#rp26, tag 3 und fazit
mein highlight des dritten und letzten republica tag war arne semsrott, der über die kraft der zivilgesellschaft sprach. das war hoffnungstiftend und anschaulich. das war zwar auch der aufruf etwas zu tun, sich in dieser ominösen zivilgesellschaft zu engagieren, aber es war vor allem die aussage: schaut mal, wie gut die zivilgesellschaft hier, hier und hier funktioniert.
arne semsrott machte das anschaulich, wozu ich theoretisch in meiner session versucht habe herzuleiten: die krisen unserer zeit (die scheisse) ist eine handlungsaufforderung. nur das arne semsrott ganz konkret auf vorhandene initiativen zeigte, die gut funktionieren.
Wir hatten äh die größte Protestwelle überhaupt 2024. Die Leute, die sind alle da. Und es wird dann vielleicht über diese Protestwelle gesagt, die hat ja irgendwie nichts bewegt und das ist komplett falsch. Die hat so viele Netzwerke überall in Deutschland geschaffen. Die sind alle noch da. Es gibt die Omas gegen rechts inzwischen, überall.
Ja, und auch die Omas gegen rechts, […] die sagen, wir sind da und wir gehen hier auch nicht weg. Und das ändert auch wirklich eine Demo, wenn eine Oma sagt, ja, trag mich doch weg, Polizist. Das es macht wirklich einen Unterschied. […] Wir sind alle da und wir sind viele. Wir sind die Gegenmacht, wenn wir uns auf unsere Kraft besinnen, wenn wir solidarisch sind, wenn wir Unterstützungsstrukturen machen, wenn wir Transparenz einfordern, wenn wir neue Räume schaffen, wenn wir dabei Freude haben.
ich finde es lohnt sich, diese knappe stunde zu investieren und zu hören, was arne semsrott gesagt hat.
in die gleiche kerbe schlug fabian grischkat. er zeigte was er tat um rechte zu ärgern. wie man gegenhalkten kann und dabei freude haben kann, trotz aller düsternis. ich war ein bisschen erschüttert davon, wie professionell, eloquent und telegen diese jungen menschen heutzutage sind. ich weiss wirklich nicht, wie sich irgendwer übver die jugend von heute oder gen y, z oder alpha beklagen kann. ausser natürlich: neid.
um die mittagszeit habe ich mir dann noch zwei sessions am energiemobild angesehen. so schön aussernbühnen auch sind, wenns regnet wird dann halt feucht.
matthias quent hat alte erinnerungen an uni-vorlesungen geweckt. duktus, inhalt, folien und das siezen der studierenden des publikums, alles wie damals. nicht schlecht, alles sehr pragmatisch, gut strukturiert und aufbereitet, aber selbst philip armthor konnte sich besser ins publikum einfühlen als matthias quent.

während maren urner mich vor zwei jahren mit ihrem vortrag vom hocker gehauen hatte, fand ich den vortrag dieses jahr nur sehr gut. ich kann mich keine 20 stunden später auch nicht mehr erinnern über was sie im detail gesprochen hat, ausser dass es auch bei ihr darum ging, dass hoffnung gut ist, ein werkzeug (oder kognitive strategie) und dass praktizierte hoffnung gesellschaftliche strategien verändern kann. auch sie betonte, wie cory doctorow, dass hoffnung aktiv und optimismus passiv sei. damit war ich wahrscheinlich der einzige sprecher auf der republica, der ein gutes haar am optimismus gelassen hat, bzw. ihn einfach umdefiniert habe zu etwas aktivem.
die entkrempelung der welt von gabriel yoran war angenehm offtopic, unaufgeregt, unterhaltsam und auch ein bisschen lehrreich. parallel zu gabriel sprach auf stage 1 tilo jung über politische rhetorik und tat so, als sei es überraschend, dass politik und regierungen ihre eigenen aktionen und kriege rhtorisch positiv darstellen und die aktionen und kriege ihrer gegner negativ. nächstes jahr spricht tilo jung dann über seine erkenntnis, dass manche politiker oder parteien im wahlkampf manchmal mehr versprechen als sie dann in der regierung umsetzen. 2028 folgt dann ein deep dive dazu, warum pressesprecher nicht immer alles sagen, was sie wissen.
von albrecht von luckes session habe ich nur das ende mitbekommen. aber da sagte er etwas (mittel) bemerkenswertes:
Und insofern wäre es, und das wäre mein Vorschlag zum Schluss, es wäre doch zu überlegen, ob nicht die republica einen Anfang machen könnte, dergestalt, dass man, nachdem man hier so ungemein spannende Vorträge gehört hat, dass man sie anschließend auch wieder zu Papier bringt, dass man gewissermaßen, wie es frühere Kirchentage übrigens [auch] gemacht haben, einen Rechenschaftsbericht über die relevantesten Themen, Thesen und auch Papiere zum Tragen bringt, die genau dieser Beliebigkeit des gesprochenen Wortes, das so flüchtig ist, etwas entgegensetzt.
ich bin ja sehr dankbar, dass ein grossteil der republica vorträge und sessions sofort oder nach einer kurzen verzögerung auf youtube landen. zu die meisten videos erstellt youtube auch automatisch eine abschrift (komischerweise ist das bei markus beckedahls vortrag deaktiviert), verschriftlicht sie also. aber wenn die vorträge nicht nur in der amerikanischen youtube-cloud weiterleben würde, sondern auch als einfache text/html datei, dann würde das nicht nur crawler, sondern auch menschen helfen. man könnte einfacher aus ihnen zitieren, deeplinken und sie besser wiederfinden. ich habe das mit meinen republica-vorträgen gelegentlich versucht (rp12, rp14, rp17, rp18, rp26), aber offensichtlich war mir das in den meisten jahren dann doch zu viel arbeit. dieses jahr hatte ich den vortrag, angesichts der kleinen bühne und fehlenden aufzeichnung, von anfang an so geschrieben, dass er ohne folien funktioniert, weshalb er sich auch recht einfach verschriftlichen liess.
zwischendurch, während der republica fand ich auf der fediwall eine diskussion darüber, warum die republica-videos nicht auf einer peertube instanz landen. ohne die beweggründe der republica zu kennen, vermute ich aber mal, dass — wie so oft bei amerikanischen plattformen — bequemlichkeit, zuverlässigkeit, zugänglichkeit und reichweite eine rolle spielen. der deal ist ja im prinzip nicht schlecht: man lädt terrabyteweise video-datei hoch und youtube hostet die jahrzehntelang kostenlos und gut zugänglich. auf der anderen seite könnte jeder der genügend speicherplatz und eine peertube-instanz zur hand hat, die videos von youtube downloaden und auf peertube zur verfügung stellen. alle republica-videos sind mit einer CC BY-SA 4.0 lizenz versehen.
ich freu mich jedenfalls wie jedes jahr darüber, auch nach der dreitägigen druckbetankung mit ideen, impulsen und bildern noch mehr davon auf youtube asynchron nachzukonsumieren.
fazit
ich wiederhole mich, aber es war schon erstaunlich wie sich dieses jahr — zumindest in den sessions deren zeuge ich wurde — das thema hoffnung durch als meta-motto abzeichnete. vielleicht ist arne semsrotts flapsige zusammenfassung des stimmungsbilds, das er am anfang seines vortrags einzufangen versuchte, sogar die eigentliche essenz der diesjährigen republica:
Okay, ihr fühlt euch von der AfD bedroht, aber es geht euch gut dabei. Das ist doch schön.
um das positiv zu drehen: nicht nur die speaker waren überwiegend hoffnungsvoll, sondern auch die besucher der republica. das heisst die scheisse der welt, die poly-krise, lähmt uns nicht, sondern weist auf einen aufbruch hin, auf eine verschiebung der prioritäten, funktioniert als handlungsaufforderung.
was ich auch positiv sehe: blogs sind dieses jahr viel sichtbarer. das kann daran liegen, das rivva dieses jahr einen eigenen #rp26 stream hatte, inklusive RSS, aber vielleicht auch daran, dass es tatsächlich eine kleine blog-renaissance in den letzten 12 monaten gab. letztes jahr war ich beinahe schockiert darüber, wie wenig resonanz die republica in meinem RSS reader hervorrief. weiter unten veröffentliche ich ein paar der blogbeiträge, die ich gerne gelesen habe.
das essen war dieses jahr besser als letztes jahr. ich habe jeden tag ein gericht eines anderen food-lastwagens ausprobiert und auch wenn das letzte das beste war, war alles ok.

am montag habe ich eine einladung für wedium bekommen („Welcome on board! You´re one of the first believers and testers of wedium!“). zuerst dachte ich: „wow, gutes timing zur republica“. während der republica habe ich aber weder dran gedacht, noch eine veranlassung gesehen etwas auf wedium zu posten. wenn man einen wedium-beitrag „teilt“, bekommt man die url des bilds, sonst nix (beispiel). hashtags gehen noch nicht, scheint alles noch sehr, sehr früh und unfertig zu sein. ich kann jedenfalls noch keinen grund erkennen, warum ich das nutzen sollte.
loosysays.com: 20.05.2026 – Optimismus! – re:publica 2026 Tag 3 #rp26
Dann aber Closing Ceremony […] wieder ermutigende Zahlen (deutlich mehr als die Hälfte der Besucherinnen und Speakerinnen sind weiblich), ein ordentlicher Abschied für Johnny und Tanja (der bei der Opening Ceremony schlicht gefehlt hatte) und schöne, hoffnungsvolle Worte zu den Beiden. Darüber, wie es die Welt besser macht, wenn man Räume so gestaltet, dass sich Frauen dort wohl fühlen, weil sie dann für alle ein besserer Ort sind. Darüber, dass sich bei der re:publica alle auf einen Mindestkonsens (Menschenrechte, Demokratie und sowas) einigen können.
loosysays.com: 19.05.2026 – Willkommen im Cottage – re:publica 2026 Tag 2 #rp26
Hinterher stolpere ich fast aus Versehen in ein Blogger*innen-Meet-up, das nach dem Stand der Hoffnung unter Bloggenden fragt und sich haltungsmäßig sehr ins gestrige Blogpanel einreiht: Die Anwesenden schreiben halt einfach gerne ins Internet, für die meisten ist das nur ein Hobby und Vernetzung und Reichweitenstärkung sind nicht so wichtig. Liegt aber vermutlich in beiden Fällen an der Zusammensetzung der Anwesenden – Blogs zu Fachthemen oder mit Monetarisierungsziel sind etwas ganz anderes als so ein kleines Tagebuchblog wie das hier. (Wobei ich schon schlucken musste, als einer der bekannteren Blogger von „damals“ etwas von organischen vierstelligen Besucherzahlen am Tag erzählt.)
ich war das nicht, aber es erinnert mich daran, dass die zahlen dieser website auch mal besser waren. aber um vierstellige zaheln in meinen statistiken zu sehen, muss ich in den matomo-statistiken schon bis 2012 zurückgehen. damals kamen auch täglich so um die 100 besucher:innen über suchmaschinen. heute schickt google nur noch leute die rezeote suchen. allein das spitzkohl-im-airfryer-rezopt kommt so auf 500 pageviews pro monat.
loosysays.com: 18.05.2026 – Bloggediblog und Meta-Kram – re:publica 2026 Tag 1 #rp26
Dann geht es an gleicher Stelle weiter mit dem von Geraldine de Bastion moderierten Gespräch zwischen Mareice Kaiser und Hanno Sauer, die anhand ihrer beiden aktuellen Bücher über Klassismus diskutieren – sie von unten und er von oben. Ziemlich schnell übernimmt Mareice dann aber die Regie, führt Hanno regelrecht vor und holt dann unabgesprochen eine Küchenkraft aus der Charité auf die Bühne, die dem feinen Herrn Professor mal erklärt, wie das Leben in der Unterschicht wirklich ist und auch dem geneigten und faszinierten Publikum wieder seine Privilegien vorführt. Großes Kino, unbedingt nachschauen!
ruhrbarone.de: Das gute, alte Internet war kein Bällebad
schlecht gelaunt, stefan laurin im deepstate-modus:
Mir persönlich wäre es egal, welches Angebot, für das ich bezahlen muss, ohne es zu nutzen, ich mit meinen Zwangsgebühren finanziere. Das Geld wird sowieso abgebucht.
„Ohne uns wären die schon längst pleite“, sagte eine prominente WDR-Führungskraft einem Freund von mir, der ihn am Montag darauf ansprach, warum die öffentlich-rechtlichen Sender auf der re:publica so präsent seien. Ob das stimmt oder nur Anstaltshybris war, kann ich nicht beurteilen.
[…]
Woran es allerdings zurzeit noch nicht mangelt, ist Geld für NGOs, und auch die Anstaltsfinanzierung ist gesichert. Wer diesen Weg gehen will, muss sich auch keine Gedanken um die Nutzer machen; es reicht, in der Politik gut vernetzt zu sein.
frauklugscheisser.de: Never Gonna Give You Up
In der Retrospektive nehme ich sehr viele Impulse wahr. Solche, die von aussen kamen und die von mir selbst. Noch weiß ich nichts über eine Form, bin mir aber sicher, dass es sich finden wird. Der Impuls zum Widerstand, zum Anderssein und emotionale Sensibilität sind nämlich, wie ich bestätigt bekam, keine Antagonisten, sondern können sich sehr gut befruchten. Und so bin ich wieder auf der Suche nach Neuland für Kopf und Seele. Wie sehr viele Andere da draussen auch. Denn so viele auf der re:publica Anwesende können kein Zufall sein. Wir brauchen uns nur gegenseitig zu erkennen und stützen. Die Richtung gemeinsamer Bewegung ergibt eine Welle, mit der wir zukünftig auch größere Boote schaukeln können.
Aber ich hörte nichts, ich sah nichts, der kleine Bereich vor dem „Energiemobil“ war hoffnungslos überfüllt. Warum gibt man einem Felix Schwenzel keine ordentliche Bühne? Das ist doch keine Neuigkeit, dass viele Republicaner:innen ihn sehen wollen!
blog.franziskript.de: Mythos Blogosphäre: Was mir noch durch den Kopf geht
solche texte sind der grund warum ich ein fanboy von franziska bluhm bin. zurückgelehnt, entspannt und auf den punkt klug.
9. Was uns alle verband: die Liebe zum geschriebenen Wort.
Am Ende bleibt das. Wir haben geschrieben, weil wir schreiben wollten. Weil Sprache uns etwas bedeutet hat. Das Schöne: Es gibt immer noch Menschen, denen das etwas bedeutet. Inmitten von KI-Texten, algorithmischen Feeds und kurzlebigen Trends sehnen sich Menschen nach Stimmen, die echt klingen. Nach Texten, die jemanden verraten. Nach Sprache, die nicht optimiert ist – sondern gemeint.
Es war eine tolle re:publica 2026.
Ich habe nichts zu meckern.
Vielleicht etwas mehr Garten. Mehr Kinder. Mehr Jugendliche. Mehr Kinder. Wo waren die alle? Mehr Sessions mit Spaß und Infotainment, besonders am Abend (lustige TikToks mit Kommentar schauen würde schon reichen. Katzencontent. Quiz.). Witze vorlesen und nicht lachen. Mehr Videospielkonsolen, Computerspielemuseum. Mehr Foto-Spots, auch für die Jugendlichen. Alle sicheren Memes und Dinger, die im echten Raum stattfinden, und uns Internet unterhalten. Es braucht mehr Spaß. Kein Krawall und Remidemmi, Lachen reicht.
Felix Schwenzel in diesem kleinen Energie Auto im Garten.
Leider habe ich nichts verstanden aber draußen in der Sonne zu sitzen tat für die paar Minuten auch ganz gut.
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vorspeisenplatte.de: Journal Dienstag, 19. Mai 2026 – Berlin 6: 2. Tag re:publica plus Ausstellung
Außerdem kann ich jetzt nachvollziehen, warum Pianist Igor Levit ein so gefragter Diskussionsteilnehmer ist: Er formuliert nicht nur zuhörenswert, sondern stellt auch kluge Bezüge her.



















































