zufällig auf den 14 jahre alten artikel gestossen, in dem ich schreibe, dass ich ab jetzt die brevia nutze: wirres.net/articles/6145
witzigerweise dachte ich damals, dass ich der brevia irgendwann übertdrüssig würde. das gegenteil ist der fall. ich mag die schrift nach wie vor sehr, sehr gerne und finde sie weiterhin sehr frisch. die kommentatoren von damals (ja, nur männer) waren nicht soo begeistert1. aber damals gabs auch noch anti-aliasing um schriften zu glätten und ich habe die absätze damals mit 14,4px gerendert, also eher klein.
weil ich jetzt relativ niedrigschwellig zugängliche kommentare habe, bin ich mal gespannt ob hier lesende die brevia immer noch so scheisse finden wie damals und ob ich der einzige bin bei dem extreme brevia-gewöhnungseffekte eintreten.
beim kommentieren die email optional zu machen scheint gut zu funktionieren, zumindest in dem sinn, dass es die schwelle hier zu kommentieren stark zu senken scheint. sogar unter meinem wassermelonensalat-rezept, das am sonntag fast einhundert besucher von google rübergeschickt bekam, ist ein kommentar aufgeschlagen.
auch 14 jahre her: das erste mal, dass ich von „darm mit charme“ hörte: wirres.net/articles/6218 (mit einem in meinem humorverständnis witzigen kommentar drunter.)
giulia enders hab ich zuletzt bei hotel matze gesehen und war fasziniert, dass sie immer noch so mitreissend über den menschlichen körper und geist redet, dass ihre euphorie unweigerlich überschwappt und ansteckt.
ja, ich habe die alten disqus kommentare in isso importiert (6732 kommentare unter 1511 beiträgen) ↩
ich benutzte meinen homepod eigentlich nur für zwei dinge und alleine wegen dieser beiden dinge mag ich meinen homepod sehr, sehr gerne. bis heute.
die eine sache für die ich die siri im homepod gerne nutze ist zu fragen: „wie spät?“ die andere sache ginge wahrscheinlich auch mit jedem anderen der 5 vernetzten lautsprecher bei mir im zimmer, aber ich lasse es den homepod machen: bei einem formel-eins-rennen, fünf minuten vor start ein formel-eins-wrooooom-geräusch abspielen.
seit heute fängt siri selbständig an musik abzuspielen. leise, aber immer wieder. da sich homepods nicht wirklich debuggen oder befragen lassen was sie zur jeweiligen aktion gebracht hat, steh eich völlig auf dem schlauch. ich habe zwischenzeitlich alles abgeschaltet was ich in verdacht hatte, mein iphone, home assistant, mein laptop bluetooth, die klimaanlage — nichts hilft.
aber zum automatisieren habe ich ja home assistant. eine kleine automation schaltet die musik jetzt aus, sobald die musik startet.
das funktioniert, auch wenns keine lösung ist. wenn ich in den nächsten tagen nicht rausbekomme was oder wer das verursacht, muss der homepod temporär sterben (stromlos werden). immerhin habe ich ausgeschlossen, dass der homepod das rauschen der klimaanlage als sprachbefehle interpretiert.
apropos formel 1, das guck ich ja gelegentlich gerne und fahre dafür gerne mit einem virtuellen privaten netzwerk nach östereeich. das rennen heute in östereich konnte zwar nicht viel mehr als dreissig prozent meiner aufmerksamkeit binden, war aber trotzdem ganz spannend. aber wirklich toll waren die drohnenaufnahmen, nicht mit der üblichen drohnen-vogelperspektive, sondern eine drohne, die den autos mit bis zu 300 km/h im tiefflug hinterherflog. keine ahnung was man machen muss um für sowas bei einer veranstaltung mit publikum eine genehmigung zu bekommen, aber östereich hatte ja noch kein rammstein. die bilder waren aber tatsächlich beeindruckend.
beim spiegel habe ich das schon öfter gesehen: endmarken. wenn ein spiegel-artikel zuende ist, klascht der spiegel ein logo-„S“ an den letzten absatz.
das kann ich auch, dachte ich mir und klatsche jetzt einen haufen scheisse, meinen shit-vote, bzw. „ich mag diesen scheiss!“-button an den letzten absatz — oder je nachdem, wenn ein beitrag nicht mit einem absatz endet, auch dadrunter.
ausserdem habe ich den artikel-fuss („footer“), die kommentar-sektion und die beilage ein bisschen neu geordnet, in der hoffnung dass damit auch menschen die nicht ich sind die funktion und den sinn (ein bisschen) begreifen. wenn nicht, ist auch nicht so schlimm, solange meine texte (ein bisschen) verständlich sind.
auch witzig (für mich) meine mutter, die jetzt ja ein welterste und -einzige wirres.net-beiträge per email bekommt, meinte sie hätte die letzten artikel nicht gelesen. dass habe ich ehrlichgesagt auch nicht anders erwartet, dass mein reigen an technischen deep-dives ins ATprotokoll, avtivitypub, bubbles und meine maschinenraum-geschichten an einem teil des publikums vorbeigehen und dass dieses publikum genau das tut, weiterblättern („scrollen“). das ist das schöne am internet: man kann den massengeschmack ignorieren und ganz viele nischeninteressen („long tail“) bedienen und das gezielte ignorieren funktioniert.
apropos home assistant und automatisierungen: phasenweise habe ich mich damit genauso manisch beschäftigt, wie ich mich derzeit manisch mit dieser website beschäftige. aber home assistant ist so freundlich, dass es auch ohne meine aufmerksamkeit monatelang zuverlässig funktioniert. selbst gelegentlich leerlaufende batterien bringen das system und die sensorik nicht zum erliegen, auch weil ich vieles redundant aufgesetzt habe. trotzdem habe ich der automatischen wohnung heute nochmal etwas aufmerksamkeit geschenkt, updates eingespielt, kaputtaktualisiertes („breaking changes“) gefixt, batterien getauscht und über-optimistische-sensor-wert-validierungen, bzw. glättung. als ich die aufgesetzt habe, konnte ich mir nicht vorstellen, dass am hoffenster temperaturen > 27°C auftreten (das ist immer im schatten). pustekuchen, in den letzten tagenm gings öfter drüber. deshalb hat meine sensor historie jetzt abgeflachte kurven und durch die filter-anpassung ein paar falschmessungen/ausreisser nach unten.
the agency staffel 2 hat mich in den ersten paar folgen mit 4 parallelen handlungssträngen total überfordert. aber mit jeder folge verstehe und finde ichs besser. die abgefucktheit von geheimdienstarbeit bringt die serie wirklich gut rüber, vor allem im gegenteil zu den 2000 anderen filmen und serien die geheimdienstarbeit gerne ästhetisieren, ridikülisieren oder glorifizieren. das macht the agency zwar auch, sonst wäre es ja nicht eine fiktionale unterhaltungssendung, sondern eine „true political crime“-serie auf netflix.
das klimaanlagen-/wärmepumpen-rabbithole, in das markus kürzlich gefallen ist, habe ich gerade noch vermieden. die beifahrerin hat vor ein paar jahren eine mobile, kleine klimaanlage für ihr atelier gekauft, die jetzt in meinem zimmer steht und es auf erträgliche 24,5°C kühlt. sie hat jetzt zwar auch interesse an einem weiteren gerät angemeldet, weil die temperaturen in ihrem zimmer jetzt auch auf über 25°C klettern. und meine eltern wollen auch eine. und da soll ich dann sowohl beraten als auch montieren. aber das konnte ich alles gut in den winter schieben weil man jetzt ohnehin nichts derartiges kaufen kann.
benetzte sonnenstrahlen (gestern um 07:47 uhr)
ich staune, wie viele menschen bei google nach „wassermelonensalat ottolenghi“ suchen. google verrät mir, dass dieser suchbegriff zwischen dem 18.06 und 24.06 fast 600 mal dazu geführt hat, dass meine rezeptseite dazu bei google angezeigt wurde. google hat deshalb in den letzten tagen pro tag ungefähr 60 menschen hierher geschickt. das fühlt sich beinahe an, wie früher, als google der grösste fan von blogs war. jetzt liebt google, die alte opportunistin, offenbar nur noch rezepte.
als ich die tage darüber nachdachte ob und was mir diese menschen bringen, die von google hierhergespült werden, stand ich auf dem schlauch. immerhin produzieren sie eine metrik und heben zwei meiner rezepte auf der rückseite unter „meistbesuchte seiten“ nach oben. ich habe überlegt ob ich eine einfach zugängliche (rezept) bewertungsfunktion mit ⭐⭐⭐⭐⭐ anbieten soll, weil ja niemand versteht, was das 💩 soll. dann dachte ich, vielleicht eine einfach zugängliche kommentarfunktion und habe mir nochmal isso angeschaut. das hatte ich mir zuletzt vor einem jahrzehnt angeschaut als haloscan eingestellt wurde. aus unerfindlichen gründen hatte ich mich damals dann für disqus entschieden, deren javascript ich (optional) unter meine artikel klebte.
jedenfalls war ich überrascht wie unkompliziert sich isso anfühlt. keine anmeldung und nach dem absenden des kommentars bleibt der sogar noch editierbar oder löschbar. kommentare lassen sich mit markdown formatieren und das ganz lässt sich auch noch leicht mit docker installieren. also erstmal isso unter die zwei rezepte geklebt, die gerade so viel besuch bekommen.
dann habe ich gedacht, wenn selbst menschen mit jahrzenhnten interneterfahrung von meinem jetztigen kommentarsystem überfordert sind und mich teilweise per mail um bedienungstipps fragen, kann ich ja auch mal einen regulären beitrag kommentierbar machen und schauen was passiert.
dieser beitrag ist also kommentierbar. name, email oder website sind optional, lediglich javascript ist voraussetzung. moeration ist erstmal deaktiviert. was hälst du von (isso-) kommentaren unter beiträgen auf wirres.net?
nachtrag 20:00 uhr: ich habe die kommentare aus maurice komments plugin in isso importiert und erstmal die kommentarfuntion komplett auf isso umgeschaltet. isso-kommentare werden jetzt überall unter dem beitrag angezeigt, ausser man klappt die kommentare zu.
webmentions, kommentare auf mastodon oder bluesky erden erstmal weiterhin in der beilag angezeigt, aber ich hab pläne und idee das in zukunft zu verbessern und technisch eleganter zu machen.
gelegentlich mache ich sachen nur weils geht. manchmal ergeben sich dann zufällig andere, gute sachen daraus.
vor zwei wochen hatte ich die idee, dass ich beiträge ja auch als markdown ausliefern könnte. seitdem kann man im browser einfach an eine beitrags-adresse ein .md hängen und der artikel wird als text/markdown geladen:
dann las ich zufällig über standard.site und ATproto und sah, dass ich den markdown-text einfach mit ein paar metadaten in mein PDS schreiben kann und das markdown dann zu einem ordentlich aussehenden html-beitrag gerendert wird, zum beispiel hier:
weil ich die markdown-version der beiträge auch im quelltext ankündige, mit …
<link rel="alternate" type="text/markdown" title="markdown-gedöns — weils geht (Markdown)" href="https://wirres.net/articles/markdown-gedons-weils-geht.md">
… finden crawler und bots die markdown-version automatisch — wenn sie wollen — und nehmen das angebot auch dankend an, wie ich in meinen logs sehe (derzeit ca. 600 markdown-dateien-crawls pro tag).
von mir aus können sich crawler und bots hier austoben, solange sie sich benehmen, höflich bleiben und sich an die robots.txt regeln halten. eine regel mit der ich mir einbilde in den letzten jahren gut gefahren zu sein: inhalte die jünger als fünf jahre sind dürfen die crawler indexieren, was älter ist nur wenn ich es explizit zur indexierung freigegeben habe. ich weiss dass es nicht wenige arschloch-bots gibt, die sich nicht an die regeln halten, und das ich dagegen (momentan) wenig ausrichten kann. was ich aber nicht mache: markdown für bots gesperrte inhalte auszuspielen.
effektiv stehen hier also ca. 953 beiträge zur indexierung bereit. das stimmt natürlich nicht ganz, in echt sind es 3483 beiträge die laut
zur indexierung freigegeben sind. aber das sind vor allem „sofortbilder“ (mein instagram archiv, 2376 beiträge), checkins (151) und statische seiten. eine liste dieser 953 beiträge, die auch indexiert werden dürfen und keine checkins oder sofortbilder sind, stehen jetzt auch in einer übersichtlichen liste zur verfügung:
wirres.net/index (html, klassiches layout, mit link zur html- und markdown-version)
leider können browser heutzutage noch nicht nativ markdown rendern, weshalb der markdown-text eben als plaintext angezeigt wird (ausser man installiert sich zum beispiel diese chrome-extension).
wäre es nicht toll, wenn browser statt nur nach einem html-dokument zu fragen, auch — falls browsende das wünschen — auch nach einem markdown-dokumnet fragen könnten? das wäre dann wie die safari reader funktion, die aus unlesbaren seiten eine vereinfachte, gut lesbare version rendert. zum lesen von online-koch-rezepten kann man mittlerweile kaum noch html benutzen, weil die rezpte fast immer in slop-texte eingebettet sind. ich lese rezepte online fast nur noch in mela. markdown rezepte hingegen sind gut lesbar:
jedenfalls, für alle die sich fragen was das alles soll: es ändert sich nichts, ausser dass es jetzt eine schlanke, schnelle übersichtseite aller artikel gibt, die manche vielleicht übersichtlicher oder schöner finden als die klassische startseite mit 21 artikeln im volltext:
und eben ne menge markdown-gedöns, das man getrost ignorieren kann, was ich aber mal ausprobieren wollte, ob es geht. es zeigt sich: ja, es funktioniert eine markdown indexseite mit einem dünnen javascript-wrapper auch jetzt schon ohne browser extension zu rendern. und ja, bots fressen gerne markdown. und ja ich finde das fazzinierend.
und abgesehen davon, spare ich jetzt mit do it yourself einen haufen geld, weil cloudflare das alles was ich mir hier selbst gebaut habe kunden für viel geld verkauft:
Markdown for Agents is available to Pro, Business and Enterprise plans, and SSL for SaaS customers at no cost.
(pro pläne verkauft cloudflare ab ca. 20 €/monat, business geht bei 180 €/monat los und enterprise ab 2000 €/monat. und ja, „content negotiation headers“ für markdown hab ich auch eingebaut.)
nachtrag: ich habe gemini gebeten einen blick in den mascheinenraum zu werfen („wenn du dir die header von wirres.net/articles/markdown-gedons… ansiehst, was siehst du, was fehlt, was ist ungewöhnlich?“). die antwort verstehe ich als kompliment und habe sie in die beilage kopiert.
ich mag popfeed, dass ist einer der wenigen medientracker, der auch „abseitige“ sendungen wie die mit der maus oder die mit lewis hammilton ordentlich tracken kann. potenzial für interessante vernetzungen ist da und alles sieht lecker aus.
was ich vermisse ist eine ordentliche API.
theoretisch ist die mit dem ATprotokoll, auf dem popfeed basiert, gegeben, aber popfeed hat sich entschieden den PDS nur zum speichern zu nutzen. das wird technische gründe haben, ist aber sehr schade. ich hätte gerne meinen eigenen medientracker mit popfeed automatisch synchronisieren lassen.
aber egal, dan mache ich das manuell. alles was ich sehe oder lese erfasse ich weiterhin bei mir und trage das dann mit ein paar klicks in popfeed nach. die ios und web-apps sind anständig zu bedienen (wenn auch noch hier und da ein bisschen buggy) und wie man am anfang des strangs sieht, produziert auch der „crosspost“ button ordentliche posts.
tl;dr: schau dir doch mal popfeed an. mit deinem bluesky-konto kannst ud dich dort einfach einloggen und mir dann sachen empfehlen oder eigenes gegucktes, gelesenes, gehörtes oder gespieltes tracken.
kontext: ich habe von august 2025 bis anfang oktober 2025 semaglutid / ozempic genommen. seitdem habe ich weiter abgenommen und ca. seit januar 2026 halte ich das gewicht bei 93-94 kg.
damit beende ich die berichterstattung über mein gewicht, mit ausnahme eines beitrags im april 2027.
intheweights.com fragt den eingegebenen namen bei mehreren LLMs ab und extrahiert irgendeine metrik und listet auf, was die modelle zum namen zu sagen haben. sieht aus seien GPT-5.5, GPT-5.4-mini und claude opus 4.8 nah dran, während claude haiku 4.5 mich schon zum journalisten halluziniert und gemni 3.1 lite zum „langjährigen“ co-autoren von nerdcore macht. DeepSeek V4 sieht mich gar als mitgründer von netzpolitik.
GPT-5.5 says German blogger, web developer, and internet personality associated with the blog wirres.net.
GPT-5.4 Mini says German blogger and web developer, known for writing on technology, startups, and internet culture.
Claude Opus 4.8 says German blogger and writer known for his blog 'wirres.net', active in the German-language blogosphere and internet culture scene.
Claude Haiku 4.5 says German journalist and media professional, though limited public recognition without additional context.
Gemini 3.1 Lite says A German blogger, author, and long-time contributor to the tech and culture blog Nerdcore.
Kimi K2 0905 says German blogger and co-founder of the media blog 'wirres.net', known for tech and internet culture commentary.
DeepSeek V4 says German journalist and author, known for tech and media commentary, co-founder of netzpolitik.org.
offensichtlich und abgesehen davon mag ich die spielautomaten-schrift von intheweights.com sehr. und eigentlich mag ich pixel-bilder von „TODAY’S HEAVYWEIGHTS“ auf der startseite auch, ich bin ja schliesslich mit nem C64 aufgewachsen.
aber das was GPT auf meine aufforderung hin aus diesem bild gemacht hat, ist selbst für mich etwas dick aufgetragen. faszinierend ist einzig, dass für das bild 256×256 pixel reichen.
den besten artikel zu künstlicher intelligenz hab ich heute von christian stöcker gelesen.
Micah Nathan bringt am Massachusetts Institute of Technology Leuten das kreative Schreiben bei [und berichtet]: Alle in seinem Workshop hatten KI zum kreativen Schreiben benutzt, was er an ihren Texten merkte. Manche gestanden es tränenreich und sogar voller Selbstekel. Seine Schlussfolgerung: »Die Gefahr besteht nicht darin, dass die KI Autoren ersetzen oder meinen Workshop überflüssig machen wird. Die Gefahr ist, dass die Studierenden sich daran gewöhnen, die Reibung zu überspringen, die vorher ihren Schreibprozess sichtbar machte.«
christian stöcker bringt das problem mit der künstlichen intelligenz auf einen passenden nenner aus der kognitiven psychologie:
den »kognitiven Geizkragen«. In Kurzform: Wir strengen unser Gehirn ungern an. Wenn wir nicht müssen, lassen wir es lieber.
diese denk und lernfaulheit zu überwinden lohne sich, weil lernen, üben oder die „Reibung“ der denkprozesse zu überwinden eben befriedigung verschaffen und türen öffnen. christian stöcker und wahrscheinlich auch die kognitive psychologie plädieren dafür sich mehr anzustrengen, bzw. weniger bequem zu sein:
Dem kognitiven Geizkragen nachzugeben und intellektuelles Outsourcing zu betreiben, mag zwar bequem sein, es macht aber weder klug noch zufrieden.
ich würde gerne „neugier“ ergänzen. ich mache dinge nicht selbst um selbstdisziplin zu üben, sondern meist um meine neugier zu befriedigen. rauszufinden wie etwas genau funktioniert kann ich am besten indem ich es selbst mache. und selbst machen erfordert lernen, üben und wiederholung.
ich habe auch irgendwann erkannt, dass ich gesehenes oder gelesenes besser verstehe und mehr davon habe, wenn ich drüber schreibe. eigentlich würde ich jetzt auch lieber auf dem sofa sitzen und die neue folge house of the dragon gucken als auf dem sofa zu sitzen und über christian stöckers kolumne nachzudenken. aber die neugier, der mitteilungsdrang und das bedürfnis nach (ein bisschen) intellektueller anerkennung treibt mich zum bedürfnisaufschub. das ist auch der wahre grund, warum ich einmal pro jahr einen republica vortrag schreiben möchte: um mir selbst zu beweisen, dass ich in eine materie tief genug einsteigen kann, ohne mich völlig lächerlich zu machen. vorraussetzung ist natürlich, dass das thema, in das ich tiefer einsteigen möchte mich auch interessiert, meine neugier weckt.
ich glaube stefan niggemeier hat auch einen sehr guten text über ki geschrieben. nur leider kann ich ihn nicht lesen, weil ich kein SZ-abo habe.
ersatzweise bietet er an diesen text von ambros waibel in der taz zu lesen. das thema schöpfunghöhe oder tiefe im journalismus geht mir schon lange im kopf rum. constantin seibt hat mal geschrieben:
Das Konzept von komprimierter Zeit ist auch das der Grund, warum Leute gern lesen: Sie machen ein blendendes Geschäft. In einer Minute haben sie eine Stunde fremde Denkarbeit oder mehr gewonnen.
das gefühl „komprimierte Zeit“ zu konsumieren habe ich bei klassichen journalistischen produkten immer weniger. oft spüre ich dieses phänomen aber in bestimmten youtube-kanälen, wo nicht nur mit neuen arten der informations-darreichung experimentiert wird, sondern eben auch merklich viel denkarbeit investiert wird. das kann auch damit zu tun haben, dass erfolgreiche youtube-kanäle das problem der finanzierung gelöst haben (wenn auch auf eine sehr prekäre oder unnachhaltige art) und deshalb kräftig in recherche und kreation investieren können.
das gegenteil, der mangel an spürbarer denkarbeit ist das, was menschen dazu bringt sich von bestimmten darreichungsformen abwenden oder KI-gedöns als schlamperei (slop) bezeichnen.
jedes jahr im juni oder juli ist es der beifahrerin danach mal an den strand zu fahren. also fahren wir drei stunden lang zur ostsee, nach lubmin, an den hundestrand. wir sind jedesmal davon überrascht wie ruhig und kühl es dort ist. in berlin gingen die temperaturen, trotz eines unwetters, bis auf 30°C hoch, in lubmin blieb es unter 22°C. vom parkplatz aus gehen wir gerade mal 10 minuten nach westen und sind dann praktisch alleine am strand.
frida ist am wasser allgemein etwas gestresst und bekommt ihre aufregung nicht gut in den griff. aber wenn sie mit der beifahrerin ins wasser geht, schwimmt sie wie ein schnellboot und schwimmt ständig kreise um die beifahrerin. ganz allgemein habe ich immer wieder den eindruck, dass sie zwischen fortbewegung an land und im wasser nicht grossartig unterscheidet, so natürlich geht ihr beides aus der hand. ich bin mir auch nicht sicher was sie mehr in aufregung versetzt, der sand oder das wasser.
beim am strand lang laufen entspannt sie dann auch ein bisschen. laufen entspannt, ganz allgemein, alles und immer.
facebook gibts seit 2004, aber es dauerte noch mindestens vier jahre, bis man es in deutschland benutzen konnte. soziale netzwerke entstanden in dieser zeit gerade, in diesem beitrag von 2004 erwähne ich einen dienst der „frienster“ hiess und an den ich mich nicht mal mehr erinnern kann. über das bloggen schrieb ich damals das hier:
die person hinter einem weblog, ihre glaubwürdigkeit und das vertrauen das sie sich erschrieben hat, steht am anfang. jedes blog ist durch links, link-hubs und link-zähler, aggregatoren, blogrolls und kommentarfunktionen in eine art soziales netz von vertrauen, empfehlungen und bewertungen eingebettet. dieses soziale netz geht jetzt schon über systeme wie „frienster“ hinaus. es funktioniert vor allem jetzt schon.
blogs funktionierten damals „in sich“, sie vernetzten sich im wortsinn durch gegenseitige verlinkungen, interaktionen (kommentare), blogrollen (linklisten) und durch die hilfe von aggregatoren und teilweise auch suchmaschinen. ausserdem waren blogs immer schon abonnierbar mit RSS. das war technisch etwas anspruchsvoller als eine webseite/ein blog im browser aufzurufen, aber gute RSS-reader oder -clients gabs auch schon damals. der reiz, damals wie heute, von RSS ist natürlich die aggregation: neue artikel werden oben angezeigt, wie in einem blog, nur dass man sich in seinem reader dutzende oder hunderte blogs zusammenstellen konnte und so den überblick über neue beiträge behalten konnte.
nicht zu unterschätzen, ungefähr 2005 kam google mit dem google reader. der google reader machte RSS-feeds einfach zugänglich. ich weiss nicht mehr wie das genau funktionierte, aber die eingangsschwelle zum google reader war niedrig und einmal drin war es einfach blogs zu folgen. etwas später kamen empfehlungsfunktionen für einzelne beiträge dazu, mit dem man gelesene beiträge weiterempfehlen und (wenn ich mich recht erinnere) auch mit einem kommentar versehen konnte.
2013 endete der google reader, weil google eine bekloppte idee namens google plus hatte. wozu das gut sein sollte verstand damals ausserhalb von google niemand und irgendwann verstand das bei google auch niemand mehr und google plus wurde auch eingestellt. viele sahen das als eine art todesstoss für blogs, aber weder das ende des google readers, noch facebook oder twitter waren das ende von blogs. blogs verschwanden lediglich wieder in ihre nischen, in denen sie auch vorher schon waren, etwas ausserhalb der wahrnehmung des mainstreams.
jetzt habe ich weit ausgeholt, obwohl ich eigentlich nur sagen wollte, dass ich, als ich mein zitat oben las, dachte: das würde ich heute genau so schreiben. blogs funktionieren, blogs sind weiterhin da. manche verschwinden, viele neue tauchen auf, und ständig findet man perlen, inspiration, unterhaltung, kontroversen oder serendipität — wenn man im strom ein bisschen mitschwimmt.
und was mich in den letzten tagen immer wieder fasziniert hat ist das aufpoppen (in meinem sichtfeld) von spannendne „neuen“ technologien (#atproto, #activitypub), apps und aggregatoren die das potenzial haben dem ganzen (immer) wieder neuen schwung zu verleihen.
inzwischen ist [bubbles] bei mir der haupt-referrer über den leserinnen auf meine seite kommen. Außerdem stöbere ich dort auch echt gerne.
das er viele besucher von dort bekommt liegt wahrscheinlich auch daran, dass er (auch) englisch schreibt (seine profilseite bei bubbles zeigt auf die englische version seiner website), bei mir schaufelt rivva derzeit noch mehr besucher als fast jede andere website rüber. top referrer in den letzten 12 monaten:
tatsache ist aber, auch jetzt funktionieren blogs mindestens so gut, wenn nicht sogar besser als 2004. einerseits natürlich weil signifikant mehr leute ins internet schreiben, weil es RSS, rivva, blogrollen, webringe gibt, weil ins internet schreibende sich weiter gegeseitig verlinken und weil sich weiter viele menschen gedanken darüber machen, wie man technologien, plattformen, protokolle weiterentwickeln kann um dem ganzen nochmal mehr schwung zu geben.
ein anderer grund warum das ganze blogdings weiter brummt fällt mir morgens oft beim ersten kaffee auf, wenn sich mir (in etwa) dieses bild präsentiert:
meq 7:39, kaltmamsell 6:29, buddenbohm 6:01
die konstanz mancher ins internetschreibenden ist beeindruckend. jeden tag zwischen 6 und 7 uhr tauchen maximilian buddenbohm und die kaltmamsell bei mir in den feeds auf. oft ganz nah dran: markus. es scheint (weiterhin) sehr viele menschen zu geben, für die die lektüre bestimmter blogs zur morgen- oder tagesroutine gehört. ich hab wenig ahnung für wie viele menschen meine texte zur routine gehören, aber ich freue mich natürlich immer sehr, wenn ich andere mit in meine rabbitholes reissen kann oder zumindest dazu inspirieren kann, mal kurz einen blick auf dinge zu werfen über die ich mich gerade freue.
tl;dr: berichte über den tod des offenen webs sind stark übertrieben.
guter, ausführlicher erklär-artikel von jan montag über die „gute Idee“ ATproto, also das protokoll das hinter blue-, black- oder eurosky steckt.
[Damit wird] theoretisch möglich […], dass du deine Identität endlich mitnehmen kannst. Überleg dir die Löschung deines Instagram oder Facebook oder X Accounts. Das wars. nicht so jetzt. Hier kann du die App wechseln und trotzdem alles mitnehmen.
auf einem PDS, dem „personal data server“, sind beim ATprotokoll alle daten gesichert, in verschiedenen schichten, die identität, der soziale graph, beiträge, app-daten. der PDS wird von jemandem zentral betrieben, lässt sich aber umziehen, mit allen daten und (im prinzip) auch mit dem benutzernamen. APPs sind im prinzip das schaufenster auf diese daten.
mein PDS liegt derzeit noch bei bluesky, in den USA. weils geht und aus prinzip werde ich den in nächster zeit zu eurosky migrieren. damit sollte sich weder etwas an meinem bluesky-konto ändern, noch auf irgendeinem anderen konto das ich mit meinem ATmosphere-konto nutze (zum beispiel standard-reader, blento, sill oder popfeed).
so einen PDS kann jeder betreiben, allerdings ist das genauso undankbar und viel arbeit, wie einen eigenen mail- oder mastodon-server zu betreiben:
Föderation ist nicht schwer, weil Protokolle schwer sind. Föderation ist schwer, weil Betrieb schwer ist. Updates, Abuse, Spam, DDoS, Moderation, rechtliche Geschichten, Kosten, Backups – das ist nicht romantisch, das ist Alltag. Und dieser Alltag führt fast automatisch dazu, dass sich wieder zentrale Anlaufstellen bilden.
jans fazit, trotzdem und mit einem aufruf zur wachsamkeit:
ATProto ist eine wirklich elegante Idee: Schichten trennen, Identität portabel machen, Apps austauschbar machen. Bluesky hat damit ein Fenster geöffnet.
Aber Fenster sind nur Fenster. Wenn du nicht durchgehst, wird es wieder zugemauert.
und seine kurzfassung um den unterschied zwischen ATproto (atmosphere) und ActityPub (fediverse) zu erklären:
Fediverse = „viele Dörfer, Post wird zwischen Rathäusern ausgetauscht“; ATProto = „du hast dein eigenes Haus (PDS), aber die großen Straßenkarten (Index/AppView) entscheiden, wer dich findet.“
ich würde ergänzen:
fediverse: viele autonome dörfer, die sich auf ein austauschformat geeinigt haben, die daten aber im dorf speichern. atmosphere: grosse datenlagerhäuser die mit glasfaser vernetzt sind, an die sich dörfer, bastler, werkstätten oder konzerne andocken können und geregelten zugriff auf die lagerbestände bekommen und auch selbst lagerfläche anmieten können. die inhalte (fast) aller lagerbestände sind — nach bestimmten regeln — auch wieder für alle anderen zugänglich.
beide protokolle haben ihre vor und nachteile. wir brauchen keine monokulturen, im gegenteil, RSS ist nicht durch activitiPub überflüssig geworden, standard.site wird RSS auch nicht verdrängen. protokolle können nebeneinander existieren, man kann brücken bauen, protokolle könnnen zusammenwachsen oder sich spezialisieren. in beiden genannten protokllen stecken ungehobene potenziale — und das ist das eigentlich spannende.
ich für meinen teil spreche gerne mit allen. ich mag es, wenns ein bisschen kompliziert ist.
p.s.: hier kann man jan montags artikel (wie ich) hochvoten: https://bubbles.town/entry/38217373 (man muss sich nur mit seinem fediverse handle anmelden)
ich habe 40 minuten dieses achtstündigen videos gesehen und gehört, das volker weber bei sich eingebettet hat. nach zwei minuten habe ich aus unerklärlichen gründen damit gerechnet, dass sich der balkon, auf dem lewis hamilton sitzt, als der balkon eines kreuzfahrtschiffs herausstellt und langsam aus dem hafen von monaco herausgleitet.
ich sitze sehr gerne auf balkonen, aber noch lieber hinter geöffneten balkontüren. hinter balkontüren kommt mir die möblierung meistens mehr entgegen als auf dem balkon. ich sitze gerne am schreibtisch, auf einem sofa oder liege gerne im bett. auf dem balkon selbst ist das meistens nicht möglich. der stuhl auf dem lewis hamilton im video sitzt, sieht auch nicht besonders gemütlich aus. ich vermute hinter der balkontüre könnte er gemütlicher sitzen.
im winter sehne ich die zeit herbei, in der ich zuhause die balkontür wieder öffnen kann. ich mag es, wenn vor dem balkon die welt vorbeizieht. die geräusche die von draussen nach innen dringen sind nicht immer angenehm oder entspannend, aber das sind sie in cafés auch nicht immer — und trotzdem finden fast alle menschen café-geräuschkulissen angenehm. so wie fast alle menschen kaffeehaus-geräuschkulissen angenehm finden, finde ich strassenlärm angenehm. vielleicht auch, weil diese geräuschkulisse den kontrast zur relativen ruhe der nacht deutlich macht. ruhe ist ja immer relativ. oder anders gesagt absolute ruhe ist unangenehm. ruhe bei der es plätschert, zwitschert, glocken klingen oder menschen leise reden ist die beste.
nachts gemütlich, bei (relativer) ruhe hinter einer geöffneten balkontür zu sitzen ist toll, aber noch besser ist es, wenn der balkon leise durch wasser gleitet. genau das ist die eindrücklichste erinnerung die ich an meine letzte, erste und einzige kreuzfahrt habe. da sass ich nachts, bei (relativ) absoluter rühe hinter der geöffneten balkontür meiner kabine, draussen plätscherte das wasser leise und am horizont sah ich lichter von siedlungen an land vorbeiziehen. das war toll und ich denke da oft dran.
mit dem zug durch die nacht zu fahren ist auch toll. aber züge sind zu schnell, als das man länger als fünf minuten gemütlich hinter einem geöffneten zugfenster sitzen könnte.
ich habe mich jetzt tagelang über neue „discovery“ möglichkeiten in der ATmosphere für blogs gefreut. die beiträge aller blogs der welt, die ihre beiträge im standard.site-dokumenten-format veröffentlichen, sehe ich zum beispiel hier aufgelistet: standard-reader.app/discover oder pckt.blog/read oder leaflet.pub/reader.
standard.reader.app listet gerade 5.600 blogs auf die es kennt. als ich heute früh geguckt und einen screenshot gemacht habe, waren es noch 5.500. in 15 stunden kommen offenbar um die 100 blogs dazu. zum grossen teil liegt das wohl an matthias pfefferle und seinem ATmosphere wordpress plugin.
das mit der auffindbarkeit funktioniert auch, eben wurde mir auf standard-reader.app das blog mit der zitrone vorgeschlagen (rivva auch). seit kurzem gibts auf der discovery-seite von standard-reader.app auch filter und suchoptionen. ich finde ständig neuen lesestoff, momentan, naturgemäss, oft techniklastig, hier und hier gerne gelesen.
was dem ganzen noch fehlt ist — natürlich — RSS, aber das kann man sich vielleicht ganz schnell bauen mit der (auch neuen) standard-reader-api.
in meinem RSS-reader, der immer noch meine primäre lesestelle ist, habe ich heute bei waxy.orgbubbles.town entdeckt. eigenbeschreibung für die deutschsprachige variante:
300 unabhängige Blogs. Eine Startseite. Sortiert nach Aktualität und durch deine Votes.
5034 independent, personal blogs. One front page. Ranked by votes and freshness, shaped by you.
ich finde an bubbles alles gut. minimales design, darkmode (automatisch, optional), knappe, aber informative blogprofile mit „folgen“ option, zum folgen und voten anmeldung über ein vorhandenenes mastodon, bzw. fediverse konto und kluge RSS-feed-optionen.
wirklich toll, besonders hat mich gefreut, dass ich mich mit meinem goto-social-konto anmelden konto, das funktioniert sonst anderswo oft nicht, wegen der konzentration auf mastodon. kein wunder, weil der macher, „Ben aus Mülheim an der Ruhr“, auch goto-social für bubbles nutzt. so erklärt er es:
Bubbles veröffentlicht jeden neuen deutschsprachigen Artikel auch im Fediverse über @bubbles_de@social.bubbles.town. Antworten auf diese Posts erscheinen als Kommentare auf Bubbles.
ich stelle fest, die blogrenaissance die ich vor ein paar wochen leise und noch ein bisschen zweifelnd zu beobachten glaubte ist ziemlich real. rivva lebt und wächst, die ökosyteme um activityPub und ATproto sind irre fruchtbar und lassen lauter spannende sachen wachsen, blogplattformen spriessen und die leute schreiben und schreiben ins internet.
standard.site is built to be extended; its own docs say the existing properties “should not be seen as constraints, but rather as starting points.” So going off and building your own thing is the intended move, not a hack. That’s the same energy that makes the whole atmosphere feel vibrant and fast right now. Everyone is shipping new things every day, is finding new creative things to store on PDS. The downside is solutions that don’t talk to each other.
… und das ist genau wie ich es gerade empfinde, die ATmosphere, das fediverse, fühlen sich gerade ungeheuer lebendig und dynamisch an, überall poppen interessante dinge auf, möglicherweise auch durchs vibe-coden beschleunigt.
find ich gut, weiter so, demnächst mehr.
ich habe gemini um eine einschätzung meines textes gebeten. es hat eine gute beobachtung gemacht, die ich gerne zitieren möchte, weil ich den gedanken auch hatte, aber nicht „web 4.0“ schreiben wollte:
Dein Text beschreibt einen „Sommer der Prototypen“. Es fühlt sich an wie das Web von 2004, aber mit den technischen Muskeln von 2026.
nachtrag 18.06.2026: hier ist bens bubbles blog, mit neuigkeiten und warum er bubbles gebaut hat. ausserdem sehe ich dort, dass es eine bubbles API gibt, mit der man die vote-anzahl und bubbles id holen kann. siehe auch „Naive Ben Meets Naive Bayes“.
mal wieder in den kanal reinfotografiert und dann die bilder umgedreht.
ich muss leider nochmal an einem teil meines publikums vorbeischreiben. das ATmosphere-rabbithole, in dem ich gerade stecke fasziniert mich gerade zu sehr, um das nicht aufzuschreiben.
man sagt ja: wenn man einen hammer in der hand hat, sieht man überall nägel. ich sehe im moment überall das AT-protokoll und die formate, bzw. lexika die dahinterstecken. mich fragen leute was der vorteil des standard.site-formats gegenüber RSS sei. der vergleich geht ein bisschen an der sache vorbei. die frage ist einfach: was sind die sachen die man mit einem protokoll machen kann, was sind die potenziale?
bereits 2002/2003, noch bevor es wordpress gab, hatte ich auf wirres.net bereits RSS (mit volltexten) eingebaut. weil ich potenzial, anwendungsfälle dafür sah — und weil es anwendungsfälle gab. ich weiss nicht ob ich es damals schon nutzte, aber netnewswire, also einen tollen RSS-reader, gabs seit 2002. 99,99% aller menschen interessierten sich damals nicht für RSS (und blogs), aber die die es nutzten fanden es grossartig, weil es grossartig und praktisch war.
mike masnik erinnert sich an das internet von damals, dass es angeblich nicht mehr gibt und von plattformen und apps zerfressen und zerfasert wurde. allerdings mit dem twist, dass das einerseits nicht stimmt, das alte internet ist noch da, und es keimt unter dem plattform-beton gerade wieder auf.
But, as Godier’s piece notes, protocols are… boring. They change slowly (for a good reason, because you need stability to build on). They tend to change by consensus, which is messy. And rather than having billion dollar companies throwing a whole massive engineering team at making everything work, in the protocol world, we rely on constant experimentation by anyone who wants to experiment.
The open web of the nineties didn’t win because the tools were better. It won because a critical mass of people decided that the alternative, a handful of AOL-style walled gardens choosing what everyone saw, was not the future they wanted. Then they built their way out of it. Slowly, unglamorously, in rooms that looked a lot like this one.
Whether atproto ends up being the thing, or a stepping stone to the thing, I don’t know. Nobody in the room claimed to know. But the work is real, the apps are shipping, and the people building them are taking it seriously without taking themselves seriously. That combination is rare, and historically, it’s the one that wins.
das entscheidende und spannende, damals wie heute, sind nicht die grossen visionen, die massenwirksamen apps und plattformen, sondern die greifbareren, jetzt nutzbaren werkzeuge die genutzt, ernsthaft weiterentwickelt werden und funktionieren. die arbeit im maschinenraum ist real. nicht meine, sondern die von tausenden frickelnden menschen, auf deren schultern man sich stellen kann und ihre werkzeuge mitbenutzen kann.
gestern habe ich eine liste von ein paar apps die auf dem AT-protokoll aufsetzen veröffentlicht die funktionieren und mit denen man spannenede sachen machen kann.
bei sill meldet man sich mit seinen bluesky- (oder beliebigen anderen ATproto-) login an und bekommt ohne weiteres zutun eine von seinen bluesky- (oder mastodon-) kontakten kuratierte und gewichtete linkliste.
bei margin meldet man sich mit seinen bluesky-login an und sieht bookmarks, anmerkungen oder hervorhebungen von textbasiertem zeug aus dem internet von allen menschen in der ATmosphere — und sicher auch irgendwann eine filtermöglichlichkeit auf menschen denen man folgt.
mein sifa-profil zeigt ohne weiteres zutun von mir auch meine bei popfeed als gesehen markierten serien und filme an.
das tolle am AT-protokoll ist, dass sich dienste und menschen auf basis dieses protokolls — und seiner (beliebig) erweiterbaren, strukturierten lexika — verbinden können. eine gemeinsame, offene, gestalbare sprache ist die basis von gemeinschaft.
man muss meine (aktuelle) begeisterung für protokolle nicht teilen. ich interessiere mich zum beispiel sehr wenig für den CAN bus oder das OBD-II protokoll. aber ich weiss, dass man mit ihnen spannende sachen mit autos machen kann. vor allem weiss ich, dass standardtisierte, offene protokolle jede technologie soweit voranbringen können, dass sie für jedermann und jederfrau nutzen bringen. kaum jemand interessiert sich für TCP/IP, http oder SSL, aber mittlerweile nutzten sie fast alle und freuen sich darüber, ohne zu wissen worüber sie sich freuen.
für mich ist wirres.net die quelle der wahrheit. nicht in dem sinn, dass alles was hier geschrieben steht stimmt, sondern das alles was ich ins internet schreibe und poste seine heimat hier hat. ich veröffentliche hier und verteile anderswohin. in ausnahmen veröffentliche ich auch anderswo, aber dann hole ich es auch wieder hierher. dafür gibts die beiden indieweb-begriffe POSSE und PESOS, aber das ist egal, weil das grundprinzip wichtiger ist, als wie man es nennt. der entscheidende punkt ist, dass ich einerseits hier alles an einer stelle beisamen und persistiert haben möchte und andererseits aber auch die menschen dort erreichen möchte wo sie gerade sind.
meiner mutter schicke ich automatisiert jeden artikel per mail. technikartikel wie diesen ignoriert sie einfach, zu langen, pseudophilosophischen texten schreibt sie mir fast immer zurück.
ich weiss dass (relativ) wenig menschen lust haben wirres.net in ihrem browser aufrufen, es aber gerne im RSS-reader ihrer wahl lesen. deshalb stelle ich RSS-feeds zur verfügung und gebe mir grosse mühe dass sie gut funktionieren und keine (oder wenig) einschränkungen zum original haben.
selfies poste ich weiterhin in kopie auf instagram, weil die menschen auf instagram aus mir unbekannten gründen gerne selfies und blumen sehen.
fotos und links zu manchen längeren artikeln poste ich auf bluesky und mastondon, weil es dort menschen gibt, die gerne auf diese art daran erinnert werden, dass ich ins internet schreibe und fotos poste.
filme und rezensionen zu filmen kopiere ich gelegentlich auch auf letterboxed, weil es dort (vielleicht) leute gibt die sie auf wirres.net nicht gefunden hätten und sich (vielleicht) über meine rezension freuen.
ich mache wieder checkins mit swarm, weils geht und es für mich der einfachste weg ist fotos mit text auf wirres.net zu posten (mit ownyourswarm). gelegentlich favt auch jemand checkins von mir auf swarm.
die liste kann ich fast beliebig weiterführen, der entscheidende punkt ist, dass die gezielte verteilung meiner inhalte im internet einerseits anderen entgegegnkommt und andererseits für mich die beschäftigung mit interessantem technik-gedöns bedeutet.
artikel im volltext mit dem standard.site protokoll in die ATmosphere zu blasen ersetzt RSS nicht. aber es eröffnet neue potenziale der entdeckbarkeit, von empfehlungs- und interaktionsmöglichkeiten. wenn ich einem RSS feed folge weiss das niemand. wenn ich einer standard.site publikation folge, wie zum beispiel nicos couchblog, sieht man das hier oder auch hier.
wenn ich ein bookmark in meinen river werfe sieht das kaum jemand. man kann die bookmarks zwar per RSS abonnieren (oder alles, wirklich alle abonnieren), aber vielleicht ist es ja besser dieses bookmark auch in einer dezidierten bookmarkanwendung finden zu können. hier zum beispiel. oder hier. wenn man sich mit seinem bluesky-login dort angemeldet, kann man mein bookmark kommentieren, weiterverteilen, faven oder selbst sichern.
das verteilen meiner artikel oder bookmarks ist und war nicht kompliziert. ausser schreibzugriff auf mein (bluesky) PDS (per app-passwort) brauche ich nichts weiter. kirby schickt dann ziemlich leichtgewichtige json-blobs an den PDS und fertig. obwohl margin.at keine ausgewachsene API hat, kann ich dort bookmarks, anmerkungen oder markierungen einfach (per knopfdruck) aus meinen ohnehin vorhandenen bookmarks auf wirres.net senden. ich brauche keine margin.at-app, das AT-protokoll reicht. wobei eine margin-app (fürs handy) gibts eh nicht, wohl aber eine chrome extension. die brauche ich dank des protokolls nicht zum anlegen von bookmarks, aber sie ist trotdem toll, weil zitate die ich ins bookmark kopiere, dann mit der extension in chrome auch auf der seite markiert werden.
diese markierung wäre dann auch sichtbar für jemanden der bei margin.at angemeldet ist und die chrome extension installiert hat.
ich weiss, alles technische, komplizierte spielereien deren nutzen zweifelhaft oder zumindest nicht sonderlich weit verbreitet ist. null relevanz. aber so viel potenzial.
um nochmal das zitat von tim trautmann von oben zu wiederholen:
Whether atproto ends up being the thing, or a stepping stone to the thing, I don't know.
weiss niemand, ob das zu was führt oder jemals von normalen menschen adaptiert wird. aber interessant ohne ende isses schon — und es funktioniert.
die überschrift („ich will keine APPs, ich will APIs“) habe ich ein bisschen im text vernachlässigt. das hole ich jetzt nach.
mir ist das schon seit vielen jahren aufgefallen, dass viele hersteller von sachen glauben, dass ihre sachen eine app brauchen. in der praxis geht das oft völlig am bedarf vorbei. bei der heimautomatisierung setzt sich (j sei dank) langsam die erkenntnis durch, dass es keinen sinn macht wenn der kühlschrank, die spülmaschine, der airfryer, der staubsaugerroboter und die lichter jeweils eine eigene app haben. langsam setzt sich (dank matter) die erkenntnis durch, dass offnene protokolle der weg sind, mit denen technisch komplexe sachen irgendwann mal akzeptanz finden können.
mit protokollen kann ich mit den sachen entweder machen was ich will oder etablierte, stabile systeme eines herstellers meiner wahl nutzen. im fall von heimautomatisierung zum beispiel home assistant, homekit, google home oder dieses alexa-gedöns.
wedium hat den schuss offenbar nicht gehört. wedium, das ich seit der republica „testen“ darf, erscheint mir als das langweiligste, verschlossenste und nutzloseste „soziale Netzwerk“ der welt.
im web ist wedium nicht zugänglich, beiträge sind auch nicht ausserhalb der app teilbar. der share-button in der app kopiert lediglich eine url des beitragsbildes. ich kann auf ios noch nicht mal aus der photos-app ein bild per share-button zu wedium sharen. nicht eine schnittstelle habe ich in der beta-version der app gesehen.
aber das ist neben dem „sozialen“ der ganze witz an einer netzwerk app: dass man sie vernetzen kann, dass man mit APIs spielen kann, potenziale ausloten kann, dass man als nutzer die app besser machen kann, indem man mit auf dem netzwerk rumhackt. völlig unverständlich, dass man bei wedium glaubt nicht nur das rad netzwerk neu erfinden kann, sondern dass man es auch von null auf besser machen könne.
so überwältigt ich in den letzten paar tagen vom AT-protokoll war, davor ganz ähnlich vom fediverse und activityPub fasziniert war, so unterwältigt bin ich von wedium.
wenn wedium schon das marketing verkackt, wie soll das dann erst mit der eigentlichen maschine klappen? bei der konkurenz? also konkret den grossen (über-) mächtigen plattformen und den vielen kleinen, spannenden, lebhaften und dynamischen projekten, die auf offenen protokollen aufsetzen.
spannende zeiten, aber höchstwahrscheinlich nicht für wedium.
mit seinem ATmosphere login (zum beispiel dem von bluesky) kann man sich bei sehr vielen diensten anmelden. die daten dieser dienste werden teilweise bei diesen diensten gespeichert, aber hauptsächlich auf dem zum AT-login gehörenden PDS (personal data server). auf einem bluesky-PDS werden zum beispiel alle meine bluesky-beiträge gespeichert: pdsls.dev
weil ich mich zum testen in den letzten tagen bei sehr vielen dieser ATmosphere-diensten angemeldet habe, liste ich die hier mal auf, damit ich auch selbst den überblick behalte.
hier kann man (allen existierenden) standard.site beiträgen folgen, sie liken und teilen. wie ein RSS reader, ohne RSS. was ich sehr mag: rendert meine beiträge die ich auf dem PDS sichere sauber.
Reader für standard.site dokumente und RSS. rendert markdown nicht sauber, fühlt sich etwas sluggish und überladen an und ist derzeit nicht offen für anmeldungen. trotzdem vielversprechend.
reader der links aus bluesky-beiträgen und eigenen quellen zu einem feed aggregiert:
Sill finds the most popular links in your Bluesky and Mastodon feeds to give you a clear picture of what’s happening. It does this by watching your timelines for links that people post, and then aggregates them by the number of people who shared each link.
medienaktivitätstracker für filme (aber auch bücher, spilee, fernehen und musik). gerade erst angemeldet. wenn ich einen weg finde meinen medienkonsum den ich hier tracke dorthin zu aggregieren, mach ich da auch mit. wirkt auch etwas sluggish und buggy.
andrew von @theartofstirytelling erklärt nachvollziehbar warum manche geschichten von star trek zeitlose klassiker sind, die in der oberliga der erzählkunst mitspielen. und in einem 5 sekunden-schlenker zeigt er auch, warum das bei den aktuellen inkarnationen der serie oft nicht mehr funktioniert: die funktionieren oft deshalb nicht, weil sie die moralischen konflikte zu offensichtlich und zu eindeutig präsentieren. gute geschichten fordern ihr publikum heraus, indem sie nachvollziehbare gegensätze zeigen und die grenzen zwischen richtig und falsch ausloten.
gleich nachgekocht, auf ne art, und es war gut. vor allem gelernt: für so ein gericht ist es wirklich von vorteil alle zutaten in etwas gleich grosse stücke zu schneiden, die pfanne muss ordentlich heisse sein und alles ständig in bewegung bleiben. dann wird aus dem fried rice sogar ohne reis ein leckeres gericht.
abgesehen davon das federico viticci hier klüg über die neue siri nachdenkt (siehe zitat), hat er ein paar sehr tolle fotos an den artikel geklebt. insbesondere das bild von john ternus und tim cook sieht so ausgedacht aus, dass es fast zu promtig als wahr sein könnte. isses aber nicht.
The new Siri AI is, of course, reminiscent of a chatbot at a surface level. And yet unlike Claude, ChatGPT, or Gemini, the chatbot is not the product here: the chatbot is merely one of the shapes the new Siri AI can take. “It’s a feature, not a product”, Jobs would quip. The new Siri uses a collection of LLMs to deliver a personal assistant experience that, unlike others, can tap into the rich tapestry of device context and app data that other chatbots can’t aspire to. It can work with voice, it can work with text; it can be a glassy bubble in the Dynamic Island, and it can be an app. I saw Siri pull up messages from months prior and compare responses in tables generated on the spot. I saw Siri cross-reference an Apple note against an email and provide a useful response in about five seconds. It was Siri, but it also didn’t feel like Siri.
Be willing to say no in the face of abundance. Be afraid to say yes and proud to say no. Be as proud of what you didn’t do to the codebase, as what you did do to it.
Das Gedankenspiel, was eigentlich anders wäre, wenn Frauen an der Macht wären, führt Ladies First in eine Welt, in der Frauen sich komplett egoistisch verhalten und nur auf ihr eigenes Wohl bedacht sind. Sie übernehmen keine Verantwortung für Sorgearbeit, belegen selbstverständlich alle Führungspositionen, fördern sich nur gegenseitig. Männer betrachten sie als ungleichwertig, als Lustobjekte, die hübsch anzusehen, aber nicht ernstzunehmend sind.
Selbst als Spiegel des Patriarchats wäre das äußerst plump und vielleicht in den 1950ern als gelungene Satire durchgegangen.
der titel von HotD staffel 3 hat auf deutsch 6 silben („siegen oder sterben“), während er auf englisch 3 hat („win or die“). verspricht trotzdem langweilig zu werden:
andrew von @theartofstirytelling erklärt nachvollziehbar warum manche geschichten von star trek zeitlose klassiker sind, die in der oberliga der erzählkunst mitspielen. und in einem 5 sekunden-schlenker zeigt er auch, warum das bei den aktuellen inkarnationen der serie oft nicht mehr funktioniert: die funktionieren oft deshalb nicht, weil sie die moralischen konflikte zu offensichtlich und zu eindeutig präsentieren. gute geschichten fordern ihr publikum heraus, indem sie nachvollziehbare gegensätze zeigen und die grenzen zwischen richtig und falsch ausloten.