kategorie: artikel ×

selbst­or­ga­ni­sie­ren­de so­zia­le netz­wer­ke

felix schwenzel in artikel

OPML logo

tech­nisch ge­se­hen wa­ren es drei din­ge die an­fang der zwei­tau­sen­der­jah­re für das blog­dings ent­schei­dend wich­tig wa­ren: der per­ma­links, RSS und blogrol­len. man konn­te, da­mals wie heu­te, ein­fach auf ei­ner hand­ge­klöp­pel­ten web­sei­te in in­ter­net schrei­ben, aber mit den an­fang der 2000er auf­kom­men­den con­tent ma­nag­ments­ste­men wie word­press (oder sei­nem vor­gän­ger b2), mit mo­va­ble type oder text­pat­tern, wur­de das gan­ze et­was ein­fa­cher und man konn­te bei­trä­ge ein­fach mit per­ma­nen­ten links ver­öf­fent­li­chen, die dann auch noch au­to­ma­tisch in ein ar­chiv ein­ge­ord­net wur­den oder sich ver­schlag­wor­ten lies­sen. man konn­te sich da­mit aufs schrei­ben kon­zen­trie­ren, der or­ga­ni­sa­to­ri­sche kram liess sich weit­ge­hend au­to­ma­ti­sie­ren.

anke grö­ners blog hat­te le­gen­dä­rer­wei­se bis ende 2004 kei­ne per­ma­links (so sah das aus). als sie das im no­vem­ber 2004 um­bau­te, freu­te ich mich, weil man dann end­lich ein­zel­ne bei­trä­ge von anke ver­lin­ken und sich dar­auf be­zie­hen konn­te. mit per­ma­links konn­te man ein­zel­ne bei­trä­ge emp­feh­len, kom­men­tie­ren oder er­gän­zen. als le­ser konn­te man sich so von bei­trag zu bei­trag und von blog zu blog han­geln. und wenn ei­nem ein bei­trag ge­fiel, abon­nier­te man das blog in sei­nem RSS-rea­der. se­ren­ti­pi­tät nann­te man das da­mals auch.

wei­te­ren stoff für den RSS-rea­der fand man in den sei­ten­leis­ten von blogs. lis­ten mit blogs, die der au­tor oder die au­torin des blogs emp­fahl oder selbst ger­ne las. die­se blogrol­len, die se­ren­ti­pi­tät, das von ei­ner emp­feh­lung zur nächs­ten hüp­fen und die abon­nier­bar­keit von blogs reich­ten aus, um aus web­sei­ten ein so­zia­les netz zu ma­chen. man las sich und lern­te an­de­re zu­erst durch das ge­schrie­be­ne wort und spä­ter auch durch durch tref­fen in der fleischwelt ken­nen, 2005 zum bei­spiel, auf der blog­mich-par­ty oder 2007 auf der ers­ten re­pu­bli­ca.

aber blogs wa­ren nicht der ein­zi­ge weg so­zia­le net­ze im web auf­zu­span­nen. fo­ren funk­tio­nier­ten un­ter um­stän­den ge­nau­so. le­gen­där ist da zum bei­spiel das höf­li­che pa­pa­raz­zi-fo­rum, bei dem es auch hier und da über­schnei­dun­gen zur blog-sphä­re gab. in der zeit zwi­schen un­ge­fähr 2001 und 2007 ka­men vie­le din­ge zu­sam­men, die das in­ter­net zu ei­nem ort der so­zia­len ver­net­zung mach­ten. die tech­nik, wie frei ver­füg­ba­re con­tent ma­nag­ment sys­te­me oder ge­hos­te­te blog­diens­te wie ant­ville, blog­ger.com und spä­ter blog­ger.de, die ins in­ter­net schrei­ben für vie­le ein­fach(er) mach­ten. per­ma­links und blogrol­len, die quer­ver­wei­se, ver­bin­dun­gen und emp­feh­lungs­pipe­lines zum ent­lang­sur­fen bil­de­ten und spä­ter von blog- und tag-such­diens­ten wie tech­no­ra­ti ver­stärkt wur­den, mit de­nen dann blogs mit da­mals ziem­lich off­nen platt­for­men wie del.icio.us ode flickr ver­zahnt wer­den konn­ten.

blog­ger­tref­fen wie die blog­mich-par­ty oder die fu­tu­ra-bold-ver­an­stal­tun­gen von spree­blick (und ab 2007 die re­pu­bli­ca), stärk­ten die­se bin­dun­gen zwi­schen leu­ten, die sa­chen im in­ter­net mach­ten (und in ber­lin wohn­ten), dann wei­ter.

der witz war da­mals, dass das al­les selbst­or­ga­ni­sie­rend war. mit ein paar, auf den ers­ten blick ob­sku­ren und un­ver­ständ­li­chen tech­no­lo­gien wie per­ma­links, RSS/XML, link­lis­ten/blogrolls, tags/schlag­wor­ten und ge­le­gent­li­chen ver­an­stal­tun­gen, bil­de­ten sich ech­te, dau­er­haf­te so­zia­le be­zie­hun­gen. auf­kom­men­de platt­for­men un­ter­stütz­ten das und ver­stärk­ten die­se netz­werk­ef­fek­te. ich glau­be ein wei­te­rer mei­len­stein war 2005 der goog­le rea­der. er mach­te es noch­mal ein­fa­cher blogs, über die man stol­per­te oder die man moch­te, zu ver­fol­gen. tech­no­ra­ti half bei­trä­ge und blogs über the­men zu fin­den.

aber der kern des gan­zen wa­ren emp­feh­lun­gen. wenn ich A mag und A mir B emp­fiehlt, kann ich da­von aus­ge­hen, das ich B auch mag. und weil links zu an­de­ren blogs oft in text­wüs­ten ver­bor­gen blie­ben, wa­ren blogrol­len so­zu­sa­gen der schnell­zu­gang zu die­sen emp­feh­lun­gen.

aus ei­ner for­schungs­ar­beit zu den „prak­ti­ken des blog­gens“ von jan schmidt von 2005:

Die „Blogroll“ ent­hält Ver­wei­se auf an­de­re Web­logs, meist als Le­se­emp­feh­lun­gen oder Lis­ten be­freun­de­ter oder re­gel­mä­ßig ge­le­se­ner Au­toren. Da die Blogroll in der Re­gel per­ma­nent auf der Start­sei­te ei­nes Web­logs sicht­bar ist, be­sit­zen die­se Re­la­tio­nen ei­nen stär­ke­ren Stel­len­wert ge­gen­über den ver­gleichs­wei­se flüch­ti­gen Ver­wei­sen in Ein­zel­bei­trä­gen, die nach ei­ner ge­wis­sen Zeit von der Start­sei­te ver­schwin­den und nur noch im Ar­chiv auf­zu­fin­den sind

dar­über schrieb 2024 auch ro­bert alex­an­der:

Sin­ce the ear­liest blogs were pu­blished, blogrolls hel­ped rea­ders dis­co­ver new blogs. Each blog­ger could pro­mo­te the blogs they fol­low by lis­ting them so­me­whe­re on their site (their blogroll). Rea­ders could dis­co­ver the­se sug­ges­ti­ons as they brow­sed, hel­ping them ex­plo­re the blogos­phe­re. A blogroll could be as simp­le as a list of hy­per­links, alt­hough re­cent too­ling has be­co­me more ad­van­ced.

und die­ses „more ad­van­ced re­cent too­ling“ ist ge­nau das, was ich ge­ra­de sehr span­nend fin­de. so wie es da­mals, an­fang der 2000er eine gros­se er­leich­te­rung war, dass con­tent ma­nag­ment sys­te­me die tex­te, die ich ins in­ter­net schrei­ben woll­te, au­to­ma­tisch in ar­chi­vier­ba­re, per­ma­nent­ver­link­te ein­zel­bei­trä­ge ar­ran­gie­ren konn­ten und ich bei ei­ner ak­tua­li­sie­rung nicht al­les neu in html stri­cken muss­te, gibt es jetzt tools die mir die pfle­ge, das an­zei­gen und die por­ta­bi­li­tät mei­ner le­se­emp­feh­lun­gen er­leich­tern.

frank west­pfahl von riv­va stiess uns/mich vor ein paar wo­chen auf die neu­en mög­lich­kei­ten für so­was, als er auf das (word­press) blogroll-plug­in von mat­thi­as pfef­fer­le hin­wies.

A blogroll is a list of the sites you read, put on your own site so other peo­p­le can find them. This plug­in adds one block for that. You coll­ect the links, the block ren­ders them on your page, and vi­si­tors can take the who­le list with them into their feed rea­der.

also mit an­de­ren wor­ten: so wie bis­her ein­fach eine lis­te mit emp­feh­lun­gen an­le­gen, nur dass die lis­te zu­sätz­lich noch et­was an­ge­rei­chert wird mit ei­nem icon, links zum feed und das gan­ze von an­de­ren (mit ein biss­chen RSS/OPML/XML-ma­gie) ein­fach in ih­ren RSS-rea­der mit­ge­nom­men wer­den kann. ich hab das schnell nach­ge­baut für mein kir­by und spie­le seit­dem be­geis­tert da­mit rum.

durch den ar­ti­kel von ro­bert alex­an­der hab ich dann ge­se­hen, dass die grund­idee vom glei­chen men­schen, wie die grund­idee von RSS (und pod­casts) kam: dave wi­ner hat das vor­ge­schla­gen und sein dienst feed­land macht das schon ei­nen gan­ze wei­le so: man kann sich dort an­mel­den und ent­we­der eine ei­ge­ne lis­te von blogs an­le­gen die man ger­ne liest, die lis­te aus sei­nem feed­rea­der im­por­tie­ren oder aus den blogrolls von an­de­ren ko­pie­ren.

ich hab das ges­tern mal aus­pro­biert: mei­ne star­ter­pack blogrol­le im­por­tiert er­gibt das glei­che in grün auf feed­land: eine lis­te von blogs die ich emp­feh­le oder eine lis­te der bei­trä­ge der blogs die ich selbst sehr ger­ne lese (feed­land / wir­res.net).

der vor­teil von die­ser for­ma­li­sier­ten, struk­tu­rier­ten oder eben ma­schi­nen­les­ba­ren lis­te ist, dass leich­ter zu pfle­gen ist und ich selbst und an­de­re auch gleich se­hen kön­nen, was aus den abos raus­kommt. ich sehe also, wenn ich will, nicht nur eine emp­feh­lungs­lis­te, son­dern auch gleich was drin­steckt, um­ge­kehrt chro­no­lo­gisch ge­ord­net.

seit kur­zem geht das auch mit fol­low.riv­va.de (wenn man riv­va un­ter­stützt).

die qua­li­tät oder der nut­zen eine blogrol­le hängt na­tür­lich nicht an der ma­schi­nen­les­bar­keit, aber die­se ma­schi­nen­les­bar­keit und por­ta­bi­li­tät öff­net vie­le neue, wie ich fin­de, span­nen­de mög­lich­kei­ten.

man könn­te vi­sua­li­sie­ren, wie blogs zu­sam­men­hän­gen, man könn­te feeds abon­nie­ren, die ei­nem nicht nur neue bei­trä­ge in den feed­rea­der spü­len, son­dern auch neue blog­emp­feh­lun­gen. oder man könn­te the­ma­ti­sche blogrol­len-pa­ke­te schnü­ren. oder sei­nen feed­rea­der zum bers­ten fül­len.

aber das ent­schei­dens­te ist, blogrol­len könn­ten ge­nau­so wie gute blogs funk­tio­nie­ren die man ger­ne liest: sie kön­nen über­ra­schen, er­freu­en, nach­denk­lich ma­chen, ei­nem frem­de wel­ten er­schlies­sen und wei­ter­emp­foh­len wer­den.


auch le­sens­wert:


wtf ist in­tel­li­genz?

felix schwenzel in artikel

nico:

Mir geht es um die Lüge von der In­tel­li­genz. Gut ra­ten, wel­ches Wort als nächs­tes in ei­nen Satz ge­hört scheint zu rei­chen, um das aus­zu­üben, was ich mir mehr oder we­ni­ger au­to­di­dak­tisch als Be­ruf bei­gebracht habe, das über­rascht mich jetzt nicht mal wirk­lich. Aber das ist kei­ne In­tel­li­genz.

Das wäre kein Pro­blem, wenn die­ser Irr­glau­be, wir hät­ten es hier mit In­tel­li­genz zu tun, nicht ge­ra­de dazu füh­ren wür­de, das al­les wa[s] wirk­li­che In­tel­li­genz aus­macht, ab­ge­wer­tet wird.

nico re­det hier — na­tür­lich — über so­ge­nann­te künst­li­che In­tel­li­genz, KIs, LLMs.

das lese ich seit vie­len jah­ren im­mer wie­der, all­über­all, die be­to­nung, dass das was LLMs, oder die lar­ge lan­guage mo­dels, die wir in der all­tags­spra­che meist als künst­li­che in­tel­li­gen­zen be­zeich­nen, eben kei­ne in­tel­li­genz sind, son­dern nur din­ger die wor­te an­ein­an­der rei­hen die ir­gend­wel­che wahr­schein­lich­kei­ten er­fül­len, also im prin­zip nur au­to­ver­voll­stän­di­ger sind.

cory doc­to­row:

AI isn’t “ar­ti­fi­ci­al” and it’s not “in­tel­li­gent.” “Ma­chi­ne lear­ning” does­n't learn. On this week’s Trash­fu­ture pod­cast, they made an ex­cel­lent (and pro­fa­ne and hi­la­rious) case that ChatGPT is best un­ders­tood as a so­phisti­ca­ted form of au­to­com­ple­te – not our new ro­bot over­lord.

ich bin kein phi­lo­soph und nicht be­son­ders gut im tie­fen nach­den­ken, wes­halb ich mich hüte sol­chen be­haup­tun­gen zu wi­der­spre­chen. was mir aber fehlt, ist eine de­fi­ni­ti­on was in­tel­li­genz denn nun ei­gent­lich ist. was macht „wirk­li­che In­tel­li­genz“ aus?

die bes­te ar­beits­hy­po­the­se dazu hat mir ho­imar von dit­furth von 40 jah­ren in den kopf ge­setzt. re­leativ weit vor­ne in sei­nem buch „im an­fang war der was­ser­stoff“ schreibt er:

[…] Geist und Ver­stand [sind] of­fen­sicht­lich nicht erst mit uns Men­schen in die­se Welt hin­ein­ge­kom­men […]. Die­se Ein­sicht ist, wie mir scheint, eine der wich­tigs­ten Leh­ren, die wir aus den Er­geb­nis­sen der mo­der­nen Na­tur­wis­sen­schaft zie­hen kön­nen. Ziel­stre­big­keit und An­pas­sung, Ler­nen und Pro­bie­ren, den schöp­fe­ri­schen Ein­fall eben­so wie Ge­dächt­nis und Phan­ta­sie, das al­les gab es, wie ich in die­sem Buch im ein­zel­nen zu zei­gen ver­su­chen wer­de, schon lan­ge, be­vor es Ge­hir­ne gab. Wir müs­sen um­ler­nen: In­tel­li­genz gibt es nicht des­halb, weil die Na­tur es fer­tig­brach­te, Ge­hir­ne zu ent­wi­ckeln, die das Phä­no­men »In­tel­li­genz« am Ende ei­ner lan­gen Ent­wick­lungs­rei­he schließ­lich er­mög­licht hät­ten.
[…]
Die Na­tur hat nur des­halb nicht bloß Le­ben, son­dern schließ­lich auch Ge­hir­ne und zu­letzt un­ser mensch­li­ches Be­wußt­sein her­vor­brin­gen kön­nen, weil es Geist, Phan­ta­sie und Ziel­stre­big­keit in die­ser Welt schon im­mer ge­ge­ben hat, vom ers­ten Au­gen­blick ih­res Be­stehens an.

sein ar­gu­ment ist, grob ver­kürzt, dass die evo­lu­ti­on, die na­tur, leis­tun­gen pro­du­ziert, die im prin­zip wie in­tel­li­gen­tes pro­blem­lö­sen aus­se­hen — ohne ein pla­nen­des sub­jekt. bei­spie­le die er nennt sind tar­nung, evo­lu­tio­nä­re an­pas­sungs­fä­hig­keit oder an­ti­bio­ti­ka­re­si­tenz. ein­fa­che re­geln in kom­ple­xen sys­te­men, wie bei bie­nen- oder amei­sen­völ­kern, mu­ta­ti­on und se­lek­ti­on er­we­cken „den Ein­druck von Lern­fä­hig­keit und in­tel­li­gen­tem Ver­hal­ten“.

Klam­mert man sich nicht mehr dar­an, daß eine in­tel­li­gen­te Re­ak­ti­on nur dann in­tel­li­gent ge­nannt wer­den darf, wenn es die Re­ak­ti­on ei­nes In­di­vi­du­ums ist, nicht da­ge­gen, wenn es sich um die Re­ak­ti­on ei­ner Art han­delt, dann be­stehen kei­ne Schwie­rig­kei­ten, sich die iso­lier­te Ent­ste­hung ein­zel­ner Leis­tun­gen vor­zu­stel­len, die in ih­rer Ge­samt­heit dann an ei­nem sehr viel spä­te­ren Punkt der Ent­wick­lung, durch in­di­vi­du­el­le Ge­hir­ne zu­sam­men­ge­faßt, den Be­ginn der »psy­chi­schen« Ent­wick­lungs­stu­fe mar­kie­ren.

Hier zeich­net sich folg­lich die Mög­lich­keit ab, das Ge­hirn zu be­grei­fen als ein Or­gan, des­sen ei­gent­li­che Leis­tung un­ter ei­nem evo­lu­tio­nis­ti­schen Aspekt dar­in zu se­hen sein könn­te, daß es be­stimm­te Re­ak­ti­ons­mög­lich­kei­ten, die un­ab­hän­gig von­ein­an­der ent­stan­den sind und fer­tig vor­lie­gen, zu ei­nem ge­schlos­se­nen, in­di­vi­du­el­len Ver­hal­tens­re­per­toire in­te­griert.

platt ge­sagt, habe ich ho­imar von dit­furth da­mals wie heu­te so ver­stan­den, dass der geist, die fä­hig­keit zur in­tel­li­gen­ten re­ak­tio­nen auf die welt, ein­fach da ist, im uni­ver­sum oder den na­tur­ge­set­zen steckt und sich im Lau­fe der evo­lu­ti­on in im­mer kom­ple­xe­ren for­men und ir­gend­wie, ir­gend­wann auch in un­se­ren ge­hir­nen ma­ni­fes­tie­ren konn­te.

ho­imar von dit­furth kann man zum glück nicht nach­sa­gen, er sei dem hype auf­ge­ses­sen oder an­thro­mor­phi­sie­re das uni­ver­sum. im ge­gen­teil, er er­mahn­te uns be­reits 1972 dazu, in­tel­li­genz nicht zu ei­ner ex­klu­siv mensch­li­chen fä­hig­keit zu ma­chen und ihre exis­tenz nicht an ge­hir­ne oder ein in­di­vi­du­el­les be­wusst­sein zu knüp­fen.

oder kurz ge­sagt: sät­ze wie

das ist kei­ne In­tel­li­genz

oder

AI is […] not “in­tel­li­gent.”

schei­nen mir ei­nen er­staun­lich ge­rin­gen er­kennt­nis­wert zu ha­ben, so­lan­ge un­ge­klärt ist, wtf in­tel­li­genz ei­gent­lich sein soll.



“no ai” is re­al­ly just in­vi­si­ble ai

felix schwenzel in artikel

jo­nas us­sing hat in den letz­ten zwei jah­ren sechs vi­de­os ver­öf­fent­licht, in de­nen er ge­gen den mar­ke­ting-my­thos der mo­der­nen film in­dus­trie ar­gu­men­tiert, dass fil­me ohne com­pu­ter ge­ne­rier­te ef­fek­te (CGI) et­was gu­tes sei­en. sein haupt­ar­gu­ment ist auch der ti­tel sei­ner rei­he:

“NO CGI” is re­al­ly just IN­VI­SI­BLE CGI
(play­list al­ler 6 vi­de­os)

fast im­mer wenn beim mar­ke­ting ei­nes film be­haup­tet wird, al­les sei echt, alle stunts und ef­fek­te sei­nen „prak­tisch“ (prac­ti­cal) ge­filmt und nicht am com­pu­ter ge­ne­riert, stimmt das im­mer nur so halb. stun­den­lang se­ziert jo­nas us­sing in sei­nen vi­de­os sol­che be­haup­tun­gen von prac­ti­cal ef­fects. ich habe die fil­me von jo­nas us­sing imemr wie­der hier emp­foh­len und tue das nach wie vor.

YouTube Video Vorschaubild you­tube-vi­deo la­den, info, di­rekt­link

ich habe mir den ti­tel von jo­nas us­sings vi­deo-rei­he mal ge­borgt, weil ich glau­be, dass bei „CGI“ und „AI“ oder „KI“ die glei­chen ef­fek­te wir­ken.

zum ei­nen wirkt mar­ke­ting nur, wenn es auf frucht­ba­ren bo­den fal­len kann. die be­haup­tung: „kein CGI in die­sem film“ wird ja nur des­halb ge­macht, weil sie ein qua­li­täts­ver­spre­chen ist, das ei­nen wunsch des pu­bli­kums ab­bil­det. dass sich das ver­spre­chen dann bei ge­naue­rer be­trach­tung als klei­ne lüge her­aus­stellt ist nicht schlimm, so­lan­ge das CGI-ge­döns un­sicht­bar, un­merk­lich bleibt.

auch die här­tes­ten kri­ti­ker von KI ha­ben kei­ne oder kaum pro­ble­me mit dem, was un­se­re­re ta­schen­rech­ner­ka­me­ras (smart­phone­ka­me­ras) seit vie­len jah­ren pro­du­zie­ren: bil­der die nicht mehr ein­fach das ab­bil­den was lin­sen und sen­so­ren ein­ge­fan­gen ha­ben, son­dern bil­der die eine al­go­rith­misch re­kon­stru­ier­te in­ter­pre­ta­ti­on der fo­to­gra­fier­ten sze­ne sind. mo­der­ne ta­schen­rech­ner­ka­me­ras re­kon­stru­ie­ren aus mess­da­ten ein bild, das dar­auf op­ti­miert wird un­se­re­re er­war­tung zu ent­spre­chen, wie die welt aus­sieht.

be­reits 2018, mit dem ipho­ne XR, sprach ap­ple da­von, dass die bild­ver­ar­bei­tungs­pipe­line auch die hil­fe ei­ner neu­ral en­gi­ne in an­spruch näh­me.

in un­se­ren ta­schen­rech­nern wer­kelt also seit fast 10 jah­ren KI (ma­chi­ne lear­ning) an un­se­rern bil­dern rum. aber das stört uns nicht, weil das was raus­kommt, ge­nau un­se­ren er­war­tun­gen ent­spricht und da­mit qua­si un­sicht­bar ist.


auf wired.com er­schien die­ser tage ein ar­ti­kel von max­well zeff mit dem ti­tel „Si­li­con Val­ley Does­n't Get Why You Hate AI

The AI back­lash was not cau­sed by sca­ry war­nings about the fu­ture from tech CEOs, or the fact that Ope­nAI and An­thro­pic have not yet cu­red can­cer. It’s about the ways AI is al­re­a­dy start­ing to ch­an­ge so­cie­ty, which many Ame­ri­cans fear is for the worse.

oder mit an­de­ren wor­ten, der ge­gen­wind, den KI nicht nur in den USA, son­dern auch hier er­fährt, liegt nicht nur dar­an dass KI-slop die me­di­en ver­stopft oder KI-fir­men die tol­le zu­kunft, die uns KI brin­gen soll, nicht gut ge­nug kom­mu­ni­zie­ren, son­dern auch dar­an das wir jetzt schon be­ob­ach­ten kön­nen, wie die­se tech­no­lo­gie ver­trau­en ero­diert, ge­sell­schaft­li­che kon­flik­te schürt und un­si­cher­heit säät — so wie jede neue tech­no­lo­gie die ge­sell­schaft, ge­schäfts­mo­del­le, le­bens­wei­sen ver­än­dert.

al­ler­dings er­schei­nen die ver­än­de­run­gen die KI ver­ur­sacht im un­ter­schied zu vor­he­ri­gen dis­rup­tio­nen durch tech­no­lo­gie­wan­del, of­fen­bar selbst hart­ge­sot­te­nen tech­no­lo­giefans und nerds un­heim­lich und un­be­re­chen­bar. mir auch.

wäh­rend das in­ter­net auch auf hef­ti­gen wi­der­stand bei der ge­sell­schaft­li­chen ad­op­ti­on traf, schie­nen im­mer ir­gend­wie die vor­tei­le zu über­wie­gen, auch wenn das in­ter­net die ge­sell­schaft und die wirt­schaft an vie­len stel­len auf den kopf stell­te.

bei KI sum­mie­ren sich die vor- und nach­tei­le of­fen­bar mehr und mehr zu ei­ner ne­ga­ti­ven sum­me. und da­ge­gen schei­nen KI-fir­men we­der mit PR-kam­pa­gnen, noch mit im­mer blu­mi­ge­ren ver­spre­chen an­zu­kom­men.


das un­be­ha­gen, was vie­le men­schen ge­gen­über KI ha­ben, gleicht dem un­be­ha­genm das vie­le men­schen ge­gen­über do­nald trump ha­ben. plötz­lich ist da et­was, das an wich­ti­gen schalt­stel­len der welt sitzt, das enor­me macht und wirk­mäch­tig­keit hat, aber gleich­zei­tug auch schlam­pig, ver­lo­gen, ge­schichts­ver­ges­sen ar­bei­tet — und kei­nen ge­schmack und an­stand hat. trump und KI ma­chen uns auch des­halb angst, weil es so vie­le men­schen gibt, die ih­nen ver­trau­en oder sich vor­tei­le von ih­nen er­hof­fen und sie in macht­vol­le oder po­ten­zi­ell all­mäch­ti­ge po­si­tio­nen he­ben. wir be­ob­ach­ten trump und KI beim di­let­tie­ren und dass sie sich kaum ein­he­gen oder kon­trol­lie­ren las­sen.


kon­stan­tin nutzt KI.

Jep. Ich set­ze KI ein. […] KI als Lek­tor. […] KI zum Aus­lo­ten von Op­tio­nen. Ja, ich liess manch­mal KI Ent­wuer­fe auf Ba­sis mei­ner Ideen schrei­ben, um Rich­tun­gen aus­zu­lo­ten. Na­tuer­lich habe ich da­nach die­se Roh­mas­se re­di­giert, neu­ge­schrie­ben, oder ver­wor­fen. Manch­mal kam ich auch mit ei­nem Pro­blem zum LLM, und wir ha­ben be­spro­chen, wel­che Loe­sun­gen es ge­ben kann.

aus mei­ner sicht ist eine sol­che nut­zung von KI ge­nau­so le­gi­tim, wie eine bild­ver­ar­bei­tungs­pipe­line in ei­nem ta­schen­rech­ner, so wie CGI kein CGI ist, so lan­ge es un­sicht­bar bleibt. oder bes­ser, so­lan­ge das an­thro­po­mor­phe, das mensch­li­che, das hand­ge­dach­te sicht­bar und klar er­kenn­bar bleibt.

an­de­rer­seits ist es ge­nau­so le­gi­tim über so eine ar­beits­wei­se zu den­ken: „Das ist mir zu viel KI.“

ben_ be­ob­ach­tet, dass KI dazu bei­trägt text zu ent­wer­ten.

Text ist und war schon im­mer ein Ge­we­be ei­ge­ner und frem­der Ge­dan­ken und Wor­te, ge­formt durch nicht-sim­pli­zis­ti­sche Pro­zes­se und Werk­zeu­ge. Im Wein­berg des Tex­tes und so …

… aber … [mit KI] sinkt der Wert al­ler Tex­te, au­to­ma­tisch. Egal, wie viel oder we­nig. Text fällt im Wert und Text ge­rät un­ter Ge­ne­ral­ver­dacht und wird es fort­an blei­ben.

im prin­zip gehts wie­der um die wurst. ei­ner­seits in dem sinn, dass wir als ge­sell­schaft wie­der wege fin­den müs­sen die ver­wer­fun­gen der tech­no­lo­gie so zu na­vi­gie­ren, dass wir un­se­re ge­sell­schaf­ten zu­sam­men­hal­ten kön­nen und vor dem aus­ein­an­der­bre­chen be­wah­ren kön­nen. ge­sell­schaft­li­che kri­sen die durch tech­no­lo­gie­wan­del aus­ge­löst wur­den, ha­ben wir in der jün­ge­ren ge­schich­te ja schon öf­ter — mehr oder we­ni­ger er­folg­reich — na­vi­giert.

aber an­de­rer­seits gehts auch um die her­stel­lung der wurst. ich zi­tie­re alle paar mo­na­te die­ses zi­tat von tel­ler:

So­me­ti­mes, ma­gic is just so­meone spen­ding more time on so­me­thing than an­yo­ne else might re­ason­ab­ly ex­pect.

wenn wir wie­der „hand­den­ken“ (wort­schöp­fung: dvg), mehr ar­beit in tex­te ste­cken als sich ir­gend­wer vor­stel­len kann, ha­ben wir viel­leicht die chan­ce den wert von text wie­der zu stei­gern — auch wenn der ge­ne­ral­ver­dacht blei­ben wird.

text und an­de­re krea­ti­ve ge­wer­ke ha­ben noch chan­cen, wenn der her­stel­lungs­pro­zess ge­nau so sicht­bar ge­macht wird, wie es film­stu­di­os ge­le­gent­lich in ih­rem mar­ke­ting ver­su­chen, wenn sie be­haup­ten ein film ent­hal­te (an­geb­lich) „no cgi“.

wer wurst her­stellt und da­für kon­su­men­ten fin­den will, wird künf­tig mög­li­cher­wei­se nicht mehr um­hin kom­men, den her­stel­lungs­pro­zess so trans­pa­rent wie nur mög­lich dar­zu­stel­len. das heisst aber auch, ein ein­fa­ches la­bel „no AI“ / „kei­ne KI“ wird nicht rei­chen, da muss auch ganz viel dif­fe­ren­ziert wer­den. ein­fa­che la­bel wer­den nicht rei­chen. har­te und viel krea­ti­ve hand- und denk-ar­beit al­lein auch nicht.


so wie jo­nas us­sing mit viel mühe über 6 vi­de­os hin­weg die be­haup­tung „no CGI“ als klei­ne oder gros­se lüge ent­larvt hat, wer­den auch la­bel wie „no AI“ oder „kei­ne KI“ nie die gan­ze wahr­heit über die her­stel­lung krea­ti­ver ar­beit ehr­lich ab­bil­den. es ist im­mer kom­pli­zier­ter als man denkt. so wie „made in ger­ma­ny“, „selbst­ge­ba­cke­nes brot“ oder „ohne kon­ser­vie­rungs­stof­fe“ auch im­mer nur ei­nen teil der ge­schich­te er­zäh­len.

viel­leicht soll­ten wir uns statt auf la­be­l­ing, eher dar­auf kon­zen­trie­ren un­se­rer KI-nut­zung in bes­se­re wor­te zu fas­sen? eine spra­che da­für fin­den, um zu be­schrei­ben wie wir ar­bei­ten. viel­leicht lohnt es sich dar­über zu re­flek­tie­ren, was wir von kunst, text und kul­tur ei­gent­lich ge­nau er­war­ten, was uns ei­gent­lich wich­tig ist? was wir ei­gent­lich wol­len? wo die gren­zen ver­lau­fen, wo wir die pflö­cke ein­schla­gen?

schön und le­sens­wert in die­sem zu­sam­men­hang:


quel­len


aus­ser­dem


ca­se stu­dy house #22

felix schwenzel in artikel

die wichtigsten achsen des case study house #22 fotos von julius shulman mit weissen linien auf schwarzem grund nachgezeichnet.

die­ses foto von ju­li­us shul­man kennt je­der ar­chi­tek­tur­stu­dent. mich hat es wäh­rend mei­nes ar­chi­tek­tur­stu­di­ums zu feuch­ten träu­men über sicht­ach­sen und mi­ni­ma­lis­ti­sches de­sign in­spi­riert. an die­sem foto stimmt kon­zep­tio­nell al­les und es fängt eine stim­mung ein, die schwer zu be­schrei­ben ist, die aber je­der ver­steht, so­bald man das foto sieht. ganz ähn­lich dem bild von ed­ward hop­per.

ich wuss­te, dass das haus am hang der hol­ly­wood-hills vom ar­chi­tek­ten pierre koe­nig ge­baut wur­de und dass es min­des­tens 21 wei­te­re case stu­dy hou­ses gibt.

was ich nicht wuss­te, war, dass die bau­her­ren, die fa­mi­lie stahl, schon vor pierre koe­nig eine ziem­lich ge­naue vor­stel­lung vom haus hat­ten. das steht zwar auch so in der wi­ki­pe­dia …

Stahl pro­vi­ded the in­spi­ra­ti­on for the over­all struc­tu­re, set­ting out his ide­as by mid-1956 in a mo­del of the house he wan­ted for the site. Un­li­ke the house as built, the mo­del has a cur­ved rear wall and but­ter­fly roof.
[…]

Koe­nig ad­he­red to the ba­sic at­tri­bu­tes of Stahl's con­cept but re­fi­ned the de­sign into so­me­thing much more ri­go­rous, geo­me­tric and 'pu­re' in its form and ma­te­ri­als—in es­sence ad­ap­ting it to his own vo­ca­bu­la­ry.

… aber die­ses vi­deo er­klärt die ge­schich­te des hau­ses sehr bild­lich. die kin­der der stahls er­zäh­len da­von wie ihre el­tern das haus plan­ten, bau­ten und wie die fa­mi­lie dar­in leb­te und wie das haus jetzt der öf­fent­lich­keit zu­gäng­lich ist. eine gross­ar­ti­ge klei­ne do­ku­men­ta­ti­on, die nicht nur für ar­chi­tek­tur­in­ter­es­sier­te in­ter­es­sant ist.


goog­le’s gunst

felix schwenzel in artikel

mo­men­tan wird all­über­all die­ser ar­ti­kel von ka­tie bak­er emp­foh­len, in dem es um die tief­grei­fen­den ver­än­de­run­gen der goog­le-su­che in rich­tung KI-ant­wor­ten geht und wie sehr web­sites die sich auf such­ma­schi­nen­traf­fic ver­las­sen ha­ben und da­für op­ti­miert ha­ben, dar­un­ter lei­den.

Last month, Boulia­ne was one of the guests on an NPR seg­ment about the ch­an­ges to Goog­le; he told the hosts that his traf­fic was down 75 per­cent sin­ce AI Over­views was laun­ched in 2024. An­o­ther guest, Aman­da Na­tiv­i­dad of SparkT­oro, of­fe­red a sobering stat (well, un­less you’re a pro­duct ma­na­ger at Goog­le) about “zero-click” ra­tes the­se days. “Six­ty-eight per­cent of all U.S. Goog­le sear­ches end wi­t­hout a click,” she said—mea­ning that users get what they need di­rect­ly in the search page (or just get dis­trac­ted, I guess) wi­t­hout ha­ving to vi­sit any out­side sites. That’s an in­crease from 45 per­cent a de­ca­de ago. An­o­ther grim fi­gu­re, per The Te­le­graph: While ap­pearing first in Goog­le search re­sults used to mean get­ting a click 27 per­cent of the time, that num­ber drops to 11 per­cent when the­re’s an AI Over­view up top.

ich habe mir mal mei­ne ma­to­mo zah­len an­ge­se­hen. ma­to­mo nut­ze ich seit 2010 (da­mals noch als pi­wik). goog­le hat­te min­des­tens ein jahr­zehnt den ruf sehr blogaf­fin zu sein. goog­le moch­te da­mals sei­ten die re­gel­mäs­sig ak­tiua­li­si­ert wur­den und le­ben­dig er­schie­nen. ich kann mich an zei­ten er­in­nern, zu de­nen bei­trä­ge von mir 2 mi­nu­ten nach der ver­öf­fent­li­chung be­reits in su­cher­er­geb­nis­sei­ten auf­tauch­ten.

mit dem ein­zug von fri­da bei uns vor sechs jah­ren und tech­ni­schen pro­ble­men mit mei­nem ur­alt-CMS liess mei­ne pos­ting­fre­quenz stark nach und ich ver­lor goog­le’s gunst.

übersicht der besucher pro jahr jahr die google auf wirres.net schickt. sie zahlen sind von matomo und reichen von 2010 bis jetzt.. 2012 lagen die zahlen um 18tausend pro jahr, 2014 gab es einen dip auf 10tausend, 2019 einen spitze von 20tausend und 2026 dürften es wieder 12tausend werden.

seit ich im april 2025 die­se web­site neu­ge­star­tet habe, habe ich mich in der gunst von goog­le lang­sam wie­der hoch­ge­ar­bei­tet. im juni 2025 schick­te mir goog­le um die zwei be­su­cher pro tag vor­bei. mitt­ler­wei­le sind es so um die 60 be­su­cher täg­lich. ak­tu­ell zeigt ma­to­mo 7000 be­su­cher die mir goog­le die­ses jahr be­reits ge­schickt hat. hoch­ge­rech­net dürf­ten das min­des­tens 12.000 be­su­cher die­ses jahr wer­den. da­mit bin ich fast wie­der auf dem ni­veau der jah­re 2013 bis 2018.

screenshot aus der google search console zeigt den anstieg der impressions und klicks in den letzten 16 monaten

ein gros­ser an­teil der re­fe­rer kom­men über re­zept­su­chen. ob­wohl auch re­zept­sei­ten-be­trei­ber laut ka­tie bak­er über rück­gän­gi­ge zah­len kla­gen, scheint goog­le re­zept­su­chen­de wei­ter­hin sehr ger­ne zu re­zep­ten im web zu schi­cken, bzw. re­zept­sei­ten nach wie vor mit sehr vie­len be­su­chern zu „be­loh­nen“. ich bin da nicht al­lein.

die fra­ge die im raum steht, ob goog­le das „of­fe­ne netz“ zer­stö­re, wird jetzt oft ge­stellt. ich bin mir da nicht so si­cher. frü­her™ war kei­nes­falls al­les bes­ser. ag­gres­si­ve such­ma­schi­nen­op­ti­mie­rung hat bei mir re­gel­mäs­sig sehr viel mehr ne­ga­ti­ve emo­tio­nen aus­ge­löst, als das was goog­le da ge­ra­de ver­an­stal­tet. und: mir ist es ehr­lich­ge­sagt egal ob goog­le be­su­cher für ein re­zept hier­her schickt oder das re­zept (mit or­dent­li­cher quel­len­an­ga­be) auf der such­er­geb­nis­sei­te an­zeigt.

ich gebe mir gros­se mühe re­zep­te die ich hier ver­öf­fent­li­che gut zu­gäng­lich, les­bar oder zum bei­spiel in re­zept-apps ex­por­tier­bar zu ma­chen. we­nig macht mich so ag­gres­siv wie re­zept­sei­ten im web, auf de­nen man erst­mal drei ban­ner weg­kli­cken muss und dann sechs ki­lo­me­ter scrol­len muss, um ans re­zept zu kom­men. re­zep­te sind zum ko­pie­ren, sam­meln, wei­ter­ge­ben, emp­feh­len und vor al­lem wie­der­fin­den da. das wie­der­fin­den ist der grund, war­um ich re­zep­te an­fangs über­haupt ins in­ter­net schrob: um die gu­ten sa­chen schnell wie­der­zu­fin­den. mitt­ler­wei­le fin­de ich al­les in mela1, weil ich da al­les rein­spei­che­re und mela gleich­zei­tig auch als rea­der-app nut­zen kann um das gan­ze brim­bo­ri­um auf re­zept­sei­ten aus­zu­blen­den.

ganz am ende von ka­tie bak­ers ar­ti­kel schreibt sie:

Back in 2000, four ye­ars be­fo­re Goog­le’s IPO, co­foun­der Lar­ry Page mu­sed in an in­ter­view that “ar­ti­fi­ci­al in­tel­li­gence would be the ul­ti­ma­te ver­si­on of Goog­le.” In his vi­si­on, “It would un­der­stand ever­y­thing on the web. It would un­der­stand exact­ly what you wan­ted, and it would give you the right thing.” Goog­le Search as we thought we knew it feels bro­ken, now that they’ve gone and ch­an­ged the for­mu­la. But may­be all this time it’s been roun­ding into its fi­nal form, just as the el­ders fo­re­saw.

ich er­in­ner mich noch wie ich in den frü­hen 2000ern mal mit ma­rio six­tus über ma­ris­sa may­er plau­der­te, goo­gles an­ge­stell­te num­mer 20. die hat­te sich im stu­di­um un­ter an­de­rem auf künst­li­che in­tel­li­genz spe­zia­li­si­ert. das heisst auch, dass goog­le im prin­zip seit 20, 25 jah­ren das web mit KI auf­be­rei­tet hat. vor dem auf­kom­men von lar­ge lan­guage mo­dels wa­ren das noch an­de­re KI-ge­schmacks­rich­tun­gen, aber über­ra­schend ist die ent­wick­lung von goog­le zur heu­ti­gen KI-las­ti­gen aus­prä­gung nicht wirk­lich.

ego suche nach felix schwenzel bei kagi
ego su­che nach fe­lix schwen­zel bei kagi

was auch klar ist: goog­le kommt den vor­lie­ben der men­schen, die goog­le be­nut­zen, ent­ge­gen. so rich­tig ver­ab­scheu­en schei­nen die nut­zen­den die KI-vor­schau­en in der goog­le su­che nicht. soll­ten goog­le mes­sen, dass die an­zahl der nut­zen­den ab­nimmt, wür­den sie wahr­schein­lich sehr schnell ge­gen­steu­ern.

trotz­dem habe ich mir vor­ge­nom­men jetzt für eine wei­le mal eine an­de­re stan­dard-such­ma­schi­ne zu nut­zen. kagi.com ist ja viel­ge­lobt und auch wenn mein ers­ter ein­druck nicht be­rau­schend2 ist, will ich das mal aus­pro­bie­ren.


  1. wer will kann mei­ne re­zep­te auch als RSS in mela abon­nie­ren (feed↩︎

  2. kagi.com hat wir­res.net nach ei­ge­nen an­ga­ben zu­letzt 2008 in­de­xiert zeigt ver­wir­ren­de ka­len­der­da­ten ne­ben den such­er­geb­nis­sen an. ↩︎


plötz­lich ist das ori­gi­nal wich­tig

felix schwenzel in artikel

beim bild­blog wies lo­renz mey­er heu­te auf die­ses 40 mi­nu­ten lan­ge vi­deo hin. das vi­deo ist über syn­chron­spre­cher und wie sie sich von KI be­droht füh­len.

YouTube Video Vorschaubild youtube-video laden, info, direktlink

ich habe mich durch das gan­ze vi­deo ge­quält und kann es nicht emp­feh­len. aber wenn ich über das vi­deo schrei­be, dach­te ich, muss ich da durch.

ich bin kein fan von syn­chro­ni­sa­ti­on, im ge­gen­teil. ich ver­mei­de so gut ich kann. in den letz­ten 20 jah­ren ist mir das dank des tech­ni­schen fort­schritts auch ganz gut ge­lun­gen. die ers­ten 30 jah­re mei­nes le­bens war ich der syn­chro­ni­sa­ti­on von fil­men und fern­seh­se­ri­en hilf­los und al­ter­na­tiv­los aus­ge­lie­fert. je­der film, jede fern­seh­se­rie wur­de kon­se­quent mit deut­schen stim­men über­bü­gelt.

DVD-cover die es 2007 in der DVDthek gab, the wire, heroes, damages, cloverfield und ein hinweis: „neuheiten im original“ (das waren importierte DVDs, die noch nicht in deutschland vertrieben wurden)
se­ri­en­aus­wahl in mei­ner DVD­thek um das jahr 2007 her­um

mit dem auf­kom­men der DVD wur­den ori­gi­nal­ver­sio­nen leich­ter zu­gäng­lich. wenn ich mich recht er­in­ne­re, wan­del­ten sich vi­deo­the­ken so um 2003 bis 2005 lang­sam aber si­cher zu DVD­the­ken und mit DVDs hat­te ich end­lich eine wahl mir fil­me und se­ri­en auch end­lich im ori­gi­nal an­zu­schau­en.

auf eine art bin ich den 30 jah­ren zwangs­syn­chro­ni­sa­ti­on dank­bar. al­les was ich in den ers­ten 30 jah­ren an me­di­en kon­su­miert habe, kann ich jetzt noch­mal völ­lig neu im ori­gi­nal ent­de­cken. vor ei­nem jahr hab ich mir alle fol­gen der mup­pet show an­ge­se­hen, da­vor ma­gnum PI. vor 15 jah­ren war ich er­staunt dar­über was für eine wei­che, erns­te, sym­pa­thi­sche stim­me ed­die mur­phy hat und dass er eben kein af­fi­ger schrei­hals ist.

im vi­deo oben ma­chen ei­ni­ge deut­sche syn­chron­spre­cher dar­auf auf­merk­sam, dass das was sie tun kunst sei. dem möch­te ich nicht wi­der­spre­chen, aber die­se kunst ist eine kunst mit der ich nichts zu tun ha­ben will. so wie ich nicht auf ein auf ein de­ath me­tal kon­zert ge­hen möch­te oder in die oper. ich habe nichts da­ge­gen wenn syn­chron­spre­cher ih­rer kunst nach­ge­hen, so­lan­ge sie mich mit ih­rer kunst in ruhe las­sen. da sie mich 30 jah­re mei­nes le­bens nicht in ruhe da­mit ge­las­sen ha­ben, habe ich in die­ser zeit — und da­nach — al­ler­dings ein emo­tio­na­les mei­nungs­bild über die­se kunst ent­wi­ckelt. kurz ge­sagt: ich er­tra­ge die­se stim­men nicht, weil sie so glatt und gleich­zei­tig über­zeich­net, ge­stelzt und auf­ge­tra­gen sind. kein mensch auf der welt re­det so, wie syn­chron­spre­cher re­den. ich den­ke im kunst­kon­text ist das auch OK, nie­mand singt so wie opern­sin­gen­de sin­gen, nie­mand malt so wie ma­le­rin­nen ma­len, nie­mand tanzt so wie bal­let­tän­ze­rin­nen tan­zen.

der witz ist: als ich vor ei­ner wei­le mal test­wei­se die stim­me der chatgpt-app ak­ti­viert habe, dach­te ich so­fort an syn­chron­spre­cher: viel zu viel pa­thos, emo­ti­on, mühe. al­les et­was zu doll auf­ge­dreht und eine durch­gän­gi­ge nu­schel-pho­bie.

im vi­deo sagt pe­ter flecht­ner, der un­ter an­de­rem ben af­fleck syn­chro­ni­si­ert, an ei­ner stel­le:

ich glau­be die leu­te wer­den ir­gend­wann auch ge­nervt sein wie­der von den ki stim­men.

das glau­be ich auch, aber ich glau­be auch das vie­le leu­te von den syn­chron­stim­men ge­nervt sind. be­stimmt nicht alle, im ge­gen­teil, ganz of­fen­sicht­lich mö­gen die vie­le auch, aber ich fand es frap­pie­rend wie in dem vi­deo die gan­ze zeit dar­auf hin­ge­wie­sen wird wie scheis­se und pa­ra­si­tär KI ist, aber kaum dar­über ge­re­det wird, dass syn­chro­ni­sie­rung das ori­gi­nal ver­zerrt und um­in­ter­pre­tiert. ich ver­mu­te, dass vie­le fil­me­ma­cher syn­chro­ni­sa­ti­on ih­rer wer­ke nur we­gen kne­bel­ver­triebs­ver­trä­gen zu­las­sen. ich kann mir zu­min­dest nicht vor­stel­len, dass je­mand der jah­re­lang für ei­nen di­rec­tors cut kämpft es toll fin­det, wenn das werk dann noch­mal von syn­chron­stu­di­os neu in­ter­pre­tiert wird.

hol­ly­wood­schau­spie­ler sind of­fen­bar zu pro­fes­sio­nell um sich on the re­cord ne­ga­tiv über syn­chro­ni­sa­ti­on aus­zu­las­sen. jo­die fos­ter hat in ei­nem in­ter­view mal dar­auf hin­ge­wie­sen, dass sie sich selbst in fran­zö­sisch syn­chro­ni­si­ert. das sei ein schwie­ri­ger, an­stren­gen­der job.

So, I wish more ac­tors could do it, but I got to tell you it's re­al­ly hard. It's re­al­ly hard.

aber sie weist auch dar­auf hin, dass die fil­me eben um­in­ter­pre­tiert wer­den:

I was […] su­per­vi­sing the Ita­li­an and the Ger­man and the Spa­nish and all of that. It was so in­te­res­t­ing to see how all the dif­fe­rent ro­mance lan­guages would in­ter­pret and how the cha­rac­ter ch­an­ges in some ways in all tho­se lan­guages.

jo­die fos­ter fin­det das auf eine art auf­re­gend, ich find es eher scha­de. vie­le leu­te fin­den es auch auf­re­gend ihre au­tos tie­fer zu le­gen oder spoi­ler dran­zu­kle­ben oder kaf­fee mit sprüh­sah­ne zu trin­ken. ich fin­de meis­tens das ori­gi­nal auf­re­gend ge­nug.


wenn es tat­säch­lich so ist, dass die men­schen ihre syn­chron­stim­men lie­ben, dar­auf wei­sen die syn­chron­spre­cher und spre­che­rin­nen mehr­fach im vi­deo hin, dann gibt es ja ei­gent­lich kei­nen grund zur sor­ge für die bran­che. dann lehnt die mehr­heit ar­ti­fi­zi­el­le stim­men ab und die gros­sen strea­ming­an­bie­ter, film­stu­di­os, ver­mark­ter müs­sen nach­zie­hen und wei­ter schau­spie­ler fürs syn­chro­ni­se­ren zah­len.

mei­ne ver­mu­tung ist al­ler­dings dass es den meis­ten men­schen egal ist. zu­min­dest den men­schen die jetzt schon syn­chro­ni­sier­te fil­me und se­ri­en ak­zep­tie­ren oder dem ori­gi­nal (mit un­ter­ti­teln) vor­zie­hen. die von den syn­chron­spre­chern viel­be­schwo­re­ne „deut­sche syn­chron­spre­cher-kul­tur“ hat über vie­le jahr­zehn­te im wört­li­chen sin­ne das ori­gi­nal mar­gi­na­li­si­ert und ent­wer­tet. war­um soll­te sich die­se mehr­heit — der das ori­gi­nal egal ist — jetzt plötz­lich da­für in­ter­es­sie­ren, ob die stim­men ori­gi­nal, kunst oder KI sind?


2005, als blog­gen noch po­ten­zi­al hat­te

felix schwenzel in artikel, teil der sammlung: #wahl05

ich ge­hö­re nicht zu den leu­ten die die al­ten zei­ten im in­ter­net ver­mis­sen. ich fin­de das in­ter­net so wie es ist im­mer noch gut. ist halt noch un­über­sicht­li­cher ge­wor­den. 2005 war das in­ter­net klei­ner, aber auch schon gross und un­über­sicht­lich.

2005 hat­te sa­scha lobo noch kei­nen iro­ke­sen und er­klär­te an­de­ren das in­ter­net noch nicht. das hat 2005 ma­rio six­tus ge­tan, zum bei­spiel hier in der zeit.

im ar­ti­kel lässt er doc searls blogs er­klä­ren:

»Blog­gen ist wie Schnee­bäl­le ei­nen Hang her­un­ter­rol­len, man­che blei­ben lie­gen, an­de­re rol­len wei­ter, man­che wer­den so­gar rie­sig«, sagt Searls. Ein ein­zi­ger in­spi­rier­ter Ein­trag kann in der Welt der Blogs eine Ei­gen­dy­na­mik oh­ne­glei­chen ent­wi­ckeln. Da­her gilt die Blogo­sphä­re als Früh­warn­sys­tem für The­men, Trends und manch­mal so­gar Nach­rich­ten. »Blogs sind Ge­sprä­che«, per­si­fliert sich Searls selbst. Mit der Phra­se »Märk­te sind Ge­sprä­che« hat­te er vor sechs Jah­ren die Grund­la­ge des Clue­train Ma­ni­fests ge­legt.

heu­te sind blogs nur noch schnee­flo­cken.

2004 hat­ten „der ehe­ma­li­ge MTV-Mo­de­ra­tor Adam Cur­ry zu­sam­men mit dem Web-Ent­wick­ler und Blog-Guru Dave Wi­ner eine Me­tho­de, Au­dio­da­tei­en zeit­ver­setzt und au­to­ma­ti­si­ert in den Spei­cher von MP3-Spie­lern zu über­mit­teln“ er­son­nen. so lan­ge ist das schon her.

weil 2005 das wort „so­cial me­dia“ noch nicht ge­läi­fig war, schrieb ma­rio six­tus da­mals von ei­nem „hu­ma­ni­sier­tem netz“, da­mals be­stand die hoff­nung, dass das in­ter­net von men­schen ge­prägt wer­den kön­ne. kom­mu­ni­ka­ti­on, zu­sam­men­ar­beit, ver­trau­en und per­sön­li­che be­zie­hun­gen wür­den sich in und um blogs bün­deln — so die hoff­nung.

2005 fand ich, dass die­ser ar­ti­kel von ma­rio six­tus der „bes­te ar­ti­kel über blogs (ever)“ sei. so hab ich das da­mals auf­ge­schrie­ben in ei­nem ar­ti­kel den ich über ein in­ter­view schrieb, das ma­rin ma­ji­ca da­mals mit mir ge­fürhrt hat.

er woll­te mich in­ter­view­en, wir tra­fen uns um 18 uhr im star­bucks am ha­cke­schen markt. er kam fünf mi­nu­ten zu spät, aber ich schleim­beu­tel lob­te ihn für sei­ne pünkt­lich­keit. ich wur­de, par­tei­tags­ge­stählt, gleich in­ves­ti­ga­tiv: „le­sen sie blogs? wel­che?“. er log mich an: „ja. ein paar.“ na gut ein paar blogs kann­te er, aber von jam­ba und spree­blick hat­te er noch nix ge­hört. ich trug ihm mit mei­ner un­ver­bes­ser­li­chen ar­ro­ganz auf das zu goog­len und drück­te ihm den bes­ten ar­ti­kel über blogs (ever) in die hand, den ich zu­fäl­lig (wirk­lich), aus­ge­druckt, da­bei hat­te.

ma­rin ma­ji­ca in­ter­es­sier­te sich da­mals für mich, weil im (bun­de­tags-) wahl­kampf 2005 die da­ma­li­ge blog­platt­form um nico lum­ma blogg.de ein wahl­blog or­ga­ni­sisr­te, dass ein paar blog­ger, un­ter an­de­rem mich, zu par­tei­ta­gen schick­te. mit ein biss­chen pres­se­ar­beit mach­te das da­mals eine klei­ne wel­le in der jour­na­lis­ten­welt.

das press­echo zu mir hab ich da­mals hier fest­ge­hal­ten: re­spekt­los?

der ar­ti­kel von ma­rin ma­ji­ca ge­fiel mir da­mals (und heu­te) am bes­ten: Manch­mal schläft er ein (ar­chi­ve.org link)

Bei ei­nem Tref­fen in ei­nem Ber­li­ner Café de­mons­triert Schwen­zel ganz ne­ben­bei sei­ne Ar­beits­me­tho­den. Un­ge­fragt macht er mit dem Han­dy ein Foto des Ge­gen­übers, das er di­rekt in sei­nen Blog lädt. "Flick­rn" heißt das, be­nannt nach der da­für be­nutz­ten Soft­ware Flickr. Am Nach­mit­tag wird er noch ei­nen Kom­men­tar zu dem Ge­spräch mit dem Jour­na­lis­ten da­zu­stel­len. Für den ist das ge­wöh­nungs­be­dürf­tig: be­schrie­ben zu sein, be­vor man selbst be­schreibt.

auch die taz schrieb da­mals über mich und zi­tier­te mich:

Auch dass La­fon­taine so häu­fig das Wort „ich“ ver­wen­de­te, wur­de von Schwen­zel kom­men­tiert: „Da scheint sich eine neue Spiel­art im lin­ken Spek­trum ab­zu­zeich­nen: So­zia­lich­mus.“


so war das da­mals: das in­ter­net steck­te noch vol­ler hoff­nungs­froh stim­men­dem po­ten­zi­al und man konn­te auf­merk­sam­keit er­re­gen, in­dem man ein­fach ins in­ter­net schrob.

von der pro­gnos­ti­zier­ten hu­ma­ni­sie­rung des net­zes ist im grös­se­ren mas­stab — aus­ser pod­casts — nicht mehr all­zu­viel üb­rig. aber viel­leicht ja doch, nur eben et­was an­ders als wir uns das da­mals vor­ge­stellt ha­ben. das in­ter­net be­steht nach wie vor vor al­lem aus men­schen, mit all sei­nen vor- und nach­tei­len.

viel­leicht soll­ten wir wie­der mehr dar­über nach­den­ken wie wir die auf­merk­sam­keits­strö­me wie­der hu­ma­ni­sie­ren und aus den klau­en der gros­sen platt­for­men und al­go­rith­men be­frei­en — oder un­se­re klei­nen, über­sicht­li­chen re­so­nanz­räu­me aus­bau­en, wie ich es vor ein paar mo­na­ten mal hier skiz­ziert habe: ela­bo­rier­te kul­tur­tex­te


frag­men­te bloggt wie­der. min­des­tens dreis­sig tage lang will sie das ma­chen. ich bin si­cher, sie wird da­nach wei­ter­ma­chen. ich habe nie auf­ge­hört und doch vier jah­re kaum bis nichts ins in­ter­net ge­schrie­ben. zu­min­dest kei­ne längreen tex­te. ich war be­schäf­tigt mit hun­de­er­zie­hung und brot ba­cken und heim­au­to­ma­ti­sie­rung — und doch: ge­le­gent­lich muss­te ich die ein­drü­cke aus mei­nem le­ben tei­len. das hab ich dann vier jah­re lang haupt­säch­lich auf in­sta­gram ge­macht.

was ich sa­gen will: das le­ben ist auch schön ohne blog­gen. aber mit blog­gen ist es in­ter­es­san­ter. ich habe das ge­fühl blog­gen zwingt mich auf mehr, auf an­de­ren ebe­nen zu den­ken. das den­ken struk­tu­riert sich an­ders, mein in­ne­rer mo­no­log be­kommt eine zu­sätz­li­che stim­me die ver­sucht er­leb­tes an­ders auf­zu­ar­bei­ten, als wenn ich es nur für mei­nen in­ne­ren mo­no­log auf­ar­bei­ten wür­de.

nor­ma­ler­wei­se, beim ein­schla­fen, wenn mein be­wusst­sein lang­sam in den hin­ter­grund tritt und mein un­ter- oder ne­ben- oder au­to­nom-be­wusst­sein lang­sam die bil­der und ge­dan­ken in mei­nem kopf über­nimmt, sehe ich luft­bil­der. im wahrs­ten sin­ne des wor­tes. ich sehe schwarz mit leucht­punk­ten, so als ob man nachts mit dem flug­zeug in ei­ner gros­sen stadt lan­det (und da­bei aus dem fens­ter schaut). eine wei­te dunk­le ebe­ne, die mit licht­punk­ten ge­spickt ist. das flie­gen ist nicht das the­ma, es geht auch nichts um licht oder die dun­kel­heit. es ist of­fen­bar ein­fach ein bild das be­ru­hi­gend auf mich wirkt.

ges­tern sah ich beim ein­schla­fen ei­nen klee­tep­pich auf ei­ner wie­se. in den letz­ten ta­gen be­trach­te­te ich auch im wach­zu­stand sehr vie­le klee­tep­pi­che auf wie­sen und ver­such­te — im lang­sa­men ge­hen — vier­blätt­ri­ge klee­blät­ter zu se­hen. seit meh­re­ren ta­gen ver­geb­lich — aber nicht um­sonst. auch die­se klee­tep­pi­che die ich im über­gangs­zu­stand zwi­schen wach und un­wach sah hat­ten auch eine be­ru­hi­gen­de und be­frie­di­gen­de wir­kung. aber ob­wohl ich ei­gent­lich beim ein­schla­fen war, dach­te ich im glei­chen mo­ment, kurz vor dem weg­däm­mern, dar­über nach ob und wie ich das wohl ins in­ter­net schrei­ben könn­te.

ich mag es, wie mein vor­satz re­gel­mäs­sig ins in­ter­net zu schrei­ben mei­ne wahr­neh­mung ver­än­dert. ge­nau des­halb mag ich es auch, wie mein vor­satz wei­te­re vier­blätt­ri­ge klee­blät­ter zu fin­den, auch mei­nen blick auf die welt ver­än­dert.

je­den­falls lese ich das was frag­men­te ins in­ter­net schreibt sehr ger­ne. ges­tern zum bei­spiel über ur­laub.

Vor fünf­zehn Jah­ren habe ich an­ge­fan­gen zu ar­bei­ten, also au­ßer­halb der aka­de­mi­schen Welt, in ei­nem An­ge­stell­ten­ver­hält­nis, und ich habe seit­her nicht mehr auf­ge­hört. Erst hat­te ich 26, dann 28 und mitt­ler­wei­le 30 Ta­gen Jah­res­ur­laub. Aber mehr als drei Wo­chen am Stück hat­te ich nie frei.

Es fehlt mir. Die­se lan­gen, stau­bi­gen, hei­ßen Tage. Plä­ne im­mer nur bis über­mor­gen. Ein Ba­de­an­zug, ir­gend­was drü­ber, San­da­len und seit Wo­chen kei­ne So­cken. Schwimm­bad­pom­mes und Cor­net­to-Eis und Gum­mi­tie­re. Mit dem Fahr­rad un­ter­wegs. Gril­len­zir­pen und Ra­sen­spren­ger.

Es war so nie, au­ßer in mei­ner Er­in­ne­rung. Trotz­dem.

mir ist ur­laub egal. un­se­ren letz­ten cam­ping­ur­laub vor 10 jah­ren ha­ben wir ir­gend­wann ab­ge­bro­chen und ha­ben zu­hau­se ge­merkt, dass es viel er­hol­sa­mer und schö­ner ist, zu­hau­se ur­laub zu ma­chen. ge­le­gent­lich ma­chen wir noch (kur­ze) städ­te­rei­sen, be­su­chen freun­de oder ver­wan­de­te an­ders­wo oder ver­brin­gen ei­nen tag am strand. aber drei wo­chen am stück weg von den anehm­lich­kei­ten und rou­ti­nen zu­hau­se? fin­den wir mitt­ler­wei­le bei­de schreck­lich. auch der hund sperrt sich da­ge­gen an­ders­wo als zu­hau­se zu ent­span­nen.

mei­ne ar­beits­kol­le­gin­nen müs­sen mich je­des jahr dazu drän­gen mei­nen ur­laub auf­zu­brau­chen. ei­ner­seits fin­den sie es prak­tisch, dass ich mir über weih­nach­ten und zwi­schen den jah­ren kei­nen ur­laub neh­me, an­de­rer­seits ist es ner­vig wenn ich im no­vem­ber noch mit mehr als 20 ta­gen ur­laub da sit­ze. um mei­nen ur­laub auf­zu­brau­chen nehm ich mir dann wo­chen­lang ei­nen tag pro wo­che frei. das struk­tu­riert die wo­che ganz in­ter­es­sant. so kann man aus ei­ner wo­che zwei wo­chen mit zwei wo­chen­en­den (ei­nem lan­gen und ei­nem kur­zen) ma­chen:

mo | di | - | do | fr | -- | mo | di | etc.

ich ar­bei­te ger­ne. aber ich stel­le mir si­sy­phos auch als glück­li­chen men­schen vor. kürz­lich dach­te ich ei­nen ge­dan­ken wie­der, den ich als kind schon öf­ter dach­te; mit et­was ab­stand be­trach­tet ist es ei­gent­lich schon ein biss­chen ab­surd dass wir uns 20 bis 30 jah­re aus­bil­den las­sen um dann 5 × 8 stun­den pro wo­che die fä­hig­kei­ten un­se­res aus­ge­bil­de­ten ge­hirns an ei­nen ar­beit­ge­ber zu ver­mie­ten. an­de­rer­seits ist es ge­nau so ab­surd den gan­zen tag durch die sa­van­ne zu lat­schen und nüs­se und wur­zeln zu su­chen, um die dann zu ver­spei­sen, zu schla­fen und dann, nach dem auf­ste­hen, wie­der nach nüs­sen und wur­zeln oder nach we­ni­ger gut aus­ge­bil­de­ten tie­ren zu su­chen.

aber mit et­was ab­stand be­trach­tet ist ja wohl al­les ein biss­chen ab­surd. drei­ein­halb mil­li­ar­den jah­re evo­lu­ti­on, drei­hun­dert­tau­send jah­re mensch­heits­ge­schich­te da­mit ich hier auf dem sofa sit­zen kann und über die ab­sur­di­tät der welt laut nach­den­ken kann.


mu­se­ums­in­sel hom­broich

felix schwenzel in artikel

ges­tern bei der kalt­mam­sell ge­le­sen, dass sie und herr kalt­mam­sell auf der mu­se­u­min­sel hom­broich wa­ren. an mei­nen letz­ten be­such dort er­in­ne­re ich mich als wäre es ges­tern, auch wenn mei­ne er­in­ne­run­gen dar­an leicht ver­blasst und ver­schmol­zen sind. ich bin ja in der ge­gend mit den broichs auf­ge­wach­sen. fuss­broichs, gre­ven­broich, kor­schen­broich, mör­sen­broich, broich­wei­den wa­ren na­men sie ich in mei­ner ju­gend stän­dig ge­se­hen habe. in der ge­gend gibt vie­le ei­gen­ar­ti­ge orts­na­men. wenn wir nach aa­chen fuh­ren, pas­sier­ten wir im­mer gei­len­kir­chen (eccle­sia ero­ti­ca) und puf­fen­dorf (vicus lu­pana­ris), auf dem weg nach düs­sel­dorf gings an hom­broich und gre­ven­broich vor­bei.

je­den­falls liess sich mein in­ter­nes ge­däch­nis an den in­sel­be­such nicht mit mei­nem ex­ter­nen ge­däch­nis ve­ri­fi­zie­ren. ich habe hier nie et­was über die mu­se­ums­in­sel hom­broich ge­schrie­ben oder bil­der da­von ge­pos­tet — oder kann sie nicht mehr fin­den. auch auf mei­nen so­cial me­dia pro­fi­len fand ich zu­nächst nichts. in mei­ner fo­to­bi­blio­thek fand ich dann über die orts­su­che ei­nen hau­fen bil­der aus dem april 2011. mein ar­chiv vom april 2011 zeigt schö­ne tex­te von der #rp11, aber nix von hom­broich. mein twit­ter­ar­chiv reicht nur bis 2012 (ob­wohl ich mich bei twit­ter 2007 an­ge­mel­det habe), mein ers­ter in­sta­gram post ist vom ok­to­ber 2011 (lo­ka­le ko­pie). ich war mir aber si­cher, dass ich zu die­sem be­such et­was ins in­ter­net ge­schrie­ben oder ge­pos­tet hat­te. mit spot­light fand ich dann ei­nen hin­weis in ei­ner back­up­da­tei auf die­ses you­tube vi­deo aus dem gra­phi­schen ka­bi­nett der mu­se­ums­in­sel, dass ich 2011 ge­pos­tet habe.

mei­ne er­in­ne­run­gen an die mu­se­ums­in­sel sind, wie ge­sagt, ver­wa­schen. ich er­in­ner mich aber sehr gut an die ca­fe­te­ria. es­sen und ge­trän­ke dort sind im ein­tritt­preis in­be­grif­fen. die mu­se­ums­in­sel selbst er­klärts (in ein­fa­cher spra­che) so:

In der Ca­fe­te­ria be­kom­men Sie ein kos­ten­lo­ses ein­fa­ches Buf­fet.

Das Es­sen kommt von Land­wirt:in­nen und Lie­fe­rant:in­nen aus der Nähe.
Dar­um ist das Es­sen be­son­ders frisch.

mei­ne er­in­ne­rung ist, dass es ro­si­nen­brot gab. das brot war vor­ge­schnit­ten und es gab but­ter. die ein­fach­heit die­ser mahl­zeit hat mich da­mals sehr be­geis­tert. und die wes­pen auf der in­sel auch.

ich hab das schon öf­ter ge­schrie­ben, dass ich kunst die ei­nem im all­tag be­glei­tet oder ein­fach ent­deck­bar ist in­ter­es­sant fin­de. mei­ne el­tern hat­ten nicht we­nig kunst bei uns im haus und das zu­sam­men­le­ben mit die­sen ar­bei­ten öff­ne­te per­ma­nent neue per­spek­ti­ven. das al­les funk­tio­niert in ei­nem mu­se­um auch, aber eben an­ders.

mir gehts in mu­se­en oft so, dass ich schnell ge­sät­tigt bin. beim su­shi es­sen wird der ing­wer tra­di­tio­nell ja nicht mit dem su­shi ge­ges­sen, son­dern zwi­schen ver­schie­de­nen su­shi-sor­ten. da­mit ver­schafft man dem ge­schmacks­sinn an­geb­lich eine er­ho­lung. und ge­nau des­halb ist die musuem­in­sel hom­broich so toll. man wan­dert durch wun­der­schö­ne na­tur und stösst wie zu­fäl­lig auf ge­fäl­li­ge ar­chi­tek­tur in der oder um die kunst hängt, liegt oder steht.

mit dem prin­zip der dis­co­vera­bi­li­ty von kunst in der na­tur habe ich auch eine frü­he kind­heits­er­in­ne­rung. mei­ne el­tern hat­ten be­kann­te die bei lud­wig scho­ko­la­de oder trumpf ar­bei­te­ten. ihr wohn­haus war ein frmen-bun­ga­low, der di­rekt am park der fa­mi­lie lud­wig lag und auch zu­gang zu die­sem park hat­te. der park war weit­läu­fig und mit vie­len skulp­tu­ren und bäu­men ge­spickt. kris­tof und ich er­kun­de­ten den park re­gel­mäs­sig wenn wir bei den be­kann­ten un­se­rer el­tern zu be­such wa­ren. wir be­klet­ter­ten die skulp­tu­ren und freu­ten uns über die ab­we­sen­heit von er­wach­se­nen. der park war da­mals nicht öf­fent­lich und ist heu­te mehr oder we­ni­ger kom­plett zu­ge­baut. kunst ein­fach rum­ste­hen zu las­sen da­mit sie ent­deckt, be­grif­fen oder igno­riert wer­den kann, ist mei­ner mei­nung nach im­mer noch die bes­te art kunst zu­gäng­lich zu ma­chen. min­des­tens ge­nau so gut wie ge­schnit­te­nes ro­si­nen­brot.

die ar­chi­tek­tur, die bau­ten die auf der in­sel ste­hen sind ei­ner­seits ty­pisch für die re­gi­on und an­de­rer­seits un­ty­pisch, weil ge­schmack­voll und mi­ni­ma­lis­tisch. ein­fa­che geo­me­tri­sche for­men um­ge­ben von ge­zähm­ter, halb wil­der na­tur. ge­le­gent­lich wird die na­tur ge­trimmt um die bau­ten zu er­gän­zen, an man­chen stel­len darf die na­tur ma­chen was sie will.

auf den fo­tos der bei­fah­re­rin fum­mel ich stän­dig am han­dy rum. ich habe da­mals ganz of­fen­sicht­lich beim be­such der in­sel an die ver­wert­bar­keit im in­ter­net ge­dacht. soll­te ich das noch raus­fin­den wo ich das da­mals ge­pos­tet habe, schrei­be ich ei­nen nach­trag. die fo­tos oben sind alle von der bei­fah­re­rin (mit ei­ner Ca­non Power­Shot SX200 IS powerge­schos­sen). hier sind noch ein paar fo­tos die ich da­mals (mit ei­nem HTC In­cre­di­ble S) ge­macht habe.

falls das noch nicht deut­lich ge­wor­den ist: ich kann ei­nen be­such der mu­se­ums­in­sel hom­broich sehr emp­feh­len. das mu­se­um ist in der nähe von düs­sel­dorf und ist mit dem auto am bes­ten zu er­rei­chen. bus und bahn ge­hen auch, wenn man gut zu fuss ist.

kartenübersicht  mit markierungen wo die fotos auf dieser seite augfgenommen wurden.


di­gi­ta­le un­ab­hän­gig­keit

felix schwenzel in artikel

ich hab in den letz­ten mo­na­ten im­mer wie­der über­legt wie ich ar­ti­kel von hier auf in­sta­gram brin­gen kann oder um­ge­kehrt. auf in­sta­gram habe ich im­mer noch vie­le men­schen die mir fol­gen, oder bes­ser ge­sagt, die auf pflan­zen­bil­der und sel­fies von mir re­agie­ren. in­sta­gram selbst nut­ze ich selbst so gut wie gar nicht mehr, weil ich mich im­mer är­ge­re wenn ich die app of­fen habe und ver­führt wer­de kur­ze vi­de­os in mich rein­zu­stop­fen. zack sind 30, 40 mi­nu­ten vor­bei und ich är­ge­re mich, dass ich mei­ne zeit nicht selbst­be­stimmt ver­schwen­det habe.

die schwie­rig­kei­ten die in­sta­gram ei­nem in den weg legt wenn es dar­um geht ei­ge­ne in­hal­te von in­sta­gram zu­rück­zu­ho­len sind er­staun­lich. in­sta­gramm gibt sich sehr viel mühe öf­fent­li­che bei­trä­ge nicht au­to­ma­tiert aus­les­abr zu ma­chen, aus­ser man heisst goo­gle­bot. je­den­falls hab ich mehr oder we­ni­ger auf­ge­hört auf in­sta­gram zu pos­ten, weil das ko­pie­ren der bei­trä­ge von in­sta­gram hier­her zu müh­sam wur­de und um­ge­kehrt nicht mög­lich ist.

aus­ser man wan­delt sein in­sta­gram­kon­to in ein pro­fes­sio­nel­le kon­to um, mel­det sich bei face­book als ent­wick­ler an, ver­knüpft sein face­book und in­sta­gram­kon­to und stellt an ei­ni­gen stell­sch­ra­ben rum. nach lan­gem zö­gern hab ich das jetzt ge­macht und kann bei­trä­ge von hier ein­fach auf in­sta­gram pos­ten — per knopf­druck im kir­by ba­ckend.

im in­die­web nennt man das pos­se: „Pu­blish (on your) Own Site, Syn­di­ca­te El­se­whe­re“

ich ver­öf­fent­li­che also hier ein foto und von hier dann zu mast­o­don, blues­ky, stan­dard.site — und jetzt auch zu in­sta­gram. und jetzt wo ich über meta/face­book auch ein­ge­schränk­ten zu­gang zur API habe, kann ich auch kom­men­trae von in­sta­gram hier­her­ho­len.

so nut­ze ich zwar meta/face­book/in­sta­gram, aber wenn die mich mor­gen sper­ren sol­ten oder ich sie oder meta ver­en­det oder nur noch span­ner-bril­len ver­kauft ist mir das egal — weil ich nix ver­lie­re.


ich bin kein freund da­von zu be­haup­ten sei ir­gend­was oder gar al­les bes­ser ge­we­sen. aber den zu­stand der isn­ta­gram-app, bzw. der in­sta­gram-time­line, wür­de ich schon ger­ne be­kla­gen. al­les ist un­über­sicht­lich ge­wor­den, stän­dig will mir je­mand was ver­kau­fen oder mich hyp­no­ti­sie­ren und mei­ne auf­merk­sam­keit ab­sau­gen.

wie wohl­tu­end ist da zum bei­spiel grain: ein ver­ti­ka­ler, scroll­ba­rer srei­fen mit fo­tos, nichts als fo­tos. und: dark mode, herz­chen zum drü­cken und … fo­tos. ich schlei­che zwar seit wo­chen durch die AT­mo­sphe­re, aber auf grain hat mich heu­te noch­mal pxlnv.com ge­stupst.

weil grain auf dem AT­pro­to­koll ba­siert und die fo­tos und me­ta­da­ten auf mei­nem, bzw. dem PDS von blues­ky spei­chert, kann ich kir­by auch ein­fach bei­trä­ge auf grain pos­ten las­sen (in­dem kir­by eing­ach im rich­ti­gen for­mat/sche­ma me­ta­da­ten und ei­nen blob spei­chert). auch das geht aus dem kir­by-ba­ckend per knopf­druck und sieht dann so aus.


war­um nicht pi­xel­fed? ich wür­de sa­gen weil es mei­nem ver­ständ­nis von di­gi­ta­ler un­ab­hän­gig­keit wi­der­spricht mir ein wei­te­res so­cial me­dia kon­to an­zu­le­gen nur um ei­nen wei­te­ren aus­ga­be­ka­nal für das zu ha­ben was ich hier auf wir­res.net und mei­ner ei­ge­nen fe­di­ver­se go­to­so­cial in­stanz schon habe. bei grain hin­ge­gegn mel­de ich mich mit mei­nem vor­han­de­nen blues­ky-kon­to an und dort, auf dem blues­ky PDS wird das auch al­les ge­spei­chert und ich kann mit den da­ten ma­chen was ich will. kei­ne rei­bung, kein zu­sätz­li­cher log­in, kein zu­sätz­li­cher API key, ein­fach ein wei­te­rer ka­nal.


weil es so ein­fach ist bei diens­ten mit­zu­ma­chen, die auf dem AT­pro­to­koll auf­set­zen, hab ich mir ge­dacht mal alle pro­fi­le die ich im lauf der zeit an­ge­legt habe auf­zu­lis­ten. das ist auch ganz ein­fach, in­dem ich in mei­nen PDS gu­cke.


ich weiss nicht ob mein ver­ständ­nis von un­ab­hän­gig­keit rich­tig ist oder der rei­nen leh­re ent­spricht, aber die­ses pos­sen fühlt sich gut an. al­les zu­hau­se an ei­nem ort zu ha­ben und da wo es geht, da wo es viel­leicht wen in­ter­es­si­ert, auch mei­nen quark hin­schie­ben zu kön­nen. oder eben auch nicht. wie­die­wied es mir ge­fällt.


odys­see

felix schwenzel in artikel

ich er­in­ne­re mich noch gut wie ich 2001: odys­see im welt­raum zum ers­ten mal ge­se­hen habe: vor 37 jah­ren auf ei­nem blas­sen, nied­rig auf­lö­sen­den röh­ren-farb­fern­se­her1 im kel­ler der el­tern mei­ner da­ma­li­gen freun­din hei­ke. ich hab den film noch nicht mal von an­fang an ge­se­hen, son­dern als wir ein­schal­te­ten lief er schon ne gan­ze wei­le. die hand­lung war nicht wirk­lich nach­voll­zieh­bar und der film war deutsch syn­chro­ni­si­ert.

der film war also auf viel­fäl­ti­ge wei­se ver­hunzt: nied­ri­g­auf­lö­send, nied­rig fre­quent, licht­arm, mit deut­schen stim­men ge­panscht, mit ein­em­schepp­ri­gen mono-laut­spre­cher, nicht in ei­nem dark­room (kino) prä­sen­tiert. wahr­schein­lich wa­ren auch die sei­ten we­gen des fern­seh­for­mats ab­ge­schnit­ten.

trotz­dem schlug der film voll bei mir ein. ich war schwer be­ein­druckt und auf eine gute art ir­ri­tiert. als ich mir den film spä­ter noch­mal auf DVD oder im stream an­sah, sehr viel bes­ser auf­ge­löst, mit bes­se­rem ton und den ori­gi­nal­stim­men, war ich ge­nau so be­ein­druckt und ir­ri­tiert. und konn­te die hand­lung im­mer noch nicht nach­voll­zie­hen.


den neu­en film mit ner odys­see, den der nicht im welt­raum und nicht 2001, son­dern ir­gend­was mit 3000 b.c. spielt, der nicht von ku­brick, son­dern von no­lan ge­filmt wur­de, hab ich noch nicht ge­se­hen. ich hab mo­men­tan kei­ne lust auf kino.

ich sehe mir fil­me lie­ber al­lei­ne, in mei­nem tem­po, mit ei­ner schein­bar rie­si­gen lein­wand, 50 zen­ti­me­ter vor mei­nem ge­sicht, in form ei­nes hoch­auf­lö­sen­den ap­ple dis­plays an. als ich das letz­te mal ei­nen film in ei­nem imax-fä­hi­gen kino ge­se­hen habe war ich mehr ir­ri­tiert und ab­ge­lenkt von den ef­fek­ten, als ich es mir ge­wünscht hät­te.

mich lenkt das gan­ze ge­wum­mer und der bom­bast eher vom in­halt ab, als es mir hilft in den in­halt ein­zu­tau­chen.

no­lan be­haup­tet mit imax wür­de die lein­wand ver­schwin­den und dass das ein bild sei, in dem man sich ver­lie­ren kön­ne.

ich wer­de mir nolans odys­see je­den­falls nicht im kino an­se­hen. we­der im nor­ma­len, noch im imax kino. ich war­te bis der ir­gend­wo streamt und schaue ihn mir dann auf dem lap­top an.

wenn ich so drü­ber nach­den­ke, wür­de ich mir den film viel­leicht so­gar ger­ne auf ei­nem al­ten röh­ren­fern­se­her an­schau­en2. al­ler­dings nicht syn­chro­ni­si­ert.

ich fin­de es er­staun­lich wel­che band­brei­te die re­zep­ti­on des films hat. von „meis­ter­werk“ bis lang­wei­lig über „ewig die glei­che Ge­schich­te von männ­li­cher Über­mensch­lich­keit“, zu egal oder ir­gend­wie ok ist al­les da­bei.

ir­gend­wo las ich in ei­ner kri­tik, dass no­lan be­stimm­te din­ge gar nicht zei­ge, son­dern der phan­ta­sie des zu­schau­ers über­las­se. das hal­te ich im­mer für eine sehr gute idee und wir alle wis­sen, dass das gut funk­tio­niert, bzw. ei­nes der grund­re­zep­te von gu­ten ge­schich­ten ist. auch des­halb fra­ge ich mich oft: dient der bom­bast dazu, von ei­ner schwa­chen ge­schich­te ab­zu­len­ken, ist der bom­bast die ei­gent­li­che ge­schich­te oder dient die tech­nik hier tat­säch­lich der ge­schich­te?

mir fällt bei der ak­tu­el­len (drit­ten) staf­fel von house of the dra­gon (hotd) auf, wie sehr mich bom­bast manch­mal lang­weilt. die klei­ne, in je­dem de­tail lie­be­voll ge­strick­te ge­schich­te des he­cken-rit­ters (hedge knight) in a knight of the se­ven king­doms hat mir um län­gen bes­ser ge­fal­len als die­se staf­fel hotd. das lang­wei­li­ge kann so viel in­ter­es­san­ter sein als das kom­ple­xe.

trotz­dem. auf ne art bin ge­spannt auf nolans odys­see. aber ich habs nicht ei­lig.


  1. das war der glei­che fern­se­her, auf dem ich sub­way zum ers­ten mal ge­se­hen habe. ↩︎

  2. wenn ich noch wei­ter drü­ber nach­den­ke: im prin­zip ist nolans odys­see ein diabend mit ei­ner vier­tel­mil­li­on schnell ab­ge­spiel­ten dias. (3 stun­den = 180 mi­nu­ten = 10.800 se­kun­den macht 10.800 × 24 = 259.200 ein­zel­bil­der) ↩︎


kunst log­gen (klog­gen?)

felix schwenzel in artikel

die­ses wo­chen­en­de wa­ren wir kurz in ham­burg um die ab­schluss­aus­stel­lung vom kind an­zu­se­hen. also ei­gent­lich war das die ab­schluss­aus­stel­lung der ba­che­lor und mas­ter ab­sol­vie­ren­den die­ses jah­res an der hfbk. die ar­bei­ten vom kind ha­ben mir sehr gut ge­fal­len und auch wenn ich das nicht so gut aus­drü­cken kann wie die bei­fah­re­rin, ha­ben die ar­bei­ten in mir re­so­niert. ich fand die­ses bild auf den ers­ten blick in­ter­es­sant, we­gen der tie­fe und weil es mög­li­cher­wei­se ein paar ar­chi­tek­ten-sai­ten in mir an­zupf­te. ich mag es, wenn man mit mi­ni­ma­len mit­teln et­was räum­li­ches schafft das of­fen ge­nug ist, um es mit ei­ge­nen as­so­zia­tio­nen zu fül­len.

bild von anton kelm in der jahresausstellung der hfnk. man sieht eine hüttenartige stangen-struktur mit konstruktiven  elementen aus croutons

der witz war, dass sich auf dem bild auch crou­tons be­fin­den. die hat­te ich aus der ent­fer­nung zwar ge­se­hen, aber als ge­mal­te, kon­struk­ti­ve ele­men­te an­ge­se­hen. sol­che mehr­schich­tig­kei­ten mag ich. auch zu den an­de­ren ar­bei­ten des kin­des fand ich zu­gang.

mein zu­gang zu kunst war und ist ei­gent­lich im­mer: re­so­niert da was in mir oder sehe ich et­was, das ich so toll fin­de, dass ich mir wün­sche da selbst drauf­ge­kom­men zu sein? man­che leu­te sa­gen ja beim be­trach­ten von eher mi­ni­ma­lis­ti­scher kunst: „das hät­te ich auch ma­chen kön­nen!“ das ist na­tür­lich aus meh­re­ren grün­den lahm: ers­tens ha­ben leu­te die so­was sa­gen es eben nicht ge­macht und zwei­tens über­sieht eine sol­che aus­sa­ge das wich­tigs­te: den kon­text.

ein werk, eine ar­beit, ein ob­jekt (und al­les an­de­re) hat im­mer kon­text. es gab ei­nen pro­zess (der sicht­bar oder ver­bor­gen sein kann) der zu eben die­sem er­geb­nis führt. der kon­text, wie ein ding prä­sen­tiert wird, ist auch ent­sch­ei­dend.

ich bin si­cher: das k in kunst kommt nicht von kön­nen, son­dern von kon­text.

das ist im pro­dukt­de­sign oder auch bei je­der an­de­ren krea­ti­ven ar­beit nicht an­ders. die idee ist we­ni­ger wich­tig als der pro­zess, als die um­set­zung, die um­stän­de, die fi­nan­zie­rung, der zeit­geist — eben der kon­text.


min­des­tens ge­nau­so in­ter­es­sant wie die re­zep­ti­on der ar­bei­ten auf ei­ner aus­stel­lung ist die re­zep­ti­on der aus­stel­lungs­be­su­cher. wir hat­ten sehr viel zeit zur aus­stel­lung an der hfbk mit­ge­bracht und ver­brach­ten dann auch nicht we­nig zeit im aus­stel­lungs­raum des kin­des. dort stan­den dan­kens­wer­ter wei­se ein paar so­fas auf de­nen wir sit­zen konn­ten um die be­su­cher der aus­stel­lung zu be­ob­ach­ten.

ganz wie zu­hau­se war das na­tür­lich nicht, so­wohl fri­da als auch ich sind auf dem sofa zu­hau­se sehr viel ent­spann­ter. aus­ser­dem schmeckt das bier zu­hau­se bes­ser.


da wir am sams­tag sehr früh los­fuh­ren und ich mei­nen lap­top erst nach 22 uhr in die hand be­kam, konn­te ich na­tür­lich nichts blog­gen. mei­ne „streak“ re­gel, also wie ich zäh­le ob ich an ei­nem tag ge­bloggt habe um dann (auf der rück­sei­te) zu be­haup­ten …

täg­li­che bei­trä­ge seit: 443 ta­gen

lau­tet so: book­marks, fa­vo­ri­ten, kom­men­ta­re oder ant­wor­ten oder din­ge die ich ge­se­hen habe zäh­len nicht (aus­ser ich hebe sie auf die vor­der­sei­te), wohl aber et­was das auf der vor­der­sei­te er­scheint oder eine kur­ze (oder lan­ge) no­tiz, ein ge­pos­te­tes bild oder ein che­ckin. sprich: mit ei­nem che­ckin habe ich mei­ne log­ging-pflicht für den tag im prin­zip er­füllt. check­ins pos­te ich aus­schliess­lich mit bil­dern, ohne bil­der wer­den sie auf wir­res.net gar nicht erst von swarm im­por­tiert.

je­den­falls fiel mir bei die­ser rei­se wie­der auf, wie glück­lich ich mit mei­nem ak­tu­el­len „blog“-set­up bin. ich kann klas­si­sches blog­ge­döns ma­chen, schrei­ben, bil­der pos­ten, kur­ze und lan­ge no­ti­zen fest­hal­ten und für alle die es in­ter­es­sie­ren mag auf der vor­der­sei­te und im rss-feed vor­hal­ten und zu­gäng­lich ma­chen. aber ich kann auch log­gen, log­buch füh­ren, buch über alle you­tube-vi­de­os füh­ren, de­nen ich ei­nen 👍 ge­ge­ben habe, book­marks set­zen und spä­ter ver­wen­den (oder nicht), book­marks kom­men­tie­ren und wenn es sich lohnt oder ich lust habe in bei­trä­gen agg­re­gie­ren oder ein­zeln auf die vor­der­sei­te ho­len.

kurz, die auf­tei­lung in eine vor­der­sei­te auf der al­les auf­taucht was ich ger­ne mit ei­nem brei­te­ren pu­bli­kum zei­gen möch­te, eine rück­sei­te die beim na­vi­gie­ren der vor­der­sei­te hel­fen kann und ein paar tei­le des hin­ter­grund­rau­schens zeigt. und dann das hin­ter­grund­rau­schen, das nicht un­sicht­bar, aber eben auch nicht im vor­der­grund pas­siert. al­les ist in ver­schie­de­nen stu­fen abon­nier­bar und nie­mand muss von mei­nen manch­mal ma­ni­schen ak­ti­vi­tä­ten im hin­ter­grund ge­nervt sein.


noch­mal zu­rück zur hfbk. ich habe oben ja da­von ge­spro­chen, dass ich beim be­trach­ten von frem­den ar­bei­ten ge­le­gent­lich den­ke: „scha­de dass ich da nicht selbst drauf ge­kom­men bin.“ ges­tern dach­te ich zu­min­dest ein­mal: so eine idee hat­te ich schon­mal. lei­der habe ich mir we­der den raum noch den na­men der künst­le­rin no­tiert, aber sie hat ei­nen trau­ri­gen me­cha­ni­schen vo­gel aus ka­beln, mo­to­ren und me­cha­ni­schen ku­ckucks­pfei­fen ge­baut.

weit we­ni­ger ele­gant, durch­dacht und wohl­klin­gend, hab ich das vor drei jah­ren auch mal ge­macht (am ende sah es so aus).

über pfings­ten eine ku­ckucks­uhr ge­baut. fast fer­tig, be­vor das zif­fer­blatt der funk­uhr dran kommt, muss die bei­fah­re­rin das ding noch be­ma­len (statt be­schnit­zen, wie im schwarz­wald).

ursprünglich veröffentlicht am 30.05.2023

zu die­ser po­ten­zi­ell kon­tro­ver­sen ku­ckucks­uhr von mi­cha­el sans hab ich vor 19 jah­ren mal was ge­schrie­ben.


kopf­ki­no

felix schwenzel in artikel

heu­te beim mor­gen­spa­zier­gang hat­te ich in­ten­si­ves kopf­ki­no. die film­aus­schnit­te be­stan­den aus er­in­ne­run­gen, die von ein­strö­men­den um­welt­rei­zen aus­ge­löst wur­den. auf dem foot­ball­feld der ber­lin ad­ler plärr­te de­pe­che mode aus den laut­spre­chern. laut­spre­cher die un­ter frei­en him­mel spie­len ha­ben ei­nen ganz cha­rak­te­ris­ti­schen klang. die mu­sik ver­weht ein biss­chen, wab­bert und sam­melt sich ge­le­gent­lich zu echos. vor mei­nem in­ne­ren ohr und auge lie­fen er­in­ne­run­gen, die mich an den his­to­ri­schen jahr­markt in kor­neli­müns­ter1 den­ken lies­sen. auf die­sem jahr­markt habe ich ei­nen teil mei­ner kind­heit ver­bracht. vor mei­ner in­ne­ren nase zog grill- und pony­ge­ruch auf.

das open-air-ge­schrei der eher jün­ge­ren men­schen auf dem weit­läu­fi­gen foot­ball-platz in kom­bi­na­ti­on mit ein paar har­ten son­nen­strah­len auf mei­nemn ge­sicht spül­te dann auch noch er­in­ne­run­gen an die som­mer-zelt­la­ger2 hoch.

ich staun­te wäh­rend des spa­zier­gangs was da al­les in mir aus der ver­gan­gen­heit auf­schwamm. das pas­siert mir nicht im­mer, aber heu­te fan­den die sen­so­ri­sche in­puts wohl ei­nen weg sich in mei­nem kopf aus­zu­brei­ten. ich spiel­te ir­gend­wann so­gar aus­schnit­te ei­nes you­tube-vi­de­os, das ich am vor­abend ge­se­hen hat­te, vor mei­nen in­ne­ren au­gen ab.

wäh­rend ich fri­da be­ob­ach­te­te, mich ge­rü­che, ge­räu­sche, der wind im ge­sicht und in der nase reiz­ten, ein paar son­nen­strah­len, eine küh­le bri­se, was­ser­ge­ruch, kin­der­ge­schrei, open­air laut­spre­cher mei­ne sin­ne sti­mu­lier­ten dach­te ich: schon er­staun­lich, was ich al­les ab­ge­spei­chert habe. ich staun­te auch, dass nur schö­ne er­in­ne­run­gen auf­schwam­men. die er­in­ne­run­gen wa­ren far­ben­froh, po­si­tiv, ein biss­chen nost­al­gisch.

ges­tern schrieb mir mei­ne mut­ter, der ge­ra­de plötz­lich zwei gute freun­de weg­ge­stor­ben wa­ren, wie schön sie es fand, dass sie mit vol­ker, der ge­ra­de ge­stor­ben ist, noch vor zwei wo­chen beim „por­tu­gie­sen“ es­sen wa­ren und vol­ker, wie im­mer, gut­ge­launt trank und ass und er­zähl­te. das müs­se wohl die­ses car­pe diem („oder so“) sein, von dem alle spre­chen. ich ant­wor­te­te ihr dass ver­meint­lich lang­wei­li­ge oder er­eig­nis­lo­se tage mei­ner mei­nung nach und in die­sem sin­ne auch ok sei­en, müs­se ja nicht al­les eine wil­de ver­gnü­gungs­fahrt sein.

heu­te fällt mir auf, die­ses car­pe diem kann man auch im kopf­ki­no ma­chen. so kann auch ein lang­wei­li­ger mor­gen­spa­zier­gang zu ei­ner wil­den ver­gnü­gungs­fahrt wer­den. ich bin mir auch si­cher dass ich mit die­ser er­fah­rung nicht al­lein war und es fri­da ganz ähn­lich ging. ihre sen­so­rik ge­gen­über um­welt­rei­zen und ge­rü­chen dürf­te um ei­ni­ges bun­ter und dif­fe­ren­zier­ter sein und ich will nicht wis­sen was für ein kopf­ki­no in ih­rem kopf ab­geht, wenn sie sich durch die um­welt schnüf­felt.

zu­hau­se muss­te ich na­tür­lich gleich in mei­ner al­ten, ana­lo­gen fo­to­kis­te kra­men. da­bei fiel mir auf, die bil­der die ich vor­her im kopf hat­te wa­ren bun­ter, le­ben­di­ger, mehr­di­men­sio­na­ler als die auf dem fo­to­pa­pier. zu­mal mir da­bei auch auf­fiel, wie zu­rück­hal­tend wir da­mals mit der an­zahl fo­tos wa­ren. 36 bil­der hat­ten die fil­me da­mals, da knippst man nicht wie wild rum.

beim blät­termn in der fo­to­kis­te fie­len ir dann aber noch zwei fo­tos aus mei­nem stu­den­ten­zim­mer in die hand. stras­sen­lärm, vor al­lem höl­lisch laut klap­pern­de LKW, we­cken nor­ma­ler­wei­se er­in­ne­run­gen an die­ses zim­mer das di­rekt an ei­ner der haupt­ein­fall­stras­sen des stutt­gar­ter kes­sels lag (heil­bron­ner stras­se). auch der ge­ruch des zim­mer-öl­ofens hat sich bei mir ein­ge­brannt, wird aber sel­ten aus­ge­löst weil man öl heut­zu­ta­ge ja fast nur noch völl­stän­dig und russ­frei ver­brennt und in sei­nem un­ver­brann­tem ag­gre­gat­zu­stand kaum noch be­geg­net.


  1. eine fo­to­ga­le­rie des his­to­ri­schen jahr­markts in kor­neli­müns­ter auf com­mons.wi­ki­me­dia.org, die­ses und die­ses und die­ses un die­ses foto tref­fen mei­ne 80er-jah­rer-er­in­ne­run­gen ganz gut. ↩︎

  2. die zelt­la­ger wa­ren sehr li­be­ral und wur­den da­mals vom li­be­ra­len ju­gend­werk aa­chen und hei­ner jütt­ner or­ga­ni­sis­ert. die zelt­la­ger gabs wohl noch län­ger oder gibts ge­ge­be­nen­falls im­mer noch. ich hab, wenn ich mich recht er­in­ne­re, an meh­re­ren zelt­la­gern zwi­schen 1981 und 1986 teil­ge­nom­men und sehr viel über den ver­ant­wor­tungs­vol­len um­gang mit ta­bak und al­ko­hol ge­lernt. ↩︎

mit route …


das wich­ti­ge schwimmt

felix schwenzel in artikel

ein korbstuhl der kpfüber im berliner schifffahrtskanal schwimmt. man sieht in der reflektion des wassers den sehr blauen himmel.

ich wünsch­te ich könn­te das john ir­ving zi­tat „sor­row floats“ öf­ter be­nut­zen, aber es passt nie und nir­gend­wo.

das ge­nia­le an „sor­row floats“ ist das bild­haf­te, der nach sei­nem tod aus­ge­stopf­te fa­mi­li­en­la­bra­dor sor­row, der nach ei­nem flug­zeug­un­glück ir­gend­wo zwi­schen den trüm­mern treibt. und gleich­zei­tig ist „sor­row floats“ eine me­ta­pher da­für, dass trau­er nie ganz ver­schwin­det und im­mer wie­der zwi­schen trüm­mern auf­taucht.

aber es ist eben nicht nur die trau­er die schwimmt, ei­gent­lich ist es al­les wich­ti­ge. das mei­ne ich zu­min­dest im lau­fe der jah­re im­mer wie­der be­ob­ach­tet zu ha­ben. und wenn ich schon nicht mein le­ben nach die­ser er­kennt­nis aus­rich­te, so habe ich zu­min­dest mei­nen me­di­en­kon­sum da­nach aus­ge­rich­tet.

lei­der hört sich „im­portance floats“ nicht halb so gut an wie „sor­row floats“.

je­den­falls muss­te ich da heu­te wie­der dran den­ken, weil ich ge­ra­de hier und da lese, dass man­che leu­te von ih­rem RSS rea­der ge­stresst sind. klar, le­sen soll­te kein stress sein und RSS zu le­sen erst recht nicht.

die app cur­rent hat sich zur auf­ga­be ge­macht das le­sen von rss feeds wie­der schön zu ma­chen:

Every RSS rea­der tre­ats your feeds as a to-do list. Cur­rent does­n't.

The­re are no un­read counts. No badge of phan­tom ob­li­ga­ti­on. Just a ri­ver.

New ar­tic­les flow in at the top. Old ones drift down­stream. Not­hing is owed.

ich hab cur­rent ge­kauft und aus­pro­biert aber mir war das zu stres­sig. cur­rent ver­such­te mich wie ein gut­mei­nen­der on­kel, der nichts von mir weiss, da­bei zu un­ter­stüt­zen „wert­vol­le“ feeds zu iden­ti­fi­zie­ren (von „aut­hors“) und aus mei­nen ver­meint­li­chen le­se­ge­wohn­hei­ten fil­ter zu bau­en.

ich habe ge­merkt: mei­ne ei­ge­nen, ein­ge­bau­ten fil­ter funk­tio­nie­ren ganz gut ohne app-hil­fe und dass mich eine on­ke­li­ge app nervt, die stän­dig in mei­ne ge­wohn­hei­ten grätscht.

ich habe auf ei­nem as­te­ro­iden (von uber­space) mi­ni­flux in­stal­liert und nut­ze ent­we­der das web­front­end von mi­ni­flux oder den ree­der clas­sic auf dem te­le­fon um mei­ne 435 feeds zu le­sen. das oben drü­ber „un­ge­le­sen 7238“ steht ist mir egal. ich lese das was oben steht zu­erst und sprin­ge wei­ter, wenn mich we­der die über­schrift, noch die ers­ten paar sät­ze in­ter­es­sie­ren.

das ist nicht an­ders als frü­her die ta­ges- oder wo­chen­zei­tung zu le­sen. da la­gen auch meh­re­re hun­dert ar­ti­kel vor mir und wenn mich we­der die über­schrift, noch die ers­ten paar sät­ze in­ter­es­sie­ren, sprang ich wei­ter in die nächs­te spal­te oder sei­te.

war­um soll­te mich das stres­sen wenn ich ein paar hun­dert un­ge­le­se­ne ar­ti­kel vor mir lie­gen habe? ge­le­gent­lich hab ich zei­tun­gen in der mit­te auf­ge­schla­gen oder am ende, weil ich wuss­te dass dort ka­te­go­rien the­men oder ko­lum­nen la­gen die mich in­ter­es­sier­ten.

so ma­che ich das auch mit RSS. ein paar blogs, ein paar au­toren habe ich ir­gend­wann in ei­nen ord­ner ge­legt, den ich, wenn mir da­nach ist, ge­zielt an­steu­ern und le­sen kann.

sonst gehe ich aus­schliess­lich um­ge­kehrt chro­no­lo­gisch vor. ich lese das un­ge­le­se­ne und sprin­ge mit der tas­ta­tur (j/k) oder wisch­ges­ten wei­ter.

man ver­gisst ja schnell, dass chro­no­lo­gie be­reits eine form von ku­ra­tie­rung ist. die zeit sorgt da­für, dass wich­ti­ges wie­der auf­taucht und das be­lang­lo­se vor­bei treibt.

apro­pos zeit. ich habe vor vie­len jah­ren, als nach­rich­ten noch mehr­heit­lich auf pa­pier ver­trie­ben wur­den, mal be­haup­tet, dass die welt bes­ser wäre wenn es nur wo­chen­zei­tun­gen gäbe (qua­si). wenn nach­rich­ten ein biss­chen ge­trock­net sind und ihre atem­lo­sig­keit nach­lässt, wenn der oder die eine oder an­de­re au­torin zeit hat­te nach­zu­den­ken, ge­win­nen nach­rich­ten an in­ter­ess­anz und das wich­ti­ge bleibt, schwimmt auf.

wenn zei­tun­gen das äqui­va­lent zum feed-rea­der sind, dann wä­ren ma­ga­zi­ne das äqui­va­lent zu in­sta­gram oder tik­tok. die ma­ga­zin-ma­cher ha­ben auch schon da­mals ver­sucht die le­sen­den emo­tio­nal zu pa­cken, zu skan­da­li­sie­ren und über­spit­zen. doom­scrol­ling nann­te man da­mals ein­fach blät­tern.

aber ich kom­me vom the­ma ab. was ich an mei­ner chro­no­lo­gi­schen samm­lung von über 400 quel­len so sehr mag ist ge­ra­de die an­zahl der un­ge­le­se­nen bei­trä­ge. be­un­ru­higt bin ich, wenn mein feed­rea­der leer wäre.

der un­ge­le­sen-zäh­ler ist kei­ne auf­for­de­rung, son­dern ent­span­nen­des weis­ses rau­schen.

wenn ich mal tie­fer mei­nen selbst „ku­ra­tie­ren“ nach­rich­ten­strom ein­stei­ge (und da­bei nicht ein­schla­fe oder mir was bes­se­res ein­fällt) und ein­fach im­mer wei­ter lese, be­stä­tigt sich ir­gend­wann die the­se von oben. das in­ter­es­san­te, das wich­ti­ge war oben, nach un­ten wird meis­tens lang­wei­li­ger und ich den­ke zu­neh­mend: „kenn ich schon.“ oder „schon an­ders­wo drü­ber ge­le­sen“

mög­li­cher­wei­se ist die sicht auf ei­nen strom auch ein­fach mit et­was di­stanz bes­ser, als wenn man mitt­drin steht. si­cher ist: wenn man die strö­me auch mal an sich vor­bei­zie­hen lässt, ver­passt man trotz­dem nix.


end­mar­ken, fuck­ing home­pod, bat­te­rien, the agen­cy und for­mel1

felix schwenzel in artikel

ich be­nutz­te mei­nen home­pod ei­gent­lich nur für zwei din­ge und al­lei­ne we­gen die­ser bei­den din­ge mag ich mei­nen home­pod sehr, sehr ger­ne. bis heu­te.

die eine sa­che für die ich die siri im home­pod ger­ne nut­ze ist zu fra­gen: „wie spät?“ die an­de­re sa­che gin­ge wahr­schein­lich auch mit je­dem an­de­ren der 5 ver­netz­ten laut­spre­cher bei mir im zim­mer, aber ich las­se es den home­pod ma­chen: bei ei­nem for­mel-eins-ren­nen, fünf mi­nu­ten vor start ein for­mel-eins-wrooooom-ge­räusch ab­spie­len.

seit heu­te fängt siri selb­stän­dig an mu­sik ab­zu­spie­len. lei­se, aber im­mer wie­der. da sich home­pods nicht wirk­lich de­bug­gen oder be­fra­gen las­sen was sie zur je­wei­li­gen ak­ti­on ge­bracht hat, steh eich völ­lig auf dem schlauch. ich habe zwi­schen­zeit­lich al­les ab­ge­schal­tet was ich in ver­dacht hat­te, mein ipho­ne, home as­sistant, mein lap­top blue­tooth, die kli­ma­an­la­ge — nichts hilft.

aber zum au­to­ma­ti­sie­ren habe ich ja home as­sistant. eine klei­ne au­to­ma­ti­on schal­tet die mu­sik jetzt aus, so­bald die mu­sik star­tet.

alias: fucking homepod aus
descrip­ti­on: ""
triggers:
  - trigger: media_player.started_playing
    target:
      entity_id: media_player.homepod
    options:
      behavior: each
      for: "00:00:00"
conditions:
  - condition: state
    entity_id: media_player.homepod
    state:
      - music
    attribute: media_content_type
actions:
  - action: media_player.media_stop
    metadata: {}
    target:
      entity_id: media_player.homepod
    data: {}
mode: single

das funk­tio­niert, auch wenns kei­ne lö­sung ist. wenn ich in den nächs­ten ta­gen nicht raus­be­kom­me was oder wer das ver­ur­sacht, muss der home­pod tem­po­rär ster­ben (strom­los wer­den). im­mer­hin habe ich aus­ge­schlos­sen, dass der home­pod das rau­schen der kli­ma­an­la­ge als sprach­be­feh­le in­ter­pre­tiert.


apro­pos for­mel 1, das guck ich ja ge­le­gent­lich ger­ne und fah­re da­für ger­ne mit ei­nem vir­tu­el­len pri­va­ten netz­werk nach ös­te­re­eich. das ren­nen heu­te in ös­te­reich konn­te zwar nicht viel mehr als dreis­sig pro­zent mei­ner auf­merk­sam­keit bin­den, war aber trotz­dem ganz span­nend. aber wirk­lich toll wa­ren die droh­nen­auf­nah­men, nicht mit der üb­li­chen droh­nen-vo­gel­per­spek­ti­ve, son­dern eine droh­ne, die den au­tos mit bis zu 300 km/h im tief­flug hin­ter­her­flog. kei­ne ah­nung was man ma­chen muss um für so­was bei ei­ner ver­an­stal­tung mit pu­bli­kum eine ge­neh­mi­gung zu be­kom­men, aber ös­te­reich hat­te ja noch kein ramm­stein. die bil­der wa­ren aber tat­säch­lich be­ein­dru­ckend.


beim spie­gel habe ich das schon öf­ter ge­se­hen: end­mar­ken. wenn ein spie­gel-ar­ti­kel zu­en­de ist, klascht der spie­gel ein logo-„S“ an den letz­ten ab­satz.

das kann ich auch, dach­te ich mir und klat­sche jetzt ei­nen hau­fen scheis­se, mei­nen shit-vote, bzw. „ich mag die­sen scheiss!“-but­ton an den letz­ten ab­satz — oder je nach­dem, wenn ein bei­trag nicht mit ei­nem ab­satz en­det, auch da­drun­ter.

aus­ser­dem habe ich den ar­ti­kel-fuss („foo­ter“), die kom­men­tar-sek­ti­on und die bei­la­ge ein biss­chen neu ge­ord­net, in der hoff­nung dass da­mit auch men­schen die nicht ich sind die funk­ti­on und den sinn (ein biss­chen) be­grei­fen. wenn nicht, ist auch nicht so schlimm, so­lan­ge mei­ne tex­te (ein biss­chen) ver­ständ­lich sind.


auch wit­zig (für mich) mei­ne mut­ter, die jetzt ja ein welt­ers­te und -ein­zi­ge wir­res.net-bei­trä­ge per email be­kommt, mein­te sie hät­te die letz­ten ar­ti­kel nicht ge­le­sen. dass habe ich ehr­lich­ge­sagt auch nicht an­ders er­war­tet, dass mein rei­gen an tech­ni­schen deep-di­ves ins AT­pro­to­koll, av­ti­vi­ty­pub, bubbles und mei­ne ma­schi­nen­raum-ge­schich­ten an ei­nem teil des pu­bli­kums vor­bei­ge­hen und dass die­ses pu­bli­kum ge­nau das tut, wei­ter­blät­tern („scrol­len“). das ist das schö­ne am in­ter­net: man kann den mas­sen­ge­schmack igno­rie­ren und ganz vie­le ni­schen­in­ter­es­sen („long tail“) be­die­nen und das ge­ziel­te igno­rie­ren funk­tio­niert.


apro­pos home as­sistant und au­to­ma­ti­sie­run­gen: pha­sen­wei­se habe ich mich da­mit ge­nau­so ma­nisch be­schäf­tigt, wie ich mich der­zeit ma­nisch mit die­ser web­site be­schäf­ti­ge. aber home as­sistant ist so freund­lich, dass es auch ohne mei­ne auf­merk­sam­keit mo­na­te­lang zu­ver­läs­sig funk­tio­niert. selbst ge­le­gent­lich leer­lau­fen­de bat­te­rien brin­gen das sys­tem und die sen­so­rik nicht zum er­lie­gen, auch weil ich vie­les red­un­dant auf­ge­setzt habe. trotz­dem habe ich der au­to­ma­ti­schen woh­nung heu­te noch­mal et­was auf­merk­sam­keit ge­schenkt, up­dates ein­ge­spielt, ka­put­tak­tua­li­sier­tes („brea­king ch­an­ges“) ge­fixt, bat­te­rien ge­tauscht und über-op­ti­mis­ti­sche-sen­sor-wert-va­li­die­run­gen, bzw. glät­tung. als ich die auf­ge­setzt habe, konn­te ich mir nicht vor­stel­len, dass am hof­fens­ter tem­pe­ra­tu­ren > 27°C auf­tre­ten (das ist im­mer im schat­ten). pus­te­ku­chen, in den letz­ten ta­genm gings öf­ter drü­ber. des­halb hat mei­ne sen­sor his­to­rie jetzt ab­ge­flach­te kur­ven und durch die fil­ter-an­pas­sung ein paar falsch­mes­sun­gen/aus­reis­ser nach un­ten.

home assistant screenshot von der temperaturaufzeichnung unseres thermometers im hoffenster

the agen­cy staf­fel 2 hat mich in den ers­ten paar fol­gen mit 4 par­al­le­len hand­lungs­strän­gen to­tal über­for­dert. aber mit je­der fol­ge ver­ste­he und fin­de ichs bes­ser. die ab­ge­fuckt­heit von ge­heim­dienst­ar­beit bringt die se­rie wirk­lich gut rü­ber, vor al­lem im ge­gen­teil zu den 2000 an­de­ren fil­men und se­ri­en die ge­heim­dienst­ar­beit ger­ne äs­the­ti­sie­ren, ri­di­küli­sie­ren oder glo­ri­fi­zie­ren. das macht the agen­cy zwar auch, sonst wäre es ja nicht eine fik­tio­na­le un­ter­hal­tungs­sen­dung, son­dern eine „true po­li­ti­cal crime“-se­rie auf net­flix.


das kli­ma­an­la­gen-/wär­me­pum­pen-rab­bit­ho­le, in das mar­kus kürz­lich ge­fal­len ist, habe ich ge­ra­de noch ver­mie­den. die bei­fah­re­rin hat vor ein paar jah­ren eine mo­bi­le, klei­ne kli­ma­an­la­ge für ihr ate­lier ge­kauft, die jetzt in mei­nem zim­mer steht und es auf er­träg­li­che 24,5°C kühlt. sie hat jetzt zwar auch in­ter­es­se an ei­nem wei­te­ren ge­rät an­ge­mel­det, weil die tem­pe­ra­tu­ren in ih­rem zim­mer jetzt auch auf über 25°C klet­tern. und mei­ne el­tern wol­len auch eine. und da soll ich dann so­wohl be­ra­ten als auch mon­tie­ren. aber das konn­te ich al­les gut in den win­ter schie­ben weil man jetzt oh­ne­hin nichts der­ar­ti­ges kau­fen kann.


blog­dings 2004 und jetzt

felix schwenzel in artikel

vier netnewswire icons von 2006 bis heu­te

face­book gibts seit 2004, aber es dau­er­te noch min­des­tens vier jah­re, bis man es in deutsch­land be­nut­zen konn­te. so­zia­le netz­wer­ke ent­stan­den in die­ser zeit ge­ra­de, in die­sem bei­trag von 2004 er­wäh­ne ich ei­nen dienst der „fri­enster“ hiess und an den ich mich nicht mal mehr er­in­nern kann. über das blog­gen schrieb ich da­mals das hier:

die per­son hin­ter ei­nem web­log, ihre glaub­wür­dig­keit und das ver­trau­en das sie sich er­schrie­ben hat, steht am an­fang. je­des blog ist durch links, link-hubs und link-zäh­ler, ag­gre­ga­to­ren, blogrolls und kom­men­tar­funk­tio­nen in eine art so­zia­les netz von ver­trau­en, emp­feh­lun­gen und be­wer­tun­gen ein­ge­bet­tet. die­ses so­zia­le netz geht jetzt schon über sys­te­me wie „fri­enster“ hin­aus. es funk­tio­niert vor al­lem jetzt schon.

blogs funk­tio­nier­ten da­mals „in sich“, sie ver­netz­ten sich im wort­sinn durch ge­gen­sei­ti­ge ver­lin­kun­gen, in­ter­ak­tio­nen (kom­men­ta­re), blogrol­len (link­lis­ten) und durch die hil­fe von ag­gre­ga­to­ren und teil­wei­se auch such­ma­schi­nen. aus­ser­dem wa­ren blogs im­mer schon abon­nier­bar mit RSS. das war tech­nisch et­was an­spruchs­vol­ler als eine web­sei­te/ein blog im brow­ser auf­zu­ru­fen, aber gute RSS-rea­der oder -cli­ents gabs auch schon da­mals. der reiz, da­mals wie heu­te, von RSS ist na­tür­lich die ag­gre­ga­ti­on: neue ar­ti­kel wer­den oben an­ge­zeigt, wie in ei­nem blog, nur dass man sich in sei­nem rea­der dut­zen­de oder hun­der­te blogs zu­sam­men­stel­len konn­te und so den über­blick über neue bei­trä­ge be­hal­ten konn­te.

nicht zu un­ter­schät­zen, un­ge­fähr 2005 kam goog­le mit dem goog­le rea­der. der goog­le rea­der mach­te RSS-feeds ein­fach zu­gäng­lich. ich weiss nicht mehr wie das ge­nau funk­tio­nier­te, aber die ein­gangs­schwel­le zum goog­le rea­der war nied­rig und ein­mal drin war es ein­fach blogs zu fol­gen. et­was spä­ter ka­men emp­feh­lungs­funk­tio­nen für ein­zel­ne bei­trä­ge dazu, mit dem man ge­le­se­ne bei­trä­ge wei­ter­emp­feh­len und (wenn ich mich recht er­in­ne­re) auch mit ei­nem kom­men­tar ver­se­hen konn­te.

2013 en­de­te der goog­le rea­der, weil goog­le eine be­klopp­te idee na­mens goog­le plus hat­te. wozu das gut sein soll­te ver­stand da­mals aus­ser­halb von goog­le nie­mand und ir­gend­wann ver­stand das bei goog­le auch nie­mand mehr und goog­le plus wur­de auch ein­ge­stellt. vie­le sa­hen das als eine art to­des­stoss für blogs, aber we­der das ende des goog­le rea­ders, noch face­book oder twit­ter wa­ren das ende von blogs. blogs ver­schwan­den le­dig­lich wie­der in ihre ni­schen, in de­nen sie auch vor­her schon wa­ren, et­was aus­ser­halb der wahr­neh­mung des main­streams.


jetzt habe ich weit aus­ge­holt, ob­wohl ich ei­gent­lich nur sa­gen woll­te, dass ich, als ich mein zi­tat oben las, dach­te: das wür­de ich heu­te ge­nau so schrei­ben. blogs funk­tio­nie­ren, blogs sind wei­ter­hin da. man­che ver­schwin­den, vie­le neue tau­chen auf, und stän­dig fin­det man per­len, in­spi­ra­ti­on, un­ter­hal­tung, kon­tro­ver­sen oder se­ren­di­pi­tät — wenn man im strom ein biss­chen mit­schwimmt.

und was mich in den letz­ten ta­gen im­mer wie­der fas­zi­niert hat ist das auf­pop­pen (in mei­nem sicht­feld) von span­nend­ne „neu­en“ tech­no­lo­gien (#at­pro­to, #ac­ti­vi­ty­pub), apps und ag­gre­ga­to­ren die das po­ten­zi­al ha­ben dem gan­zen (im­mer) wie­der neu­en schwung zu ver­lei­hen.

bubbles, ein re­la­tiv neu­er, tol­ler ag­gre­ga­tor mit vo­ting emp­feh­lungs- und kom­men­tar­funk­ti­on, lahmt im deutsch­spra­chi­gen be­reich noch ein biss­chen, aber im eng­lisch­spra­chi­gen brummts. mau­rice schrieb in ei­nem kom­men­tar:

in­zwi­schen ist [bubbles] bei mir der haupt-re­fer­rer über den le­se­rin­nen auf mei­ne sei­te kom­men. Au­ßer­dem stö­be­re ich dort auch echt ger­ne.

das er vie­le be­su­cher von dort be­kommt liegt wahr­schein­lich auch dar­an, dass er (auch) eng­lisch schreibt (sei­ne pro­fil­sei­te bei bubbles zeigt auf die eng­li­sche ver­si­on sei­ner web­site), bei mir schau­felt riv­va der­zeit noch mehr be­su­cher als fast jede an­de­re web­site rü­ber. top re­fer­rer in den letz­ten 12 mo­na­ten:

tat­sa­che ist aber, auch jetzt funk­tio­nie­ren blogs min­des­tens so gut, wenn nicht so­gar bes­ser als 2004. ei­ner­seits na­tür­lich weil si­gni­fi­kant mehr leu­te ins in­ter­net schrei­ben, weil es RSS, riv­va, blogrol­len, web­rin­ge gibt, weil ins in­ter­net schrei­ben­de sich wei­ter ge­ge­sei­tig ver­lin­ken und weil sich wei­ter vie­le men­schen ge­dan­ken dar­über ma­chen, wie man tech­no­lo­gien, platt­for­men, pro­to­kol­le wei­ter­ent­wi­ckeln kann um dem gan­zen noch­mal mehr schwung zu ge­ben.

ein an­de­rer grund war­um das gan­ze blog­dings wei­ter brummt fällt mir mor­gens oft beim ers­ten kaf­fee auf, wenn sich mir (in etwa) die­ses bild prä­sen­tiert:

screenshot aus meinem mastodon-client phappy mit drei zeitlich eng beieinanderliegenden posts von markus pfeifer (7:39), kaltmamsell (6:29) und buddenbohm (6:01)
meq 7:39, kalt­mam­sell 6:29, bud­den­bohm 6:01

die kon­stanz man­cher ins in­ter­net­schrei­ben­den ist be­ein­dru­ckend. je­den tag zwi­schen 6 und 7 uhr tau­chen ma­xi­mi­li­an bud­den­bohm und die kalt­mam­sell bei mir in den feeds auf. oft ganz nah dran: mar­kus. es scheint (wei­ter­hin) sehr vie­le men­schen zu ge­ben, für die die lek­tü­re be­stimm­ter blogs zur mor­gen- oder ta­ges­rou­ti­ne ge­hört. ich hab we­nig ah­nung für wie vie­le men­schen mei­ne tex­te zur rou­ti­ne ge­hö­ren, aber ich freue mich na­tür­lich im­mer sehr, wenn ich an­de­re mit in mei­ne rab­bit­ho­les reis­sen kann oder zu­min­dest dazu in­spi­rie­ren kann, mal kurz ei­nen blick auf din­ge zu wer­fen über die ich mich ge­ra­de freue.

tl;dr: be­rich­te über den tod des of­fe­nen webs sind stark über­trie­ben.


das ar­ti­kel­bild zeigt net­news­wire icons von 2006 bis heu­te.

sie­he auch:


ich will kei­ne APPs, ich will APIs (meis­tens)

felix schwenzel in artikel

ich muss lei­der noch­mal an ei­nem teil mei­nes pu­bli­kums vor­bei­schrei­ben. das AT­mo­sphe­re-rab­bit­ho­le, in dem ich ge­ra­de ste­cke fas­zi­niert mich ge­ra­de zu sehr, um das nicht auf­zu­schrei­ben.

man sagt ja: wenn man ei­nen ham­mer in der hand hat, sieht man über­all nä­gel. ich sehe im mo­ment über­all das AT-pro­to­koll und die for­ma­te, bzw. le­xi­ka die da­hin­ter­ste­cken. mich fra­gen leu­te was der vor­teil des stan­dard.site-for­mats ge­gen­über RSS sei. der ver­gleich geht ein biss­chen an der sa­che vor­bei. die fra­ge ist ein­fach: was sind die sa­chen die man mit ei­nem pro­to­koll ma­chen kann, was sind die po­ten­zia­le?

be­reits 2002/2003, noch be­vor es word­press gab, hat­te ich auf wir­res.net be­reits RSS (mit voll­tex­ten) ein­ge­baut. weil ich po­ten­zi­al, an­wen­dungs­fäl­le da­für sah — und weil es an­wen­dungs­fäl­le gab. ich weiss nicht ob ich es da­mals schon nutz­te, aber net­news­wire, also ei­nen tol­len RSS-rea­der, gabs seit 2002. 99,99% al­ler men­schen in­ter­es­sier­ten sich da­mals nicht für RSS (und blogs), aber die die es nutz­ten fan­den es gross­ar­tig, weil es gross­ar­tig und prak­tisch war.

mike mas­nik er­in­nert sich an das in­ter­net von da­mals, dass es an­geb­lich nicht mehr gibt und von platt­for­men und apps zer­fres­sen und zer­fa­sert wur­de. al­ler­dings mit dem twist, dass das ei­ner­seits nicht stimmt, das alte in­ter­net ist noch da, und es keimt un­ter dem platt­form-be­ton ge­ra­de wie­der auf.

mike masnick:

But, as Godier’s piece notes, protocols are… boring. They change slowly (for a good reason, because you need stability to build on). They tend to change by consensus, which is messy. And rather than having billion dollar companies throwing a whole massive en­gi­nee­ring team at making ever­y­thing work, in the protocol world, we rely on constant ex­pe­ri­men­ta­ti­on by anyone who wants to ex­pe­ri­ment.

tim trautmann:

The open web of the nineties didn’t win because the tools were better. It won because a critical mass of people decided that the al­ter­na­ti­ve, a handful of AOL-style walled gardens choosing what everyone saw, was not the future they wanted. Then they built their way out of it. Slowly, un­g­lamo­rous­ly, in rooms that looked a lot like this one.

Whether atproto ends up being the thing, or a stepping stone to the thing, I don’t know. Nobody in the room claimed to know. But the work is real, the apps are shipping, and the people building them are taking it seriously without taking them­sel­ves seriously. That com­bi­na­ti­on is rare, and his­to­ri­cal­ly, it’s the one that wins.

das ent­sch­ei­den­de und span­nen­de, da­mals wie heu­te, sind nicht die gros­sen vi­sio­nen, die mas­sen­wirk­sa­men apps und platt­for­men, son­dern die greif­ba­re­ren, jetzt nutz­ba­ren werk­zeu­ge die ge­nutzt, ernst­haft wei­ter­ent­wi­ckelt wer­den und funk­tio­nie­ren. die ar­beit im ma­schi­nen­raum ist real. nicht mei­ne, son­dern die von tau­sen­den fri­ckeln­den men­schen, auf de­ren schul­tern man sich stel­len kann und ihre werk­zeu­ge mit­be­nut­zen kann.

ges­tern habe ich eine lis­te von ein paar apps die auf dem AT-pro­to­koll auf­set­zen ver­öf­fent­licht die funk­tio­nie­ren und mit de­nen man span­nen­e­de sa­chen ma­chen kann.

  • bei sill mel­det man sich mit sei­nen blues­ky- (oder be­lie­bi­gen an­de­ren AT­pro­to-) log­in an und be­kommt ohne wei­te­res zu­tun eine von sei­nen blues­ky- (oder mast­o­don-) kon­tak­ten ku­ra­tier­te und ge­wich­te­te link­lis­te.
  • bei mar­gin mel­det man sich mit sei­nen blues­ky-log­in an und sieht book­marks, an­mer­kun­gen oder her­vor­he­bun­gen von text­ba­sier­tem zeug aus dem in­ter­net von al­len men­schen in der AT­mo­sphe­re — und si­cher auch ir­gend­wann eine fil­ter­mög­lich­lich­keit auf men­schen de­nen man folgt.
  • mein sifa-pro­fil zeigt ohne wei­te­res zu­tun von mir auch mei­ne bei pop­feed als ge­se­hen mar­kier­ten se­ri­en und fil­me an.

das tol­le am AT-pro­to­koll ist, dass sich diens­te und men­schen auf ba­sis die­ses pro­to­kolls — und sei­ner (be­lie­big) er­wei­ter­ba­ren, struk­tu­rier­ten le­xi­ka — ver­bin­den kön­nen. eine ge­mein­sa­me, of­fe­ne, ge­s­tal­ba­re spra­che ist die ba­sis von ge­mein­schaft.

man muss mei­ne (ak­tu­el­le) be­geis­te­rung für pro­to­kol­le nicht tei­len. ich in­ter­es­sie­re mich zum bei­spiel sehr we­nig für den CAN bus oder das OBD-II pro­to­koll. aber ich weiss, dass man mit ih­nen span­nen­de sa­chen mit au­tos ma­chen kann. vor al­lem weiss ich, dass stan­dard­ti­sier­te, of­fe­ne pro­to­kol­le jede tech­no­lo­gie so­weit vor­an­brin­gen kön­nen, dass sie für je­der­mann und je­der­frau nut­zen brin­gen. kaum je­mand in­ter­es­si­ert sich für TCP/IP, http oder SSL, aber mitt­ler­wei­le nutz­ten sie fast alle und freu­en sich dar­über, ohne zu wis­sen wor­über sie sich freu­en.


für mich ist wir­res.net die quel­le der wahr­heit. nicht in dem sinn, dass al­les was hier ge­schrie­ben steht stimmt, son­dern das al­les was ich ins in­ter­net schrei­be und pos­te sei­ne hei­mat hier hat. ich ver­öf­fent­li­che hier und ver­tei­le an­ders­wo­hin. in aus­nah­men ver­öf­fent­li­che ich auch an­ders­wo, aber dann hole ich es auch wie­der hier­her. da­für gibts die bei­den in­die­web-be­grif­fe POS­SE und PE­SOS, aber das ist egal, weil das grund­prin­zip wich­ti­ger ist, als wie man es nennt. der ent­sch­ei­den­de punkt ist, dass ich ei­ner­seits hier al­les an ei­ner stel­le bei­sa­men und per­sis­tiert ha­ben möch­te und an­de­rer­seits aber auch die men­schen dort er­rei­chen möch­te wo sie ge­ra­de sind.

  • mei­ner mut­ter schi­cke ich au­to­ma­ti­si­ert je­den ar­ti­kel per mail. tech­nik­ar­ti­kel wie die­sen igno­riert sie ein­fach, zu lan­gen, pseu­do­phi­lo­so­phi­schen tex­ten schreibt sie mir fast im­mer zu­rück.
  • ich weiss dass (re­la­tiv) we­nig men­schen lust ha­ben wir­res.net in ih­rem brow­ser auf­ru­fen, es aber ger­ne im RSS-rea­der ih­rer wahl le­sen. des­halb stel­le ich RSS-feeds zur ver­fü­gung und gebe mir gros­se mühe dass sie gut funk­tio­nie­ren und kei­ne (oder we­nig) ein­schrän­kun­gen zum ori­gi­nal ha­ben.
  • sel­fies pos­te ich wei­ter­hin in ko­pie auf in­sta­gram, weil die men­schen auf in­sta­gram aus mir un­be­kann­ten grün­den ger­ne sel­fies und blu­men se­hen.
  • fo­tos und links zu man­chen län­ge­ren ar­ti­keln pos­te ich auf blues­ky und maston­don, weil es dort men­schen gibt, die ger­ne auf die­se art dar­an er­in­nert wer­den, dass ich ins in­ter­net schrei­be und fo­tos pos­te.
  • fil­me und re­zen­sio­nen zu fil­men ko­pie­re ich ge­le­gent­lich auch auf let­ter­bo­xed, weil es dort (viel­leicht) leu­te gibt die sie auf wir­res.net nicht ge­fun­den hät­ten und sich (viel­leicht) über mei­ne re­zen­si­on freu­en.
  • ich ma­che wie­der check­ins mit swarm, weils geht und es für mich der ein­fachs­te weg ist fo­tos mit text auf wir­res.net zu pos­ten (mit own­y­ours­warm). ge­le­gent­lich favt auch je­mand check­ins von mir auf swarm.

die lis­te kann ich fast be­lie­big wei­ter­füh­ren, der ent­sch­ei­den­de punkt ist, dass die ge­ziel­te ver­tei­lung mei­ner in­hal­te im in­ter­net ei­ner­seits an­de­ren ent­ge­gegn­kommt und an­de­rer­seits für mich die be­schäf­ti­gung mit in­ter­es­san­tem tech­nik-ge­döns be­deu­tet.


ar­ti­kel im voll­text mit dem stan­dard.site pro­to­koll in die AT­mo­sphe­re zu bla­sen er­setzt RSS nicht. aber es er­öff­net neue po­ten­zia­le der ent­deck­bar­keit, von emp­feh­lungs- und in­ter­ak­ti­ons­mög­lich­kei­ten. wenn ich ei­nem RSS feed fol­ge weiss das nie­mand. wenn ich ei­ner stan­dard.site pu­bli­ka­ti­on fol­ge, wie zum bei­spiel ni­cos couch­blog, sieht man das hier oder auch hier.

wenn ich ein book­mark in mei­nen ri­ver wer­fe sieht das kaum je­mand. man kann die book­marks zwar per RSS abon­nie­ren (oder al­les, wirk­lich alle abon­nie­ren), aber viel­leicht ist es ja bes­ser die­ses book­mark auch in ei­ner de­zi­dier­ten book­mar­k­an­wen­dung fin­den zu kön­nen. hier zum bei­spiel. oder hier. wenn man sich mit sei­nem blues­ky-log­in dort an­ge­mel­det, kann man mein book­mark kom­men­tie­ren, wei­ter­ver­tei­len, fa­ven oder selbst si­chern.

das ver­tei­len mei­ner ar­ti­kel oder book­marks ist und war nicht kom­pli­ziert. aus­ser schreib­zu­griff auf mein (blues­ky) PDS (per app-pass­wort) brau­che ich nichts wei­ter. kir­by schickt dann ziem­lich leicht­ge­wich­ti­ge json-blobs an den PDS und fer­tig. ob­wohl mar­gin.at kei­ne aus­ge­wach­se­ne API hat, kann ich dort book­marks, an­mer­kun­gen oder mar­kie­run­gen ein­fach (per knopf­druck) aus mei­nen oh­ne­hin vor­han­de­nen book­marks auf wir­res.net sen­den. ich brau­che kei­ne mar­gin.at-app, das AT-pro­to­koll reicht. wo­bei eine mar­gin-app (fürs han­dy) gibts eh nicht, wohl aber eine chro­me ex­ten­si­on. die brau­che ich dank des pro­to­kolls nicht zum an­le­gen von book­marks, aber sie ist trot­dem toll, weil zi­ta­te die ich ins book­mark ko­pie­re, dann mit der ex­ten­si­on in chro­me auch auf der sei­te mar­kiert wer­den.

die­se mar­kie­rung wäre dann auch sicht­bar für je­man­den der bei mar­gin.at an­ge­mel­det ist und die chro­me ex­ten­si­on in­stal­liert hat.


ich weiss, al­les tech­ni­sche, kom­pli­zier­te spie­le­rei­en de­ren nut­zen zwei­fel­haft oder zu­min­dest nicht son­der­lich weit ver­brei­tet ist. null re­le­vanz. aber so viel po­ten­zi­al.

um noch­mal das zi­tat von tim traut­mann von oben zu wie­der­ho­len:

Whe­ther at­pro­to ends up be­ing the thing, or a step­ping stone to the thing, I don't know.

weiss nie­mand, ob das zu was führt oder je­mals von nor­ma­len men­schen ad­ap­tiert wird. aber in­ter­es­sant ohne ende is­ses schon — und es funk­tio­niert.


die über­schrift („ich will kei­ne APPs, ich will APIs“) habe ich ein biss­chen im text ver­nach­läs­sigt. das hole ich jetzt nach.

mir ist das schon seit vie­len jah­ren auf­ge­fal­len, dass vie­le her­stel­ler von sa­chen glau­ben, dass ihre sa­chen eine app brau­chen. in der pra­xis geht das oft völ­lig am be­darf vor­bei. bei der heim­au­to­ma­ti­sie­rung setzt sich (j sei dank) lang­sam die er­kennt­nis durch, dass es kei­nen sinn macht wenn der kühl­schrank, die spül­ma­schi­ne, der air­fry­er, der staub­sau­ger­ro­bo­ter und die lich­ter je­weils eine ei­ge­ne app ha­ben. lang­sam setzt sich (dank mat­ter) die er­kennt­nis durch, dass off­ne­ne pro­to­kol­le der weg sind, mit de­nen tech­nisch kom­ple­xe sa­chen ir­gend­wann mal ak­zep­tanz fin­den kön­nen.

mit pro­to­kol­len kann ich mit den sa­chen ent­we­der ma­chen was ich will oder eta­blier­te, sta­bi­le sys­te­me ei­nes her­stel­lers mei­ner wahl nut­zen. im fall von heim­au­to­ma­ti­sie­rung zum bei­spiel home as­sistant, ho­me­kit, goog­le home oder die­ses ale­xa-ge­döns.

we­di­um hat den schuss of­fen­bar nicht ge­hört. we­di­um, das ich seit der re­pu­bli­ca „tes­ten“ darf, er­scheint mir als das lang­wei­ligs­te, ver­schlos­sens­te und nutz­lo­ses­te „so­zia­le Netz­werk“ der welt.

im web ist we­di­um nicht zu­gäng­lich, bei­trä­ge sind auch nicht aus­ser­halb der app teil­bar. der share-but­ton in der app ko­piert le­dig­lich eine url des bei­trags­bil­des. ich kann auf ios noch nicht mal aus der pho­tos-app ein bild per share-but­ton zu we­di­um sha­ren. nicht eine schnitt­stel­le habe ich in der beta-ver­si­on der app ge­se­hen.

aber das ist ne­ben dem „so­zia­len“ der gan­ze witz an ei­ner netz­werk app: dass man sie ver­net­zen kann, dass man mit APIs spie­len kann, po­ten­zia­le aus­lo­ten kann, dass man als nut­zer die app bes­ser ma­chen kann, in­dem man mit auf dem netz­werk rum­hackt. völ­lig un­ver­ständ­lich, dass man bei we­di­um glaubt nicht nur das rad netz­werk neu er­fin­den kann, son­dern dass man es auch von null auf bes­ser ma­chen kön­ne.

so über­wäl­tigt ich in den letz­ten paar ta­gen vom AT-pro­to­koll war, da­vor ganz ähn­lich vom fe­di­ver­se und ac­ti­vi­ty­Pub fas­zi­niert war, so un­ter­wäl­tigt bin ich von we­di­um.

wenn we­di­um schon das mar­ke­ting ver­kackt, wie soll das dann erst mit der ei­gent­li­chen ma­schi­ne klap­pen? bei der kon­ku­renz? also kon­kret den gros­sen (über-) mäch­ti­gen platt­for­men und den vie­len klei­nen, span­nen­den, leb­haf­ten und dy­na­mi­schen pro­jek­ten, die auf of­fe­nen pro­to­kol­len auf­set­zen.

span­nen­de zei­ten, aber höchst­wahr­schein­lich nicht für we­di­um.


ko­bol­de und but­ler

felix schwenzel in artikel

vor un­ge­fähr 35 jah­ren wur­de wäh­rend ei­nes strand­ur­laubs un­ser auto auf­ge­bro­chen und ein paar sa­chen dar­aus ge­klaut. so­weit ich mich er­in­ne­re, war nichts wich­ti­ges oder wert­vol­les da­bei, wir hat­ten ja nichts da­mals. aber auch mein adress­buch ver­schwand an die­sem tag und das war sehr schmerz­haft. seit­dem füh­re ich mei­ne adress­bü­cher nur noch red­un­dant, ich habe seit­dem im­mer ein back­up. in den spä­ten acht­zi­ger jah­ren wa­ren das wahr­schein­lich noch pho­to­ko­pien, aber seit­dem ich zu­griff auf ei­nen PC und dru­cker hat­te, führ­te ich mei­ne kon­tak­te mit com­pu­ter­hil­fe. mein mo­bi­les adress­buch be­stand vie­le jah­re aus ge­fal­te­ten, klein be­druck­ten DIN-A4-blät­tern. mei­ne adres­sen er­fass­te ich dann, glau­be ich, mit­te der neun­zi­ger jah­re für den palm-pi­lot erst­mals struk­tu­riert. seit­dem le­ben mei­ne adres­sen in ir­gend­ei­nem com­pu­ter und sind im­mer ir­gend­wo ge­si­chert.

ich hole so weit nach anno da­zu­mal aus, um zu be­grün­den, war­um die ers­ten smart­pho­nes mich von an­fang an be­geis­ter­ten und ich sie tat­säch­lich smart fand. weil vor­her war das mit adres­sen und ter­mi­nen ein­fach mist. man soll­te die filo- oder pa­pier­fa­xen zu de­nen wir da­mals ge­zwun­gen wa­ren nicht ver­herr­li­chen. selbst das pri­mi­tivs­te smart­pho­ne da­mals (bei mir un­ter an­de­rem der palm pre) war um län­gen prak­ti­scher und smar­ter als der vor­he­ri­ge pa­pier­kram.

vor drei­zehn jah­ren schrieb ich, dass smart­pho­nes na­tür­lich nicht im sin­ne von in­tel­li­genz smart sei­en:

mein smart­pho­ne weiss ei­ni­ges über mich: alle mei­ne adres­sen, mei­ne ter­mi­ne, mei­nen auf­ent­halts­ort, mit wem ich te­le­fo­nie­re und schrei­be. na­tür­lich weiss mein te­le­fon das al­les nicht, son­dern es spei­chert die­se da­ten erst­mal nur. der pro­zess, die­se in­for­ma­tio­nen zu ech­tem wis­sen um­zu­wan­deln, steckt noch ziem­lich am an­fang.

mir fiel da­mals auf, dass die­se zen­tra­le ag­gre­ga­ti­on von da­ten (oder di­gi­ta­le sam­mel­wut) ei­gent­lich auch nichts neu­es war. leu­te, die es sich leis­ten konn­ten, hat­ten schon im­mer as­sis­ten­ten oder die­ner, die das für sie er­le­dig­ten.

ein gu­ter but­ler (oder as­sis­tent) soll­te mei­ne kon­tak­te, kor­re­spon­denz-me­ta­da­ten und ter­mi­ne ken­nen, je­der­zeit mei­nen auf­ent­halts­ort so ge­nau wie mög­lich be­stim­men kön­nen und so viel wie mög­lich über mei­ne vor­lie­ben und ab­nei­gun­gen wis­sen. die­se da­ten soll­te sich ein but­ler auch gut mer­ken kön­nen, da­mit ihm das al­les nicht je­den mor­gen neu er­klärt wer­den muss.

mitt­ler­wei­le sind smart­pho­nes und un­se­re an­de­ren di­gi­ta­len hel­fer sehr viel wei­ter als vor 13 jah­ren. wir er­fas­sen und spei­chern noch mehr un­se­rer da­ten auf ih­nen, es fal­len un­men­gen an me­ta­da­ten an und die mög­lich­kei­ten, die­se da­ten mit soft­ware zu ver­knüp­fen, wur­den im lau­fe der jah­re im­mer bes­ser. und jetzt ste­hen alle in den start­lö­chern und wol­len die­sen da­ten­schatz mit künst­li­cher in­tel­li­genz auf­be­rei­ten, ver­knüp­fen und aus­wer­ten. vor­geb­lich zu un­se­rem nut­zen und vor­teil.

da­mals wie heu­te stellt sich vor al­lem die fra­ge der loya­li­tät: ist mein smart­pho­ne loy­al? von but­lern er­war­ten wir nicht nur loya­li­tät, son­dern auch dis­kre­ti­on. im prin­zip er­war­ten wir das auch von un­se­ren di­gi­ta­len as­sis­ten­ten. in den ju­gend­jah­ren un­se­rer smart­pho­nes wur­de die­ses ver­trau­en ge­le­gent­lich ge­bro­chen, wenn man ir­gend­wann er­fuhr, dass bei der an­mel­dung bei ei­nem on­line-dienst auch gleich un­ser adress­buch auf die ser­ver die­ses on­line-diens­tes über­tra­gen wur­de.

mitt­ler­wei­le ha­ben die smart­pho­ne-her­stel­ler an der loya­li­tät ih­rer pro­duk­te und den mög­lich­kei­ten der loya­li­täts­kon­trol­le ge­ar­bei­tet. mo­der­ne smart­pho­nes wei­sen dar­auf hin, wenn frem­de zu­griff auf per­sön­li­che da­ten er­lan­gen wol­len, und fra­gen bei uns nach. teil­wei­se so oft, dass wir uns schon wie­der as­sis­ten­ten wün­schen, die die­se an­fra­gen au­to­ma­tisch und in un­se­rem sinn be­ant­wor­ten wür­den. aber grund­sätz­lich ha­ben die meis­ten men­schen mitt­ler­wei­le ein mit­tel­gut be­grün­de­tes ver­trau­en in die loya­li­tät ih­rer elek­tro­ni­schen hel­fer. bis auf die tat­sa­che, um im bild zu blei­ben, dass die­se hel­fer oder but­ler alle ame­ri­ka­ner sind und des­halb et­was un­be­re­chen­bar sind. aber das ist ein an­de­res pro­blem als das, über das ich ei­gent­lich schrei­ben woll­te.

das pro­blem ist künst­li­che in­tel­li­genz (KI). vie­le men­schen (ich auch) er­hof­fen sich prak­ti­sche vor­tei­le da­von, wenn sie KI-sys­te­men zu­griff auf all ihre da­ten ge­ben. vie­le stöp­seln sich mit open­claw oder an­de­ren pro­gram­mier­knech­ten sys­te­me zu­sam­men, die zu­griff auf all ihre da­ten be­kom­men und auch noch in ih­rem na­men han­deln kön­nen. bild­lich ge­spro­chen ist die tech­no­lo­gi­sche lage mo­men­tan so, als ob sich die stras­sen plötz­lich über­all mit ko­bol­den fül­len, die uns ver­spre­chen, alle mög­li­chen auf­ga­ben für uns zu er­le­di­gen, kos­ten­los güns­tig und schnell. da­mit sie gut für uns ar­bei­ten kön­nen, öff­nen wir nicht nur un­ser haus und un­se­re woh­nungs­tü­ren, son­dern ent­fer­nen oft gleich alle schlös­ser und tü­ren kom­plett, da­mit die ko­bol­de un­ge­stört ar­bei­ten kön­nen.

das ist das gute recht al­ler er­wach­se­nen men­schen, so zu han­deln, und wir wer­den alle sehr viel aus den er­fah­run­gen mit den ko­bol­den ler­nen, was pas­siert wenn sie au­to­nom agie­ren oder wenn sie lai­en­haft mit scrip­ten wie open­claw in­stru­iert wer­den.

ap­ple hat an­fang der wo­che sei­ne vor­stel­lun­gen for­mu­liert, wie die zu­sam­men­ar­beit mit die­sen ko­bol­den aus­se­hen soll. ap­ple sucht die ko­bol­de für uns aus und will sie ri­go­ros auf un­se­ren ap­ple-te­le­fo­nen ein­sper­ren. den schlüs­sel zu den ko­bol­den will ap­ple auf dem ipho­ne nicht aus der hand ge­ben. auf dem mac dür­fen wir nach wie vor ma­chen, was wir wol­len, und be­lie­big ko­bol­de ein­las­sen. auf das ipho­ne dür­fen nur ap­ple-ap­pro­ved ko­bol­de in den da­ten wüh­len.

die ge­setz­ge­ber in der eu­ro­päi­schen uni­on fin­den das nicht gut und mei­nen, dass auch an­de­re ko­bol­de im ipho­ne in da­ten wüh­len dür­fen soll­ten. ap­ple sagt, das gin­ge gar nicht, weil man nur die ei­ge­nen, aus­ge­wähl­ten ame­ri­ka­ni­schen ko­bol­de kon­trol­lie­ren kön­ne. ap­ple sagt (mit ganz an­de­ren wor­ten), dass man die ko­bol­de der­zeit ein­fach ein­mau­ert, um tü­ren, fens­ter, ein­lass- und aus­gangs­kon­trol­len, über­wa­chung und ko­bold-aus­wahl­kri­te­ri­en zu kon­zi­pie­ren und zu bau­en, brau­che man noch min­des­tens 18 mo­na­te.

des­halb gibts jetzt wohl in der EU min­des­tens zwei jah­re lang kei­ne ko­bol­de auf ipho­nes.


ich hät­te ger­ne mit den ap­ple-ko­bol­den auf mei­nem ipho­ne rum­ge­spielt. aber noch lie­ber hät­te ich ein ipho­ne, auf dem ich wie auf mei­nem mac das ma­chen kann, was ich will. ein sys­tem, auf dem ich, wenn ich mal ko­bol­de ein­la­de, ge­nau be­ob­ach­ten kann, was die ko­bol­de ma­chen, und sie je­der­zeit wie­der raus­schm­eis­sen kann oder ih­nen fein­gra­nu­lar be­stimm­te rech­te ge­ben kann, wenn es mir mal ex­pe­ri­men­tier­freu­dig zu­mu­te ist. aber ap­ple will das mo­men­tan nicht auf ipho­nes und ipads ma­chen und wehrt sich mit hän­den und füs­sen und viel schlüpf­ri­ger re­si­li­enz ge­gen ge­set­ze, die das ei­gent­lich so vor­se­hen.


sie­he auch:


KI ta­ge­buch 03.06.2026

felix schwenzel in artikel

hei­ko er­zählt hier wie er KI nutzt, un­ter an­de­rem um sein blog zu bau­en.

Ich habe in den letz­ten Wo­chen sehr viel KI ge­nutzt. Ich glau­be, das wird auch nicht mehr so schnell auf­hö­ren. Es wird ein Werk­zeug wer­den und ich wer­de gleich­zei­tig als Nut­zer, Kon­su­ment, Bür­ger oder An­ge­stell­ter im­mer öf­ter mit KI kon­fron­tiert sein.
[…]
Ich ver­su­che ab jetzt hier im Blog im­mer mal wie­der auf­zu­schrei­ben, was mir mit KI pas­siert ist, was ich da­mit ge­macht habe, wo es fürch­ter­lich war. Höchst­wahr­schein­lich wer­den vie­le Sa­chen sehr schnell, sehr schlecht al­tern.

ich fin­de das eine her­vor­ra­gen­de idee fest­zu­hal­ten wie ich KI nut­ze und wie sich das über die zeit ge­ge­be­nen­falls än­dert. vor al­lem wenn ich be­den­ke, was sich in den 14 mo­na­ten seit mei­nem ers­ten mit kir­by ver­öf­fent­lich­ten ar­ti­kel ge­tan hat. wenn ich mich recht er­in­ne­re, habe ich da­mals, also vor et­was über ei­nem jahr zwar ge­le­gent­lich schon chatGPT be­nutzt, aber zum bei­spiel das mi­gra­ti­ons­script noch klas­sisch ge­baut: selbst goog­len, ge­fun­de­ne scrip­te um­bau­en, tes­ten, mehr goog­len, mehr tes­ten, wei­ter um­schrei­ben, de­bug­gen und op­ti­mie­ren. sehr ge­hol­fen ha­ben mir bei der pla­nung und um­set­zung der neu­en wir­res.net-ver­si­on zu­erst auch bas­ti­an all­gei­ers kir­by tu­to­ri­als. ich habe von bas­ti­an viel über kir­by ge­lernt und vor al­lem über struk­tu­rier­te und sau­be­re php-pro­gram­mie­rung. und ich habe da­mals sehr, sehr viel selbst am code ge­macht.

ge­le­gent­lich habe ich dann auch chatGPT im chat-mo­dus um code-snip­pets ge­be­ten, aber das copy&pas­ten und die kor­rek­tur­schlei­fen wur­den dann sehr schnell läs­tig und ich habe mir von chatGPT er­klä­ren las­sen wie ich VS-code als pro­gram­mier­um­ge­bung, in­klu­si­ve chatGPT un­ter­stüt­zung ein­rich­ten und nut­zen kann.

VS-code war dann für mich ein game ch­an­ger. ich habe im­mer schon di­rekt al­les auf dem live-ser­ver „ent­wi­ckelt“, per SFTP cli­ent und BBE­dit. da VS-Code auch di­rekt auf dem ser­ver lau­fen kann (per SSH), habe ich dann mit VS-code zu zweit, also mit un­ter­stüt­zung von chatGPT di­rekt auf dem live-ser­ver am code ge­ar­bei­tet. mit VS code ist das wirk­lich an­ge­nehm, trans­pa­rent und aus mei­ner sicht auch si­che­rer als mein gef­ri­ckel vor­her: alle code­än­de­run­gen wer­den im edi­tor mar­kiert und sind re­ver­si­bel. zu­sätz­lich habe ich an­ge­fan­gen än­de­run­gen mit git (auf dem ser­ver) lo­kal zu ver­sio­nie­ren.

so habe ich mo­na­te­lang an wir­res.net rum­ge­schraubt bis mir ir­gend­wann cur­sor über den weg lief. cur­sor nutzt im prin­zip auch VS-code, aber da­hin­ter sind sehr vie­le mög­li­che LLMs. ich be­zah­le cur­sor eine mo­nat­li­che ge­bühr und kann da­für eine gros­se aus­wahl an agents nut­zen, näm­lich die, die der cur­sor agent ge­ra­de für ge­eig­net für die auf­ga­be hält.

Ich bin kein ein­zel­nes Mo­dell, son­dern der Agent-Rou­ter in Cur­sor. Ich lese euer Set­up, füh­re Be­feh­le aus, än­de­re Da­tei­en und den­ke mit.

in der re­gel las­se ich die agen­ten­aus­wahl auf auto. aber ge­le­gent­lich, wenn die au­to­ma­tisch aus­ge­wähl­ten agents nicht so ar­bei­ten wie ich das wün­sche, stel­le ich eine wei­le auf teu­re­re und bes­ser mit­den­ken­de agents um, de­ren nut­zung bei mei­nem abo-mo­dell al­ler­dings be­grenzt ist.

seit der um­stel­lung auf ei­nen hetz­ner ser­ver, sind hier und da per­for­mance pro­ble­me sicht­bar ge­wor­den die vor­her nicht ins ge­wicht fie­len. die stan­dard (auto) agents ha­ben da teil­wei­se kei­ne be­frie­di­gen­den lö­sun­gen oder an­sät­ze ge­fun­den. eine ex­pli­zi­te um­stel­lung auf (clau­de) opus-4.8 hat dann sehr viel klü­ge­re und struk­tu­rier­te­re vor­schlä­ge ge­a­m­acht, die so ef­fek­tiv wa­ren, dass die grund­last des ser­vers von ei­nem lau­ten rau­schen zu ei­nem lei­sen plät­schern ge­wor­den ist.

das scheint mir das wirk­lich gute an cur­sor zu sein: ich muss nicht bei meh­re­ren KI-fir­men kon­ten an­le­gen und geld zah­len — und kann sie trotz­dem alle nut­zen.

hei­ko deu­tet das auch an: es ist wich­tig zu wis­sen was man will und wie das al­les grund­sätz­lich funk­tio­nie­ren soll. dann kann man KI-agen­ten als spar­rings­part­ner mit­den­ken las­sen und ideen um­set­zen las­sen. die KI denkt manch­mal in ab­sur­de oder viel zu kom­pli­zier­te rich­tun­gen. aber wenn ich die ar­beit wie ein ar­chi­tekt an­ge­hen, also ei­nen plan und das gros­se und gan­ze im kopf habe, dann kann man die KI wie ei­nen hand­wer­ker oder fach­in­ge­nieur nut­zen.


seit ein paar wo­chen nut­ze ich co­ty­pist, das ist eine KI die lo­ka­le mo­del­le nutzt um beim tip­pen wort- oder satz­ver­voll­stän­di­gun­gen zu ma­chen. das hilft mir vor al­lem da­bei mit we­ni­ger buch­sta­ben­dre­hern zu schrei­ben und ge­le­gent­lich ei­nen ti­cken schnel­ler zu schrei­ben. das ist ein biss­chen so wie das tip­pen auf dem ipho­ne, nur et­was bes­ser und kon­text-sen­si­bler als das was ap­ple in iOS bie­tet. kein game ch­an­ger, aber sehr prak­tisch.


was mei­ne tex­te hier auf wir­res.net an­geht oder mei­nen vor­trag: ich schrei­be al­les selbst. aber ich habe ge­merkt, dass ich LLMs als re­so­nanz­raum, ein­schät­zer, zu­sam­men­fas­ser und plau­si­bi­li­täts­che­cker sehr ger­ne nut­ze. für län­ge­re tex­te oder mei­ne re­pu­bli­ca ses­si­ons nei­ge ich dazu mir wahn­sin­nig vie­le no­ti­zen zu ma­chen und dann ge­le­gent­lich den über­blick über mei­ne no­ti­zen und quel­len zu ver­lie­ren. da sind LLMs, oder cur­sor, teil­wei­se sehr hilf­reich um mich in mei­ner ge­dan­ken­welt zu ori­en­tie­ren und mir mei­ne ei­ge­nen no­ti­zen kurz und knapp zu er­klä­ren.

ge­le­gent­lich habe ich LLMs ge­be­ten mei­nen schreib­stil zu imi­tie­ren, aber das hat bis­her noch nie ein be­frie­di­gen­des er­geb­nis ge­bracht. vor ein paar jah­ren habe ich üb­ri­gens et­was ähn­li­ches ge­macht, nur dass da nicht ein LLM mei­nen schreib­stil imi­tie­ren soll­te, son­dern eine ghost­wri­te­rin. auch das hat da­mals nur so mit­tel­präch­tig funk­tio­niert.


beim schrei­ben die­ses ar­ti­kels fiel mir ein zi­tat ein das ich in den letz­ten ta­gen auf­ge­schnappt hat­te. nach et­was nach­den­ken fiel mir ein, dass das wohl in ei­nem vi­deo ge­we­sen sein muss­te. zu­erst frag­te ich chatGPT, der war zu doof, aber ge­mi­ni ver­stand mich:

promt

in die­sem vi­deo spricht ei­ner der de­si­gner von nost­al­gie und dass nost­al­gie sich ei­gent­lich auf et­was be­zieht, was in der ver­gan­gen­heit der neue heis­se scheiss war. fin­dest du das zi­tat so, oder soll ich mal das tran­script hier­rein copy & pas­ten?

ant­wort

Ja, ich habe die Stel­le ge­fun­den! Das ist ein zen­tra­ler Punkt des Ge­sprächs zwi­schen Fla­vio Man­zo­ni (Fer­ra­ri Chief De­si­gner) und Jony Ive.

Das Zi­tat bzw. der Ge­dan­ken­gang fin­det sich vor al­lem im Ka­pi­tel "The Fu­ture of Fer­ra­ri" (ab ca. 17:23). Fla­vio Man­zo­ni zi­tiert dort den Kom­po­nis­ten Gus­tav Mahler, um Fer­ra­ris Phi­lo­so­phie zu er­klä­ren:

"Tra­di­ti­on is not the wor­ship of as­hes. Tra­di­ti­on is the pre­ser­va­ti­on of fire."
(Tra­di­ti­on ist nicht das An­be­ten der Asche, son­dern die Wei­ter­ga­be des Feu­ers.)

Zu­vor (ab ca. 09:00 und spä­ter ab 18:15) führt er die­sen Ge­dan­ken wei­ter aus: Er er­klärt, dass wir heu­te in ei­ner Ära mit ei­nem sehr star­ken "nost­al­gic ap­proach" le­ben, in der die Leu­te oft nur zu­rück­bli­cken. Er be­tont aber, dass Iko­nen wie der Fer­ra­ri F40 (der heu­te In­be­griff der Fer­ra­ri-Nost­al­gie ist) zum Zeit­punkt ih­res Er­sch­ei­nens ex­trem kon­tro­vers und ra­di­kal neu wa­ren.

das hät­te ich auch mit leich­tig­keit in 20 mi­nu­ten selbst raus­fin­den kön­nen, in­dem ich in dem vi­deo rum­sprin­ge oder das trans­script copy & pas­te und mir pas­sen­de such­be­grif­fe aus­den­ke. aber so­was eine KI ma­chen zu las­sen ist schon eine ech­te er­leich­te­rung.

wo­bei es mir bei der nut­zung von KI we­ni­ger ums zeit­spa­ren geht, mit KI kann ich din­ge um­set­zen, die ich vor­her nicht hät­te um­set­zen kön­nen. zeit spart das meis­tens nicht, weil al­les was ich KI ma­chen lässt im­mer noch­mal 2-3 (und manch­mal sehr viel mehr) kor­rek­tur­läu­fe und neu­an­sät­ze braucht. aber das ist das we­sen von werk­zeu­gen: man kann mit ih­nen tol­le sa­chen bau­en, wenn man weiss was man will und was man tut.

oder um­ge­kehrt: werk­zeu­ge er­wei­tern die fä­hig­kei­ten ih­rer nut­zer, aber auch de­ren feh­ler und irr­tü­mer. sie er­set­zen we­der ge­schmack noch ur­teils­ver­mö­gen. um aus ei­ner span­plat­te et­was schö­nes zu ma­chen, braucht man mehr als eine kreis­sä­ge. und die letz­ten jahr­zehn­te ha­ben ge­zeigt, dass bes­se­re werk­zeu­ge nicht au­to­ma­tisch zu bes­se­ren er­geb­nis­sen füh­ren. dank kreis­sä­gen und mo­der­nen plat­ten­bau­ma­te­ria­li­en hat sich die welt mit bil­li­gen, aus­tausch­ba­ren mö­bel­schrott ge­füllt — oder wie man heu­te sa­gen wür­de: span­plat­ten-slop.

mit mühe und sorg­falt — und im bes­ten fall et­was ge­schmack und er­fah­rung — kann man werk­zeu­ge aber auch nut­zen um zu bes­se­ren er­geb­nis­sen zu kom­men. slop ist nicht die fol­ge von werk­zeu­gen, son­dern ih­rer un­in­spi­rier­ten nut­zung.


#rp26, tag 3 und fa­zit

felix schwenzel in artikel

mein high­light des drit­ten und letz­ten re­pu­bli­ca tag war arne sems­rott, der über die kraft der zi­vil­ge­sell­schaft sprach. das war hoff­nung­s­tif­tend und an­schau­lich. das war zwar auch der auf­ruf et­was zu tun, sich in die­ser omi­nö­sen zi­vil­ge­sell­schaft zu en­ga­gie­ren, aber es war vor al­lem die aus­sa­ge: schaut mal, wie gut die zi­vil­ge­sell­schaft hier, hier und hier funk­tio­niert.

arne sems­rott mach­te das an­schau­lich, wozu ich theo­re­tisch in mei­ner ses­si­on ver­sucht habe her­zu­lei­ten: die kri­sen un­se­rer zeit (die scheis­se) ist eine hand­lungs­auf­for­de­rung. nur das arne sems­rott ganz kon­kret auf vor­han­de­ne in­itia­ti­ven zeig­te, die gut funk­tio­nie­ren.

Wir hat­ten äh die größ­te Pro­test­wel­le über­haupt 2024. Die Leu­te, die sind alle da. Und es wird dann viel­leicht über die­se Pro­test­wel­le ge­sagt, die hat ja ir­gend­wie nichts be­wegt und das ist kom­plett falsch. Die hat so vie­le Netz­wer­ke über­all in Deutsch­land ge­schaf­fen. Die sind alle noch da. Es gibt die Omas ge­gen rechts in­zwi­schen, über­all.
Ja, und auch die Omas ge­gen rechts, […] die sa­gen, wir sind da und wir ge­hen hier auch nicht weg. Und das än­dert auch wirk­lich eine Demo, wenn eine Oma sagt, ja, trag mich doch weg, Po­li­zist. Das es macht wirk­lich ei­nen Un­ter­schied. […] Wir sind alle da und wir sind vie­le. Wir sind die Ge­gen­macht, wenn wir uns auf un­se­re Kraft be­sin­nen, wenn wir so­li­da­risch sind, wenn wir Un­ter­stüt­zungs­struk­tu­ren ma­chen, wenn wir Trans­pa­renz ein­for­dern, wenn wir neue Räu­me schaf­fen, wenn wir da­bei Freu­de ha­ben.

ich fin­de es lohnt sich, die­se knap­pe stun­de zu in­ves­tie­ren und zu hö­ren, was arne sems­rott ge­sagt hat.

YouTube Video Vorschaubild youtube-video laden, info, direktlink

in die glei­che ker­be schlug fa­bi­an grisch­kat. er zeig­te was er tat um rech­te zu är­gern. wie man ge­gen­halk­ten kann und da­bei freu­de ha­ben kann, trotz al­ler düs­ter­nis. ich war ein biss­chen er­schüt­tert da­von, wie pro­fes­sio­nell, elo­quent und te­le­gen die­se jun­gen men­schen heut­zu­ta­ge sind. ich weiss wirk­lich nicht, wie sich ir­gend­wer üb­ver die ju­gend von heu­te oder gen y, z oder al­pha be­kla­gen kann. aus­ser na­tür­lich: neid.

YouTube Video Vorschaubild youtube-video laden, info, direktlink

um die mit­tags­zeit habe ich mir dann noch zwei ses­si­ons am en­er­gie­mo­bild an­ge­se­hen. so schön aus­sern­büh­nen auch sind, wenns reg­net wird dann halt feucht.

mat­thi­as quent hat alte er­in­ne­run­gen an uni-vor­le­sun­gen ge­weckt. duk­tus, in­halt, fo­li­en und das sie­zen der stu­die­ren­den des pu­bli­kums, al­les wie da­mals. nicht schlecht, al­les sehr prag­ma­tisch, gut struk­tu­riert und auf­be­rei­tet, aber selbst phil­ip arm­t­hor konn­te sich bes­ser ins pu­bli­kum ein­füh­len als mat­thi­as quent.

matthias quent: Keine Macht der Ohnmacht! Wie wir Krisen  bewältigen und uns  gegen Faschismus  wehren

wäh­rend ma­ren ur­ner mich vor zwei jah­ren mit ih­rem vor­trag vom ho­cker ge­hau­en hat­te, fand ich den vor­trag die­ses jahr nur sehr gut. ich kann mich kei­ne 20 stun­den spä­ter auch nicht mehr er­in­nern über was sie im de­tail ge­spro­chen hat, aus­ser dass es auch bei ihr dar­um ging, dass hoff­nung gut ist, ein werk­zeug (oder ko­gni­ti­ve stra­te­gie) und dass prak­ti­zier­te hoff­nung ge­sell­schaft­li­che stra­te­gien ver­än­dern kann. auch sie be­ton­te, wie cory doc­to­row, dass hoff­nung ak­tiv und op­ti­mis­mus pas­siv sei. da­mit war ich wahr­schein­lich der ein­zi­ge spre­cher auf der re­pu­bli­ca, der ein gu­tes haar am op­ti­mis­mus ge­las­sen hat, bzw. ihn ein­fach um­de­fi­niert habe zu et­was ak­ti­vem.

YouTube Video Vorschaubild youtube-video laden, info, direktlink

die ent­krem­pe­lung der welt von ga­bri­el yoran war an­ge­nehm off­topic, un­auf­ge­regt, un­ter­halt­sam und auch ein biss­chen lehr­reich. par­al­lel zu ga­bri­el sprach auf stage 1 tilo jung über po­li­ti­sche rhe­to­rik und tat so, als sei es über­ra­schend, dass po­li­tik und re­gie­run­gen ihre ei­ge­nen ak­tio­nen und krie­ge rhto­risch po­si­tiv dar­stel­len und die ak­tio­nen und krie­ge ih­rer geg­ner ne­ga­tiv. nächs­tes jahr spricht tilo jung dann über sei­ne er­kennt­nis, dass man­che po­li­ti­ker oder par­tei­en im wahl­kampf manch­mal mehr ver­spre­chen als sie dann in der re­gie­rung um­set­zen. 2028 folgt dann ein deep dive dazu, war­um pres­se­spre­cher nicht im­mer al­les sa­gen, was sie wis­sen.


von al­brecht von lu­ckes ses­si­on habe ich nur das ende mit­be­kom­men. aber da sag­te er et­was (mit­tel) be­mer­kens­wer­tes:

Und in­so­fern wäre es, und das wäre mein Vor­schlag zum Schluss, es wäre doch zu über­le­gen, ob nicht die re­pu­bli­ca ei­nen An­fang ma­chen könn­te, der­ge­stalt, dass man, nach­dem man hier so un­ge­mein span­nen­de Vor­trä­ge ge­hört hat, dass man sie an­schlie­ßend auch wie­der zu Pa­pier bringt, dass man ge­wis­ser­ma­ßen, wie es frü­he­re Kir­chen­ta­ge üb­ri­gens [auch] ge­macht ha­ben, ei­nen Re­chen­schafts­be­richt über die re­le­van­tes­ten The­men, The­sen und auch Pa­pie­re zum Tra­gen bringt, die ge­nau die­ser Be­lie­big­keit des ge­spro­che­nen Wor­tes, das so flüch­tig ist, et­was ent­ge­gen­setzt.

ich bin ja sehr dank­bar, dass ein gross­teil der re­pu­bli­ca vor­trä­ge und ses­si­ons so­fort oder nach ei­ner kur­zen ver­zö­ge­rung auf you­tube lan­den. zu die meis­ten vi­de­os er­stellt you­tube auch au­to­ma­tisch eine ab­schrift (ko­mi­scher­wei­se ist das bei mar­kus be­cke­dah­ls vor­trag de­ak­ti­viert), ver­schrift­licht sie also. aber wenn die vor­trä­ge nicht nur in der ame­ri­ka­ni­schen you­tube-cloud wei­ter­le­ben wür­de, son­dern auch als ein­fa­che text/html da­tei, dann wür­de das nicht nur craw­ler, son­dern auch men­schen hel­fen. man könn­te ein­fa­cher aus ih­nen zi­tie­ren, deeplin­ken und sie bes­ser wie­der­fin­den. ich habe das mit mei­nen re­pu­bli­ca-vor­trä­gen ge­le­gent­lich ver­sucht (rp12, rp14, rp17, rp18, rp26), aber of­fen­sicht­lich war mir das in den meis­ten jah­ren dann doch zu viel ar­beit. die­ses jahr hat­te ich den vor­trag, an­ge­sichts der klei­nen büh­ne und feh­len­den auf­zeich­nung, von an­fang an so ge­schrie­ben, dass er ohne fo­li­en funk­tio­niert, wes­halb er sich auch recht ein­fach ver­schrift­li­chen liess.

zwi­schen­durch, wäh­rend der re­pu­bli­ca fand ich auf der fe­di­wall eine dis­kus­si­on dar­über, war­um die re­pu­bli­ca-vi­de­os nicht auf ei­ner peer­tu­be in­stanz lan­den. ohne die be­weg­grün­de der re­pu­bli­ca zu ken­nen, ver­mu­te ich aber mal, dass — wie so oft bei ame­ri­ka­ni­schen platt­for­men — be­quem­lich­keit, zu­ver­läs­sig­keit, zu­gäng­lich­keit und reich­wei­te eine rol­le spie­len. der deal ist ja im prin­zip nicht schlecht: man lädt ter­ra­byte­wei­se vi­deo-da­tei hoch und you­tube hos­tet die jahr­zehn­te­lang kos­ten­los und gut zu­gäng­lich. auf der an­de­ren sei­te könn­te je­der der ge­nü­gend spei­cher­platz und eine peer­tu­be-in­stanz zur hand hat, die vi­de­os von you­tube down­loa­den und auf peer­tu­be zur ver­fü­gung stel­len. alle re­pu­bli­ca-vi­de­os sind mit ei­ner CC BY-SA 4.0 li­zenz ver­se­hen.

ich freu mich je­den­falls wie je­des jahr dar­über, auch nach der drei­tä­gi­gen druck­be­tan­kung mit ideen, im­pul­sen und bil­dern noch mehr da­von auf you­tube asyn­chron nach­zu­kon­su­mie­ren.

fa­zit

ich wie­der­ho­le mich, aber es war schon er­staun­lich wie sich die­ses jahr — zu­min­dest in den ses­si­ons de­ren zeu­ge ich wur­de — das the­ma hoff­nung als meta-mot­to ab­zeich­ne­te. viel­leicht ist arne sems­rotts flap­si­ge zu­sam­men­fas­sung des stim­mungs­bilds, das er am an­fang sei­nes vor­trags ein­zu­fan­gen ver­such­te, so­gar die ei­gent­li­che es­senz der dies­jäh­ri­gen re­pu­bli­ca:

Okay, ihr fühlt euch von der AfD be­droht, aber es geht euch gut da­bei. Das ist doch schön.

um das po­si­tiv zu dre­hen: nicht nur die spea­k­er wa­ren über­wie­gend hoff­nungs­voll, son­dern auch die be­su­cher der re­pu­bli­ca. das heisst die scheis­se der welt, die poly-kri­se, lähmt uns nicht, son­dern weist auf ei­nen auf­bruch hin, auf eine ver­schie­bung der prio­ri­tä­ten, funk­tio­niert als hand­lungs­auf­for­de­rung.

was ich auch po­si­tiv sehe: blogs sind die­ses jahr viel sicht­ba­rer. das kann dar­an lie­gen, das riv­va die­ses jahr ei­nen ei­ge­nen #rp26 stream hat­te, in­klu­si­ve RSS, aber viel­leicht auch dar­an, dass es tat­säch­lich eine klei­ne blog-re­nais­sance in den letz­ten 12 mo­na­ten gab. letz­tes jahr war ich bei­na­he scho­ckiert dar­über, wie we­nig re­so­nanz die re­pu­bli­ca in mei­nem RSS rea­der her­vor­rief. wei­ter un­ten ver­öf­fent­li­che ich ein paar der blog­bei­trä­ge, die ich ger­ne ge­le­sen habe.


das es­sen war die­ses jahr bes­ser als letz­tes jahr. ich habe je­den tag ein ge­richt ei­nes an­de­ren food-last­wa­gens aus­pro­biert und auch wenn das letz­te das bes­te war, war al­les ok.


wedium-screenshot: „clicking hashtags is coming soon“

am mon­tag habe ich eine ein­la­dung für we­di­um be­kom­men („Wel­co­me on board! You´re one of the first be­lie­vers and tes­ters of we­di­um!“). zu­erst dach­te ich: „wow, gu­tes ti­ming zur re­pu­bli­ca“. wäh­rend der re­pu­bli­ca habe ich aber we­der dran ge­dacht, noch eine ver­an­las­sung ge­se­hen et­was auf we­di­um zu pos­ten. wenn man ei­nen we­di­um-bei­trag „teilt“, be­kommt man die url des bilds, sonst nix (bei­spiel). hash­tags ge­hen noch nicht, scheint al­les noch sehr, sehr früh und un­fer­tig zu sein. ich kann je­den­falls noch kei­nen grund er­ken­nen, war­um ich das nut­zen soll­te.