mutter mitgenommen und es ist sowohl einfach als auch unglaublich lecker.
ich habs extra nochmal recherchiert: es kommt kein öl rein. die logik dahinter: das sind schnell (an-) fermentierte gurken die, wie andere eingelegte gurken, ohne öl auskommen. das rezept kommt aus der ukraine.
eigentich mag ich gurken lieber geschält, für dieses rezept lass ich sie aber dran, man bekommt so nochmal einen ticken mehr crunch. die schärfe des knoblauchs, die säure des essigs und die frischen gurken bilden einen angenehmen und köstlichen kontrast. aus gewohnheit tröpfel ich gelegentlich etwas öl dazu, aber eigentlich gehört hier kein öl rein. mit dill schmeckt’s ukrainisch, aber es geht auch ohne dill, der knoblauch — viel davon — muss aber sein.

zutaten
- 1 ungeschälte (bio) gurke
- 1-3 el essig (zum beispiel weisser balsamico)
- 1 tl salz
- viel knoblauch gerieben oder gequetscht (z.b. 1 soloknoblauch oder 4-8 normale zehen)
- viel dill (optional)
zubereitung
-
die gurke in grobe sticks schneiden
-
1-3 esslöffel essig, 1 teelöffel salz, den knoblauch hinzufügen, optional auch den dill, alles gut verrühren.
-
mindestens 10 minuten durchziehen lassen. 1-3 stunden ist wohl traditionell, damit setzt dann auch schon etwas fermentation ein und wenn die sticks grob genug geschnitten sind, bleiben die sticks trotzdem schön knackig.

morgenspaziergang 09.01.2026
-6°C, wind kommt auf, leichter neuschnee, gute laune, kalte hände und ein bisschen sonnenaufgang.

eigentlich haben bäume kein herz. dieser schon.

morgenhimmel über der catcherwiese

leere rohbaudatscha hell erleuchtet
struktur, wetter, freude am wundern und dem durchschnitt
knuspermagier.de: Notifications für die Tagesstruktur
phillip lässt sich gerne zu bestimmten zeiten am tag erinnern, dass es eine bestimmte zeit ist. ich kann das gut nachvollziehen. ich lasse mir den tag gerne von geräuschen strukturieren. um 2 minuten vor sechs uhr morgens zum beispiel spiele ich in meinem zimmer einen von fünf audio tracks mit vogelgezwitscher ab. das ist so leise und subtil, als würde es von draussen, durch das geschlossene fenster dringen. ich kann da gut drüber weg oder weiter schlafen, ich mag es aber zu wissen, dass es jetzt sechs uhr ist ohne die augen öffnen zu müssen.
andererseits kann ich auch einfach sagen: „siri - wie spät?“ und siri antwortet. ab sechs ruft meine kuckuckuhr (die mit dem fisch) auch einmal „kuckuck“, worüber ich auch wegschlafen kann, wenn ich möchte. das macht die kuckucksuhr dann den ganzen tag über zur vollen stunde.
ausserdem läuft bei uns im flur eine standuhr-simulation. sie läuft tag und nacht und schlägt die stunden jeweils zur vollen stunde. aber das geräusch ist auch so subtil, dass es niemanden stört und eigentlich nur unbewusst wahrgenomen wird. manchmal liege ich nachts im bett und höre die standuhr gongen und erwische mich dabei die gönge zu zählen. das ist eigentlich sinnlos, weil ich ja siri fragen könnte, auf eine der beiden LED-matrix uhren schauen könnte die mich tag und nacht anstrahlen, auf meine beleuchtete armbanduhr oder mein telefon schauen könnte.
ehrlichgesagt ist dieser uhrenüberfluss völlig irrsinnig, aber ich mag es die uhrzeit maximal redundant zu haben. ich habe nämlich gemerkt, dass es unmöglich ist die uhrzeit von meinem telefon oder auch meiner armabanduhr abzulesen, weil ich immer zuerst die notifications sehe und dann vergesse, dass ich eigentlich die uhrzeit ablesen wollte. deshalb habe ich alle zimmer voll mit uhren gestellt, um dann doch auch mal die uhrzeit ablesen zu können. und die stündlichen geräusche der diversen uhren und geräuschgeneratoren helfen mir tatsächlich den tag zu strukturieren, zumindest solange der subtilitätsgrad genau richtig kalibriert ist.
mequito.org: [Mi, 7.1.2026 – Schneesturm kommt auf, bei Kutteln und Wildschwein]
bei wetterberichten erlebe ich das gleiche phänomen wie beim blick aufs handy, wenn ich mal eben die uhrzeit ablesen will. ich schaue zwar schon lange kein fernsehen mehr, aber früher, nach den nachrichten, wenn der wetterbericht vorbei war wusste ich nie, wie morgen das wetter wird. es war immer so, als ob der wetterbericht in mein linkes ohr eintritt und ohne weitere verarbeitung aus dem rechten ohr wieder austrat.
das gleiche passiert heute, wenn ich einen wetterbericht im internet betrachte. ich betrachte den, bewundere die grafiken oder ärgere mich über den werbeschmuck um den wetterbericht herum und schaffe es in den seltensten fällen den wetterbericht so zu verarbeiten, dass ich danach die frage beantworten könnte wie das wetter denn nun wird.
deshalb sind blogs wie das von markus für mich wichtig. heute lautete der erste satz von markus blogeinrg:
Morgen Abend zieht ein Wintersturm auf, der bis Sonntag anhalten soll.
solche sätze bleiben bei mir hängen. für den täglichen gebrauch habe ich mir meine eigene wetteranzeige gebaut, mit der ich visuell erfassen kann wie das wetter wird. quasi ein massgeschneidertes bild, das ich ansehen kann und dann, wie durch zauberei, weiss wie das wetter ist und wird.

starke-meinungen.de: Das Wunder Strom
alan posener war offensichtlich vom stromausfall im süden von berlin betroffen. was er drüber schreibt, habe ich gerne gelesen.
Meine größte Sorge ist, dass man vergisst, was die alltägliche Versorgung mit Strom für ein Wunder ist.
meine grösste sorge ist eher, dass wir vergessen welches unwahrscheinliche wunder diese welt, diese biosphäre, unsere zivilisation, unser leben ist. andererseits haben wir das natürlich im alltag alle vergessen, aber was wir verlernt haben, ist uns über die dinge unseres alltags zu freuen.
nachdem ich ein paar tage bei meinen eltern auf dem land war, wo öffentlicher personen nahverkehr im prinzip non-existent ist und man entweder auf ein auto oder körperliche fitness angewiesen ist um sich über grössere distanzen zu bewegen, überwiegt bei mir die freude, auch bei verspäteten bahnen, dass ich überhauot strassen- oder u-bahn fahren kann. ich freue mich fast jeden abend darüber, dass ich das haus verlassen kann und mir nach 2 minuten fussweg auch um 23 uhr noch ein bier kaufen kann. ich freue mich fast täglich darüber, dass es kartoffeln oder spitzkohl gibt und wie einfach man sie zu köstlichkeiten umwandeln kann.
worüber ich mich nicht freue (auch wenn ich es verstehe): wenn leute mich daran teilhaben lassen, was sie alles scheisse finden und sich weigern sich auch mal freudig zu wundern.
coldheat.de: Fighting for average
james cameron :
When you feed in the training data based on millions of images and thousands of performances, you’re gonna innately get an average value. It may be plausible, but it’s average.
And we don’t fight for average, guys.
ich strebe in meinem leben keine perfektion an. ich bin auch kein all zu grosser freund von durchschnitt, aber im zweifel finde ich gut genug gut genug.
und ich würde james cameron auch aus einem anderen grund widersprechen. denn ich gehe davon aus, dass james cameron, genau wie ich, seinen geist, seine persönlichkeit und seine fähigkeiten während seiner sozialisation auch auf basis von abermillionen „performances“, äusserungen oder krreativen arbeiten trainiert hat. wir sind der durchschnitt der giganten auf deren schultern wir stehen.
lernen ist per definition, zumindest so wie ich es verstehe, das bilden eines durchschnitts aus grossen mengen input. dass man eine eigene handschrift entwickelt ist nicht ausgeschlossen, wenn man zunächst mal die durchschnittliche schrift gelernt hat, die alle anderen beherrschen und nutzen. wenn man sich mit seiner eigenen handschrift zu weit vom durchschnitt entfernt, wird die handschrift unleserlich.
wir sollten also durchaus für den durchschnitt kämpfen (und uns nicht davon abhalten lassen, darüber hinaus zu wachsen, wenn es uns danach ist).
verstehen wir bäume?

zugefrorener möwensee
ich hab mich heute früh gefragt, warum das wasser in den bäumen bei dieser saukälte nicht gefriert und die bäume nicht aufplatzen. die frage können offenbar klügere menschen als ich beantworten, freundlicherweise hat mir ein LLM der wahl das kurz zusammengefasst (es sind mehrere massnahmen die bäumer ergreifen, von „zucker“ als frostschutzmittel, gezielter entwässerung, supercooling, anpassung der zellmembranen und vitrifizierung. manchmal klappts mit den massnahmen nicht schnell genug, dann gibts auch mal frostbruch).
aber laut dem neuen video von kurzgesagt über bäume, wissen wir immer noch lange nicht alles über bäume.
But the more we’ve learned over the last few decades, the clearer one thing has become: Trees are just so incredibly wild. And we have so much more to learn.
vorher auf wirres.net: aliens (wenn man sich bäume genau anguckt, kommt man eigentlich aus dem staunen nicht mehr heraus.)
vine.co

gestern musste ich an vine.co denken. das war mal eine video-seite auf der man 6 sekunden lange videos veröffentlichen konnte (wikipedia-artikel zu vine). vor zwölf jahren schrieb ich:
ich glaube vine und ich werden gute freunde.
wurden wir dann für kurze zeit, so vor neun jahren stellte vine dann seinen dienst ein, ein paar monate nach der gründung wurde vine von twitter gekauft.
ich weiss nicht genau wieso ich gestern an vine gedacht habe, aber meine erinnerungen sind positiv. ich habe mal ein einigermassen witziges video dort gepostet und ich erinnere mich, dass die sechs sekunden beschräkung ein toller motor für kreativiät war und viele posteten damals extrem luustige sachen. ich dachte wahrscheinlich, schade dass das alles weg ist.
und dann dachte ich, mal schauen, ob vielleicht doch noch was da ist. teile von vine schienen noch zu funktionieren, aber an die video-dateien schien ich nicht dranzukommen. dann fand ich diese seite des archiveteams: wiki.archiveteam.org/index.php?title=Vine
dort stand beschrieben …
Sometime ca Jan 3 2025 the site showing the videos finally broke, though it is accessible via a DNS hack.[3]
der dns hack ist folgendes in die /etc/hosts datei einzutragen:
151.101.244.157 mtc.cdn.vine.co
151.101.244.157 v.cdn.vine.co
damit funktionieren die embeds sogar teilweise wieder. mit dem rest der anleitung konnte ich dann die metadaten und video-dateien meiner wenigen embeds „retten“ und diese beiträge auf wirres.net mit vine-embeds wieder „rekonstruieren“:
- vine — bewegte 6-sekunden fotos
- vine.co - 6 sekunden mit der m1
- brand eins eifert schlecky silberstein nach
- @dasnuf @ work
vor 11 jahren haben dasnuf und ich uns gegenseitig bei der arbeit gefilmt. damals und auch im nachhinein ist das schon ein bisschen witzig, vor allem wenn man bedenkt, dass wir immer noch arbeitkolleginnen sind.
nachtrag:
im wikipedia-artikel über vine steht, dass sowohl kack dorsey als auch elon musk von plänen gesprochen haben, vine wieder zu reaktivieren oder zugänglich zu machen. da bin ich mal gespannt ob und wie da was draus wird.
heute früh zum #morgenspaziergang -6°C, fast alle gehwege mit einem dicken eispanzer überzogen, dafür klar und sonnenaufgängig.

sonnenaufgang am schifffahrtskanal
auf dem weg am schifffahrtskanal huschten plötzlich schatten über uns. es waren wasservögel, die freie stellen im eis des kanals suchten und uns überflogen. das licht kam von einem kran über uns.
die geräusche des winters haben sich in den letzten 40 jahren massiv verändert. früher, wenn es schneite, hörte ich immer schneeschaufeln, gebogene blecke mit holzstil, die beim schippen und schleifen des schnees ein charakteristisches geräusch machten. hier in berlin wird der schnee auf dem gehweg von kleinen, röhrenden mini schneepflügen auf dem boden festgebürstet und dann, wenn man glück hat, mit etwas split bestreut. wenn man die motoren dieser kleinen flitzer morgens ab 5 uhr auf der strasse röhren hört hat das zwar auch einen informativen wert (es hat geschneit in der nacht), aber ich vermiusse das kratzen von blech auf rauen gehwegen.
die antipathie, die ich gelegentlich spüre, wenn ich KI-generierte bilder sehe, ist eine alte bekannte. ich kenne sie von stockfotos, übermässiger emoji-verwendung oder mehrfach-ausrufezeichen („!!!“). an sich ist ja nichts gegen fotos von freundlichen büromenschen oder die nutzung von emojis zu sagen (wohl aber gegen die verwendung von mehreren satzzeichen hintereinander).
schmerzhaft wird es immer genau dann, wenn der zusammenhang und die sorgfalt fehlen. oder anders gesagt: gedankenlosigkeit, die fehlende funktion, macht den slop, nicht die form oder die herkunft (egal ob aus einer KI, fotodatenbank oder emoji-bibliothek).
Ueber die allmähliche Verfertigung der Gedanken beim Bloggen
heute fühle ich mich leicht grössenwahnsinnig und habe mir gedacht, man könnte kleist doch mal updaten (verschwenzeln).
wenn du über etwas nachdenken willst und dir auch durch intensives nachdenken oder darüber meditieren nichts sinnvolles einfällt, dann rate ich dir einfach drüber zu schreiben. das muss auch an niemand bestimmtes gerichtet sein oder besonders scharfsinnig sein, schreib einfach drüber, was dir durch den kopf geht.
auch wenn immer noch viele menschen denken, man solle nur von dingen reden von denen man etwas versteht, hier geht es um etwas anderes als wissenvermittlung oder *splainen. es geht darum beim schreiben um einen gedanken herum zu tanzen. so wie der appetit beim essen kommt, kommen einem immer auch ideen beim schreiben.
ich sitze oft am rechner oder liege im bett und lese was andere schreiben. manchmal möchte ich dem gelesenen widersprechen, manchmal möchte ich es weiterdenken oder es anders betrachten. mir schiessen dann flüchtige ideen im kopf herum, ich weiss das könnte man weiter- oder ganz anders denken, aber ich weiss nicht wie, nur dass ich was dazu denken und sagen will. weil ich aber doch eine dunkle vorstellung von dem habe was ich vielleicht sagen will, fange ich einfach an zu schreiben und sätze zu konstruieren. sätze die ich angefangen habe, wollen dann auch zuende geführt werden. ich taste mich von wort zu wort, wie ein large language model versuche ich den satz so weiterzuführen, wie er richtig klingt. ich verhaspel mich oft bei diesem quasi auto-vervollständigen meiner sätze, aber das lässt sich dann meist beim späteren korrekturlesen ausbeulen.
gelegentlich hilft es mich zu fragen wer das denn lesen soll, ob die es auch nur im ansatz verstehen würden oder ob ich noch ein, zwei erklärende sätze nachschieben muss oder ein etwas zu luftiges gedankenkonstrukt auf eine solidere basis stellen muss. der gedanke den text später zu veröffentlichen wirkt ein bisschen wie ein stiller, treibender motor. obwohl ich alleine vor dem rechner sitze und tippe, bin ich bereits im dialog mit imaginierten lesern. ich weiss, dass der gedanke einen text zu veröffentlichen auch wie eine bremse wirken kann, aber ich glaube diese bremse nutzt sich durch ständiges, immer neues schreiben ab und kann sich dann zu einem schwungrad wandeln das helfen kann immer wieder neue gedanken loszurütteln.
früher nutzte ich oft noch ein zweites schwungrad: empörung. damit die empörung nicht ausufert, entwickelt der gedanke der späteren veröffentlichung eine willkommene bremswirkung. wie mit einem ventil kann man so das entweichen des empörungsüberdrucks gezielt steuern und ich finde in diesem zustand aus schwung und bremswirkung plötzlich worte und gedanken, auf die ich sonst wohl nie gekommen wäre.
diese mischung aus innerem dialog, abwägen der schärfe und den imaginierten lesenden führt im besten fall zu brillianten gedanken und im schlechtesten fall zu etwas aus dem man lernen kann und routine beim gedanken-lockern gewinnen kann. das verfassen schlechter texte, die vielleicht eine oder mehrere gute ideen enthalten, aber es irgendwie nicht zuende gedacht in sätze geschafft haben oder einfach unverständlich (wirr) sind, hilft vielleicht nicht beim gewinn von ansehen, aber bei gewinn von routine im balancieren und generieren von worten und gedanken. man muss sich immer vor augen halten: der meister kann’s nur deshalb besser, weil er mehr übung hatte.
ich glaube dieser schreibende tanz um einen gedanken herum, der ideen aus dem hirn schütteln kann, funktioniert auch ohne die kombinierte schwungradbremse der späteren öffentlichmachung, wenn man nur für sich allein schreibt. so wie man roulette auch alleine, gegen sich selbst, ohne echten einsatz spielen kann, kann man auch ohne den drohenden klick auf den publish-button schreiben. aber der spannungszustand, die erregung, in den man sich versetzen kann, wenn man etwas zu verlieren hat, ist vielleicht genau die energie die nötig ist, um vorhandene, festsitzende gedanken zu lösen und in sätze zu giessen. so wie elektronen ihre bahn nur unter spannung oder energiezufuhr (oder energieentzug) wechseln können, treten gedanken manchmal erst dann aus dem unterbewussten hervor, wenn man sich in einen gewissen spannungszustand versetzt hat.
weil ich mit einem rat angefangen habe, ende ich auch mit einem rat. das veröffentlichen von texten ist ein werkzeug um eine gewisse spannung zu erzeugen, die beim ernten von gedanken und ideen hilfreich ist. der innere, imaginierte dialog mit lesenden ist ein werkzeug, das auch beim schreibenden denken hilft. das gefühl etwas zu verlieren, weil die rezeption, die reaktionen auf den veröffentlichten text vielleicht negativ ausfallen oder kaum jemand den text zu lesen scheint, ist eine täuschung. mit dem schreiben eines textes tust du in erster linie etwas für dich, hast du etwas gelernt und gewonnen. und mit jedem neuen veröffentlichten text lernst du mehr.
die reaktionen auf deinen text sagen weniger über dich oder deine gedanken, sondern alles über die rezipienten. schreibe und du lernst zu denken, veröffentliche und du lernst sehr viel über menschen.
siehe auch:

scheisshaus
früh morgens und bei dieser witterung wirken diese öffentlichen toiletten beinahe einladend und gemütlich.








