ausgedachte akademie, selbstgestellte probleme, uslar lesen, vorbilder selbst malen
mir ist aufgefallen, dass ich das, was man heute gerne vibe coding nennt, schon seit jahrzehnten mache. nämlich an probleme mit wenig ahnung, aber einem ausgeprägten gefühl für einen lösungsansatz rangehen und solange an der lösung dengeln, bis das problem gelöst ist oder es so funktioniert wie ich mir das vorher vorgestellt habe.
schon die ersten versionen dieser website habe ich durchgehend mit fremder programmierhilfe selbst gebaut. weil es damals keine LLMs gab, die ihr angelesenes wissen mit mir teilen, musste ich damals selbst auf das wissen anderer menschen mit mehr ahnung zurückgreifen. deren wissen musste ich mir früher mühsam selbst zusammensuchen, meistens indem ich meine fragen in stichworte aufteilte und mich dann schritt für schritt einer lösung entgegenhangelte.
an der ersten inkarnation dieser website habe ich so um die 15 oder 20 jahre lang geschraubt, bis sie den funktionsumfang hatte, den ich mir vorgestellt habe. mittlerweile hat der funktionsumfang nach dem neustart dieser website, meiner einschätzung nach, wieder das niveau des vorgängers erreicht — in weniger als einem jahr. dieses mal ging es zwar schneller, aber ehrlichgesagt schätze ich dass die qualität dessen was hinten rausgekommen ist um ein vielfaches besser ist als die vorgänger-versionen.
ich höre schon die rufe: das ist dann aber kein wartungsfreundlicher code und würde dann antworten: stimmt. aber darum geht’s gar nicht. die imperfektion, die zwischenlösung, der weg ist das ziel.
in kathrin passigs klappentext zu „weniger schlecht programmieren“ wird nils bohr zitiert:
Ein Experte ist jemand, der auf einem Spezialgebiet alle denkbaren Fehler bereits gemacht hat.
wie langweilig wäre das denn, wenn ich mich nicht mehr in die lösung selbstgestellter und selbstgemachter probleme knien könnte? möglicherweise kann man das mit dem bergsteigen vergleichen: es geht nicht darum die berge flacher oder steigfreundlich zu machen, sondern möglichst immer steilere berge zu finden. es geht weniger darum probleme zu lösen, als immer wieder neue probleme zu finden und die arbeit an ihrer lösung zu geniessen und die berge unterwegs besser kennen zu lernen. ich rolle den stein immer wieder bergauf, nicht weil mich die götter dazu verurteilt haben, sondern weil ich den stein gerne bergaufwärts rolle und bergabrollen langweilig wäre.
johannes weist darauf hin, dass moritz von uslar regelmässig ins internet schreibt. liest sich gut:
(12.03.2026) Erika Thomalla hatte einen alten Text von Christian Kracht vorgelesen, 1994 in der Zeitschrift Tempo erschienen, Thema: ein Porträt des damaligen SPD-Kanzlerkandidaten Rudolf Scharping (das ist der, der zurücktreten musste, weil er für Bunte mit einer Gräfin in einem Pool planschen war). Der Text, ganz normal vorgelesen, löste sofort Beklemmung, Ratlosigkeit, dann auch: Entsetzen aus, im Publikum wie bei uns auf der Bühne. Es war Popjournalismus pur, die damals absolut als toll empfundene Mischung aus Ultra-Snobismus, ja, auch Menschenverachtung, klar, (hier eher: Scharping-Verachtung), irrem Rumgelaber auf Seitenwegen (in diesem Kracht-Text: das Deutsche an sich, schwere Arbeit, schwer Böden, Bäuerinnen mit großen Brüsten, hä?) und ein paar sehr direkten, gut sitzenden Killersätzen.
ben_ zählt männervorbilder auf. muss ich glaube ich nochmal drüber nachdenken, aber spontan würde ich sagen: vorbilder hatte ich nie. es gab immer einige menschen, die ich gut oder interessant fand, deren verhalten oder deren art ich in bestimmten situationen auch mal nachahmen würde. prägender waren menschen die mich dazu brachten bestimmte dinge nicht zu tun, deren verhalten oder deren art ich unter keinen umständen replizieren wollen würde. ich wollte auch nie zu einer gruppe gehören, aber dafür habe ich immer wieder interesse an gruppen entwickelt, die ich gerne mal kennenlernen würde oder gerne aus der nähe beobachten würde.
viel mehr als vorbilder haben mich fragen beschäftigt: wie will ich sein, wie will ich mich verhalten, was will ich können, was brauche ich nicht, wie löse ich das nächste problem?
ich erinnere mich daran, irgendwann in den achtziger jahren im fernsehen einen sehr alten mann gesehen zu haben, der ganz anders war als alle anderen alten menschen, die ich bis dahin kannte. der alte mann, der vielleicht gar nicht mal so alt war, aber auf mein 14 oder 15 jähriges ich sehr alt wirkte, stach deshalb hervor, weil er bescheiden, klug, neugierig, positiv, wach, interessiert, euphorisch und der zukunft zugewandt schien. die alten menschen die ich bis dahin kannte lebten grösstenteils in der vergangenheit (oder erzählten grösstenteils geschichten aus ihrer vergangenheit), fanden die moderne welt nicht besonders gut, zeigten kaum neugier, waren grumpy und stachen nicht gerade durch klugheit hervor.
selbst ein alter mann zu werden schien mir angesichts der alten menschen die ich damals kannte nicht besonders erstrebenswert. bis ich diesen eigenartigen alten mann im fernsehen sah. ich weiss bis heute nicht wer der alte mann war und ob ich mir heute mehr dazu zurechtreime als damals, aber diesen menschen würde ich durchaus als vorbild bezeichnen, auch wenn ich mir auch dieses vorbild, wie die meisten anderen vorbilder, wohl vor allem selbst ausgemalt habe.
eben hab ich das staffelende von starfleet academy geguckt. das war wieder fast unerträglich. immerhin haben sie ein zitat gebracht, das mich zum mitschreiben inspirierte. man kann das zitat aus captain nahla akes schlussplädoyer — oder das ganze finale — auch als kommentar zur politischen lage in den USA lesen:
you never grew up. and it got us right here. so the questions i’d ask all these people watching: is this the person you want to follow into the future? an angry child with his finger on the trigger, whose entire worldview is based on a lie?
steven colbert, der den elektrischen KI-dekan aus der PA gesprochen hat, wird sich vielleicht auch drüber gefreut haben.































heiko ist auf dem richtigen weg: man muss seinem RSS sehr viel aufmerksamkeit und liebe schenken um damit die aufmerksamkeit der RSS lesenden (ein bisschen) zu belohnen. denn RSS leser und leserinnen sind die besten und treuesten begleiter aller die ins internet schreiben.