facebook gibts seit 2004, aber es dauerte noch mindestens vier jahre, bis man es in deutschland benutzen konnte. soziale netzwerke entstanden in dieser zeit gerade, in diesem beitrag von 2004 erwähne ich einen dienst der „frienster“ hiess und an den ich mich nicht mal mehr erinnern kann. über das bloggen schrieb ich damals das hier:
die person hinter einem weblog, ihre glaubwürdigkeit und das vertrauen das sie sich erschrieben hat, steht am anfang. jedes blog ist durch links, link-hubs und link-zähler, aggregatoren, blogrolls und kommentarfunktionen in eine art soziales netz von vertrauen, empfehlungen und bewertungen eingebettet. dieses soziale netz geht jetzt schon über systeme wie „frienster“ hinaus. es funktioniert vor allem jetzt schon.
blogs funktionierten damals „in sich“, sie vernetzten sich im wortsinn durch gegenseitige verlinkungen, interaktionen (kommentare), blogrollen (linklisten) und durch die hilfe von aggregatoren und teilweise auch suchmaschinen. ausserdem waren blogs immer schon abonnierbar mit RSS. das war technisch etwas anspruchsvoller als eine webseite/ein blog im browser aufzurufen, aber gute RSS-reader oder -clients gabs auch schon damals. der reiz, damals wie heute, von RSS ist natürlich die aggregation: neue artikel werden oben angezeigt, wie in einem blog, nur dass man sich in seinem reader dutzende oder hunderte blogs zusammenstellen konnte und so den überblick über neue beiträge behalten konnte.
nicht zu unterschätzen, ungefähr 2005 kam google mit dem google reader. der google reader machte RSS-feeds einfach zugänglich. ich weiss nicht mehr wie das genau funktionierte, aber die eingangsschwelle zum google reader war niedrig und einmal drin war es einfach blogs zu folgen. etwas später kamen empfehlungsfunktionen für einzelne beiträge dazu, mit dem man gelesene beiträge weiterempfehlen und (wenn ich mich recht erinnere) auch mit einem kommentar versehen konnte.
2013 endete der google reader, weil google eine bekloppte idee namens google plus hatte. wozu das gut sein sollte verstand damals ausserhalb von google niemand und irgendwann verstand das bei google auch niemand mehr und google plus wurde auch eingestellt. viele sahen das als eine art todesstoss für blogs, aber weder das ende des google readers, noch facebook oder twitter waren das ende von blogs. blogs verschwanden lediglich wieder in ihre nischen, in denen sie auch vorher schon waren, etwas ausserhalb der wahrnehmung des mainstreams.
jetzt habe ich weit ausgeholt, obwohl ich eigentlich nur sagen wollte, dass ich, als ich mein zitat oben las, dachte: das würde ich heute genau so schreiben. blogs funktionieren, blogs sind weiterhin da. manche verschwinden, viele neue tauchen auf, und ständig findet man perlen, inspiration, unterhaltung, kontroversen oder serendipität — wenn man im strom ein bisschen mitschwimmt.
und was mich in den letzten tagen immer wieder fasziniert hat ist das aufpoppen (in meinem sichtfeld) von spannendne „neuen“ technologien (#atproto, #activitypub), apps und aggregatoren die das potenzial haben dem ganzen (immer) wieder neuen schwung zu verleihen.
inzwischen ist [bubbles] bei mir der haupt-referrer über den leserinnen auf meine seite kommen. Außerdem stöbere ich dort auch echt gerne.
das er viele besucher von dort bekommt liegt wahrscheinlich auch daran, dass er (auch) englisch schreibt (seine profilseite bei bubbles zeigt auf die englische version seiner website), bei mir schaufelt rivva derzeit noch mehr besucher als fast jede andere website rüber. top referrer in den letzten 12 monaten:
tatsache ist aber, auch jetzt funktionieren blogs mindestens so gut, wenn nicht sogar besser als 2004. einerseits natürlich weil signifikant mehr leute ins internet schreiben, weil es RSS, rivva, blogrollen, webringe gibt, weil ins internet schreibende sich weiter gegeseitig verlinken und weil sich weiter viele menschen gedanken darüber machen, wie man technologien, plattformen, protokolle weiterentwickeln kann um dem ganzen nochmal mehr schwung zu geben.
ein anderer grund warum das ganze blogdings weiter brummt fällt mir morgens oft beim ersten kaffee auf, wenn sich mir (in etwa) dieses bild präsentiert:
meq 7:39, kaltmamsell 6:29, buddenbohm 6:01
die konstanz mancher ins internetschreibenden ist beeindruckend. jeden tag zwischen 6 und 7 uhr tauchen maximilian buddenbohm und die kaltmamsell bei mir in den feeds auf. oft ganz nah dran: markus. es scheint (weiterhin) sehr viele menschen zu geben, für die die lektüre bestimmter blogs zur morgen- oder tagesroutine gehört. ich hab wenig ahnung für wie viele menschen meine texte zur routine gehören, aber ich freue mich natürlich immer sehr, wenn ich andere mit in meine rabbitholes reissen kann oder zumindest dazu inspirieren kann, mal kurz einen blick auf dinge zu werfen über die ich mich gerade freue.
tl;dr: berichte über den tod des offenen webs sind stark übertrieben.
ich muss leider nochmal an einem teil meines publikums vorbeischreiben. das ATmosphere-rabbithole, in dem ich gerade stecke fasziniert mich gerade zu sehr, um das nicht aufzuschreiben.
man sagt ja: wenn man einen hammer in der hand hat, sieht man überall nägel. ich sehe im moment überall das AT-protokoll und die formate, bzw. lexika die dahinterstecken. mich fragen leute was der vorteil des standard.site-formats gegenüber RSS sei. der vergleich geht ein bisschen an der sache vorbei. die frage ist einfach: was sind die sachen die man mit einem protokoll machen kann, was sind die potenziale?
bereits 2002/2003, noch bevor es wordpress gab, hatte ich auf wirres.net bereits RSS (mit volltexten) eingebaut. weil ich potenzial, anwendungsfälle dafür sah — und weil es anwendungsfälle gab. ich weiss nicht ob ich es damals schon nutzte, aber netnewswire, also einen tollen RSS-reader, gabs seit 2002. 99,99% aller menschen interessierten sich damals nicht für RSS (und blogs), aber die die es nutzten fanden es grossartig, weil es grossartig und praktisch war.
mike masnik erinnert sich an das internet von damals, dass es angeblich nicht mehr gibt und von plattformen und apps zerfressen und zerfasert wurde. allerdings mit dem twist, dass das einerseits nicht stimmt, das alte internet ist noch da, und es keimt unter dem plattform-beton gerade wieder auf.
But, as Godier’s piece notes, protocols are… boring. They change slowly (for a good reason, because you need stability to build on). They tend to change by consensus, which is messy. And rather than having billion dollar companies throwing a whole massive engineering team at making everything work, in the protocol world, we rely on constant experimentation by anyone who wants to experiment.
The open web of the nineties didn’t win because the tools were better. It won because a critical mass of people decided that the alternative, a handful of AOL-style walled gardens choosing what everyone saw, was not the future they wanted. Then they built their way out of it. Slowly, unglamorously, in rooms that looked a lot like this one.
Whether atproto ends up being the thing, or a stepping stone to the thing, I don’t know. Nobody in the room claimed to know. But the work is real, the apps are shipping, and the people building them are taking it seriously without taking themselves seriously. That combination is rare, and historically, it’s the one that wins.
das entscheidende und spannende, damals wie heute, sind nicht die grossen visionen, die massenwirksamen apps und plattformen, sondern die greifbareren, jetzt nutzbaren werkzeuge die genutzt, ernsthaft weiterentwickelt werden und funktionieren. die arbeit im maschinenraum ist real. nicht meine, sondern die von tausenden frickelnden menschen, auf deren schultern man sich stellen kann und ihre werkzeuge mitbenutzen kann.
gestern habe ich eine liste von ein paar apps die auf dem AT-protokoll aufsetzen veröffentlicht die funktionieren und mit denen man spannenede sachen machen kann.
bei sill meldet man sich mit seinen bluesky- (oder beliebigen anderen ATproto-) login an und bekommt ohne weiteres zutun eine von seinen bluesky- (oder mastodon-) kontakten kuratierte und gewichtete linkliste.
bei margin meldet man sich mit seinen bluesky-login an und sieht bookmarks, anmerkungen oder hervorhebungen von textbasiertem zeug aus dem internet von allen menschen in der ATmosphere — und sicher auch irgendwann eine filtermöglichlichkeit auf menschen denen man folgt.
mein sifa-profil zeigt ohne weiteres zutun von mir auch meine bei popfeed als gesehen markierten serien und filme an.
das tolle am AT-protokoll ist, dass sich dienste und menschen auf basis dieses protokolls — und seiner (beliebig) erweiterbaren, strukturierten lexika — verbinden können. eine gemeinsame, offene, gestalbare sprache ist die basis von gemeinschaft.
man muss meine (aktuelle) begeisterung für protokolle nicht teilen. ich interessiere mich zum beispiel sehr wenig für den CAN bus oder das OBD-II protokoll. aber ich weiss, dass man mit ihnen spannende sachen mit autos machen kann. vor allem weiss ich, dass standardtisierte, offene protokolle jede technologie soweit voranbringen können, dass sie für jedermann und jederfrau nutzen bringen. kaum jemand interessiert sich für TCP/IP, http oder SSL, aber mittlerweile nutzten sie fast alle und freuen sich darüber, ohne zu wissen worüber sie sich freuen.
für mich ist wirres.net die quelle der wahrheit. nicht in dem sinn, dass alles was hier geschrieben steht stimmt, sondern das alles was ich ins internet schreibe und poste seine heimat hier hat. ich veröffentliche hier und verteile anderswohin. in ausnahmen veröffentliche ich auch anderswo, aber dann hole ich es auch wieder hierher. dafür gibts die beiden indieweb-begriffe POSSE und PESOS, aber das ist egal, weil das grundprinzip wichtiger ist, als wie man es nennt. der entscheidende punkt ist, dass ich einerseits hier alles an einer stelle beisamen und persistiert haben möchte und andererseits aber auch die menschen dort erreichen möchte wo sie gerade sind.
meiner mutter schicke ich automatisiert jeden artikel per mail. technikartikel wie diesen ignoriert sie einfach, zu langen, pseudophilosophischen texten schreibt sie mir fast immer zurück.
ich weiss dass (relativ) wenig menschen lust haben wirres.net in ihrem browser aufrufen, es aber gerne im RSS-reader ihrer wahl lesen. deshalb stelle ich RSS-feeds zur verfügung und gebe mir grosse mühe dass sie gut funktionieren und keine (oder wenig) einschränkungen zum original haben.
selfies poste ich weiterhin in kopie auf instagram, weil die menschen auf instagram aus mir unbekannten gründen gerne selfies und blumen sehen.
fotos und links zu manchen längeren artikeln poste ich auf bluesky und mastondon, weil es dort menschen gibt, die gerne auf diese art daran erinnert werden, dass ich ins internet schreibe und fotos poste.
filme und rezensionen zu filmen kopiere ich gelegentlich auch auf letterboxed, weil es dort (vielleicht) leute gibt die sie auf wirres.net nicht gefunden hätten und sich (vielleicht) über meine rezension freuen.
ich mache wieder checkins mit swarm, weils geht und es für mich der einfachste weg ist fotos mit text auf wirres.net zu posten (mit ownyourswarm). gelegentlich favt auch jemand checkins von mir auf swarm.
die liste kann ich fast beliebig weiterführen, der entscheidende punkt ist, dass die gezielte verteilung meiner inhalte im internet einerseits anderen entgegegnkommt und andererseits für mich die beschäftigung mit interessantem technik-gedöns bedeutet.
artikel im volltext mit dem standard.site protokoll in die ATmosphere zu blasen ersetzt RSS nicht. aber es eröffnet neue potenziale der entdeckbarkeit, von empfehlungs- und interaktionsmöglichkeiten. wenn ich einem RSS feed folge weiss das niemand. wenn ich einer standard.site publikation folge, wie zum beispiel nicos couchblog, sieht man das hier oder auch hier.
wenn ich ein bookmark in meinen river werfe sieht das kaum jemand. man kann die bookmarks zwar per RSS abonnieren (oder alles, wirklich alle abonnieren), aber vielleicht ist es ja besser dieses bookmark auch in einer dezidierten bookmarkanwendung finden zu können. hier zum beispiel. oder hier. wenn man sich mit seinem bluesky-login dort angemeldet, kann man mein bookmark kommentieren, weiterverteilen, faven oder selbst sichern.
das verteilen meiner artikel oder bookmarks ist und war nicht kompliziert. ausser schreibzugriff auf mein (bluesky) PDS (per app-passwort) brauche ich nichts weiter. kirby schickt dann ziemlich leichtgewichtige json-blobs an den PDS und fertig. obwohl margin.at keine ausgewachsene API hat, kann ich dort bookmarks, anmerkungen oder markierungen einfach (per knopfdruck) aus meinen ohnehin vorhandenen bookmarks auf wirres.net senden. ich brauche keine margin.at-app, das AT-protokoll reicht. wobei eine margin-app (fürs handy) gibts eh nicht, wohl aber eine chrome extension. die brauche ich dank des protokolls nicht zum anlegen von bookmarks, aber sie ist trotdem toll, weil zitate die ich ins bookmark kopiere, dann mit der extension in chrome auch auf der seite markiert werden.
diese markierung wäre dann auch sichtbar für jemanden der bei margin.at angemeldet ist und die chrome extension installiert hat.
ich weiss, alles technische, komplizierte spielereien deren nutzen zweifelhaft oder zumindest nicht sonderlich weit verbreitet ist. null relevanz. aber so viel potenzial.
um nochmal das zitat von tim trautmann von oben zu wiederholen:
Whether atproto ends up being the thing, or a stepping stone to the thing, I don't know.
weiss niemand, ob das zu was führt oder jemals von normalen menschen adaptiert wird. aber interessant ohne ende isses schon — und es funktioniert.
die überschrift („ich will keine APPs, ich will APIs“) habe ich ein bisschen im text vernachlässigt. das hole ich jetzt nach.
mir ist das schon seit vielen jahren aufgefallen, dass viele hersteller von sachen glauben, dass ihre sachen eine app brauchen. in der praxis geht das oft völlig am bedarf vorbei. bei der heimautomatisierung setzt sich (j sei dank) langsam die erkenntnis durch, dass es keinen sinn macht wenn der kühlschrank, die spülmaschine, der airfryer, der staubsaugerroboter und die lichter jeweils eine eigene app haben. langsam setzt sich (dank matter) die erkenntnis durch, dass offnene protokolle der weg sind, mit denen technisch komplexe sachen irgendwann mal akzeptanz finden können.
mit protokollen kann ich mit den sachen entweder machen was ich will oder etablierte, stabile systeme eines herstellers meiner wahl nutzen. im fall von heimautomatisierung zum beispiel home assistant, homekit, google home oder dieses alexa-gedöns.
wedium hat den schuss offenbar nicht gehört. wedium, das ich seit der republica „testen“ darf, erscheint mir als das langweiligste, verschlossenste und nutzloseste „soziale Netzwerk“ der welt.
im web ist wedium nicht zugänglich, beiträge sind auch nicht ausserhalb der app teilbar. der share-button in der app kopiert lediglich eine url des beitragsbildes. ich kann auf ios noch nicht mal aus der photos-app ein bild per share-button zu wedium sharen. nicht eine schnittstelle habe ich in der beta-version der app gesehen.
aber das ist neben dem „sozialen“ der ganze witz an einer netzwerk app: dass man sie vernetzen kann, dass man mit APIs spielen kann, potenziale ausloten kann, dass man als nutzer die app besser machen kann, indem man mit auf dem netzwerk rumhackt. völlig unverständlich, dass man bei wedium glaubt nicht nur das rad netzwerk neu erfinden kann, sondern dass man es auch von null auf besser machen könne.
so überwältigt ich in den letzten paar tagen vom AT-protokoll war, davor ganz ähnlich vom fediverse und activityPub fasziniert war, so unterwältigt bin ich von wedium.
wenn wedium schon das marketing verkackt, wie soll das dann erst mit der eigentlichen maschine klappen? bei der konkurenz? also konkret den grossen (über-) mächtigen plattformen und den vielen kleinen, spannenden, lebhaften und dynamischen projekten, die auf offenen protokollen aufsetzen.
spannende zeiten, aber höchstwahrscheinlich nicht für wedium.
vor ungefähr 35 jahren wurde während eines strandurlaubs unser auto aufgebrochen und ein paar sachen daraus geklaut. soweit ich mich erinnere, war nichts wichtiges oder wertvolles dabei, wir hatten ja nichts damals. aber auch mein adressbuch verschwand an diesem tag und das war sehr schmerzhaft. seitdem führe ich meine adressbücher nur noch redundant, ich habe seitdem immer ein backup. in den späten achtziger jahren waren das wahrscheinlich noch photokopien, aber seitdem ich zugriff auf einen PC und drucker hatte, führte ich meine kontakte mit computerhilfe. mein mobiles adressbuch bestand viele jahre aus gefalteten, klein bedruckten DIN-A4-blättern. meine adressen erfasste ich dann, glaube ich, mitte der neunziger jahre für den palm-pilot erstmals strukturiert. seitdem leben meine adressen in irgendeinem computer und sind immer irgendwo gesichert.
ich hole so weit nach anno dazumal aus, um zu begründen, warum die ersten smartphones mich von anfang an begeisterten und ich sie tatsächlich smart fand. weil vorher war das mit adressen und terminen einfach mist. man sollte die filo- oder papierfaxen zu denen wir damals gezwungen waren nicht verherrlichen. selbst das primitivste smartphone damals (bei mir unter anderem der palm pre) war um längen praktischer und smarter als der vorherige papierkram.
mein smartphone weiss einiges über mich: alle meine adressen, meine termine, meinen aufenthaltsort, mit wem ich telefoniere und schreibe. natürlich weiss mein telefon das alles nicht, sondern es speichert diese daten erstmal nur. der prozess, diese informationen zu echtem wissen umzuwandeln, steckt noch ziemlich am anfang.
mir fiel damals auf, dass diese zentrale aggregation von daten (oder digitale sammelwut) eigentlich auch nichts neues war. leute, die es sich leisten konnten, hatten schon immer assistenten oder diener, die das für sie erledigten.
ein guter butler (oder assistent) sollte meine kontakte, korrespondenz-metadaten und termine kennen, jederzeit meinen aufenthaltsort so genau wie möglich bestimmen können und so viel wie möglich über meine vorlieben und abneigungen wissen. diese daten sollte sich ein butler auch gut merken können, damit ihm das alles nicht jeden morgen neu erklärt werden muss.
mittlerweile sind smartphones und unsere anderen digitalen helfer sehr viel weiter als vor 13 jahren. wir erfassen und speichern noch mehr unserer daten auf ihnen, es fallen unmengen an metadaten an und die möglichkeiten, diese daten mit software zu verknüpfen, wurden im laufe der jahre immer besser. und jetzt stehen alle in den startlöchern und wollen diesen datenschatz mit künstlicher intelligenz aufbereiten, verknüpfen und auswerten. vorgeblich zu unserem nutzen und vorteil.
damals wie heute stellt sich vor allem die frage der loyalität: ist mein smartphone loyal? von butlern erwarten wir nicht nur loyalität, sondern auch diskretion. im prinzip erwarten wir das auch von unseren digitalen assistenten. in den jugendjahren unserer smartphones wurde dieses vertrauen gelegentlich gebrochen, wenn man irgendwann erfuhr, dass bei der anmeldung bei einem online-dienst auch gleich unser adressbuch auf die server dieses online-dienstes übertragen wurde.
mittlerweile haben die smartphone-hersteller an der loyalität ihrer produkte und den möglichkeiten der loyalitätskontrolle gearbeitet. moderne smartphones weisen darauf hin, wenn fremde zugriff auf persönliche daten erlangen wollen, und fragen bei uns nach. teilweise so oft, dass wir uns schon wieder assistenten wünschen, die diese anfragen automatisch und in unserem sinn beantworten würden. aber grundsätzlich haben die meisten menschen mittlerweile ein mittelgut begründetes vertrauen in die loyalität ihrer elektronischen helfer. bis auf die tatsache, um im bild zu bleiben, dass diese helfer oder butler alle amerikaner sind und deshalb etwas unberechenbar sind. aber das ist ein anderes problem als das, über das ich eigentlich schreiben wollte.
das problem ist künstliche intelligenz (KI). viele menschen (ich auch) erhoffen sich praktische vorteile davon, wenn sie KI-systemen zugriff auf all ihre daten geben. viele stöpseln sich mit openclaw oder anderen programmierknechten systeme zusammen, die zugriff auf all ihre daten bekommen und auch noch in ihrem namen handeln können. bildlich gesprochen ist die technologische lage momentan so, als ob sich die strassen plötzlich überall mit kobolden füllen, die uns versprechen, alle möglichen aufgaben für uns zu erledigen, kostenlos günstig und schnell. damit sie gut für uns arbeiten können, öffnen wir nicht nur unser haus und unsere wohnungstüren, sondern entfernen oft gleich alle schlösser und türen komplett, damit die kobolde ungestört arbeiten können.
das ist das gute recht aller erwachsenen menschen, so zu handeln, und wir werden alle sehr viel aus den erfahrungen mit den kobolden lernen, was passiert wenn sie autonom agieren oder wenn sie laienhaft mit scripten wie openclaw instruiert werden.
apple hat anfang der woche seine vorstellungen formuliert, wie die zusammenarbeit mit diesen kobolden aussehen soll. apple sucht die kobolde für uns aus und will sie rigoros auf unseren apple-telefonen einsperren. den schlüssel zu den kobolden will apple auf dem iphone nicht aus der hand geben. auf dem mac dürfen wir nach wie vor machen, was wir wollen, und beliebig kobolde einlassen. auf das iphone dürfen nur apple-approved kobolde in den daten wühlen.
die gesetzgeber in der europäischen union finden das nicht gut und meinen, dass auch andere kobolde im iphone in daten wühlen dürfen sollten. apple sagt, das ginge gar nicht, weil man nur die eigenen, ausgewählten amerikanischen kobolde kontrollieren könne. apple sagt (mit ganz anderen worten), dass man die kobolde derzeit einfach einmauert, um türen, fenster, einlass- und ausgangskontrollen, überwachung und kobold-auswahlkriterien zu konzipieren und zu bauen, brauche man noch mindestens 18 monate.
deshalb gibts jetzt wohl in der EU mindestens zwei jahre lang keine kobolde auf iphones.
ich hätte gerne mit den apple-kobolden auf meinem iphone rumgespielt. aber noch lieber hätte ich ein iphone, auf dem ich wie auf meinem mac das machen kann, was ich will. ein system, auf dem ich, wenn ich mal kobolde einlade, genau beobachten kann, was die kobolde machen, und sie jederzeit wieder rausschmeissen kann oder ihnen feingranular bestimmte rechte geben kann, wenn es mir mal experimentierfreudig zumute ist. aber apple will das momentan nicht auf iphones und ipads machen und wehrt sich mit händen und füssen und viel schlüpfriger resilienz gegen gesetze, die das eigentlich so vorsehen.
Ich habe in den letzten Wochen sehr viel KI genutzt. Ich glaube, das wird auch nicht mehr so schnell aufhören. Es wird ein Werkzeug werden und ich werde gleichzeitig als Nutzer, Konsument, Bürger oder Angestellter immer öfter mit KI konfrontiert sein. […] Ich versuche ab jetzt hier im Blog immer mal wieder aufzuschreiben, was mir mit KI passiert ist, was ich damit gemacht habe, wo es fürchterlich war. Höchstwahrscheinlich werden viele Sachen sehr schnell, sehr schlecht altern.
ich finde das eine hervorragende idee festzuhalten wie ich KI nutze und wie sich das über die zeit gegebenenfalls ändert. vor allem wenn ich bedenke, was sich in den 14 monaten seit meinem ersten mit kirby veröffentlichten artikel getan hat. wenn ich mich recht erinnere, habe ich damals, also vor etwas über einem jahr zwar gelegentlich schon chatGPT benutzt, aber zum beispiel das migrationsscript noch klassisch gebaut: selbst googlen, gefundene scripte umbauen, testen, mehr googlen, mehr testen, weiter umschreiben, debuggen und optimieren. sehr geholfen haben mir bei der planung und umsetzung der neuen wirres.net-version zuerst auch bastian allgeiers kirby tutorials. ich habe von bastian viel über kirby gelernt und vor allem über strukturierte und saubere php-programmierung. und ich habe damals sehr, sehr viel selbst am code gemacht.
gelegentlich habe ich dann auch chatGPT im chat-modus um code-snippets gebeten, aber das copy&pasten und die korrekturschleifen wurden dann sehr schnell lästig und ich habe mir von chatGPT erklären lassen wie ich VS-code als programmierumgebung, inklusive chatGPT unterstützung einrichten und nutzen kann.
VS-code war dann für mich ein game changer. ich habe immer schon direkt alles auf dem live-server „entwickelt“, per SFTP client und BBEdit. da VS-Code auch direkt auf dem server laufen kann (per SSH), habe ich dann mit VS-code zu zweit, also mit unterstützung von chatGPT direkt auf dem live-server am code gearbeitet. mit VS code ist das wirklich angenehm, transparent und aus meiner sicht auch sicherer als mein gefrickel vorher: alle codeänderungen werden im editor markiert und sind reversibel. zusätzlich habe ich angefangen änderungen mit git (auf dem server) lokal zu versionieren.
so habe ich monatelang an wirres.net rumgeschraubt bis mir irgendwann cursor über den weg lief. cursor nutzt im prinzip auch VS-code, aber dahinter sind sehr viele mögliche LLMs. ich bezahle cursor eine monatliche gebühr und kann dafür eine grosse auswahl an agents nutzen, nämlich die, die der cursor agent gerade für geeignet für die aufgabe hält.
Ich bin kein einzelnes Modell, sondern der Agent-Router in Cursor. Ich lese euer Setup, führe Befehle aus, ändere Dateien und denke mit.
in der regel lasse ich die agentenauswahl auf auto. aber gelegentlich, wenn die automatisch ausgewählten agents nicht so arbeiten wie ich das wünsche, stelle ich eine weile auf teurere und besser mitdenkende agents um, deren nutzung bei meinem abo-modell allerdings begrenzt ist.
seit der umstellung auf einen hetzner server, sind hier und da performance probleme sichtbar geworden die vorher nicht ins gewicht fielen. die standard (auto) agents haben da teilweise keine befriedigenden lösungen oder ansätze gefunden. eine explizite umstellung auf (claude) opus-4.8 hat dann sehr viel klügere und strukturiertere vorschläge geamacht, die so effektiv waren, dass die grundlast des servers von einem lauten rauschen zu einem leisen plätschern geworden ist.
das scheint mir das wirklich gute an cursor zu sein: ich muss nicht bei mehreren KI-firmen konten anlegen und geld zahlen — und kann sie trotzdem alle nutzen.
heiko deutet das auch an: es ist wichtig zu wissen was man will und wie das alles grundsätzlich funktionieren soll. dann kann man KI-agenten als sparringspartner mitdenken lassen und ideen umsetzen lassen. die KI denkt manchmal in absurde oder viel zu komplizierte richtungen. aber wenn ich die arbeit wie ein architekt angehen, also einen plan und das grosse und ganze im kopf habe, dann kann man die KI wie einen handwerker oder fachingenieur nutzen.
seit ein paar wochen nutze ich cotypist, das ist eine KI die lokale modelle nutzt um beim tippen wort- oder satzvervollständigungen zu machen. das hilft mir vor allem dabei mit weniger buchstabendrehern zu schreiben und gelegentlich einen ticken schneller zu schreiben. das ist ein bisschen so wie das tippen auf dem iphone, nur etwas besser und kontext-sensibler als das was apple in iOS bietet. kein game changer, aber sehr praktisch.
was meine texte hier auf wirres.net angeht oder meinen vortrag: ich schreibe alles selbst. aber ich habe gemerkt, dass ich LLMs als resonanzraum, einschätzer, zusammenfasser und plausibilitätschecker sehr gerne nutze. für längere texte oder meine republica sessions neige ich dazu mir wahnsinnig viele notizen zu machen und dann gelegentlich den überblick über meine notizen und quellen zu verlieren. da sind LLMs, oder cursor, teilweise sehr hilfreich um mich in meiner gedankenwelt zu orientieren und mir meine eigenen notizen kurz und knapp zu erklären.
gelegentlich habe ich LLMs gebeten meinen schreibstil zu imitieren, aber das hat bisher noch nie ein befriedigendes ergebnis gebracht. vor ein paar jahren habe ich übrigens etwas ähnliches gemacht, nur dass da nicht ein LLM meinen schreibstil imitieren sollte, sondern eine ghostwriterin. auch das hat damals nur so mittelprächtig funktioniert.
beim schreiben dieses artikels fiel mir ein zitat ein das ich in den letzten tagen aufgeschnappt hatte. nach etwas nachdenken fiel mir ein, dass das wohl in einem video gewesen sein musste. zuerst fragte ich chatGPT, der war zu doof, aber gemini verstand mich:
promt
in diesem video spricht einer der designer von nostalgie und dass nostalgie sich eigentlich auf etwas bezieht, was in der vergangenheit der neue heisse scheiss war. findest du das zitat so, oder soll ich mal das transcript hierrein copy & pasten?
antwort
Ja, ich habe die Stelle gefunden! Das ist ein zentraler Punkt des Gesprächs zwischen Flavio Manzoni (Ferrari Chief Designer) und Jony Ive.
Das Zitat bzw. der Gedankengang findet sich vor allem im Kapitel "The Future of Ferrari" (ab ca. 17:23). Flavio Manzoni zitiert dort den Komponisten Gustav Mahler, um Ferraris Philosophie zu erklären:
"Tradition is not the worship of ashes. Tradition is the preservation of fire." (Tradition ist nicht das Anbeten der Asche, sondern die Weitergabe des Feuers.)
Zuvor (ab ca. 09:00 und später ab 18:15) führt er diesen Gedanken weiter aus: Er erklärt, dass wir heute in einer Ära mit einem sehr starken "nostalgic approach" leben, in der die Leute oft nur zurückblicken. Er betont aber, dass Ikonen wie der Ferrari F40 (der heute Inbegriff der Ferrari-Nostalgie ist) zum Zeitpunkt ihres Erscheinens extrem kontrovers und radikal neu waren.
das hätte ich auch mit leichtigkeit in 20 minuten selbst rausfinden können, indem ich in dem video rumspringe oder das transscript copy & paste und mir passende suchbegriffe ausdenke. aber sowas eine KI machen zu lassen ist schon eine echte erleichterung.
wobei es mir bei der nutzung von KI weniger ums zeitsparen geht, mit KI kann ich dinge umsetzen, die ich vorher nicht hätte umsetzen können. zeit spart das meistens nicht, weil alles was ich KI machen lässt immer nochmal 2-3 (und manchmal sehr viel mehr) korrekturläufe und neuansätze braucht. aber das ist das wesen von werkzeugen: man kann mit ihnen tolle sachen bauen, wenn man weiss was man will und was man tut.
oder umgekehrt: werkzeuge erweitern die fähigkeiten ihrer nutzer, aber auch deren fehler und irrtümer. sie ersetzen weder geschmack noch urteilsvermögen. um aus einer spanplatte etwas schönes zu machen, braucht man mehr als eine kreissäge. und die letzten jahrzehnte haben gezeigt, dass bessere werkzeuge nicht automatisch zu besseren ergebnissen führen. dank kreissägen und modernen plattenbaumaterialien hat sich die welt mit billigen, austauschbaren möbelschrott gefüllt — oder wie man heute sagen würde: spanplatten-slop.
mit mühe und sorgfalt — und im besten fall etwas geschmack und erfahrung — kann man werkzeuge aber auch nutzen um zu besseren ergebnissen zu kommen. slop ist nicht die folge von werkzeugen, sondern ihrer uninspirierten nutzung.
mein highlight des dritten und letzten republica tag war arne semsrott, der über die kraft der zivilgesellschaft sprach. das war hoffnungstiftend und anschaulich. das war zwar auch der aufruf etwas zu tun, sich in dieser ominösen zivilgesellschaft zu engagieren, aber es war vor allem die aussage: schaut mal, wie gut die zivilgesellschaft hier, hier und hier funktioniert.
arne semsrott machte das anschaulich, wozu ich theoretisch in meiner session versucht habe herzuleiten: die krisen unserer zeit (die scheisse) ist eine handlungsaufforderung. nur das arne semsrott ganz konkret auf vorhandene initiativen zeigte, die gut funktionieren.
Wir hatten äh die größte Protestwelle überhaupt 2024. Die Leute, die sind alle da. Und es wird dann vielleicht über diese Protestwelle gesagt, die hat ja irgendwie nichts bewegt und das ist komplett falsch. Die hat so viele Netzwerke überall in Deutschland geschaffen. Die sind alle noch da. Es gibt die Omas gegen rechts inzwischen, überall. Ja, und auch die Omas gegen rechts, […] die sagen, wir sind da und wir gehen hier auch nicht weg. Und das ändert auch wirklich eine Demo, wenn eine Oma sagt, ja, trag mich doch weg, Polizist. Das es macht wirklich einen Unterschied. […] Wir sind alle da und wir sind viele. Wir sind die Gegenmacht, wenn wir uns auf unsere Kraft besinnen, wenn wir solidarisch sind, wenn wir Unterstützungsstrukturen machen, wenn wir Transparenz einfordern, wenn wir neue Räume schaffen, wenn wir dabei Freude haben.
ich finde es lohnt sich, diese knappe stunde zu investieren und zu hören, was arne semsrott gesagt hat.
in die gleiche kerbe schlug fabian grischkat. er zeigte was er tat um rechte zu ärgern. wie man gegenhalkten kann und dabei freude haben kann, trotz aller düsternis. ich war ein bisschen erschüttert davon, wie professionell, eloquent und telegen diese jungen menschen heutzutage sind. ich weiss wirklich nicht, wie sich irgendwer übver die jugend von heute oder gen y, z oder alpha beklagen kann. ausser natürlich: neid.
um die mittagszeit habe ich mir dann noch zwei sessions am energiemobild angesehen. so schön aussernbühnen auch sind, wenns regnet wird dann halt feucht.
paul starzmann: „Anleitung zum Ungehorsam: Warum wir alle besser leben, wenn wir öfter »Nein« sagen“
matthias quent hat alte erinnerungen an uni-vorlesungen geweckt. duktus, inhalt, folien und das siezen der studierenden des publikums, alles wie damals. nicht schlecht, alles sehr pragmatisch, gut strukturiert und aufbereitet, aber selbst philip armthor konnte sich besser ins publikum einfühlen als matthias quent.
während maren urner mich vor zwei jahren mit ihrem vortrag vom hocker gehauen hatte, fand ich den vortrag dieses jahr nur sehr gut. ich kann mich keine 20 stunden später auch nicht mehr erinnern über was sie im detail gesprochen hat, ausser dass es auch bei ihr darum ging, dass hoffnung gut ist, ein werkzeug (oder kognitive strategie) und dass praktizierte hoffnung gesellschaftliche strategien verändern kann. auch sie betonte, wie cory doctorow, dass hoffnung aktiv und optimismus passiv sei. damit war ich wahrscheinlich der einzige sprecher auf der republica, der ein gutes haar am optimismus gelassen hat, bzw. ihn einfach umdefiniert habe zu etwas aktivem.
die entkrempelung der welt von gabriel yoran war angenehm offtopic, unaufgeregt, unterhaltsam und auch ein bisschen lehrreich. parallel zu gabriel sprach auf stage 1 tilo jung über politische rhetorik und tat so, als sei es überraschend, dass politik und regierungen ihre eigenen aktionen und kriege rhtorisch positiv darstellen und die aktionen und kriege ihrer gegner negativ. nächstes jahr spricht tilo jung dann über seine erkenntnis, dass manche politiker oder parteien im wahlkampf manchmal mehr versprechen als sie dann in der regierung umsetzen. 2028 folgt dann ein deep dive dazu, warum pressesprecher nicht immer alles sagen, was sie wissen.
von albrecht von luckes session habe ich nur das ende mitbekommen. aber da sagte er etwas (mittel) bemerkenswertes:
Und insofern wäre es, und das wäre mein Vorschlag zum Schluss, es wäre doch zu überlegen, ob nicht die republica einen Anfang machen könnte, dergestalt, dass man, nachdem man hier so ungemein spannende Vorträge gehört hat, dass man sie anschließend auch wieder zu Papier bringt, dass man gewissermaßen, wie es frühere Kirchentage übrigens [auch] gemacht haben, einen Rechenschaftsbericht über die relevantesten Themen, Thesen und auch Papiere zum Tragen bringt, die genau dieser Beliebigkeit des gesprochenen Wortes, das so flüchtig ist, etwas entgegensetzt.
ich bin ja sehr dankbar, dass ein grossteil der republica vorträge und sessions sofort oder nach einer kurzen verzögerung auf youtube landen. zu die meisten videos erstellt youtube auch automatisch eine abschrift (komischerweise ist das bei markus beckedahls vortrag deaktiviert), verschriftlicht sie also. aber wenn die vorträge nicht nur in der amerikanischen youtube-cloud weiterleben würde, sondern auch als einfache text/html datei, dann würde das nicht nur crawler, sondern auch menschen helfen. man könnte einfacher aus ihnen zitieren, deeplinken und sie besser wiederfinden. ich habe das mit meinen republica-vorträgen gelegentlich versucht (rp12, rp14, rp17, rp18, rp26), aber offensichtlich war mir das in den meisten jahren dann doch zu viel arbeit. dieses jahr hatte ich den vortrag, angesichts der kleinen bühne und fehlenden aufzeichnung, von anfang an so geschrieben, dass er ohne folien funktioniert, weshalb er sich auch recht einfach verschriftlichen liess.
zwischendurch, während der republica fand ich auf der fediwall eine diskussion darüber, warum die republica-videos nicht auf einer peertube instanz landen. ohne die beweggründe der republica zu kennen, vermute ich aber mal, dass — wie so oft bei amerikanischen plattformen — bequemlichkeit, zuverlässigkeit, zugänglichkeit und reichweite eine rolle spielen. der deal ist ja im prinzip nicht schlecht: man lädt terrabyteweise video-datei hoch und youtube hostet die jahrzehntelang kostenlos und gut zugänglich. auf der anderen seite könnte jeder der genügend speicherplatz und eine peertube-instanz zur hand hat, die videos von youtube downloaden und auf peertube zur verfügung stellen. alle republica-videos sind mit einer CC BY-SA 4.0 lizenz versehen.
ich freu mich jedenfalls wie jedes jahr darüber, auch nach der dreitägigen druckbetankung mit ideen, impulsen und bildern noch mehr davon auf youtube asynchron nachzukonsumieren.
fazit
ich wiederhole mich, aber es war schon erstaunlich wie sich dieses jahr — zumindest in den sessions deren zeuge ich wurde — das thema hoffnung als meta-motto abzeichnete. vielleicht ist arne semsrotts flapsige zusammenfassung des stimmungsbilds, das er am anfang seines vortrags einzufangen versuchte, sogar die eigentliche essenz der diesjährigen republica:
Okay, ihr fühlt euch von der AfD bedroht, aber es geht euch gut dabei. Das ist doch schön.
um das positiv zu drehen: nicht nur die speaker waren überwiegend hoffnungsvoll, sondern auch die besucher der republica. das heisst die scheisse der welt, die poly-krise, lähmt uns nicht, sondern weist auf einen aufbruch hin, auf eine verschiebung der prioritäten, funktioniert als handlungsaufforderung.
was ich auch positiv sehe: blogs sind dieses jahr viel sichtbarer. das kann daran liegen, das rivva dieses jahr einen eigenen #rp26 stream hatte, inklusive RSS, aber vielleicht auch daran, dass es tatsächlich eine kleine blog-renaissance in den letzten 12 monaten gab. letztes jahr war ich beinahe schockiert darüber, wie wenig resonanz die republica in meinem RSS reader hervorrief. weiter unten veröffentliche ich ein paar der blogbeiträge, die ich gerne gelesen habe.
das essen war dieses jahr besser als letztes jahr. ich habe jeden tag ein gericht eines anderen food-lastwagens ausprobiert und auch wenn das letzte das beste war, war alles ok.
am montag habe ich eine einladung für wedium bekommen („Welcome on board! You´re one of the first believers and testers of wedium!“). zuerst dachte ich: „wow, gutes timing zur republica“. während der republica habe ich aber weder dran gedacht, noch eine veranlassung gesehen etwas auf wedium zu posten. wenn man einen wedium-beitrag „teilt“, bekommt man die url des bilds, sonst nix (beispiel). hashtags gehen noch nicht, scheint alles noch sehr, sehr früh und unfertig zu sein. ich kann jedenfalls noch keinen grund erkennen, warum ich das nutzen sollte.
Dann aber Closing Ceremony […] wieder ermutigende Zahlen (deutlich mehr als die Hälfte der Besucherinnen und Speakerinnen sind weiblich), ein ordentlicher Abschied für Johnny und Tanja (der bei der Opening Ceremony schlicht gefehlt hatte) und schöne, hoffnungsvolle Worte zu den Beiden. Darüber, wie es die Welt besser macht, wenn man Räume so gestaltet, dass sich Frauen dort wohl fühlen, weil sie dann für alle ein besserer Ort sind. Darüber, dass sich bei der re:publica alle auf einen Mindestkonsens (Menschenrechte, Demokratie und sowas) einigen können.
Hinterher stolpere ich fast aus Versehen in ein Blogger*innen-Meet-up, das nach dem Stand der Hoffnung unter Bloggenden fragt und sich haltungsmäßig sehr ins gestrige Blogpanel einreiht: Die Anwesenden schreiben halt einfach gerne ins Internet, für die meisten ist das nur ein Hobby und Vernetzung und Reichweitenstärkung sind nicht so wichtig. Liegt aber vermutlich in beiden Fällen an der Zusammensetzung der Anwesenden – Blogs zu Fachthemen oder mit Monetarisierungsziel sind etwas ganz anderes als so ein kleines Tagebuchblog wie das hier. (Wobei ich schon schlucken musste, als einer der bekannteren Blogger von „damals“ etwas von organischen vierstelligen Besucherzahlen am Tag erzählt.)
ich war das nicht, aber es erinnert mich daran, dass die zahlen dieser website auch mal besser waren. aber um vierstellige zaheln in meinen statistiken zu sehen, muss ich in den matomo-statistiken schon bis 2012 zurückgehen. damals kamen auch täglich so um die 100 besucher:innen über suchmaschinen. heute schickt google nur noch leute die rezeote suchen. allein das spitzkohl-im-airfryer-rezopt kommt so auf 500 pageviews pro monat.
Dann geht es an gleicher Stelle weiter mit dem von Geraldine de Bastion moderierten Gespräch zwischen Mareice Kaiser und Hanno Sauer, die anhand ihrer beiden aktuellen Bücher über Klassismus diskutieren – sie von unten und er von oben. Ziemlich schnell übernimmt Mareice dann aber die Regie, führt Hanno regelrecht vor und holt dann unabgesprochen eine Küchenkraft aus der Charité auf die Bühne, die dem feinen Herrn Professor mal erklärt, wie das Leben in der Unterschicht wirklich ist und auch dem geneigten und faszinierten Publikum wieder seine Privilegien vorführt. Großes Kino, unbedingt nachschauen!
schlecht gelaunt, stefan laurin im deepstate-modus:
Mir persönlich wäre es egal, welches Angebot, für das ich bezahlen muss, ohne es zu nutzen, ich mit meinen Zwangsgebühren finanziere. Das Geld wird sowieso abgebucht.
„Ohne uns wären die schon längst pleite“, sagte eine prominente WDR-Führungskraft einem Freund von mir, der ihn am Montag darauf ansprach, warum die öffentlich-rechtlichen Sender auf der re:publica so präsent seien. Ob das stimmt oder nur Anstaltshybris war, kann ich nicht beurteilen. […] Woran es allerdings zurzeit noch nicht mangelt, ist Geld für NGOs, und auch die Anstaltsfinanzierung ist gesichert. Wer diesen Weg gehen will, muss sich auch keine Gedanken um die Nutzer machen; es reicht, in der Politik gut vernetzt zu sein.
In der Retrospektive nehme ich sehr viele Impulse wahr. Solche, die von aussen kamen und die von mir selbst. Noch weiß ich nichts über eine Form, bin mir aber sicher, dass es sich finden wird. Der Impuls zum Widerstand, zum Anderssein und emotionale Sensibilität sind nämlich, wie ich bestätigt bekam, keine Antagonisten, sondern können sich sehr gut befruchten. Und so bin ich wieder auf der Suche nach Neuland für Kopf und Seele. Wie sehr viele Andere da draussen auch. Denn so viele auf der re:publica Anwesende können kein Zufall sein. Wir brauchen uns nur gegenseitig zu erkennen und stützen. Die Richtung gemeinsamer Bewegung ergibt eine Welle, mit der wir zukünftig auch größere Boote schaukeln können.
Aber ich hörte nichts, ich sah nichts, der kleine Bereich vor dem „Energiemobil“ war hoffnungslos überfüllt. Warum gibt man einem Felix Schwenzel keine ordentliche Bühne? Das ist doch keine Neuigkeit, dass viele Republicaner:innen ihn sehen wollen!
solche texte sind der grund warum ich ein fanboy von franziska bluhm bin. zurückgelehnt, entspannt und auf den punkt klug.
9. Was uns alle verband: die Liebe zum geschriebenen Wort.
Am Ende bleibt das. Wir haben geschrieben, weil wir schreiben wollten. Weil Sprache uns etwas bedeutet hat. Das Schöne: Es gibt immer noch Menschen, denen das etwas bedeutet. Inmitten von KI-Texten, algorithmischen Feeds und kurzlebigen Trends sehnen sich Menschen nach Stimmen, die echt klingen. Nach Texten, die jemanden verraten. Nach Sprache, die nicht optimiert ist – sondern gemeint.
Vielleicht etwas mehr Garten. Mehr Kinder. Mehr Jugendliche. Mehr Kinder. Wo waren die alle? Mehr Sessions mit Spaß und Infotainment, besonders am Abend (lustige TikToks mit Kommentar schauen würde schon reichen. Katzencontent. Quiz.). Witze vorlesen und nicht lachen. Mehr Videospielkonsolen, Computerspielemuseum. Mehr Foto-Spots, auch für die Jugendlichen. Alle sicheren Memes und Dinger, die im echten Raum stattfinden, und uns Internet unterhalten. Es braucht mehr Spaß. Kein Krawall und Remidemmi, Lachen reicht.
Außerdem kann ich jetzt nachvollziehen, warum Pianist Igor Levit ein so gefragter Diskussionsteilnehmer ist: Er formuliert nicht nur zuhörenswert, sondern stellt auch kluge Bezüge her.
über den metabene newsletter bin ich auf dieses video gestossen, in dem robin thiesmeyer (meta bene), rocko schamoni und marc-uwe kling über „offene soziale Netze“ reden.
am anfang zeigt robin eine kurze präsentation, in der er sich vorstellt. ich fand das sehr witzig.
… weil ich minimalist bin, als ästhetisches konzept, das kennen sie vielleicht, das is ne sehr anstrengende art von faulheit …
der rest war nicht so lustig, weil die drei, vier auf der bühne, dann über reichweite und monetarisierung reden. über reichweite reden oder nachdenken ist immer irgendwie traurig. wenn einen keiner liest (oder sieht), ist man traurig, wenn man merkt dass ein paar leute das lesen oder sehen was man ins netz veröffentlicht, ist man auch traurig, weil andere ja bestimmt mehr aufmerksamkeit bekommen. und wenn man 1000 follower oder abonnenten hat, ist man traurig, dass man nicht 2000 hat.
damit will ich mich keinesfalls über die drei auf der OMG 2MR-bühne lustig machen, sondern es ist eine erfahrung die ich in den letzten 30 jahren gemacht habe. noch trauriger wird es, wenn dann neben reichweite auch noch über monetarisierung gesprochen wird, weil beides wahnsinnig schwer ist und mit diesen „offenen sozialen netzwerken“ noch schwerer. und wenn man wirklich viele leute erreichen will, muss man sich gegebenenfalls auch noch verbiegen und die angebote von amerikanischen tech-buden in anspruch nehmen und sich da an absurde regeln halten oder mit bürokartischen bots auseinandersetzen.
wenn mich am montag alex matzkeitin seinem panel auf der republica fragt, wie es denn damals in den frühen tagen der blogosphäre war, werde ich möglicherweise (auch) sagen: wir konnten uns für eine kurze weile einbilden viel reichweite und eine gewisse relevanz zu haben. einbildung deshalb, weil das vielleicht eine relativ hohe reichweite war, aber absolut eher nicht. wir haben halt in unserer blase „gebloggt“ und gelegentlich vergessen, dass unsere blase eigentlich teil eines riesigen schaumteppichs mit milliarden anderen blasen ist.
unsere blogoblase (vielleicht ein besseres wort als blogoshäre?) hatte allerdings eine eigenschaft, die die reichweite vermeintlich massiv erhöhte: die blogoblase hatte viele schnittstellen mit der journalisten-blase. deshalb gab es multiplikationseffekte und gelegentlich sowas wie gefühlte relevanz. aber meine these ist, dass „wir“, die bloggenden menschen der frühen 2000er und 2010er, unserer reichweite aus einem sehr begrenzten umkreis rekrutierten.
irgendwann (vor 10 jahren) wurden mal ein paar erfolgreiche youtuber auf die republica eingeladen. als die ihre zuschauer- und abonnentenzahlen nannten, fiel den meisten bloggern, mindestens mir, die kinnlade runter. trotz der beeindruckenden zahlen der youtuber waren sie trotzdem extreme nischenanbieter. auch die youtuber-blasen waren bei weitem nicht so gross, dass meine eltern einen oder eine von ihnen jemals gesehen hätten oder freunde und bekannte ausserhalb meiner internet-blase die kannten.
was ich sagen will: reichweite ist relativ. und sehr, sehr schwer zu erreichen und noch schwerer zu halten. und monetarisierung ist noch schwerer. elendig viel arbeit.
was ich auch sagen will: ich bin froh dass mir beide themen, reichweite und monetarisierung, mittlerweile (grösstenteils) völlig egal sind. das hat eine sehr entspanende wirkung. andererseits muss ich davon was ich in der öffentlichkeit veranstalte auch nicht leben.
We don’t make movies to make money; we make money to make more movies.
Gruber’s version: don’t make software to make money, make money to make more software.
My version: don’t make websites to make money, make money to make more websites.
das ist genau mein derzeitiger arbeitsmodus im netz: das was ich hier veranstalte tue ich nicht um geld zu verdienen, sondern ich verdiene geld, damit ich das hier machen kann. der grund warum ich anfing öffentlich zu schreiben, zuerst in einen newsletter, dann unter meiner eigenen domain wirres.net, war mein bedürfnis zu schreiben. ein bedürfnis etwas zu tun, was sich kreativ anfühlt und mich zwingt um und in mich zu schauen — und das was ich sah in worte zu fassen.
und das mache ich seitdem. reichweiten und monetarisierungsfragen haben mich auf dieser reise gelegentlich neugierig gemacht und ich habe damit viel experimentiert, aber die eigentliche monetarisierung kam immer aus der lohnarbeit.
ich bin darüber nicht traurig, im gegenteil, aber trotzdem ist es doch traurig, dass kreative arbeit mit kreativer arbeit allein so schwer finanzierbar ist. ich glaube auch nicht dass es dafür techische lösungen gibt. die gibt und gab es schon länger, steady, patreon oder youtube — und früher mal flattr. aber bis auf ganz wenige ausnahmen, können da die wenigsten von leben.
vor zwanzig oder dreissig jahren hatten wir mal die hoffnung, dass das netz die gatekeeper davonschwemmt und aufmerksamkeit demokratischer oder gerechter verteilt werden könnte. oder dass die 15 minuten fame die uns andy warhol in den 60ern versprochen hat, sich durchs netz und neue technologien vervielfachen liessen. stattdessen kamen neue gatekeeper und die konkurenz um die ware aufmerksamkeit wird immer schärfer.
ich liebe weiterhin aufmerksamkeit, aber um sie ersthaft zu verfolgen bin ich wahrscheinlich einfach zu müde und zu alt. mir gefällt, dass ich diesen text hier einfach rausrotzen kann und ihn erst später, lange nach dem drücken des veröffentlichen-knopfs, nochmal gegenlese und die gröbsten orthographischen schnitzer rauskorrigiere.
auch weil ich in den letzten tagen als reaktion auf anje gelegentlich (eins, zwei) über die automatische wohnung geschrieben habe, habe ich gestern und heute vermehrt darüber nachgedacht was der betrieb einer automatischen wohnung im alltag bedeutet. aufwand durch automatisierung zu sparen ist nämlich eine menge aufwand. irgendwas ist immer. vor allem batterien. aber auch schwächelnde geräte, firmware- und software-updates und und und.
wenn ich die automatische wohnung von grund auf neu bauen würde, hätten alle sensoren, schalter und aktoren ein kabel. das wäre auch für die zuverlässigkeit ein vorteil. aber es geht auch retrofitted, non-invasiv, kabellos, bzw. im mischbetrieb. bedeutet halt oft fummelei und erhöhten pflegebedarf.
in der letzten woche ging die funk-/atomuhr in der küche nach. normalerweise freue ich mich fast täglich darüber, dass die alte, schrittige ikea uhr den sekundenzeiger an der gleichen stelle hat, wie meine apple watch. deshalb war ich tieftraurig, als sie 5 minuten hinterherging. aber nach kurzem nachdenken war klar: es muss die batterie sein: batterie getestet, war schwach, getauscht, uhr stellte sich wieder sekundengenaiu ein. puh.
eine andere batterie bereitete mir mehr kopfzerbrechen. unser mac mini von 2012, auf dem früher alles lief (home assistant, plex, dateiserver, fernzugang) — bis ich nach und nach fast alle aufgaben auf linux-server migrierte — wollte gestern nach einem harten shutdown nicht mehr starten. er machte keinen mucks mehr, so dass ich schon dachte, das netzteil sei kaputt. nach ein paar stunden debugging stellte sich aber raus, dass es die CMOS-batterie sein muss. nachvollziehbar, dass die nach 14 jahren schwächelt, aber für den tausch werde ich den ganzen mac mini auseinanderbauen müssen. das habe ich schon zweimal gemacht, weil die festplatte auch schon zweimal getauscht werden musste. die batterie hat also schon 2-3 festplatten überlebt.
nachdem der mac mini gestern aufgab, versuchte ich nachzudenken was der mac mini eigentlich noch macht. mir fiel nur noch ein, dass er eine kopie unserer icloud fotomediatheken zieht und die auf eine backup-platte kopiert. ausserdem sind festplatten an den mac mini gestöpselt mit altem scheiss und backups auf die wir selten aber gelegentlich zugreifen möchten. ausserdem laufen über den mac ein paar mit syncthing synchronisierte ordner, die der mac mit time-machine sichern soll.
er zeigte auch ein vereinfachtes home assistant dashboard an, dass ich per VNC auf ein altes ipad beame, dessen browser zu alt ist um home assistant dashboards überhaupt noch darstellen zu können. das liess ich aber unkompliziert in einen chromium-docker-container auslagern, den das ipad jetzt per VNC anzeigt.
ein weiteres stück jahrzehnte-alte hardware hab ich ebenfalls in den letzten tagen mehrfach angefasst: ein fire tablet das so alt ist, dass es noch mit android 4.4 lief (und sich auch nicht weiter upgraden lässt). dieses fire tablet steht neben dem bett mit einem sehr stark vereinfachten dashboard (mit einem app daemon dashboard gebaut).
das app daemon dashboard wird mit fully kiosk angezeigt, für das ich 2018 eine pro-lizenz gekauft habe. die lizenz konnte irgendwann nach einer neuinstallation nicht mehr geladen werden, weshalb fully kiosk eine unschöne lizenzwarnung anzeigte.
die liess sich auch mit dem support von fully kiosk nicht wegbekommen („we fully stopped support for Android 4.4 about 5 years ago. You can't activate a license on Android 4.4 device anymore.“). auch der versuch tls 1.2 nachzurüsten scheiterete. zum glück haben wir noch ein weiteres uraltes, aber nicht ganz so altes fire-tablet, das bereits mit android 5.x läuft. das konnte ich umwidmen, das alte tablet darf sich damit zur ruhe setzen.
(die tablets sind wie die (chinesischen) kameras vom internet getrennt, sie können nur aufs lokale netzwerk zugreifen. das macht sie nicht unangreifbar, aber ein bisschen.)
aufpoliertes dashboard am bett
wo ich gerade dabei war, habe ich das dashboard auch gleich ein bisschen aufgeräumt und einen wetteransage button eingebaut. der triggert ein homeassistant script das die wetterdaten an chatgpt füttert und es anweist daraus eine ansage zu bauen:
action:conversation.processdata:agent_id:conversation.chatgpttext:>-set station = wetter_stündlich.values() | list | first %} {% set forecast =station.forecast[:24] %}Hier sind die Wetterdaten für die nächsten 24 Stunden:{{forecast}}Frage:{{frage | default('Wie wird das Wetter heute? Gib mir eine kurze,sehr schlecht gelaunte und pampige Zusammenfassung.')}}Anleitung:Nutze die Daten, um die Frage verständlich, schön kurz und inwenigen Sätzen zu beantworten. Antworte direkt als Sprecher für eine Ansage.Wenn es nach 20 Uhr ist, sage das Wetter vom nächsten Tag an. gebe keineBewertung des Wetters ab (ein schöner Tag, denk an den Regenschirm oderÄhnliches).conversation_id:wetter_ansageresponse_variable:chatgpt_response
ehrlichgesagt ist die ansage immer noch ziemlich gut gelaunt, ich muss noch etwas am promt feilen, damit das entweder neutraler oder wirklich pampig rauskommt.
zurück zu batterien: einige der batterien die sich ihrem ende zuneigen melden sich in einer home assistant übersicht. theoretisch ist das sehr praktisch, im alltag klappts nicht immer, auch weil sich manche geräte bei der batteriediagnose verrechnen oder verhaspeln oder ihren batteriestand nicht verraten wollen.
ich bin schwer beeindruckt von der langlebigkeit der batteriene in den geräten einiger hersteller. die xiaomi/aquara-zigbee-sensoren (schalter, fenster oder bewegungssensoren) halten wirklich jahrelang. aber weil die jahre heutzutage doch recht schnell vergehen, gibt’s fast jeden monat was zu wechseln.
theoretisch hatte ikea kürzlich eine ziemlich gute idee. deren batteriesensoren sind jetzt alle auf AAA batterien ausgerichtet und kommen vor allem mit wiederaufladbaren AAA akkus zurecht. unsere tado-thermostate verbitten sich das explizit, wegen der entaldungscharakteristik und weil die spannung der akkus für den motor nicht stabil oder stark genug ist. aber auch wiederaufladbare batterien müssen regelmässig gewechselt werden.
alle paar monate schaue ich mir meine selbstgebauten sensoren an. die meisten sind auf esp8266 oder esp32 basis mit esphome gebaut. das ist toll, einfach und theoretisch auch sehr pflegeleicht. weil sich esphome sehr dynamisch und beeindruckend weiterentwickelt, bedeutet das auch oft änderungen die nicht rückwärtskompatibekl sind. ich bin kein religiöser firmware-updater, aber ich mag es gerne, wenn meine konfiguration relativ aktuell ist. schliesslich exponieren die microcontroller ja eine theoretisch angreifbaren wlan-verbindung. wichtig ist natürlich in erster linie statbilität und ein gerät das zuverlässig, schnell und gut funktioniert, aktualisiere ich dann in der regel auch nicht ständig. aber sobald ich mal anpassungen machen will, muss neu kompiliert werden und dann ist es natürlich schön, wenn ich da nicht erst anpassungen wegen irgendwelcher breaking changes machen muss.
ich habe gemini mal gebeten mir einen template sensor zu machen der eine liste alle esphome geräte und ihrer firmware versionen ausgibt. da war ich jetzt selbst kurz überrascht wie viele das (vier bluetooth proxies die ich anderswo, zur lokalisierung von tiles nutze, fehlen sogar noch) sind und wie breit gestreut die esphome-versionen sind.
wir haben eigentlich mehr als genug bildschirme in der wohnung. aber ich habe mich vor zwei tagen von snazzy labs, genauer, diesem video, bequatschen lassen das trmnl (og) zu kaufen.
die lieferung war promt (2 tage) und kostenlos. der preis nicht so irre günstig, allerdings gab’s mit dem referer-code von snazzy labs 10% rabatt.
das trmnl ist ein kleiner epaper-bildschirm mit akku und microcontroller, ähnlich dem switchbot-bilderrahmen, nur eben in schwarz-weiss.
was mich überzeugt hat war das engagement von trmnl im open source bereich, von dem im video viel die rede ist. sprich, wenn ich wollte könnte ich das gerät auch ohne die trmnl-cloud betreiben, indem ich einfach einen docker container hochfahre (repo) und das trmnl damit verbinde, statt der trmnl-cloud.
die einrichtung (mit der cloud) war wieder mal etwas hakelig. die cloud schien auch mehrfach während meiner einrichtung ausfälle gehabt zu haben und das trmnl meldete zuerst mehrfach, dass es sich nicht mit dem wlan verbinden könnte — und später beklagte es sich, dass es sich zwar mit dem wlan verbinden, aber nicht mit der api verbinden konnte.
es gibnt eine vielzahl von erweiterungen mit denen man inhalte auf das trmnl bringen kann. das einfachste ist plain text, der auf dem display auch sehr knackig und scharf aussieht.
als ich die home assistant erweiterung fand war ich sehr erfreut. ich habe schon seit jahren nach einer möglichkeit gesucht screenshots von home assistant dashboards automatisch anfertigen zu lassen. lösungen gibt’s, aber das war alles fummelig, aufwändig und bastelig. trmnl hat eine lösung entwickelt, trmnl-home-assistant, die nicht nur von home assistant dashboards screenshots machen kann, sondern von beliebigen web-seiten. die kann man dann als jpg, png oder bitmap ausgeben lassen, für das epaper-display dithern lassen — oder eben nicht. und das alles indem man — mal wieder — einfach einen docker-container hochfährt: docker-compose.yml in der doku.
allein für diese entdeckung hat es sich gelohnt > 100 € für das teil auszugeben. wenn ich mal in bastellaune bin werde ich damit bilder auf einen cheap yellow display beamen. jetzt hab ich erstmal meinen wetter-graphen aufs trmnl gebeamt.
links das switchbot epaper-display, rechts ein bild der beifahrerin, unten das trmnl (od)
oben wolkendecke und sonnenscheindauer, mitte temperatur, unten regenwahrscheinlichkeit und niederschlag laut dwd regenradar
da lassen sich noch einige spannende sachen draus basteln.
vor ziemlich genau 10 jahren habe ich die ersten beiden hue LED-birnen gekauft. von den zwei birnen die damals im hue-starterset waren lebt eine noch und ist noch im einsatz. die erwartungen an LED-leuchten lauten damals: 15 bis 20 jahre lebensdauer. in der praxis freue ich mich darüber, dass eine von denen tatsächlich 10 jahre hält. es zeigt sich leider, dass LED-birnen teilweise genau so schnell kaputtgehen (oder lange halten) wie die alten glühbirnen. entweder gibt das netzteil, die eletronik und manchmal auch das gehäuse auf.
trotzdem bereue ich nicht, die ganze wohnung nicht nur auf LED umgestellt zu haben, sondern zum grössten teil auch auf zigbee. seit dem ich vor sechs jahren die proprietären hubs von ikea und hue weggeschmissen habe und einen eigenen hub mit zigbee2mqtt betreibe, lässt sich das potenzial von zigbee auch voll ausschhöpfen. fummelig und teilweise buggy war es trotzdem gelegentlich, vor allem fielen immer wieder die tollen, kleinen und günstigen xiaomi und aquara gerätchen aus dem zigbee netz und wollten neu gepaart werden. aber auch die firmware meines zigbee-koordinators, also meines DIY-hubs (ein CC26x2R LaunchPad) zickte immer wieder mal und hatte bugs.
aber insgesamt war zigbee über die jahre stabil, schnell, gut zu erweitern und zufriedenstellend. insgesamt sind hier 88 geräte, davon 39 batteriebetriebene (sensoren und schalter). aber als home assistant vor ein paar monaten einen neuen, selbstenmtwickelten, offenen zigbee-router (zbt-2) vorstellte, schlug ich zu. das versprechen von zukunftsfähigkeit, einer optimierten antenne, modernster chipsätze und guter performance gefiel mir und bisher hab ich gute erfahrungen mit der hardware (der software sowieso) die home assistant baut gemacht.
die migration vom alten „hub“ zum neuen hub war leider sehr fummelig, unter anderem, weil ich meine 80 geräte nicht alle neu anlernen wollte. am ende lief alles, auch merklich stabiler, aber ein paar eigenartige probleme blieben. so konnte ich bestimmte geräte einfach nicht ins netzwerk hinzufügen. der workaround war, dass ich diese geräte dann in mein zweit zigbee-netz hinzufügte, das ich seit ein paar jahren mit dem vorgänger des zbt-2, dem sky-connect betrieb. dorthin hatte ich damals alle xiaomi und aquara sensoren ausgelagert, die im hauptnetz immer rausfielen, und im kleinen sondernetz keine mucken mehr machten. insgesamt fand ich das unbefreidigend und weil ich dieses wochenende sturmfreie bude hatte und lichtausfälle nicht beschimpft werden würden, entschied ich mich mein haupt-zigbee-netz neu aufzuspannen.
den ersten test führte ich mit einer jungfräulichen, frisch geonboardeten zigbee2mqtt-installation durch, ich wählte einen weniger belegten zigbee-kanal und schaute ob die geräte die sich vorher nicht joinen liessen jetzt dem netzwerk beitraten. dass sie es taten war gleichzeitig eine gute und eine schlechte nachricht. jetzt konnte ich um die 80 geräte manuell hinzufügen und neu konfigurieren und hätte dann am ende ein fehlerloses zigbee-netz.
die ganze prozedur war dann wirklich sehr mühsam, auch weil ich im home assistant viele der entity-ids und namen neu setzen musste, aber andererseits konnte ich auch ein bisschen aufräumen. tatsächlich, nach zwei tagen arbeit, läuft das zigbee-netz laut zigbee2mqtt fehlerfrei, die einzige leuchte die gelegentlich fehlermeldung im log verursacht ist die 10 jahre alte hue-birne, die zu ihrer verteidigung aber auch in einem metallenen lampengehäuse steckt. ansonsten keine fehlermeldungem, timeouts oder unerreichbare geräte.
auch die beiden neuen kajplats weissspektrum birnen mit 1500 lumen, die ich kürzlich gekauft habe, sind jetzt im zigbee-netz. die werden eigentlich mit matter ausgeliefert, sprechen aber auch zigbee. weil mein zbt-2 die aber nicht ins zigbeenetz aufnehmen wollte, habe ich die auch 2-4 wochen mit matter betrieben. das lief eigentlich auch sehr gut, matter reagiert mindenstens so schnell wie zigbee, subjektiv vielleicht sogar einen ticken schneller. was matter aber noch fehlt ist eine brauchbare gruppierung auf netzwerk-ebene. bei zigbee kann man beliebig viele leuchten in eine zigbee-gruppe stecken und dann mit einem einzigen broadcast-befehl alle leuchten schalten, statt jede einzelne zu schalten. bei zwei, drei birnen ist das eigentlich egal, aber es fühlt sich einfach besser an, alle drei lampen im flur mit einem einzigen befehl zu schalten und den weisswert zu setzen, statt mit dreien.
zwischen matter und zigbee kann man übrigens so umschalten: erst matter zurücksetzen, indem man die birne 6 mal aus- und anschaltet, danach zigbee zurücksetzen, bzw. in den verbindungsmodus versetzen mit 12 mal aus- und anschalten.
nervig ist, dass von den 10 verschiedenen herstellern von denen ich zigbee-birnen besitze, jeder eine eigene art hat die birnen zu resetten, bzw. in den verbindungsmodus zu versetzen: mal, wie bei ikea, sechsmal aus und an, manchmal 5 mal je 5 sekunden aus und 5 sekunden an und manche muten ihren nutzern sogar kombinationen aus 5 sekunden und 2 sekunden schaltsequenzen zu. zum glück gibt’s touchlink, zum beispiel mit der 10 jahre alten hue fernbedienung: wenn man die fernbedienung an eine lampe hält und an- und aus-taster 10 sekunden lang hält, resetten die meisten lampen sich und verbinden sich neu.
ausserdem gelernt, die bindings mit denen man zum beispiel zigbee-fernbedienungen direkt mit einer leuchte verbinden kann, so dass man die auch mit der fernbedienung steuern kann, wenn das zigbee-netz ausgefallen ist, diese bindungen werden nicht in zigbee2mqtt gespeichert, sondern in den geräten selbst. man sieht diese bindings zwar im zigbee2mqtt-frontend, aber zigbee2mqtt holt sich die info jedes mal aus dem gerätespeicher. das ist ein bisschen schade, weil ich immer die vorstellung hatte, dass zigbee2mqtt diese info sichert und wenn sie im gerät verloren gehen sollte, wieder neu setzen kann beim „rekonfigurieren“. is aber nicht so.
mein fazit lautet also: ich liebe und hasse mein zigbee-netz gleichzeitig. einerseits ist es (bisher) zu 95% zuverlässig gewesen, aber die 5% probleme kosten immer noch zu viel zu viel zeit. ich hoffe mit dem zbt-2 jetzt auf 99,9% zuverlässigkeit. matter ist bereits sehr gut, aber noch nicht ganz so weit um damit grosse netze zu verwalten. der teufel und die arbeiten stecken da noch in vielen kleinen details. beide, zigbee und matter sind deshalb toll, weil man sich damit zu 100% herstellerunabhängig machen kann. und allein deshalb überwiegt meine liebe zu zigbee — und in ein paar jahren sicher auch zu matter.
beim anschauen dieses videos habe ich folgendes widget gesehen.
sowas wollte ich auch haben. zunächst habe ich mir von cursor ein markdown-widget für home assistant bauen lassen. das sah dann so aus.
die zeile mit dem leben nehm ich möglicherweise wieder raus weil sie zu frustruierend ist. ich habe cursor mein geburtsdatum verraten und gehe für die statistik davon aus, dass ich 90 jahre alt werde. davon sind bald zwei drittel rum.
aber dann fiel mir ein, dass ich noch einen epaper tag übrig habe, für den ich keine besonders gute verwendung habe. im flur und kinderzimmer hängen tags die nützlich sind und das datum und das wetter anzeigen. der im flur hängt über einem ipad, das bereits das wetter und datum anzeigt. jetzt zeigt es die restzeiten des tages, der woche, des monats und des jahres an. find ich gut.
mir ist aufgefallen, dass ich das, was man heute gerne vibe coding nennt, schon seit jahrzehnten mache. nämlich an probleme mit wenig ahnung, aber einem ausgeprägten gefühl für einen lösungsansatz rangehen und solange an der lösung dengeln, bis das problem gelöst ist oder es so funktioniert wie ich mir das vorher vorgestellt habe.
schon die ersten versionen dieser website habe ich durchgehend mit fremder programmierhilfe selbst gebaut. weil es damals keine LLMs gab, die ihr angelesenes wissen mit mir teilen, musste ich damals selbst auf das wissen anderer menschen mit mehr ahnung zurückgreifen. deren wissen musste ich mir früher mühsam selbst zusammensuchen, meistens indem ich meine fragen in stichworte aufteilte und mich dann schritt für schritt einer lösung entgegenhangelte.
an der ersten inkarnation dieser website habe ich so um die 15 oder 20 jahre lang geschraubt, bis sie den funktionsumfang hatte, den ich mir vorgestellt habe. mittlerweile hat der funktionsumfang nach dem neustart dieser website, meiner einschätzung nach, wieder das niveau des vorgängers erreicht — in weniger als einem jahr. dieses mal ging es zwar schneller, aber ehrlichgesagt schätze ich dass die qualität dessen was hinten rausgekommen ist um ein vielfaches besser ist als die vorgänger-versionen.
ich höre schon die rufe: das ist dann aber kein wartungsfreundlicher code und würde dann antworten: stimmt. aber darum geht’s gar nicht. die imperfektion, die zwischenlösung, der weg ist das ziel.
Ein Experte ist jemand, der auf einem Spezialgebiet alle denkbaren Fehler bereits gemacht hat.
wie langweilig wäre das denn, wenn ich mich nicht mehr in die lösung selbstgestellter und selbstgemachter probleme knien könnte? möglicherweise kann man das mit dem bergsteigen vergleichen: es geht nicht darum die berge flacher oder steigfreundlich zu machen, sondern möglichst immer steilere berge zu finden. es geht weniger darum probleme zu lösen, als immer wieder neue probleme zu finden und die arbeit an ihrer lösung zu geniessen und die berge unterwegs besser kennen zu lernen. ich rolle den stein immer wieder bergauf, nicht weil mich die götter dazu verurteilt haben, sondern weil ich den stein gerne bergaufwärts rolle und bergabrollen langweilig wäre.
(12.03.2026) Erika Thomalla hatte einen alten Text von Christian Kracht vorgelesen, 1994 in der Zeitschrift Tempo erschienen, Thema: ein Porträt des damaligen SPD-Kanzlerkandidaten Rudolf Scharping (das ist der, der zurücktreten musste, weil er für Bunte mit einer Gräfin in einem Pool planschen war). Der Text, ganz normal vorgelesen, löste sofort Beklemmung, Ratlosigkeit, dann auch: Entsetzen aus, im Publikum wie bei uns auf der Bühne. Es war Popjournalismus pur, die damals absolut als toll empfundene Mischung aus Ultra-Snobismus, ja, auch Menschenverachtung, klar, (hier eher: Scharping-Verachtung), irrem Rumgelaber auf Seitenwegen (in diesem Kracht-Text: das Deutsche an sich, schwere Arbeit, schwer Böden, Bäuerinnen mit großen Brüsten, hä?) und ein paar sehr direkten, gut sitzenden Killersätzen.
ben_ zählt männervorbilder auf. muss ich glaube ich nochmal drüber nachdenken, aber spontan würde ich sagen: vorbilder hatte ich nie. es gab immer einige menschen, die ich gut oder interessant fand, deren verhalten oder deren art ich in bestimmten situationen auch mal nachahmen würde. prägender waren menschen die mich dazu brachten bestimmte dinge nicht zu tun, deren verhalten oder deren art ich unter keinen umständen replizieren wollen würde. ich wollte auch nie zu einer gruppe gehören, aber dafür habe ich immer wieder interesse an gruppen entwickelt, die ich gerne mal kennenlernen würde oder gerne aus der nähe beobachten würde.
viel mehr als vorbilder haben mich fragen beschäftigt: wie will ich sein, wie will ich mich verhalten, was will ich können, was brauche ich nicht, wie löse ich das nächste problem?
ich erinnere mich daran, irgendwann in den achtziger jahren im fernsehen einen sehr alten mann gesehen zu haben, der ganz anders war als alle anderen alten menschen, die ich bis dahin kannte. der alte mann, der vielleicht gar nicht mal so alt war, aber auf mein 14 oder 15 jähriges ich sehr alt wirkte, stach deshalb hervor, weil er bescheiden, klug, neugierig, positiv, wach, interessiert, euphorisch und der zukunft zugewandt schien. die alten menschen die ich bis dahin kannte lebten grösstenteils in der vergangenheit (oder erzählten grösstenteils geschichten aus ihrer vergangenheit), fanden die moderne welt nicht besonders gut, zeigten kaum neugier, waren grumpy und stachen nicht gerade durch klugheit hervor.
selbst ein alter mann zu werden schien mir angesichts der alten menschen die ich damals kannte nicht besonders erstrebenswert. bis ich diesen eigenartigen alten mann im fernsehen sah. ich weiss bis heute nicht wer der alte mann war und ob ich mir heute mehr dazu zurechtreime als damals, aber diesen menschen würde ich durchaus als vorbild bezeichnen, auch wenn ich mir auch dieses vorbild, wie die meisten anderen vorbilder, wohl vor allem selbst ausgemalt habe.
eben hab ich das staffelende von starfleet academygeguckt. das war wieder fast unerträglich. immerhin haben sie ein zitat gebracht, das mich zum mitschreiben inspirierte. man kann das zitat aus captain nahla akes schlussplädoyer — oder das ganze finale — auch als kommentar zur politischen lage in den USA lesen:
you never grew up. and it got us right here. so the questions i’d ask all these people watching: is this the person you want to follow into the future? an angry child with his finger on the trigger, whose entire worldview is based on a lie?
steven colbert, der den elektrischen KI-dekan aus der PA gesprochen hat, wird sich vielleicht auch drüber gefreut haben.
gestern habe ich ein video gesehen, in dem gesagt wurde, das menschen und hunde bein gemeinsamen schlaf in einem bett ihre herzfrequenzvariabilität (HRV) synchronisieren. obwohl sich hunde und menschen im bett nachts ständig gegenseitig kurz wecken, steige trotzdem die subjektive schlafqualität.
frida lässt sich das natürlich nicht nehmen in unseren betten zu schlafen, egal ob wir im bett sind oder nicht. aber besonders gerne liegt sie natürlich im bett, wenn einer von uns auch drin liegt.
tagsüber liegt sie gerne bei der beifahrerin im wohnzimmer auf der couch, während ich im home office nebenan arbeite. ausser während meiner täglichen ca. 30 minuten mitagsschlaf. die möchte sie unbedingt bei mir verbringen. das ritual ist immer das gleiche. ich lege mich gegen 12 uhr in bett, sie kommt aus dem wohnzimmer gedackelt gepudelt, springt aufs bett, prüft wie ich aus dem mund rieche und legt sich dann, mit kontakt zu meinen beinen, ans fussende.
ich schlafe immer gut ein wenn ich mich ins bett lege, egal ob mittags oder abends oder spät nachts. aber wenn frida neben mir liegt, schlafe ich noch schneller ein. es ist in der tat erstaunlich, was für einen beruhigenden effekt ein hund am bein hat. und laut der studien, die das video zitiert, beruht das wohl auf gegenseitigkeit. es ist als würde man sich gegenseitig eine hand auflegen, mit dem unterschied, dass aufgelegte hände sich spätens nach 3 minuten unangenehm oder ungemütlich anfühlen. noch erstaunlicher, wenn frida das bett verlässt, zum beispiel weil die beifahrerin sich essen macht und sie prüfen möchte was es gibt und ob etwas für sie abfallen könnte, bleibt das gefühl, dass frida an meinem fussende liegt, wie ein abdruck bestehen.
ich frage mich in den letzten tagen: was ist es eigentlich, was mich in fernsehserien reinzieht? oder andersrum gefragt, warum langweilen mich die zweiten staffeln mancher serien so sehr? ich hab die tage mit der zweiten staffel the night manager angefangen und mäkelte innerlich die ganze zeit daran rum. zwei folgen hab ich geschafft, mehr geht glaube ich nicht.
die erste folge der zweiten staffel hijack spielt in berlin, was mich 2 minuten lang gefreut hat, bis es dann peinlich wurde, weil nichts was man dort sieht, mit dem übereinstimmt, was ich selbst so in berlin sehe oder erlebe.
die antwort auf die rhetorische frage, die ich mir selbst gestellt habe, scheint paradox, aber vielleicht ist was dran: wenn ich die erste folge einer serie ansehe und alles was ich sehe ein bisschen langweilig ist, weckt das unter umständen (vor allem wenn die serie nicht zu billig aussieht) mein interesse. ich glaube wenn eine serie zu ambitioniert und bemüht anfängt, entwickle ich sofort widerwillen. wenn ich hingegen normale leute sehe und das was sie machen und was ihnen passiert nachvollziebar ist, weckt das mein interesse (wenn die serie nicht zu billig aussieht). und tatsächlich ist das möglichweise die grundlage von gutem geschichtenerzählen. das funktioniert nur, wenn ich mich mit den protagonisten identifizieren kann und dafür braucht es erstmal normalität.
idris elba als sam nelson ist in der zweiten hijack-staffel von anfang an paranoid, sieht in jedem wimpernzucken der menschen in der ubahn etwas verdächtiges. in der ersten staffel ist er einfach in ein flugzeugt gestiegen und das hat als spannungsbogen ausgereicht.
tom hiddleston als jonathan pine hat in der zweiten staffel vom night manager durchgehend dramatische flashbacks im kopfkino, die der regisseur uns zuschauern dann brühwarm auf die augen bindet. wenn das alles etwas langweiliger oder subtiler inszeniert wäre, wie viel spannender hätte das werden können? überdramatisierung nimmt dem ganzen drama den schwung.
wenn ich mich recht erinnere, waren die ersten 30 minuten der ersten folge breaking bad irre langweilig. ich sah: das ist nicht billig produziert und mein interesse war trotz (oder wegen?) der langeweile geweckt. die folgenden eskalationen wurzelten in solider langeweile und blieben deshalb auf eine art nachvollziehbar. bei better call saul war die ganze erste staffel langweilig, damit die späteren eskalationen in ruhe wurzeln schlagen konnten. auch bei a knight of the seven kingdoms blieb es drei oder vier folgen lang sehr langweilig, aber dafür sah alles sehr schön aus — und ich fand den rest der ersten staffel grandios.
auf der arbeit habe ich mich in den letzten tagen viel mit tabellenkalkulation beschäftigt. konkreter mit google sheets. in erster linie versuche ich mir und meinem team ein paar werkzeuge zu bauen um besser und schneller preisauskünfte geben zu können. dabei fiel mir auf, wie archaisch es eigentlich ist, preise oder preislisten auf webseiten oder pdfs als einfache listen zu veröffentlichen.
mir kam der gedanke, dass ja eigentlich jede oder jeder die vor einer kaufentscheidung stehen in irgendeiner form preise und optionen vergleichen wollen oder müssen. warum kann man das alles nicht interaktiv wie bei einer tabellenkalkulation machen? wenn ich einen computer kaufeh will, warum in der preisliste statt „16 GB RAM“ hinzuschreiben, ein auswahlmenü mit 16, 32, 64 oder 128 GB RAM anbieten, und die summe dann dynamisch berechnen? warum statische tabellen layouten, wenn man genauso gut dynamische tebellen veröffentlichen könnte und die kunden so lange an den optionen drehen können, bis es ihnen passt? das muss ja auch nicht exklusiv sein, man kann ja beides veröffentlichen.
der status quo ist ja derzeit, dass firmen ihre preislisten aufwändig in einer tabellenkalkulation entwickeln, daraus aufwändige preislisten ableiten und die kunden diese preislisten dann wieder für den eigengebrauch in eine interaktive tabellenkalkulation umwandeln? wenn friedrich merz jammern würde dass statische oder pdf-preislisten die produktivität unserer ökonomie lähmen würden, dann gäbe es auch mal was wo ich ihm ausnahmseweise zustimmen könnte.
gestern habe ich angefangen dieses buch zu lesen. liest sich gut, obwohl ich ständig eingeschlafen bin (nicht wegen des buchs, sondern weil ich so gerne schlafe). ich habe ich mehr als die hälfte an einem nachmittag gelesen. beim lesen dachte ich: „das sind doch alles blogbeiträge!“ weil christian hanne zwei kapitel in seinem blog / auf seiner webseite veröffentlich hat, stimmt der gedanke also mindestens ein bisschen („Fear and Loathing auf dem Elternsprechtag“, „Epilog“).
ich denk beim lesen von büchern trotzdem immer: warum eigentlich texte auf papier drucken oder in ein e-book-dateiformat pressen? hat das finanzielle gründe? oder haben bücher wirklich immer noch eine bessere reputation als texte im web? die gemeinfreien klassiker fühlen sich doch auch im projekt-gutenberg.org wohl?
oder ist es es die haptik? das gefühl etwas kaufen zu können, was man dann in der hand halten kann? ich für meinen teil könnte gut damit leben ein buch zu kaufen und dann statt es eines buches eine url geschickt zu bekommen auf der ich das am rechner oder dem telefon lesen kann. ich finde das haptisch ausreichend. oder man verschickt bücher als kleine papkarten die auf der einen seite das buch-cover aufgedruckt haben und auf der anderen seite einen qr code mit der url, wo man das buch dann im web lesen kann.
wer gerne zeigt was er gerade liest, kann die pappkarte hinten aufs telefon kleben. für besonders hochwertigen karton kann man das dopplete bezahlen (hardcover), die billige version (taschenbuch) ist auf dünnem karton gedruckt. hardcover könnten kreisförmige magnete eingearbeitet haben, die dann an magsafe oder qi2 magnetringe am handy anklipsen.
warum ein buch nicht einfach wie eine webseite mit bezahlschranke veröffentlichen? übermedien veröffentlicht jeden tag (?) einen artikel und packt sie für eine weile exklusiv hinter eine steady bezahlschranke. warum sollte man das nicht auch mit einem buch machen? wenn das buch neu ist zahle ich 12 euro und jede woche — oder jeden tag — kommt ein neues kapitel. sind alle kapitel erschienen kaufen 12 euro den zugang zum ganzen buch. zahle ich ein paar euro mehr bekomme ich einen bedruckten karton den ich mir ans telefon heften kann, an die wand hängen oder ins regal stellen oder stapeln kann.
für menschen die ohne strom lesen wollen kann man natürlich immer noch eine kleine auflage auf papier ausdrucken oder den text in ein e-book-format statt html pressen. ich mag es mittlerweile wirklich am liebsten, wenn mich buchstaben von einer webseite anleuchten.
buchstaben mit sonnen-, kerzen- oder lampenlicht selbst zu beleuchten regt keine gefühle in mir an. oder hab ich was übersehen, was ausgedruckte buchstaben zwischen pappdeckeln oder e-book-datei-formate so speziell macht, dass niemand ein „buch“ als webseite veröffentlichen mag?
als ich vor 23 jahren anfing mit einem content managment system ins internet zu schreiben, war ich in vielerlei hinsicht ein bisschen naiv. auch was die nutzung von bildern angeht. wenn schlechte witze (arnold schwarzegger hat schrankfarbene haare) die nutzung eines bildes erforderten, suchte ich mir ein bild und benutzte es. 2002 wurden urheberrechtsverstösse eher selten geahndet und google war gerade mal 4 jahre alt.
spätestens zu zeiten von marions kochbuch (die älteren werden sich erinnern) fing ich an mein archiv für suchmaschinen zu verrammeln. bei artikeln die älter waren als 5 jahre verbot ich die suchmaschinen indexierung. das hat soweit gut geklapt. in den > 20 jahren in denen ich ins internet schrieb habe ich zwar die eine oder andere abmahnung bekommen, aber nie wegen urheberrechtverstössen. bis heute. ein foto von arnold schwarzenegger das seit 20 jahren im web rumlag, ausgeschlossen von suchmaschinen-indexierung und ungesehen von jeder menschenseele, wurde doch von irgendeinem rechteinhaber gefunden. die seite, auf der das bild laut anwaltsschreiben zu sehen gewesen sei, war von der suchmaschinenindexierung ausgeschlossen und damit im prinzip unsichtbar. ich weiss zwar, dass ethisch fragwürdige crawler sich nicht an robots.txt anweisungen halten, aber dass möglicherweise für die durchsetzung von urheberrechten auch solche anweisungen ignoriert werden, scheint neu zu sein.
die 250 € habe ich überwiesen, das bild gelöscht und den artikel entfernt und gleichzeitig habe ich alle bilder von artikeln die älter als 2010 sind mit thumbhash bildern ersetzt. thumhashs sind „very compact representations of an image“, die gerade mal ein paar byte gross sind. die nutze ich schon länger fürs lazyloading, man bekommt die also zu sehen wenn man wirres.net mit einer sehr langsamen internetverbindung besucht. ansonsten sieht man die nur selten. hier eine beispielseite aus meinem archiv.
die riesenmaschine macht das schon lange so mit bildern, deren rechtelage ungeklärt ist: einfach weglassen.
aber nur wegen eines anwaltschreibens soll mein archiv nicht weniger bunt sein. deshalb finde ich meine lösung, bilder erstmal pauschal auf wenige bunte byte zu reduzieren sehr schön. und artikel mit bildern, über deren rechte ich mir im klaren bin (zum beispiel weil ich die bilder selbst aufgenommen habe), kann ich von der thumbhashisierung ausnehmen, aber das ist ein manueller vorgang.
so hat die abmahnung auch was gutes: ein schönes neues feature, von dem ich aus dem maschinenraum berichten kann.
es gibt auch sonst einiges neues aus dem maschinenraum. zum beispiel neue feeds für den river, die favoriten, bookmarks oder was ich gesehen habe (alle feeds sind autodiscoverable oder hier aufgelistet). unter /alles sieht man jetzt auch wieder wirklich alles, ebenso im alles-feed. auch im archiv sieht man beiträge, favs, bookmarks und gesehenes jetzt einzeln aufgeschlüsselt — oder eben als alles.
das logbuch meines medienkonsums, das ich dieses jahr führen möchte habe ich um die youtube sehzeiten erweitert. derzeit steht mein medienkonsum bei ca. 70 stunden pro monat die ich vor der glotze verbringe. ich bin mal gespannt wie sich das oder ob sich das über das jahr verändert.
und apropos gewohnheiten, die man offenbar mit zunehmensdem alter liebgewinnt, mal schauen ob mir entwicklung der gewohnheit gelingt, diesen baum ein jahr lang jeden tag zu fotografieren.
der monat ist noch nicht vorbei, aber ich glaube ich kann den februar jetzt schon mal statistisch auswerten. und zwar, wie viel zeit ich vor der glotze verbringe. ich glaube für den februar habe ich so ziemlich alle filme und serien die ich geschaut habe erfasst. das sind in summe 27 stunden die ich vor der glotze verbracht habe. allerdings ist mir gestern noch eingefallen: was mach ich mit youtube?
gemini meint es gäbe keine einfache methode die zeit, die ich mit youtube-videos verbringe, per api abzufragen. also bin ich meinen youtube-verlauf durchgegangen und habe für jedes video und jeden tag die zeit notiert, die ich geschätzt damit verbracht habe. abgebrochene videos oder videos in denen ich viel übersprungen habe, flossen entsprechend in diese schätzung ein. im februar waren das bis jetzt nochmal 31 stunden.
damit habe ich im februar ungefähr 58 stunden vor der glotze verbracht. das sind 15 % meiner verfügbaren freizeit, die ich mit youtube, filmen oder serien verbracht habe.
gestern habe ich ein ted-video von rebecca okamoto gesehen, in dem sie erklärt, wie man sich in 20 oder weniger worten so vorstellt, dass man einen bleibenden eindruck hinterlässt. ich fand das video schlimm und habe es deshalb nicht geliked und deshalb taucht es hier auch nicht auf, aber es ist doch etwas hängengeblieben, mit dem ich die zeit, die ich vor der glotze verbringe, rationalisieren kann: ich lese und sehe das internet leer, um kuratierte empfehlungen weiterzugeben, die anderen freude und mehrwert bringen.
wie und ob ich die youtube-zeiten in meinem medienlog verarbeite oder zeige, weiss ich noch nicht. da die zeiten über den januar und februar recht ähnlich verteilt sind, kann ich im ø von 75 minuten youtube pro tag ausgehen, wenn mir um die schätzung meiner screentime geht. das akkurat pro tag zu loggen hat ja keinen wirklichen mehrwert. aber ich überlege noch, ob und was da sinn ergibt.
die matomo-statistiken zeigen: wer regelmässig schreibt, wird auch gelesen. vorletzten und diesen monat waren es um die 7000 (unique) pageviews, im letzten monat gab es einen kleinen ausreisser nach oben. konstante besucherlieferanten sind buddenbohm-und-soehne.de (400-600 pro monat) und rivva (100-200 pro monat).
monatliche matomo statistik von wirres.net
die zahl der pageviews im RSS (um die 13.000/monat) korreliert natürlich mit der anzahl der veröffentlichten artikel. das waren in den letzten 10 monaten immer um die 60 (übersicht), also 2 pro tag. seit januar kommen monatlich ca. 80 likes und 50-60 lesezeichen dazu, die ich veröffentiche.
beim ø-gewicht geht’s weiter ganz leicht abwärts, auch wenn ich gefühlt im januar und februar zwischen 94 und 92 kilo feststecke. der durchschnitt sagt: es geht weiter abwärts. wohlgemerkt, ohne ozempic und ohne explizite „diät“. ich verzichte nur auf süsses und esse weniger brot, bzw. insgesamt etwas weniger.
beim training war ich bei liegenstützen ziemlich faul, dafür gelang mir vor einer woche zum ersten mal ein sauberer klimmzug von ganz unten bis unter das kinn. ich habe aber so ein gefühl, dass ich im märz berichten kann, dass ich 2-3 am stück schaffe.
@janschmidt hat seine folgenden gefragt ob er qwert oder was anderes lesen soll. qwert ist der neue roman von walter moers (verlangslink). walter moers habe ich ein bisschen aus den augen verloren. nachdem ich 2004 die 13 ½ leben des käpt’n blaubär ganz grandios fand, fand ich 2013 das labyrinth der träumenden bücher ganz furchtbar und mit seinem kliffhänger mitten in der geschichte auch unverfroren. rumo hab ich dann, glaube ich, wieder mit grossem vergnügen gelesen und dann nix mehr. der output von moers über die letzten jahre scheint aber laut verlagsautorenseite kaum nachgelassen zu haben.
ich habe erfreut festgestellt, dass die e-buch-version von qwert bei thalia zwar so viel wie die gebundene ausgabe kostet (39,99 €), aber man dafür eine epub-datei ohne kopierschutz bekommt. das ist mal lobenswert und ich überlege mir mal ein paar tage urlaub zu nehmen um das buch auf dem sofa bingezulesen.
lorenz meyer teaserte diesen text von tilman baumgärtel vor ein paar tagen auf 6 vor 9 mit diesen worten an:
Tilman Baumgärtel beklagt in seinem Essay, dass elaborierte Kulturtexte in der heutigen Aufmerksamkeitsökonomie kaum noch Resonanz fänden, da die Reichweite von Printmedien schwinde, und Social-Media-Algorithmen differenzierte Inhalte systematisch benachteiligen würden.
über diese eher undifferenzierte ansicht wollte ich mich gleich nach dem lesen des teasers aufregen und selbst was super-differenziertes schreiben, aber das essay von tilman baumgärtel liest sich besser, als die teaser beim bildblog oder über dem text bei der taz, vermuten lassen. aber der text bietet trotzdem nicht viel mehr als anekdotische evidenz: baumgärtel meint, früher habe es immer wieder erfreuliches Feedback“ auf „lange, feuilletonistische Artikel“ gegeben — und jetzt nicht mehr.
ich hab aus der vergangenen zeit der gatekeeper auch die eine oder andere anekdote. natürlich haben erwähnungen von oder interviews mit mir oder gar artikel über mich in überregionalen oder regionalen medien gelegentlich spürbares feedback erzeugt1 — wenn die gatekeeper ihre tore mal einen spalt öffneten. aber damals waren massenmedien eben auch noch massenmedien und noch nicht durchfragmentarisiert. damals lenkten die tore, über die die gatekeeper wachten, noch reissende flüsse, jetzt plätschert an diese tore im besten fall noch ein glucksender bach.
der aufmerksamkeits-markt ist grösser, lauter und unübersichtlicher geworden, für alle beteiligten. es bilden sich neue gatekeeper-cluster, influencer gewinnen an einfluss (scnr) und gedrucktes ist, wie vinyl, von einem massenprodukt zu einem liebhaberprodukt geworden. ich hab hier genauso wenig neue erkenntnisse, wie tilman baumgärtel:
Dass man mit Videoschnipsel-Debattenbeiträgen mehr Aufmerksamkeit als mit elaborierten Texten erhalten kann, ist zwar keine neue Erkenntnis. Ich war bloß noch nie auf die Idee gekommen, dass das auch für mich und meine Kulturartikel gelten könnte. Doch offenbar bewegen wir uns dank Social Media und Videoreels wieder in Richtung einer oralen Kultur, wie sie der Literaturwissenschaftler Walter Ong beschrieben hat.
walter ong hab ich nicht gelesen. wohl aber neil postman. vor vierzig jahren. der wurde nicht müde zu argumentieren, dass die vorherrschaft des gedruckten worts durch das zeitalter des fernsehens, der bilder und des amüsements abgelöst würde, bzw. schon wurde. deshalb frage ich mich: waren diese „elaborierten Kulturtexte“ überhaupt jemals besonders populär? waren die leser von sowas nicht immer schon eine verschwindend kleine special interest fraktion der bevölkerung? warum hat der inflluencer marcel reich ranicki das literarische quartett in den 80er jahren ins fernsehen gehievt? weil sich schon damals keine sau für „elaborierte Kulturtexte“ oder buchkritiken in den gedruckten medien zu interessieren schien. also hat er mit ein paar bekannten mit 70 minuten langen videoschnipsel-debattenbeiträgen versucht mehr aufmerksamkeit für bücher zu generieren.
wenn ich mich recht an meinen geschichtsuntericht erinnere war martin luther, genau wie postman und ong davon genervt, dass die katholische kirche den glauben vor allem durch bilder, statuen, rituale und performances vermittelte und nicht sola scriptura („allein durch die schrift“).
was ich sagen will: differenzierte, elaborierte texte haben es schon immer schwer gehabt ein breites publikum zu finden. und vielleicht haben sich intellektuelle vor 20, 30, 100 oder 500 jahren, genau wie der eine oder andere blogger vor 20 jahren, davon einlullen lassen, dass die debatten in vielen filterblasen eben von intellektuellen domiert wurden und so eine etwas eindimensionale, unrealistische wahrnehmung von resonanz, relevanz oder popularität erzeugten.
vielleicht müssen medienschaffende (da zähle ich mich durchaus mit dazu) einfach damit leben lernen, dass ihre texte einerseits eine sehr begrenzte, sehr kleine zielgruppe haben und dass es andererseits immer schon schwer war diese überschaubare zielgruppe überhaupt zu erreichen. feuilletons waren sowas wie aggregatoren und suchmaschinen der frühen zeit für „elaborierte“, anspruchsvollere texte, werkzeuge um aufmerksamkeitströme in einem gewissen rahmen zu lenken und zu manipulieren oder zu subventionieren.
um so wichtiger dürte es sein, die nutzung des offenen webs weiter für vernetzung, aggregation, empfehlungen und eigenverlag zu nutzen. die zielgruppe, klein und überschaubar, ist noch da, sie findet den ganzen elaborierten scheiss nur immer schwerer. das kann man ändern, indem man sich nicht mehr an den grossen platformen orientiert, sondern sich so gut wie möglich vernetzt, föderiert und werkzeuge weiterentwickelt, experimentiert und sein publikum selbst einsammelt und bedient.
luther nutzte damals auch moderne werkzeuge beim versuch die menschen aus den bildwelten der kirche zu zerren. und wie luther stehen wir mächtigen giganten gegenüber, aber wenn wir uns auf die kraft des geschrieben wortes verlassen, technologien klug nutzen, ertragen, dass die meisten menschen uns ignorieren und kaum wahrnehmen, haben wir vielleicht doch die chance hier und da jemanden zu berühren und vielleicht auch was zu verändern.
am ende ist relevanz firlefanz und statt eines massenpublikums ist ein ordentlicher, selbstgebauter resonanzraum wahrscheinlich ohnehin die bessere lösung.
ich bin nicht sicher ob es ein doofer vergleich ist, aber ich ziehe ihn trotzdem. und zwar ein leckerchen-vergleich.
leckerchen sind für die hundeerziehung ein wichtiges werkzeug. auch wenn frida unser erster hund ist und ich keine ahnung von hundeerziehung hatte, war meine erste erziehungs-aktion frida beizubringen leckerchen aufzufangen, die ich ihr zuwerfe. frida hat so in ihrem ersten halben lebensjahr fast die hälfte ihres regulären trockenfutters von mir in einzelstückchen zugeworfen bekommen. monatelang. das war gut um ihre reaktionsfähigkeit zu trainieren, aber es hat ihr auch ein gefühl vermittelt, dass der aufenthalt an meiner linken seite irgendwie gut und richtig ist.
mittlerweile verstehen frida und ich uns auch ohne leckerchen, sie erkennt an meinen lauten, gesten, meiner körperhaltung, ob ich etwas gut finde oder eher nicht. trotzdem habe ich imemr noch, fast immer, leckerchen dabei und belohne alles was sie aus meiner sicht richtig macht. wenn sie einfach an krähen oder tauben vorbeiläuft ohne aufregung zu zeigen (was ihr mittlerweile leicht fällt): lerckerchen. wenn sie sich beim warten an einer roten ampel an mein linkes bein drückt: leckerchen. wenn sie ein eichhörnchen sieht und es nicht jagen möchte (was ihr schwer fällt): leckerchen.
der witz ist allerdings: die leckerchen an sich, sind für frida gar nicht das interessante. es ist die geste. ein leckerchen verstärkt nur nochmal das das was ich mit meinen lauten, meinen gesten, meiner körperhaltung ohnehin schon ausdrücke: ich find gut was du machst, das kannst du genau so weiter machen.
hunde sind sehr gut im erkennen von intention. wir menschen auch. online, wenn gesten, mimik und körperhaltung fehlen, wird es für uns menschen manchmal schwerer intention zu erkennen oder intention auszudrücken.
ich habe ein paar monatliche abos, die für sich genommen eher klein und unbedeutend sind, von denen ich mir allerdings einbilde, damit auch wertschätzung für die zum ausdruck zu bringen, an die ich diese kleinen monatlichen beträge zahle. wie bei frida könnte ich diese wertschäzung auch anders zum ausdruck bringen, freundliche emails oder blogbeiträge schreiben oder empfehlungen aussprechen; das würde wahrscheinlich eine ähnliche wirkung haben.
und trotzdem finde ich, dass die regelmässige zahlung von kleinen, aber regelmässigen beträgen eine wichtige und richtuge geste ist. deshalb zahle ich (zum beispiel) der wikipedia, netzpolitik, übermedien, dem guten internet, home-assistant, dem plötzblog und rivva regelmässig monatiche beträge zwischen einem und zehn euro. ich kaufe gelegentlich apps die ich nicht unbedingt brauche, aber unterstützenswert finde, ich mache gelegentlich bei open source projekten einmalzahlungen, wenns einfach geht und mir die projekte, warum auch immer, gefallen.
das sind einerseits alles peanuts, keine weltbewegenden beträge von denen jemand leben könnte, aber eben auch jeweils eine geste. eine geste die sagt: ich finde gut was ihr macht, macht von mir aus genau so weiter.
und ich finde rivva seit seiner geburtsstunde so nützlich, dass ich bereits seit sieben jahren mit kleinen finanziellen gesten wild gestikuliere.
offensichtlich denken nicht alle so wie ich. das ist einerseits gut so, aber andererseits auch ein bisschen traurig, zumindest wenn ich mir diesen screenshot von der rivva-unterstützerseite auf steady ansehe.
21 leute? ich bin sicher, dass sich in deutschland mehr als 21 leute finden die frank westphal sagen würden: „ich finde gut was du machst, macht bitte genau so weiter und gerne auch darüber hinaus.“ (ich weiss, insgesamt unterstützen frank mehr als 21 leute.)
spätestens jetzt, wo frank sein spendenaufrufbanner von oben auf der den rivva-seiten nach unten verlagert hat, müssten ihm eigentlich allein schon deswegen ganz viele leute eine fünf-euro-geste entgegenschleudern.
viele leute, ich auch, stellen derzeit fest, dass es eine kleine blog-renaissance gibt. ich kann aus erfahrung berichten, dass die erste welle von blogs vor ~15 jahren auch zu einem grossen teil auf dienste zurückzuführen war, die die vernetzung von blogs unterstüzten: technorati.com als blogsuchmaschine und tag-aggregator, der google reader mit sozialen funktionen, mit denen man blogbeiträge mit einer einfachen klick-geste anderen in den feed aggregieren konnte. der frühe erfolg von blogs damals™ wäre ohne diese und ein paar andere dienste kaum möglich gewesen.
was ich sagen will: die revolution braucht werkzeuge. und die renaissance erst recht. und ohne rivva siehts in sachen sichtbarkeit für viele blogs düster aus. oder anders gesagt: wer das bloggen liebt, sollte rivva auch (ein bisschen) lieben und das auch mit der einen oder anderen geste zeigen.
welche gesten möglich sind hat frank hier selbst aufgeschrieben, ich empfehle jeder und jedem sich ein steady-konto einzurichten, dann kann man neben rivva, auch das eine oder andere projekt mit kleinen finanziellen gesten unterstützen. oder wie frank zu seinem paypal-konto sagt:
bei heiko, wahrscheinlich beim rumklicken in seinem auf kirby migrierten blog, hab ich vor ein paar tagen diesen alten tweet trööt von sascha lob gefunden.
ich finde nach drei jahren kann man saschas aussage nochmal evaluieren. im grossen und ganzen gilt saschas aussage wohl noch. mastodon scheint twitters platz weder eingenommen zu haben, noch auf dem weg dahin zu sein. andererseits kann man aber auch sagen, dass „x“ ebenso wenig twitters platz eingenommen hat — und threads und bluesky auch nicht.
meine vermutung ist, dass keine plattform, oder kein soziales netzwerk, jemals wieder die globale öffentlichkeit herstellen wird, die twitter einmal hergestellt haben mag. ganz ähnlich wie es wahrscheinlich nie wieder eine sendung geben wird, die an einem abend 18 millionen menschen in DACH vor dem bildschirm versammelt, wie es 1999 noch wetten, dass…? konnte.
auch wenn die erfolgreicchsten videos, zum beispiel von kurzgesagt, zwischen 20 und 30 millionen views auf youtube erreichen, ist das unterm strich wohl nicht vergleichbar mit der reichweite und durchschlagskraft von fernsehsendungen in der guten alten fernsehzeit.
jetzt könnte ich sagen: mastodon ist eben nicht vergleichbar mit twitter oder alles ist eben anders, oder wie sascha es vor 3 jahren sagte: „Social Networks müssen sich ständig weiterentwickeln“ und entwickeln sich eben ständig weiter. instagram ist nicht mehr das instagram das es vor 10 jahren war, x ist kein twitter mehr und wer nutzt eigentlich noch facebook?
der witz ist allerdings, mastodon hat für mich den platz von twitter übernommen. ich nutze mastodon genau so, wie ich vor ein paar jahren twitter genutzt habe.
ich lese gelegentlich in meiner timeline, aber nicht öfter als ein, zweimal täglich. meine „öffentlichkeit“ fand nie in der twitter-timeline statt, genauso wie sie jetzt nicht in der mastodon-timeline stattfindet. meine öffentlichkeit habe ich mir selbst in meinem RSS-reader zusammenkuratiert. gelegentlich scrolle ich auch länger in meiner mastodon-timeline und ich freue mich, wenn ich interessantes entdecke, aber das sind dann eben zufallsfunde oder dinge die aufschwimmen, die ich auch anderswo gefunden hätte.
ich poste täglich ein, zwei mal auf mastodon, meisten dinge die ich vorher ins blog geschrieben habe, oft fotos. gelegentlich entwickeln sich um einzelne post von mir konversationen und ich gebe mir mühe auf antworten oder kommentare zu reagieren.
natürlich nutze ich mastodon auch in der hoffnung öffentlichkeit, aufmerksamkeit für meine beiträge herzustellen. allerdings weiss ich auch, dass das eher selten funktioniert, so wie das früher auch auf twitter war. hier mal ein like, mit etwas glück mal ein boost. manchmal treffe ich einen nerv und beiträge multiplizieren (boosten, retweeten) sich etwas weiter. auch das war auf twitter nicht anders.
vielleicht kann man das am besten mit einem bild beschreiben, was twitter für mich war und mastodon für mich heute ist: schaufnester in einer einkaufsstrasse. ich gehe nicht ständig einkaufen, aber wenn ich einkaufen gehe, schaue ich mir die auslagen anderer an. manchmal erhascht eine auslage meine aufmerksamkeit und ich bleibe stehen. vielleicht mache ich ein foto, vielleicht gehe ich in den laden und rede mit den inhabern des schaufensters. meisten lauf ich einfach durch oder kümmere mich um mein eigenes schaufenster. ich geb mir mühe selbst eine schöne auslage zu haben, aber ich weiss, dass die meisten an meiner auslage vorbeigehen — so wie ich es bei anderen tue. umso erfreuter bin ich, wenn gelegentlich ein paar leute vor meiner auslage stehenbleiben oder sogar andere leute herbeirufen. gelegentlich passiert das und wenn es mal interesse an meinem laden gibt, gebe ich mir mühe präsent zu sein und gegebenenfalls fragen zu beantworten oder die auslage zu erklären.
städte ändern sich ständig, genau wie soziale netzwerke. das muss auch nicht immer eine weiterentwicklung sein, das kann auch eine regression sein. in städten schätze ich deshalb auch oft die dinge, die sich nicht ändern. kneipen, restaurants, läden, die aus der zeit gefallen sind, seit jahrzehnten unverändert.
mastodon ist ein bisschen wie eine alte stammkneipe. die kneipe musste gelegentlich umziehen, aber das stamm-publikum folgte ihr zu grossen teilen. neue leute kommen jetzt auch wieder mehr, aber die stimmung, der vibe ist unverändert und vertraut.
ja mastodon ist nach wie vor „filterblasig“ und hyperlokal. es ist immer noch kompliziert und die bedienung erfordert eine lernkurve. alles in selbstbedienung mit furchtbar komplizierten apparaten. man kann auch seine eigenen apparate mitbringen und einstöpseln. das publikum ist vertraut und grundsätzlich sympathisch. manchmal richtet sich die aufmerksamkeit kurz auf einen selbst, meistens kann man komfortabel in der menge einfach rumhängen. oder nach hause gehen.
vielleicht ist das auch das beste an mastodon: es ist unaufgeregt, es bietet keine grosse show, es liegt eher ruhig in einer seitenstrasse. ich weiss ich verpasse nichts, wenn ich zuhause bleibe, aber wenn ich da bin isses vertraut und angenehm und wenn man hinschaut passiert auch mal was spannendes, vielelicht auch nur in einem kleinen nebenraum. schreihälse und deppen verirren sich selten zu mastodon, weil es ihnen zu langweilig erscheint und die bühne zu klein ist.
und wie so oft hat sascha lobo gleichzeitig 100% recht und liegt doch ganz leicht daneben.
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ich bin seit dem 22.01.2011 mitglied bei pinboard, habe 46.172 bookmarks dort angelegt und habe das konto 2021 für $150 für 60 monate in ein bezahl-konto umgewandelt. die 60 monate (5 jahre) sind am 21. februar um.
ich mag pinboard und ich mag maciej ceglowski der pinboard.in betreibt und gelegentlich bloggt oder vor publikum spricht. pinboard funktioniert seit jahren zuverlässig und ich nutze es mit einem bookmarklet um bookmarks anzulegen und mit einer integration in meinem RSS-reader miniflux, der automatisch ein bookmark bei pinboard anlegt, wenn ich etwas im RSS reader mit einem ⭐ markiere.
früher (so bis 2018), als ich fast täglich linkposts auf wirres.net veröffenticht habe, habe ich die links mit html auf pinboard kommentiert, mit s und w getaggt und dann importiert und morgens automatisch ein linkpost generieren lassen.
ich habe backlinks (leute die auf wirres.net linken) mit pinboard getrackt. der übergeordnete tag war linking2wirres und einzelne zitate, wie das hier auf turi2 war dann ein pinboard-bookmark in das einen tag mit der wirres.net-url hatte: link:http://wirres.net/article/articleview/10072/1/6/. indem ich die pinboard-api abfragte, konnte ich diese backlinks dann unter dem artikel anzeigen.
die technischen details sind eigentlich wurst. was ich sagen will, ich habe pinboard früher intensiv als werkzeug genutzt. seit mehreren jahren eigentlich nicht mehr wirklich. es flossen immer noch bookmarks aus meinem feedreader in pinboard, in der hoffnung, dass ich die bookmarks später nochmal ansehe und auf verwendbarkeit als link im blog prüfe.
aber seit dem relaunch vor knapp einem jahr frage ich mich, warum soll ich die werkzeuge mit denen ich arbeite auf basis von diensten bauen, die ich nicht kontrolliere und die jederzeit verschwinden können oder an arschlocher verkauft werden können?
ich glaube zwar nicht dass maciej ceglowski pinboard verkaufen würde, aber richtig sicher, ob pinboard noch 30 jahre existieren wird, bin ich auch nicht.
jetzt wo ich bookmarks und favoriten mit einem klick direkt in ströme hier auf wirres.net werfen kann, sie mit ein, zwei weiteren klicks nach vorne ins schaufenster holen kann frage ich mich: warum soll ich noch pinboard nutzen? ein grund fällt mir ein: um maciej ceglowski zu unterstützen. aber geld für einen dienst zu bezahlen, den ich nicht mehr wirklich nutze ist dann acuh für mich einen ticken zu absurd.
ich habe mich trotz der freundlichen erinnerungsmails von maciej ceglowski dafür entschieden, mein pinboard-abo nicht mehr zu verlängern. stattdessen habe ich mir ein kleines script gebaut, dass alles was ich in meinem RSS-reader markiere jetzt in den bookmarks-fluss wirft, von wo ich das bookmark dann weiterverarbeiten kann oder, wie auf pinboard, einfach rumliegen lassen und vergessen kann. auch youtube-favoriten landen jetzt automatisch im favoriten-fluss und ich bin mir sicher, mir fallen nopch viele neue automatisierungen und arbeitserleicherungen ein, die ich mit meinen eigenen werkzeugen, in meiner eignen hemishäre bauen kann.
tl;dr: ich bin seit 15 jahren aktiver pinboard.in nutzer, möchte das ab jetzt aber alles lieber selbst machen und bin deshalb ab jetzt inaktiver pinboard.in-nutzer.
um 12 uhr mache ich mittag. manchmal auch fünf bis zehn minuten später. dann sage ich: „hey snips, 25 minuten mittagsschlaf“, was einen sanften wecker stellt, den rechner ausschaltet und 25 minuten alle geräte auf DND (oder wie apple sagt, fokus auf „nicht stören“) stellt und lege mich hin.
sobald ich wieder wach bin, mache ich mir einen quark mit süssstoff und TK obst und lese 15 minuten in meinem RSS reader. neben dem morgenspaziergang, dem frühstück und dem feierabendbier ist das der beste teil meiens tages.
heute habe ich dann dann eine sehr schöne entdeckung gemacht, die mich dann vom weiteren RSS-konsum abhielt.
When I was 22 I would stand on the roof of my apartment at Smith & 9th St. in Brooklyn and watch the elevated MTA F-train go back and forth, and wonder, Where will I go? The answer: Back and forth.
paul ford schreibt beruflich und das sehr viel und gut. vor ein paar monaten entschied sich paul ford seinen „stuff scattered all over the web“ in seinen eigenen „blob“ zu ziehen. ein zuhause im netz für sein zeug. tweets, veröffentlichungen, links und gedöns. mit viel expertise gevibecodet. in etwa das was ich mir hier auch baue, nur in strukturierter.
mittlerweile glaube ich, dass die gefühlte blog-renaissance auch zu einem grossen teil auf LLM-basierte coding-assistenz zurück zu führen ist. heiko hat mit hilfe von claude den sprung von wordpress zu kirby gemacht, paul ford hat seine imports mit claude gemacht und ich hätte den umzug aus meinem antiken und kaputten ezpublish auch nicht ohne maschinen-assistenz hinbekommen. ich verstehe den reiz von wordpress: das funktioniert wie ein pop-up-zelt: hinstellen, an einer leine ziehen und zack steht das zelt und just works. aber genau so verstehe ich den reiz sich einen soliden baukasten zu besorgen und dann alles, mit etwas assistenz, selbst zu bauen.
sich ein zuhause im web zu bauen ist weiterhin nicht trivial, aber mit etwas expertise und erfahrung eben auch keine grossbaustelle und mit ein bisschen hingabe und beharrlichkeit für fast jede erreichbar.
paul fords berichte aus dem maschinenraum haben etwas poetisches. ich lese (und sehe) sehr, sehr gerne was andere über die technik in ihren maschinenräumen berichten. aber bei paul ford ist das ein besonderes vergnügen. hier schreibt er über den irrsinn der manischen bot-armeen, die wie berserker webseiten abhämmern. wenn so ein zuhause ungeschützt im windigen, weltweiten netz steht, ist es erstaunlich zu beobachten, was diese bot-armeen so treiben.
in den letzten monaten ging mein server auch gelegentlich durch solche besuche in die knie, bis ich die bots mit mit einer 5 minuten langen aktivierung von cloudflare vertreiben konnte. anfang der woche schossen meine besucherzahlen über zwei tage von 300 täglichen besuchern auf fast 1000. irgendwer hatte sich die mühe gemacht ein „headless“ chrome so viele meiner seiten wie möglich lesen zu lassen. dieses headless chrome konnte, im gegenteil zu anderen crawlern, auch javascript und den matomo-js-schnipsel ausführen, weshalb es sich in meiner, ansonsten ziemlich botfreien, matomo-statistik deutlich bemerkbar machte — als besucher aus allen teilen der welt.
jedenfalls ist das alles irrsinn und ich bin erstaunt wie kopflos, stumpf und brute forcig diese bots vorgehen. auch deshalb mag ich schon länger nicht mehr glauben, dass selbstfahrende autos, also bot-autos, irgendwas an der verkehrssituation zum positiven verbessern würden. da hinter jedem bot auch menschen stehen, sorgt es wahrscheinlich für keinen merklichen unterschied, wenn bots, statt menschen autos steuern, auch wenn manche das noch fest glauben. die nutzung von LLMs, die zusammenarbeit mit bots und die beobachtung ihres trainings in der freien wildbahn zeigen: es sind dann nicht weniger fehler, nur andere fehler, anderer irrsinn, die dann passieren.
statt eines schlussworts, heute ein schlussgeräusch.
doch noch ein schlusswort. aus dem strom der favoriten und bookmarks, die ich im hinterhof sammle, habe ich jetzt einen „river“ gemacht, der favoriten und bookmarks gemeinsam anzeigt. die favoriten und bookmarks, die ich in artikeln verwende, werden etwas ausgefadet angezeigt. ich finde das sehr praktisch. und ich sehe paralellen: ich bin auch so art eine crawlender, haulender bot im netz und sammle erstmal, leicht kopflos, alles was mir auf den ersten blick gefällt. und später wird das alles dann nochmal ausgewertet und auf weiterverwendbarkeit und teilbarkeit geprüft.
Wann hast du zum letzten mal richtig hart nachgedacht?
wenn ich über die frage nachdenke muss ich sagen: nie.
ich denke nicht „hart“. ich taste mich eher an antworten, lösungen, ziele oder auch texte heran. ich sitze zum beispiel gerade hier auf dem sofa, bin inspiririert von thomas frage und denke nicht über eine antwort nach, sondern suche formulierungen oder bilder um die antwort die mir vorschwebt zu fassen oder zu begreifen.
diese antwort ist nichts über das ich hart nachdenken müsste (oder könnte), sie ist schon halb fertig da, vielleicht noch fragil, weich und formbar, ich muss sie nur herausarbeiten. ich muss dem prozess in meinem kopf nur zuzuarbeiten. das eigentliche denken findet dann ohne mich statt. ich muss nur für inspiration sorgen, skizzen anfertigen, wortballons steigen lassen, vielleicht ein bisschen abschweifen und quatsch machen.
eigentlich bedeutet nachdenken für mich mit einem thema zeit zu verbringen. wenn ich mich einmal in ein thema eingehakt habe, verändert sich meine wahrnehmung. ich kann ich mich relativ weit vom thema entfernen und trotzdem inspiriert alles dem ich begegne die sache mit der ich mich gerade beschäftige.
der entscheidende punkt ist also nicht härte oder konzentration, sondern die hingabe, die beharrlichkeit, der wille zeit mit einem problem, einer frage, einer lösungsfindung zu verbringen. je weicher, je flexibler ich diesen prozess steuere, desto besser das ergebnis.
eine bessere frage könnte also lauten: wann hast du dich zum letzten mal einer sache hingegeben und bist beharrlich dran geblieben?
heute früh um 7:30 uhr hatten wir einen termin um das auto in tegel zur inspektion zu bringen. der plan war: hinfahren abgeben, eine stunde morgenspaziergang und danach mit der bahn bis nach hause fahren.
das hinfahren klappte gut. autofahren im tiefsten winter in berlin ist wirklich angenehm. während man sich auf dem bürgersteig nicht wie ein bürger, sondern eher wie ein affe auf dem schleifstein fühlt, der von einer split-spur zur nächsten balanciert um sich nicht die knochen zu brechen, fühlt man sich als autofahrer in berlin wie ein kaiser. die strassen sind trocken, das auto ist geheizt, dass wetter lässt sich zu 100% ausblenden — bis man aussteigt.
der rückweg klappte weniger gut, wegen des warnstreiks der BVG in berlin fuhren weder busse, noch u- oder strassenbahnen. von der werkstatt in tegel bis nach hause wären es andertalb stunden fussweg gewesen. bei -7°C eine herausforderung. glücklicherweise fuhren die s-bahnen. so sind wir eine stunde von tegel über gesundbrunnen nach westhafen gefahren und dann vom westhafen 30 minuten bis nach hause gelaufen.
die luft war stechend kalt, so kalt, dass ich hoffte ein stück unter tage gehen zu können, durch den ubahnhof amruner strasse, um frida und mich zumindest 400 meter lang ein bisschen aufwärmen zu können. das ging natürlich nicht, weil der ubahnhof abgeschlossen war. ich fragte mich, wo denn wohl die obdachlosen die sonst da unten sitzen ihren tag verbringen würden, wenn die ubahnhöfe alle geschlossen sind. ich will mich nicht über streiks und streikende aufregen, aber den nahverkehr für leute ohne auto aus geheizten blechbüchsen an die frische, sehr, sehr kalte luft zu verlegen kam mir am heutigen tag nicht besonders solidarisch vor.
dank der s-bahn gab es dann letztendlich keine verzögerungen im betriebsablauf meines arbeitstages, ich hatte sogar noch zeit ordentlich zu frühstücken vor dem daily.
abends die dritte folge von a knight of the seven kingdoms geguckt. das war die bisher beste folge, auch wenn die beiden vorher auch toll waren. ich mag dass die serie klein bleibt, hauptsächlich die perspektiver der einfachen und nicht der adeligen leute zeigt. game of thrones war pink floyd. knight of the seven kingdoms ist johnny cash. freude an den kleinen dingen, an den details. alltag statt weltpolitik. salzfleisch, statt fasan. und nicht nur arschlöcher, auch mal nette menschen.
seit wann zeigt google maps bei der navigation ein kleines auto, statt eines pfeils an?
für einen moment dachte ich: woher zum teufel weiss google maps, dass ich einen grauen ID3 fahre? dann fiel mir auf: ein grauer ID3 ist so generisch, dass es generischer nicht mehr geht. das icon in google maps ist kein grauer ID3, sondern ein generische auto-icon.
heiko ist jetzt (auch) auf kirby umgestiegen. find ich gut. hut up was er da schon hingezaubert hat. jetzt darf er auch optimieren, was ein grosser spass ist.
nachtrag 03.02.2026:
dank der anregung von christoph in den kommentaren mal in den google maps einstellungen geguckt. scheint ein generisches icon zu sein, aber passend automatisch ausgesucht. so sieht’s in den einstellungen aus. ich hatte da vorher nur „e-auto“ ausgewählt, die autoavatare sind neu, jetzt hab ich allerdings die farbe von weiss zu grau umgestellt.
(via)