als ich am dritten tag auf die #rp25 kam war mein erster gedanke: ups schon wieder vorbei? ich glaub ich hab da ne philosophische fehlschaltung, für mich wohnt dem anfang auch immer schon das ende inne, bzw. mir fällt es schwer diese inhärenz zu ignorieren.
gegen 13:40 uhr versuchten noch ein paar mehr leute den regen zu ignorieren
mit dem wetter hab ich auch philosophiert. so gegen 15:40 uhr tröpfelte es ein bisschen und alle hatten den hinterhof verlassen. das war meine gelegenheit den regen zu ignorieren. ich setze mich auf eine feuchte mauer, ignorierte den feucht werdenden hintern und packte mein proviant aus. während ich ass, beobachtete ich die food-trucks/stände und hatte ein bisschen mitleid mit den bedienenden. die hatten nämlich genau niemanden zu bedienen und standen gelangweilt — immerhin trocken — hinter ihren tresen. und wahrscheinlich hatten sie ein bisschen mitleid mit dem alten, bärtigen mann, der da im regen sass und ass.
als ich fertig mit dem essen war, füllte sich der hinterhof wieder.
später dann so gegen 18 uhr wurde der himmel dann auch wieder dramatisch.
inhaltlich fand ich den dritten tag spannend, weder under- noch overwhelming, sozusagen genau richtig. gesehen habe ich:
Also meine Forschung kommt eigentlich zu etwas anderen Resultaten. Ich glaub dass man den Unternehmen nicht zu viel Macht zuschreiben sollte. Die haben natürlich Macht, aber die Meinungsbildung die wird nicht durch die Algorithmen allein bestimmt. […] Ich will nicht dagegen sprechen dass die großen Plattformen heute zu mächtig sind. Aber ich denke man muss schon differenzieren und auch gucken dass man sie nicht mächtiger redet als sie eigentlich sind. […] Das ist nicht so eine einheitliche homogene Kraft oder Macht wie hier im Moment der Eindruck erzeugt wird.
(fettung von mir) es gab dann noch ein etwas unangenehmes hin und her zwischen martin andree und jeanette hofmann, aber eigentlich, so aus der distanz beobachtet, scheinen sich alle einig zu sein, dass die plattformen mehr reguliert werden müssten, bzw. die vorhandenen werkzeuge, die die EU geschaffen hat, auch in deutschland eingesetzt werden sollten (was noch nicht der fall ist, wie jeanette hofmann anmerkte). die grosse frage ist welche art der regulierung und wie bekommen wir da politischen und gesellschaftlichen konsens?
danach habe ich mir noch jeanette hofmanns solo-session angeschaut. was soll ich sagen: schön differenziert, sauber argumentiert, nachvollziehbar und ich bin mit neuen erkenntnissen raus.
katharina nocun und Unterschätze niemals die Macht der Verdrängung! gefiel mir gut, obwohl solche „tut was, arsch hoch!“ vorträge natürlich auch immer das potenzial haben, einem die gute laune zu verderben. aber die folien gefielen mir und die geschichte von wem sie sie den „Unterschätze niemals die Macht der Verdrängung!"-spruch hatte gefiel mir auch.
huch. das wars schon? ich glaub ich hab noch in ein paar andere sessions reingehört, aber soweit ich mich erinnere, war da nichts berichtenswertes dabei.
ich glaube aber für tag 2 die session von sarah bosetti noch nicht erwähnt zu haben. das war äusserst amüsant, obwohl, oder gerade weil sie ziemlich witzige sachen vorgelesen hat.
loosysays.com: 28.05.2025 – Letzter Tag re:publica „Marcus John Henry Brown, der eindrucksvoll zeigt, wie man eine gute Präsentation hält und trotzdem happy und mental gesund bleibt (grob zusammengefasst, in den 30 Minuten steckt noch sehr viel mehr, von beeindruckenden Zahlen über gutes Storytelling bis zu witzigen alten Fotos, unbedingt nachgucken!)“ → videolink
am zweiten tag republica fühlte ich mich gut unterhalten. in jeder hinsicht; ich habe mich viel mit wenigen leuten unterhalten und einige unterhaltsame sessions gesehen und gehört. ausserdem war ich sehr zufrieden mit dem catering, weil es aus eigenproduktion kam.
auch wenn das jetzt vielleicht nicht viel appetitlicher aussieht als der 12-euro-burger gestern, waren das tabouleh und die beyond-burger-frikadelle 100% befriedigender und 70% günstiger als gestern. das tabouleh hatte ich mir nach dem morgenspaziergang mit frida schnell zusammengeworfen (100g ccouscous, ¼ gurke, eine spitzpaprika, eine rote zwiebel alles in kleinste sido¹⁾-würfel geschnitten). seit beyond burger bin ich wieder zum teilzeitfan von hochverarbeiteten lebensmitteln geworden.
gesehen habe ich:
Ricarda Lang im Gespräch mit Johnny Haeusler und Heidi Reichinnek im Gespräch mit Johnny Haeusler, ricarda lang hab ich mir an gänze angesehen und heidi rechinniek nur kurz, weil zu voll (der saal). aber ich gehe davon aus, dass auch das zweite gespräche eine freundliche plauderei zwischen politik profis und einem republica profi war. das selbst auferlegte „sie“ war einerseits etwas holprig, andererseits finde ich den distanz-aspekt des siezens in diesem rahmen gut (auch wenn johnny daruf besteht, es sei ein zeichen von respekt. vielleicht kann man sich auf „respekt-abstand“ einigen?)
martin andree, der in seinem gedenken an david golumbia erklärte, dass wir das internet in den letzten zwanzig jahren und den letzten 17 republicas völlig falsch verstanden haben. gäbe es einen preis für flache und emotional vorgebrachte pseudo-evidenzen (danke diedrich diederichsen für das wort) martin andree hätte ihn gewonnen. teilweise kam ich mir vor wie in einem erich von däniken vortrag: „das versteht doch jeder innerhalb von 20 minuten! ist doch klar!“ der vortrag war intellektuell so flach, dass martin andree mehrfach erwähnen musste, dass er medienwissenschalftler sei — wahrscheinlich in der hoffnung, dass er damit das gefühlte niveau des vortrags etwas höher schrauben könnte.
ich bin mir noch nicht sicher, ob ich mir die mühe machen will, mich mir dem vortrag nochmal im detail auseinander zu setzen und ob es nicht reicht schwache argumentationsmuster auch einfach genau so lieblos mit stilkritik zu bedenken und links liegen zu lassen.
christopher coenen, der über übermenschen aus dem silicon valley reden wollte, dessen session ich dann allerdings nach 15 minuten verliess, weil er offenbar lediglich über sich, seine politische positionierung und damals™ redete wollte.
andré frank zimpel, der über neurodiversität und KI reden wollte, aber dann mehr oder weniger ausschliesslich über neurodiversität redete. es war zauberhaft ihm dabei zuzuhören wie er über seine eigene neurodiversität redete, über die neurodiversität als forschungsgegenstand und wie die welt neurodiversität immer noch pathologisiert. er warb dafür die chancen zu entdecken, die mit neurodiversität einhergehen und fragte — sehr kluge rhetorische frage — ob es klug sei zu versuchen IQ zu messen. sehr schönes zitat (in meinem worten): „die abwehr von hackerangriffen ist arbeit mit checklisten. hacken ist arbeit mit bildern.“
wenn ich das so lese ergibt das wenig sinn, weshalb ich sehr empfehle den ganzen vortrag anzuschauen (das ist sein vortrag aus dem vorjahr — zum gleichen thema)
michael seemann und susann kabisch die über den preis der rebellion, wege in den widerstand und sense8 und andor geredet haben. die beiden hatten sich aus meiner sicht ein bisschen viel vorgenommen: je zwei staffeln anspruchsvolle fernsehkost zusammenzufassen, zu interpretieren, eine synthese konstruieren, bzw. parallelen der beiden serien (und zusätzlich auch noch der matrix trilogie) herausarbeiten und dann auch noch eine antwort auf die selbstgestellt frage „Wie geht Widerstand?“ herausdestillieren. ich habe gehört dass die beiden ihren vortrag von vormals 90 minuten auf 50 minuten eingedampft haben, aber ehrlich gesagt waren das immer noch 30 minuten zu viel. immerhin war platz für einen ziemlich guten gag, nämlich dass dedra meero von alice weidel gespielt wurde. insgesamt bin ich wahrscheinlich auch nicht geeignet den vortrag gerecht zu beurteilen, weil ich — zumindest in sachen andor — von youtube verdorben bin. ich teile (wahrscheinlich) die gleiche begeisterung der beiden für die serie andor und halte sie für eine der klügsten und differenziertesten abhandlungen zum thema rebellion die jemals auf unsere bildschirme gestreamt wurde. dehalb habe ich einerseits jede folge gesehen, über jede folge selbst nachgedacht und zusätzlich noch mit hilfe von unzähligen youtube erklärbär-videos weiter drüber nachgedacht. eins davon hatte ich vor ein paar wochen auch mal verlinkt.
ansonsten herrschte wieder kaiserwetter und ich habe auch ausserhalb der sessions die eine oder andere inspiration mitgenommen.
als ich diese beiden zwei bürokratiemonster (die vor deregulierung warnen) sah, musste ich (natürlich) an piff the magic dragon denken. jens empfahl mir die queer eye folge auf netflix, in der piff „in behandlung“ ist. ich glaube das könnte mir gefallen.
ansonsten ist mir aufgefallen, dass wir in der tat dringend eine funktionierende blogsuchmaschine brauchen. ich tue mir sehr schwer blogs zu finden, oder besser ausgedrückt, berichte von #rp25-teilnehmenden zu finden, die sie ins internet geschrieben haben. für den tag 1 habe ich (stand 28.05.2025 11:45h) zwei artikel gefunden und in meinen #rp25 tag 1 links verlinkt. tipps nehme ich gerne an, per mail, mastodon oder bluesky.
fussnoten
„sido“-würfel ist ein schlechter insider gag für alle die gelegegentlich kitchen impossible gucken und die ausversehen die jubiläumsfolge gesehen haben, in der sido 30 minuten eine gurke in feinste würfel schnippselte.
der erste eindruck den ich auf der #rp25 hatte: schlange stehen ist das diesjährige motto. ich kam so gegen mittag, da waren schlangen vor allen „food trucks“, vor den getränkeständen die auch kaffee verkauften, vor dem leitungswasser-„automaten“ der berliner wasserbetriebe und am ausgang der bühne 1.
wasserspender der berliner wasserbetriebe (re-publica CC BY-SA 2.0)
zu den wasserautomaten der berliner wasserbetriebe habe ich ein gespaltenes verhältnis. ich freue mich über jeden menschen der leitungswasser trinkt und gekühltes leitungswasser ist natürlich besonders lecker. aber warum die leute davor schlange stehen ist mir ein rätsel. schliesslich gibt’s es leitungswasser auch aus zahlreichen hähnen auf den toiletten und sogar auf dem hof.
zweiter eindruck: eigentlich so wie immer. tolle mischung von jung und alt, bunt und grau, munter und müde. und bombenwetter.
also erstmal in den hinterhof setzen, sonne geniessen und versuchen im sonnenlicht den handybildschirm zu lesen. dank volker weber (kein link, bluesky-kommentare löscht volker offenbar nach ein paar tagen) verstehe ich jetzt auch, warum ich bei praller sonne auch ohne lesebrille lesen kann (hell → kleine pupille → mehr tiefenschärfe).
beim durchscrollen durchs programm des ersten tages weckte nichts wirklich mein interesse, aber der alte trick funktioniert nach wie vor: einfach ein bisschen herum-serintipisieren und schauen wo man hängenbleibt.
hängengeblieben, aber zu spät gekommen, bin ich bei roland meyer und „Generative KI und die Ästhetik des digitalen Faschismus“. das war stringent und eloquent vorgestragen und wenn ich es nochmal auf youtube angeschaut habe, werde ich mich — glaube ich — ein bisschen am inhalt reiben.
bei „Machtfaktor Social Media – gestern war der beste Tag, mit Regulierung die Demokratie zu bewahren“ mit chan-jo jun und jessica flint kam ich mir vor wie in einem der gut geschriebenen amerikanischen serien-gerichtsdramen, in denen brilliante schauspielerInnen sehr gut geschriebene plädoyers vorspielen die einen nachdenklich machen. manche juristen schaffen es ohne jede disharmonie zu argumentieren, alles was sie sagen scheint sinn zu ergeben und schlüssig zu sein, ich war bezaubert von chan-jo jun. aber genau deshalb regte sich auch innerer widerstand in mir oder zumindest das grosse bedürfniss nochmal etwas tiefer über seine forderung nach viel strengerer plattform-regulierung von online meinungsäusserungen nachzudenken. das argument, dass das was plattforen wie facebook oder twitter bei der generierung von timelines machen redaktionell sei — und „plattformen“ deshalb anders zu belangen seien als bisher ergab aus seinem mund sinn, aber auch da würde ich gerne nochmal drüber nachdenken.
ich wollte all das was mir nicht so dolle gefallen hat einfach auslassen und nichts drüber schreiben (altersmilde oder vergreisung?), aber als ich an stage 1 vorbeikam, während bernhard pörksen redete, formulierte ich bereits in meinem kopf, dass ich den pastoralen, ambitionierten, von rhetorischen fragen durchwirkten vorlesungs singsang nicht ertrage. das ist wahrscheinlich ein schwäche meinerseits, für die pörksen nix kann — oder eben doch.
trotz des reichhaltigen frühstücks und einem stück kuchen zwischendurch (danke alex) bekam ich so gegen 17 uhr doch ein bisschen appetit und wollte mal einen der burger ausprobieren für den offenbar durchgängig sehr viele leute anstanden. auf der republica herschat ja schliesslich wisdom of the crowd, oder?
nach dem burger zog es mich dann nach hause, weil ich lust zum bloggen verspürte, bzw. an meinem kirby spielen wollte (SCNR). als ich auf dem #rp25-hinterterhof sass, dachte ich tatsächlich noch eine ganze weile über heikos frage nach, warum ich denn keine kommentare hätte. tatsächlich hatte ich vor ein paar tagen angefangen isso zu installieren, weil es eine disqus-importfunktion hat und ich meine „legacy“ kommentare aus den vergangenen jahren mindestens nochmal sichten wollte. auf dem hinterhof überlegte ich, dass ich ja eigentlich auch den isso-importer anpassen könnte, um die disqus-kommentare gleich in kirby (bzw. marcel rencks komments-plugin) importieren könnte. naja, ich denke auch da erstmal weiter drüber nach.
ansonsten auch dieses jahr wieder ein grosses vergnügen mit den pfeiltasten durch den re-publica-flickr-foto-stream zu eilen. ich freue mich auf die 20 schrillionen videos auf dem republica youtube-kanal. und auf den zweiten und dritten tag freue ich mich auch. ich glaube morgen nehm ich mir dann aber ein paar gebratene, erkaltete beyond-burger in der brotdose mit.
öffentlich über menschen zu schreiben die einem wichtig sind, die einem viel bedeuten, ist wahnsinnig schwer. deshalb haben die menschen fiktion als literarisches werkzeug erfunden. auch fiktional über die eigenen gefühle anderen menschen gegenüber zu schreiben ist schwer, aber die zusätzliche distanz hilft einem das eine oder andere problem zu umschiffen.
beim lesen von Julia wusste ich nach fünf minuten dass julia am ende des textes nicht mehr leben würde und dass der text nicht (wirklich) fiktional ist.
konstantin, der den text schrieb, behauptet ja auf seiner about-seite auch, das seine text-sammlung „privat und fiktional“ sei. das ist genauso wahr wie meine vorherige behauptung, dass der text nicht (wirklich) fiktional sei. denn bekanntlich ist alles, auch die kohlenstoff-welt fiktional und virtuell, oder populärer ausgedrückt: subjektiv und konstruiert. realität, das oft romantisierte „real life“, ist eine virtuelle konstruktion einzelner und (durch kommunikation) vernetzter gehirne.
aber darauf wollte ich gar nicht hinaus. ich wollte darauf hinaus, wie befreiend — ja, kathartisch — es sein kann, über menschen zu schreiben, die einem viel bedeuten. ich hatte vor vielen jahren das starke bedürfnis alte freunde und freundinnen einerseits wieder zu sehen und andererseits darüber nachzudenken warum sie mir wichtig waren und sind. und weil ich beim schreiben am besten nachdenken und gedachtes verdauen kann, wollte ich eben auch über meine alten freunde schreiben.
auch wenn wir mittlerweile so gut wie jeden menschen innerhalb von sekunden auf einem bildschirm oder lautsprecher vor uns erscheinen lassen können, wenden wir diesen technik-trick selten an.
2016 nahm ich mir im frühjahr ein paar tage frei um so viele alte freunde wie möglich zu besuchen. viele der freunde freuten sich, aber einige waren auch darüber erschrocken, wenn ich andeutete, dass ich darüber vielleicht schreiben würde. im anschluss an die reise schrieb ich ein paar textfragmente, aber veröffentlichte keinen einzigen text. das schreiben fiel mir auch wahnsinnig schwer, es war unfrei und im hinterkopf lungerte immer der gedanke, was könnte sie oder er darüber denken?
auch über verstorbene freunde zu schreiben ist nicht leicht, aber an konstantins text merkt man dass es leichter ist und eigentlich (sowieso) mehr über einen selbst verrät, als über die andere person. und das ist auch das grossartige an diesem „genre“. es ist die ideale methode über sich nachzudenken ohne egozentrisch zu wirken. ich habe konstantins text jetzt mehrfach gelesen, auch um zu verstehen, warum mir der text so gut gefällt oder warum dieses „genre“, texte über alte freunde, so gut funktioniert und meine euphorie-saiten zum klingen bringt. wahrscheinlich liegts auch an der unprätentiösen, undramatischen sprache, die einem gerade deswegen umso näher geht. beiläufig und existenziell zugleich.
ich weiss nicht mehr ob ich kristof 2016 besuchte oder irgendwann später, aber ich war sehr froh darüber mit ihm nach vielen jahren nochmal kontakt aufzunehmen. wir hatten uns zwischenzeitlich immer mal wieder bei jubiläums- oder trauerfeiern gesehen, aber nie wirklich miteinander gesprochen oder sachen geteilt. auch über mein treffen mit kristof schrieb ich im anschluss ein paar fragmente auf, ohne sie zu veröffentlichen. als er dann letztes jahr starb überarbeitete ich die fragmente ein bisschen und veröffentlichte den text.
meinen freund heiner hatte ich zuletzt 2019, zu seinem 70sten geburtstag besucht. das war sehr schön, auch weil viele andere alte freunde aus fulda, aus meiner zivieldienstzeit, dort waren. irgendwann fragte ich heiners neue freundin, ob christine denn auch kommen würde. oh, ob mir das niemand gesagt hätte, die sei vor ein paar jahren verstorben. christine hatte ich auch schon fast 20 jahre nicht mehr gesehen, obwohl sie gelegentlich versuchte den kontakt aufrecht zu halten und mich gelegentlich anrief. hat dann irgendwie nie geklappt, dass wir uns mal verabredeten oder wenn ich dann mal in fulda war, war immer irgendwas anderes oder heiner.
ich hatte immer ein eigenartig tiefes bedürfnis heiner in fulda, in der rhön zu besuchen. einerseits weil ich damals™ so viel zeit dort verbracht hatte, weil es dort so schön war und ich mit heiner so gerne zeit verbrachte. ich wollte ihm auch frida vorstellen und zeigen was für ein toller hund aus ihr geworden war. heiner hatte uns quasi, am morgen nach seiner 70. geburtstagsfeier, absolution erteilt einen pudel zu kaufen. hunde in der stadt fand er nicht so toll, aber ein pudel, das sei fein.
bevor frida und ich heiner nochmal besuchen konnten, erreichte mich vor zwei oder drei jahren die nachricht, dass auch er verstorben sei. kurz vorher, genauso unerwartet, war meine schwester gestorben. ich bin mit trauer nicht besonders gut. ich bleibe so um die drei bis zehn jahre in der denial/leugnungsphase stecken und überspringe dann irgendwann die anger, bargaining und depressions-phasen um zu so was wie akzeptanz zu kommen.
und ich glaube der zeitpunkt der akzeptanz ist (bei mir) genau dann erreicht, wenn ich in der lage bin die bilder dieser menschen von meinem inneren auge zu lösen und in eine textform zu bringen. dann hoffe ich auch dazu in der lage zu sein, heiners kindern und ehemaligen lebenspartnerinnen zu schreiben und mein (wirklich) tief empfundenes beileid zu bekunden.
zufällig freue ich mich nämlich tatsächlich seit ein paar wochen darauf endlich über heiner und elena schreiben zu können, katharsis und so.
ein schwierigkeitslevel höher als einen text über verstorbene freundinnen oder freunde ins internet zu schreiben, ist eine trauerrede. am abend vor kristofs beerdigung sass ich vor einem dunklen, leeren blatt (darkmode, doo), weil kristofs eltern mich gebeten hatten auch was zu sagen.
während ich mir einen text aus den fingern zu saugen versuchte, rief ich erstmal meine lieblingsfreundin gita an. nach dem gespräch mit gita — und wohl auch dank gita — machte es irgendwann zweimal klick bei mir im kopf und ich bildete mir ein, je einen ganz wichtigen aspekt von kristof verstanden zu haben und — räusper — von saint-exupérys kleinen prinzen.
bis jetzt habe ich den text (offensichtlich) nicht veröffentlicht, aber vielleicht ist jetzt ein guter zeitpunkt. das ist der text, den ich während der trauerfeier vortrug.
ich hab mit kristof ja sehr viel zeit verbracht als wir jung waren und (leider) sehr wenig zeit, als wir älter waren.
als ich kristof zum ersten mal getroffen habe, so erzählen es zumindest unsere eltern, hab ich ihn erstmal umgeworfen. ich vermute ich wollte ihn knuddeln oder auf die schulter klopfen. kristof war damals, vor über 50 jahren, zart und feingliedrig — und ich — schon damals — nicht. ich habe auch als kleines kind schon so ausgesehen — nur kleiner.
in den folgenden 10 oder 12 jahren haben wir sehr viel zeit miteinander verbracht. bei einem grossteil meiner kindheitserinnerungen ist kristof mit auf dem bild.
apropos erinnerungen. man muss da ja aufpassen, weil man sich erinnerungen oft und gerne zurechtbiegt oder schönmacht. aber ich kann mich tatsächlich nicht daran erinnern, dass kristof und ich uns jemals gestritten haben.
ich erinner mich daran viele meilensteine meiner kindlichen entwicklung gemeinsam mit kristof erreicht zu haben.
am jugoslawischen strand haben wir uns gemeinsames weitpinkeln beigebracht (allerdings hat anja weiter gepinkelt als wir)
in der badewanne in lichtenbusch haben wir uns beigebracht unter den armen zu furzen
und im kindergarten und hort haben wir unsere superkraft (!) entwickelt, und verfeinert, autoritätspersonen in den wahnsinn zu treiben — und trotzdem von ihnen gemocht zu werden.
wo wir uns unterschieden, war unsere risiko-affinität. wenn kristof (und anja) auf bäume oder felsen kletterten, blieb ich unten. ich war schon als kind eher ein schisser. kristof nicht. kristof war mutig, vielleicht sogar übermutig. dieser mut hat ihm schon als kind viele narben und genähte platzwunden beschert. tatsächlich war es so alltäglich, dass kristof sich löcher in seinen körper schlug, dass ich mich noch sehr genau an ein gespräch bei uns am esstisch erinnere, als meine mutter erzählte, dass kristof in einen stacheldrahtzaun gefallen sei. statt mit: „oh je, der arme!“ reagierten wir mit: „oh je, schon wieder?“
gefahr, risiken, grenzen waren für kristof herausforderungen, um zu schauen was dahinter liegt. was passiert, wenn man noch einen, zwei, zehn schritte weitergeht?
wirklich gut kenne ich nur den jungen kristof, den älteren kristof habe ich zwar ein paar mal getroffen und informationen aus zweiter oder dritter hand erfahren, aber das reicht eigentlich nicht, um etwas substanzielles über den älteren kristof zu sagen.
aber das hindert mich natürlich nicht, trotzdem zu spekulieren. schliesslich kenne/kannte ich ja viele seiner potenziale, die seit seiner kindheit in ihm schlummerten oder bereits zum vorschein traten.
und es ist eigentlich gar nicht spekulativ zu sagen, dass kristof ein riesiges kreatives, handwerkliches und künstlerisches potenzial hatte — und entwickelt und gezeigt hat. ein gutes beispiel ist der adler den er in seinem ehemaligen kinderzimmer an die wand gemalt hat. das adler-bild fanden alle super die es gesehen haben, aber es war nicht ganz fertig. dem adler fehlten die füsse. kristof analysierte das mal selbst und sagte, dass die fehlenden füsse ja vielleicht ein bisschen symbolisch für sein leben sein könnten, dass ihm auch ein bisschen der halt, die bodenfühlung fehle.
ich seh das einerseits anders und andererseits genauso. zum einen glaube ich, dass die beste kunst oft unvollendet, unvollständig ist und es dem betrachter überlässt sie zu vervollständigen oder weiter zu denken. aber viel wichtiger: um gute, unvollständige arbeit abzuliefern, braucht man einen sinn und den blick fürs wesentliche. und diesen blick für das wesentliche hatte kristof, auch, und das ist seltener als man denkt, weil er mit seinem sehr grossen herz sehen konnte. kristof war ein empathie-monster.
ich hab gestern mit gita gesprochen. gita ist meine lieblings-ex-freundin und gita war auch mal eine ganze weile mit kristof zusammen (kristof und ich haben also nicht nur unsere kindheit geteilt, sondern auch unsere liebe zu gita). gita erzählte mir, dass sie kristof kennenlernte, als er sich um seinen (damals) kleinen bruder leif kümmerte. sie erzähte mir, wie beeindruckt sie davon war, wie sich kristof um leif kümmerte. kristof sei damals schon nicht nur super kinderlieb gewesen, sondern hatte echtes interesse an seinem kleinen bruder. gita sagte er hatte die fähigkeit das wesentliche in leif zu sehen, leif als menschen, als persönlichkeit zu erkennen und zu behandeln — und nicht nur als kleines kind.
das ist nur eine kleinigkeit, aber wenn man sich umguckt in der welt, ist diese fähigkekt gar nicht mal so weit verbreitet. man braucht schon ein wirklich grosses herz, damit das herz über den tellerrand der eigenen befindlichkeiten hinaussehen kann, auf die befindlichkeit der anderen, eben auf das wesenliche.
ich glaube auch, spätestens als kristof eine familie gründete, wuchsen dem adler im kinderzimmer füsse.
als ich kristof vor ungefähr 10 jahren nach langer zeit nochmal traf, notierte ich mir danach, dass ich mir kristof als einen glücklichen menschen vorstelle. das leben in das er hineingeworfen wurde, das leben in das er sich selbst mit seiner sehr speziellen art von risiko-affnität katapultierte, bot ihm nicht immer die besten rahmenbedingungen.
aber ich stelle mir vor, dass kristof die schattenseiten seines lebens ausblenden konnte, so wie er jedesmal wenn er hinfiel lachte — und wieder aufstand. immer wieder.
er erkannte das wesentliche. für andere zu sorgen verlieh ihm füsse — und erfüllte ihn mit glück.
und auch wenn das alles spekulativ ist — so behalte ich kristof jedenfalls in erinnerung.
während meines architekturstudiums haben wir oft architektonisch bemerkenswerte bauten besichtigt. wenn architekten ihre bauten aus der hand geben und die kontrolle an die nutzenden übergeben, sieht man bei diesen besichtigungen auch immer wieder wie sich die ideen und konzepte der architekten und die der nutzenden auseinanderentwickeln. ein klassiches beispiel ist ein schirmständer in eiche rustikal in einem puristischen, vollverglasten white cube vestibül. wir haben das damals immer „geschenke an die architekten“ genannt.
ich habe in meinem studium zwei strömungen bei der gestaltung wahrgenommen, die pragmatischen und die ambitionierten gestalter. tatsächlich hatte ich schon vor dem studium einen text über peter hübner gelesen, in dem beschrieben wurde wie er eine schule nicht für die schüler baute, sondern mit den schülern (und allen anderen beteiligten). das bedeutet, dass der entwurfsprozess viele umwege, vielleicht auch irrwege beinhaltet, aber eben auch das potenzial für entdeckungen.
der entwurfsprozess für die tramhaltestelle am hauptbahnhof dürfte etwas anders ausgesehen haben. bei den tragwerks-ingenieuren liest sich das so:
So kann sich das Dach stützenfrei zu den Gleisen öffnen. Die Traufkanten folgen der statischen Ideallinie und bilden einen eleganten Schwung. Der helle monolithische Sichtbeton des Daches schwebt über dem anthrazitfarbigen Boden aus Beton-Großformatplatten. Die einheitliche Gestaltung mit einem Material lässt die Haltestelle trotz der dynamischen Form schlicht wirken. Durch die eigene Formensprache entzieht sich der Entwurf der Konkurrenz mit der umliegenden Bebauung und behauptet sich selbstverständlich im städtebaulichen Umfeld.
wogegen sich der entwurf allerdings nicht behaupten kann, sind ergänzungen des entwurfs durch die nutzenden. ganz offensichtlich wurden statik und materialität im entwurf mehr beachtung geschenkt, als pragmatische überlegungen, zum beispiel zu stauraum.
strassenbahnhaltestelle hauptbahnhof mit holz-verschlag
ich vernute die holzverschläge dienen der unterbringung von reinigungsmaterialien. sie wurden auf beiden seiten „angebaut“
holzverschlag vs. „statische Ideallinie“
jony ive hat kürzlich in einem bemerkenswerten und sehenswerten interview gesagt, dass ein produkt für ihn hässlich sei, wenn es nicht funktioniere. ich würde nicht sagen dass die haltestelle am hauptbahnhof hässlich sei, aber man kann auch davon ausgehen, dass sie für die nutzenden, zumindest im moment, nicht funktioniert.
das jony-ive-interview habe ich sehr gerne angesehen. als er auf die bühne kam, lief meine vorurteils-mschine an; ein satter, weisser, reicher alter sack der sich jetzt in seiner nach-apple-zeit ein bisschen feiern lassen will. aber schon nach wenigen sekunden wurde klar, jony ive ist überhaupt nicht satt, er ringt mit den worten, nicht weil es ihm schwerfällt zu reden, sondern weil er präzise und phrasenfrei formulieren will. man erkennt die leidenschaft, die in ihm brodelt wenn es um gestaltung geht und dass ihn das thema gestaltung nicht ruhen lässt, im wahrsten sinne des wortes auch nicht still sitzen lässt. deshalb guck-empfehlung für das ive-interview und leseempfehlung zu diesem interview mit peter hübner.
nachtrag 29.06.2025: es zeigt sich, wahrscheinlich dank der stürme der letzten wochen, dass die holzverschläge nicht besonders stabil gebaut wurden und offenbar nur die dutchgänge zu rolltreppen versperren sollen. wäre trotzdem vielleicht besser gewesen, auch mit den temporären zugangssperren leute zu fragen, die sich mit sowas auskennen, architekten oder bauingenieure zum beispiel.
abgerissener holzverschlag an der tramhaltestelle am hauptbahnhof
als kind bin ich irgendwie an einen aufkleber gekommen, auf dem stand „Ich bin Energiesparer“. weil aufkleber zum aufkleben sind, klebte ich den aufkleber an mein bett, neben die nachttischlampe. nun war ich energiesparer.
irgendwann wies mich meine oma darauf hin, dass energiesparer das licht ausschalten, wenn sie es nicht brauchen. damals brauchte eine nachtischlampe noch 30 oder 60 watt und ich musste ihr, trotz der trotzphase in der ich mich die ganzen achtzigerjahre befand, recht geben.
Der Bundeswirtschaftsminister bittet Sie, nun auch zu zeigen, daß Sie mitmachen.
irgendwann später in meinem leben entwickelte ich eine regelrechte aversion gegen aufkleber wie „Ein Herz für Kinder“ oder „Erst wenn der letzte baum gerodet ist …“-aufkleber, die absurder weise besonders gerne auf autos geklebt wurden. ich hatte den eindruck, dass diese aufkleber den gleichen zweck verfolgen wie spendengalas oder ablasshandel: man bekundet öffentlich eine bestimmte haltung, zahlt gegebenenfalls irgendwo etwas ein, muss dafür aber nichts ändern, nicht aktiv werden, nicht weiter ernsthaft über das eigentliche problem oder gar lösungen nachdenken.
ich hab nichts gegen haltung, im gegenteil. ich finde es auch nicht schlecht, wenn man seine haltung öffentlich bekundet. das problem mit haltung ist, dass haltung kontinuierliche aktivität erfordert. man sieht das, wenn man über körperhaltung nachdenkt: es reicht nicht zu sagen „ich gehe aufrecht“, man muss es dann jede minute seines lebens auch tun.
haltung turnt man nicht mal kurz in der turnhalle vor, haltung sollte man dann auch ausserhalb der turnhalle beibehalten, sonst isses eben keine haltung, sondern eine pose.
haltungen, die mit aufklebern oder fahnen öffentlich kundgetan werden, haben auch eine symbolische wirkung; was ist wenn der ein-herz-für-kinder-aufkleber am auto verwittert? bedeutet das dann, dass das herz für kinder auch etwas verwittert oder verblasst ist?
jahrelang bin ich an dieser „black-lives-matter“-fahne vorbeigegangen die langsam vor sich hin verblasste. ich habe mich immer gefragt ob ich der einzige bin, der in verblassende fahnen etwas reininterpretiert. jedenfalls hat die fahne jetzt ihre halt(er)ung verloren und ursprünglich wollte ich nur dieses bild mit der bildunterschrift „wenn die black-lives-matter-fahne nicht mehr matters“ posten. aber dann hab ich mir gedacht, so ganz ohne kontext ist das ja doof. jetzt isses auch mit kontext doof.
wenn die black-lives-matter-fahne nicht mehr matters
offenlegung
ich hatte wortfindungstörungen, diesen absatz hatte ich etwas doof formuliert:
haltung turnt man nicht mal kurz in der turnhalle vor, haltung sollte man dann auch ausserhalb der turnhalle beibehalten, sonst isses eben keine haltung, sondern eine behauptung.
also habe ich chatGPT gebeten ein besseres wort für „behauptung“ zu finden. nicht nur war pose ein volltreffer, auch die erklärung liess mich bewundernd staunen:
Eine Pose ist – anders als Haltung – situativ, äußerlich und oft strategisch. Haltung hingegen ist etwas, das über den Moment hinaus trägt, sich auch unter Druck bewährt und nicht vom Publikum abhängig ist.
irgendjemand oder mehrere jemande haben gerade „blogwochen“ ausgerufen. ich bin mittlerweile in einem alter angekommen, in dem ich gedenk- oder feiertage, themenwochen oder #whateverfridays einfach ignoriere. wenn meine familie weihnachten feiern will und dazu festlich essen möchte, dann koche ich was festliches und schaue zu, wie man sich sachen schenkt. aber wenn es mir oder der beifahrerin danach ist, dann essen wir auch unter der woche festlich oder wir schenken uns einfach mal so was. ich freu mich dann zum beispiel total, wenn sie leckeren käse vom einkauf mitbringt und sie fragt, ob ich mich über mein geschenk (den käse) freue.
vielleicht ist ignorieren auch das falsche wort, ich versuche mich so gut es geht gegen marketingmassnahmen die von aussen auf mich einwirken zu immunisieren. weihnachten, cyberweek, namenstag, frohnleichnam, blogwochen, alles von marketing-füchsen ausgedachte sachen um ihr anliegen voranzubringen.
aber vielleicht isses auch ganz anders und ich mag massenveranstaltungen einfach nicht. aber dann müsste ich die republica auch meiden, aber die mag ich sehr gerne. oder wahlen, zu denen gehe ich auch gerne.
egal, was ich sagen wollte: für mich sind immer blogwochen. ausser es ist gerade irgendwas anderes, zum beispiel heimautomatisierungswoche oder ich-bin-gerade-bei-meinen-eltern-zu-besuch-woche. manchmal fummel ich monatelang an meinem blog und berichte davon alle paar tage, obwohl ich sehr gut weiss, dass das allerhöchsten ein paar andere blogger interessiert, die auch gelegentlich obsessiv an ihrem blog fummeln.
konstantin zum beispiel. der hat sich einen reader zusammengefummelt: in „daily reader 2.0 lebt“ schreibt er, dass ihm cursor ai dabei geholfen hätte und das finde ich spannend, weil mich open ai beim fummeln an meinem kirby unterstützt (pun intended). der reader ist hier: reader.konnexus.net und …
Ohne Notifications. Ohne unerledigte Aufgaben. Ohne “You have 254'435 unread items”
ich mag an konstantins reader auch, dass ich dort das sehe, was er gerne mag, also maximal persönliche empfehlungen, andere blogs sehe, die ich gegebenenfalls noch nicht kenne. blogrollen können das theoretisch auch, aber meistens fehlt denen eben der kontext, die aktualität, die soetwas wie konstantins reader, rivva schaffen oder früher gelegentlich google schafften: für mich relevantes sichtbar machen.
ich mag spezifische empfehlungen, nicht „guck mal auf youtube“, sondern „guck dir dieses video auf youtube an“, nicht „guck mal, blog oder website xy hat was neues geschrieben“, sondern „blog oder website xy hat gerade dieses zu jenem geschrieben und normalerweise schreibt xy interessante sachen“.
viele meiner lieblings-blogs hab ich übrigens aus meinen referern gefischt, also aus der matomo-anzeige, von wo besucher kamen. das prinzip jemand interessiert sich für dich, also könnetst du ihn auch interessant finden funktioniert gelegentlich wirklich. ich glaube so habe ich auch meine frau kennengelernt. sie hat sich für mich ineressiert, also begann ich mich auch für sie zu interessieren.
jetzt hab ich über acht oder neun absätze erklärt, warum ich zögere mich in blog-ringen oder einer bloggerrolle anzumelden, bzw. warum sich mir die interessanz oder der nutzen dieser mechaniken noch nicht erschlossen hat. viel lieber entdecke ich (mir) neue blogs darüber, dass mir jemand in seinem blog heftig widerspricht und meine unausgegorenen überlegungen zerpflückt. ich bezweifle, dass ich jemand interessantes oder mir vorher unbekanntes entdecke, wenn ich auf die aktuellsten einträge auf bloggerrolle.de klicke. oder umgekehrt glaube ich, dass sich die meisten die auf wirres.net klickten, wäre es dort aufgelistet, nach 30 sekunden wieder gelangweilt oder irritiert anderen tätigkeiten zuwenden als wirres.net zu lesen. das ist hier ja alles eher etwas gewöhnungsbedürftig oder wie man es auf englsich passender sagen würde, eher ein aquired taste.
heute gabs backofen-kartoffeln und ich (und die beifahrerin, aber auch frida) fanden die besonders gelungen. ich bilde mir ein, viel über kartoffeln in den videos aus der restaurantküche des fallow gelernt zu haben, insbesodnere durch dieses video über deren pommes und dieses über kartoffel-püree. das geheimnis ist die kartoffeln schonend weich zu dünsten und sie danach — wie soll ich sagen — etwas aufzurauhen. ich habe heute einfach unseren rest mehligkochende kartoffeln 20 minuten in den dampfgarer geworfen und sie danach etwas kleiner geschnitten, mit salz, olivenöl und rosmarin vermischt und sie dabei vorsichtig aber auch forsch vermischt. dabei haben sich auch ein paar kleinere stückchen gelöst, aber die wurden dann anschliessend im ofen (20 minuten bei > 200° C) zu knusprigen köstlichkieten. und der rest der kartoffeln war auch perfekt, aussen rau und knusprig, innen fluffig.
karneval ist auch son ding das ich seit 35 jahren nicht mehr verstehe. ich bin zwar im rheinland aufgewachsen und als kind fand ich es toll einen anlass zum verkleiden zu haben, aber ich frage mich eben seit 35 jahren, warum man nicht einfach immer genau dann übermässig viel trinkt, wenn einem danach ist übermässig viel zu trinken. welchen vorteil hat es, das in gesellschaft von hunderttausend „jecken“ tun? oder wenn einem danach ist, sich über die kleidung französischer soldaten zwischen 1794 und 1814 lustig zu machen, warum sollte man das nicht jeden tag tun können, wenn einem das wichtig ist?
warum ich karneval als jugendlicher zumindest interessant fand, lässt sich im nachhinein — finde ich — gut erklären. als 15 oder 16 jähriger ist man natürlich für jede gelegenheit zu trinken dankbar, aber vor allem ist man in dem alter vom FOMO getrieben, dem „fear of missing out“ oder der angst etwas zu verpassen. heute weiss ich, man verpasst bei der nicht-teilnahme am karneval nichts und sollte man doch etwas verpassen, lässt es sich problemlos jederzeit nachholen.
ich habe jetzt ja ziemlich deutlich gemacht, dass ich nicht vom FOMO getrieben bin und selten das gefühl habe, etwas zu verpassen weil ich bei x oder y nicht mitmache. aber einen grossen „fear“ habe ich schon, den FOBAGOWM, dem fear of becoming a grumpy old white man. ich finde es schrecklich, wenn menschen sich im alter damit beschäftigen sachen aufzuzählen die früher mal besser waren oder gründe suchen, warum heute alles dumm, kaputt, faul oder verkommen ist. tatsächlich finde ich alles um mich herum ziemlich gut, das bestätigt mir auch die beifahrerin regelmässig, wenn sie sich darüber beklagt, dass ich bei jeden scheiss immer das positive betonen muss. aber entscheidend ist: ich will nicht (mehr) an allem um mich herum teilnehmen.
das schöne am eigenen blog ist ja erlebtes gelegentlich wieder zu finden. so hab ich gestern diese perle (wieder) gefunden:
beifahrerin vor ner stunde: „mach mal fenster auf, riecht komisch hier!“ beifahrerin jetzt: „mach mal fenster zu, riecht komisch hier!“
heute früh sah ich ein paar flocken im haar der beifahrerin und fragte sie: „oh hast du jetzt auch schuppen?“
vor ein paar tagen hab ich über unser auto geschrieben und dass ich die ladestopp-planung mit abrp (a better route planner) mache. ich war der überzeugung, dass ich anderen navigations-apps nicht die telemetrie-daten zur verfügung stellen kann, die für eine flexible ladestoppplanung nötig sind. also vor allem den ladestand (SOC) und die voraussichtliche reichweite. aber dank einer empfehlung von malik habe ich mir pump angeschaut und pump verbindet sich auf wunsch tatsächlich mit der VW-API.
also bin ich mit pump heute von heinsberg nach hause navigiert. mein erster eindruck:
die ladestopps sind gut gesetzt, offensichtlich ist die voreinstellung, dass man eher langsam fährt, die drei stopps die pump vorschlägt lassen sich mit einer maximalgeschwindigkeit von 120 km/h erreichen.
die ankunftszeit ist zu optimistisch, bzw. völlig unrealistisch. pump meint wir könnten vor 17 uhr zuhause sein, aber 17 uhr kalkuliert auch google — ohne ladestopps. aber auch abrp plant viel zu optimistisch, vermutlich haben weder pump noch abrp den verkehr in die kalklulation einbezogen. im kopf rechnete ich vor der abfahrt folgendes und lag damit richtig: die 7 stunden die google kalkuliert, plus 3 × 30 minuten laden plus 30 minuten zähfliessender verkehr und spontane staus: 9 stunden — und genau 9 stunden haben wir gebraucht.
die pump-karten-ansicht in carplay ist übersichticher als die von abrp. während der fahrt werden die wichtigsten daten so dargestellt, dass man sie auf anhieb versteht, man sieht die entfernung und ETA zum nächsten ladestopp, den aktuellen und prognostizierten SOC und man kann sich — auch übersichtlicher als bei abrp — die tankstopp-planung in listenform anzeigen lassen (also wie viel, wie lange wo geladen werden soll)
nach dem ersten ladestopp hat sich pump aufgehängt. nach dem klick auf weiterfahren wurde angeblich die route berechnet, aber danach eine eingefrorene karte angezeigt. weil mein altes iphone xr nur begrenztes RAM hat, konnte ich pump neustarten indem ich mich von google maps zurück zur autobahn führen liess und einmal abrp die route berechnen liess — danach startete pump neu und erinnerte sich an die strecke. nach dem dritten stopp erinnerte sich pump nicht mehr an die strecke, aber weil ich ohnehin so voll geladen hatte, dass die recihweite des ID3 bordcomputers für die strecke nach hause plus 50 km reichte, konnte ich dann auch mit google maps weiterfahren.
routenplanung von pump, google maps und abrp von heinsberg nach berlin
ladeleistung, geschwindigkeit und akkustand heute während der fahrt
die fahrt selbst war geprägt von ständigem zähfliessendem verkehr und vielen spontanen staus an spurverengungen und bau- oder unfallstellen. man sieht, unsere geschwindigkeit fiel öfter unter 30 km/h. um vom stadtrand berlins in den wedding zu kommen, brauchten wir knapp ne stunde.
pump vs abrp
ich werde mein abrp-abo kündigen und das pump-abo für eine weile behalten. pump ist auch ein bisschen scheisse, aber auch um einiges besser als abrp. ich denke ich werde um die schwächen und abstürze genau wie bei abrp „herumnavigieren“ können. die anbindung an die VW API von pump sieht ziemlich gut aus. die daten werden offenbar alle dreissig sekunden aktualisiert. wenn ich das mit der weconnect mqtt anbindung machen würde, würde VW meinen zugang temporär sperren. offensichtlich lohnt es sich mal zu recherchieren, wie man an ein entwickler-konto bei VW kommt. aber jetzt steht das auto ohnehin erst mal wieder ein paar tage bis wochen auf der strasse rum.
ich wollte eigentlich kein eigenes auto, nachdem wir 2020 den „dienstwagen“ zurückgegeben haben, den mir mein damaliger arbeitgeber zur verfügung gestellt hatte. ich war ich sehr zufrieden mit den carsharing angeboten in berlin. insbesondere standen damals überall in berlin elektro-leihwagen von VW rum und nach meiner überschlägigen rechnung waren die gelegenheitsfahrten im carsharing auf jeden fall billiger als ein eigenes auto, das 98% seiner zeit auf der strasse rumstehend verbringt.
aber die beifahrerin setzte sich durch und deshalb kauften wir uns vor etwas mehr als zwei jahren einen ID3. einen neuwagen hatte ich mir bis dahin noch nie gekauft und es war erstaunlich kompliziert verkäufer zu finden, die einem so ein ding auch wirklich verkaufen wollten. wir hatten uns für einen ID3 entschieden, in der günstigsten ausstattung und in standard grau. damals gabs noch grosszügige staatliche förderung, am ende haben wir, wenn ich mich recht erinnere, 30 tausend euro gezahlt. mit der basic variante kommt ein 45 kWh akku und schnellladen geht mit bis zu 50 kW/h. nach heutigen standards ist das klein und wenig, aber wir haben uns mit dem auto, dem akku und dem laden eigentlich ganz gut eingegrooved.
anfangs bin ich lange strecken gerne auch mal ein bisschen schneller gefahren, eine unangenehme gewohnheit aus dem verbrenner-zeitalter. die erfahrung, viel ausprobieren und die physik zeigt, dass die beste mischung aus effizienz und reisgeschwindigkeit bei unsrer konfiguration 120 km/h reisgeschwindigkeit sind. unser letzte reise von berlin zu meinen eltern nach heinsberg zeigt das ganz gut. wir sind am mittwoch vor dem osterwochenende losgefahren und google prognostizierte bei der abfahrt eine reisedauer von 7 stunden für die 630 km. das navigationssystem meiner wahl, der better route planner (weiter unten mehr dazu), prognostizierte 90 minuten ladestopps. wir sind dann am ende mit 9 stunden reisezeit bei meinen eltern angekommen, was aber angesichts des teilweise zähfliessenden verkehrs und einem ordentlichen stau total OK war.
die kennzahlen im abgebildeten home assistant dashboard stammen nicht vom bordcomputer und sind nur indirekt aus den VW-API daten berechnet. mit till steinbachs WeConnect MQTT kann ich zwar alle möglichen daten auslesen, aber zur berechnung des verbrauchs und der kilometerleistung, standen vor zwei jahren eigentlich nur der SOC, also der aktuelle ladestand, die ladeleistung und die geschätzte reichweite zur verfügung. die odometer-daten oder die parkposition standen damals noch nicht über die API zur verfügung. deshalb habe ich mir vor zwei jahren bei ali-express einen sehr günstigen GPS tracker gekauft um den jeweiligen kilometerstand (nährungsweise) zu berechnen und natürlich auch die position als datum in home assistant zur verfügung zu haben. das GPS steckt im zigarettenanzünder im kofferraum des ID3 und sendet alle paar sekunden ein datenpaket an meine lokale traccar-instanz. von dort stehen die daten home assiatnt zur verfügung und ich kann alle möglichen weiteren daten ableiten. den kilometerstand berechnet traccar freundlicherweise bereits sehr akkurat aus den GPS daten.
für den 630 kilometre trip berechnete der bordcomputer allerdings einen verbrauch von 15,7 kwh/100km — was ich für ziemlich effizient halte. damit haben wir es bequem mit drei ladestopps nach heinsberg geschafft.
natürlich sind wir mit 100% SOC losgefahren, damit konnten wir 2 stunden durchfahren um dann 24 minuten zu laden und endlich die vorbereiteten snacks aus dem kofferraum holen und essen. der rhythmus, 30 minuten laden, andertalb stunden fahren ist meiner meinung nach perfekt für entspanntes fahren. dazu hatten wir auch enormes glück. der grösste stau auf unserer strecke fing genau da an, wo der (bessere) routenplaner einen stopp für uns vorgesehen hatte. während des ladens sah ich die LKW-karavane auf der autobahn, während ich ein nickerchen hielt, lud und die beifahrerin und der hund gassi gingen. nach dem nickerchen sah ich mich auf google maps um und sah, dass es theoretisch die möglichkeit gab, von der raststätte abzufahren, statt wieder auf die autobahn.
also sind wir neben der autobahn hergefahren, was nebenbei auch noch landschaftlich total romantisch war. ich glaube wir waren gerade im westerwald.
better route planner
die umfahrung des staus hätte uns der beter route planner (abrp) nicht vorgrschlagen. abrp hat seine stärken, aber stauumfahrung und streckenführung in ballungsräumen gehören (noch) nicht dazu. ich benutze in carplay immer beides, abrp und google maps. wirklich gut ist abrp aber in der ladstopp-planung. allerdings braucht er dafür live-daten. da ich alle nötigen live-daten im home-assistant habe, kann ich die glücklicherweise bereitstellen. im prinzip schicke ich abrp alle 30 sekunden einen curl aufruf mit einem langen json string
curl --location -sS -g --request
GET 'https://api.iternio.com/1/tlm/send
?token=xxx&api_key=xxx
&tlm={"soc":44,"is_charging":0,"power":0,"utc":1745001019,"speed":"0","is_parked":1,"capacity":"45","heading":"167.0","elevation":"0","odometer":"40788.21","lon":"6.07955","est_battery_range":121,"lat":"51.10507"}
beim laden sende ich noch die lade-telemetrie, allerdings ist sowohl beim laden, als auch beim fahren das problem, dass ich die daten aus der VW API nur alle 5 minuten abrufen kann. so hinkt die SOC-anzeige immer ca. 5 minuten hinterher, und manchmal auch einenticken länger, weil die datenreise ja einige zwischenstationen umfasst: auto → VW → weconnct-mqtt → home assistant → api.iternio.com
mal klemmts mit der datenverbindung, mal stürzt weconnect-mqtt ab, mal stürzt die abrp-app ab. trotzdem, dadurch, dass abrp meine ladekarten kennt und deshalb die ladestopps sowohl am für uns günstigsten (derzeit vor allem aral pulse und ionity) plant, aber eben auch die auslastung der ladepunkte und unsere reichweite beachtet, sind sowohl die prognosen als auch die streckenführung meisten otpimal. die beifahrerin hasst die abrp-app aber dennoch — und ich muss ihr im prinzip recht geben. abrp hat enorm viele bugs. den abrp-entwicklern muss man allerdings zu gute halten, dass sie fast alle bugs fixen, sich dabei aber leider immer wider neue bugs einschleichen. auch die benutzerführung ändert sich mit jedem major release, aber die API-daten-konstruktion die ich mir hier gebastelt habe ist derzeit das beste was es gibt. auch das on-board-navi von VW kann (mittlererweile) ladestopps in die reise-route einbauen, allerdings beachtet die VW app unsere ladetarife nicht. und sie stürzt genau so gerne ab, wie abrp.
nach etwas mehr als zwei jahren eauto fahren kann ich mir eine rückkehr zum verbrenner nicht mehr vorstellen. wenn ich gelegentlich doch noch verbrenner fahre, wundere ich mich wie die kisten anfangen zu schreien, wenn man aufs gas drückt. ich liebe den (manuellen tempo) limiter in kombination mit dem ein-pedal-fahren, obwohl der tempomat ein aufpreis-pflichtiges extra ist, funktioniert der limiter für mich (und auch die beifahrerin) viel besser. auf der autobahn stelle ich 120 km/h ein und alles weitere wird mit dem gaspedal geregelt. die automatische tempoerkennung ist indiskutabel, allerdings ist die info-anzeige der höchstgeschwindigkeit eine willkommene zusatz-info während der fahrt und meist besser als die von google maps oder abrp. die carplay-integration von VW ist extrem okay und funktioniert seit ein paar ios-updates auch in 99% der fälle so wie erwartet.
ich würde mir eine etwas gesprächigere und freundliche API wünschen (meine daten, lasst mich damit machen was ich will und wie ich will), ich würde mir wünschen, dass die VW-vertragswerkstätten und -händler etwas weniger verpeilt wären. am auto selbst und an der zuverlässigkeit haben wir nichts auszusetzen. das mag erstaunlich klingen, weil ja wirklich fast jeder über die touch-buttons am lenkrad meckert, die zuverlässigkeit der software beklagt und sich über die over-the-air-update-versprechen lustig macht, die VW mal vor drei jahren überoptimistisch rausposaunt hat. wens nach mir geht, bleibe ich gerne bei VW.
elektro mobilität ist ja nach wie vor grosser nerd-kram. ich habe grossen spass daran mir umständlich metriken auszulesen und weiter zu verarbeiten. aber ich mach das ja nur zum teil aus spass. der witz dahinter ist, das weder die apps von VW, noch die wenigsten apps von drittherstellern eine preis- und streckenoptimierte ladeplanungs-navigation anbieten. was ich mir da so zusammenbastel dient alles einem einzigen zweck: in einem sich extrem volatilen markt so schnell, günstig und ohne grosse umstände von a nach b zu kommen. die ladeinfrastruktur selbst ist mittlerweile kein problem mehr, obwohl sie das vor zwei jahren, aus meiner sicht, auch nicht war. das problem ist der preisdschungel, naja, und teilweise auch immer noch die zuverlässigkeit der ladesäulen.
aus all diesen gründen schaue ich mir jeden sonntag übrigens mit grossem vergnügen die abenteuer des elektrotruckers auf youtube an. einerseits finde ich das faszinierend weil man beim elektrotrucker, wie früher™ bei guten blogs, einsichten in fremde lebenswelten bekommt und andererseits sind seine erlebnisse rund um die elektromobilität, zumindest aus meiner nerd-perspektive, irre interessant und amüsant.
manchmal schaut er sich auch andere eletrofahrzeuge an und ich schau ihm dabei sehr gerne zu.
in den letzten tagen haben kirby und ich uns besser kennengelernt. für mich ist der neubau meiner website wie weihnachten und geburtstag zusammen. ich freue mich schönes geschenkt zu bekommen und dann an die wand zu hängen oder in eine vitrine zu stellen. aber meine liebsten geschenke sind sachen aus denen ich selbst schönes bauen kann. so freue ich mich zum beispiel bis heute darüber weihnachten vor 14 jahren und weihnachten vor 12 jahren damit verbracht haben zu dürfen … eine küche aufzubauen.
so sollen gute geschenke sein: man bekommt einzelteile, oder besser gesagt ein system von bau- und gestaltungselementen, aus denen man selbst etwas eigenes bauen kann. dabei muss man nicht bei null anfangen, weil sich viele kluge menschen bereits gedanken über potenzielle probleme und lösungen gemacht haben und man sich einfach auf deren schultern stellen kann.
mit dieser idee lässt sich der erfolg von lego, minecraft und sicherlich zum teil auch von ikea erklären. ikeas genialster marketingtrick ist wahrscheinlich, dass man bei kunden eine art stockholm-syndrom auslöst. weil man durch die mühen und schmerzen des selbst-aufbaus durchsteht, schätzt man das ergebnis am ende positiver ein, als wenn man es fertig gekauft hätte.
natürlich ist auch der weg ein ziel. in meinen auseinandersetzungen mit kirby lerne ich wieder dinge über das programmieren. sehr hilfreich in sachen kirby, aber auch als einführung in die moderne php-programierung, sind zum beispiel die screencasts in der kirby guide von bastian allgeier. wenn ich mir die ansehe, muss ich ständig pausieren um schnell mal was auszuprobieren und staunend bei mir im zimmer rum zu stehen.
anders als ein leeres blatt papier, sind systeme wie kirby, aber auch home assistant, prall gefüllte werkzeugkisten, die einem zurufen: mit uns kannst du genau das bauen, was du schon lange bauen wolltest. und unterwegs lernst du viel über dich selbst, darüber wie teile der welt funktionieren und am ende hast du eine schön anzusehende baustelle, an der du — wenn du lust hast — die nächsten 10 jahren weiterbauen kannst.
jedenfalls habe ich in den letzten tagen viel im maschinenraum gearbeitet. wie bastian allgeier in den screencasts immer sagt, code getrocknet, eleganter gemacht und unterwegs viele abbiegungen entdeckt, die ich noch erkunden möchte. das alte wirres.net war sensationell gut suchmaschinen-optimiert. teilweise haben sich einträge minuten nach der veröffentlichung schon im google index gefunden. das ist durch die längere inaktivität und vor allem das einjährige von der bildfläche verschwinden, natürlich alles hin. und alles was den code angeht, die kleinen helfer für suchmaschinen und crawler, müssen neu her. dafür gibt’s viele helfer, aber es ist auch viel handarbeit und feinschliff nötig.
aber mit dem zwischenstand bin ich ganz zufrieden. so sieht das mittlerweile wieder in den suchergebnissen aus.
die sitemap spiegelt jetzt auch die robots-regeln, also alles was älter als 5 jahre (oder 3, bin noch unentschieden, aber derzeit sind’s 5) ist ausgeblendet. übersichtseiten will ich nicht im index haben, weil die sich so oft ändern und ohnehin nicht zum finden geeignet sind.
und beim suchwort mediathekwebview bin ich derzeit sogar auf der ersten suchergebnisseite.
die seite vom heutigen morgenspaziergang zeigt exemplarisch, warum ich einerseits so begeistert von kirby bin und andererseits, auf wie viel arbeit ich mich noch freuen kann.
so habe ich das erste bild während einer kleinen pause beim spaziergang gepostet. es wurde automatisch zu bluesky und mastodon syndiziert, allerdings hat irgendwas bei der aufbereitung für den RSS-feed geklemmt, da kam der artikel zunächst ohne bild an. später hab ich einfach 6 weitere bilder vom telefon in den artikel geladen und die dem kirby starterkit mitgelieferte galerie hat out of the box funktioniert. ich musste später nur noch ein bisschen am code schrauben, damit das auch mit responsive images funktioniert.
bildserien vom telefon aus ins internet posten und teilen, vor ein paar jahren war das noch ein feuchter traum, bzw. der grund warum apps wie instagram so erfolgreich waren. ich würde gerne weiter auf instagram posten, am liebsten automatisch von hier, aber das will facebook nicht, bzw. nur für „business“ kunden. also pausier ich das jetzt erstmal und freu mich, dass ich das jetzt „zuhause“ machen kann, mit dem gleichen komfort, aber unter meiner kontrolle. einziger nachteil von sowas: der ordner mit dem artikel und den bild-rohdaten die das telefon dahin geladen hat ist 30 MB gross. zum glück kann man bei uberspace mittlerweile festplattenplatz dazukaufen, oder, wenn alle stricke reissen sollten, kann ich kirby auch ganz schnell woanders hinschieben.
ausserdem bin ich jeztzt auch in den genuss des ersten, gar nicht mal so angenehmen kirby bugs gekommen. aus mir noch nicht ganz nachvollziehbaren gründen legt kirby eine temporäre datei an, vergisst die aber zu löschen, was unangenehme folgen hat (eindeutige IDs neuer artikel sind nicht mehr eindeutig, sondern gleich). aber da mein zweiter vorname „workaround“ ist, ist das auch kein so grosses problem.
die ideen, was ich hier noch so alles machen könnte, fliessen momentan ganz gut. mir gefällt das ruhige, minimalistische webschaufenster derzeit ganz gut, aber weil ich schon gerne (meta-) daten und sekundär-infos zu einzelnen artikel anzeigen möchte (vor allem für mich selbst natürlich), werde ich nicht nur meine alte rückseite reaktivieren, sondern auch eine packungsbeilage zu jeden artikel anlegen, quasi artikelrückseiten. da können dann auch kommentare und webmentions und so hin.
mit anderen worten, hier könnet es in den nächsten monaten immer wieder etwas ruckeln. wenn euch was auffällt oder nervt, sagt mir bescheid.
das template, bzw. der template-ordner auf dem diese website bis vor ungefähr einem jahr lief hiess wirres3. nach diese logik ist der kirby-relaunch wohl wirres version 4.
version 2 dürfte das hier gewesen sein, 2010 war ich stolz darauf von einem tabellen-basierten layout auf ein CSS basiertes layout umgestellt zu haben.
version3, bei der ich auf „responsive design“ umstellte, lief dann 12 jahre lang.
und eben, zufällig im archiv gefunden, 2015 schrieb ich über die version 0 von 1996. die lief zwar noch nicht unter wirres.net oder irgendeinem content managmente system, sondern auf blanken html-metal. in dem artikel von 2015 behaupte und belege ich, dass ich eiegentlich schon seit 30 jahren (1995) ins internet schreibe, bzw. linke.
und ich erkläre anhand eines kottke zitats, warum ich so lange auf diesem obskuren CMS geblieben bin: läuft halt, funktioniert, ist berechenbar und kenn ich.
einer der technischen gründe warum ich mit einer software aus den 90er jahren so lange gut zurecht kam, waren die html-vorlagen, also die art wie ezpublisch html aus den inhalten produzierte. jedes formatierung, bilder, links, zitate hatten ihre eignen vorlagen. statt <a href="https://example.com>example.com</a> schrieb ich <link https://example.com example.com>> bilder lagen in einer bilddatenbank und nach der verknüpfung mit einem artikel refernzierte ich sie mit <image 1 left large> was sich kompliziert und mühsam anhört ist technisch ein segen. so wurden bilder in den neunziger jahren vorzugsweise über tabellen-konstrukte gelayoutet. <figure> oder <figcaption> waren damals noch nicht erfunden, adaptive bilder erst recht nicht. aber mit dem template system liess sich die ausgabe von bildern jeweils an den stand der technik anpassen. so konnte ich aus einem einfachen <image 1 left large> schnell komlexes, adaptives bild-markup bauen, das optimierte bilder für alle möglichen bildschirmauflösungen ausgab.
in den neunzigern durfte man noch <b> zum fetten von text verwenden. im ezpublish backend musste ich immer <bold> verwenden, aber konnte die html-ausgabe dann eben später an das modernere <strong> anpassen.
und natürlich liess sich das auch alles erweitern. für eingebettete youtube videos hab ich mir eine ezpublish vorlage <tube hGhrJru-PQ8&t> gebaut, die dann anfangs einfach den normalen youtube embed-code ausgab und später eine datenschutzfreundlichere variante, die nur das video-poster mit einem play-button zeigte und das video und das google-tracking erst nach einem klick lud. weil kirby mit seinen block-editor ein ähnliches konzept verfolgt, liess ich das für alle meine importierten inhalte und natürlich auch neuen inhalte ruck-zuck neu bauen. im block editor gebe ich nur die video-url an, die ausgabe des blocks passe ich per template an und heraus kommt das:
diese datenschutz-freundlicheren video-embeds sind das, womit ich gestern meinen tag verbracht habe. funktioniert für youtube und vimeo.
ich weiss zwar gar nicht ob das noch irgendwer verwendet, bzw. ob ich noch jemals ein vimeo-video hier neu einbetten werde, aber weil ich in meinem archiv noch das eine oder andere vimeo-video liegen habe, soll das natürlich auch weiter so funktionieren.
ausserdem habe ich gestern noch am rss-feed geschraubt. wenn ich im kirby editor einen relativen link eingab, kam der auch im rss-feed relativ raus. which is doof. aber vielleicht isses auch doof relative links zu verwenden, wenn ich mich recht erinnere hab ich in ezpublish auch immer volle urls verwendet um auf wirres.net zu linken. ausserdem hab ich mir überlegt im feed den normalen youtube-embed code auszugeben, so dann man sich das video in seinem rss-reader eingebettet ansehen kann. ganauso gebe ich die bilder im feed nicht mehr adaptiv aus, sondern einfach, ohne gedöns auf 900px breite skaliert.
jedenfalls sehe ich jetzt wieder was mich über die letzten 30 jahre dazu gebracht hat ins internet zu schreiben: mein drang neue dinge auszuprobieren, zu schauen, mit welchen technischen tools man was erreichen kann um das älteste gewerbe der welt auszuüben: mit anderen kommunizieren.
in den letzten 5 jahren lag mein fokus eher auf der interspezifischen kommunikation: wie kann ich verstehen was frida will und intendiert, wie stelle ich sicher, dass frida mich versteht? das hat ganz gut geklappt und unterwegs habe ich das eine oder andere gelernt und leider eher wenig mit meiner spezi geteilt. ausser einmal letztes jahr auf der republica.
in der web-technik hat sich in den letzten jahren, so wie bei den hunde-erziehungsmethoden viel getan. lazyloading geht mittlerweile ohne jedes javascript, css kann variablen und rechnen (!), fast alle browser sind auf dem gleichen technischen stand. uberspace, wo diese seiten gehostet sind, kann http/2 und ich bin sicher an den caching-policies, cache-control headers lässt sich noch so einiges optimieren und lernen.
apropos caching und performance. nach der installation von kirby auf uberspace (piece of cake, einfach den 2,5 GB grossen kirby ordner rüberkopieren, eine kleine anpassung an der .htaccess, läuft) …
# In some environments it's necessary to# set the RewriteBase to:RewriteBase /
… habe ich massive performance probleme beobachtet und musste in der php.ini php mehr RAM gönnen. der grund, so erkläre ich es mir nachträglich, war cache-warming. kirby erzeugte hunderte, tausende bildvarianten für die adaptive auslieferung von bild-dateien, und das kostet RAM und CPU (sorry uberspace!). gestern habe ich die parameter der adaptiven bildauslieferung nochmal angepasst, was erneut zu merklichen performance-engpässen führte. ein blick in den media ordner, wo kirby die bildvarianten cached/ablegt, zeigt derzeit 5.8 GB. vor drei tagen waren das nur 2.4 GB, gestern 4 GB. der kirby content ordner ist 2,4 GB gross.
nach ein paar stunden bild-generierung schien die performance der seite wieder OK zu sein. wenn ihr, liebe leser, einen anderen eindruck habt, lasst es mich gerne wissen.
tl;dr: ins internet schreiben und eine eigene website zu betrieben ist immer noch furchtbar viel arbeit, aber allein um den stand der technik zu verfolgen, (be-)lohnt sich das. und es gibt noch viel zu tun und lernen.
(entschuldigung für die clickbait-überschrift, korrekt müsste es natürlich heissen: „30 jahre ins internet schreiben“)
mit kristof habe ich meine gesamte kindheit verbracht. kristofs schwester anja war auch ab und zu dabei, aber sie war ein mädchen und ein paar jahre älter als kristof und ich — also quasi von einem anderen planeten. richtig mit ihr befreundet habe ich mich erst viel später. kristof und ich waren von anfang an beste freunde. als wir uns zum ersten mal begegneten, wir waren wohl so um die drei jahre alt, wollte ich ihn gleich knuddeln, warf ihn aber ausversehen zu boden. wir waren uns eigentlich nicht besonders ähnlich. kristof war feingliedrig und zart, ich war ein kräftiger brocken, wie frisch in den zaubertrank gefallen. ich erinnere mich nicht, diese körperliche überlegenheit jemals ausgespielt zu haben, ausser ausversehen, bei unserer ersten begegnung. ich erinnere mich noch nicht mal daran, dass wir uns jemals gestritten hätten, aber da kann mich meine erinnerung auch trügen.
wir waren in unseren ersten zehn, zwölf lebensjahren sehr viel zusammen. unsere mütter waren beste freundinnen und sie teilten sich unsere betreuung untereinander auf und liessen uns von einem kindermädchen hüten, das eigentlich die haushälterin von kristofs eltern war (und mich in angst und schrecken versetzte).
kristof hatte eine ganz besondere fähigkeit. wenn er hinfiel, tat er sich weh. und er fiel sehr oft hin. er war auch sehr mutig und kletterte gerne auf bäume, eine tätigkeit die ich mir schon als kind verbot, weil ich vorsichtig schon als schisser geboren wurde.
weil kristof gern auf bäume kletterte, fiel er auch oft von bäumen runter, er schlug sich ständig das gesicht auf und wurde regelmässig ins krankenhaus gefahren, um dort „genähnt“ zu werden. als meine mutter einmal beim abendessen erzählte: „kristof ist in einen stacheldrahtzaun gefallen“ hiess es nicht: „oh je!“ oder „der ärmste!“, sondern: „echt? schon wieder?“
ich teile unglaublich viele kindheitserinnerungen mit kristof: weitpinkeln am kroatischen strand (das mysteriöserweise anja gewann), heuernte im garten seiner eltern, pilzesuchen im wald, bonanza gucken und wie wir einmal ein milch-wetttrinken veranstalteten: am ende des wetttrinkens stürmte kristof aus der küche ins wohnzimmer, strahlte seine mutter an und rief: „mutti, ich hab’ gerade einen liter milch getrunken!“ — und übergab sich am ende des satzes.
wir wuchsen im wahrsten sinne des wortes zusammen auf, gingen zusammen in den kindergarten, die grundschule und den hort. wir klebten zusammen wie pech und schwefel, terrorisierten andere kinder und trieben unsere kindergärtnerinnen, betreuerinnen und lehrerinnen zur verzweiflung. eigentlich, glaube ich, mochten uns unsere betreuerinnen im kindergarten und hort ganz gerne. ich kann mich zumindest daran erinnern, dass ich im hort öfter auf frau pelikans schoss sass, während sie und ihre kolleginnen im personalraum HB-zigaretten rauchten. als ich da so sass, beschloss ich, wenn ich erwachsen wäre, würde ich auch HB rauchen. ich fand rauchen damals ziemlich toll. warum kristof und ich mit rauchenden hort-betreuerinnen im personalraum sassen, weiss ich nicht mehr. in der rückschau vermute ich, um uns von den anderen kindern zu trennen und uns daran zu hindern, grausamen kinderscherze mit ihnen zu machen.
meine mutter erzählte mir, dass sie und kristofs mutter regelmässig zu gesprächen in den kindergarten und den hort eingeladen wurden, um die probleme die wir verursachten zu besprechen. auch das ist mir in der rückschau unerklärlich, denn kristof und ich waren eigentlich schüchterene, zurückhaltende kinder.
nach der grundschule und dem hort gingen kristof und ich auf verschiedene weiterführende schulen und sahen uns etwas seltener. wir sahen uns noch, wenn sich unsere eltern gegenseitig besuchten, übernachteten weiterhin im haus des jeweils anderen und fuhren auch ein paarmal gemeinsam in den urlaub. langsam aber sicher bildeten sich aber neue freundeskreise und die überschneidungen unserer lebenswirklichkeiten wurden langsam weniger.
wir waren beide keine asse in der schule, mein deutschlehrer empfahl meiner mutter, mich eine handwerkliche lehre machen zu lassen, statt mich weiterhin auf dem gymnasium zu überfordern. meine mutter liess sich nicht von lehrern beirren und behielt mich auf dem gymnasium. kristofs eltern gaben dem druck wohl irgendwann nach und liessen ihn, nach ein paar jahren gymnasium, auf die hauptschule gehen.
zu dem zeitpunkt fragmentierte sich unsere freundschaft so sehr, dass ich solche neuigkeiten nicht mehr von kristof selbst erfuhr, sondern sie mir von meiner mutter erzählen liess. über meine mutter war ich bestens informiert über kristofs lebenswege, auch ohne direkten kontakt. über meine mutter erfuhr ich irgendwann, dass kristof jetzt eine lehre in einem metallverarbeitenden betrieb angefangen hätte. dann erfuhr ich, in wechselnder reihenfolge, dass er dort rausgeflogen sei, später wieder dort angefangen hätte und irgendwann später wieder rausgeflogen sei. ich hörte das kristof kiffte, zu viel kiffte, und sich wohl auch beim dealen hatte erwischen lassen. in den erzählungen meiner mutter entwickelte sich kristof langsam zu einem problemjugendlichen. weil ich die schule auch scheisse fand und pubertierte, hatte ich auch alle möglichen probleme, aber weil ich ein schisser war und angst vor grösseren problemen hatte, gab ich mir mühe meine probleme klein zu halten. ich fing an, das mit dem kiffen auch mal auszuprobieren, aber weil ich so eine angst davor hatte, dass das kiffen zu einem grösseren problem werden könnte, halluzinierte ich nicht, sondern paranoisierte und kotzte vom kiffen. ich liess das dann schnell wieder sein und versuchte immer wieder, auch in der schule, auf einen grünen zweig zu gelangen, um nicht auch eine lehre anfangen zu müssen.
über die jahre kreuzten sich die wege von kristof und mir noch ein paar mal direkt und indirekt, so hatte er, als ich in als austauschschüler in amerika war, eine etwas längere affäre mit meiner besten freundin und grossen ex-liebe gita — und er lernte meinen besten jugendfreund, den pöhler kennen.
auch von der bekanntschaft von kristof mit dem pöhler erfuhr ich lediglich indirekt, über gita und meine mutter. die beiden wohnten zusammen, kifften ein bisschen zu viel und experimentierten wohl auch mit härteren drogen — das vermutete zumindest kristofs mutter, wie ich über den stille-post-flurfunk zuhause erfuhr.
als ich aus amerika zurückkam und in eine andere stadt zog, schienen sich die probleme von kristof potenziert zu haben. er hatte keine abgeschlossene ausbildung, keinen schulabschluss, war, abgesehen von gelegentlichen versöhnungen, mit seinen eltern zerstritten. gita hatte auch keinen kontakt mehr mit ihm. gelegentlich half er wohl noch in dem metallverarbeitenden betrieb aus, in dem er seine ausbildung mehrfach abgebrochen hatte und baute, während ich in amerika war, an der wendeltreppe in unserem neuen haus in heinsberg mit. so hatte ich zwar keinen kontakt mehr mit kristof, aber dafür in dem haus in dem ich wohnte eine stahl-wendeltrepe, an der kristof mitgebaut hatte.
in den folgenden jahren machte ich dann auch eine handwerkslehre (schreiner) und ein studium (architektur) und zog später nach berlin. die indirekten nachrichten aus kristofs leben wurden in dieser zeit immer unerfreulicher. vor etwas 18 jahren gab es dann aber wohl eine wende. ich erfuhr, dass er eine frau kennengelernt hätte und mit ihr einen sohn hätte. ausserdem sei er jetzt wohl „clean“. dass er in den jahren zuvor nicht besonders „clean“ war, konnte ich selbst nur einmal, auf der beerdigung seiner oma beobachten. da tauchte er selbstzufrieden grinsend und aufgedunsen auf und rief mir zu, dass ich ja ganz schön aufgedunsen sei. damit hatte er eindeutig recht (selbstzufrieden und aufgedunsen war ich auch), besorgniserregend war aber, dass nicht nur sein körper und sein gesicht aufgedunsen waren, sondern auch seine hände stark geschwollen. einige seiner zähne waren nicht mehr ganz vollständig und er sah nicht besonders gesund aus. aber jetzt, so hörte ich, solle alles ganz anders geworden sein.
ich liess mir regelmässig erzählen, dass er ein liebevoller vater sei, insbesondere sein umgang mit dem zweitgeborenen sohn, der das down-syndrom hatte, sei freudlich, geduldig und nachsichtig, was ein angenehmer kontrast zu seiner frau sei, die sehr viel strenger und weniger nachsichtig mit den kindern umginge.
beinahe zwanzig jahre nachdem ich ihn zum letzten mal gesehen hatte, entschloss ich mich, kristof wieder mal zu treffen. ein paar tage vor unserer verabredung musste kristof ins krankenhaus, weil seine rechte hand so stark angeschwollen und entzündet war, dass gefahr bestand, kristof könne seine rechte hand verlieren. es zeigte sich, dass er wohl in den letzten jahrzehnten eher nicht so „clean“ war, sondern eher ein funktionierender und einigermassen sozial integrierter junkie. an seinem körper fanden sich kaum noch funktionierende venen, in die er heroin spritzen konnte, deshalb nutze er wohl vor allem seine rechte hand (er ist linkshänder).
als ich ihn traf, kam er relativ frisch aus dem krankenhaus, die hand war abgeschwollen, aber immer noch grotesk dick, aus einem weissen verband ragten sehr stark geschwollene, blau-rot verfärbte finger. er war wieder etwas schlanker als auf der beerdigung seiner oma (ich hatte weiter zugenommen). sein gesicht wirkte zerschunden, wohl auch wegen der vielen kindheitsnarben, aber nicht mehr aufgedunsen. seine hellen blauen augen wirkten genauso wach und freundlich, wie vor über 30, 40 jahren. von den meisten seiner zähne, waren nur noch braune stümpfe übrig. vor dem relativ kleinen haus, in einem dörflichen vorort von aachen, stand ein relativ neuer mercedes, das haus hatte kristof kürzlich gekauft, mit einem darlehnen und etwas aus der verwandschaft zusammengekratzten eigenkapital. das haus hatte hinten raus einen kleinen garten und wirkte sehr aufgeräumt, obwohl kristof gerade die küche renovierte.
das haus gefiel mir gut, kristof erzählte mir von seinen renovierungs und umbauplänen, ich lobte seine pläne und sein haus und die einrichtung. mir gefiel das haus wirklich, auch wenn ich vor meinem 80ten lebensjahr nie wieder in einem vorort von aachen oder in aachen selbst leben möchte. der kleine sohn mit down-syndrom war unfassbar niedlich, aber auch irre anstrengend und wuselig. der ältere sohn verbarg hinter seiner jugendlichen schüchternheit eine beeindruckende auffassungsgabe. ich teste die auffassungsgabe von menschen (leider) ständig, indem ich mit wortspielen und witzen mit wechselnder subtilität um mich werfe und dann prüfe, wer meine witzchen versteht oder zu dechiffrieren vermag. zu meinem erstaunen konnte der ältere sohn sie alle verstehen — aber kristof auch. noch erstaunlicher fand ich, welche verantwortung der ältere für das jüngere kind übernahm, sich kümmerte, dem kleinen hinterherlief oder grenzen aufzuzeigen versuchte. es wirkte, als hätte der kleine drei elternteile, die sich um ihn kümmerten. noch deutlicher wurde das auf einer familienfeier, zu der auch kristofs familie eingeladen war. auch hier passte der ältere fast ständig auf den jüngeren auf. man bemerkte die last, die auf dem älteren lag, aber auch kristofs bemühen, ihm teile diese last zu nehmen. der umgang von kristof und seinem älteren wirkte sehr herzlich, vertraut und liebevoll, ebenso wie mit dem jüngeren. ich musste mich vorbehaltslos den beobachtungen meiner mutter anschliessen.
nach der hausbesichtigung verliessen kristof und ich das haus und die familie, und fuhren in ein café um uns etwas ruhiger unterhalten zu können.
kristof erzählte von seinem leben der letzten 20 jahre und meinte, dass er ziemliches glück gehabt hätte. er meinte natürlich, dass er glück hatte, nie erwischt worden zu sein und keine schwereren gesundheitlichen schäden davon getragen zu haben. und er meinte natürlich auch, dass er noch lebte. ich sass kristof gegenüber und stellte ihn mir als glücklichen menschen vor. sein geschundener körper, sein behindertes und sein überfordertes kind belasteten ihn nicht, im gegenteil, alles was ich sah und was er erzählte deutete darauf hin, dass er sich seiner verantwortung bewusst war und sich ihr auch stellte, so gut er konnte. ich hatte den eindruck, dass seine sucht dem einsatz für seine kinder nicht im weg stand. das was er mir von den problemen seines ältesten in der schule erzählte, erinnerte mich an den umgang meiner mutter mit meinen lehrern: kompromisslos auf der seite des eigene kindes stehen, nicht vor der vermeintlichen autorität der lehrer kuschen, die argumente der lehrer sauber zerpflücken, wenn’s nötig ist, und präsenz zeigen.
ich sah, dass kristof mit dem leben mehr zu kämpfen hatte als ich — ich hatte ja auch stets versucht meine probleme klein zu halten — aber trotzdem wirkte kristof auf mich zufrieden.
zehn jahre nach unserem treffen in aachen, heute am 8. juni 2024, schrieb mir meine mutter, dass kristof heute nacht gestorben sei.
wie immer wenn mich nachrichten von todesfällen mir sehr nahe stehender menschen erreichen, weigere ich mich das zu glauben. selbst wenn ich dann auf der beerdigung bin, halte ich das ganze immer noch für einen irrtum, ich denke dann, kann ja nicht sein, dass dieser mensch wirklich weg ist, weil es ja noch menschen gibt, die diesen menschen noch brauchen.
weil in den homeassistant 2022.12 release notes stand, dass mit dieser version auch sensirion BLE CO₂-Sensoren unterstützt werden, hab ich mir gleich so einen kaufen müssen. bei mouser kostet der 59,80 € (71,16 € mit umsatzsteuer). das schöne ist, der sensor ist kalibriert, das teil hat einen lichtindikator und lässt sich zur aktivierung einfach auf usb netzteile stecken, ist also auch mobil mit einem akku-pack zu benutzen.
nicht ganz billig, aber billiger als anderswo. die lieferung kam aus den USA mit fedex innerhalb von 4 tagen. eingesteckt und plopp! von home assistant entdeckt.
seit homeassistant den umgang mit bluetooth BLE geräten massiv verbessert hat und vor allem eine möglichkeit geschaffen hat günstige bluetooth-repeater in der wohnung zu verteilen sind bluetooth sensoren von einem grossen, unzuverlässigen scheiss zu einem grossen vergnügen geworden. funktioniert einfach.
das einzige problem, meine beiden vorhandenen CO₂-sensoren, die ich mir vor 4 jahren für 20 euro gebaut habe, zeigten ganz andere werte an. die alten sensoren zeigten zuverlässig an wenn mehr leute im raum waren oder beispielsweise der backofen heizte. aber ganz offensichtlich waren sie nicht die bohne kalibriert, bzw. kalibrierten automatisch den in 24 stunden gemessenen niedrigsten wert als 400 ppm. which is quatsch.
aber diese autokalibrierung lässt sich abstellen und manuell vornehmen. ich musst enur meine alten mysensors-sketche ein bisschen überarbeiten (diese bibliothek funktioniert wunderbar) und den sensoren einen schalter hinzufügen, damit ich sie per homeassistant kalibrieren konnte.
die „kalibrierung“ nahm ich auf dem balkon vor, die sensoren 20 minuten draussen messen lassen, diesen wert als 400 ppm kalibrieren und dann wieder rein mit den sensoren. jetzt habe ich drei kalibrierte CO₂-sensoren, auch wenn die werte des mhz19-sensors 200 pmm zu hoch scheinen, so sind die werte jetzt definitiv aussagekräftiger.
das morgenritual von frda und mir ist beinahe jeden tag gleich. ich stehe auf, sie bleibt noch eine halbe oder ganze stunde (im meinem bett) liegen, während ich in der küche im internet lese und kaffee trinke. sie kennt die geräusche die ich in der küche mache und weiss, da passiert nichts für sie interessantes. spätestens um 7 steht sie aber auf und prüft die lage. wenn ich noch mit dem internet beschäfgtigt erscheine, die spülmaschine ausräume oder weiter kaffee zubereite und in mich rein kippe, legt sie sich wieder zum dösen hin, jetzt aber so, dass sie mich im zweifel im blick hat.
wenn ich morgens nicht in gang komme versucht sie mich durch intensives anstarren dazu zu bringen mal langsam in gang zu kommen.
das erste zeuchen dass es langsam los geht ist, wenn ich den kühlschrank öffne und den maasdammer raushole und in kleine würfel schneide (ihr leckerchen für den morgenspaziergang). sobald ich mit den leckerchen anfange steht sie auf streckt sich genüsslich und sehr laut und beobachtet mich (zurückhaltend) beim leckerchen zuschneiden.
wenn die leckerchen geschnitten sind, startet die nächste eskalationsstufe wenn ich mich umziehe. das ist das signal für frida dass es jetzt bald losgeht und damit fangen (wahrscheinlich) die botenstoffe bei ihr an zu zirkulieren. sie läuft im flur auf und ab und dreht kreise um mich, um mich subtil zur tür zu ziehen.
heute gab es eine klitzekleine störung im betriebsablauf. beim käseschneiden fiel mir auf, dass die biomülltonne voll war und stellte sie in den flur. frida begleitete mich in den flur und beschnupperte noch ein bisschen die biotonne. während sie abgelenkt im flur schnupperte warf ich ihr ein käsestückchen in ihren fresnapf und schnitt weiter käse. frida stiess wieder zu mir in die küche und beobachtete mich ruhig beim käseschneiden.
weil geruchsmoleküle ihr zeit brauchen um sich durch die luft zu bewegen („der mittlere quadratische Abstand von ihrem Ausgangspunkt“ wächst proportional zur Zeit) dauerte es auch 30-40 sekunden bis sie bemerkte, dass nicht nur auf der arbeitplatte käse lag, sondern auch in der nähe des bodens. als hätte sie jemand an der seite angetippt, riss sie ihren kopf richtung futternapf und fand und verspeiste den käse.
diese langweilige geschichte ist im vergleich zu dem was frida sonst mit ihrer nase macht völlig unspektakulär, ich wollte es aber trotzdem aufschreiben, weil es mich heute früh fasziniert hat. viel faszinierender ist natürlich, dass frida personnen finden kann, die über hunderte von metern durch die stadt gelaufen sind (wenn man ihr eine geruchsprobe der zielperson zeigt) oder einen tannenzapfen in einem haufen tannenzapfen finden kann, den die beifahrerin vorher kurz angefasst hat.
eins unserer tado thermostate zeigt neuerdings auf dem display die temperatur in fahrenheit an. tado bietet eigentlich gar nicht die möglichkeit die anzeige einheit zu ändern, das geht, sagt das internet, nur über den support.
support geht bei tado neuerdings (?) nur über die chat-funktion. das ist wunderbar asynchron und zieht sich gegebenenfalls über mehrere tage hin.
jedenfalls sagte mir der support am ende das übliche, „did you try to turn it off and on again?“ — oder in tado-sprech:
Sie könnten, falls das noch nicht geschehen ist das Thermostat nochmal komplett aus dem Account löschen. Das Zimmer gleich mit. Dann stromlos machen, erneut pairen und Raum erstellen.
der schlusssatz hat mich dann aber doch überrascht:
Das Gerät ist halt auch schon ziemlich alt und im Ernstfall leider nicht reparabel.
unsere etagenheizung dürfte so um die 20 oder 30 jahre alt sein und kürzlich wurden bei einer wartung geschätzt ein drittel der teile der anlage ausgetauscht. sensoren, teile der brennkammer und so. auch die 20-30 jahre alten thermostate funktionieren noch, auch wenn wir sie alle abmontiert haben und mit tado thermostaten ausgetauscht haben. vor sechs jahren haben wir uns die dinger ungefähr angeschafft, hier ist meine rezension von damals.
um die 70 euro kosten die dinger pro stück und tado meint die seien nach sechs jahren so veraltet, dass sie irreparabel seien?
ich finde das schon sehr irritierend, soetwas bei einem support-gespräch zu lesen, zumal es sich hier ja auch offensichtlich nicht um ein hardware, sondern ein software problem handelt. und weil die software proprietär ist, kann man da als endbenutzer auch nichts machen, ausser zu hoffen das abmelden und neuanmelden vielleicht hilft.
aber auch nach sechs jahren, mit teilweise schon „schon ziemlich alten“ thermostaten, bin ich, sind wir, nach wie vor super zufrieden mit dem tado-system. es ist nach wie vor eine der technologien in der wohnung, das im hintergrund arbeitet und für eine angenehme atmosphäre sorgt sorgt, ohne dass man sich um irgendwas kümmern muss. ausser natürlich wenn man während einer gaspreisexplosion die heizungssteuerung insgesamt ein paar grad reduzieren möchte und deshalb alle schaltpläne der heizung einmal anfasst — und dann wieder vergisst.
und ein ernstfall ist die fahrenheit-anzeige ja auch nicht. in der app und der API funktioniert weiterhin alles einwandfrei und auch die hardware zickt bisher nicht rum.
nachtrag: es stellte sich später heraus, dass die temperatur des thermostats auf fahrenheit konfiguriert war. umstellen konnte ich das in homekit. das thermostat funktioniert bis heute einwandfrei.
mit @homeassistant messe ich schon seit über einem jahr unseren stromverbrauch. dafür erfasse ich den stromzählerstand mit einer billigen, aufgeklebten esp-kamera und cloud OCR (zur zeit via google). die einzelwerte (lichter, spül-, wasch- etc-maschinen) erfasse ich mit ein paar mess-steckdosen aber vor allem mit der „custom integration“ homeassistant-powercalc, mit der die verbrauchswerte sich sehr akkurat berechnen/schätzen lassen. für die dusche und den boiler leite ich die werte von einem temperatursensor an der heisswasserleitung ab, dafür war einiges an kalibrierung und ausprobieren nötig, aber die werte passen mittlerweile ganz gut.
diesen monat habe ich angefangen, bzw. versucht auch den verbrauch der heizung zu erfassen. wir benutzen tado ventile und lassen tado auch alles steuern. tado nutzt die daten die wir erzeugen mittlerweile auch ganz sinnvoll und stellt Abonnenten seit ner weile eine ordentlich kalibrierte verbrauchsschätzung zur verfügung mit der sich auch historische daten zum vergleich anzeigen lassen.
erste erkenntnis hier, im vergleich zum vorjahr haben wir zwar unsere zieltemperaturen ordentlich gesenkt (1-3 grad), aber das gleiche wie im letzten november verbraucht (dafür war der oktober wärmer, da haben wir im vergleich 100% weniger verbraucht).
zweite erkenntnis: ein grossteil der energie geht bei uns für warmwassererzeugung drauf, der energieverbrauch für lichter und geräte ist nahezu verschwindend gering im vergleich zu der energie die für warmes wasser draufgeht.
dadurch dass ich jetzt den heizungsverbrauch einigermassen gut kenne, sehe ich das in den letzten beiden tagen, an denen ich sowohl gekocht als auch gebacken habe, der gasverbrauch des herds auch nochmal jeweils 15 kWh war. diese menge hat mich dann doch sehr überrascht (auch wenn die kWh gas sehr viel günstiger ist als die kWh strom).
wir (bzw. home assistant) schalten alle lichter bei nicht-gebrauch aus und haben ausschliesslich LEDs im einsatz. aber dass der energieverbrauch für lichter und geräte gerade mal 15-20 % unserer energiebilnaz (im winter) ausmacht, ist dann schon bemerkenswert.
(anmerkung: der gasbasierte energieverbrauch basiert auf der stark vereinfachten rechnung kWh = m³×10)
eigentlich lasse ich frida gerne an der schleppleine frei vor mir laufen — solange sie nicht weiter vorläuft als die schleppleine lang ist. zuhause, auf gewohnten wegen, klappt das super. auf geteerten wegen, bzw. auf wegen auf denen auch fahrräder unterwegs sind muss sie einen ein-meter-radius einhalten. das üben wir in berlin über kilometer hinweg — und das klappt so gut, dass sie milerweile sogar den abstand reduziert, also zu mir kommt, wenn sie radfahrer kommen sieht.
im urlaub klappt das nicht so gut, bzw. nicht auf dauer. da wird ihr vorauskundschaften, ihre prüfung des unbekannten was hinter jeder ecke, jeder erhöhung stecken könnte so einnehmend, dass sie uns an der leine schnell mal vergisst — obwohl es ihr ehrgeiz ist unser dreier-rudel stets beisammen zu halten..
glücklicherweise kann frida ihre modi ganz gut umschalten. wenn wir ihr signalisieren dass sie jetzt auf beinhöhe bleiben soll, macht sie das auch, wenn man aufpasst und kleine intentionen vorzupreschen mit winzigen leinensignalen quittiert. neben einem reagiert frida allerhöchstsensibel auf jedes noch so kleine leinensignal. mir ist jetzt auch aufgefallen warum: sie denkt, wenn ich neben ihr gehe, dass jedes leinensignal von mir kommt, quasi meine hand ist. ab einem abstand von einem meter werden die leinensignale immer ignorierbarer. sie kommen noch an, wenn sie stärker sind, aber ich glaube sie nimmt signale auf abstand eher als anonym, naturgegeben wahr — sie verbindet sie nicht mehr unmittelbar mit mir.
jedenfalls scheint es frida leicht zu fallen sich zurück zu nehmen, wenn wir ihr das signalisieren, und neben oder zwischen uns zu laufen. das klappt dann auch über kilometer hinweg, ohne weitere korrekturen. ich glaube einerseits ist das ziemlich anstrengend für sie, weil sie sehr auf uns achtet, aber weiterhin auch noch auf die neue umgebung achtet. andererseits überlässt sie uns dann auch alle entscheidungen, sie nimmt sich also nicht nur zurück, sondern ordnet sich, zumindest was das auskundschaften, bewerten, entscheiden angeht, völlig unter.
heute haben wir eine neue variante ausprobiert, weil die wege auf denen wir unterwegs waren zu eng waren um nebeneinander zu gehen, nicht nur zu dritt nebeneinander, sondern auch hund neben mensch. frida akzeptiert auf engen wegen (wenn es für sie sinn ergibt) auch sehr schön das kommando „hinten“. aber auf den engen felswegen heute wollte ich sie gerne im blick haben. also lautete die neue regel heute: katia läuft vor, frida darf sie nicht überholen, ich folge am ende. auch das hat erstaunlich gut geklappt. man merkte sie wäre gerne vorgelaufen, aber man merkte auch, dass sie die gesetzte grenze akzeptierte. gelegentlich waren leichte korrekturen nötig, aber insgesamt war das ein sehr entspanntes spazierengehen, auch auf breiteren wegen.
Vor ungefähr 25 Jahren, als ich das Internet für mich entdeckte, gab es kein Facebook oder Twitter, Google war noch ganz jung. Auf einem Server der Stanford-Universität lag aber schon eine Website, die „Jerry and David’s Guide to the World Wide Web“ hieß und sich ein paar Jahre später in Yahoo umbenennen würde.
Das Internet war so dezentral, wie es nur sein konnte, und deshalb auch undurchsichtig. Darum bemühten sich Menschen wie Jerry Yang und David Filo, Wegweiser für diese unübersichtliche Welt zu bauen.
Nach wie vor wollen sehr viele Menschen – und Firmen – Wegweiser durch die vernetzte Welt sein oder auch bauen. Auch wenn die großen Plattformen zunehmend wie schwarze Löcher wirken und versuchen, Besucher in ihren eigenen, geschlossenen Systemen einzuhegen, erschließen und verknüpfen sie weiterhin die dezentralen Weiten des Internets.
Was sich verändert hat, ist die Zugänglichkeit. Plattformen haben die Zugangsschwellen zum ehemals eher elitären, technisch anspruchsvollen Netz gesenkt. Um sich am Internet zu beteiligen, benötigt man heute nicht mehr viel technisches Wissen.
Der Preis für diese Bequemlichkeit, die niedrigschwellige Zugänglichkeit und hohe Vernetzungsdichte der kommerziellen Plattformen ist ein gewisser Verlust an Kontrolle. Wer ein Gefühl der Kontrolle behalten möchte, kann im Internet nach wie vor alles selbst machen. Einfach irgendwo Serverkapazität mieten und eine Website ins Netz stellen.
Ich habe lange einen erheblichen Teil meiner Zeit in meine selbstverwaltete Website gesteckt, die ich auch als Träger meiner Online-Identität ansah. Ich wollte mein digitales Ich nicht allein kommerziellen Plattformen überlassen. Werkzeuge, um meine Online-Aktivitäten in meinem Blog zu spiegeln und zu archivieren, Kommentare, Likes und Favs, Instagram- und Facebook-Posts ins Blog zu ziehen, fand ich zuhauf im Netz. Besonders ergiebig und faszinierend sind die Werkzeuge, die ein Kreis von ähnlich Denkenden unter dem Dach des Indieweb baut, sammelt und nutzt. Die Idee dahinter ist nicht nur, ein Netz von unabhängigen und dezentralen persönlichen Websites zu schaffen und (sozial) zu verbinden. Es geht auch darum, die großen, kommerziellen Plattformen in dieses unabhängige Netz funktional zu integrieren.
Aber man muss im Indieweb eben fast alles selber machen und verstehen – und dazu reichlich Zeit investieren. Und die Zeit ist ein Problem beim Selbermachen. Seit wir einen Hund haben und dank Corona mehr oder weniger immer zu Hause sind, habe ich schlagartig das Interesse am Bloggen und an dezentralen (und zentralen) sozialen Netzwerken verloren. Abgesehen von gelegentlichen Hundefotos auf Instagram mache ich online kaum noch etwas selbst.
Grundsätzlich mache ich natürlich weiterhin vieles selbst. Irgendwas gibt’s in der Wohnung immer zu optimieren, ich koche jeden Tag und überlege, ob ich noch mal die hydroponische Basilikum-Aufzucht mit Wachstumslampen in der Speisekammer angehen soll.
Vermutlich geht das vielen Menschen ähnlich: Selbermachen macht Spaß und befriedigt – aber alles selber zu machen, überzieht schnell das Lebenszeitkonto. Bei mir wurde das Interesse, am Aufbau von dezentralen sozialen Netzwerken mitzuwirken, vom Nestbau, der Wohnungsautomatisierung und Beschäftigung mit dem Hund abgelöst. Jemand, der Filme dreht und schneidet, will sich eher nicht auch selbst um das Hosting von Videodateien kümmern. Wer sich online gerne streitet, sucht wahrscheinlich nicht in den Nischen und dezentralen Alternativnetzwerken nach Mitstreitern, sondern da, wo ohnehin schon alle sind: auf den großen Plattformen.
Wenn ich aber die Augen zusammenkneife und meinen Abstand zu sozialen Netzwerken wegen Interessensverrückungen etwas erhöhe, fühlt sich das Internet immer noch an wie vor 25 Jahren. Unübersichtlich, voller bunter Nischen und bis zum Rand mit Potenzial gefüllt.
Oder um das Internet und die großen Plattformen mal mit dem Universum und dem ganzen Rest zu vergleichen: Mit Abstand erkennt man, dass schwarze Löcher zwar riesig und sehr attraktiv sind, aber auch, dass das Universum aus viel mehr als schwarzen Löchern besteht. Alles ist möglich, wenn man es macht – oder wenn’s passiert. Ich freue mich jedenfalls auf die nächsten 25 Jahre Internet.
Ich glaube mittlerweile, dass es so etwas wie Talent gar nicht gibt. Oder positiv formuliert: Talent kann man sich erarbeiten – wenn man denn will. Der Wille ist das Entscheidende. Genauso dürfte es sich mit der Kreativität verhalten. Jemand, der darüber klagt, nicht kreativ zu sein, klagt eigentlich darüber, seinen Geist nicht mehr ziellos umherirren lassen zu können. Ziellosigkeit, ein Verhalten, das nichts direkt erreichen will, das eigentlich überflüssig ist, nennt man auch Spiel.
Die Fähigkeit, zu spielen, haben wir alle mal besessen. Jeder Mensch war als Kind voller Kreativität (oder wie man bei jüngeren Menschen sagt: Fantasie). Im Laufe des Lebens konzentrieren Menschen sich mehr und mehr auf die nützlicheren Dinge, formulieren Ziele oder – auch sehr beliebt – arbeiten am Aufbau ihrer Existenzängste. Ängste oder (gefühlte) Mangelzustände hemmen die Spielbereitschaft und stärken die Zielstrebigkeit.
In meiner vorletzten Kolumne schrieb ich:
„Spiel hilft uns nicht nur, die Welt zu erfahren und besser zu verstehen, durch Spiel, zweckentbundenes, also zielloses Verhalten, schaffen wir im besten Fall auch Neues.“
Aber ganz so einfach ist es mit der Kreativität natürlich auch nicht. Spielbereitschaft, die Bereitschaft zum ziellosen (geistigen) Umherwandern, ist nicht alles. Kreativität ist harte Arbeit, auch wenn das von außen nicht immer so aussieht.
Mein Verständnis von Kreativität sieht kurz gefasst so aus:
Eingabe und Verarbeitung kommen dem klassischen Spiel nahe. Um kreativ zu sein, muss man erst mal unzählige Eindrücke und Bilder sammeln. Mit diesen Eindrücken kann man spielen, sie neu kombinieren und sie zu verstehen versuchen. Als Kinder laufen wir mit offenen Augen durch die Welt, nehmen alles in uns auf, spielen das Gesehene nach, verdauen, variieren, kombinieren und sezieren alles immer wieder neu – und lernen so, nach und nach die Welt zu verstehen.
Im Erwachsenenalter hapert es schon bei der Eingabe gelegentlich. Wir filtern das vermeintlich Nutzlose, blenden Eindrücke aus, kneifen die Augen zusammen. Sehen muss man immer wieder neu lernen und optimieren. Maler sehen nicht nur Muster, wenn sie sich einen Sonnenuntergang ansehen, sondern auch Farbflächen. Architekten sehen Linien, wo gar keine sind. Jemand mit einem Hammer in der Hand sieht überall Nägel.
Sehen alleine reicht für die Eingabe natürlich nicht aus; das Gesehene muss verarbeitet werden. Viele sprechen in diesem Zusammenhang auch vom lebenslangen Lernen. Keine Erfindung ist aus dem Nichts entstanden, Neues entsteht immer auf den Schultern, den Vorarbeiten anderer. Zu sehen, zu verstehen, neugierig auf das sein, was andere machen, ohne Ende zu lernen – das schafft einen Strom an Eindrücken, den wir dann verdauen, verarbeiten, bebrüten und neu zusammensetzen können.
Dabei kommt, wie immer bei Verdauungsvorgängen, viel Mist heraus. Auch hier ist eine gut trainierte Mustererkennung hilfreich, um die Goldadern im Mist zu entdecken.
Muster im Chaos, im Mist zu erkennen, ist das Aha-Erlebnis der Kreativität. Nachdem man Bilder und Muster in sich aufgenommen hat, die ankommenden Daten verarbeitet, damit gespielt, sie zerschnitten und neu zusammengesetzt hat, kommt am Ende eine mickrige Idee raus. Die Ideen, die am Ende des Prozesses heraustropfen, sind das eine Prozent, das Thomas Alva Edison meinte, als er sagte, dass „Kreativität zu einem Prozent Inspiration und zu 99 Prozent Transpiration“ sei. Die restlichen 99 Prozent sind die Ausarbeitung und die Prüfung der Ideen – ob sie vielleicht doch Mist sind oder zu glänzen vermögen.
Kreative Arbeit beinhaltet viele vermeintlich nutzlose Tätigkeiten. Sie erfordert Zeit, lebenslanges Lernen, endlose Informationsaufnahme und Mustererkennung – und ist nicht immer von Erfolg gekrönt. Vor allem gibt es keine Patentrezepte für Kreativität – außer vielleicht, dass es ein Anfang sein kann, auch das Nutzlose als zielführend anzusehen, den Spaß am Spiel neu zu entdecken und eine unbändige Neugier auf die Welt zu entwickeln. Freude am Scheitern, oder besser: Wille und Bereitschaft, immer wieder zu straucheln, bis irgendwann etwas Gutes herauskommt, ist dann doch etwas, was man Talent nennen könnte.
„Dinge geregelt kriegen ohne einen Funken Selbstdisziplin“ – Kathrin Passig und Sascha Lobo haben in ihrem Buch vor 13 Jahren das „Pro“ in Prokrastination herausgearbeitet: wie man wichtige Arbeiten vor sich herschiebt und trotzdem produktiv bleibt und Sachen erledigt bekommt.
Mich hat das Buch damals tief beeindruckt, weil es mir half, eine meiner vermeintlich schlechten Charaktereigenschaften – alles so lange aufzuschieben, bis es fast knallt – zu rationalisieren und zum bewussten und produktiven Selbstbetrug zu nutzen.
Mittlerweile habe ich das Aufschieben professionalisiert. Alles, was ich erledigen muss oder will oder auch Ideen, die ich habe, schreibe ich mir sorgfältig mit Fälligkeitsdatum und Priorität in mein Erledigungsprogramm, für das ich mir sogar eine Premium-Lizenz besorgt habe.
Damit befreie ich meinen Kopf von allen dringenden und drängenden Aufgaben. Das Beste ist allerdings, dass sich Arbeit per App noch besser und einfacher aufschieben lässt als im Kopf oder auf Papier. Taucht zum Beispiel die Mahnung auf, dass ich meine t3n-Kolumne mal langsam schreiben müsste, lässt sie sich per Klick einfach auf den nächsten Tag oder die nächste Woche verschieben. Mir fällt es überhaupt nicht schwer, so eine Aufgabe mehrere Wochen vor mir herzuschieben. Der Druck kommt dann erst mit den E-Mails aus der Redaktion.
Diese Umwidmung einer To-do-App in eine To-not-do-App hilft mir nicht nur, einen freien und klaren Kopf zu behalten; viele Aufgaben erledigen sich so auch von selbst oder werden mit der Zeit egal.
Natürlich gibt es effizientere Methoden, Dinge zu erledigen. Der entscheidende Punkt ist aber nicht, welche Produktivitätsstrategie die effizienteste oder beste ist, sondern welche Methoden es mir persönlich erleichtern, die Anforderungen meines Lebens am besten auszubalancieren.
Das gilt nicht nur für Aufgabenmassen, sondern auch für die Reizüberflutung und die „Informationsgewitter“, die in der vernetzten Welt auf uns einprasseln.
Früher™, so vor 18 Jahren, als ich anfing, ins Internet zu schreiben, habe ich mich manchmal absichtlich in einen Zustand der Gereiztheit versetzt, um zu bloggen. Mangel an Dingen, über die man sich aufregen konnte, gab es auch damals nicht. Nach dem Bloggen schwoll meine selbst provozierte Aufregung immer ganz schnell ab. Später habe ich meine Strategie geändert; ich schrieb weiterhin über Dinge, die mich aufregten, versuchte sie aber so weit zu differenzieren, dass mein Ärger schon beim Schreiben verflog. Das Bloggen wurde für mich zu einer Art Verdauungsvorgang, mit dem ich die digitalen Reize relativ einfach runterkühlen und mich so auf den Rest meines Lebens oder das nächste Reizthema konzentrieren konnte.
Mittlerweile blogge ich fast nur noch aufschiebend: Ich setze mir Lesezeichen und notiere mir Sachen, über die ich schreiben könnte, und schiebe sie dann vor mir her – bis ich sie im Backlog vergesse: backloggen statt webloggen.
Das Ergebnis bleibt das gleiche: Ich rege mich kaum noch auf; die Empörungswellen auf Twitter beobachte ich zwar, lasse sie aber an mir vorbeiziehen. Dem politischen Geschehen folge ich, schaffe es aber nicht, mich darüber aufzuregen. Ich weiß, dass eh alles komplizierter ist, als es scheint, und es fahrlässig wäre, sich vorschnell Meinungen zu bilden. Deshalb plane ich dann meist die Meinungsbildung für einen späteren Zeitpunkt. So schiebe ich nicht nur dringende Arbeiten vor mir her, sondern auch die Aufregung.
„Aufgeschoben ist nicht aufgehoben“, sagt der Volksmund, dem ich hier offiziell widersprechen möchte:
Zunächst ist Aufgeschobenes in meiner Erledigungsliste sehr wohl gut aufgehoben. Und andererseits macht Aufschieben den Blick frei für das Wesentliche. Aufschieben entlastet – zumindest temporär – und lässt einen die Dinge, hinter denen Druck steht, entspannter, ruhiger und pragmatischer angehen. Den Kopf freizumachen von vermeintlich dringenden Aufgaben, falschen Meinungen anderer, vom schnellen Meinungsäußerungsdruck – das könnte man auch innere Ruhe, Mindfulness oder Achtsamkeit nennen. Ich nenne es lieber Prioritätensetzen durch Schieben und milden und gezielten Selbstbetrug. Durch diese „Filtersouveränität“ (selbstgemachte Definition!) lassen sich Stress, Aufregung oder Gereiztheit zeitlich und räumlich eingrenzen und ein bisschen steuern.
ich sitze im sessel und gucke fern. die beifahrein bringt mir eine schüssel mit nachtisch: getrocknete mango und ananas, nüsse und schokolade. #frida soll auf der decke liegen, tut sie auch, schaut mich mit grossen augen an, aber bettelt nicht. ich freu mich als sie irgendwann sogar den kopf abwendet und auf den boden legt.
ich öffne mein handy und die home-app mit der kamera in dem raum in dem #frida gerade liegt, quasi neben dem nachtisch, und gehe aufs klo.
sie bleibt liegen, für ne weile, steht dann aber auf und schnüffelt in richtung nachtisch-schüsselchen. ich rufe aus dem bad ruhig aber deutlich: „nein! leg dich wieder hin!“ nach den obligatorischen 10 sekunden die sie nach aufforderungen ohne körpersprachlichen zusatzdruck vergehen lässt, legt sie sich wieder hin.
damit hat sie sich ne nuss verdient, die hoffentlich nicht die ganzen erziehungsmassnahmen wieder kaputtmacht. bin trotzdem so stolz, dass ich mich bemüssigt fühle das aufzuschreiben. und wenn ich gerade dabei bin …
heute früh hätte ich sie auch knutschen können. auf dem heimweg vom morgendlichen spaziergang und training fand sie einen grossen, abgenagten hühnerknochen. mein „nein!“ liess sie (beim schnüffeln) zögern, aber vom knochen liess sie noch nicht ab. noch ein „nein!“ half immer noch nicht, sie schnüffelte weiter dran, erst ein drittes „nein!“ mit einem leichten leinenrückeln (am geschirr) war nötig bis sie abliess.
10 meter weiter wieder ein hühnerknochen. diesmal hab ich ihn zuerst gesehen und konnte sie schon „neinen“, als sie sich mit der nase näherte. da liess sie gleich vom knochen ab. ich hatte nur noch trockenfutter als leckerchen dabei, aber davon hat sie dann ein paar bekommen.
auch erfreulich: seit ner weile scheinen wir frida so weit auszulasten, dass sie in der wohnung wirklich total entspannt. morgens zwischen sechs und sieben gehe ich mit ihr für ne stunde und ungefähr 5 kilometer raus, einmal von zuhause durch den goethepark und die rehberge. unterwegs, meistens im goethepark, bekommt sie ihr halbe futterportion im futterbeutel, die sie sich durch bleiben beim werfen und ordentliches apportieren erarbeiten muss. das futterbeuteln variiere ich, lass sie sitzen und versteck den beutel (der beutel riecht mittlerweile so stark, dass sie ihn riecht, wenn sie einen meter an ihm vorbei läuft) oder häng ihn in bäume.
eine kleine portion dosenfutter kann sie sich durch ordentliches apportieren ihres lieblingszerrspielzeugs, dem ball mit der schnur, erarbeiten. ausserdem vertiefe ich draussen die tricks die wir gerade trainieren, dabei kann sie sich dünne scheiben eines kleinen geflügelwürstchens erarbeiten; derzeit üben wir „pfötchen“ (rechte hand geben, funktioniert fast perfekt), „hand“ (linke hand, klappt schon in ansätzen), platz aus dem lauf, down aus dem platz (kinn auf den boden, diekt vor mir und aus der distanz, klappt super weil sie das selber ständig macht, sobald sie andere hunde sieht), achten durch die beine laufen (fast perfekt, nur am tempo müssen wir noch arbeiten), „around“ (von links nach rechts um hindernisse/bäume laufen, klappt super, mit bis zu 5 metern abstand zum hinderniss), „circle“ (von rechts nach links um hindernisse laufen, klappt in ansätzen). was auch endlich klappt: sitzen und hinlegen aus der distanz, das war ein langer weg, den durchbruch hat das werfen der belohnung hinter sie gebracht, damit hat sie verstanden, wenn der rechte arm oben ist, muss sie nicht erst zu mir kommen fürs sitzen oder platzen.
den rest des geflügelwürstchen bekommt sie fürs streckenweise „bei mir°“ laufen („fuss!“ mögen wir ihr nicht sagen oder beibringen), für sauberes „stopp!“ auch aus der distanz.
auch wenn sie zuhause (mit ein paar ausnahmen) nichts mehr zu fressen bekommt, sondern sich ihr essen eben nur noch draussen erarbeitet, motiviert sie das essen gar nicht so sehr. den rückruf haben wir mit allen möglichen super-foods aufgebaut, leberwurst, dosenfutter, getrockneter fisch, aber richtig tempo ist erst mit dem ball mit der schnur reingekommen. die aussicht auf ein gediegenes zerrspiel mit dem ball lässt sie wirklich den turbo beim rückruf einschalten, genauso beim curving (um hindernisse laufen). zerren ist das tollste. drinnen läuft das wild, aber sehr sehr gesittet ab, draussen dreht sie beim zerren wirklich auf 180 auf. aber sie lässt sich auch draussen, mit einem leisen „aus!“ unterbrechen und mittlerweile lassen sich dann in den kurzen, angespannten pausen sogar tricks abrufen:
heute beim zerren: „aus!“, „sitz!“ führte zu angespanntem, zitternderndem sitzen und starren auf den ball hinter meinem rücken und ich wagte noch einen drauf zu setzen: „pfötchen!“ — ohne den blick abzuwenden legte sie die rechte hand in meine linke und sprang wie ein tiger in richtung ball als ich leise mit „OK“ auflöste.
diese kleinen gesten und kleinen erfolge machen mich wirklich glücklich und ich glaube frida machen sie auch spass. ich weiss, dass pudel einen ausgeprägten „will to please“ haben sollen, aber ich beobachte das (ganz leicht) abweichend: ich habe das gefühl, dass frida sachen gerne richtig machen würde und nur frustriert ist, wenn sie mich nicht versteht (ich mich nicht deutlich oder eindeutig genug ausdrücke). das ist dann weniger: „was soll ich denn jetzt machen?“ als viel mehr frust weil sie mich nicht versteht. letztendlich ist das neben dem „will to understand“ natürlich auch „will to please“, also der wille sachen so zu machen wie ich es will.
jedenfalls scheint sie das gut auszulasten, wenn wir gegen acht zurück sind schläft sie meistens bis 10 oder 11 uhr, geht kurz gassi und schläft dann mehr oder weniger bis 14 oder 15 uhr durch. in den gassi-runden klappt’s auch perfekt mit der leinenführigkeit, bzw. da ist dann nicht viel zu führen, weil sie dann einfach perfekt neben mir hertrottet. auf dem weg zum park ist ihr vorfreude immer so gross, dass ich sie immer wieder daran erinnern muss, dass auf dem bürgersteig ihr platz neben mir oder nahe mir ist.
ab 15 uhr will sie spätestens wieder beschäftigt werden. meisten üben wir dann weiter tricks (im moment rückwärts gehen, über mein bein springen, links/rechts unterscheiden lernen, männchen im sitzen ohne abstützen).
danach wird weitergeschlafen oder entspannt rumgeräkelt, bis 16 oder 17 uhr, wo dann die beifahrerin mit ihr eine stunde in die rehberge geht. eigentlich war das immer so gegen 17/18 uhr angesagt, aber die sommerzeit sorgt dafür dass es gegen 18 uhr schon dunkel ist, also müssen die beiden früher los. unterwegs mit der beifahrerin spielt frida dann oft mit anderen hunden fangen und frisst ihren zweiten futterbeutelinhalt. danach schläft sie im prinzip durch bis 6 uhr morgens, unterbrochen mit ein paar abendlichen kau-sessions an holzknochen oder rotwild-hörnern, fernsehen schaut sie auch gerne und aufmerksam.
was hingegen noch gar nicht klappt ist trennung. wenn ich oder die beifahrerin alleine mit ihr los gehen, ist das kein problem, dass einer zuhause zurückbleibt. aber wenn wir zusammen gehen und uns trennen weil einer noch was erledigen muss, fällt ihr das sehr schwer. sie meint dann die herde zusammenhalten zu müssen, obwohl sie uns mittlerweile durchaus die meisten entscheidungen zutraut und uns überlässt. uns zu trennen, auch nur für kurze zeit, hält sie für eine falsche entscheidung die sie korrigieren muss. auch wenn einer von uns die wohnung ohne sie verlässt erzeugt das grosse frustration bei ihr, obwohl ihr die erfahrung sagt, dass wir immer zurückkommen. immerhin verlässt sie die wohnung erst nach aufforderung, obwohl sie mit sicherheit am liebsten immer mit rausstürmen würde.
sehr froh sind wir auch dass frida kaum bellt. gelegentlich bellt sie wenn überhaupt aus frust oder übererregung, meistens beim fangen spielen, wenn ein anderer hund mal schneller als sie ist, oder manchmal, wenn sie mich beim training nicht versteht. gelegentlich bricht ein kurzes bellen aus ihr heraus wenn sie jammert dass jemand ohne sie die wohnung verlassen hat. türklingeln macht sie neugierig, aber weil wir ihr sehr deutlich machen, dass das unser besuch ist (und nicht ihrer) bleibt es bei neugierde (statt eskalierender freude). fremde menschen findet sie grundsätzlich toll, auf der strasse teilweise sogar toller als fremde hunde. als kürzlich ein fremder mensch durch unsere wohnung lief (um sie zu vermessen) ignorierte sie den (nachdem wir sie ins körbchen beordert hatten) genauso entspannt wie wir und kaute auf ihren hölzern rum.
aggressivität haben wir bei frida noch nicht beobachtet, angst eigentlich auch nicht. sie mochte zwar für eine weile nicht besonders gerne über holzbrücken gehen, vor allem wenn die spaltmasse grösser als ein paar millimeter waren, aber irgendwann vergass sie das einfach. offene treppen findet sie unheimlich, aber in der sächsischen schweiz hat sie sich nach anfänglichem zögern entschlossen die doch zu begehen, wenns sie nicht höher als 5 stufen waren. höhen sind ihr unheimlich, aber das hindert sie nicht an jedem, wirklich jedem abgrund (vorsichtig) nach unten zu schauen. grosse hunde, auch sehr grosse, flössen ihr merklich respekt ein, aber ihre skepsis wurde bis jetzt immer von ihrer neugier weggespült. meistens zögert sie nur kurz bei dingen oder lebewesen die ihr unheimlich sind und nähert sich den dingen dann aus eigenem antrieb. es hilft ihr wenn ich signalisiere oder sage, dass alles ok ist, aber eigentlich braucht sie mich nicht um sich zu überwinden.
im gegenteil: kürzlich gingen wir an einer frau vorbei, die in eime rollstuhl sass. frida stoppte mich, sah zu mir und dann zur frau. die frau meinte, dass sie, wie andere hunde, wohl angst vor dem rollstuhl habe, aber tatsächlich war sich frida nur unschlüssig ob ich es ihr erlauben würde die frau auf leckerchen zu untersuchen. auf mein signal, dass sie ruhig mal hingehen könne, sprang sie fröhlich am rollstuhl entlang, sagte hallo und schaute ob die bauchtasche der frau vielleicht nach leckerchen roch. tat sie nicht; weiter gings.