links vom 18.01.2026
sascha lobo schreibt jetzt seit 14 jahren kolumnen im spiegel.
mir sind saschas kolumnen auf spiegel.de mittlerweile grösstenteils zu kompliziert. vielleicht brauche ich auch das eine wort, um sascha besser zu verstehen.
in der hier verlinkten kolumne führt sascha den begriff „Racket“ von max horkheimer ein, vermeintlich um — wie angekündigt — trump besser zu verstehen. das ist nicht uninteressant, aber auch wenig erhellend. dass trump ein gauner, lügner, betrüger und jemand ist, der seine macht gewissenlos zu seinem vorteil ausspielt, ahnte ich auch, bevor ich die kolumne gelesen habe.
früher hatte ich in saschas kolumnen gelegentlich diesen aha-moment oder so einen euphorie-blitz, den man bei guten texten, guten reden, filmen, serien oder anderen lebessituationen hat. man könnte vielleicht sagen saschas kolumnen sind schwer geworden, in mehrfacher hinsicht: ihnen fehlt leichtigkeit und humor, sie sind anspruchsvoller, dunkler, schlechter gelaunt als sie es einmal waren. vielleicht liegt es aber auch daran, dass sascha irgendwann aufgehört hat ans ende seiner kolumne ein tl;dr zu setzen.
das archiv von saschas kolumnen hat derzeit 39 seiten mit je 20 kolumnen. 20 kolumnen × 39 seiten = 780 kolumnen. das ist erstaunlich, weil 14 jahre ungefähr 728 wochen haben, das heißt er hat 1,07 kolumnen pro woche geschrieben. allein das nötigt natürlich respekt ab. ich kam schon aus der puste, als ich nur quartalsweise eine kolumne schreiben sollte, die gewissen qualitätsmasstäben genügt (mein t3n-archiv).
judith horchert, die spiegel-redakteurin saschas vertrauen, lob(o)huddelte sascha lobo anlässlich seines 10jährigen spiegel-online-kolumne-jubiläums (der artikel ist also 4 jahre alt), via.
Erschreckend viele Texte von Sascha Lobo sind gut gealtert. Das liegt einerseits an Saschas Hellsichtigkeit und daran, dass er den Einfluss der Digitalisierung auf die Gesellschaft gut verstanden hat und gut erklären kann.
ich hab mal ein, zwei stichproben gemacht, und muss sagen, judith horchert hat recht.
elizabeth tsurkov wurde im märz 2023 in bagdad entführt wurde und nach 903 tagen haft und folter freigelassen. im atlantic schreibt sie über diese zeit.
I had no interest in “resisting” interrogation under torture—after all, I had nothing real to hide, nothing I would not want to confess. So I freely admitted to whatever they seemed to want to hear: that I worked for the CIA and was a Mossad spy. To be both, of course, was hardly possible, but as these men beat me again and again over the next 14 weeks, I learned their bizarre conspiracy theories—and tried to match my fables to theirs.
As my experience showed, a heavy reliance on physical abuse makes for proficient torturers, not skilled interrogators. Again and again, torture has proved to produce false confessions and bad intelligence. The only knowledge that torture provides is the ultimate confirmation bias: information about the threats facing the regime that is entirely in line with the worldview of the torturers, who characteristically share the regime’s generalized paranoia.
via coldheat.de:
Four-Byte Burger zeigt Restauration, respektive Reproduktion eines digitalen Meisterwerks, von dem außer eines alten Fotos keine weiteren Kopien existieren.
Doch damit endet es nicht. Ein Kommentar des vermutlich ursprünglichen Schöpfers des Kunstwerks zum Video versüßt den Tag:
How do you thank a total stranger from across the Atlantic Ocean who selects an obscure and irrelevant piece of art you did years ago and turns it into an Archaeological-Techno Adventure Park Ride? (allow me to wipe tears from my eyes) And he got everything RIGHT! – Thank you Stuart.
ich hab mir das video der rekonstruktion sehr gerne angesehen. ich mag vor allem die idee, etwas pixel für pixel aufzubauen und dabei zuzuschauen. und noch mehr mag ich die idee, den eigenen handlungspielraum radikal einzuschränken (hier: anzahl der pixel und der farben).
grenzen, einschränkungen, technische limitierungen beflügeln die kunst. umgekehrt, wenn alles möglich ist, wenn die einzige grenze das ist, was einem für einen prompt einfällt, dann wird das ergebnis ruck zuck sehr, sehr langweilig und unspannend . ich glaube wenn KIs maximal 640 × 480 px hoch auflösende bilder ausgeben könnten, wäre KI-kunst vielleicht einen ticken interessanter.
Wenn dagegen auch alte Leute unbesorgt durch den Schnee radeln wie in Oulu, weiß man: Wir sind auf dem richtigen Weg. Und den bei Weitem höchsten Radfahreranteil haben Kinder, die das ganze Jahr auf zwei Rädern zur Schule kommen, auch bei minus 30 Grad – ganz selbstverständlich ohne Eltern. So gewöhnen sie sich an einen gesunden, unabhängigen Lebensweg.
Auf der Website der Stadt kann man in Echtzeit sehen, welche Wege die Schneepflüge zuletzt geräumt oder gestreut haben. Die Stadt hat drei verschiedene Klassen von Rad- und Fußwegen festgelegt und garantiert dafür eine bestimmte Qualität im Winterdienst.
ich habe mich kürzlich gefragt, was das über eine stadt aussagt, die sich im winter, bei schnee, eis und glätte nur um die strassen kümmern will. die nachrichten sprachen in der vorletzten woche davon, dass die notaufnahmen voller menschen mit gebrochenen knochen waren — weil die gehwege nicht ausreichend geräumt waren.
in deustchland ist den städten das wohl der menschen im winter offenbar egal, ausser sie fahren auto. für diese menschen, bzw. den winterdienst für strassen, stehen in berlin um die 60 bis 70 millionen euro zur verfügung. die reinigung der gehwege schiebt der senat, wie die meisten deutschen städte, auf die hauseigentümer ab — was ganz offensichtlich nicht funktioniert. radwege scheinen auch nicht mit priorität geräumt zu werden, der fokus liegt klar darauf autos freie und sichere fahrt zu verschaffen.
fahrradfahrer und fussgänger müssen mit ausreden und ausflüchten vorlieb nehmen, statt sich bei schnee und eis sicher fortbewegen zu können.
selbst die simple idee, kindern jederzeit einen sicheren schulweg zur verfügung zu stellen, den sie mit dem fahrrad, zu fuss bei jeder witterung nutzen können scheint den meisten menschen ein absurdes ansinnen zu sein. geld für solche ansinnen will niemand investieren — kinderschutzmassnahmen die etwas kosten schaffen es selten in politkerreden oder schlagzeilen, ganz anders als massnahmen die nichts kosten. und bei autos sieht das sowieso ganz anders aus. dafür scheint immer geld da zu sein.
Müntefering war fast alles: Stadtrat, SPD-Generalsekretär, Fraktionsvorsitzender, Verkehrsminister, Sozialminister, SPD-Parteivorsitzender, Präsident des Arbeiter-Samariter-Bundes, Vorsitzender der Bundesarbeitsgemeinschaft der Seniorenorganisation.
Er war sicher flexibel und taktisch versiert, sonst hätte er es nicht fast ganz bis an die Spitze geschafft. Auch beherrschte er die alte SPD-Folklore: von „Glück auf!“ bis zu den Heuschrecken. Aber er konnte stehen, standhalten. War ohne Ansehen der Person loyal: gegenüber Gerhard Schröder, gegenüber Angela Merkel, die ihm beide fremd waren. Ein Partei- wie ein Staatsdiener.
ich wundere mich immer wie menschen wie franz müntefering (oder jochen vogel oder helmut schmidt) entstanden sind. dieses pflichtbewusstsein und dieses kompromisslose staatsdienerische. sich ohne unterlass für das allgemeinwohl einsetzen, ständig im kampfmodus um seine überzeugungen durchzusetzen.
ich war politisch nicht immer einer meinung mit dem was müntefering durchzusetzen versuchte, aber ich habe ihm immer abgenommen, dass er immer das beste für das staats- und allgemeinwohl erreichen wollte — und dass es ihm nicht darum ging, das beste für sich rauszuholen oder macht um der macht willen zu sammeln. er und einige andere politiker seiner bauart waren für mich immer eine art personifikation für den beschwerlichen und dienenden marsch durch die institutionen. keine abkürzungen, immer mit respekt vor dem demokratischen staatswesen. kein zündeln, kein hetzen gegen minderheiten um mehrheiten zu erreichen, keine maskendeals, bei denen man sich oder seine bekannten auf kosten des staates bevorteilt.
das war zumindest überwiegend mein gefühl, wenn ich franz müntefering sah, dass ich ihm gerne ein mandat geben würde und glaubte, dass er keinen schabernack damit treiben würde.






























