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ela­bo­rier­te kul­tur­tex­te

felix schwenzel in artikel

cover von walter moers roman qwert

@jan­schmidt hat sei­ne fol­gen­den ge­fragt ob er qwert oder was an­de­res le­sen soll. qwert ist der neue ro­man von wal­ter moers (ver­lang­slink). wal­ter moers habe ich ein biss­chen aus den au­gen ver­lo­ren. nach­dem ich 2004 die 13 ½ le­ben des käpt’n blau­bär ganz gran­di­os fand, fand ich 2013 das la­by­rinth der träu­men­den bü­cher ganz furcht­bar und mit sei­nem kliff­hän­ger mit­ten in der ge­schich­te auch un­ver­fro­ren. rumo hab ich dann, glau­be ich, wie­der mit gros­sem ver­gnü­gen ge­le­sen und dann nix mehr. der out­put von moers über die letz­ten jah­re scheint aber laut ver­lags­au­to­ren­sei­te kaum nach­ge­las­sen zu ha­ben.

ich habe er­freut fest­ge­stellt, dass die e-buch-ver­si­on von qwert bei tha­lia zwar so viel wie die ge­bun­de­ne aus­ga­be kos­tet (39,99 €), aber man da­für eine epub-da­tei ohne ko­pier­schutz be­kommt. das ist mal lo­bens­wert und ich über­le­ge mir mal ein paar tage ur­laub zu neh­men um das buch auf dem sofa bin­ge­zu­le­sen.


gemälde von ferdinand pauwels miot dem titel: „luther entdeckt die bibel“. aber eigentlich scheint luther vor einer bibel zu stehen und sie auszumessen

lorenz meyer teaserte diesen text von tilman baum­gär­tel vor ein paar tagen auf 6 vor 9 mit diesen worten an:

Tilman Baum­gär­tel beklagt in seinem Essay, dass ela­bo­rier­te Kul­tur­tex­te in der heutigen Auf­merk­sam­keits­öko­no­mie kaum noch Resonanz fänden, da die Reich­wei­te von Print­me­di­en schwinde, und Social-Media-Al­go­rith­men dif­fe­ren­zier­te Inhalte sys­te­ma­tisch be­nach­tei­li­gen würden.

über die­se eher un­dif­fe­ren­zier­te an­sicht woll­te ich mich gleich nach dem le­sen des teasers auf­re­gen und selbst was su­per-dif­fe­ren­zier­tes schrei­ben, aber das es­say von til­man baum­gär­tel liest sich bes­ser, als die teaser beim bild­blog oder über dem text bei der taz, ver­mu­ten las­sen. aber der text bie­tet trotz­dem nicht viel mehr als an­ek­do­ti­sche evi­denz: baum­gär­tel meint, frü­her habe es im­mer wie­der er­freu­li­ches Feed­back“ auf „lan­ge, feuil­le­to­nis­ti­sche Ar­ti­kel“ ge­ge­ben — und jetzt nicht mehr.

ich hab aus der ver­gan­ge­nen zeit der gate­kee­per auch die eine oder an­de­re an­ek­do­te. na­tür­lich ha­ben er­wäh­nun­gen von oder in­ter­views mit mir oder gar ar­ti­kel über mich in über­re­gio­na­len oder re­gio­na­len me­di­en ge­le­gent­lich spür­ba­res feed­back er­zeugt1 — wenn die gate­kee­per ihre tore mal ei­nen spalt öff­ne­ten. aber da­mals wa­ren mas­sen­me­di­en eben auch noch mas­sen­me­di­en und noch nicht durch­frag­men­ta­ri­si­ert. da­mals lenk­ten die tore, über die die gate­kee­per wach­ten, noch reis­sen­de flüs­se, jetzt plät­schert an die­se tore im bes­ten fall noch ein gluck­sen­der bach.

der auf­merk­sam­keits-markt ist grös­ser, lau­ter und un­über­sicht­li­cher ge­wor­den, für alle be­tei­lig­ten. es bil­den sich neue gate­kee­per-clus­ter, in­fluen­cer ge­win­nen an ein­fluss (scnr) und ge­druck­tes ist, wie vi­nyl, von ei­nem mas­sen­pro­dukt zu ei­nem lieb­ha­ber­pro­dukt ge­wor­den. ich hab hier ge­nau­so we­nig neue er­kennt­nis­se, wie til­man baum­gär­tel:

Dass man mit Vi­deo­schnip­sel-De­bat­ten­bei­trä­gen mehr Auf­merk­sam­keit als mit ela­bo­rier­ten Tex­ten er­hal­ten kann, ist zwar kei­ne neue Er­kennt­nis. Ich war bloß noch nie auf die Idee ge­kom­men, dass das auch für mich und mei­ne Kul­tur­ar­ti­kel gel­ten könn­te. Doch of­fen­bar be­we­gen wir uns dank So­cial Me­dia und Vi­deo­re­els wie­der in Rich­tung ei­ner ora­len Kul­tur, wie sie der Li­te­ra­tur­wis­sen­schaft­ler Wal­ter Ong be­schrie­ben hat.

wal­ter ong hab ich nicht ge­le­sen. wohl aber neil post­man. vor vier­zig jah­ren. der wur­de nicht müde zu ar­gu­men­tie­ren, dass die vor­herr­schaft des ge­druck­ten worts durch das zeit­al­ter des fern­se­hens, der bil­der und des amü­se­ments ab­ge­löst wür­de, bzw. schon wur­de. des­halb fra­ge ich mich: wa­ren die­se „ela­bo­rier­ten Kul­tur­tex­te“ über­haupt je­mals be­son­ders po­pu­lär? wa­ren die le­ser von so­was nicht im­mer schon eine ver­schwin­dend klei­ne spe­cial in­te­rest frak­ti­on der be­völ­ke­rung? war­um hat der in­fl­luen­cer mar­cel reich ra­ni­cki das li­te­ra­ri­sche quar­tett in den 80er jah­ren ins fern­se­hen ge­hievt? weil sich schon da­mals kei­ne sau für „ela­bo­rier­te Kul­tur­tex­te“ oder buch­kri­ti­ken in den ge­druck­ten me­di­en zu in­ter­es­sie­ren schien. also hat er mit ein paar be­kann­ten mit 70 mi­nu­ten lan­gen vi­deo­schnip­sel-de­bat­ten­bei­trä­gen ver­sucht mehr auf­merk­sam­keit für bü­cher zu ge­ne­rie­ren.

wenn ich mich recht an mei­nen ge­schichts­un­te­richt er­in­ne­re war mar­tin lu­ther, ge­nau wie post­man und ong da­von ge­nervt, dass die ka­tho­li­sche kir­che den glau­ben vor al­lem durch bil­der, sta­tu­en, ri­tua­le und per­for­man­ces ver­mit­tel­te und nicht sola scrip­tu­ra („al­lein durch die schrift“).

was ich sa­gen will: dif­fe­ren­zier­te, ela­bo­rier­te tex­te ha­ben es schon im­mer schwer ge­habt ein brei­tes pu­bli­kum zu fin­den. und viel­leicht ha­ben sich in­tel­lek­tu­el­le vor 20, 30, 100 oder 500 jah­ren, ge­nau wie der eine oder an­de­re blog­ger vor 20 jah­ren, da­von ein­lul­len las­sen, dass die de­bat­ten in vie­len fil­ter­bla­sen eben von in­tel­lek­tu­el­len do­miert wur­den und so eine et­was ein­di­men­sio­na­le, un­rea­lis­ti­sche wahr­neh­mung von re­so­nanz, re­le­vanz oder po­pu­la­ri­tät er­zeug­ten.

viel­leicht müs­sen me­di­en­schaf­fen­de (da zäh­le ich mich durch­aus mit dazu) ein­fach da­mit le­ben ler­nen, dass ihre tex­te ei­ner­seits eine sehr be­grenz­te, sehr klei­ne ziel­grup­pe ha­ben und dass es an­de­rer­seits im­mer schon schwer war die­se über­schau­ba­re ziel­grup­pe über­haupt zu er­rei­chen. feuil­le­tons wa­ren so­was wie ag­gre­ga­to­ren und such­ma­schi­nen der frü­hen zeit für „ela­bo­rier­te“, an­spruchs­vol­le­re tex­te, werk­zeu­ge um auf­merk­sam­keit­strö­me in ei­nem ge­wis­sen rah­men zu len­ken und zu ma­ni­pu­lie­ren oder zu sub­ven­tio­nie­ren.

um so wich­ti­ger dür­te es sein, die nut­zung des of­fe­nen webs wei­ter für ver­net­zung, ag­gre­ga­ti­on, emp­feh­lun­gen und ei­gen­ver­lag zu nut­zen. die ziel­grup­pe, klein und über­schau­bar, ist noch da, sie fin­det den gan­zen ela­bo­rier­ten scheiss nur im­mer schwe­rer. das kann man än­dern, in­dem man sich nicht mehr an den gros­sen plat­for­men ori­en­tiert, son­dern sich so gut wie mög­lich ver­netzt, fö­de­riert und werk­zeu­ge wei­ter­ent­wi­ckelt, ex­pe­ri­men­tiert und sein pu­bli­kum selbst ein­sam­melt und be­dient.

lu­ther nutz­te da­mals auch mo­der­ne werk­zeu­ge beim ver­such die men­schen aus den bild­wel­ten der kir­che zu zer­ren. und wie lu­ther ste­hen wir mäch­ti­gen gi­gan­ten ge­gen­über, aber wenn wir uns auf die kraft des ge­schrie­ben wor­tes ver­las­sen, tech­no­lo­gien klug nut­zen, er­tra­gen, dass die meis­ten men­schen uns igno­rie­ren und kaum wahr­neh­men, ha­ben wir viel­leicht doch die chan­ce hier und da je­man­den zu be­rüh­ren und viel­leicht auch was zu ver­än­dern.

am ende ist re­le­vanz fir­le­fanz und statt ei­nes mas­sen­pu­bli­kums ist ein or­dent­li­cher, selbst­ge­bau­ter re­so­nanz­raum wahr­schein­lich oh­ne­hin die bes­se­re lö­sung.


  1. vor zwan­zig jah­ren gabs das mal, dass sich zeit­wei­se arte, die taz und ber­li­ner zei­tung oder me­di­en­ma­ga­zi­ne für blog­ger und ge­le­gent­lich auch mich in­ter­es­sier­ten. 


riv­va un­ter­stüt­zen

felix schwenzel in artikel

tl;dr: un­ter­stützt riv­va!


ich bin nicht si­cher ob es ein doo­fer ver­gleich ist, aber ich zie­he ihn trotz­dem. und zwar ein le­cker­chen-ver­gleich.

le­cker­chen sind für die hun­de­er­zie­hung ein wich­ti­ges werk­zeug. auch wenn fri­da un­ser ers­ter hund ist und ich kei­ne ah­nung von hun­de­er­zie­hung hat­te, war mei­ne ers­te er­zie­hungs-ak­ti­on fri­da bei­zu­brin­gen le­cker­chen auf­zu­fan­gen, die ich ihr zu­wer­fe. fri­da hat so in ih­rem ers­ten hal­ben le­bens­jahr fast die hälf­te ih­res re­gu­lä­ren tro­cken­fut­ters von mir in ein­zel­stück­chen zu­ge­wor­fen be­kom­men. mo­na­te­lang. das war gut um ihre re­ak­ti­ons­fä­hig­keit zu trai­nie­ren, aber es hat ihr auch ein ge­fühl ver­mit­telt, dass der auf­ent­halt an mei­ner lin­ken sei­te ir­gend­wie gut und rich­tig ist.

mitt­ler­wei­le ver­ste­hen fri­da und ich uns auch ohne le­cker­chen, sie er­kennt an mei­nen lau­ten, ges­ten, mei­ner kör­per­hal­tung, ob ich et­was gut fin­de oder eher nicht. trotz­dem habe ich imemr noch, fast im­mer, le­cker­chen da­bei und be­loh­ne al­les was sie aus mei­ner sicht rich­tig macht. wenn sie ein­fach an krä­hen oder tau­ben vor­bei­läuft ohne auf­re­gung zu zei­gen (was ihr mitt­ler­wei­le leicht fällt): lercker­chen. wenn sie sich beim war­ten an ei­ner ro­ten am­pel an mein lin­kes bein drückt: le­cker­chen. wenn sie ein eich­hörn­chen sieht und es nicht ja­gen möch­te (was ihr schwer fällt): le­cker­chen.

der witz ist al­ler­dings: die le­cker­chen an sich, sind für fri­da gar nicht das in­ter­es­san­te. es ist die ges­te. ein le­cker­chen ver­stärkt nur noch­mal das das was ich mit mei­nen lau­ten, mei­nen ges­ten, mei­ner kör­per­hal­tung oh­ne­hin schon aus­drü­cke: ich find gut was du machst, das kannst du ge­nau so wei­ter ma­chen.

hun­de sind sehr gut im er­ken­nen von in­ten­ti­on. wir men­schen auch. on­line, wenn ges­ten, mi­mik und kör­per­hal­tung feh­len, wird es für uns men­schen manch­mal schwe­rer in­ten­ti­on zu er­ken­nen oder in­ten­ti­on aus­zu­drü­cken.

ich habe ein paar mo­nat­li­che abos, die für sich ge­nom­men eher klein und un­be­deu­tend sind, von de­nen ich mir al­ler­dings ein­bil­de, da­mit auch wert­schät­zung für die zum aus­druck zu brin­gen, an die ich die­se klei­nen mo­nat­li­chen be­trä­ge zah­le. wie bei fri­da könn­te ich die­se wert­schä­zung auch an­ders zum aus­druck brin­gen, freund­li­che emails oder blog­bei­trä­ge schrei­ben oder emp­feh­lun­gen aus­spre­chen; das wür­de wahr­schein­lich eine ähn­li­che wir­kung ha­ben.

und trotz­dem fin­de ich, dass die re­gel­mäs­si­ge zah­lung von klei­nen, aber re­gel­mäs­si­gen be­trä­gen eine wich­ti­ge und rich­tu­ge ges­te ist. des­halb zah­le ich (zum bei­spiel) der wi­ki­pe­dia, netz­po­li­tik, über­me­di­en, dem gu­ten in­ter­net, home-as­sistant, dem plötz­blog und riv­va re­gel­mäs­sig mo­na­ti­che be­trä­ge zwi­schen ei­nem und zehn euro. ich kau­fe ge­le­gent­lich apps die ich nicht un­be­dingt brau­che, aber un­ter­stüt­zens­wert fin­de, ich ma­che ge­le­gent­lich bei open source pro­jek­ten ein­mal­zah­lun­gen, wenns ein­fach geht und mir die pro­jek­te, war­um auch im­mer, ge­fal­len.

das sind ei­ner­seits al­les pea­nuts, kei­ne welt­be­we­gen­den be­trä­ge von de­nen je­mand le­ben könn­te, aber eben auch je­weils eine ges­te. eine ges­te die sagt: ich fin­de gut was ihr macht, macht von mir aus ge­nau so wei­ter.

und ich fin­de riv­va seit sei­ner ge­burts­stun­de so nütz­lich, dass ich be­reits seit sie­ben jah­ren mit klei­nen fi­nan­zi­el­len ges­ten wild ges­ti­ku­lie­re.

of­fen­sicht­lich den­ken nicht alle so wie ich. das ist ei­ner­seits gut so, aber an­de­rer­seits auch ein biss­chen trau­rig, zu­min­dest wenn ich mir die­sen screen­shot von der riv­va-un­ter­stüt­zer­sei­te auf ste­ady an­se­he.

21 leu­te? ich bin si­cher, dass sich in deutsch­land mehr als 21 leu­te fin­den die frank west­phal sa­gen wür­den: „ich fin­de gut was du machst, macht bit­te ge­nau so wei­ter und ger­ne auch dar­über hin­aus.“ (ich weiss, ins­ge­samt un­ter­stüt­zen frank mehr als 21 leu­te.)

spä­tes­tens jetzt, wo frank sein spen­den­auf­ruf­ban­ner von oben auf der den riv­va-sei­ten nach un­ten ver­la­gert hat, müss­ten ihm ei­gent­lich al­lein schon des­we­gen ganz vie­le leu­te eine fünf-euro-ges­te ent­ge­gen­schleu­dern.

vie­le leu­te, ich auch, stel­len der­zeit fest, dass es eine klei­ne blog-re­nais­sance gibt. ich kann aus er­fah­rung be­rich­ten, dass die ers­te wel­le von blogs vor ~15 jah­ren auch zu ei­nem gros­sen teil auf diens­te zu­rück­zu­füh­ren war, die die ver­net­zung von blogs un­ter­stüz­ten: tech­no­ra­ti.com als blog­such­ma­schi­ne und tag-ag­gre­ga­tor, der goog­le rea­der mit so­zia­len funk­tio­nen, mit de­nen man blog­bei­trä­ge mit ei­ner ein­fa­chen klick-ges­te an­de­ren in den feed agg­re­gie­ren konn­te. der frü­he er­folg von blogs da­mals™ wäre ohne die­se und ein paar an­de­re diens­te kaum mög­lich ge­we­sen.

was ich sa­gen will: die re­vo­lu­ti­on braucht werk­zeu­ge. und die re­nais­sance erst recht. und ohne riv­va siehts in sa­chen sicht­bar­keit für vie­le blogs düs­ter aus. oder an­ders ge­sagt: wer das blog­gen liebt, soll­te riv­va auch (ein biss­chen) lie­ben und das auch mit der ei­nen oder an­de­ren ges­te zei­gen.

wel­che ges­ten mög­lich sind hat frank hier selbst auf­ge­schrie­ben, ich emp­feh­le je­der und je­dem sich ein ste­ady-kon­to ein­zu­rich­ten, dann kann man ne­ben riv­va, auch das eine oder an­de­re pro­jekt mit klei­nen fi­nan­zi­el­len ges­ten un­ter­stüt­zen. oder wie frank zu sei­nem pay­pal-kon­to sagt:

Jetzt eine Mün­ze in die Bord­kas­se wer­fen!


mast­o­don

felix schwenzel in artikel

bei hei­ko, wahr­schein­lich beim rum­kli­cken in sei­nem auf kir­by mi­grier­ten blog, hab ich vor ein paar ta­gen die­sen al­ten tweet trööt von sa­scha lob ge­fun­den.

(via)

ich fin­de nach drei jah­ren kann man sa­schas aus­sa­ge noch­mal eva­lu­ie­ren. im gros­sen und gan­zen gilt sa­schas aus­sa­ge wohl noch. mast­o­don scheint twit­ters platz we­der ein­ge­nom­men zu ha­ben, noch auf dem weg da­hin zu sein. an­de­rer­seits kann man aber auch sa­gen, dass „x“ eben­so we­nig twit­ters platz ein­ge­nom­men hat — und th­reads und blues­ky auch nicht.

mei­ne ver­mu­tung ist, dass kei­ne platt­form, oder kein so­zia­les netz­werk, je­mals wie­der die glo­ba­le öf­fent­lich­keit her­stel­len wird, die twit­ter ein­mal her­ge­stellt ha­ben mag. ganz ähn­lich wie es wahr­schein­lich nie wie­der eine sen­dung ge­ben wird, die an ei­nem abend 18 mil­lio­nen men­schen in DACH vor dem bild­schirm ver­sam­melt, wie es 1999 noch wet­ten, dass…? konn­te.

auch wenn die er­folg­reicchs­ten vi­de­os, zum bei­spiel von kurz­ge­sagt, zwi­schen 20 und 30 mil­lio­nen views auf you­tube er­rei­chen, ist das un­term strich wohl nicht ver­gleich­bar mit der reich­wei­te und durch­schlags­kraft von fern­seh­sen­dun­gen in der gu­ten al­ten fern­seh­zeit.

jetzt könn­te ich sa­gen: mast­o­don ist eben nicht ver­gleich­bar mit twit­ter oder al­les ist eben an­ders, oder wie sa­scha es vor 3 jah­ren sag­te: „So­cial Net­works müs­sen sich stän­dig wei­ter­ent­wi­ckeln“ und ent­wi­ckeln sich eben stän­dig wei­ter. in­sta­gram ist nicht mehr das in­sta­gram das es vor 10 jah­ren war, x ist kein twit­ter mehr und wer nutzt ei­gent­lich noch face­book?

der witz ist al­ler­dings, mast­o­don hat für mich den platz von twit­ter über­nom­men. ich nut­ze mast­o­don ge­nau so, wie ich vor ein paar jah­ren twit­ter ge­nutzt habe.

ich lese ge­le­gent­lich in mei­ner time­line, aber nicht öf­ter als ein, zwei­mal täg­lich. mei­ne „öf­fent­lich­keit“ fand nie in der twit­ter-time­line statt, ge­nau­so wie sie jetzt nicht in der mast­o­don-time­line statt­fin­det. mei­ne öf­fent­lich­keit habe ich mir selbst in mei­nem RSS-rea­der zu­sam­men­ku­ra­tiert. ge­le­gent­lich scrol­le ich auch län­ger in mei­ner mast­o­don-time­line und ich freue mich, wenn ich in­ter­es­san­tes ent­de­cke, aber das sind dann eben zu­falls­fun­de oder din­ge die auf­schwim­men, die ich auch an­ders­wo ge­fun­den hät­te.

ich pos­te täg­lich ein, zwei mal auf mast­o­don, meis­ten din­ge die ich vor­her ins blog ge­schrie­ben habe, oft fo­tos. ge­le­gent­lich ent­wi­ckeln sich um ein­zel­ne post von mir kon­ver­sa­tio­nen und ich gebe mir mühe auf ant­wor­ten oder kom­men­ta­re zu re­agie­ren.

na­tür­lich nut­ze ich mast­o­don auch in der hoff­nung öf­fent­lich­keit, auf­merk­sam­keit für mei­ne bei­trä­ge her­zu­stel­len. al­ler­dings weiss ich auch, dass das eher sel­ten funk­tio­niert, so wie das frü­her auch auf twit­ter war. hier mal ein like, mit et­was glück mal ein boost. manch­mal tref­fe ich ei­nen nerv und bei­trä­ge mul­ti­pli­zie­ren (boos­ten, ret­wee­ten) sich et­was wei­ter. auch das war auf twit­ter nicht an­ders.

viel­leicht kann man das am bes­ten mit ei­nem bild be­schrei­ben, was twit­ter für mich war und mast­o­don für mich heu­te ist: schauf­nes­ter in ei­ner ein­kaufs­stras­se. ich gehe nicht stän­dig ein­kau­fen, aber wenn ich ein­kau­fen gehe, schaue ich mir die aus­la­gen an­de­rer an. manch­mal er­hascht eine aus­la­ge mei­ne auf­merk­sam­keit und ich blei­be ste­hen. viel­leicht ma­che ich ein foto, viel­leicht gehe ich in den la­den und rede mit den in­ha­bern des schau­fens­ters. meis­ten lauf ich ein­fach durch oder küm­me­re mich um mein ei­ge­nes schau­fens­ter. ich geb mir mühe selbst eine schö­ne aus­la­ge zu ha­ben, aber ich weiss, dass die meis­ten an mei­ner aus­la­ge vor­bei­ge­hen — so wie ich es bei an­de­ren tue. umso er­freu­ter bin ich, wenn ge­le­gent­lich ein paar leu­te vor mei­ner aus­la­ge ste­hen­blei­ben oder so­gar an­de­re leu­te her­bei­ru­fen. ge­le­gent­lich pas­siert das und wenn es mal in­ter­es­se an mei­nem la­den gibt, gebe ich mir mühe prä­sent zu sein und ge­ge­be­nen­falls fra­gen zu be­ant­wor­ten oder die aus­la­ge zu er­klä­ren.

städ­te än­dern sich stän­dig, ge­nau wie so­zia­le netz­wer­ke. das muss auch nicht im­mer eine wei­ter­ent­wick­lung sein, das kann auch eine re­gres­si­on sein. in städ­ten schät­ze ich des­halb auch oft die din­ge, die sich nicht än­dern. knei­pen, re­stau­rants, lä­den, die aus der zeit ge­fal­len sind, seit jahr­zehn­ten un­ver­än­dert.

mast­o­don ist ein biss­chen wie eine alte stamm­knei­pe. die knei­pe muss­te ge­le­gent­lich um­zie­hen, aber das stamm-pu­bli­kum folg­te ihr zu gros­sen tei­len. neue leu­te kom­men jetzt auch wie­der mehr, aber die stim­mung, der vibe ist un­ver­än­dert und ver­traut.

ja mast­o­don ist nach wie vor „fil­ter­bla­sig“ und hy­per­lo­kal. es ist im­mer noch kom­pli­ziert und die be­die­nung er­for­dert eine lern­kur­ve. al­les in selbst­be­die­nung mit furcht­bar kom­pli­zier­ten ap­pa­ra­ten. man kann auch sei­ne ei­ge­nen ap­pa­ra­te mit­brin­gen und ein­stöp­seln. das pu­bli­kum ist ver­traut und grund­sätz­lich sym­pa­thisch. manch­mal rich­tet sich die auf­merk­sam­keit kurz auf ei­nen selbst, meis­tens kann man kom­for­ta­bel in der men­ge ein­fach rum­hän­gen. oder nach hau­se ge­hen.

viel­leicht ist das auch das bes­te an mast­o­don: es ist un­auf­ge­regt, es bie­tet kei­ne gros­se show, es liegt eher ru­hig in ei­ner sei­ten­stras­se. ich weiss ich ver­pas­se nichts, wenn ich zu­hau­se blei­be, aber wenn ich da bin is­ses ver­traut und an­ge­nehm und wenn man hin­schaut pas­siert auch mal was span­nen­des, viel­elicht auch nur in ei­nem klei­nen ne­ben­raum. schrei­häl­se und dep­pen ver­ir­ren sich sel­ten zu mast­o­don, weil es ih­nen zu lang­wei­lig er­scheint und die büh­ne zu klein ist.

und wie so oft hat sa­scha lobo gleich­zei­tig 100% recht und liegt doch ganz leicht da­ne­ben.


pin­board.in

felix schwenzel in artikel

This is a fri­end­ly re­min­der that your Pin­board sub­scrip­ti­on (user­na­me: di­plix) ex­pi­res on 21 Fe­bru­ary 2026. If you wish to keep using the site, you'll need to vi­sit https://pin­board.in/u:di­plix/ex­tend/ and ex­tend your sub­scrip­ti­on.

ich bin seit dem 22.01.2011 mit­glied bei pin­board, habe 46.172 book­marks dort an­ge­legt und habe das kon­to 2021 für $150 für 60 mo­na­te in ein be­zahl-kon­to um­ge­wan­delt. die 60 mo­na­te (5 jah­re) sind am 21. fe­bru­ar um.

ich mag pin­board und ich mag maciej ce­g­low­ski der pin­board.in be­treibt und ge­le­gent­lich bloggt oder vor pu­bli­kum spricht. pin­board funk­tio­niert seit jah­ren zu­ver­läs­sig und ich nut­ze es mit ei­nem book­mar­klet um book­marks an­zu­le­gen und mit ei­ner in­te­gra­ti­on in mei­nem RSS-rea­der mi­ni­flux, der au­to­ma­tisch ein book­mark bei pin­board an­legt, wenn ich et­was im RSS rea­der mit ei­nem ⭐ mar­kie­re.

frü­her (so bis 2018), als ich fast täg­lich link­posts auf wir­res.net ver­öf­fen­ti­cht habe, habe ich die links mit html auf pin­board kom­men­tiert, mit s und w ge­taggt und dann im­por­tiert und mor­gens au­to­ma­tisch ein link­post ge­ne­rie­ren las­sen.

ich habe back­links (leu­te die auf wir­res.net lin­ken) mit pin­board ge­trackt. der über­ge­ord­ne­te tag war lin­king2wir­res und ein­zel­ne zi­ta­te, wie das hier auf turi2 war dann ein pin­board-book­mark in das ei­nen tag mit der wir­res.net-url hat­te: link:http://wir­res.net/ar­tic­le/ar­tic­le­view/10072/1/6/. in­dem ich die pin­board-api ab­frag­te, konn­te ich die­se back­links dann un­ter dem ar­ti­kel an­zei­gen.

die tech­ni­schen de­tails sind ei­gent­lich wurst. was ich sa­gen will, ich habe pin­board frü­her in­ten­siv als werk­zeug ge­nutzt. seit meh­re­ren jah­ren ei­gent­lich nicht mehr wirk­lich. es flos­sen im­mer noch book­marks aus mei­nem feed­rea­der in pin­board, in der hoff­nung, dass ich die book­marks spä­ter noch­mal an­se­he und auf ver­wend­bar­keit als link im blog prü­fe.

aber seit dem re­launch vor knapp ei­nem jahr fra­ge ich mich, war­um soll ich die werk­zeu­ge mit de­nen ich ar­bei­te auf ba­sis von diens­ten bau­en, die ich nicht kon­trol­lie­re und die je­der­zeit ver­schwin­den kön­nen oder an arsch­lo­cher ver­kauft wer­den kön­nen?

ich glau­be zwar nicht dass maciej ce­g­low­ski pin­board ver­kau­fen wür­de, aber rich­tig si­cher, ob pin­board noch 30 jah­re exis­tie­ren wird, bin ich auch nicht.

jetzt wo ich book­marks und fa­vo­ri­ten mit ei­nem klick di­rekt in strö­me hier auf wir­res.net wer­fen kann, sie mit ein, zwei wei­te­ren klicks nach vor­ne ins schau­fens­ter ho­len kann fra­ge ich mich: war­um soll ich noch pin­board nut­zen? ein grund fällt mir ein: um maciej ce­g­low­ski zu un­ter­stüt­zen. aber geld für ei­nen dienst zu be­zah­len, den ich nicht mehr wirk­lich nut­ze ist dann acuh für mich ei­nen ti­cken zu ab­surd.

ich habe mich trotz der freund­li­chen er­in­ne­rungs­mails von maciej ce­g­low­ski da­für ent­schie­den, mein pin­board-abo nicht mehr zu ver­län­gern. statt­des­sen habe ich mir ein klei­nes script ge­baut, dass al­les was ich in mei­nem RSS-rea­der mar­kie­re jetzt in den book­marks-fluss wirft, von wo ich das book­mark dann wei­ter­ver­ar­bei­ten kann oder, wie auf pin­board, ein­fach rum­lie­gen las­sen und ver­ges­sen kann. auch you­tube-fa­vo­ri­ten lan­den jetzt au­to­ma­tisch im fa­vo­ri­ten-fluss und ich bin mir si­cher, mir fal­len nop­ch vie­le neue au­to­ma­ti­sie­run­gen und ar­beits­er­lei­che­run­gen ein, die ich mit mei­nen ei­ge­nen werk­zeu­gen, in mei­ner eig­nen he­mis­hä­re bau­en kann.

tl;dr: ich bin seit 15 jah­ren ak­ti­ver pin­board.in nut­zer, möch­te das ab jetzt aber al­les lie­ber selbst ma­chen und bin des­halb ab jetzt in­ak­ti­ver pin­board.in-nut­zer.


geht hin und baut ei­gen­hei­me

felix schwenzel in artikel

um 12 uhr ma­che ich mit­tag. manch­mal auch fünf bis zehn mi­nu­ten spä­ter. dann sage ich: „hey snips, 25 mi­nu­ten mit­tags­schlaf“, was ei­nen sanf­ten we­cker stellt, den rech­ner aus­schal­tet und 25 mi­nu­ten alle ge­rä­te auf DND (oder wie ap­ple sagt, fo­kus auf „nicht stö­ren“) stellt und lege mich hin.

so­bald ich wie­der wach bin, ma­che ich mir ei­nen quark mit süss­stoff und TK obst und lese 15 mi­nu­ten in mei­nem RSS rea­der. ne­ben dem mor­gen­spa­zier­gang, dem früh­stück und dem fei­er­abend­bier ist das der bes­te teil mei­ens ta­ges.

heu­te habe ich dann dann eine sehr schö­ne ent­de­ckung ge­macht, die mich dann vom wei­te­ren RSS-kon­sum ab­hielt.


When I was 22 I would stand on the roof of my apartment at Smith & 9th St. in Brooklyn and watch the elevated MTA F-train go back and forth, and wonder, Where will I go? The answer: Back and forth.

auch sonst grosses le­se­ver­gnü­gen, ins­be­son­de­re das making-of (oder coming of age?) seiner website.

(via kopf­zei­ler)


paul ford schreibt be­ruf­lich und das sehr viel und gut. vor ein paar mo­na­ten ent­schied sich paul ford sei­nen „stuff scat­te­red all over the web“ in sei­nen ei­ge­nen „blob“ zu zie­hen. ein zu­hau­se im netz für sein zeug. tweets, ver­öf­fent­li­chun­gen, links und ge­döns. mit viel ex­per­ti­se ge­vi­be­codet. in etwa das was ich mir hier auch baue, nur in struk­tu­rier­ter.

mitt­ler­wei­le glau­be ich, dass die ge­fühl­te blog-re­nais­sance auch zu ei­nem gros­sen teil auf LLM-ba­sier­te co­ding-as­sis­tenz zu­rück zu füh­ren ist. hei­ko hat mit hil­fe von clau­de den sprung von word­press zu kir­by ge­macht, paul ford hat sei­ne im­ports mit clau­de ge­macht und ich hät­te den um­zug aus mei­nem an­ti­ken und ka­put­ten ez­pu­blish auch nicht ohne ma­schi­nen-as­sis­tenz hin­be­kom­men. ich ver­ste­he den reiz von word­press: das funk­tio­niert wie ein pop-up-zelt: hin­stel­len, an ei­ner lei­ne zie­hen und zack steht das zelt und just works. aber ge­nau so ver­ste­he ich den reiz sich ei­nen so­li­den bau­kas­ten zu be­sor­gen und dann al­les, mit et­was as­sis­tenz, selbst zu bau­en.

sich ein zu­hau­se im web zu bau­en ist wei­ter­hin nicht tri­vi­al, aber mit et­was ex­per­ti­se und er­fah­rung eben auch kei­ne gross­bau­stel­le und mit ein biss­chen hin­ga­be und be­harr­lich­keit für fast jede er­reich­bar.


paul fords be­rich­te aus dem ma­schi­nen­raum ha­ben et­was poe­ti­sches. ich lese (und sehe) sehr, sehr ger­ne was an­de­re über die tech­nik in ih­ren ma­schi­nen­räu­men be­rich­ten. aber bei paul ford ist das ein be­son­de­res ver­gnü­gen. hier schreibt er über den irr­sinn der ma­ni­schen bot-ar­meen, die wie ber­ser­ker web­sei­ten ab­häm­mern. wenn so ein zu­hau­se un­ge­schützt im win­di­gen, welt­wei­ten netz steht, ist es er­staun­lich zu be­ob­ach­ten, was die­se bot-ar­meen so trei­ben.

in den letz­ten mo­na­ten ging mein ser­ver auch ge­le­gent­lich durch sol­che be­su­che in die knie, bis ich die bots mit mit ei­ner 5 mi­nu­ten lan­gen ak­ti­vie­rung von cloud­fla­re ver­trei­ben konn­te. an­fang der wo­che schos­sen mei­ne be­su­cher­zah­len über zwei tage von 300 täg­li­chen be­su­chern auf fast 1000. ir­gend­wer hat­te sich die mühe ge­macht ein „head­less“ chro­me so vie­le mei­ner sei­ten wie mög­lich le­sen zu las­sen. die­ses head­less chro­me konn­te, im ge­gen­teil zu an­de­ren craw­lern, auch ja­va­script und den ma­to­mo-js-schnip­sel aus­füh­ren, wes­halb es sich in mei­ner, an­sons­ten ziem­lich bot­frei­en, ma­to­mo-sta­tis­tik deut­lich be­merk­bar mach­te — als be­su­cher aus al­len tei­len der welt.

je­den­falls ist das al­les irr­sinn und ich bin er­staunt wie kopf­los, stumpf und bru­te for­cig die­se bots vor­ge­hen. auch des­halb mag ich schon län­ger nicht mehr glau­ben, dass selbst­fah­ren­de au­tos, also bot-au­tos, ir­gend­was an der ver­kehrs­si­tua­ti­on zum po­si­ti­ven ver­bes­sern wür­den. da hin­ter je­dem bot auch men­schen ste­hen, sorgt es wahr­schein­lich für kei­nen merk­li­chen un­ter­schied, wenn bots, statt men­schen au­tos steu­ern, auch wenn man­che das noch fest glau­ben. die nut­zung von LLMs, die zu­sam­men­ar­beit mit bots und die be­ob­ach­tung ih­res trai­nings in der frei­en wild­bahn zei­gen: es sind dann nicht we­ni­ger feh­ler, nur an­de­re feh­ler, an­de­rer irr­sinn, die dann pas­sie­ren.


statt ei­nes schluss­worts, heu­te ein schluss­ge­räusch.


doch noch ein schluss­wort. aus dem strom der fa­vo­ri­ten und book­marks, die ich im hin­ter­hof samm­le, habe ich jetzt ei­nen „ri­ver“ ge­macht, der fa­vo­ri­ten und book­marks ge­mein­sam an­zeigt. die fa­vo­ri­ten und book­marks, die ich in ar­ti­keln ver­wen­de, wer­den et­was aus­gef­a­det an­ge­zeigt. ich fin­de das sehr prak­tisch. und ich sehe pa­ralel­len: ich bin auch so art eine craw­len­der, haulen­der bot im netz und samm­le erst­mal, leicht kopf­los, al­les was mir auf den ers­ten blick ge­fällt. und spä­ter wird das al­les dann noch­mal aus­ge­wer­tet und auf wei­ter­ver­wend­bar­keit und teil­bar­keit ge­prüft.


hart nach­den­ken?

felix schwenzel in artikel

tho­mas fragt (rhe­to­risch):

Wann hast du zum letz­ten mal rich­tig hart nach­ge­dacht?

wenn ich über die fra­ge nach­den­ke muss ich sa­gen: nie.

ich den­ke nicht „hart“. ich tas­te mich eher an ant­wor­ten, lö­sun­gen, zie­le oder auch tex­te her­an. ich sit­ze zum bei­spiel ge­ra­de hier auf dem sofa, bin in­spi­r­i­riert von tho­mas fra­ge und den­ke nicht über eine ant­wort nach, son­dern su­che for­mu­lie­run­gen oder bil­der um die ant­wort die mir vor­schwebt zu fas­sen oder zu be­grei­fen.

die­se ant­wort ist nichts über das ich hart nach­den­ken müss­te (oder könn­te), sie ist schon halb fer­tig da, viel­leicht noch fra­gil, weich und form­bar, ich muss sie nur her­aus­ar­bei­ten. ich muss dem pro­zess in mei­nem kopf nur zu­zu­ar­bei­ten. das ei­gent­li­che den­ken fin­det dann ohne mich statt. ich muss nur für in­spi­ra­ti­on sor­gen, skiz­zen an­fer­ti­gen, wort­bal­lons stei­gen las­sen, viel­leicht ein biss­chen ab­schwei­fen und quatsch ma­chen.

ei­gent­lich be­deu­tet nach­den­ken für mich mit ei­nem the­ma zeit zu ver­brin­gen. wenn ich mich ein­mal in ein the­ma ein­ge­hakt habe, ver­än­dert sich mei­ne wahr­neh­mung. ich kann ich mich re­la­tiv weit vom the­ma ent­fer­nen und trotz­dem in­spi­riert al­les dem ich be­geg­ne die sa­che mit der ich mich ge­ra­de be­schäf­ti­ge.

der ent­sch­ei­den­de punkt ist also nicht här­te oder kon­zen­tra­ti­on, son­dern die hin­ga­be, die be­harr­lich­keit, der wil­le zeit mit ei­nem pro­blem, ei­ner fra­ge, ei­ner lö­sungs­fin­dung zu ver­brin­gen. je wei­cher, je fle­xi­bler ich die­sen pro­zess steue­re, des­to bes­ser das er­geb­nis.

eine bes­se­re fra­ge könn­te also lau­ten: wann hast du dich zum letz­ten mal ei­ner sa­che hin­ge­ge­ben und bist be­harr­lich dran ge­blie­ben?


02.02.2026

felix schwenzel in artikel

heu­te früh um 7:30 uhr hat­ten wir ei­nen ter­min um das auto in te­gel zur in­spek­ti­on zu brin­gen. der plan war: hin­fah­ren ab­ge­ben, eine stun­de mor­gen­spa­zier­gang und da­nach mit der bahn bis nach hau­se fah­ren.

das hin­fah­ren klapp­te gut. au­to­fah­ren im tiefs­ten win­ter in ber­lin ist wirk­lich an­ge­nehm. wäh­rend man sich auf dem bür­ger­steig nicht wie ein bür­ger, son­dern eher wie ein affe auf dem schleif­stein fühlt, der von ei­ner split-spur zur nächs­ten ba­lan­ciert um sich nicht die kno­chen zu bre­chen, fühlt man sich als au­to­fah­rer in ber­lin wie ein kai­ser. die stras­sen sind tro­cken, das auto ist ge­heizt, dass wet­ter lässt sich zu 100% aus­blen­den — bis man aus­steigt.

der rück­weg klapp­te we­ni­ger gut, we­gen des warn­streiks der BVG in ber­lin fuh­ren we­der bus­se, noch u- oder stras­sen­bah­nen. von der werk­statt in te­gel bis nach hau­se wä­ren es an­der­t­alb stun­den fuss­weg ge­we­sen. bei -7°C eine her­aus­for­de­rung. glück­li­cher­wei­se fuh­ren die s-bah­nen. so sind wir eine stun­de von te­gel über ge­sund­brun­nen nach west­ha­fen ge­fah­ren und dann vom west­ha­fen 30 mi­nu­ten bis nach hau­se ge­lau­fen.

die luft war ste­chend kalt, so kalt, dass ich hoff­te ein stück un­ter tage ge­hen zu kön­nen, durch den ubahn­hof am­ru­ner stras­se, um fri­da und mich zu­min­dest 400 me­ter lang ein biss­chen auf­wär­men zu kön­nen. das ging na­tür­lich nicht, weil der ubahn­hof ab­ge­schlos­sen war. ich frag­te mich, wo denn wohl die ob­dach­lo­sen die sonst da un­ten sit­zen ih­ren tag ver­brin­gen wür­den, wenn die ubahn­hö­fe alle ge­schlos­sen sind. ich will mich nicht über streiks und strei­ken­de auf­re­gen, aber den nah­ver­kehr für leu­te ohne auto aus ge­heiz­ten blech­büch­sen an die fri­sche, sehr, sehr kal­te luft zu ver­le­gen kam mir am heu­ti­gen tag nicht be­son­ders so­li­da­risch vor.

dank der s-bahn gab es dann letzt­end­lich kei­ne ver­zö­ge­run­gen im be­triebs­ab­lauf mei­nes ar­beits­ta­ges, ich hat­te so­gar noch zeit or­dent­lich zu früh­stü­cken vor dem dai­ly.


abends die drit­te fol­ge von a knight of the se­ven king­doms ge­guckt. das war die bis­her bes­te fol­ge, auch wenn die bei­den vor­her auch toll wa­ren. ich mag dass die se­rie klein bleibt, haupt­säch­lich die per­spek­ti­ver der ein­fa­chen und nicht der ade­li­gen leu­te zeigt. game of thro­nes war pink floyd. knight of the se­ven king­doms ist john­ny cash. freu­de an den klei­nen din­gen, an den de­tails. all­tag statt welt­po­li­tik. salz­fleisch, statt fa­san. und nicht nur arsch­lö­cher, auch mal net­te men­schen.


seit wann zeigt goog­le maps bei der na­vi­ga­ti­on ein klei­nes auto, statt ei­nes pfeils an?

für ei­nen mo­ment dach­te ich: wo­her zum teu­fel weiss goog­le maps, dass ich ei­nen grau­en ID3 fah­re? dann fiel mir auf: ein grau­er ID3 ist so ge­ne­risch, dass es ge­ne­ri­scher nicht mehr geht. das icon in goog­le maps ist kein grau­er ID3, son­dern ein ge­ne­ri­sche auto-icon.


hei­ko ist jetzt (auch) auf kir­by um­ge­stie­gen. find ich gut. hut up was er da schon hin­ge­zau­bert hat. jetzt darf er auch op­ti­mie­ren, was ein gros­ser spass ist.


nach­trag 03.02.2026:

dank der an­re­gung von chris­toph in den kom­men­ta­ren mal in den goog­le maps ein­stel­lun­gen ge­guckt. scheint ein ge­ne­ri­sches icon zu sein, aber pas­send au­to­ma­tisch aus­ge­sucht. so sieht’s in den ein­stel­lun­gen aus. ich hat­te da vor­her nur „e-auto“ aus­ge­wählt, die au­to­ava­tare sind neu, jetzt hab ich al­ler­dings die far­be von weiss zu grau um­ge­stellt.


sub­way (1985)

felix schwenzel in gesehen

ges­tern hat mir der you­tube al­go­rith­mus vor­ge­schla­gen doch mal zu gu­cken „what re­al­ly hap­pend to chris­to­pher lam­bert“. mit chris­to­pher lam­bert ver­bin­de ich in ers­ter li­nie sub­way (nicht wie ei­ni­ge an­de­re den high­lan­der), ein film von 1985 von luc bes­son. wäh­rend ich das vi­deo über chris­to­pher lam­berts le­ben auf you­tube sah, dach­te ich mir: sub­way kanns­te ei­gent­lich noch mal gu­cken. das letz­te mal, dass ich den ge­se­hen habe ist jetzt so um die 40 jah­re her, mal gu­cken wie der film ge­al­tert ist.

ob­wohl ei­gent­lich gin­gen mir ganz an­de­re fra­gen durch den kopf. da­mals hat mich der film emo­tio­nal ge­packt, ich glau­be ich war be­stimmt eine wo­che lang high von dem film. regt sich in mir noch was, wenn ich den jetzt gu­cke? wird’s pein­lich? um was ging der film noch­mal?

also hab ich ama­zon 4 euro in den ra­chen ge­wor­fen und mir den film „ge­lie­hen“. um was der film geht weiss ich, nach­dem ich ihn ge­se­hen habe, im­mer noch nicht, aber das ist auch un­er­heb­lich, weil der film ei­gent­lich nur die pa­ri­ser ubahn zei­gen und ein paar jun­ge schau­spie­ler gut aus­se­hen las­sen will. ei­gent­lich ist er ein mu­sik­vi­deo in spiel­film­län­ge. das er­klärt auch die emo­tio­na­le re­ak­ti­on, die ich auf die­sen film da­mals hat­te. mu­sik­vi­de­os sind dar­auf aus­ge­legt emo­tio­na­le re­ak­tio­nen aus­zu­lö­sen und gut ge­mach­te mu­sik­vi­de­os ha­ben das dann ge­le­gent­lich auch ge­schafft.

am an­fang vom film war ich noch ein biss­chen kri­tisch und such­te feh­ler. wie kann fred beim her­um­streu­nen in der ubahn-in­fra­struk­tur ein­fach ei­nen safe spren­gen, ob­wohl er vor­her, ganz of­fen­sicht­lich nichts als ei­nen an­zug am leib hat­te? spä­ter fiel mir dann auf, dass er stän­dig ei­nen half­ter mit ein paar stan­gen spreng­stoff am leib trug, auch wenn er schlief.

dann war ich ir­ri­tiert, weil der film kaum ei­nen ge­dan­ken zu ende führ­te und stän­dig ab­rupt schnitt, wenn sich eine hand­lung zu er­ge­ben schien. dann kam mir der glei­che ge­dan­ke, der mir kürz­lich bei fall­out kam: mir reicht’s ei­gent­lich die bil­der an­zu­schau­en und den fi­gu­ren bei ih­rem trei­ben zu­zu­se­hen. hand­lung und dia­lo­ge sind se­kun­där bis egal. das scheint sich da­mals auch luc bes­son ge­dacht zu ha­ben, denn hand­lung und dia­lo­ge sind spar­ta­nisch. und das funk­tio­niert heu­te noch ge­nau so gut wie da­mals.

wirk­lich gross­ar­tig sind die bil­der. der film spielt zu 95% un­ter tage, im ge­wirr der pa­ri­ser ubahn-in­fra­struk­tur. so­weit ich ver­ste­he, wur­de der film auch tat­säch­lich vor ort, in der pa­ri­ser ubahn, ge­dreht und nicht im stu­dio. und das sieht man auch, al­les wirkt hy­per­rea­lis­tisch und gleich­zei­tig sur­re­al und ver­traut. auch er­staun­lich: die ubahn des pa­ris der acht­zi­ger ist der ubahn des ber­lin von heu­te gar nicht mal so un­ähn­lich.

jetzt, 40 jah­re spä­ter, stel­le ich fest, dass die acht­zi­ger, wenn sie or­dent­lich fo­to­gra­fiert sind, auch gar nicht so pein­lich aus­sa­hen wie in mei­nen fo­to­al­ben. die un­ter­schie­de sind an­de­rer­seits deut­lich: es wird an­dau­ernd und über­all ge­raucht, ka­me­ra-über­wa­chung schien es zwar in an­sät­zen ge­ge­ben zu ha­ben, aber so rich­tug scheint sie da­mals noch nicht funk­tio­niert zu ha­ben.

ich fin­de der film ist gut ge­al­tert und mir war es dann gar nicht pein­lich, dass ich den film da­mals so gut fand. ich hab den da­mals zwar in der deut­schen syn­chro­ni­sie­rung auf ei­nem nied­rig auf­lö­sen­den CRT-dis­play im li­nea­ren fern­se­hen ge­se­hen und jetzt, qua­si wie im kino, auf ei­nem hoch­auf­lö­sen­den bild­schirm 60 zen­ti­me­ter vor mei­nem ge­sicht. aber er funk­tio­niert da­mals wie jetzt und un­ab­hän­gig von der pro­jek­ti­ons­me­tho­de. der film hat kaum hand­lung und sinn­vol­len dia­log und zeigt eher als dass er er­zählt. da­mit er­gibt sich ei­ni­ges an pro­jek­ti­ons­flä­che. ich merk­te oder er­in­ner­te dann auch, was mich da­mals so pack­te. ich weiss nicht ob das ein acht­zi­ger jah­re ding ist, aber ei­nen tau­ge­nichts wie fred zu se­hen, der die an­nehm­lich­kei­ten und die in­fra­struk­tur der ge­sell­schaft zwar ger­ne nutzt, sich ihr und ih­ren re­geln aber ver­wei­gert, war für mich da­mals ein star­ker an­knüp­fungs­punkt. mög­li­cher­wei­se woll­ten wir da­mals ir­gend­wie alle so sein wie fred und hé­lè­na.

und es war schön jean reno und isa­bell ad­ja­ni in jung zu se­hen, chris­to­pher lam­bert wirk­te wie ein al­ter be­kann­ter — die pa­ri­ser ubahn so­wie­so — und trotz­dem hielt sich bei mir die nost­al­gie auf ei­nem er­träg­li­chen ni­veau. viel­leicht war das auch schon da­mals die es­senz des film: er hat be­reits in den acht­zi­gern nost­al­gie nach den acht­zi­gern er­zeugt.

das gröss­te kunst­stück ist na­tür­lich das ende. qua­si ein vir­tu­el­les hap­py-end das keins ist und ge­ra­de des­halb un­ge­heu­er zu­frie­den oder eu­pho­risch macht. was mir auch jetzt erst auf­fiel, die klam­mer mit der bes­son den film ein­rahmt und im prin­zip be­reits auf der ers­ten ti­tel-kar­te das ende des films framed: do be do be do, mah na mah na.

screenshot vom anfang des films subway von 1985. die schrifttafel zeigt: „to be is to do“ — socrate, „to do is to be“ — satre und „do be do be do“ — sinatra
ers­te ti­tel­kar­te von sub­way (1985)

letzte ein­stel­lung von subway (1985)

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sie­he auch:


star trek

felix schwenzel in artikel

ich bin kein star trek-fan, aber ich gu­cke star trek seit über 40 jah­ren sehr, sehr ger­ne. als das „ori­gi­nal“ im fern­se­hen lief, war ich noch ein kind und ei­gent­lich hat mich nur die tat­sa­che in­ter­es­si­ert, dass es da ein raum­schiff gibt, das durch den welt­raum glei­tet und un­be­kann­te wel­ten er­kun­det. das war span­nend ge­nug für mich. mir wa­ren das bil­li­ge, grel­le set­de­sign und die er­zähl­ten ge­schich­ten egal.

in den acht­zi­ger und neun­zi­ger jah­ren fing star trek plötz­lich mit TNG an, auf­ge­räumt aus­zu­se­hen, und ich fing an zu ver­ste­hen, dass es in star trek nicht um die er­kun­dung des welt­raums ging, son­dern um die er­kun­dung von hu­ma­ni­tät, die fra­ge, was uns men­schen aus­macht, wie wir über uns hin­aus­wach­sen kön­nen, als ge­sell­schaft und als in­di­vi­du­en.

mit dem frag­men­tier­ten deep space nine, das im fern­se­hen ver­sen­det wur­de, konn­te ich nicht so viel an­fan­gen, bis ich dank net­flix die mög­lich­keit be­kam, DS9 se­quen­ti­ell, fol­ge für fol­ge zu se­hen. da er­kann­te ich, dass es ne­ben der er­kun­dung von hu­ma­ni­tät, ge­rech­tig­keit und mo­ral in star trek auch um epi­sches er­zäh­len ging, um das ab­klop­fen von phi­lo­so­phi­schen ideen und so­gar um den kon­flikt zwi­schen ra­tio­na­lis­mus und re­li­gi­on. DS9 voll­brach­te das kunst­stück, zu un­ter­hal­ten und gleich­zei­tig zu zei­gen, dass wahr­heit und mo­ral oft eine fra­ge der per­spek­ti­ve sind.

mit voy­a­ger wur­de dann klar, dass star trek auch ner­vig sein kann – ich sag nur nee­lix. ich moch­te es trotz­dem, es sah gut (viel­leicht et­was zu clean) aus und es fie­len ge­le­gent­lich tol­le ge­schich­ten hin­ten raus. in den spä­ten 90ern und frü­hen 00ern fand ich voy­a­ger trotz nee­lix und ge­sichts-ta­too toll und auch das spä­te­re durch­bin­gen auf net­flix war nur zu 30 % lang­wei­lig.

en­ter­pri­se, also die se­rie mit cap­tain ar­cher, die um das jahr 2150 spiel­te, sah wie­der fast so bil­lig und kam­mer­spiel­ar­tig aus wie das „ori­gi­nal“ mit cap­tain kirk. ich fand kaum eine fol­ge lang­wei­lig, als ich mir das vor ein paar jah­ren am stück rein­zog.

dis­co­very und spä­ter pi­card emp­fand ich dann als ex­tre­men bruch. star trek woll­te plötz­lich kein kam­mer­spiel mehr sein, son­dern am­bi­tio­nier­te ac­tion-un­ter­hal­tung. ich habe alle fol­gen von dis­co­very und pi­card ge­se­hen und nach je­der fol­ge dach­te ich ge­nau drei buch­sta­ben: WTF? ich dach­te auch: kann ja nur bes­ser wer­den — wur­de es dann aber nicht.

pa­thos hat­te star trek im­mer schon, aber seit dis­co­very wur­de das pa­thos un­er­träg­lich. sub­til war star trek auch nie, aber seit dis­co­very ver­schwand das hin­ter­grün­di­ge: statt dem pu­bli­kum die in­ter­pre­ta­ti­on des ge­se­he­nen zu über­las­sen, wur­de star trek ex­pli­zit und konn­te vor lau­ter ex­po­si­ti­on kaum noch at­men.

pi­card emp­fand ich dann ei­gent­lich nur noch als fan-ser­vice und nost­al­gie-quark — für den sich al­ler­dings kaum noch fans zu in­ter­es­sie­ren schie­nen. pi­card war die ers­te star trek-se­rie, die mich ag­gres­siv mach­te, weil sie gleich­zei­tig an­ge­strengt und lieb­los war.

pro­di­gy und stran­ge new worlds ge­fie­len mir dann wie­der. in stran­ge new worlds zog wie­der hu­mor ins star trek-uni­ver­sum ein, den ich seit worf in TNG und DS9 so sehr lieb­te. pro­di­gy war teil­wei­se ner­vig, wag­te aber auf eine art so was wie eine mu­ti­ge neu­in­ter­pre­ta­ti­on des gu­ten al­ten star trek-the­mas: die er­kun­dung der fra­ge, was mensch­lich­keit, was hu­ma­nis­mus aus­macht.

lower decks fand ich vor­wie­gend lang­wei­lig und bil­lig und wenn über­haupt, hab ich das sehr spo­ra­disch und un­ent­hu­si­as­tisch ge­se­hen.

und jetzt: star­fleet aca­de­my. drei fol­gen sind ver­sen­det und ich bin hin und her ge­ris­sen. vi­su­ell stim­me ich tho­mas gi­gold zu:

Die Sets sind, wie im­mer in neu­em Trek, über­bor­dend.

mit dem un­ter­schied dass tho­mas das of­fen­bar ge­fällt und ich es gräss­lich fin­de. mir ist das zu viel von al­len, vor al­lem zu viel bling, zu dick auf­ge­tra­gen, als ob man eine swa­row­ski-fi­lia­le oder den trump tower be­tritt.

„al­les fake“ ist ein al­tes, be­währ­tes star trek mus­ter, aber in aca­de­my ist es so dick, bunt und glän­zend auf­ge­tra­gen, dass es un­er­träg­lich wird. ich über­le­ge ernst­haft mei­nen bild­schirm für die nächs­ten fol­gen auf schwarz/weiss zu stel­len um das über­haupt noch er­tra­gen zu kön­nen.

et­was zu dick auf­ge­tra­gen sind für mei­nen ge­schmack auch die mus­keln von ca­leb. in den ers­ten bei­den fol­gen hat­te ich noch den ein­druck, dass das en­sem­ble zwar mit al­len mög­li­chen kör­per­for­men aus­ge­stat­te ist und nicht nur de­nen, die gän­gi­gen schön­heits­idea­len ent­spre­chen, aber das auf­trit­te in un­ter­hem­den oder frei­em ober­kör­per den durch­trai­nier­ten kör­pern vor­be­hal­ten wa­ren. das wur­de in fol­ge 3 dann aber re­la­ti­viert, in dem das gan­ze en­sem­ble in ba­de­ho­sen und -an­zü­gen auf­tre­ten muss­te.

auch wenn ich nach drei fol­gen aca­de­my hin und her ge­ris­sen bin und vie­les doof fin­de, habe ich an­knüp­fungs­punk­te ge­fun­den die mich — glau­be ich — wei­ter am ball hal­ten wer­den. ich fin­de die ge­schich­ten gar nicht mal sooo schlecht und ich bin froh, dass (aus­ser beim set­de­sign) das bom­bas­ti­sche der dis­co­very-ära wie­der zu­rück­ge­fah­ren wur­de. aca­de­my fühlt sich wie­der kam­mer­spiel­ar­ti­ger an und hat es in fol­ge 2 zwei­mal ge­schafft mich dazu zu brin­gen mir zi­ta­te zu no­tie­ren:

Child­ren are our am­bassa­dors to now.

und:

- Would you agree pro­gress is im­pos­si­ble wi­t­hout ch­an­ge?

- I be­lie­ve that most peo­p­le who say they want pro­gress don’t re­al­ly want to ch­an­ge. Which of­ten makes both im­pos­si­ble.

- Tou­ché.

das ers­te zi­tat fin­de ich nach ei­ner wo­che im­mer noch so klug wie vor ei­ner wo­che, das zwei­te ist schlech­ter ge­al­tert, ist aber gar nicht mal so dumm.

als zwi­schen­fa­zit wür­de ich über star­fleet aca­de­my sa­gen: es macht mich nicht ag­gres­siv, dass es scheis­se aus­sieht stört mich nicht wirk­lich und die ge­schich­ten sind zwar kei­ne welt­klas­se, aber er­träg­lich. wenn ich schul­no­ten ver­ge­ben müss­te: ge­ra­de noch be­frie­di­gend, hat luft nach oben.


ein bild, 572 wor­te, kei­ne wer­bung

felix schwenzel in artikel

aus dem bett aufgenommes bild meines kleiderschranks und der tür zum flur. in der spiegeltür des pax sieht man die balkontür. eigentlich sieht man noch viel mehr, das beschreibe ich aber sepaarte im artikel.

pax-, zim­mer- und bal­kon­tü­ren

als ich in den letz­ten ta­gen et­was öf­ter im bett lag, fiel mir auf, wie gut die an­ge­pass­te be­leuch­tung (ad­ap­ti­ve light­ing) der gar­di­nen­stan­ge funk­tio­niert. kon­kret: das die licht­far­be die durch die bal­kon-tür ins zim­mer dringt, der licht­far­be des LED-strei­fen über der bal­kon­tür äh­nelt. der LED-strei­fen auf der gar­di­nen­stan­ge be­leuch­tet die de­cke in­di­rekt, je nach ta­ges­zeit, oder ge­nau­er, je nach son­nen­stand je­weils an­ge­passt an die licht­far­be draus­sen.

man kann es auch ein­fach sa­gen: mor­gens und abends ist das licht rot/gelb sti­chig (warm­weiss), tags­über eher kalt­weiss, nachts leuch­tet es blau. blau leuch­tet es ers­tens weil ich es an­ge­nehm fin­de und zwei­tens, da­mit ich je­dem der be­haup­tet blau­es licht stö­re den schlaf sa­gen kann, dass ich seit fünf jah­ren bes­tens un­ter (schwa­chem) blau­licht schla­fe.

je­den­falls woll­te ich mei­ner be­frie­di­gung mit der home as­sistant ad­ap­ti­ve light­ing er­wei­te­rung aus­druck ver­lei­hen und ein be­weis­fo­to mei­ner be­frie­di­gung ver­öf­fent­li­chen. dann fiel mir fas­zi­niert auf, was man sonst noch so auf die­sem bild al­les se­hen kann.

klar zum ei­nen: wir lie­ben ikea und spe­zi­ell pax. vor 13 jah­ren habe ich pax zum ers­ten mal mei­ne lie­be er­klärt, dann ein paar tage spä­ter habe ich mir mit pax ei­nen traum er­füllt und vor sie­ben jah­ren ha­ben wir pax so­gar er­wei­tert. auf dem bild hier sieht man auch, dass wir die pax-spie­gel­tür ka­putt ge­macht ha­ben, aber schwar­zes gaf­fa-tape ver­deckt den scha­den ganz her­vor­ra­gend.

dann sieht man auch das „neon“ schild, dass ich mir vor acht jah­ren ge­baut habe (do­ku­men­ta­ti­on für die ers­te ver­si­on, die ich dem kind ge­schenkt habe).

man sieht die „pre­view edi­ti­on“ des home as­sistant voice dings, mit der ich sehr zu­frie­den bin und mit der ich mit home as­sistant spre­che und home as­sistant mit mir. man sieht auch, dass da noch eine play­sta­ti­on eye steht, die ich als mi­kro­fon be­nut­ze um da­mit die acht jah­re al­ten bi­na­ries des ori­gi­nal snips.co wa­ke­words „hey snips“ zu be­lie­fern. die­ses wirk­lich ur­alte wake word­funk­tio­niert wei­ter­hin sehr sen­si­bel (ich kann „hey snips“ auch flüs­tern) und mit so gut wie kei­nen fal­se po­si­ti­ves, dass ich sehr froh bin die al­ten bi­na­ries in ei­nem do­cker con­tai­ner am lau­fen hal­ten zu kön­nen. die play­sta­ti­on eye ist an ei­nem ra­spi an­ge­schlos­sen, auf dem ein rhass­py:2.5.11-con­tai­ner läuft, der nichts an­de­res macht als den mi­kro­fon­in­put per mqtt an die alte snips-bi­na­ry zu lie­fern.

da oben steht auch noch eine alte xiao­mi dafang ka­me­ra, die ge­ra­de weg­guckt, aber zur bal­kon­tür guckt, wenn wir die woh­nung ver­las­sen ha­ben. der dafang konn­te man da­mals eine ei­ge­ne firm­ware auf­spie­len, sie macht nach wie vor was sie ma­chen soll.

screenshot vom ipad, das bei uns flur hängt. man sieht ein vereinfachtes home assistant dashboard vor allem mit wetter-inormationen

aus­ser­dem sieht man im flur sche­men­haft un­se­ren brot­her dru­cker, links da­ne­ben ein ipad, das nur an­geht wenn der flur be­setzt ist und sonst das wet­ter zeigt. aus­ser­dem sieht man un­se­ren luft­rei­ni­ger AC2889/10 von phil­ips, der sich an­fangs et­was stö­risch, mitt­ler­wei­le dank kon­go09 aber sehr zu­ver­läs­sig mit home as­sistant steu­ern lässt.

was man auch sieht: den roll ho­cker, den sich die bei­fah­re­rin ei­gent­lich ge­kauft hat­te, der mir dann aber so gut ge­fiel, dass ich ihn seit­dem be­nut­ze. ich moch­te noch nie be­son­ders ger­ne auf stüh­len sit­zen. am liebs­ten sit­ze ich auf bar­ko­ckern oder sol­chen nied­ri­gen ho­ckern. ich bin qua­si ein stu­ben-ho­cker-ho­cker. die­sen spe­zi­el­len ho­cker (bei­spiel­k­auf­link) kann ich je­de­falls von gan­zem her­zen emp­feh­len, die rol­len funk­tio­nie­ren auf tep­pich oder jetzt neu, auch ohne tep­pich.


mein vor­trags­vor­schlag für die re­pu­bli­ca 2026

felix schwenzel in artikel

ich habe 90 mi­nu­ten vor dem ende der dead­line mei­nen vor­trags­vor­schlag für die re­pu­bli­ca die­ses jahr ein­ge­reicht. ei­gent­lich woll­te ich mei­ne ein­rei­chung zu­erst um die idee wi­ckeln die eine fern­seh­se­rie (plu­ri­bus) in mir ge­weckt hat: was, wenn es gar nicht so toll ist, wenn in der welt frie­den herrscht, alle zu­frie­den sind und sich ge­gen­sei­tig lie­ben? die­se höchst kon­train­tui­ti­ven ge­dan­ken wür­de ich ger­ne aus­wal­zen und trotz­dem die fra­ge be­ant­wor­ten, wie man an­ge­sichts der welt­la­ge op­ti­mis­mus und mo­ti­va­ti­on auf ei­nem er­träg­li­chen ni­veau hält.

am ende is­ses dann et­was ge­ne­ri­scher ge­wor­den und an­ge­sichts der vie­len vor­be­rei­tungs­ar­beit die so ein vor­trag und die vor­ab auf­ge­stell­ten stei­len the­sen be­deu­ten, wün­sche ich mir bei­na­he, dass mein vor­schlag die­ses jahr ab­ge­lehnt wird.

das habe ich eben ein­ge­reicht:

Die Welt ist scheis­se — und das ist auch gut so

So­bald wir ak­zep­tie­ren, dass die Welt vol­ler Un­ge­rech­tig­keit, Schmerz und Ab­sur­di­tät ist, kön­nen wir uns dem Schö­nen zu­wen­den. Das Schlech­te ist nicht wün­schens­wert, aber not­wen­dig. Es ist der Roh­stoff, aus dem Sinn, Kunst, Fort­schritt und Op­ti­mis­mus über­haupt erst ent­ste­hen.

Die Welt in der wir le­ben hat nichts müt­ter­li­ches, auch wenn der Volks­mund das seit Jahr­tau­sen­den be­haup­tet. Die Welt macht ihr Ding, nimmt ih­ren Lauf und be­ach­tet uns Men­schen nicht wei­ter. Wir Men­schen ma­chen es uns Men­schen auch nicht ge­ra­de leicht, im Ge­gen­teil. Aber ge­nau die Fein­se­lig­keit und Ab­sur­di­tät der Welt ist die Quel­le aus der wir Op­ti­mis­mus, Kraft für Ver­än­de­rung und Glück schöp­fen kön­nen. Op­ti­mis­mus muss kei­ne Schön­fär­be­rei sein und ist nicht der Glau­be, dass al­les gut wird. Op­ti­mis­mus ist die Ent­sch­ei­dung, in ei­ner be­schis­se­nen Welt trotz­dem Be­deu­tung zu er­zeu­gen.

In die­sem Sin­ne möch­te ich 30 Mi­nu­ten Op­ti­mis­mus ver­brei­ten.


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vi­ne.co

felix schwenzel in artikel

ges­tern muss­te ich an vine.co den­ken. das war mal eine vi­deo-sei­te auf der man 6 se­kun­den lan­ge vi­de­os ver­öf­fent­li­chen konn­te (wi­ki­pe­dia-ar­ti­kel zu vine). vor zwölf jah­ren schrieb ich:

ich glau­be vine und ich wer­den gute freun­de.

wur­den wir dann für kur­ze zeit, so vor neun jah­ren stell­te vine dann sei­nen dienst ein, ein paar mo­na­te nach der grün­dung wur­de vine von twit­ter ge­kauft.

ich weiss nicht ge­nau wie­so ich ges­tern an vine ge­dacht habe, aber mei­ne er­in­ne­run­gen sind po­si­tiv. ich habe mal ein ei­ni­ger­mas­sen wit­zi­ges vi­deo dort ge­pos­tet und ich er­in­ne­re mich, dass die sechs se­kun­den be­schrä­kung ein tol­ler mo­tor für krea­ti­vi­ät war und vie­le pos­te­ten da­mals ex­trem lu­us­ti­ge sa­chen. ich dach­te wahr­schein­lich, scha­de dass das al­les weg ist.

und dann dach­te ich, mal schau­en, ob viel­leicht doch noch was da ist. tei­le von vine schie­nen noch zu funk­tio­nie­ren, aber an die vi­deo-da­tei­en schien ich nicht dran­zu­kom­men. dann fand ich die­se sei­te des ar­chi­ve­teams: wiki.ar­chi­ve­team.org/in­dex.php?title=Vine

dort stand be­schrie­ben …

So­me­time ca Jan 3 2025 the site show­ing the vi­de­os fi­nal­ly bro­ke, though it is ac­ces­si­ble via a DNS hack.[3]

der dns hack ist fol­gen­des in die /etc/hosts da­tei ein­zu­tra­gen:

151.101.244.157 mtc.cdn.vine.co
151.101.244.157 v.cdn.vine.co

da­mit funk­tio­nie­ren die em­beds so­gar teil­wei­se wie­der. mit dem rest der an­lei­tung konn­te ich dann die me­ta­da­ten und vi­deo-da­tei­en mei­ner we­ni­gen em­beds „ret­ten“ und die­se bei­trä­ge auf wir­res.net mit vine-em­beds wie­der „re­kon­stru­ie­ren“:

vor 11 jah­ren ha­ben das­nuf und ich uns ge­gen­sei­tig bei der ar­beit ge­filmt. da­mals und auch im nach­hin­ein ist das schon ein biss­chen wit­zig, vor al­lem wenn man be­denkt, dass wir im­mer noch ar­beit­kol­le­gin­nen sind.

nach­trag:
im wi­ki­pe­dia-ar­ti­kel über vine steht, dass so­wohl kack dor­sey als auch elon musk von plä­nen ge­spro­chen ha­ben, vine wie­der zu re­ak­ti­vie­ren oder zu­gäng­lich zu ma­chen. da bin ich mal ge­spannt ob und wie da was draus wird.


Ueber die all­mähli­che Ver­fer­ti­gung der Ge­dan­ken beim Blog­gen

felix schwenzel in artikel

heu­te füh­le ich mich leicht grös­sen­wahn­sin­nig und habe mir ge­dacht, man könn­te kleist doch mal up­da­ten (ver­schwen­zeln).


wenn du über et­was nach­den­ken willst und dir auch durch in­ten­si­ves nach­den­ken oder dar­über me­di­tie­ren nichts sinn­vol­les ein­fällt, dann rate ich dir ein­fach drü­ber zu schrei­ben. das muss auch an nie­mand be­stimm­tes ge­rich­tet sein oder be­son­ders scharf­sin­nig sein, schreib ein­fach drü­ber, was dir durch den kopf geht.

auch wenn im­mer noch vie­le men­schen den­ken, man sol­le nur von din­gen re­den von de­nen man et­was ver­steht, hier geht es um et­was an­de­res als wis­sen­ver­mitt­lung oder *splai­nen. es geht dar­um beim schrei­ben um ei­nen ge­dan­ken her­um zu tan­zen. so wie der ap­pe­tit beim es­sen kommt, kom­men ei­nem im­mer auch ideen beim schrei­ben.

ich sit­ze oft am rech­ner oder lie­ge im bett und lese was an­de­re schrei­ben. manch­mal möch­te ich dem ge­le­se­nen wi­der­spre­chen, manch­mal möch­te ich es wei­ter­den­ken oder es an­ders be­trach­ten. mir schies­sen dann flüch­ti­ge ideen im kopf her­um, ich weiss das könn­te man wei­ter- oder ganz an­ders den­ken, aber ich weiss nicht wie, nur dass ich was dazu den­ken und sa­gen will. weil ich aber doch eine dunk­le vor­stel­lung von dem habe was ich viel­leicht sa­gen will, fan­ge ich ein­fach an zu schrei­ben und sät­ze zu kon­stru­ie­ren. sät­ze die ich an­ge­fan­gen habe, wol­len dann auch zu­en­de ge­führt wer­den. ich tas­te mich von wort zu wort, wie ein lar­ge lan­guage mo­del ver­su­che ich den satz so wei­ter­zu­füh­ren, wie er rich­tig klingt. ich ver­has­pel mich oft bei die­sem qua­si auto-ver­voll­stän­di­gen mei­ner sät­ze, aber das lässt sich dann meist beim spä­te­ren kor­rek­tur­le­sen aus­beu­len.

ge­le­gent­lich hilft es mich zu fra­gen wer das denn le­sen soll, ob die es auch nur im an­satz ver­ste­hen wür­den oder ob ich noch ein, zwei er­klä­ren­de sät­ze nach­schie­ben muss oder ein et­was zu luf­ti­ges ge­dan­ken­kon­strukt auf eine so­li­de­re ba­sis stel­len muss. der ge­dan­ke den text spä­ter zu ver­öf­fent­li­chen wirkt ein biss­chen wie ein stil­ler, trei­ben­der mo­tor. ob­wohl ich al­lei­ne vor dem rech­ner sit­ze und tip­pe, bin ich be­reits im dia­log mit ima­gi­nier­ten le­sern. ich weiss, dass der ge­dan­ke ei­nen text zu ver­öf­fent­li­chen auch wie eine brem­se wir­ken kann, aber ich glau­be die­se brem­se nutzt sich durch stän­di­ges, im­mer neu­es schrei­ben ab und kann sich dann zu ei­nem schwung­rad wan­deln das hel­fen kann im­mer wie­der neue ge­dan­ken los­zu­rüt­teln.

frü­her nutz­te ich oft noch ein zwei­tes schwung­rad: em­pö­rung. da­mit die em­pö­rung nicht aus­ufert, ent­wi­ckelt der ge­dan­ke der spä­te­ren ver­öf­fent­li­chung eine will­kom­me­ne brems­wir­kung. wie mit ei­nem ven­til kann man so das ent­wei­chen des em­pö­rungs­über­drucks ge­zielt steu­ern und ich fin­de in die­sem zu­stand aus schwung und brems­wir­kung plötz­lich wor­te und ge­dan­ken, auf die ich sonst wohl nie ge­kom­men wäre.

die­se mi­schung aus in­ne­rem dia­log, ab­wä­gen der schär­fe und den ima­gi­nier­ten le­sen­den führt im bes­ten fall zu bril­li­an­ten ge­dan­ken und im schlech­tes­ten fall zu et­was aus dem man ler­nen kann und rou­ti­ne beim ge­dan­ken-lo­ckern ge­win­nen kann. das ver­fas­sen schlech­ter tex­te, die viel­leicht eine oder meh­re­re gute ideen ent­hal­ten, aber es ir­gend­wie nicht zu­en­de ge­dacht in sät­ze ge­schafft ha­ben oder ein­fach un­ver­ständ­lich (wirr) sind, hilft viel­leicht nicht beim ge­winn von an­se­hen, aber bei ge­winn von rou­ti­ne im ba­lan­cie­ren und ge­ne­rie­ren von wor­ten und ge­dan­ken. man muss sich im­mer vor au­gen hal­ten: der meis­ter kann’s nur des­halb bes­ser, weil er mehr übung hat­te.

ich glau­be die­ser schrei­ben­de tanz um ei­nen ge­dan­ken her­um, der ideen aus dem hirn schüt­teln kann, funk­tio­niert auch ohne die kom­bi­nier­te schwung­rad­brem­se der spä­te­ren öf­fent­lich­ma­chung, wenn man nur für sich al­lein schreibt. so wie man rou­lette auch al­lei­ne, ge­gen sich selbst, ohne ech­ten ein­satz spie­len kann, kann man auch ohne den dro­hen­den klick auf den pu­blish-but­ton schrei­ben. aber der span­nungs­zu­stand, die er­re­gung, in den man sich ver­set­zen kann, wenn man et­was zu ver­lie­ren hat, ist viel­leicht ge­nau die en­er­gie die nö­tig ist, um vor­han­de­ne, fest­sit­zen­de ge­dan­ken zu lö­sen und in sät­ze zu gies­sen. so wie elek­tro­nen ihre bahn nur un­ter span­nung oder en­er­gie­zu­fuhr (oder en­er­gie­ent­zug) wech­seln kön­nen, tre­ten ge­dan­ken manch­mal erst dann aus dem un­ter­be­wuss­ten her­vor, wenn man sich in ei­nen ge­wis­sen span­nungs­zu­stand ver­setzt hat.

weil ich mit ei­nem rat an­ge­fan­gen habe, ende ich auch mit ei­nem rat. das ver­öf­fent­li­chen von tex­ten ist ein werk­zeug um eine ge­wis­se span­nung zu er­zeu­gen, die beim ern­ten von ge­dan­ken und ideen hilf­reich ist. der in­ne­re, ima­gi­nier­te dia­log mit le­sen­den ist ein werk­zeug, das auch beim schrei­ben­den den­ken hilft. das ge­fühl et­was zu ver­lie­ren, weil die re­zep­ti­on, die re­ak­tio­nen auf den ver­öf­fent­lich­ten text viel­leicht ne­ga­tiv aus­fal­len oder kaum je­mand den text zu le­sen scheint, ist eine täu­schung. mit dem schrei­ben ei­nes tex­tes tust du in ers­ter li­nie et­was für dich, hast du et­was ge­lernt und ge­won­nen. und mit je­dem neu­en ver­öf­fent­lich­ten text lernst du mehr.

die re­ak­tio­nen auf dei­nen text sa­gen we­ni­ger über dich oder dei­ne ge­dan­ken, son­dern al­les über die re­zi­pi­en­ten. schrei­be und du lernst zu den­ken, ver­öf­fent­li­che und du lernst sehr viel über men­schen.


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2026, tag 3

felix schwenzel in artikel

klimm­zug­stan­ge ge­kauft, wur­de heu­te ge­lie­fert, gleich mon­tiert (in den tür­rah­men ge­klemmt). die bei­fah­re­rin mein­te: „lass uns ei­nen wett­be­werb ma­chen!“ weil wir bei­de kei­ne klimm­zü­ge kön­nen, hab ich ge­sagt: „ok, lass uns schau­en wer län­ger hän­gen kann.“

die bei­fah­re­rin liess nach 6 se­kun­den los. ich hab ne mi­nu­te ge­schafft. das ist an­stren­gen­der als man denkt, ein­fach so ab­zu­hän­gen. es zieht in der hand und die schul­ter­mus­ku­la­tur hat zu tun. soll aber gut für den rü­cken sein, hab ich da­nach ge­le­sen. hän­gen zu kön­nen sei auch ein wich­ti­ger schritt zum klimm­zug. da­nach hab ich ein paar ne­ga­ti­ve klimm­zü­ge ge­macht, mich also lang­sam von oben wie­der in die hän­gen­de po­si­ti­on her­ab­ge­las­sen. das ist noch an­stren­gen­der.

ich glau­be es ist noch ein wei­ter weg zum ers­ten rich­ti­gen klimm­zug. lang­sa­me lie­ge­stüt­zen sind noch an­stren­gen­der. der vor­teil ist: man kommt zum at­men. zum spass ver­su­che ich die im ja­nu­ar täg­lich eben lang­sam und auf den fäus­ten zu ma­chen. das ziel sind 100 stück in drei sit­zun­gen über den tag ver­teilt. ich bin zwei tage lang nur zu ei­ner sit­zung (eher lie­gung) ge­kom­men, im­mer­hin hab ich mich von 10 auf 12 ge­stei­gert.

ge­me­ni meint 60 se­kun­den hän­gen zu kön­nen sei leicht über­durch­schnitt­lich. dar­aus fol­ge­re ich, dass das ab­neh­men nicht zu all­zu viel mus­kel­ver­lust ge­führt hat. trotz­dem, wer klimm zie­hen will muss auch mus­keln zie­hen.

bild der klimmzugstange die ich heute in den türrahmen geklemmt habe.

un­ser flur, jetzt mit klimm­zug­stan­ge

stran­ger things habe ich nach der ers­ten staf­fel auf­ge­hört. wa­ren mir et­was zu vie­le ein­fach ge­strick­te ver­schwö­rungs­theo­rien drin. ich wills jetzt noch­mal ver­su­chen. bin bis jetzt un­der­whel­med und schrei­be jetzt ge­ra­de lie­ber ins in­ter­net, als wei­ter zu gu­cken.

ges­tern run­ning man in der ver­si­on von 2025 an­ge­schaut. war mir auch zu ein­fach ge­strickt und mit zu viel pa­thos ge­spickt. habs trotz­dem bis zum be­scheu­er­ten ende ge­schaut. die so­zi­al- und me­di­en­kri­tik fand ich in ei­nem sol­chen ein­deu­tig auf block­bus­ter ge­trimm­ten film bil­lig, zy­nisch und un­glaub­wür­dig. lee pace hab ich in der ers­ten sze­ne an der stim­me er­kannt.

vor­ges­tern mit the north wa­ter an­ge­fan­gen. eine mini-se­rie mit co­lin fa­rell in ei­ner der haupt­rol­len. bis­her das ein­zig über­ra­schen­de: wie wand­lungs­fä­hig und gleich­zei­tig glaub­wür­dig co­lin fa­rell ist. die ge­schich­te ist nicht un­span­nend, gut er­zählt, schön dre­ckig ge­filmt aber fes­selt mich nicht im ge­rings­ten. mal schau­en ob ichs bis zum ende schaf­fe.


letz­tes jahr (ab april/mai) habe ich ca. 590 bei­trä­ge ver­öf­fent­licht. die­ses bild auf der rück­sei­te il­lus­triert die fre­quenz mei­ner ver­öf­fent­li­chun­gen und ich möch­te das hier­mit do­ku­men­tie­ren, weil sich die gra­fik ja stän­dig ver­än­dert.

ges­tern ha­ben mich die gif-wa­ckel­bil­der von vor 13 jah­ren dar­an er­in­nert, dass mei­ne neue ka­me­ra auch 3d-bil­der auf­meh­men kann. auf dem te­le­fon ma­chen sie sich gut als home-screen­bil­der, aber für hier auf wir­res.net kann ich den der­zei­ti­gen tech­ni­schen mög­lich­kei­ten nichts ab­ge­win­nen. mit spa­tia­li­fy kann man zwar wei­ter­hin aus 3d-bil­dern wa­ckel­bil­der ma­chen, aber das ist schon sehr un­be­ein­dru­ckend.

auf den ers­ten blick be­ein­dru­cken­der: im­mer­si­fy, auch als app. aber das er­geb­nis ist vol­ler art­fak­te und ver­zer­run­gen. ich glau­be 3d ist im­mer noch über­be­wer­tet.

da­für habe ich noch ein paar men­schen ge­fun­den, die — auf eine art — die tra­di­ti­on von iw­drm.tumb­lr.com fort­füh­ren:


94,5 de­zem­ber

felix schwenzel in artikel

ich hab noch oz­em­pic im kühl­schrank lie­gen, 3 oder 4 por­tio­nen. seit dem 03.10.2025 hab ich mir kei­ne sprit­ze mehr ge­setzt, hat­te aber vor weih­nach­ten über­legt mir vor oder nach weih­nach­ten viel­leicht noch­mal eine zu set­zen. dann hab ichs erst­mal ge­las­sen und woll­te mal schau­en was über weih­nach­ten pas­siert.

es hat sich nach meh­re­ren weih­nachts­es­sen und fünf ta­gen es­sen bei mei­nen el­tern ge­zeigt, dass ich über die fei­er­ta­ge eher ab­ge­nom­men habe.

den gan­zen de­zem­ber über schwank­te mein ge­wicht sta­bil um die 94,5 kg. bei mei­nen el­tern zeig­te die waa­ge zwi­schen­durch so­gar mal 93,5 kg an, aber die ers­te wää­gung zu­hau­se, auf mei­ner ei­ge­nen waa­ge, zeig­te wie­der 94,5 kg.

screenshot aus der health-app mit meinem gewicht über den dezember hinweg: durchschnitt 94,51 kg. die linie schwankt zwischen 95 und 94 kg, am ende fehlen über die feiertage ein paar messungen, die letzten beiden punkte sind bei 93,5 und 94,5 kg

mein ge­wicht nach ta­gen im de­zem­ber 2025

ges­tern auf dem rück­weg von mei­nen el­tern nach hau­se ha­ben fri­da und ich uns ein bic­mac-menü bei mc­do­nalds ge­teilt. also sie hat ein biss­chen rin­der­hack und ein paar pom­mes be­kom­men. das menü war „small“, aber ich moch­te die pom­mes dann doch nicht auf­es­sen. nicht we­gen der ka­lo­rien, son­dern weil sie ein­fach nicht so gut schme­cken, wie das was ich mitt­ler­wei­le zu­hau­se hin­be­kom­me. glei­ches gilt für bur­ger. mei­ne selbst­ge­mach­te „bign­mac sau­ce“ und pat­tis von bey­ond meat sind ein­fach le­cke­rer. und auf­es­sen um des auf­es­sens wil­len, auch wenns nicht wirk­lich gut schmeckt, hab ich mir ab­ge­wöhnt.

aber was mc­do­nalds bie­tet ist: dort schmeckt’s (und riecht es) nach frü­her. es schmeckt nach mc­do­nalds und die­ser ge­schmack ist an vie­le po­si­ti­ve as­so­zia­tio­nen ge­bun­den. aber ges­tern ha­ben mir der drei­vier­tel big mac und ein paar pom­mes ge­reicht um die nost­al­gie (und den ap­pe­tit) zu be­frie­di­gen.

an­de­rer­seits: wo gibt’s das denn sonst noch, dass es­sen so wie vor 45 jah­ren1 schmeckt? selbst bei mei­ner mut­ter schmeckt’s heu­te an­ders als vor 45 jah­ren. sie pro­biert stän­dig neu­es aus. ein re­zept das ich vom dies­jäh­ri­gen weih­nacht­be­such mit­ge­nom­men habe sind gur­ken­sticks:

  • 1 un­ge­schäl­te (bio) gur­ke in sehr gro­be sticks schnei­den
  • 2 ess­löf­fel es­sig (weis­ser bal­sa­mi­co, der bil­li­ge von kauf­land tut’s auch)
  • 1 tee­löf­fel salz
  • sehr viel knob­lauch, mei­ne mut­ter hat­te pro gur­ke eine die­ser di­cken ein­zel-knol­len (so­lo­knob­lauch) un­ter die sticks ge­quetscht
  • op­tio­nal viel fri­schen dill hin­zu­fü­gen
  • al­les gut ver­rüh­ren und min­des­tens 10 mi­nu­ten durch­zie­hen las­sen

tha­t's it.

bei mc­do­nalds in in­gers­le­ben, wo fri­da und ich uns das big­mac-menu ge­teilt ha­ben, woll­te eine an­ge­stell­te fri­da un­be­dingt hal­lo sa­gen. hat sie dann auch ge­macht, wäh­rend wir an der es­sens­aus­ga­be war­te­ten. als wir wie­der auf­bra­chen und noch­mal kurz aufs klo gin­gen, fing sie uns am aus­gang ab und frag­te ob sie dem hund et­was ge­ben kön­ne. sie hat­te ei­nen bur­ger­kar­ton mit drei chi­cken-fi­lets („ohne salz“) und woll­te mir den in die hand drü­cken. ab­ge­se­hen da­von, dass das men­gen­mäs­sig zwei bis drei ta­ges­por­tio­nen für fri­da wä­ren, ver­trägt sie huhn nicht be­son­ders gut. des­halb muss­te ich be­dau­ernd und dan­kend ab­leh­nen.

(rind ver­trägt fri­da ei­gent­lich auch nicht, aber weil die rin­der­brü­he bei mei­ner mut­ter ganz gut ver­trug, hat­te ich ihr auch vom bur­ger pat­ti ab­ge­ge­ben. nor­ma­ler­wei­se be­kommt und ver­trägt fri­da wild.)

ich fand das auf je­den fall herz­al­ler­liebst und ehr­lich­ge­sagt tra­gen aus mei­ner sicht sol­che er­leb­nis­se auch dazu bei, dass mc­do­nalds so be­liebt ist. durch die kon­se­quen­te stan­dar­di­sie­rung (des es­sens, der mit­ar­bei­ter mit mi­gra­ti­ons­hin­ter­grund, der zu­rück­hal­ten­den ge­müt­lich­keit, des ge­ruchs) ist je­des mc­do­nalds welt­weit eine in­sel des ge­wohn­ten und be­kann­ten in der frem­de. der aral-pul­se la­de­park in in­gers­le­ben war kalt, dun­kel, in der tie­fen sach­sen-an­hal­ti­ni­schen pro­vinz, aber di­rekt hin­ter der ein­gangs­tür von mc­do­nalds war es warm, hell, ver­traut — und freund­lich.


2026 wird das jahr an dem ich ernst­haft an mei­nem bu­cket-lis­ten-ein­trag „klimm­zü­ge“ ar­bei­ten wer­de. jetzt nach weih­nach­ten wer­de ich mir eine klimm­zug­stan­ge kau­fen die man im tür­rah­men ein­hän­gen kann. da­mit trai­nie­re ich das sys­te­ma­tisch. mitt­ler­wei­le weiss ich durch den kon­sum von schwer er­träg­li­chen fit­ness-vi­de­os auf you­tube, dass es zu min­des­tens 50% auf die tech­nik an­kommt und es gar nicht mal so ein­fach ist ei­nen be­we­gungs­ab­lauf hin­zu­be­kom­men in dem die rü­cken­mus­ku­la­tur die arme beim hoch­zie­hen un­ter­stützt. und die rü­cken­mus­ku­la­tur will auch auf­ge­baut wer­den. nicht auf der bu­cket list, aber fest vor­ge­nom­men: täg­lich 50-100 lie­ge­stüt­zen in drei­er-ein­hei­ten über den tag ver­teilt min­des­tens 3 mo­na­te durch­zie­hen. frü­her hab ich 100 schnel­le, slop­py lie­ge­stüt­zen am stück ge­schafft, mitt­ler­wei­le schaff ich von den slop­py lie­ge­stüt­zen wie­der 30 am stück. aber ich ver­su­che jetzt 20-30 lang­sa­me am stück auf­zu­bau­en. 8-14 schaf­fe ich da­von im mo­ment, das ist also noch aus­bau­fä­hig und durch die hand- und arm­hal­tung auch sehr gut va­ri­ier­bar.


  1. in aa­chen hat 1978 am markt das ers­te mc­do­nalds er­öff­net. seit den frü­hen 80ern ging ich dort re­la­tiv re­gel­mäs­sig hin. ein­mal sind wir auch des re­stau­rants ver­wie­sen wor­den, weil wir an­de­re gäs­te mit pa­pier­kü­gel­chen aus stroh­hal­men be­schos­sen ha­ben. big macs esse ich ger­ne, seit­dem ich mit­te der 90er 3 tage lang non-stop von ten­nes­see nach wa­shin­gon sta­te mit dem grey­hound-bus ge­fah­ren bin. der grey­hound hielt ge­le­gent­lich an mc­do­nalds-re­stau­rants und mei­ne ent­täu­schung war rie­sig, wenn wir mor­gens bei mc­do­nalds hi­le­ten und es dort „nur“ früh­stück und kei­ne big­macs gab. 

auch wenn mein ge­wicht im de­zem­ber kon­stant bei 94,5 lag, sind die jah­res- und sechs-mo­nats-gra­fik aus ap­ple he­alth op­ti­mis­tisch. aber der be­reich 90-95 kg ist ei­gent­lich ein be­reich in dem ich blei­ben will. mei­ne kla­mot­ten pas­sen mir noch, mei­ne el­tern ha­ben erst nach dem drit­ten bis vier­ten blick ge­se­hen, dass ich 18 kilo ab­ge­nom­men habe und die wer­te die ich er­fas­se (blut­druck, ru­he­puls, ca­ri­do­fit­ness) ha­ben sich si­gni­fi­kant ver­bes­sert. und ich kann auch wie­der auf dem rü­cken schla­fen ohne mich selbst durch in­fer­na­li­sches schnar­chen selbst zu we­cken. und durch die kom­bi­na­ti­on aus be­we­gung und ge­wichts­ver­lust ha­ben sich die krampf­adern die sich in den letz­ten vier, fünf jah­ren an mei­nen un­ter­schen­keln vor­wag­ten, wie­der alle ver­dün­ni­si­ert.


alt wer­den, al­te pfusch­zet­tel, al­te fo­tos

felix schwenzel in artikel

zu weih­nach­ten bin ich bei mei­nen el­tern. mei­ne mut­ter er­zählt, mein va­ter macht das was er im­mer macht und ich stau­ne, wie die klei­nen kon­flik­te, die bei mei­nen el­tern frü­her ge­le­gent­lich es­ka­lier­ten jetzt ein­fach ab­eb­ben. viel­leicht ist das ein wei­te­rer po­si­ti­ver aspekt am al­tern, dass sich das kurz­zeit­ge­däch­nis ver­kürzt und man ein­fach ver­gisst, über was man sich ger­dae auf­ge­regt hat. apro­pos äl­ter wer­den, mei­ne mut­ter er­zähl­te uns aus­la­dend dar­über, dass sie das buch von elke hei­den­reich über das al­tern nicht gut fand, aber sehr be­geis­tert von na­ta­scha wo­dins „Die spä­ten Tage“ ist. in „Die spä­ten Tage“ schreibt sie über das alt­wer­den und eine spä­te gros­se lie­be. ich muss keins der bü­cher le­sen, weil mir mei­ne mut­ter be­reits al­les er­zählt hat.

mei­ne mut­ter er­zählt von ih­rer freun­din vera, die 15 jah­re jüng­ger als sie ist. mitt­ler­wei­le sind bei­de alt, mei­ne mut­ter und vera. im al­ter ver­wi­schen al­ters­un­ter­schie­de. und es ist na­tür­lich auch pfif­fig jün­ge­re freun­de zu ha­ben, das macht sich im al­ter be­zahlt, wenn die gleich­alt­ri­gen oder äl­te­ren freun­de ver­här­ten oder ver­ster­ben.

wit­zi­ger­wei­se er­zähl­te mir mei­ne mut­ter ir­gend­wann auch von ih­ren ela­bo­rier­ten pfusch­zet­teln, an die ich vor ein paar ta­gen auch den­ken muss­te. sie habe die ge­ra­de beim auf­räu­men wie­der­ge­fun­den und ob ich die viel­leicht ha­ben wol­le. ich hab sie erst­mal fo­to­gra­fiert und dann ein­ge­steckt.

wäh­rend mei­ne mut­ter mir ihre ge­ra­de auf­ge­räum­ten schmuck­scha­tul­len zeigt, fällt mein blick auf die­ses alte bild mei­ner mut­ter und mei­ner schwes­ter aus den frü­hen acht­zi­ger­jah­ren.

foto eines fotos aus den achtziger jahren von meiner mutter mit meiner schwester elena auf dem schoss

mei­ne mut­ter zeigt mir den ers­ten band der bob-dy­lan-au­to­bio­gra­fie (Chro­nic­les, Band 1). das habe sie sich ge­kauft, weil es von kath­rin pas­sig (und ger­hard hen­schel) über­setzt wur­de und sie kath­rin pas­sig mal auf der re­pu­bli­ca ken­nen­ge­lernt oder ich sie ihr vor­ge­stellt habe. ich mer­ke wie we­nig ich weiss und freue mich, dass mei­ne mut­ter ih­ren geist mit über acht­zig bes­ser auf trab hält als ich.

ko­mi­scher­wei­se wer­de ich bei mei­nen el­tern nicht nost­al­gisch. die gan­zen al­ten sa­chen we­cken zwar vie­le alte er­in­ne­run­gen, aber ir­gend­wie fal­len mir vor al­lem die neu­en sa­chen auf. dass kon­flik­te zwi­schen mei­nen el­tern jetzt eher ab­b­eb­ben, als zu es­ka­lie­ren. wie schön und fo­to­gen die ge­gend hier in und um heins­berg ist und wie we­nig ich das da­mals of­fen­bar zu schät­zen ge­wusst habe.

panorama-foto von einem kahlen feld, man sieht im hintergrund kahle bäume und sehr weiten, organge-blauer himmel

am him­mel konn­te ich hier heu­te früh min­des­tens zwan­zig flug­zeu­ge se­hen. der him­mel war rie­sig und klar und alle flug­zeu­ge zo­gen kon­desn­strei­fen hin­n­ter sich her. das sieht man zwar auf dem bild nicht wirk­lich, aber so war es.

foto eines geteerten feldwegs, links ein grosser stall, einige kahle bäume am horizont, der morgenhimmel leuchtet orange-blau

mir fal­len aber auch ein paar alte din­ge auf, oder ge­nau­er, wie schnell din­ge die kürz­lich noch neu wa­ren plötz­lich ganz alt wir­ken. hier im haus sind noch über­all die­se kom­pak­ten neon-lam­pen ver­baut, die ein paar hun­dert mil­li­se­kun­den brau­chen, be­vor sie licht ab­ge­ben. die wa­ren vor kur­zem noch der letz­te heis­se scheiss. mein va­ter meint, die ha­lo­gen-läp­chen in sei­nem ba­de­zim­mer hiel­ten im durch­schnitt ge­ra­de mal 2 jah­re. die­se din­ger wa­ren we­gen der nie­der­volt-tech­nik auch mal ein heis­ser neu­er scheiss, mitt­ler­wei­el sieht das wohl kei­ner mehr so. und weil mein va­ter (zu recht) lie­ber kei­ne lei­ter mehr be­stei­gen will, habe ich jetzt wohl alle paar jah­re die auf­ga­be die lämp­chen aus­zu­tau­schen.

fri­da und ich sind heu­te zum ers­ten mal über den kar­ke­ner fried­hof ge­lau­fen. bis­her ha­ben wir das nicht ge­macht, weil ich mich in der re­gel an hun­de-ver­bo­te auf fried­hö­fen hal­te. frü­her bin ich aus des­in­ter­es­se nie über den kar­ke­ner fried­hof ge­al­ufen. heu­te, auf dem rück­weg vom mor­gen­spa­zier­gang, woll­te ich aber ei­nen bo­gen um das mensch-hund-team vor uns ma­chen, in dem der sehr gross ge­wach­se­ne hund ganz of­fen­sicht­lich die ho­sen an hat­te und die marsch­rich­tung be­stimm­te. also sind wir am fried­hof ab­ge­bo­gen.

gemauerter torbogen eingang zum karkener friedhof vom tichelkamp aus

un­se­re hoch­zeit in las ve­gas (vor 17 jah­ren)

felix schwenzel in artikel

vor 17 jah­ren ha­ben wir am 24.12.2008 in las ve­gas ge­hei­ra­tet. aus un­er­find­li­chen grün­den habe ich das hier auf wir­res.net nie rich­tig do­ku­men­tiert. in­sta­gram gabs da­mals noch nicht und twit­ter konn­te da­mals noch kei­ne bil­der. auf twit­pic lie­gen er­staun­li­cher­wei­se noch ein paar bil­der rum (twit­pic.com/wwza und twit­pic.com/vrtf), aber sonst fin­de ich jetzt fast nichts mehr.

was ich da­mals do­ku­men­tiert habe, war un­se­re deut­sche be­hör­den odys­see: hei­ra­ten in las ve­gas (märz 2009)


2008 ha­ben wir uns ent­schlos­sen zu hei­ra­ten — aus steu­er­li­chen grün­den. wir wa­ren da­mals schon drei jah­re zu­sam­men, ka­tia hat­te nichts da­ge­gen zu hei­ra­ten, mir war das eher egal. bis ich ir­gend­wann die steu­er­li­chen rah­men­be­din­gun­gen re­cher­chi­er­te und ka­tia am te­le­fon ei­nen an­trag mach­te: „ich hab das mal nach­ge­rech­net, wir müs­sen lei­der hei­ra­ten.“

da­mals war es schon spät im jahr und wir woll­ten den steu­er­vor­teil für 2008 noch mit­neh­men, also such­ten wir ei­nen weg mög­lichst schnell und un­kom­pli­ziert zu hei­ra­ten. las ve­gas er­schien uns eine gute idee: kei­ne gros­se orga, aus­ser ein ho­tel­zim­mer und ei­nen flug zu bu­chen, kein stress mit der fra­ge wen wir ein­la­den. wir ha­ben ein­fach alle ein­ge­la­den: „wir hei­ra­ten am 24.12 in las ve­gas: kommt ger­ne vor­bei, wir freu­en uns!“

foto des rücksitzbildschirms bei unserem transatlantikfluf am 21.12.2008, wir haben gerade „limerick überflogen“

früh­stück bei den­ny’s

am 21.12.2008 flo­gen wir mit dem kind los und check­ten ins the ve­ne­ti­an ein. un­ser jet­lag zwang uns re­la­tiv früh ins bett und ab 02:00 uhr mor­gens wa­ren wir wie­der wach. las ve­gas schläft ja be­kannt­lich nie, bzw. den ca­si­no-be­trei­bern ist es oh­ne­hin ein gros­ses an­lie­gen, dass nie­mand merkt wie die zeit ver­geht oder wie spät es ist. die aus­sen­tü­ren der ca­si­nos sind meist so tief ge­tönt, dass man in der re­gel von in­nen nicht er­ken­nen kann, ob draus­sen die son­ne scheint oder ob es tie­fe nacht ist. wir sind dann um drei uhr mor­gens ins den­ny’s vor dem ve­ne­ti­an ge­gan­gen (wo­bei den­ny’s im­mer of­fen hat). dort ha­ben wir def­tig ge­früh­stückt und dann den gan­zen tag un­ser tou­ris­ten-pro­gramm ab­ge­spult und uns cha­pels an­ge­se­hen, in de­nen wir hei­ra­ten könn­ten.

foto der little white wedding chapel in las vegas

als ka­pel­le such­ten wir uns die „a litt­le white wed­ding cha­pel“ (wi­ki­pe­dia link) aus, ei­ner­seits weil uns die da­mals schrot­ti­ge web­site ge­fiel und an­de­rer­seits we­gen ro­se­an­ne, die uns ein hoch­zeits­pa­ket-an­ge­bot schnür­te und wäh­rend des be­ra­tungs­ge­sprächs mal kurz („ex­cu­se me for a mo­ment“) an den au­to­schal­ter ging, an dem ge­ra­de ein auto vor­ge­fah­ren war, um dort eine au­to­schal­ter-hoch­zeit zu ab­zu­wi­ckeln, bzw. zu ko­or­di­nie­ren. als sie zu­rück­kam, sag­te sie uns, an das kind ge­rich­tet: „can you do me a fa­vour? never mar­ry in a car!“.

un­ser hoch­zeits­pa­ket um­fass­te eine li­mou­si­nen-an­fahrt aus dem ho­tel, blu­men­ge­ste­cke für die braut und den bräu­ti­gam, ei­nen fo­to­gra­fen der 12 bil­der an­fer­ti­gen wür­de und eine vi­deo­auf­nah­me. den stan­des­be­am­ten, bzw. pas­tor müs­se man se­pa­rat be­zah­len.

nach­dem wir das an­ge­bot an­ge­nom­men hat­ten, in mei­ner er­in­ne­rung war es sen­sa­tio­nell güns­tig, muss­ten wir nur noch un­se­re „mar­ria­ge li­cen­se“ be­sor­gen. da­für geht man ein­fach zum clark coun­ty mar­ria­ge li­cen­se bu­reau, eine be­hör­de die je­den tag von acht uhr mor­gens bis mit­ter­nacht ge­öff­net hat.

über die hoch­zeits-for­ma­li­en und vor al­lem wie man die ame­ri­ka­ni­sche hoch­zeit dann in deutsch­land an­er­ken­nen lässt, habe ich 2009 aus­führ­lich ge­schrie­ben (und jetzt noch­mal ak­tua­li­si­ert): hei­ra­ten in las ve­gas

felix, katia und anton in unserer limosine auf dem parkplatz der „little white wedding chapel“. das foto hat unser freundlicher fahrer gemacht . katia und ich schauen aus dem dachfenster, anton aus dem seitenfenster.

„aber rev stone hat ge­sagt …!“

am 24. hol­te uns dann ein fah­rer am ho­tel ab und fuhr uns zur litt­le white cha­pel.

na­tür­lich wa­ren kei­ne wei­te­ren gäs­te nach las ve­gas ge­kom­men (ob­wohl mei­ne el­tern das kurz in er­wä­gung ge­zo­gen hat­ten), des­halb wa­ren wir mit dem kind, dem fo­to­gra­fen und re­ver­end ro­bert l. stone al­lei­ne in der ka­pel­le. rev stone war ein nied­li­cher al­ter mann mit sehr di­cken bril­len­glä­sern, hin­ter de­nen man sehr freund­li­che gros­se au­gen se­hen könn­te. wir lies­sen ihn vor­ab wis­sen, dass wir athe­is­ten sei­en, aber die ze­re­mo­nie die er ver­an­stal­te­te war trotz des kitsch der uns um­gab sehr ro­man­tisch und rühr­se­lig. am ende hat­ten wir alle ein biss­chen feuch­te au­gen. er frag­te uns auch, ob er „trotz­dem“ für uns be­ten könn­te, was uns auch be­weg­te, athe­is­mus hin oder her.

rev stone spielt nach wie vor eine gros­se rol­le in un­se­rem le­ben, es ver­geht kaum ein mo­nat in dem nicht ei­ner von uns bei­den sagt: „aber rev stone hat ge­sagt …!“ lei­der ist rev. stone 2021 ge­stor­ben, auf sei­ner ob­itua­ry-sei­te kann man das eine oder an­de­re aus sei­nem le­ben er­fah­ren.

nach der hoch­zeit sind wir noch über den grand can­yon, palm springs und san die­go nach los an­ge­les ge­fah­ren. wäh­rend es in las ve­gas an­ge­nehm warm war, war es am grand can­yon bit­ter­kalt. um so schö­ner war es in palm springs, wo es ende de­zem­ber früh­lings­haft warm war. die hoch­zeits­rei­se war, wie die hoch­zeit, eine wil­de mi­schung ex­tre­mer kon­tras­te, kalt, warm, heiss, kit­schig, herz­lich, bunt, pom­pös und un­bü­ro­kra­tisch. das mit den kon­tras­ten, mit den ex­tre­men, das kön­nen die ame­ri­ka­ner. und in las ve­gas kön­nen sie hoch­zei­ten. wir be­reu­en es nicht und kön­nen hei­ra­ten in las ve­gas von gan­zem her­zen emp­feh­len.


[m]

die re­pu­bli­ca hat ihre (web­site) tore ge­öff­net. man kann jetzt ti­ckets bu­chen und sich zum auf­tre­ten be­wer­ben. in den letz­ten jah­ren hab ich das oft ver­passt. weil ich es die­ses jahr schon mit­te de­zem­ber be­merkt habe, kann ich vor weih­nach­ten dar­über nach­den­ken ob ich nächs­tes jahr auf der re­pu­bli­ca et­was er­zäh­len möch­te.

ei­gent­lich hab ich das ge­fühl, dass ich auf der re­pu­bli­ca be­reits al­les ge­sagt habe, was zu sa­gen ist. in mei­nen re­pu­bli­ca-bei­trä­gen hab ich ge­le­gent­lich auch ge­scherzt, dass ich je­des jahr das glei­che vor­tra­ge. was ei­ner­seits stimmt, an­de­rer­seit nicht. the­ma­tisch wür­de zum dies­jäh­ri­gen mot­to mein vor­trag zu erich fromm von 2017 pas­sen. wenn die re­pu­bli­ca zum dies­jäh­ri­gen mot­to schreibt …

„Never gon­na give you up“ ist mehr als ein nost­al­gi­scher Ohr­wurm oder ein lus­ti­ges Meme. Es ist eine Er­in­ne­rung dar­an, war­um es sich lohnt sich ein­zu­set­zen – für Viel­falt, Teil­ha­be und Mensch­lich­keit.

… dann wäre der hu­ma­nis­mus von erich fromm und mein auf­ruf dar­an zu ar­bei­ten uns selbst und an­de­re zu lie­ben auf je­den fall ein pas­sen­der bei­trag zum 26er mot­to der re­pu­bli­ca. aber eben auch ein bei­trag den ich be­reits ge­ge­ben habe. 2018 hab ich dann im prin­zip er­neut für mehr au­to­no­mie, ge­las­sen­heit und op­ti­mis­mus im um­gang mit der welt plä­diert (war­um wir nach fra­gen, nicht nur nach ant­wor­ten su­chen müs­sen). die rei­se nach in­nen als po­li­ti­scher akt, als ers­ter schritt zur welt­ver­bes­se­rung die ei­gen­lie­be und selbst­be­stim­mung.

ich habe mir eben von ge­mi­ni mei­ne bei­den re­pu­bli­ca vor­trä­ge von 2017 und 2018 zu­sam­men­fas­sen las­sen und ab­ge­se­hen da­von, dass ge­mi­ni das wirk­lich gut und prä­zi­se macht, sehe ich deut­lich, dass sich bei­de vor­trä­ge schon sehr äh­neln. mein witz, dass ich je­des jahr das glei­che auf der re­pu­bli­ca er­zäh­le hat also ein paar wah­re ker­ne.

die von ge­mi­ni ex­tra­hier­te bot­schaft mei­nes 2017er bertrags lau­tet …

Die Bot­schaft: Statt nur ge­gen et­was zu sein oder pas­siv zu kon­su­mie­ren, soll­ten wir ak­tiv wer­den und durch un­se­re ei­ge­ne Hal­tung die Welt „mil­li­me­ter­wei­se“ zum Gu­ten ver­schie­ben.

… und wür­de des­halb wohl auch zum 2026er mot­to pas­sen. mach ich aber nicht, kann man ja auf you­tube schau­en und ein best of schwen­zel auf­tritt auf der re­pu­bli­ca wür­de wohl nie­man­den hin­ter dem han­dy her­vor­lo­cken.


ur­sprüng­lich hab ich mei­ne auf­trit­te auf der re­pu­bli­ca als per­sön­li­che her­aus­for­de­run­gen ge­se­hen. schaf­fe ich es zu völ­lig ab­sur­den the­sen und ti­teln 30 mi­nu­ten vor­trag zu ge­ne­rie­ren die nicht völ­lig lang­wei­lig sind und mich nicht to­tal bla­mie­ren? „10 vor­schlä­ge die welt zu ver­bes­sern“, „wie ich lern­te die über­wa­chung zu lie­ben“, war­um das in­ter­net schei­ße ist. meis­tens war ich am ende zu­frie­den mit mei­nen vor­trä­gen, das pu­bli­kum auch. ju­dith hor­chert fass­te mei­nen ge­dämpf­ten high-per­for­mance ehr­geiz mit dem ich an re­pu­bli­ca vor­trä­ge her­an­ging da­mals (2012) pas­send zu­sam­men:

Fe­lix Schwen­zel ist Web-Ent­wick­ler und Blog­ger, auch wenn er das selbst längst nicht mehr so nennt, son­dern lie­ber "ein­fach so ins In­ter­net" schreibt. Ge­nau­so hält er dies­mal "ein­fach so" ei­nen Vor­trag, der schon skur­ril be­ginnt: "Das In­ter­net be­steht aus Men­schen. Das ist mei­ne The­se", sagt er und stellt gleich dar­auf tro­cken fest, dass das ja ei­gent­lich kei­ne The­se sei, son­dern eine Plat­ti­tü­de. Macht aber nichts. Im­mer­hin reicht so eine Aus­sa­ge bei ei­nem Schwen­zel-Vor­trag für meh­re­re Fo­li­en und so­gar für ein vor­läu­fi­ges Fa­zit, auch wenn er da lie­ber "noch ein biss­chen dran ar­bei­ten" wol­le.


2024 habe ich mich dann zu ei­nem the­ma be­wor­ben, zu dem ich aus­nahms­wei­se ex­per­ti­se hat­te — oder mir zu­min­dest über 4 jah­re eine ge­wis­se ex­per­ti­se er­ar­bei­tet hat­te. mir war es ein an­lie­gen über hun­de zu spre­chen, de­ren er­zie­hung und un­ser ver­hält­nis zu ih­nen und das na­tür­lich auch (wie­der) in den gros­sen zu­sam­men­hang der mil­li­me­ter­wei­sen welt­ver­bes­se­rung zu stel­len: hun­de sind auch nur men­schen.

2020 woll­te ich über ein an­de­re the­ma, in dem ich mir ex­per­ti­se er­ar­bei­tet hat­te, spre­chen: heim­au­to­ma­ti­sie­rung. we­gen co­vid blieb es dann aber beim vor­trags­vor­schlag. heu­te glau­be ich, dass heim­au­to­ma­ti­sie­rung kein gu­ter re­pu­bli­ca-bei­trag ge­wor­den wäre. ge­nau­so wie ein vor­trag über das blog­gen auf der re­pu­bli­ca 2026 wohl eher wie ein luft­hauch ein­schla­gen wür­de, also we­der in­ter­es­se noch in­ter­ess­anz ge­ne­rie­ren wür­de.


dazu kommt, dass ein vor­trag auf der re­pu­bli­ca sehr viel ar­beit be­deu­tet. zu­min­dest für mich. für et­was leich­tig­keit, un­ter­halt­sam­keit, spon­ta­ni­tät be­nö­ti­ge ich enorm viel vor­be­rei­tung. ich ste­cke ger­ne viel ar­beit in vor­trä­ge (oder auch ar­ti­kel hier und an­ders­wo), weil mir schrei­ben hilft die welt zu ver­dau­en und zu ver­ste­hen, mei­nen denk­ap­pa­rat be­schäf­tigt und trai­niert und ich am ende mehr weiss als vor­her.

aber um mich für so viel ar­beit zu mo­ti­vie­ren, brau­che ich schon eine ge­wis­se eu­pho­rie­ba­sis um den grös­sen­wahn ei­nes sol­chen pro­jekts zu le­gi­ti­mie­ren. tat­säch­lich gibt es der­zeit ein paar the­men die mich enorm fas­zi­nie­ren und zu de­nen ich null ex­per­ti­se habe. lei­der sind die the­men so breit ge­streut, dass ich trotz in­ten­si­ven nach­den­kens noch nicht auf eine the­ma­ti­sche klam­mer ge­kom­men bin, wes­halb ich sie jetzt mal auf­schrei­be und so schrift­lich drü­ber nach­den­ke.

die the­men sind im gros­sen und gan­zen den­ken, in­tel­li­genz, netz­werk­ef­fek­te, spiel­theo­rie und teil­chen­phy­sik.

mein in­ter­es­se am the­men­kom­plex „den­ken“ und „in­tel­li­genz“ hängt mit mei­ner ju­gend­li­chen lek­tü­re von ho­imar von dit­furth zu­sam­men. in „im an­fang war der was­ser­stoff“ ar­gu­men­tiert dit­furth ja, dass in­tel­li­genz und geis­ti­ge prin­zi­pi­en nicht erst mit dem mensch­li­chen ge­hirn in die welt ka­men. die na­tur zeig­te in­tel­li­gen­tes „ver­hal­ten“, lan­ge be­vor es neu­ro­na­le struk­tu­ren gab. sei­ne zen­tra­le the­se ist dass die ent­wick­lung vom was­ser­stoff­atom bis hin zum mensch­li­chen be­wusst­sein kein zu­fall, son­dern eine in der ma­te­rie an­ge­leg­te zwangs­läu­fig­keit war. die­se the­sen hän­gen im­mer wie ein schlei­er über mei­nen ge­dan­ken, wenn ich über künst­li­che in­tel­li­genz oder künst­li­che neu­ro­na­le net­ze nach­den­ke.

aber noch fas­zi­nie­ren­der, und da schliesst sich der kreis zur teil­chen­phy­sik, ist was ge­mi­ni in sei­ner zu­sam­men­fas­sung von „im an­fang war der was­ser­stoff“ schrieb:

Dar­aus lei­tet Dit­furth ab, dass un­ser heu­ti­ges mensch­li­ches Be­wusst­sein und un­se­re In­tel­li­genz nicht der End­punkt der Evo­lu­ti­on sind. Da sich der Kos­mos als ein sich selbst or­ga­ni­sie­ren­des Sys­tem stän­dig wei­ter­ent­wi­ckelt, be­trach­tet er den Men­schen eher als eine Über­gangs­form. Un­se­re In­tel­li­genz ist le­dig­lich das ak­tu­el­le Werk­zeug, mit dem das Uni­ver­sum be­gon­nen hat, über sich selbst nach­zu­den­ken – aber kei­nes­wegs das letz­te oder höchs­te.

die­se sicht­wei­se, dass wir ein weg des uni­ver­sums sind, über sich selbst nach­zu­den­ken, wird auch von carl sa­gan und bri­an cox ver­tre­ten.

The cos­mos is wi­thin us. We are made of star-stuff. We are a way for the uni­ver­se to know its­elf.

Carl Sa­gan

We are the cos­mos made con­scious and life is the me­ans by which the uni­ver­se un­der­stands its­elf.

Bri­an Cox

in die­ser aus­ga­be von star talk von neil de­gras­se ty­son („Are We The Uni­ver­se’s Way of Kno­wing Its­elf?“) spre­chen cox und ty­son ge­nau dar­über, über emer­genz und — na­tür­lich — teil­chen­phy­sik. bri­an cox kann ich stun­den­lang zu­hö­ren, vor al­lem wie er die un­ge­wiss­hei­ten sei­nes for­schungs­felds ver­ständ­lich macht und wie er da­mit um­geht, dass wir be­reits ei­ni­ges wis­sen, aber trotz­dem fast nichts rich­tig ver­ste­hen.

die the­men netz­werk­ef­fek­te und spiel­theo­rie spie­len in ei­ner ähn­li­chen liga. bei bei­den ent­ste­hen aus ein­fa­chen re­geln kom­ple­xe sys­te­me aus de­ren be­ob­ach­tung wir ei­ni­ges ab­lei­ten kön­nen, das uns im um­gang mit mo­der­nen tech­no­lo­gien und ge­sell­schaft­li­chen her­aus­for­de­run­gen hel­fen könn­te. zum fas­zi­no­sum spiel­theo­rie war die­ses ve­ri­ta­si­um-vi­deo mei­ne ein­steigs­dro­ge. ge­mi­ni:

Das Vi­deo ver­bin­det das „Klei­ne-Welt-Phä­no­men“ (Small-World-Net­work) mit der Spiel­theo­rie, ins­be­son­de­re dem Ge­fan­ge­nen­di­lem­ma. Ro­bert Axel­rods Com­pu­ter­tour­nie­re in den 1980er Jah­ren zeig­ten, dass in wie­der­hol­ten Spie­len ko­ope­ra­ti­ve Stra­te­gien wie „Tit for Tat“ (wie du mir, so ich dir) am er­folg­reichs­ten sind, so­lan­ge sie „nett“ (be­gin­nen ko­ope­ra­tiv), „ver­gess­lich“ (nicht nach­tra­gend) und „klar“ (vor­her­seh­bar) sind. Watts und Stro­gatz über­tru­gen dies auf Netz­wer­ke und zeig­ten, dass in stark ver­netz­ten „Small-World“-Struk­tu­ren Ko­ope­ra­ti­on eben­falls ge­dei­hen kann, aber an­fäl­lig ist, wenn zu vie­le „Ab­kür­zun­gen“ (zu­fäl­li­ge Ver­bin­dun­gen) die lo­ka­len Ko­ope­ra­ti­ons­clus­ter auf­bre­chen. Das Vi­deo il­lus­triert die­se Prin­zi­pi­en an­hand rea­ler Bei­spie­le wie dem Kal­ten Krieg (Nu­klea­re Ab­rüs­tung), Tier­ver­hal­ten (Sym­bio­se) und dem mo­der­nen In­ter­net, wo­bei es be­tont, dass in­di­vi­du­el­le Ent­sch­ei­dun­gen zur Ko­ope­ra­ti­on lang­fris­tig die bes­ten Er­geb­nis­se für alle lie­fern kön­nen, selbst in ei­ner Welt vol­ler Ego­is­ten.

zum the­ma netz­werk­ef­fek­te war es die­ses ve­ri­ta­si­um vi­deo. ge­mi­ni:

Das Vi­deo be­leuch­tet die ma­the­ma­ti­schen Prin­zi­pi­en hin­ter dem „Klei­ne-Welt-Phä­no­men“ (Small-World-Net­work), das er­klärt, war­um in rie­si­gen Netz­wer­ken – sei­en es Men­schen, Neu­ro­nen oder Web­sei­ten – je­der Punkt mit je­dem an­de­ren über nur we­ni­ge Ecken ver­bun­den ist. Die Kern­te­o­rie von Watts und Stro­gatz zeigt, dass be­reits we­ni­ge zu­fäl­li­ge „Ab­kür­zun­gen“ (Short­cuts) in ei­nem stark ge­clus­ter­ten Netz­werk ge­nü­gen, um die durch­schnitt­li­che Di­stanz dras­tisch zu ver­kür­zen, wäh­rend Al­bert-Lá­szló Bar­a­bá­si mit dem Prin­zip des „Pre­fe­ren­ti­al At­tach­ment“ er­gänzt, dass Netz­wer­ke or­ga­nisch wach­sen, in­dem neue Kno­ten be­vor­zugt an be­reits stark ver­netz­te an­do­cken, wo­durch zen­tra­le „Hubs“ ent­ste­hen, die das Sys­tem ex­trem ef­fi­zi­ent, aber auch an­fäl­lig für die schnel­le Aus­brei­tung von Krank­hei­ten oder In­for­ma­tio­nen ma­chen.


kei­ne ah­nung wie und ob ich das zu ei­nem strin­gen­ten the­ma oder vor­trags­vor­schlag zu­sam­men­bin­den kann. die­ser ar­ti­kel ist je­den­falls der ers­te schritt da­hin und zeigt auch, dass men­schen (oder zu­min­dest ich) gar nicht mal so gute den­ker sind. ni­klas luh­mann soll sinn­ge­mäss ge­sagt ha­ben, dass das den­ken ohne schrei­ben gar nicht in der Tie­fe mög­lich ist. das schrei­ben sei nicht das er­geb­nis des den­kens, son­dern der pro­zess des den­kens selbst. oder wie ich es mal ge­sagt habe, ins in­ter­net schrei­ben gleicht ei­nem ver­dau­ungs­vor­gang.

in die­sem sin­ne habe ich jetzt den re­pu­bli­ca26 call for pa­pers vor­ver­daut. ob am ende ne schö­ne vor­trags­wurst raus­kommt ist jetzt noch nicht ab­zu­se­hen.


an­mer­kun­gen, nach­trä­ge, [m]:

  • die mot­to-il­lus­tra­ti­on/ani­ma­ti­on der re­pu­bli­ca26 oben hab ich mo­di­fi­ziert da­mit sie ei­nen dunk­len hin­ter­grund hat. für den RSS-feed hab ich ein gif er­zeugt.
  • die zu­sam­men­fas­sun­gen von zwei mei­ner vor­trä­ge durch goo­gles ge­mi­ni (3 pro) ha­ben mich so sehr fas­zi­niert, dass ich sie noch­mal se­pa­rat ver­öf­fent­licht habe (2017 und 2018). in ge­wis­sem sin­ne sind das ja zeit­do­ku­men­te, die den er­staun­li­chen stand die­ser tech­no­lo­gie il­lus­trie­ren. viel­leicht hat ge­mi­ni die vor­trä­ge in sei­ner zu­sam­men­fas­sung durch LLM-klug­schiss so­gar ver­bes­sert.

„denkt doch mal an die kin­der“

felix schwenzel in artikel

als ich ein kind war, stu­dier­te mei­ne mut­ter son­der­päd­a­gi­gik. zwei din­ge sind mir aus die­ser zeit in er­in­ne­rung. zum ei­nen hat­te sie sich für eine prü­fung ei­nen drei me­ter lan­gen „pfusch­zet­tel“ ge­a­baut, auf dem der text ih­rer schrift­li­chen prü­fung zum ab­schrei­ben stand. der „zet­tel“ war win­zig und auf zwei rol­len ge­rollt. der text war schreib­ma­schi­nen­ge­schrie­ben und mehr­fach klein­ko­piert. ich habe die­se idee na­tür­lich auch in mei­ner schul­lauf­bahn ger­ne an­ge­wandt und mir für mei­ne ab­itur­kau­su­ren auch ela­bo­rier­te „pfusch­zet­tel“ er­stellt. al­ler­dings zeig­te sich, dass ich die gar nicht nut­zen muss­te, denn al­lein die er­stel­lung der zet­tel ver­an­ker­te das lern­gut so gut in mei­nem kurz­zeit­ge­däch­nis, dass ich die zet­tel wäh­rend der prü­fun­gen gar nicht brauch­te. es zeigt sich auch heu­te nütz­lich wis­sen oder lern­stoff zu struk­tu­rie­ren, zu kom­pri­mie­ren und ir­gend­wo auf­zu­schrei­ben, so dass man im not­fall drauf zu­grei­fen kann (aber nicht muss).

man­che nen­nen die­sen vor­gang auch blog­gen.

das an­de­re was mir in er­in­ne­rung blieb, war eine sta­tis­tik, die sie für ihre ab­schluss­ar­beit re­cher­chi­ert hat­te. näm­lich dass sich in deutsch­land si­gni­fi­kant mehr leu­te für tier­schutz ein­set­zen, als für kin­der­schutz. zu­min­dest ge­mes­sen an den mit­glie­der­zah­len der zwei wich­tigs­ten ver­ei­ne; dem deut­schen kin­der­schutz­bund und dem deut­schen tier­schutz­bund. laut ei­gen­an­ga­ben des kin­der­schutz­bun­des und des wi­ki­pe­dia­ein­trags des tier­schutz­bun­des, gibt es ca. 50.000 un­er­stüt­zer des kin­der­schutz­bun­des und ca. 800.000 un­ter­stüt­zer des deut­schen tier­schutz­bun­des.

ich habe da im­mer wie­der drü­ber nach­ge­dacht, was das für grün­de ha­ben kann, und ei­ner da­von ist si­cher­lich, dass der ein­satz für tie­re sich we­ni­ger po­li­tisch an­fühlt, zu­min­dest, wenn die po­li­ti­sche­ren ver­ei­ne wie peta aus­klam­mert. ein an­de­rer grund könn­te sein, dass „die po­li­tik“ zwar im­mer wie­der ger­ne vor­gibt, et­was für kin­der zu tun und da ak­ti­vis­tisch tä­tig ist, sich aber ge­fühlt eher sel­ten für das tier­wohl ein­setzt. mög­li­che­ri­wei­se lässt das ei­ni­ge men­schen glau­ben, dass man des­halb mehr für tie­re tun müss­te.

tat­sa­che ist je­den­falls, dass vie­le po­li­ti­ker sehr gut wis­sen, dass man po­li­ti­sche vor­ha­ben viel leich­ter durch­set­zen kann, wenn man sie mit (ver­meint­li­chen) kin­des­wohl ver­knüpft.

  • denkt doch mal an die kin­der! wir brau­chen zu­gangs­sper­ren im in­ter­net um kin­der zu schüt­zen! (zu­gangs­er­schwe­rungs­ge­setzt, „zen­sur­su­la“)
  • wir müs­sen kom­mu­ni­ka­ti­ons­da­ten al­ler men­schen um­fas­send spei­chern um kin­des­miss­brauch (und ter­ror) bes­ser auf­kä­ren zu kön­nen. (vor­rats­da­ten­spei­che­rung)
  • wir müs­sen zum schutz der kin­der ver­schlüs­sel­te kom­mu­ni­ka­ti­on ver­bie­ten (chat­kon­trol­le, CSAM dis­kus­si­on)
  • wir müs­sen „kil­ler­spie­le“ zum schutz der kin­der ver­bie­ten

Kla­re Mehr­heit für So­cial-Me­dia-Ver­bot für un­ter 16-Jäh­ri­ge

(„bild“)

und jetzt ganz neu, nicht nur in aus­tra­li­en, son­dern auch hier ger­ne dis­ku­tert, kin­der und ju­gend­li­che aus öf­fent­li­chen räu­men ver­ban­nen, zu ih­rem ei­ge­nen schutz. eine um­fra­ge der bild sug­ge­riert zu­min­dest, dass nicht we­ni­ge men­schen für solch eine idee zu be­geis­tern sind (tho­mas hat ein fak­si­mi­le der „bild“-um­fra­ge, die ich nicht nur mit ei­nem „grain of salt“ ge­nies­sen wür­de, son­dern eher mit ein zwei tee­löf­feln salz).

ganz sel­ten hört man aus re­gie­rungs­krei­sen auf­ru­fe wie:

  • wir müs­sen an un­se­re kin­der den­ken und mög­lichst schnell und kon­se­quent ver­bren­ner-mo­to­ren durch elek­tro­an­trie­be er­set­zen.
  • wir brau­chen stren­ge­re und nied­ri­ge­re tem­po­li­mits um kin­der- und men­schen­le­ben zu schüt­zen
  • wir sind es un­se­ren kin­dern und de­ren zu­kunft schul­dig al­les men­schen­mög­li­che für den kli­ma­schutz zu tun und auch vor mass­neh­men wie der re­duk­ti­on un­se­res land­ver­brauchs und der tier­hal­tung nicht zu­rück­schre­cken.

kin­des­wohl in po­li­ti­ker­re­den wird ger­ne als ar­gu­ment ge­nutzt, wenn es kei­nem er­wach­se­nen oder lob­by­is­ten weh­tut. das ist das prak­ti­sche an die­ser ar­gu­men­ta­ti­ons­wei­se. die kin­der muss man nicht fra­gen, kin­der ha­ben kei­ne oder nur schwa­che lob­bys und die wün­sche von kin­dern kann man ein­fach über­ge­hen, weil man ja ein­fach un­wi­der­spro­chen vor­ge­ben kann, es bes­ser zu wis­sen.

was ei­ni­gen er­wach­se­nen weh­tun wür­de und den ei­nen oder an­de­ren lob­by-ver­band zu hef­ti­gem wi­der­stand brin­gen wür­de, wä­ren mass­nah­men wie die, die tho­mas gi­gold in die­sem ar­ti­kel vor­schlug:

Wie wäre es, wenn wir statt Kin­der vor­zu­schie­ben uns mal als Ge­sell­schaft fra­gen: Wol­len wir all die Ge­walt, Ma­ni­pu­la­ti­on und Hass-Rede wirk­lich? Braucht es die wirk­lich im de­mo­kra­ti­schen Dis­kurs? Oder wäre es nicht viel­leicht bes­ser, an den gro­ßen Tech-Platt­for­men die glei­chen Maß­stä­be an­zu­le­gen, wie an TV, Ra­dio, DVD und Com­pu­ter-Spie­le – und die "harm­lo­se" Ver­si­on zum Stan­dard zu ma­chen?

oder an­ders ge­fragt, wie wäre es die vor­han­de­nen ge­setz­te ge­gen ge­walt­dar­stel­lung, miss­brauch und het­ze mal durch­zu­set­zen?

weil show- oder schau­fens­ter­po­li­tik so viel leich­ter ist, hat man of­fen­sicht­lich in aus­tra­li­en auf die re­gu­lie­rung von wer­bung für wet­ten ver­zich­tet und lie­ber kin­der und ju­gend­li­che aus öf­fent­li­chen räu­men („so­cial me­dia“) im in­ter­net ver­bannt:

Turns out the cam­paign pushing har­dest for the ban was run by an ad agen­cy that makes gambling ads. The same gambling ads that were fa­cing their own po­ten­ti­al ban—un­til the Aus­tra­li­an go­vern­ment de­ci­ded that, hey, with all the kids ki­cked off so­cial me­dia, gambling ads can stay.

po­li­ti­ker und po­li­ti­ke­rin­nen die ihre po­li­tik mit mass­nah­men zum kin­der­schutz be­grün­den soll­te man in den meis­ten fäl­len wie drü­cker­ko­lon­nen an haus­tü­ren und fuss­gän­ger­zo­nen be­han­deln. igno­rie­ren, nach hau­se ge­hen und sich ge­dan­ken über fleisch­lo­se­re er­näh­rung ma­chen und wie man sich po­li­tisch en­ga­gie­ren könn­te.

po­li­ti­ker die drü­cker­ko­lon­nen-tak­ti­ken nut­zen, sich erst beim wahl­volk ein­zu­schlei­men ver­su­chen, dann emo­tio­nen auf­rüh­ren und zum spen­den oder wäh­len brin­gen wol­len, soll­te man mit häme und bes­se­ren ar­gu­men­ten über­gies­sen.

bootleggers and baptists

po­li­ti­kern und lob­by­is­ten ist es ge­le­gent­lich egal wie sie un­ter­stüt­zung für ihre vor­ha­ben er­rei­chen. ein klas­si­ches kon­zept scheint ein bünd­nis aus mo­ra­lisch mo­ti­vier­ten ak­teu­ren und wirt­schaft­li­chen pro­fi­teu­ren zu sein, das mike mas­nick hier be­schreibt:

The­re’s a fa­mous con­cept around re­gu­la­ti­ons known as “boot­leg­gers and Bap­tists,” as a short­hand way of de­not­ing some of the more cy­ni­cal “stran­ge bed­fel­lows” that team up to get cer­tain re­gu­la­ti­ons in place. The ca­no­ni­cal ex­am­p­le, of cour­se, be­ing the tem­pe­rance mo­ve­ment that sought to ban al­co­hol. Boot­leg­gers (il­le­gal, un­der­ground al­co­hol pro­du­cers) loved the idea of pro­hi­bi­ti­on, be­cau­se it would great­ly in­crease de­mand for their pro­duct, for which they could cash in.

But, no one wants to pu­blicly ad­vo­ca­te for pro­hi­bi­ti­on on be­half of the boot­leg­gers. So, you find a group to be the pu­blic face to pre­sent the coo­ked up mo­ral pa­nic, mo­ra­li­zing ar­gu­ment for the ban: the Bap­tists. They run around and talk about how da­ma­ging al­co­hol is and how it must be ban­ned for the good of so­cie­ty. It’s just be­hind the sce­nes that the boot­leg­gers loo­king to pro­fit are hel­ping move along the le­gis­la­ti­on that will do exact­ly that.

gute po­li­tik ist müh­sam. nicht nur für po­li­ti­ker, auch für die wäh­len­den. die ei­nen soll­ten wege su­chen die welt, das in­ter­net für alle bes­ser zu ma­chen, die an­de­ren auch. der witz ist: wir kön­nen die po­li­tik nicht nur den po­li­ti­kern über­las­sen. wir müs­sen ih­nen auf die fin­ger schau­en und ihre ta­schen­spie­ler­tricks er­ken­nen und de­mas­kie­ren. wir soll­ten die ta­schen­spie­ler­tricks aber nicht nur de­mas­kie­ren, son­dern ih­nen bes­se­re al­ter­na­ti­ven ent­ge­gen­stel­len (das hat schon ein­mal funk­tio­niert, da­mals zu zen­sur­su­la-zei­ten: lö­schen statt sper­ren).

das pro­blem ist viel­leicht auch, dass wir alle ver­lernt ha­ben un­se­re ei­ge­nen pfusch­zet­tel zu er­stel­len (uns mit den pro­ble­men der welt aus­ein­an­der­set­zen) und statt­des­sen mehr und mehr vor­for­mu­lier­te, re­a­dy-made pfusch­zet­tel nut­zen und uns so durch feh­len­de, ech­te aus­ein­an­der­set­zung leicht in­stru­men­ta­li­sie­ren las­sen. und das scheint mir für alle zu gel­ten, nicht nur po­li­ti­ker und po­li­ti­ke­rin­nen.


nach­trag: die taz 2014 über „Denkt doch an die Kin­der!“:

[Die] Ber­li­ner Rechts­me­di­zi­ne­rin Saskia Et­zold, die tag­täg­lich miss­han­del­te Kin­der un­ter­sucht: „Ich habe das Ge­fühl, in ei­nem Land zu le­ben, in dem El­tern­rech­te wich­ti­ger sind als Kin­der­rech­te“, sagt Et­zold. Kin­des­miss­hand­lun­gen wür­den kol­lek­tiv ver­leug­net, der Staat ver­sa­ge als obers­ter Wäch­ter des Kin­des­wohls. 200.000 Kin­der wür­den nach kon­ser­va­ti­ven Schät­zun­gen jähr­lich in Deutsch­land miss­han­delt, mit gro­ßer Wahr­schein­lich­keit mehr.

nach­trag 18.12.2025:

da­nah boyd (2024) via mi­cha­el tsai:

Sin­ce the “so­cial me­dia is bad for teens” myth will not die, I keep ha­ving in­ten­se con­ver­sa­ti­ons with col­le­agues, jour­na­lists, and fri­ends over what the re­se­arch says and what it doesn’t. (Ali­ce Mar­wick et. al put tog­e­ther a gre­at litt­le pri­mer in light of the le­gis­la­ti­ve mo­ves.)

[…]

Can so­cial me­dia be ris­ky for youth? Of cour­se. So can school. So can fri­end­ship. So can the kit­chen. So can na­vi­ga­ting par­ents. Can so­cial me­dia be de­si­gned bet­ter? Ab­so­lut­e­ly. So can school. So can the kit­chen. (So can par­ents?) Do we al­ways know the best de­sign in­ter­ven­ti­ons? No. Might tho­se de­sign in­ter­ven­ti­ons back­fi­re? Yes.

Does that mean that we should give up try­ing to im­pro­ve so­cial me­dia or other di­gi­tal en­vi­ron­ments? Ab­so­lut­e­ly not. But we must also re­co­gni­ze that try­ing to ce­ment de­sign into law might back­fi­re. And that, more ge­ne­ral­ly, tech­no­lo­gies’ risks can­not be ma­na­ged by de­sign alo­ne.

[…]

Do some peo­p­le ex­pe­ri­ence harms th­rough so­cial me­dia? Ab­so­lut­e­ly. But it’s im­portant to ack­now­ledge that most of the­se harms in­vol­ve peo­p­le using so­cial me­dia to harm others. It’s re­asonable that they should be held ac­coun­ta­ble. It’s not re­asonable to pre­su­me that you can de­sign a sys­tem that al­lows peo­p­le to in­ter­act in a man­ner whe­re harms will never hap­pen. As every school prin­ci­pal knows, you can’t sol­ve bul­ly­ing th­rough the de­sign of the phy­si­cal buil­ding.


der bes­te dru­cker 2025

felix schwenzel in artikel

über rei­ner­wein und die­sen blues­ky-bei­trag …

… bin ich ges­tern auf die­sen bei­trag auf the­ver­ge.com ge­stol­pert.

nil­ay pa­tel schreibt dar­in das glei­che, was er seit drei jah­ren jähr­lich macht: dass der bes­te dru­cker, den man sich kau­fen kann, (ir­gend) ein brot­her la­ser-dru­cker sei.

I have been re­com­men­ding peo­p­le buy wha­te­ver Brot­her la­ser prin­ter is on sale for th­ree ye­ars now, and no one has ever got­ten mad at me about it.

ich gehe da­von aus, dass er recht hat, auch wenn wir hier zu hau­se ei­nen brot­her tin­ten­strah­ler ha­ben, der durch­aus ein paar zi­cken hat. das gute, so­weit ich es aus ei­ge­ner und an­ge­le­se­ner er­fah­rung weiss, ist das brot­her dritt­her­stel­ler-tin­te und -to­ner klag­los ak­zep­tiert — zu­min­dest bis jetzt. das ist kei­nes­falls selbst­ver­ständ­lich, weil das üb­li­che ge­schäfts­mo­del von dru­cker­her­stel­lern ist, die hard­ware sub­ven­tio­niert (also ver­bil­ligt) zu ver­kau­fen und dann die ver­brauchs­ma­te­ria­li­en teu­rer zu ver­kau­fen. die prei­se der tin­te ori­en­tie­ren sich of­fen­bar an den gramm-prei­sen für teu­re par­füms.

je­den­falls ist ei­ner­seits der hin­weis von the ver­ge auf la­ser-dru­cker und an­de­rer­seits auf brot­her-dru­cker eine gute idee. aber der ar­ti­kel von nil­ay pa­tel dreht sich nicht nur um eine dru­cker-emp­feh­lung, son­dern auch um such­ma­schi­nen-op­ti­mie­rung. dass nil­ay pa­tel den glei­chen ar­ti­kel je­des jahr schreibt hat — na­tür­lich — ge­nau die­sen grund: such­ma­schi­nen­op­ti­mie­rung. nur lei­der ist die kon­ku­renz in sa­chen such­ma­chi­nen­op­tim­ni­er­te dru­cker-emp­feh­lun­gen nicht ge­ra­de klein.

[…] Ma­king sure this in­for­ma­ti­on is at the top of Goog­le’s search re­sults is a dog­fight against a num­ber of ruthl­ess con­tent farms that are flat­ly bet­ter at pum­ping search en­gi­nes with gar­ba­ge to ge­ne­ra­te af­fi­lia­te re­ve­nue than we are, be­cau­se our news­room in­sists on the ar­chaic con­cepts of “di­gni­ty” and “self-re­spect.”

er be­klagt sich also, dass an­de­re web­sei­ten ihre in­hal­te „scham­los“ such­wort-op­ti­mie­ren und teil­wei­se auch an­zei­gen be­zah­len, um ganz oben auf den such­er­geb­nis­sei­ten zu lan­den. af­fi­lia­te mar­ke­ting, also die geschhäfts­prak­tik, bei der man für kauf­emp­feh­lun­gen am um­satz be­tei­ligt wird, macht das trotz in­ves­ti­tio­nen in wer­bung of­fen­bar lu­kra­tiv.

und nil­ay pa­tel fin­det dann auch noch ei­nen weg, um sei­ne vor­sät­ze von „di­gni­ty“ und „self-re­spect“ zu um­ge­hen:

I as­ked Ge­mi­ni to wri­te a prin­ter post “in the style of Nil­ay Pa­tel” so I could pad all this out and get wha­te­ver prin­ter key­words I nee­ded in here to win search, so here’s that.

so weit scheint mir das ganz klas­si­sche such­ma­schi­nen­op­ti­mie­rung (SEO), die rich­ti­gen key­words auf ei­ner web­sei­te mit gu­tem ruf und viel traf­fic, aus­rei­chen­der in­ter­ess­anz und die aus­saat von kon­tro­ver­se, da­mit der bei­trag sich po­ten­zi­ell gut vi­ral in so­zia­len netz­wer­ken oder blogs ver­teilt.

die von nil­ay pa­tel aus­ge­sä­te kon­tro­ver­se ist sei­ne nut­zung von KI-tex­ten und er sagt auch, dass es „ir­gend­wie“ hel­fen wür­de, wenn sich leu­te dar­über auf­re­gen wür­den. mich hat er aus zwei grün­den ge­trig­gert: ei­ner­seits die ge­drech­sel­te mo­ra­li­sche er­hö­hung über key­word-stop­fer, die kei­ne „wür­de“ und „selbst­ach­tung“ hät­ten, um dann zwei ab­sät­ze spä­ter ei­nen weg zu fin­den key­words zu spam­men. und an­de­rer­seits der blick in den ma­schi­nen­raum von the­ver­ge.com.

denn auch the ver­ge ver­sucht mit au­to­ma­tisch aus­ge­spiel­ten, ma­schi­nen­les­ba­ren json-ld-schnip­seln den hei­li­gen gral der rich-snip­pets und such­er­geb­nis-ka­rus­sels zu er­rei­chen.

svcreenshot der testseite für rich text suchergebnisse von google für the verge

hier fal­len meh­re­re din­ge auf. im json-ld-ar­ti­kel-ele­ment stopft the ver­ge den ge­sam­ten ar­ti­kel­text rein, ob­wohl das nach all­ge­mei­nem ver­ständ­nis nicht nö­tig ist. der pro­dukt schnip­sel ent­hält af­fi­lia­te links zu ama­zon und best­buy, so wie das auch auf der sei­te aus­ge­spielt wird, und mit den „händ­ler­ein­trä­gen“ wer­den preis­in­for­ma­tio­nen zu die­sen pro­duk­ten aus­ge­spielt. al­les in der hoff­nung oben in der such­er­geb­nis­sei­te in den „shop­ping graph“ zu ge­lan­gen. im ar­ti­kel-schnip­sel bie­ten sie goog­le gleich meh­re­re zu­schnit­te ih­rer dru­cker-bil­der an (1, 2, 3). auch pfif­fig, sie ha­ben im ar­ti­kel-schnip­sel eine SpeakableSpecification, mit der sie sprach-as­sis­ten­ten hel­fen die sei­te knapp zu­sam­men­zu­fas­sen, statt sie kom­plett vor­zu­le­sen.

ich hab eben per­ple­xi­ty ge­fragt (auf eng­lisch und deutsch) und die emp­feh­lung für brot­her la­ser­dru­cker wur­de nicht mal am ran­de er­wähnt. per­ple­xi­ty kennt den ar­ti­kel al­ler­dings, wenn man kon­kret nach the ver­ge fragt. wenn man auf goog­le deutsch­land nach „Best prin­ter 2025“ fragt, lan­det der ar­ti­kel von nil­ay pa­tel auf rang 9. nicht schlecht, aber wahr­schein­lich weit un­ter den er­war­tun­gen von nil­ay pa­tel.

ins­ge­samt scheint mir SEO aus kom­mer­zi­el­len mo­ti­ven sehr viel we­ni­ger spass zu ma­chen, als aus ex­pe­ri­men­tel­len. mir scheint da ein sehr gros­ses frus­tra­ti­on­po­ten­zi­al vor­han­den zu sein und das öko­sys­tem ist dy­na­mi­scher denn je. trotz­dem, weil ich heu­te ein paar ar­ti­kel von nil­ay pa­tel ge­le­sen habe die mir ge­fal­len ha­ben, schi­cke ich hier­mit et­was lin­k­lie­be über den teich: best prin­ter 2025.


ver­ges­se­ne selbst­ver­pflich­tung

felix schwenzel in artikel

vor lan­ger, lan­ger zeit (1997) ha­ben sich ver­schie­de­ne in­ter­es­sen­ver­bän­de aus dem be­reich der fo­to­gra­fie und des jour­na­lis­mus dar­auf ge­ei­nigt, wie man ma­ni­pu­lier­te, ge­pho­to­shop­p­te oder nach­träg­lich ver­än­der­te (ma­ni­pu­lier­te) bil­der kenn­zeich­nen wol­le:

Me­mo­ran­dum

zur Kenn­zeich­nungs­pflicht ma­ni­pu­lier­ter Fo­tos

Je­des do­ku­men­ta­risch - pu­bli­zis­ti­sche Foto, das nach der Be­lich­tung ver­än­dert wird, muß mit dem Zei­chen [M] kennt­lich ge­macht wer­den. Da­bei spielt es kei­ne Rol­le, ob die Ma­ni­pu­la­ti­on durch den Fo­to­gra­fen oder durch den Nut­zer des Fo­tos er­folgt.

so wur­de das da­mals auf der web­sei­te des „bun­des­ver­band pro­fes­sio­nel­ler bild­an­bie­ter“ ver­öf­fent­licht (ar­chiv­link). die url bvpa.org/m.html funk­tio­niert schon lan­ge nicht mehr, der bvpa.org hat das ir­gend­wann auf die­se url um­ge­zo­gen: bvpa.org/bvpa-in­itia­ti­ve-me­mo­ran­dum-zur-kenn­zeich­nungs­pflicht-ma­ni­pu­lier­ter-fo­tos. be­mer­kens­wer­ter wei­se fehlt in der neue­ren ver­si­on die­ser ab­satz aus dem ori­gi­nal „me­mo­ran­dum“:

Nach Pres­se­kam­pa­gnen ha­ben sich bis­her fol­gen­de Pu­bli­ka­tio­nen be­reit er­klärt, ma­ni­pu­lier­te Fo­tos zu­künf­tig mit dem Sym­bol [M] zu kenn­zeich­nen: stern · Süd­deut­sche Zei­tung · Bri­git­te · Han­dels­blatt · Heil­bron­ner Stim­me · taz · Au­to­fo­rum · Co­mo­po­li­tan · Das Sonn­tags­blatt · Ami­ca · Fit for Fun · Max · Ci­ne­ma · TV Spiel­film · Bel­le­vue · Der Ta­ges­spie­gel. Die In­itia­ti­ve im Grund­satz be­grüßt ha­ben: GEO · DER SPIE­GEL · DIE WO­CHE · Frank­fur­ter Rund­schau · DIE ZEIT.

screenshot von einer von archive.org archivierten seite zu einem memorandum zur kennzeichnung für bild-manipulationen von 1997

wer sich jetzt wun­dert und fragt: „[M]? nie ge­se­hen, nie ge­hört“, dem kann ich sa­gen: das me­mo­ran­dum scheint ein rohr­kre­pie­rer, bzw. eher ein ob­li­vioran­dum ge­we­sen zu sein. die­ser ar­ti­kel von ma­ria jan­sen vom april 2000 legt nahe, dass die ver­le­ger das im de­tail zu kom­pli­ziert fan­den:

Die Ver­le­ger­ver­bän­de BDZV und VDZ konn­ten sich bis­lang nicht zur Un­ter­stüt­zung des Me­mo­ran­dums durch­rin­gen. »Wir konn­ten uns in der ver­bands­in­ter­nen Dis­kus­si­on nicht auf eine ver­bind­li­che De­fi­ni­ti­on ei­ni­gen, wo die kenn­zeich­nungs­pf­lich­ti­ge Ma­ni­pu­la­ti­on an­fängt«, er­in­nert sich VDZ-Ju­rist Ar­thur Wal­den­ber­ger an Dis­kus­sio­nen im Ver­le­ger­kreis. Ei­nen Le­ser­schutz »im Sin­ne der Glaub­wür­dig­keit der Print­me­di­en in Ab­gren­zung zu an­de­ren Me­di­en« er­ach­te der VDZ zwar für wün­schens­wert. Doch eine Ver­bands­emp­feh­lung habe er nicht aus­spre­chen kön­nen. »Wir ha­ben es den Mit­glie­dern je­doch frei­ge­stellt, sich dem Me­mo­ran­dum an­zu­schlie­ßen.«

Der BDZV hin­ge­gen lehnt die [M]-Kenn­zeich­nung bis­lang als in­ak­zep­ta­bel ab. An­geb­lich be­fürch­ten die Zei­tungs­ver­le­ger, dass eine Viel­zahl von Fo­tos un­ter die Kenn­zeich­nungs­pflicht fal­len wür­de, da sehr häu­fig De­tails ver­än­dert wür­den, was zu ei­ner Ver­un­si­che­rung der Le­ser füh­ren könn­te. Au­ßer­dem sä­hen sich die Zei­tun­gen nicht in der Lage, ih­ren Le­sern den Sinn der Kenn­zeich­nung zu er­klä­ren.

und tat­säch­lich wird das ja wirk­lich ganz schnell sehr phi­lo­so­phisch. ei­gent­lich müss­te je­des bild aus ei­nem mo­der­nen smart­pho­ne heut­zu­ta­ge mit ei­nem [m] ge­kenn­zeich­net wer­den, weil die ge­rä­te nach der be­lich­tung hef­tig am bild rum­op­tim­nie­ren (HDR, ent­rau­schen, tie­fen­un­schär­fe, be­lich­tungs- und farb­kor­rek­tur, nach­schär­fung, sie­he auch die­sen ar­ti­kel zu „com­pu­ta­tio­nal pho­to­gra­phy“).

wer hät­te ge­dacht, dass uns fo­to­ap­pa­ra­te ei­nes ta­ges vor phi­lo­so­phi­sche di­lem­ma­ta stel­len wür­den, bzw. dass wir (und die ver­le­ger) plötz­lich vor on­to­lo­gi­schen grund­satz­fra­gen ste­hen: „was ist ein foto?“

zu ei­nem prag­ma­ti­schem an­satz konn­te man sich bis heu­te of­fen­sicht­lich we­der in ver­le­ger­krei­sen, noch in den „wich­tigs­ten“ in­ter­es­sen­ver­bän­de im be­reich der fo­to­gra­fie und des jour­na­lis­mus durch­rin­gen. und jetzt steht das pro­blem, we­gen KI drin­gen­der denn je wie­der an der tür.


als ich vor 20 jah­ren zum ers­ten mal von die­sem me­mo­ran­dum ge­hört habe, ent­schloss ich mich ma­ni­pu­lier­te fo­tos kon­se­quent in der bild­un­ter­schrift mit ei­nem [m] zu kenn­zeich­nen. ganz un­phi­lo­so­phisch, im­mer dann, wenn ich das bild ab­sichts­voll ma­ni­pu­liert habe. na­tür­lich habe ich das im lau­fe der jah­re auch wie­der ver­ges­sen, aber hier­mit möch­te ich mich selbst dar­an er­in­nern, ma­ni­pu­lier­te bil­der (ei­ni­ger­mas­sen) gut sicht­bar mit [m] zu kenn­zeich­nen. mit ki bil­dern soll­te das ge­nau­sol­eicht ge­hen: [ki]

theo­re­tisch wäre so eine kenn­zeich­nung auch per­fekt für ma­schi­nen­les­ba­res ge­döns. json-ld kann das wohl nicht — zeigt zu­mid­nest ober­fäch­li­che re­cher­che. li­zenz­in­for­ma­tio­nen kann man mit json-ld aus­zeich­nen, hin­wei­se auf ki-ge­ne­rier­te in­hal­te sol­len wohl in den IPTC me­ta­da­ten von fo­tos un­ter­ge­bracht wer­den. stand jetzt ist je­den­falls bei chatgpt, dass bil­der die es ge­ne­re­riert nicht von chatgpt mit die­sen me­ta­da­ten ver­se­hen wer­den. auch hier sind die­je­ni­gen die sol­che bil­der ver­wen­den in der selbst­ver­pf­lich­tung.

nach­träg­lich ge­se­hen ist es auch sehr prak­tisch, dass ich ma­ni­pu­lier­te bil­der über die jah­re nicht nur in der bild­un­ter­schrift kenn­zeich­ne­te, son­dern meis­tens auch so ver­schlag­wor­te­te: [m]

so hab ich heu­te wie­der ei­ni­ge, teils sehr kin­di­sche, main­pu­la­tio­nen wie­der­ge­fun­den.

pa­trio­ti­scher jo­ghurt [m]

für wei­te­re kin­di­sche bild­ma­ni­pu­la­tio­nen sie­he auch:

ursprünglich veröffentlicht am 03.03.2012

gephotoshoppte burger king werbung für den angus burger. statt angus steht dort „anus“
für alle die fleisch lie­ben der anus mit saf­ti­gem anus beef [M]
anus|ˈānəs|
noun Ana­to­my & Zoo­lo­gy
the ope­ning at the end of the ali­men­ta­ry ca­nal th­rough which so­lid was­te mat­ter lea­ves the body.
ORI­GIN late Midd­le Eng­lish : from La­tin, ori­gi­nal­ly ‘a ring.’
(New Ox­ford Ame­ri­can Dic­tion­a­ry)

Anus [lat.] m. Gen. - Mz. Ani Af­ter
(Knaurs Recht­schrei­bung)

ursprünglich veröffentlicht am 06.06.2005