kategorie: artikel ×

vi­ne.co

felix schwenzel in artikel

ges­tern muss­te ich an vine.co den­ken. das war mal eine vi­deo-sei­te auf der man 6 se­kun­den lan­ge vi­de­os ver­öf­fent­li­chen konn­te (wi­ki­pe­dia-ar­ti­kel zu vine). vor zwölf jah­ren schrieb ich:

ich glau­be vine und ich wer­den gute freun­de.

wur­den wir dann für kur­ze zeit, so vor neun jah­ren stell­te vine dann sei­nen dienst ein, ein paar mo­na­te nach der grün­dung wur­de vine von twit­ter ge­kauft.

ich weiss nicht ge­nau wie­so ich ges­tern an vine ge­dacht habe, aber mei­ne er­in­ne­run­gen sind po­si­tiv. ich habe mal ein ei­ni­ger­mas­sen wit­zi­ges vi­deo dort ge­pos­tet und ich er­in­ne­re mich, dass die sechs se­kun­den be­schrä­kung ein tol­ler mo­tor für krea­ti­vi­ät war und vie­le pos­te­ten da­mals ex­trem lu­us­ti­ge sa­chen. ich dach­te wahr­schein­lich, scha­de dass das al­les weg ist.

und dann dach­te ich, mal schau­en, ob viel­leicht doch noch was da ist. tei­le von vine schie­nen noch zu funk­tio­nie­ren, aber an die vi­deo-da­tei­en schien ich nicht dran­zu­kom­men. dann fand ich die­se sei­te des ar­chi­ve­teams: wiki.ar­chi­ve­team.org/in­dex.php?title=Vine

dort stand be­schrie­ben …

So­me­time ca Jan 3 2025 the site show­ing the vi­de­os fi­nal­ly bro­ke, though it is ac­ces­si­ble via a DNS hack.[3]

der dns hack ist fol­gen­des in die /etc/hosts da­tei ein­zu­tra­gen:

151.101.244.157 mtc.cdn.vine.co
151.101.244.157 v.cdn.vine.co

da­mit funk­tio­nie­ren die em­beds so­gar teil­wei­se wie­der. mit dem rest der an­lei­tung konn­te ich dann die me­ta­da­ten und vi­deo-da­tei­en mei­ner we­ni­gen em­beds „ret­ten“ und die­se bei­trä­ge auf wir­res.net mit vine-em­beds wie­der „re­kon­stru­ie­ren“:

vor 11 jah­ren ha­ben das­nuf und ich uns ge­gen­sei­tig bei der ar­beit ge­filmt. da­mals und auch im nach­hin­ein ist das schon ein biss­chen wit­zig, vor al­lem wenn man be­denkt, dass wir im­mer noch ar­beit­kol­le­gin­nen sind.

nach­trag:
im wi­ki­pe­dia-ar­ti­kel über vine steht, dass so­wohl kack dor­sey als auch elon musk von plä­nen ge­spro­chen ha­ben, vine wie­der zu re­ak­ti­vie­ren oder zu­gäng­lich zu ma­chen. da bin ich mal ge­spannt ob und wie da was draus wird.


Ueber die all­mähli­che Ver­fer­ti­gung der Ge­dan­ken beim Blog­gen

felix schwenzel in artikel

heu­te füh­le ich mich leicht grös­sen­wahn­sin­nig und habe mir ge­dacht, man könn­te kleist doch mal up­da­ten (ver­schwen­zeln).


wenn du über et­was nach­den­ken willst und dir auch durch in­ten­si­ves nach­den­ken oder dar­über me­di­tie­ren nichts sinn­vol­les ein­fällt, dann rate ich dir ein­fach drü­ber zu schrei­ben. das muss auch an nie­mand be­stimm­tes ge­rich­tet sein oder be­son­ders scharf­sin­nig sein, schreib ein­fach drü­ber, was dir durch den kopf geht.

auch wenn im­mer noch vie­le men­schen den­ken, man sol­le nur von din­gen re­den von de­nen man et­was ver­steht, hier geht es um et­was an­de­res als wis­sen­ver­mitt­lung oder *splai­nen. es geht dar­um beim schrei­ben um ei­nen ge­dan­ken her­um zu tan­zen. so wie der ap­pe­tit beim es­sen kommt, kom­men ei­nem im­mer auch ideen beim schrei­ben.

ich sit­ze oft am rech­ner oder lie­ge im bett und lese was an­de­re schrei­ben. manch­mal möch­te ich dem ge­le­se­nen wi­der­spre­chen, manch­mal möch­te ich es wei­ter­den­ken oder es an­ders be­trach­ten. mir schies­sen dann flüch­ti­ge ideen im kopf her­um, ich weiss das könn­te man wei­ter- oder ganz an­ders den­ken, aber ich weiss nicht wie, nur dass ich was dazu den­ken und sa­gen will. weil ich aber doch eine dunk­le vor­stel­lung von dem habe was ich viel­leicht sa­gen will, fan­ge ich ein­fach an zu schrei­ben und sät­ze zu kon­stru­ie­ren. sät­ze die ich an­ge­fan­gen habe, wol­len dann auch zu­en­de ge­führt wer­den. ich tas­te mich von wort zu wort, wie ein lar­ge lan­guage mo­del ver­su­che ich den satz so wei­ter­zu­füh­ren, wie er rich­tig klingt. ich ver­has­pel mich oft bei die­sem qua­si auto-ver­voll­stän­di­gen mei­ner sät­ze, aber das lässt sich dann meist beim spä­te­ren kor­rek­tur­le­sen aus­beu­len.

ge­le­gent­lich hilft es mich zu fra­gen wer das denn le­sen soll, ob die es auch nur im an­satz ver­ste­hen wür­den oder ob ich noch ein, zwei er­klä­ren­de sät­ze nach­schie­ben muss oder ein et­was zu luf­ti­ges ge­dan­ken­kon­strukt auf eine so­li­de­re ba­sis stel­len muss. der ge­dan­ke den text spä­ter zu ver­öf­fent­li­chen wirkt ein biss­chen wie ein stil­ler, trei­ben­der mo­tor. ob­wohl ich al­lei­ne vor dem rech­ner sit­ze und tip­pe, bin ich be­reits im dia­log mit ima­gi­nier­ten le­sern. ich weiss, dass der ge­dan­ke ei­nen text zu ver­öf­fent­li­chen auch wie eine brem­se wir­ken kann, aber ich glau­be die­se brem­se nutzt sich durch stän­di­ges, im­mer neu­es schrei­ben ab und kann sich dann zu ei­nem schwung­rad wan­deln das hel­fen kann im­mer wie­der neue ge­dan­ken los­zu­rüt­teln.

frü­her nutz­te ich oft noch ein zwei­tes schwung­rad: em­pö­rung. da­mit die em­pö­rung nicht aus­ufert, ent­wi­ckelt der ge­dan­ke der spä­te­ren ver­öf­fent­li­chung eine will­kom­me­ne brems­wir­kung. wie mit ei­nem ven­til kann man so das ent­wei­chen des em­pö­rungs­über­drucks ge­zielt steu­ern und ich fin­de in die­sem zu­stand aus schwung und brems­wir­kung plötz­lich wor­te und ge­dan­ken, auf die ich sonst wohl nie ge­kom­men wäre.

die­se mi­schung aus in­ne­rem dia­log, ab­wä­gen der schär­fe und den ima­gi­nier­ten le­sen­den führt im bes­ten fall zu bril­li­an­ten ge­dan­ken und im schlech­tes­ten fall zu et­was aus dem man ler­nen kann und rou­ti­ne beim ge­dan­ken-lo­ckern ge­win­nen kann. das ver­fas­sen schlech­ter tex­te, die viel­leicht eine oder meh­re­re gute ideen ent­hal­ten, aber es ir­gend­wie nicht zu­en­de ge­dacht in sät­ze ge­schafft ha­ben oder ein­fach un­ver­ständ­lich (wirr) sind, hilft viel­leicht nicht beim ge­winn von an­se­hen, aber bei ge­winn von rou­ti­ne im ba­lan­cie­ren und ge­ne­rie­ren von wor­ten und ge­dan­ken. man muss sich im­mer vor au­gen hal­ten: der meis­ter kann’s nur des­halb bes­ser, weil er mehr übung hat­te.

ich glau­be die­ser schrei­ben­de tanz um ei­nen ge­dan­ken her­um, der ideen aus dem hirn schüt­teln kann, funk­tio­niert auch ohne die kom­bi­nier­te schwung­rad­brem­se der spä­te­ren öf­fent­lich­ma­chung, wenn man nur für sich al­lein schreibt. so wie man rou­lette auch al­lei­ne, ge­gen sich selbst, ohne ech­ten ein­satz spie­len kann, kann man auch ohne den dro­hen­den klick auf den pu­blish-but­ton schrei­ben. aber der span­nungs­zu­stand, die er­re­gung, in den man sich ver­set­zen kann, wenn man et­was zu ver­lie­ren hat, ist viel­leicht ge­nau die en­er­gie die nö­tig ist, um vor­han­de­ne, fest­sit­zen­de ge­dan­ken zu lö­sen und in sät­ze zu gies­sen. so wie elek­tro­nen ihre bahn nur un­ter span­nung oder en­er­gie­zu­fuhr (oder en­er­gie­ent­zug) wech­seln kön­nen, tre­ten ge­dan­ken manch­mal erst dann aus dem un­ter­be­wuss­ten her­vor, wenn man sich in ei­nen ge­wis­sen span­nungs­zu­stand ver­setzt hat.

weil ich mit ei­nem rat an­ge­fan­gen habe, ende ich auch mit ei­nem rat. das ver­öf­fent­li­chen von tex­ten ist ein werk­zeug um eine ge­wis­se span­nung zu er­zeu­gen, die beim ern­ten von ge­dan­ken und ideen hilf­reich ist. der in­ne­re, ima­gi­nier­te dia­log mit le­sen­den ist ein werk­zeug, das auch beim schrei­ben­den den­ken hilft. das ge­fühl et­was zu ver­lie­ren, weil die re­zep­ti­on, die re­ak­tio­nen auf den ver­öf­fent­lich­ten text viel­leicht ne­ga­tiv aus­fal­len oder kaum je­mand den text zu le­sen scheint, ist eine täu­schung. mit dem schrei­ben ei­nes tex­tes tust du in ers­ter li­nie et­was für dich, hast du et­was ge­lernt und ge­won­nen. und mit je­dem neu­en ver­öf­fent­lich­ten text lernst du mehr.

die re­ak­tio­nen auf dei­nen text sa­gen we­ni­ger über dich oder dei­ne ge­dan­ken, son­dern al­les über die re­zi­pi­en­ten. schrei­be und du lernst zu den­ken, ver­öf­fent­li­che und du lernst sehr viel über men­schen.


sie­he auch:


2026, tag 3

felix schwenzel in artikel

klimm­zug­stan­ge ge­kauft, wur­de heu­te ge­lie­fert, gleich mon­tiert (in den tür­rah­men ge­klemmt). die bei­fah­re­rin mein­te: „lass uns ei­nen wett­be­werb ma­chen!“ weil wir bei­de kei­ne klimm­zü­ge kön­nen, hab ich ge­sagt: „ok, lass uns schau­en wer län­ger hän­gen kann.“

die bei­fah­re­rin liess nach 6 se­kun­den los. ich hab ne mi­nu­te ge­schafft. das ist an­stren­gen­der als man denkt, ein­fach so ab­zu­hän­gen. es zieht in der hand und die schul­ter­mus­ku­la­tur hat zu tun. soll aber gut für den rü­cken sein, hab ich da­nach ge­le­sen. hän­gen zu kön­nen sei auch ein wich­ti­ger schritt zum klimm­zug. da­nach hab ich ein paar ne­ga­ti­ve klimm­zü­ge ge­macht, mich also lang­sam von oben wie­der in die hän­gen­de po­si­ti­on her­ab­ge­las­sen. das ist noch an­stren­gen­der.

ich glau­be es ist noch ein wei­ter weg zum ers­ten rich­ti­gen klimm­zug. lang­sa­me lie­ge­stüt­zen sind noch an­stren­gen­der. der vor­teil ist: man kommt zum at­men. zum spass ver­su­che ich die im ja­nu­ar täg­lich eben lang­sam und auf den fäus­ten zu ma­chen. das ziel sind 100 stück in drei sit­zun­gen über den tag ver­teilt. ich bin zwei tage lang nur zu ei­ner sit­zung (eher lie­gung) ge­kom­men, im­mer­hin hab ich mich von 10 auf 12 ge­stei­gert.

ge­me­ni meint 60 se­kun­den hän­gen zu kön­nen sei leicht über­durch­schnitt­lich. dar­aus fol­ge­re ich, dass das ab­neh­men nicht zu all­zu viel mus­kel­ver­lust ge­führt hat. trotz­dem, wer klimm zie­hen will muss auch mus­keln zie­hen.

bild der klimmzugstange die ich heute in den türrahmen geklemmt habe.

un­ser flur, jetzt mit klimm­zug­stan­ge

stran­ger things habe ich nach der ers­ten staf­fel auf­ge­hört. wa­ren mir et­was zu vie­le ein­fach ge­strick­te ver­schwö­rungs­theo­rien drin. ich wills jetzt noch­mal ver­su­chen. bin bis jetzt un­der­whel­med und schrei­be jetzt ge­ra­de lie­ber ins in­ter­net, als wei­ter zu gu­cken.

ges­tern run­ning man in der ver­si­on von 2025 an­ge­schaut. war mir auch zu ein­fach ge­strickt und mit zu viel pa­thos ge­spickt. habs trotz­dem bis zum be­scheu­er­ten ende ge­schaut. die so­zi­al- und me­di­en­kri­tik fand ich in ei­nem sol­chen ein­deu­tig auf block­bus­ter ge­trimm­ten film bil­lig, zy­nisch und un­glaub­wür­dig. lee pace hab ich in der ers­ten sze­ne an der stim­me er­kannt.

vor­ges­tern mit the north wa­ter an­ge­fan­gen. eine mini-se­rie mit co­lin fa­rell in ei­ner der haupt­rol­len. bis­her das ein­zig über­ra­schen­de: wie wand­lungs­fä­hig und gleich­zei­tig glaub­wür­dig co­lin fa­rell ist. die ge­schich­te ist nicht un­span­nend, gut er­zählt, schön dre­ckig ge­filmt aber fes­selt mich nicht im ge­rings­ten. mal schau­en ob ichs bis zum ende schaf­fe.


letz­tes jahr (ab april/mai) habe ich ca. 590 bei­trä­ge ver­öf­fent­licht. die­ses bild auf der rück­sei­te il­lus­triert die fre­quenz mei­ner ver­öf­fent­li­chun­gen und ich möch­te das hier­mit do­ku­men­tie­ren, weil sich die gra­fik ja stän­dig ver­än­dert.

ges­tern ha­ben mich die gif-wa­ckel­bil­der von vor 13 jah­ren dar­an er­in­nert, dass mei­ne neue ka­me­ra auch 3d-bil­der auf­meh­men kann. auf dem te­le­fon ma­chen sie sich gut als home-screen­bil­der, aber für hier auf wir­res.net kann ich den der­zei­ti­gen tech­ni­schen mög­lich­kei­ten nichts ab­ge­win­nen. mit spa­tia­li­fy kann man zwar wei­ter­hin aus 3d-bil­dern wa­ckel­bil­der ma­chen, aber das ist schon sehr un­be­ein­dru­ckend.

auf den ers­ten blick be­ein­dru­cken­der: im­mer­si­fy, auch als app. aber das er­geb­nis ist vol­ler art­fak­te und ver­zer­run­gen. ich glau­be 3d ist im­mer noch über­be­wer­tet.

da­für habe ich noch ein paar men­schen ge­fun­den, die — auf eine art — die tra­di­ti­on von iw­drm.tumb­lr.com fort­füh­ren:


94,5 de­zem­ber

felix schwenzel in artikel

ich hab noch oz­em­pic im kühl­schrank lie­gen, 3 oder 4 por­tio­nen. seit dem 03.10.2025 hab ich mir kei­ne sprit­ze mehr ge­setzt, hat­te aber vor weih­nach­ten über­legt mir vor oder nach weih­nach­ten viel­leicht noch­mal eine zu set­zen. dann hab ichs erst­mal ge­las­sen und woll­te mal schau­en was über weih­nach­ten pas­siert.

es hat sich nach meh­re­ren weih­nachts­es­sen und fünf ta­gen es­sen bei mei­nen el­tern ge­zeigt, dass ich über die fei­er­ta­ge eher ab­ge­nom­men habe.

den gan­zen de­zem­ber über schwank­te mein ge­wicht sta­bil um die 94,5 kg. bei mei­nen el­tern zeig­te die waa­ge zwi­schen­durch so­gar mal 93,5 kg an, aber die ers­te wää­gung zu­hau­se, auf mei­ner ei­ge­nen waa­ge, zeig­te wie­der 94,5 kg.

screenshot aus der health-app mit meinem gewicht über den dezember hinweg: durchschnitt 94,51 kg. die linie schwankt zwischen 95 und 94 kg, am ende fehlen über die feiertage ein paar messungen, die letzten beiden punkte sind bei 93,5 und 94,5 kg

mein ge­wicht nach ta­gen im de­zem­ber 2025

ges­tern auf dem rück­weg von mei­nen el­tern nach hau­se ha­ben fri­da und ich uns ein bic­mac-menü bei mc­do­nalds ge­teilt. also sie hat ein biss­chen rin­der­hack und ein paar pom­mes be­kom­men. das menü war „small“, aber ich moch­te die pom­mes dann doch nicht auf­es­sen. nicht we­gen der ka­lo­rien, son­dern weil sie ein­fach nicht so gut schme­cken, wie das was ich mitt­ler­wei­le zu­hau­se hin­be­kom­me. glei­ches gilt für bur­ger. mei­ne selbst­ge­mach­te „bign­mac sau­ce“ und pat­tis von bey­ond meat sind ein­fach le­cke­rer. und auf­es­sen um des auf­es­sens wil­len, auch wenns nicht wirk­lich gut schmeckt, hab ich mir ab­ge­wöhnt.

aber was mc­do­nalds bie­tet ist: dort schmeckt’s (und riecht es) nach frü­her. es schmeckt nach mc­do­nalds und die­ser ge­schmack ist an vie­le po­si­ti­ve as­so­zia­tio­nen ge­bun­den. aber ges­tern ha­ben mir der drei­vier­tel big mac und ein paar pom­mes ge­reicht um die nost­al­gie (und den ap­pe­tit) zu be­frie­di­gen.

an­de­rer­seits: wo gibt’s das denn sonst noch, dass es­sen so wie vor 45 jah­ren1 schmeckt? selbst bei mei­ner mut­ter schmeckt’s heu­te an­ders als vor 45 jah­ren. sie pro­biert stän­dig neu­es aus. ein re­zept das ich vom dies­jäh­ri­gen weih­nacht­be­such mit­ge­nom­men habe sind gur­ken­sticks:

  • 1 un­ge­schäl­te (bio) gur­ke in sehr gro­be sticks schnei­den
  • 2 ess­löf­fel es­sig (weis­ser bal­sa­mi­co, der bil­li­ge von kauf­land tut’s auch)
  • 1 tee­löf­fel salz
  • sehr viel knob­lauch, mei­ne mut­ter hat­te pro gur­ke eine die­ser di­cken ein­zel-knol­len (so­lo­knob­lauch) un­ter die sticks ge­quetscht
  • op­tio­nal viel fri­schen dill hin­zu­fü­gen
  • al­les gut ver­rüh­ren und min­des­tens 10 mi­nu­ten durch­zie­hen las­sen

tha­t's it.

bei mc­do­nalds in in­gers­le­ben, wo fri­da und ich uns das big­mac-menu ge­teilt ha­ben, woll­te eine an­ge­stell­te fri­da un­be­dingt hal­lo sa­gen. hat sie dann auch ge­macht, wäh­rend wir an der es­sens­aus­ga­be war­te­ten. als wir wie­der auf­bra­chen und noch­mal kurz aufs klo gin­gen, fing sie uns am aus­gang ab und frag­te ob sie dem hund et­was ge­ben kön­ne. sie hat­te ei­nen bur­ger­kar­ton mit drei chi­cken-fi­lets („ohne salz“) und woll­te mir den in die hand drü­cken. ab­ge­se­hen da­von, dass das men­gen­mäs­sig zwei bis drei ta­ges­por­tio­nen für fri­da wä­ren, ver­trägt sie huhn nicht be­son­ders gut. des­halb muss­te ich be­dau­ernd und dan­kend ab­leh­nen.

(rind ver­trägt fri­da ei­gent­lich auch nicht, aber weil die rin­der­brü­he bei mei­ner mut­ter ganz gut ver­trug, hat­te ich ihr auch vom bur­ger pat­ti ab­ge­ge­ben. nor­ma­ler­wei­se be­kommt und ver­trägt fri­da wild.)

ich fand das auf je­den fall herz­al­ler­liebst und ehr­lich­ge­sagt tra­gen aus mei­ner sicht sol­che er­leb­nis­se auch dazu bei, dass mc­do­nalds so be­liebt ist. durch die kon­se­quen­te stan­dar­di­sie­rung (des es­sens, der mit­ar­bei­ter mit mi­gra­ti­ons­hin­ter­grund, der zu­rück­hal­ten­den ge­müt­lich­keit, des ge­ruchs) ist je­des mc­do­nalds welt­weit eine in­sel des ge­wohn­ten und be­kann­ten in der frem­de. der aral-pul­se la­de­park in in­gers­le­ben war kalt, dun­kel, in der tie­fen sach­sen-an­hal­ti­ni­schen pro­vinz, aber di­rekt hin­ter der ein­gangs­tür von mc­do­nalds war es warm, hell, ver­traut — und freund­lich.


2026 wird das jahr an dem ich ernst­haft an mei­nem bu­cket-lis­ten-ein­trag „klimm­zü­ge“ ar­bei­ten wer­de. jetzt nach weih­nach­ten wer­de ich mir eine klimm­zug­stan­ge kau­fen die man im tür­rah­men ein­hän­gen kann. da­mit trai­nie­re ich das sys­te­ma­tisch. mitt­ler­wei­le weiss ich durch den kon­sum von schwer er­träg­li­chen fit­ness-vi­de­os auf you­tube, dass es zu min­des­tens 50% auf die tech­nik an­kommt und es gar nicht mal so ein­fach ist ei­nen be­we­gungs­ab­lauf hin­zu­be­kom­men in dem die rü­cken­mus­ku­la­tur die arme beim hoch­zie­hen un­ter­stützt. und die rü­cken­mus­ku­la­tur will auch auf­ge­baut wer­den. nicht auf der bu­cket list, aber fest vor­ge­nom­men: täg­lich 50-100 lie­ge­stüt­zen in drei­er-ein­hei­ten über den tag ver­teilt min­des­tens 3 mo­na­te durch­zie­hen. frü­her hab ich 100 schnel­le, slop­py lie­ge­stüt­zen am stück ge­schafft, mitt­ler­wei­le schaff ich von den slop­py lie­ge­stüt­zen wie­der 30 am stück. aber ich ver­su­che jetzt 20-30 lang­sa­me am stück auf­zu­bau­en. 8-14 schaf­fe ich da­von im mo­ment, das ist also noch aus­bau­fä­hig und durch die hand- und arm­hal­tung auch sehr gut va­ri­ier­bar.


  1. in aa­chen hat 1978 am markt das ers­te mc­do­nalds er­öff­net. seit den frü­hen 80ern ging ich dort re­la­tiv re­gel­mäs­sig hin. ein­mal sind wir auch des re­stau­rants ver­wie­sen wor­den, weil wir an­de­re gäs­te mit pa­pier­kü­gel­chen aus stroh­hal­men be­schos­sen ha­ben. big macs esse ich ger­ne, seit­dem ich mit­te der 90er 3 tage lang non-stop von ten­nes­see nach wa­shin­gon sta­te mit dem grey­hound-bus ge­fah­ren bin. der grey­hound hielt ge­le­gent­lich an mc­do­nalds-re­stau­rants und mei­ne ent­täu­schung war rie­sig, wenn wir mor­gens bei mc­do­nalds hi­le­ten und es dort „nur“ früh­stück und kei­ne big­macs gab. 

auch wenn mein ge­wicht im de­zem­ber kon­stant bei 94,5 lag, sind die jah­res- und sechs-mo­nats-gra­fik aus ap­ple he­alth op­ti­mis­tisch. aber der be­reich 90-95 kg ist ei­gent­lich ein be­reich in dem ich blei­ben will. mei­ne kla­mot­ten pas­sen mir noch, mei­ne el­tern ha­ben erst nach dem drit­ten bis vier­ten blick ge­se­hen, dass ich 18 kilo ab­ge­nom­men habe und die wer­te die ich er­fas­se (blut­druck, ru­he­puls, ca­ri­do­fit­ness) ha­ben sich si­gni­fi­kant ver­bes­sert. und ich kann auch wie­der auf dem rü­cken schla­fen ohne mich selbst durch in­fer­na­li­sches schnar­chen selbst zu we­cken. und durch die kom­bi­na­ti­on aus be­we­gung und ge­wichts­ver­lust ha­ben sich die krampf­adern die sich in den letz­ten vier, fünf jah­ren an mei­nen un­ter­schen­keln vor­wag­ten, wie­der alle ver­dün­ni­si­ert.


alt wer­den, al­te pfusch­zet­tel, al­te fo­tos

felix schwenzel in artikel

zu weih­nach­ten bin ich bei mei­nen el­tern. mei­ne mut­ter er­zählt, mein va­ter macht das was er im­mer macht und ich stau­ne, wie die klei­nen kon­flik­te, die bei mei­nen el­tern frü­her ge­le­gent­lich es­ka­lier­ten jetzt ein­fach ab­eb­ben. viel­leicht ist das ein wei­te­rer po­si­ti­ver aspekt am al­tern, dass sich das kurz­zeit­ge­däch­nis ver­kürzt und man ein­fach ver­gisst, über was man sich ger­dae auf­ge­regt hat. apro­pos äl­ter wer­den, mei­ne mut­ter er­zähl­te uns aus­la­dend dar­über, dass sie das buch von elke hei­den­reich über das al­tern nicht gut fand, aber sehr be­geis­tert von na­ta­scha wo­dins „Die spä­ten Tage“ ist. in „Die spä­ten Tage“ schreibt sie über das alt­wer­den und eine spä­te gros­se lie­be. ich muss keins der bü­cher le­sen, weil mir mei­ne mut­ter be­reits al­les er­zählt hat.

mei­ne mut­ter er­zählt von ih­rer freun­din vera, die 15 jah­re jüng­ger als sie ist. mitt­ler­wei­le sind bei­de alt, mei­ne mut­ter und vera. im al­ter ver­wi­schen al­ters­un­ter­schie­de. und es ist na­tür­lich auch pfif­fig jün­ge­re freun­de zu ha­ben, das macht sich im al­ter be­zahlt, wenn die gleich­alt­ri­gen oder äl­te­ren freun­de ver­här­ten oder ver­ster­ben.

wit­zi­ger­wei­se er­zähl­te mir mei­ne mut­ter ir­gend­wann auch von ih­ren ela­bo­rier­ten pfusch­zet­teln, an die ich vor ein paar ta­gen auch den­ken muss­te. sie habe die ge­ra­de beim auf­räu­men wie­der­ge­fun­den und ob ich die viel­leicht ha­ben wol­le. ich hab sie erst­mal fo­to­gra­fiert und dann ein­ge­steckt.

wäh­rend mei­ne mut­ter mir ihre ge­ra­de auf­ge­räum­ten schmuck­scha­tul­len zeigt, fällt mein blick auf die­ses alte bild mei­ner mut­ter und mei­ner schwes­ter aus den frü­hen acht­zi­ger­jah­ren.

foto eines fotos aus den achtziger jahren von meiner mutter mit meiner schwester elena auf dem schoss

mei­ne mut­ter zeigt mir den ers­ten band der bob-dy­lan-au­to­bio­gra­fie (Chro­nic­les, Band 1). das habe sie sich ge­kauft, weil es von kath­rin pas­sig (und ger­hard hen­schel) über­setzt wur­de und sie kath­rin pas­sig mal auf der re­pu­bli­ca ken­nen­ge­lernt oder ich sie ihr vor­ge­stellt habe. ich mer­ke wie we­nig ich weiss und freue mich, dass mei­ne mut­ter ih­ren geist mit über acht­zig bes­ser auf trab hält als ich.

ko­mi­scher­wei­se wer­de ich bei mei­nen el­tern nicht nost­al­gisch. die gan­zen al­ten sa­chen we­cken zwar vie­le alte er­in­ne­run­gen, aber ir­gend­wie fal­len mir vor al­lem die neu­en sa­chen auf. dass kon­flik­te zwi­schen mei­nen el­tern jetzt eher ab­b­eb­ben, als zu es­ka­lie­ren. wie schön und fo­to­gen die ge­gend hier in und um heins­berg ist und wie we­nig ich das da­mals of­fen­bar zu schät­zen ge­wusst habe.

panorama-foto von einem kahlen feld, man sieht im hintergrund kahle bäume und sehr weiten, organge-blauer himmel

am him­mel konn­te ich hier heu­te früh min­des­tens zwan­zig flug­zeu­ge se­hen. der him­mel war rie­sig und klar und alle flug­zeu­ge zo­gen kon­desn­strei­fen hin­n­ter sich her. das sieht man zwar auf dem bild nicht wirk­lich, aber so war es.

foto eines geteerten feldwegs, links ein grosser stall, einige kahle bäume am horizont, der morgenhimmel leuchtet orange-blau

mir fal­len aber auch ein paar alte din­ge auf, oder ge­nau­er, wie schnell din­ge die kürz­lich noch neu wa­ren plötz­lich ganz alt wir­ken. hier im haus sind noch über­all die­se kom­pak­ten neon-lam­pen ver­baut, die ein paar hun­dert mil­li­se­kun­den brau­chen, be­vor sie licht ab­ge­ben. die wa­ren vor kur­zem noch der letz­te heis­se scheiss. mein va­ter meint, die ha­lo­gen-läp­chen in sei­nem ba­de­zim­mer hiel­ten im durch­schnitt ge­ra­de mal 2 jah­re. die­se din­ger wa­ren we­gen der nie­der­volt-tech­nik auch mal ein heis­ser neu­er scheiss, mitt­ler­wei­el sieht das wohl kei­ner mehr so. und weil mein va­ter (zu recht) lie­ber kei­ne lei­ter mehr be­stei­gen will, habe ich jetzt wohl alle paar jah­re die auf­ga­be die lämp­chen aus­zu­tau­schen.

fri­da und ich sind heu­te zum ers­ten mal über den kar­ke­ner fried­hof ge­lau­fen. bis­her ha­ben wir das nicht ge­macht, weil ich mich in der re­gel an hun­de-ver­bo­te auf fried­hö­fen hal­te. frü­her bin ich aus des­in­ter­es­se nie über den kar­ke­ner fried­hof ge­al­ufen. heu­te, auf dem rück­weg vom mor­gen­spa­zier­gang, woll­te ich aber ei­nen bo­gen um das mensch-hund-team vor uns ma­chen, in dem der sehr gross ge­wach­se­ne hund ganz of­fen­sicht­lich die ho­sen an hat­te und die marsch­rich­tung be­stimm­te. also sind wir am fried­hof ab­ge­bo­gen.

gemauerter torbogen eingang zum karkener friedhof vom tichelkamp aus

un­se­re hoch­zeit in las ve­gas (vor 17 jah­ren)

felix schwenzel in artikel

vor 17 jah­ren ha­ben wir am 24.12.2008 in las ve­gas ge­hei­ra­tet. aus un­er­find­li­chen grün­den habe ich das hier auf wir­res.net nie rich­tig do­ku­men­tiert. in­sta­gram gabs da­mals noch nicht und twit­ter konn­te da­mals noch kei­ne bil­der. auf twit­pic lie­gen er­staun­li­cher­wei­se noch ein paar bil­der rum (twit­pic.com/wwza und twit­pic.com/vrtf), aber sonst fin­de ich jetzt fast nichts mehr.

was ich da­mals do­ku­men­tiert habe, war un­se­re deut­sche be­hör­den odys­see: hei­ra­ten in las ve­gas (märz 2009)


2008 ha­ben wir uns ent­schlos­sen zu hei­ra­ten — aus steu­er­li­chen grün­den. wir wa­ren da­mals schon drei jah­re zu­sam­men, ka­tia hat­te nichts da­ge­gen zu hei­ra­ten, mir war das eher egal. bis ich ir­gend­wann die steu­er­li­chen rah­men­be­din­gun­gen re­cher­chi­er­te und ka­tia am te­le­fon ei­nen an­trag mach­te: „ich hab das mal nach­ge­rech­net, wir müs­sen lei­der hei­ra­ten.“

da­mals war es schon spät im jahr und wir woll­ten den steu­er­vor­teil für 2008 noch mit­neh­men, also such­ten wir ei­nen weg mög­lichst schnell und un­kom­pli­ziert zu hei­ra­ten. las ve­gas er­schien uns eine gute idee: kei­ne gros­se orga, aus­ser ein ho­tel­zim­mer und ei­nen flug zu bu­chen, kein stress mit der fra­ge wen wir ein­la­den. wir ha­ben ein­fach alle ein­ge­la­den: „wir hei­ra­ten am 24.12 in las ve­gas: kommt ger­ne vor­bei, wir freu­en uns!“

foto des rücksitzbildschirms bei unserem transatlantikfluf am 21.12.2008, wir haben gerade „limerick überflogen“

früh­stück bei den­ny’s

am 21.12.2008 flo­gen wir mit dem kind los und check­ten ins the ve­ne­ti­an ein. un­ser jet­lag zwang uns re­la­tiv früh ins bett und ab 02:00 uhr mor­gens wa­ren wir wie­der wach. las ve­gas schläft ja be­kannt­lich nie, bzw. den ca­si­no-be­trei­bern ist es oh­ne­hin ein gros­ses an­lie­gen, dass nie­mand merkt wie die zeit ver­geht oder wie spät es ist. die aus­sen­tü­ren der ca­si­nos sind meist so tief ge­tönt, dass man in der re­gel von in­nen nicht er­ken­nen kann, ob draus­sen die son­ne scheint oder ob es tie­fe nacht ist. wir sind dann um drei uhr mor­gens ins den­ny’s vor dem ve­ne­ti­an ge­gan­gen (wo­bei den­ny’s im­mer of­fen hat). dort ha­ben wir def­tig ge­früh­stückt und dann den gan­zen tag un­ser tou­ris­ten-pro­gramm ab­ge­spult und uns cha­pels an­ge­se­hen, in de­nen wir hei­ra­ten könn­ten.

foto der little white wedding chapel in las vegas

als ka­pel­le such­ten wir uns die „a litt­le white wed­ding cha­pel“ (wi­ki­pe­dia link) aus, ei­ner­seits weil uns die da­mals schrot­ti­ge web­site ge­fiel und an­de­rer­seits we­gen ro­se­an­ne, die uns ein hoch­zeits­pa­ket-an­ge­bot schnür­te und wäh­rend des be­ra­tungs­ge­sprächs mal kurz („ex­cu­se me for a mo­ment“) an den au­to­schal­ter ging, an dem ge­ra­de ein auto vor­ge­fah­ren war, um dort eine au­to­schal­ter-hoch­zeit zu ab­zu­wi­ckeln, bzw. zu ko­or­di­nie­ren. als sie zu­rück­kam, sag­te sie uns, an das kind ge­rich­tet: „can you do me a fa­vour? never mar­ry in a car!“.

un­ser hoch­zeits­pa­ket um­fass­te eine li­mou­si­nen-an­fahrt aus dem ho­tel, blu­men­ge­ste­cke für die braut und den bräu­ti­gam, ei­nen fo­to­gra­fen der 12 bil­der an­fer­ti­gen wür­de und eine vi­deo­auf­nah­me. den stan­des­be­am­ten, bzw. pas­tor müs­se man se­pa­rat be­zah­len.

nach­dem wir das an­ge­bot an­ge­nom­men hat­ten, in mei­ner er­in­ne­rung war es sen­sa­tio­nell güns­tig, muss­ten wir nur noch un­se­re „mar­ria­ge li­cen­se“ be­sor­gen. da­für geht man ein­fach zum clark coun­ty mar­ria­ge li­cen­se bu­reau, eine be­hör­de die je­den tag von acht uhr mor­gens bis mit­ter­nacht ge­öff­net hat.

über die hoch­zeits-for­ma­li­en und vor al­lem wie man die ame­ri­ka­ni­sche hoch­zeit dann in deutsch­land an­er­ken­nen lässt, habe ich 2009 aus­führ­lich ge­schrie­ben (und jetzt noch­mal ak­tua­li­si­ert): hei­ra­ten in las ve­gas

felix, katia und anton in unserer limosine auf dem parkplatz der „little white wedding chapel“. das foto hat unser freundlicher fahrer gemacht . katia und ich schauen aus dem dachfenster, anton aus dem seitenfenster.

„aber rev stone hat ge­sagt …!“

am 24. hol­te uns dann ein fah­rer am ho­tel ab und fuhr uns zur litt­le white cha­pel.

na­tür­lich wa­ren kei­ne wei­te­ren gäs­te nach las ve­gas ge­kom­men (ob­wohl mei­ne el­tern das kurz in er­wä­gung ge­zo­gen hat­ten), des­halb wa­ren wir mit dem kind, dem fo­to­gra­fen und re­ver­end ro­bert l. stone al­lei­ne in der ka­pel­le. rev stone war ein nied­li­cher al­ter mann mit sehr di­cken bril­len­glä­sern, hin­ter de­nen man sehr freund­li­che gros­se au­gen se­hen könn­te. wir lies­sen ihn vor­ab wis­sen, dass wir athe­is­ten sei­en, aber die ze­re­mo­nie die er ver­an­stal­te­te war trotz des kitsch der uns um­gab sehr ro­man­tisch und rühr­se­lig. am ende hat­ten wir alle ein biss­chen feuch­te au­gen. er frag­te uns auch, ob er „trotz­dem“ für uns be­ten könn­te, was uns auch be­weg­te, athe­is­mus hin oder her.

rev stone spielt nach wie vor eine gros­se rol­le in un­se­rem le­ben, es ver­geht kaum ein mo­nat in dem nicht ei­ner von uns bei­den sagt: „aber rev stone hat ge­sagt …!“ lei­der ist rev. stone 2021 ge­stor­ben, auf sei­ner ob­itua­ry-sei­te kann man das eine oder an­de­re aus sei­nem le­ben er­fah­ren.

nach der hoch­zeit sind wir noch über den grand can­yon, palm springs und san die­go nach los an­ge­les ge­fah­ren. wäh­rend es in las ve­gas an­ge­nehm warm war, war es am grand can­yon bit­ter­kalt. um so schö­ner war es in palm springs, wo es ende de­zem­ber früh­lings­haft warm war. die hoch­zeits­rei­se war, wie die hoch­zeit, eine wil­de mi­schung ex­tre­mer kon­tras­te, kalt, warm, heiss, kit­schig, herz­lich, bunt, pom­pös und un­bü­ro­kra­tisch. das mit den kon­tras­ten, mit den ex­tre­men, das kön­nen die ame­ri­ka­ner. und in las ve­gas kön­nen sie hoch­zei­ten. wir be­reu­en es nicht und kön­nen hei­ra­ten in las ve­gas von gan­zem her­zen emp­feh­len.


[m]

die re­pu­bli­ca hat ihre (web­site) tore ge­öff­net. man kann jetzt ti­ckets bu­chen und sich zum auf­tre­ten be­wer­ben. in den letz­ten jah­ren hab ich das oft ver­passt. weil ich es die­ses jahr schon mit­te de­zem­ber be­merkt habe, kann ich vor weih­nach­ten dar­über nach­den­ken ob ich nächs­tes jahr auf der re­pu­bli­ca et­was er­zäh­len möch­te.

ei­gent­lich hab ich das ge­fühl, dass ich auf der re­pu­bli­ca be­reits al­les ge­sagt habe, was zu sa­gen ist. in mei­nen re­pu­bli­ca-bei­trä­gen hab ich ge­le­gent­lich auch ge­scherzt, dass ich je­des jahr das glei­che vor­tra­ge. was ei­ner­seits stimmt, an­de­rer­seit nicht. the­ma­tisch wür­de zum dies­jäh­ri­gen mot­to mein vor­trag zu erich fromm von 2017 pas­sen. wenn die re­pu­bli­ca zum dies­jäh­ri­gen mot­to schreibt …

„Never gon­na give you up“ ist mehr als ein nost­al­gi­scher Ohr­wurm oder ein lus­ti­ges Meme. Es ist eine Er­in­ne­rung dar­an, war­um es sich lohnt sich ein­zu­set­zen – für Viel­falt, Teil­ha­be und Mensch­lich­keit.

… dann wäre der hu­ma­nis­mus von erich fromm und mein auf­ruf dar­an zu ar­bei­ten uns selbst und an­de­re zu lie­ben auf je­den fall ein pas­sen­der bei­trag zum 26er mot­to der re­pu­bli­ca. aber eben auch ein bei­trag den ich be­reits ge­ge­ben habe. 2018 hab ich dann im prin­zip er­neut für mehr au­to­no­mie, ge­las­sen­heit und op­ti­mis­mus im um­gang mit der welt plä­diert (war­um wir nach fra­gen, nicht nur nach ant­wor­ten su­chen müs­sen). die rei­se nach in­nen als po­li­ti­scher akt, als ers­ter schritt zur welt­ver­bes­se­rung die ei­gen­lie­be und selbst­be­stim­mung.

ich habe mir eben von ge­mi­ni mei­ne bei­den re­pu­bli­ca vor­trä­ge von 2017 und 2018 zu­sam­men­fas­sen las­sen und ab­ge­se­hen da­von, dass ge­mi­ni das wirk­lich gut und prä­zi­se macht, sehe ich deut­lich, dass sich bei­de vor­trä­ge schon sehr äh­neln. mein witz, dass ich je­des jahr das glei­che auf der re­pu­bli­ca er­zäh­le hat also ein paar wah­re ker­ne.

die von ge­mi­ni ex­tra­hier­te bot­schaft mei­nes 2017er bertrags lau­tet …

Die Bot­schaft: Statt nur ge­gen et­was zu sein oder pas­siv zu kon­su­mie­ren, soll­ten wir ak­tiv wer­den und durch un­se­re ei­ge­ne Hal­tung die Welt „mil­li­me­ter­wei­se“ zum Gu­ten ver­schie­ben.

… und wür­de des­halb wohl auch zum 2026er mot­to pas­sen. mach ich aber nicht, kann man ja auf you­tube schau­en und ein best of schwen­zel auf­tritt auf der re­pu­bli­ca wür­de wohl nie­man­den hin­ter dem han­dy her­vor­lo­cken.


ur­sprüng­lich hab ich mei­ne auf­trit­te auf der re­pu­bli­ca als per­sön­li­che her­aus­for­de­run­gen ge­se­hen. schaf­fe ich es zu völ­lig ab­sur­den the­sen und ti­teln 30 mi­nu­ten vor­trag zu ge­ne­rie­ren die nicht völ­lig lang­wei­lig sind und mich nicht to­tal bla­mie­ren? „10 vor­schlä­ge die welt zu ver­bes­sern“, „wie ich lern­te die über­wa­chung zu lie­ben“, war­um das in­ter­net schei­ße ist. meis­tens war ich am ende zu­frie­den mit mei­nen vor­trä­gen, das pu­bli­kum auch. ju­dith hor­chert fass­te mei­nen ge­dämpf­ten high-per­for­mance ehr­geiz mit dem ich an re­pu­bli­ca vor­trä­ge her­an­ging da­mals (2012) pas­send zu­sam­men:

Fe­lix Schwen­zel ist Web-Ent­wick­ler und Blog­ger, auch wenn er das selbst längst nicht mehr so nennt, son­dern lie­ber "ein­fach so ins In­ter­net" schreibt. Ge­nau­so hält er dies­mal "ein­fach so" ei­nen Vor­trag, der schon skur­ril be­ginnt: "Das In­ter­net be­steht aus Men­schen. Das ist mei­ne The­se", sagt er und stellt gleich dar­auf tro­cken fest, dass das ja ei­gent­lich kei­ne The­se sei, son­dern eine Plat­ti­tü­de. Macht aber nichts. Im­mer­hin reicht so eine Aus­sa­ge bei ei­nem Schwen­zel-Vor­trag für meh­re­re Fo­li­en und so­gar für ein vor­läu­fi­ges Fa­zit, auch wenn er da lie­ber "noch ein biss­chen dran ar­bei­ten" wol­le.


2024 habe ich mich dann zu ei­nem the­ma be­wor­ben, zu dem ich aus­nahms­wei­se ex­per­ti­se hat­te — oder mir zu­min­dest über 4 jah­re eine ge­wis­se ex­per­ti­se er­ar­bei­tet hat­te. mir war es ein an­lie­gen über hun­de zu spre­chen, de­ren er­zie­hung und un­ser ver­hält­nis zu ih­nen und das na­tür­lich auch (wie­der) in den gros­sen zu­sam­men­hang der mil­li­me­ter­wei­sen welt­ver­bes­se­rung zu stel­len: hun­de sind auch nur men­schen.

2020 woll­te ich über ein an­de­re the­ma, in dem ich mir ex­per­ti­se er­ar­bei­tet hat­te, spre­chen: heim­au­to­ma­ti­sie­rung. we­gen co­vid blieb es dann aber beim vor­trags­vor­schlag. heu­te glau­be ich, dass heim­au­to­ma­ti­sie­rung kein gu­ter re­pu­bli­ca-bei­trag ge­wor­den wäre. ge­nau­so wie ein vor­trag über das blog­gen auf der re­pu­bli­ca 2026 wohl eher wie ein luft­hauch ein­schla­gen wür­de, also we­der in­ter­es­se noch in­ter­ess­anz ge­ne­rie­ren wür­de.


dazu kommt, dass ein vor­trag auf der re­pu­bli­ca sehr viel ar­beit be­deu­tet. zu­min­dest für mich. für et­was leich­tig­keit, un­ter­halt­sam­keit, spon­ta­ni­tät be­nö­ti­ge ich enorm viel vor­be­rei­tung. ich ste­cke ger­ne viel ar­beit in vor­trä­ge (oder auch ar­ti­kel hier und an­ders­wo), weil mir schrei­ben hilft die welt zu ver­dau­en und zu ver­ste­hen, mei­nen denk­ap­pa­rat be­schäf­tigt und trai­niert und ich am ende mehr weiss als vor­her.

aber um mich für so viel ar­beit zu mo­ti­vie­ren, brau­che ich schon eine ge­wis­se eu­pho­rie­ba­sis um den grös­sen­wahn ei­nes sol­chen pro­jekts zu le­gi­ti­mie­ren. tat­säch­lich gibt es der­zeit ein paar the­men die mich enorm fas­zi­nie­ren und zu de­nen ich null ex­per­ti­se habe. lei­der sind die the­men so breit ge­streut, dass ich trotz in­ten­si­ven nach­den­kens noch nicht auf eine the­ma­ti­sche klam­mer ge­kom­men bin, wes­halb ich sie jetzt mal auf­schrei­be und so schrift­lich drü­ber nach­den­ke.

die the­men sind im gros­sen und gan­zen den­ken, in­tel­li­genz, netz­werk­ef­fek­te, spiel­theo­rie und teil­chen­phy­sik.

mein in­ter­es­se am the­men­kom­plex „den­ken“ und „in­tel­li­genz“ hängt mit mei­ner ju­gend­li­chen lek­tü­re von ho­imar von dit­furth zu­sam­men. in „im an­fang war der was­ser­stoff“ ar­gu­men­tiert dit­furth ja, dass in­tel­li­genz und geis­ti­ge prin­zi­pi­en nicht erst mit dem mensch­li­chen ge­hirn in die welt ka­men. die na­tur zeig­te in­tel­li­gen­tes „ver­hal­ten“, lan­ge be­vor es neu­ro­na­le struk­tu­ren gab. sei­ne zen­tra­le the­se ist dass die ent­wick­lung vom was­ser­stoff­atom bis hin zum mensch­li­chen be­wusst­sein kein zu­fall, son­dern eine in der ma­te­rie an­ge­leg­te zwangs­läu­fig­keit war. die­se the­sen hän­gen im­mer wie ein schlei­er über mei­nen ge­dan­ken, wenn ich über künst­li­che in­tel­li­genz oder künst­li­che neu­ro­na­le net­ze nach­den­ke.

aber noch fas­zi­nie­ren­der, und da schliesst sich der kreis zur teil­chen­phy­sik, ist was ge­mi­ni in sei­ner zu­sam­men­fas­sung von „im an­fang war der was­ser­stoff“ schrieb:

Dar­aus lei­tet Dit­furth ab, dass un­ser heu­ti­ges mensch­li­ches Be­wusst­sein und un­se­re In­tel­li­genz nicht der End­punkt der Evo­lu­ti­on sind. Da sich der Kos­mos als ein sich selbst or­ga­ni­sie­ren­des Sys­tem stän­dig wei­ter­ent­wi­ckelt, be­trach­tet er den Men­schen eher als eine Über­gangs­form. Un­se­re In­tel­li­genz ist le­dig­lich das ak­tu­el­le Werk­zeug, mit dem das Uni­ver­sum be­gon­nen hat, über sich selbst nach­zu­den­ken – aber kei­nes­wegs das letz­te oder höchs­te.

die­se sicht­wei­se, dass wir ein weg des uni­ver­sums sind, über sich selbst nach­zu­den­ken, wird auch von carl sa­gan und bri­an cox ver­tre­ten.

The cos­mos is wi­thin us. We are made of star-stuff. We are a way for the uni­ver­se to know its­elf.

Carl Sa­gan

We are the cos­mos made con­scious and life is the me­ans by which the uni­ver­se un­der­stands its­elf.

Bri­an Cox

in die­ser aus­ga­be von star talk von neil de­gras­se ty­son („Are We The Uni­ver­se’s Way of Kno­wing Its­elf?“) spre­chen cox und ty­son ge­nau dar­über, über emer­genz und — na­tür­lich — teil­chen­phy­sik. bri­an cox kann ich stun­den­lang zu­hö­ren, vor al­lem wie er die un­ge­wiss­hei­ten sei­nes for­schungs­felds ver­ständ­lich macht und wie er da­mit um­geht, dass wir be­reits ei­ni­ges wis­sen, aber trotz­dem fast nichts rich­tig ver­ste­hen.

die the­men netz­werk­ef­fek­te und spiel­theo­rie spie­len in ei­ner ähn­li­chen liga. bei bei­den ent­ste­hen aus ein­fa­chen re­geln kom­ple­xe sys­te­me aus de­ren be­ob­ach­tung wir ei­ni­ges ab­lei­ten kön­nen, das uns im um­gang mit mo­der­nen tech­no­lo­gien und ge­sell­schaft­li­chen her­aus­for­de­run­gen hel­fen könn­te. zum fas­zi­no­sum spiel­theo­rie war die­ses ve­ri­ta­si­um-vi­deo mei­ne ein­steigs­dro­ge. ge­mi­ni:

Das Vi­deo ver­bin­det das „Klei­ne-Welt-Phä­no­men“ (Small-World-Net­work) mit der Spiel­theo­rie, ins­be­son­de­re dem Ge­fan­ge­nen­di­lem­ma. Ro­bert Axel­rods Com­pu­ter­tour­nie­re in den 1980er Jah­ren zeig­ten, dass in wie­der­hol­ten Spie­len ko­ope­ra­ti­ve Stra­te­gien wie „Tit for Tat“ (wie du mir, so ich dir) am er­folg­reichs­ten sind, so­lan­ge sie „nett“ (be­gin­nen ko­ope­ra­tiv), „ver­gess­lich“ (nicht nach­tra­gend) und „klar“ (vor­her­seh­bar) sind. Watts und Stro­gatz über­tru­gen dies auf Netz­wer­ke und zeig­ten, dass in stark ver­netz­ten „Small-World“-Struk­tu­ren Ko­ope­ra­ti­on eben­falls ge­dei­hen kann, aber an­fäl­lig ist, wenn zu vie­le „Ab­kür­zun­gen“ (zu­fäl­li­ge Ver­bin­dun­gen) die lo­ka­len Ko­ope­ra­ti­ons­clus­ter auf­bre­chen. Das Vi­deo il­lus­triert die­se Prin­zi­pi­en an­hand rea­ler Bei­spie­le wie dem Kal­ten Krieg (Nu­klea­re Ab­rüs­tung), Tier­ver­hal­ten (Sym­bio­se) und dem mo­der­nen In­ter­net, wo­bei es be­tont, dass in­di­vi­du­el­le Ent­sch­ei­dun­gen zur Ko­ope­ra­ti­on lang­fris­tig die bes­ten Er­geb­nis­se für alle lie­fern kön­nen, selbst in ei­ner Welt vol­ler Ego­is­ten.

zum the­ma netz­werk­ef­fek­te war es die­ses ve­ri­ta­si­um vi­deo. ge­mi­ni:

Das Vi­deo be­leuch­tet die ma­the­ma­ti­schen Prin­zi­pi­en hin­ter dem „Klei­ne-Welt-Phä­no­men“ (Small-World-Net­work), das er­klärt, war­um in rie­si­gen Netz­wer­ken – sei­en es Men­schen, Neu­ro­nen oder Web­sei­ten – je­der Punkt mit je­dem an­de­ren über nur we­ni­ge Ecken ver­bun­den ist. Die Kern­te­o­rie von Watts und Stro­gatz zeigt, dass be­reits we­ni­ge zu­fäl­li­ge „Ab­kür­zun­gen“ (Short­cuts) in ei­nem stark ge­clus­ter­ten Netz­werk ge­nü­gen, um die durch­schnitt­li­che Di­stanz dras­tisch zu ver­kür­zen, wäh­rend Al­bert-Lá­szló Bar­a­bá­si mit dem Prin­zip des „Pre­fe­ren­ti­al At­tach­ment“ er­gänzt, dass Netz­wer­ke or­ga­nisch wach­sen, in­dem neue Kno­ten be­vor­zugt an be­reits stark ver­netz­te an­do­cken, wo­durch zen­tra­le „Hubs“ ent­ste­hen, die das Sys­tem ex­trem ef­fi­zi­ent, aber auch an­fäl­lig für die schnel­le Aus­brei­tung von Krank­hei­ten oder In­for­ma­tio­nen ma­chen.


kei­ne ah­nung wie und ob ich das zu ei­nem strin­gen­ten the­ma oder vor­trags­vor­schlag zu­sam­men­bin­den kann. die­ser ar­ti­kel ist je­den­falls der ers­te schritt da­hin und zeigt auch, dass men­schen (oder zu­min­dest ich) gar nicht mal so gute den­ker sind. ni­klas luh­mann soll sinn­ge­mäss ge­sagt ha­ben, dass das den­ken ohne schrei­ben gar nicht in der Tie­fe mög­lich ist. das schrei­ben sei nicht das er­geb­nis des den­kens, son­dern der pro­zess des den­kens selbst. oder wie ich es mal ge­sagt habe, ins in­ter­net schrei­ben gleicht ei­nem ver­dau­ungs­vor­gang.

in die­sem sin­ne habe ich jetzt den re­pu­bli­ca26 call for pa­pers vor­ver­daut. ob am ende ne schö­ne vor­trags­wurst raus­kommt ist jetzt noch nicht ab­zu­se­hen.


an­mer­kun­gen, nach­trä­ge, [m]:

  • die mot­to-il­lus­tra­ti­on/ani­ma­ti­on der re­pu­bli­ca26 oben hab ich mo­di­fi­ziert da­mit sie ei­nen dunk­len hin­ter­grund hat. für den RSS-feed hab ich ein gif er­zeugt.
  • die zu­sam­men­fas­sun­gen von zwei mei­ner vor­trä­ge durch goo­gles ge­mi­ni (3 pro) ha­ben mich so sehr fas­zi­niert, dass ich sie noch­mal se­pa­rat ver­öf­fent­licht habe (2017 und 2018). in ge­wis­sem sin­ne sind das ja zeit­do­ku­men­te, die den er­staun­li­chen stand die­ser tech­no­lo­gie il­lus­trie­ren. viel­leicht hat ge­mi­ni die vor­trä­ge in sei­ner zu­sam­men­fas­sung durch LLM-klug­schiss so­gar ver­bes­sert.

„denkt doch mal an die kin­der“

felix schwenzel in artikel

als ich ein kind war, stu­dier­te mei­ne mut­ter son­der­päd­a­gi­gik. zwei din­ge sind mir aus die­ser zeit in er­in­ne­rung. zum ei­nen hat­te sie sich für eine prü­fung ei­nen drei me­ter lan­gen „pfusch­zet­tel“ ge­a­baut, auf dem der text ih­rer schrift­li­chen prü­fung zum ab­schrei­ben stand. der „zet­tel“ war win­zig und auf zwei rol­len ge­rollt. der text war schreib­ma­schi­nen­ge­schrie­ben und mehr­fach klein­ko­piert. ich habe die­se idee na­tür­lich auch in mei­ner schul­lauf­bahn ger­ne an­ge­wandt und mir für mei­ne ab­itur­kau­su­ren auch ela­bo­rier­te „pfusch­zet­tel“ er­stellt. al­ler­dings zeig­te sich, dass ich die gar nicht nut­zen muss­te, denn al­lein die er­stel­lung der zet­tel ver­an­ker­te das lern­gut so gut in mei­nem kurz­zeit­ge­däch­nis, dass ich die zet­tel wäh­rend der prü­fun­gen gar nicht brauch­te. es zeigt sich auch heu­te nütz­lich wis­sen oder lern­stoff zu struk­tu­rie­ren, zu kom­pri­mie­ren und ir­gend­wo auf­zu­schrei­ben, so dass man im not­fall drauf zu­grei­fen kann (aber nicht muss).

man­che nen­nen die­sen vor­gang auch blog­gen.

das an­de­re was mir in er­in­ne­rung blieb, war eine sta­tis­tik, die sie für ihre ab­schluss­ar­beit re­cher­chi­ert hat­te. näm­lich dass sich in deutsch­land si­gni­fi­kant mehr leu­te für tier­schutz ein­set­zen, als für kin­der­schutz. zu­min­dest ge­mes­sen an den mit­glie­der­zah­len der zwei wich­tigs­ten ver­ei­ne; dem deut­schen kin­der­schutz­bund und dem deut­schen tier­schutz­bund. laut ei­gen­an­ga­ben des kin­der­schutz­bun­des und des wi­ki­pe­dia­ein­trags des tier­schutz­bun­des, gibt es ca. 50.000 un­er­stüt­zer des kin­der­schutz­bun­des und ca. 800.000 un­ter­stüt­zer des deut­schen tier­schutz­bun­des.

ich habe da im­mer wie­der drü­ber nach­ge­dacht, was das für grün­de ha­ben kann, und ei­ner da­von ist si­cher­lich, dass der ein­satz für tie­re sich we­ni­ger po­li­tisch an­fühlt, zu­min­dest, wenn die po­li­ti­sche­ren ver­ei­ne wie peta aus­klam­mert. ein an­de­rer grund könn­te sein, dass „die po­li­tik“ zwar im­mer wie­der ger­ne vor­gibt, et­was für kin­der zu tun und da ak­ti­vis­tisch tä­tig ist, sich aber ge­fühlt eher sel­ten für das tier­wohl ein­setzt. mög­li­che­ri­wei­se lässt das ei­ni­ge men­schen glau­ben, dass man des­halb mehr für tie­re tun müss­te.

tat­sa­che ist je­den­falls, dass vie­le po­li­ti­ker sehr gut wis­sen, dass man po­li­ti­sche vor­ha­ben viel leich­ter durch­set­zen kann, wenn man sie mit (ver­meint­li­chen) kin­des­wohl ver­knüpft.

  • denkt doch mal an die kin­der! wir brau­chen zu­gangs­sper­ren im in­ter­net um kin­der zu schüt­zen! (zu­gangs­er­schwe­rungs­ge­setzt, „zen­sur­su­la“)
  • wir müs­sen kom­mu­ni­ka­ti­ons­da­ten al­ler men­schen um­fas­send spei­chern um kin­des­miss­brauch (und ter­ror) bes­ser auf­kä­ren zu kön­nen. (vor­rats­da­ten­spei­che­rung)
  • wir müs­sen zum schutz der kin­der ver­schlüs­sel­te kom­mu­ni­ka­ti­on ver­bie­ten (chat­kon­trol­le, CSAM dis­kus­si­on)
  • wir müs­sen „kil­ler­spie­le“ zum schutz der kin­der ver­bie­ten

Kla­re Mehr­heit für So­cial-Me­dia-Ver­bot für un­ter 16-Jäh­ri­ge

(„bild“)

und jetzt ganz neu, nicht nur in aus­tra­li­en, son­dern auch hier ger­ne dis­ku­tert, kin­der und ju­gend­li­che aus öf­fent­li­chen räu­men ver­ban­nen, zu ih­rem ei­ge­nen schutz. eine um­fra­ge der bild sug­ge­riert zu­min­dest, dass nicht we­ni­ge men­schen für solch eine idee zu be­geis­tern sind (tho­mas hat ein fak­si­mi­le der „bild“-um­fra­ge, die ich nicht nur mit ei­nem „grain of salt“ ge­nies­sen wür­de, son­dern eher mit ein zwei tee­löf­feln salz).

ganz sel­ten hört man aus re­gie­rungs­krei­sen auf­ru­fe wie:

  • wir müs­sen an un­se­re kin­der den­ken und mög­lichst schnell und kon­se­quent ver­bren­ner-mo­to­ren durch elek­tro­an­trie­be er­set­zen.
  • wir brau­chen stren­ge­re und nied­ri­ge­re tem­po­li­mits um kin­der- und men­schen­le­ben zu schüt­zen
  • wir sind es un­se­ren kin­dern und de­ren zu­kunft schul­dig al­les men­schen­mög­li­che für den kli­ma­schutz zu tun und auch vor mass­neh­men wie der re­duk­ti­on un­se­res land­ver­brauchs und der tier­hal­tung nicht zu­rück­schre­cken.

kin­des­wohl in po­li­ti­ker­re­den wird ger­ne als ar­gu­ment ge­nutzt, wenn es kei­nem er­wach­se­nen oder lob­by­is­ten weh­tut. das ist das prak­ti­sche an die­ser ar­gu­men­ta­ti­ons­wei­se. die kin­der muss man nicht fra­gen, kin­der ha­ben kei­ne oder nur schwa­che lob­bys und die wün­sche von kin­dern kann man ein­fach über­ge­hen, weil man ja ein­fach un­wi­der­spro­chen vor­ge­ben kann, es bes­ser zu wis­sen.

was ei­ni­gen er­wach­se­nen weh­tun wür­de und den ei­nen oder an­de­ren lob­by-ver­band zu hef­ti­gem wi­der­stand brin­gen wür­de, wä­ren mass­nah­men wie die, die tho­mas gi­gold in die­sem ar­ti­kel vor­schlug:

Wie wäre es, wenn wir statt Kin­der vor­zu­schie­ben uns mal als Ge­sell­schaft fra­gen: Wol­len wir all die Ge­walt, Ma­ni­pu­la­ti­on und Hass-Rede wirk­lich? Braucht es die wirk­lich im de­mo­kra­ti­schen Dis­kurs? Oder wäre es nicht viel­leicht bes­ser, an den gro­ßen Tech-Platt­for­men die glei­chen Maß­stä­be an­zu­le­gen, wie an TV, Ra­dio, DVD und Com­pu­ter-Spie­le – und die "harm­lo­se" Ver­si­on zum Stan­dard zu ma­chen?

oder an­ders ge­fragt, wie wäre es die vor­han­de­nen ge­setz­te ge­gen ge­walt­dar­stel­lung, miss­brauch und het­ze mal durch­zu­set­zen?

weil show- oder schau­fens­ter­po­li­tik so viel leich­ter ist, hat man of­fen­sicht­lich in aus­tra­li­en auf die re­gu­lie­rung von wer­bung für wet­ten ver­zich­tet und lie­ber kin­der und ju­gend­li­che aus öf­fent­li­chen räu­men („so­cial me­dia“) im in­ter­net ver­bannt:

Turns out the cam­paign pushing har­dest for the ban was run by an ad agen­cy that makes gambling ads. The same gambling ads that were fa­cing their own po­ten­ti­al ban—un­til the Aus­tra­li­an go­vern­ment de­ci­ded that, hey, with all the kids ki­cked off so­cial me­dia, gambling ads can stay.

po­li­ti­ker und po­li­ti­ke­rin­nen die ihre po­li­tik mit mass­nah­men zum kin­der­schutz be­grün­den soll­te man in den meis­ten fäl­len wie drü­cker­ko­lon­nen an haus­tü­ren und fuss­gän­ger­zo­nen be­han­deln. igno­rie­ren, nach hau­se ge­hen und sich ge­dan­ken über fleisch­lo­se­re er­näh­rung ma­chen und wie man sich po­li­tisch en­ga­gie­ren könn­te.

po­li­ti­ker die drü­cker­ko­lon­nen-tak­ti­ken nut­zen, sich erst beim wahl­volk ein­zu­schlei­men ver­su­chen, dann emo­tio­nen auf­rüh­ren und zum spen­den oder wäh­len brin­gen wol­len, soll­te man mit häme und bes­se­ren ar­gu­men­ten über­gies­sen.

bootleggers and baptists

po­li­ti­kern und lob­by­is­ten ist es ge­le­gent­lich egal wie sie un­ter­stüt­zung für ihre vor­ha­ben er­rei­chen. ein klas­si­ches kon­zept scheint ein bünd­nis aus mo­ra­lisch mo­ti­vier­ten ak­teu­ren und wirt­schaft­li­chen pro­fi­teu­ren zu sein, das mike mas­nick hier be­schreibt:

The­re’s a fa­mous con­cept around re­gu­la­ti­ons known as “boot­leg­gers and Bap­tists,” as a short­hand way of de­not­ing some of the more cy­ni­cal “stran­ge bed­fel­lows” that team up to get cer­tain re­gu­la­ti­ons in place. The ca­no­ni­cal ex­am­p­le, of cour­se, be­ing the tem­pe­rance mo­ve­ment that sought to ban al­co­hol. Boot­leg­gers (il­le­gal, un­der­ground al­co­hol pro­du­cers) loved the idea of pro­hi­bi­ti­on, be­cau­se it would great­ly in­crease de­mand for their pro­duct, for which they could cash in.

But, no one wants to pu­blicly ad­vo­ca­te for pro­hi­bi­ti­on on be­half of the boot­leg­gers. So, you find a group to be the pu­blic face to pre­sent the coo­ked up mo­ral pa­nic, mo­ra­li­zing ar­gu­ment for the ban: the Bap­tists. They run around and talk about how da­ma­ging al­co­hol is and how it must be ban­ned for the good of so­cie­ty. It’s just be­hind the sce­nes that the boot­leg­gers loo­king to pro­fit are hel­ping move along the le­gis­la­ti­on that will do exact­ly that.

gute po­li­tik ist müh­sam. nicht nur für po­li­ti­ker, auch für die wäh­len­den. die ei­nen soll­ten wege su­chen die welt, das in­ter­net für alle bes­ser zu ma­chen, die an­de­ren auch. der witz ist: wir kön­nen die po­li­tik nicht nur den po­li­ti­kern über­las­sen. wir müs­sen ih­nen auf die fin­ger schau­en und ihre ta­schen­spie­ler­tricks er­ken­nen und de­mas­kie­ren. wir soll­ten die ta­schen­spie­ler­tricks aber nicht nur de­mas­kie­ren, son­dern ih­nen bes­se­re al­ter­na­ti­ven ent­ge­gen­stel­len (das hat schon ein­mal funk­tio­niert, da­mals zu zen­sur­su­la-zei­ten: lö­schen statt sper­ren).

das pro­blem ist viel­leicht auch, dass wir alle ver­lernt ha­ben un­se­re ei­ge­nen pfusch­zet­tel zu er­stel­len (uns mit den pro­ble­men der welt aus­ein­an­der­set­zen) und statt­des­sen mehr und mehr vor­for­mu­lier­te, re­a­dy-made pfusch­zet­tel nut­zen und uns so durch feh­len­de, ech­te aus­ein­an­der­set­zung leicht in­stru­men­ta­li­sie­ren las­sen. und das scheint mir für alle zu gel­ten, nicht nur po­li­ti­ker und po­li­ti­ke­rin­nen.


nach­trag: die taz 2014 über „Denkt doch an die Kin­der!“:

[Die] Ber­li­ner Rechts­me­di­zi­ne­rin Saskia Et­zold, die tag­täg­lich miss­han­del­te Kin­der un­ter­sucht: „Ich habe das Ge­fühl, in ei­nem Land zu le­ben, in dem El­tern­rech­te wich­ti­ger sind als Kin­der­rech­te“, sagt Et­zold. Kin­des­miss­hand­lun­gen wür­den kol­lek­tiv ver­leug­net, der Staat ver­sa­ge als obers­ter Wäch­ter des Kin­des­wohls. 200.000 Kin­der wür­den nach kon­ser­va­ti­ven Schät­zun­gen jähr­lich in Deutsch­land miss­han­delt, mit gro­ßer Wahr­schein­lich­keit mehr.

nach­trag 18.12.2025:

da­nah boyd (2024) via mi­cha­el tsai:

Sin­ce the “so­cial me­dia is bad for teens” myth will not die, I keep ha­ving in­ten­se con­ver­sa­ti­ons with col­le­agues, jour­na­lists, and fri­ends over what the re­se­arch says and what it doesn’t. (Ali­ce Mar­wick et. al put tog­e­ther a gre­at litt­le pri­mer in light of the le­gis­la­ti­ve mo­ves.)

[…]

Can so­cial me­dia be ris­ky for youth? Of cour­se. So can school. So can fri­end­ship. So can the kit­chen. So can na­vi­ga­ting par­ents. Can so­cial me­dia be de­si­gned bet­ter? Ab­so­lut­e­ly. So can school. So can the kit­chen. (So can par­ents?) Do we al­ways know the best de­sign in­ter­ven­ti­ons? No. Might tho­se de­sign in­ter­ven­ti­ons back­fi­re? Yes.

Does that mean that we should give up try­ing to im­pro­ve so­cial me­dia or other di­gi­tal en­vi­ron­ments? Ab­so­lut­e­ly not. But we must also re­co­gni­ze that try­ing to ce­ment de­sign into law might back­fi­re. And that, more ge­ne­ral­ly, tech­no­lo­gies’ risks can­not be ma­na­ged by de­sign alo­ne.

[…]

Do some peo­p­le ex­pe­ri­ence harms th­rough so­cial me­dia? Ab­so­lut­e­ly. But it’s im­portant to ack­now­ledge that most of the­se harms in­vol­ve peo­p­le using so­cial me­dia to harm others. It’s re­asonable that they should be held ac­coun­ta­ble. It’s not re­asonable to pre­su­me that you can de­sign a sys­tem that al­lows peo­p­le to in­ter­act in a man­ner whe­re harms will never hap­pen. As every school prin­ci­pal knows, you can’t sol­ve bul­ly­ing th­rough the de­sign of the phy­si­cal buil­ding.


der bes­te dru­cker 2025

felix schwenzel in artikel

über rei­ner­wein und die­sen blues­ky-bei­trag …

… bin ich ges­tern auf die­sen bei­trag auf the­ver­ge.com ge­stol­pert.

nil­ay pa­tel schreibt dar­in das glei­che, was er seit drei jah­ren jähr­lich macht: dass der bes­te dru­cker, den man sich kau­fen kann, (ir­gend) ein brot­her la­ser-dru­cker sei.

I have been re­com­men­ding peo­p­le buy wha­te­ver Brot­her la­ser prin­ter is on sale for th­ree ye­ars now, and no one has ever got­ten mad at me about it.

ich gehe da­von aus, dass er recht hat, auch wenn wir hier zu hau­se ei­nen brot­her tin­ten­strah­ler ha­ben, der durch­aus ein paar zi­cken hat. das gute, so­weit ich es aus ei­ge­ner und an­ge­le­se­ner er­fah­rung weiss, ist das brot­her dritt­her­stel­ler-tin­te und -to­ner klag­los ak­zep­tiert — zu­min­dest bis jetzt. das ist kei­nes­falls selbst­ver­ständ­lich, weil das üb­li­che ge­schäfts­mo­del von dru­cker­her­stel­lern ist, die hard­ware sub­ven­tio­niert (also ver­bil­ligt) zu ver­kau­fen und dann die ver­brauchs­ma­te­ria­li­en teu­rer zu ver­kau­fen. die prei­se der tin­te ori­en­tie­ren sich of­fen­bar an den gramm-prei­sen für teu­re par­füms.

je­den­falls ist ei­ner­seits der hin­weis von the ver­ge auf la­ser-dru­cker und an­de­rer­seits auf brot­her-dru­cker eine gute idee. aber der ar­ti­kel von nil­ay pa­tel dreht sich nicht nur um eine dru­cker-emp­feh­lung, son­dern auch um such­ma­schi­nen-op­ti­mie­rung. dass nil­ay pa­tel den glei­chen ar­ti­kel je­des jahr schreibt hat — na­tür­lich — ge­nau die­sen grund: such­ma­schi­nen­op­ti­mie­rung. nur lei­der ist die kon­ku­renz in sa­chen such­ma­chi­nen­op­tim­ni­er­te dru­cker-emp­feh­lun­gen nicht ge­ra­de klein.

[…] Ma­king sure this in­for­ma­ti­on is at the top of Goog­le’s search re­sults is a dog­fight against a num­ber of ruthl­ess con­tent farms that are flat­ly bet­ter at pum­ping search en­gi­nes with gar­ba­ge to ge­ne­ra­te af­fi­lia­te re­ve­nue than we are, be­cau­se our news­room in­sists on the ar­chaic con­cepts of “di­gni­ty” and “self-re­spect.”

er be­klagt sich also, dass an­de­re web­sei­ten ihre in­hal­te „scham­los“ such­wort-op­ti­mie­ren und teil­wei­se auch an­zei­gen be­zah­len, um ganz oben auf den such­er­geb­nis­sei­ten zu lan­den. af­fi­lia­te mar­ke­ting, also die geschhäfts­prak­tik, bei der man für kauf­emp­feh­lun­gen am um­satz be­tei­ligt wird, macht das trotz in­ves­ti­tio­nen in wer­bung of­fen­bar lu­kra­tiv.

und nil­ay pa­tel fin­det dann auch noch ei­nen weg, um sei­ne vor­sät­ze von „di­gni­ty“ und „self-re­spect“ zu um­ge­hen:

I as­ked Ge­mi­ni to wri­te a prin­ter post “in the style of Nil­ay Pa­tel” so I could pad all this out and get wha­te­ver prin­ter key­words I nee­ded in here to win search, so here’s that.

so weit scheint mir das ganz klas­si­sche such­ma­schi­nen­op­ti­mie­rung (SEO), die rich­ti­gen key­words auf ei­ner web­sei­te mit gu­tem ruf und viel traf­fic, aus­rei­chen­der in­ter­ess­anz und die aus­saat von kon­tro­ver­se, da­mit der bei­trag sich po­ten­zi­ell gut vi­ral in so­zia­len netz­wer­ken oder blogs ver­teilt.

die von nil­ay pa­tel aus­ge­sä­te kon­tro­ver­se ist sei­ne nut­zung von KI-tex­ten und er sagt auch, dass es „ir­gend­wie“ hel­fen wür­de, wenn sich leu­te dar­über auf­re­gen wür­den. mich hat er aus zwei grün­den ge­trig­gert: ei­ner­seits die ge­drech­sel­te mo­ra­li­sche er­hö­hung über key­word-stop­fer, die kei­ne „wür­de“ und „selbst­ach­tung“ hät­ten, um dann zwei ab­sät­ze spä­ter ei­nen weg zu fin­den key­words zu spam­men. und an­de­rer­seits der blick in den ma­schi­nen­raum von the­ver­ge.com.

denn auch the ver­ge ver­sucht mit au­to­ma­tisch aus­ge­spiel­ten, ma­schi­nen­les­ba­ren json-ld-schnip­seln den hei­li­gen gral der rich-snip­pets und such­er­geb­nis-ka­rus­sels zu er­rei­chen.

svcreenshot der testseite für rich text suchergebnisse von google für the verge

hier fal­len meh­re­re din­ge auf. im json-ld-ar­ti­kel-ele­ment stopft the ver­ge den ge­sam­ten ar­ti­kel­text rein, ob­wohl das nach all­ge­mei­nem ver­ständ­nis nicht nö­tig ist. der pro­dukt schnip­sel ent­hält af­fi­lia­te links zu ama­zon und best­buy, so wie das auch auf der sei­te aus­ge­spielt wird, und mit den „händ­ler­ein­trä­gen“ wer­den preis­in­for­ma­tio­nen zu die­sen pro­duk­ten aus­ge­spielt. al­les in der hoff­nung oben in der such­er­geb­nis­sei­te in den „shop­ping graph“ zu ge­lan­gen. im ar­ti­kel-schnip­sel bie­ten sie goog­le gleich meh­re­re zu­schnit­te ih­rer dru­cker-bil­der an (1, 2, 3). auch pfif­fig, sie ha­ben im ar­ti­kel-schnip­sel eine Speaka­ble­Spe­ci­fi­ca­ti­on, mit der sie sprach-as­sis­ten­ten hel­fen die sei­te knapp zu­sam­men­zu­fas­sen, statt sie kom­plett vor­zu­le­sen.

ich hab eben per­ple­xi­ty ge­fragt (auf eng­lisch und deutsch) und die emp­feh­lung für brot­her la­ser­dru­cker wur­de nicht mal am ran­de er­wähnt. per­ple­xi­ty kennt den ar­ti­kel al­ler­dings, wenn man kon­kret nach the ver­ge fragt. wenn man auf goog­le deutsch­land nach „Best prin­ter 2025“ fragt, lan­det der ar­ti­kel von nil­ay pa­tel auf rang 9. nicht schlecht, aber wahr­schein­lich weit un­ter den er­war­tun­gen von nil­ay pa­tel.

ins­ge­samt scheint mir SEO aus kom­mer­zi­el­len mo­ti­ven sehr viel we­ni­ger spass zu ma­chen, als aus ex­pe­ri­men­tel­len. mir scheint da ein sehr gros­ses frus­tra­ti­on­po­ten­zi­al vor­han­den zu sein und das öko­sys­tem ist dy­na­mi­scher denn je. trotz­dem, weil ich heu­te ein paar ar­ti­kel von nil­ay pa­tel ge­le­sen habe die mir ge­fal­len ha­ben, schi­cke ich hier­mit et­was lin­k­lie­be über den teich: best prin­ter 2025.


ver­ges­se­ne selbst­ver­pflich­tung

felix schwenzel in artikel

vor lan­ger, lan­ger zeit (1997) ha­ben sich ver­schie­de­ne in­ter­es­sen­ver­bän­de aus dem be­reich der fo­to­gra­fie und des jour­na­lis­mus dar­auf ge­ei­nigt, wie man ma­ni­pu­lier­te, ge­pho­to­shop­p­te oder nach­träg­lich ver­än­der­te (ma­ni­pu­lier­te) bil­der kenn­zeich­nen wol­le:

Me­mo­ran­dum

zur Kenn­zeich­nungs­pflicht ma­ni­pu­lier­ter Fo­tos

Je­des do­ku­men­ta­risch - pu­bli­zis­ti­sche Foto, das nach der Be­lich­tung ver­än­dert wird, muß mit dem Zei­chen [M] kennt­lich ge­macht wer­den. Da­bei spielt es kei­ne Rol­le, ob die Ma­ni­pu­la­ti­on durch den Fo­to­gra­fen oder durch den Nut­zer des Fo­tos er­folgt.

so wur­de das da­mals auf der web­sei­te des „bun­des­ver­band pro­fes­sio­nel­ler bild­an­bie­ter“ ver­öf­fent­licht (ar­chiv­link). die url bvpa.org/m.html funk­tio­niert schon lan­ge nicht mehr, der bvpa.org hat das ir­gend­wann auf die­se url um­ge­zo­gen: bvpa.org/bvpa-in­itia­ti­ve-me­mo­ran­dum-zur-kenn­zeich­nungs­pflicht-ma­ni­pu­lier­ter-fo­tos. be­mer­kens­wer­ter wei­se fehlt in der neue­ren ver­si­on die­ser ab­satz aus dem ori­gi­nal „me­mo­ran­dum“:

Nach Pres­se­kam­pa­gnen ha­ben sich bis­her fol­gen­de Pu­bli­ka­tio­nen be­reit er­klärt, ma­ni­pu­lier­te Fo­tos zu­künf­tig mit dem Sym­bol [M] zu kenn­zeich­nen: stern · Süd­deut­sche Zei­tung · Bri­git­te · Han­dels­blatt · Heil­bron­ner Stim­me · taz · Au­to­fo­rum · Co­mo­po­li­tan · Das Sonn­tags­blatt · Ami­ca · Fit for Fun · Max · Ci­ne­ma · TV Spiel­film · Bel­le­vue · Der Ta­ges­spie­gel. Die In­itia­ti­ve im Grund­satz be­grüßt ha­ben: GEO · DER SPIE­GEL · DIE WO­CHE · Frank­fur­ter Rund­schau · DIE ZEIT.

screenshot von einer von archive.org archivierten seite zu einem memorandum zur kennzeichnung für bild-manipulationen von 1997

wer sich jetzt wun­dert und fragt: „[M]? nie ge­se­hen, nie ge­hört“, dem kann ich sa­gen: das me­mo­ran­dum scheint ein rohr­kre­pie­rer, bzw. eher ein ob­li­vioran­dum ge­we­sen zu sein. die­ser ar­ti­kel von ma­ria jan­sen vom april 2000 legt nahe, dass die ver­le­ger das im de­tail zu kom­pli­ziert fan­den:

Die Ver­le­ger­ver­bän­de BDZV und VDZ konn­ten sich bis­lang nicht zur Un­ter­stüt­zung des Me­mo­ran­dums durch­rin­gen. »Wir konn­ten uns in der ver­bands­in­ter­nen Dis­kus­si­on nicht auf eine ver­bind­li­che De­fi­ni­ti­on ei­ni­gen, wo die kenn­zeich­nungs­pf­lich­ti­ge Ma­ni­pu­la­ti­on an­fängt«, er­in­nert sich VDZ-Ju­rist Ar­thur Wal­den­ber­ger an Dis­kus­sio­nen im Ver­le­ger­kreis. Ei­nen Le­ser­schutz »im Sin­ne der Glaub­wür­dig­keit der Print­me­di­en in Ab­gren­zung zu an­de­ren Me­di­en« er­ach­te der VDZ zwar für wün­schens­wert. Doch eine Ver­bands­emp­feh­lung habe er nicht aus­spre­chen kön­nen. »Wir ha­ben es den Mit­glie­dern je­doch frei­ge­stellt, sich dem Me­mo­ran­dum an­zu­schlie­ßen.«

Der BDZV hin­ge­gen lehnt die [M]-Kenn­zeich­nung bis­lang als in­ak­zep­ta­bel ab. An­geb­lich be­fürch­ten die Zei­tungs­ver­le­ger, dass eine Viel­zahl von Fo­tos un­ter die Kenn­zeich­nungs­pflicht fal­len wür­de, da sehr häu­fig De­tails ver­än­dert wür­den, was zu ei­ner Ver­un­si­che­rung der Le­ser füh­ren könn­te. Au­ßer­dem sä­hen sich die Zei­tun­gen nicht in der Lage, ih­ren Le­sern den Sinn der Kenn­zeich­nung zu er­klä­ren.

und tat­säch­lich wird das ja wirk­lich ganz schnell sehr phi­lo­so­phisch. ei­gent­lich müss­te je­des bild aus ei­nem mo­der­nen smart­pho­ne heut­zu­ta­ge mit ei­nem [m] ge­kenn­zeich­net wer­den, weil die ge­rä­te nach der be­lich­tung hef­tig am bild rum­op­tim­nie­ren (HDR, ent­rau­schen, tie­fen­un­schär­fe, be­lich­tungs- und farb­kor­rek­tur, nach­schär­fung, sie­he auch die­sen ar­ti­kel zu „com­pu­ta­tio­nal pho­to­gra­phy“).

wer hät­te ge­dacht, dass uns fo­to­ap­pa­ra­te ei­nes ta­ges vor phi­lo­so­phi­sche di­lem­ma­ta stel­len wür­den, bzw. dass wir (und die ver­le­ger) plötz­lich vor on­to­lo­gi­schen grund­satz­fra­gen ste­hen: „was ist ein foto?“

zu ei­nem prag­ma­ti­schem an­satz konn­te man sich bis heu­te of­fen­sicht­lich we­der in ver­le­ger­krei­sen, noch in den „wich­tigs­ten“ in­ter­es­sen­ver­bän­de im be­reich der fo­to­gra­fie und des jour­na­lis­mus durch­rin­gen. und jetzt steht das pro­blem, we­gen KI drin­gen­der denn je wie­der an der tür.


als ich vor 20 jah­ren zum ers­ten mal von die­sem me­mo­ran­dum ge­hört habe, ent­schloss ich mich ma­ni­pu­lier­te fo­tos kon­se­quent in der bild­un­ter­schrift mit ei­nem [m] zu kenn­zeich­nen. ganz un­phi­lo­so­phisch, im­mer dann, wenn ich das bild ab­sichts­voll ma­ni­pu­liert habe. na­tür­lich habe ich das im lau­fe der jah­re auch wie­der ver­ges­sen, aber hier­mit möch­te ich mich selbst dar­an er­in­nern, ma­ni­pu­lier­te bil­der (ei­ni­ger­mas­sen) gut sicht­bar mit [m] zu kenn­zeich­nen. mit ki bil­dern soll­te das ge­nau­sol­eicht ge­hen: [ki]

theo­re­tisch wäre so eine kenn­zeich­nung auch per­fekt für ma­schi­nen­les­ba­res ge­döns. json-ld kann das wohl nicht — zeigt zu­mid­nest ober­fäch­li­che re­cher­che. li­zenz­in­for­ma­tio­nen kann man mit json-ld aus­zeich­nen, hin­wei­se auf ki-ge­ne­rier­te in­hal­te sol­len wohl in den IPTC me­ta­da­ten von fo­tos un­ter­ge­bracht wer­den. stand jetzt ist je­den­falls bei chatgpt, dass bil­der die es ge­ne­re­riert nicht von chatgpt mit die­sen me­ta­da­ten ver­se­hen wer­den. auch hier sind die­je­ni­gen die sol­che bil­der ver­wen­den in der selbst­ver­pf­lich­tung.

nach­träg­lich ge­se­hen ist es auch sehr prak­tisch, dass ich ma­ni­pu­lier­te bil­der über die jah­re nicht nur in der bild­un­ter­schrift kenn­zeich­ne­te, son­dern meis­tens auch so ver­schlag­wor­te­te: [m]

so hab ich heu­te wie­der ei­ni­ge, teils sehr kin­di­sche, main­pu­la­tio­nen wie­der­ge­fun­den.

pa­trio­ti­scher jo­ghurt [m]

für wei­te­re kin­di­sche bild­ma­ni­pu­la­tio­nen sie­he auch:

ursprünglich veröffentlicht am 03.03.2012

gephotoshoppte burger king werbung für den angus burger. statt angus steht dort „anus“
für alle die fleisch lie­ben der anus mit saf­ti­gem anus beef [M]
anus|ˈānəs|
noun Ana­to­my & Zoo­lo­gy
the ope­ning at the end of the ali­men­ta­ry ca­nal th­rough which so­lid was­te mat­ter lea­ves the body.
ORI­GIN late Midd­le Eng­lish : from La­tin, ori­gi­nal­ly ‘a ring.’
(New Ox­ford Ame­ri­can Dic­tion­a­ry)

Anus [lat.] m. Gen. - Mz. Ani Af­ter
(Knaurs Recht­schrei­bung)

ursprünglich veröffentlicht am 06.06.2005


zwi­schen­stand search en­gi­ne ex­pe­ri­men­ta­ti­on (SEE)

felix schwenzel in artikel

such­ma­schi­nen­op­ti­mie­rung im klas­si­schen sin­ne ist mir ziem­lich egal. was mir SEO-tools oder di­ver­se LLMs vor­schla­gen, wie ich „bes­se­re“, key­word-op­ti­mier­te meta-de­scrip­ti­ons, schlag­wort-dich­te oder über­schrif­ten for­mu­lie­ren könn­te um bes­se­re er­geb­nis­se in den „SERPs“ zu er­rei­chen, schlag eich in der re­gel in den wind. ich glau­be ich op­ti­mie­re mei­ne tex­te, über­schrif­ten oder me­ta­da­ten auch nicht be­son­ders gut auf men­schen. das liegt dar­an, dass ich noch nie eine ziel­grup­pe vor au­gen hat­te und ei­gent­lich auch nix klick­op­ti­mie­ren möch­te.

was ich mag sind ab­we­gi­ge as­so­zia­tio­nen, ver­dre­hun­gem, ab­kür­zun­gen, an­spie­lun­gen. vor kur­zem hab ich mir ein buch ge­kauft, weil ich ei­nen trööt des au­tors ge­le­sen habe, der so lau­te­te.

sol­che ka­lau­er kann man nicht such­ma­schi­nen­op­ti­mie­ren, bzw. so­was als meta-de­scrip­ti­on dreht je­dem voll­blut SEO-men­schen die fuss­nä­gel nach oben.

was mich aber in­ter­es­si­ert ist wie ich mit den ma­schi­nen spre­chen knn. ihre spra­che, ihre funk­ti­ons­wei­se. ich be­ob­ach­te ger­ne ihre be­we­gun­gen, ihr ver­hal­ten, ihre vor­lie­ben und ab­nei­gun­gen. und weil ich hier ma­chen kann was ich will, nut­ze ich wir­res.net als spiel­wie­se ge­nau da­für.

vor 14 jah­ren habe ich erst­mals mit ma­schi­nen­les­ba­rem code ex­pe­rie­men­tiert und mei­ne ab­schrift des gur­ken­sa­lat re­zept von tim mäl­zer, das ich vor­her im fern­se­hen ge­se­hen hat­te, mit ei­nen json-ld-schnip­sel aus­ge­stat­tet. um zu se­hen was pas­siert. ich glau­be das re­zept war im­mer ganz gut sicht­bar, aber ich glau­be auch, dass der selbst­ge­bas­tel­te code ir­gend­wann nicht mehr va­li­dier­te. den um­zug auf kir­by hat das dann auch nicht über­lebt. vor ein paar mo­na­ten habe ich mir dann zu­erst wie­der ma­nu­ell et­was zu­sam­men­ge­klöp­pelt um json-ld-re­zept-schnip­sel aus­ge­ben zu kön­nen und vor ein paar wo­chen habe ich das al­les kon­so­li­diert: mit dem seo-plug­in und der dort ge­nutz­ten sche­ma.org-buil­der li­bra­ry. da­mit ist das al­les so­li­der, bes­ser zu pfle­gen und fle­xi­bler ge­wor­den. seit ei­ner wei­le bringt eine su­che nach „gur­ken­sa­lat tim mäl­zers oma“ „mein“ gur­ken­sa­lat-re­zept oben in das „ka­rus­sel“:

screenshot einer suche nach „gurkensalat tim mälzers oma“. „mein“ rezept steht oben im karussel.

bei ei­ner such nach „tim mäl­zer gur­ken­sa­lat“ lan­de ich hin­ge­gen erst auf sei­te 3 oder 4. aber das will ich auch nicht wei­ter opri­mie­ren. mir reicht es, dass ich tech­nisch of­fen­bar al­les rich­tig ge­macht habe und freue mich dar­über, dass mich die bots im prin­zip ver­ste­hen. weil das eben auch wie­der heißt, dass mei­ne re­zep­te da­mit auch ein­fach in rezpt samm­lun­gen wie mela zu über­tra­gen sind, also gut zu­gäng­lich sind.

ich mag es auch, dass un­ter mei­nen fern­seh-re­zen­sio­nen nicht nur bei mir, son­dern auch bei goog­le stern­chen er­sch­ei­nen. das funk­tio­niert al­ler­dings nur mit der brech­stan­ge, also wenn man zum bei­spiel nach „site:wir­res.net plu­ri­bus“ sucht. ohne das „site:wir­res.net“ lan­de ich im SERP-nir­wa­na.

screenshot meine rezensionen von plur1bus im google index werden sie mit den sternchen angezeigt.

was ich auch hin­be­kom­men woll­te, aber eher als pro­of of con­cept: vi­deo-an­zei­ge in goog­le such­er­geb­nis­sen. das scheint schwe­rer zu sein als ge­dacht, weil goog­le die re­gel auf­ge­stellt hat, dass vi­de­os, die teil ei­nes ar­ti­kels sind, nicht un­ter dem vi­deo-tab auf goog­le such­er­geb­nis­sei­ten auf­tau­chen. um dort auf­zu­tau­chen, muss das vi­deo der haupt­ak­teur der sei­te sein, so wie bei you­tube. da habe ich zwar theo­re­tisch auch ein paar sei­ten an­zu­bie­ten, aber goog­le scheint da stren­ge re­geln an­zu­wen­den. selbst der spie­gel scheint da nur drei vi­de­os un­ter­ge­bracht zu ha­ben. ich habs auf zwei ge­schafft.

screenshot der videos die google für wirres.net im index hat

al­ler­dings mar­kiert goog­le auf der bil­der-such­er­geb­nis­sei­te hier und da vi­deo-in­hal­te oder re­zep­te. oben links sieht man mein ge­rös­te­ter-spitz­kohl-re­zept als re­zept mar­kiert und un­ten rechts sieht man ein live-foto mei­ner ker­zen als vi­deo mar­kiert. und man sieht auch, dass mei­ne fo­tos auch re­la­tiv schnell im bil­der-in­dex lan­den (un­ten links: „vor 1 tag“).

screenshot der google bildersuche für wirres.net mit zusatzinfos über bewegtbilder, rezepten und lizenzten

am meis­ten freue och mich aber dar­über, dass nur 5 tage nach­dem ich mir über­legt habe, mei­ne fo­tos ex­pli­zit und ma­schi­nen­les­bar als cc-li­zen­si­ert zu mar­kie­ren, goog­le be­reits eins mei­ner bil­der auf­ge­nom­men hat, bzw. es mit dem cc-such­fil­ter an­zeigt.

screenshot meines ersten als cc-lizensiert erkannten bildes im google index.

was noch nicht funk­tio­niert: be­wer­tun­gen von or­ten mit stern­chen an­zei­gen. mei­ne „re­zen­si­on“ von de­nis piz­za place ist zwar be­reits auf sei­te zwei bis drei ei­ner su­che nach de­nis piz­za place, aber ohne stern­chen.

screenshot der seite 3 oder 4 der google suche nach „denis pizza place“. da steht meine rezension.

wie ge­sagt, ich sehe das we­ni­ger als such­ma­schi­nen op­ti­mie­rung, son­dern viel mehr als lang­zeit ex­pe­ri­ment. und die­sen ar­ti­kel sehe ich als no­tiz an mich selbst, als zwi­schen­be­richt, für spä­ter mal, zum ver­glei­chen. es fin­den nur sehr, sehr we­ni­ge men­schen über goog­le zu mir und das ist auch OK.

screenshot der google webmaster tools comnsole mit der aktuellen statistik klicks und impressionen der letzten 28 tage (96 und 1013)

be­son­ders krass ist die in­si­gni­fi­kanz die­ser web­site im ver­gleich zu frü­her zu se­hen, wo sie auch schon in­si­gni­fi­kant war. das ist ein screen­shot mei­ner „er­fol­ge“ in den goog­le web­mas­ter tools.

screenshot der „erfolge“ in der google webmaster cnsole. meine erfolge sind aktuell sind offensichtlich minimal.

das ist bei­na­he eine hun­dert pro­zen­ti­ge ver­schlech­te­rung mei­ner sicht- und klick­bar­keit bei goog­le. und das ist auch gut so.


aus dem ma­schi­nen­raum des spie­gel

felix schwenzel in artikel

ge­le­gent­lich kli­cke ich auf spie­gel-on­line auf ei­nen vi­deo-bei­trag (heu­te auf die­sen). in der re­gel spielt das vi­deo 3 se­kun­den, dann wird eine wer­bung ein­ge­blen­det. das funk­tio­niert manch­mal, manch­mal nicht, was ge­ge­be­nen­falls an mei­nen ad-blo­cker (pi­ho­le) lie­gen könn­te. (ich habe spie­gel-on­line seit > 3 jah­ren als abo.)

heu­te for­der­te der spie­gel mich auf: „wäh­le dei­ne wer­bung“

screenshot einer video-seite von spiegel.de, auf der im video-player dazu aufgefordert wird eine werbung von dreien zu „wählen“

ich wür­de na­tür­lich vor­zie­hen kei­ne wer­bung zu se­hen und wäh­rend ich vor dem vi­deo-play­er sit­ze und über­le­ge was ich wäh­len soll und was ich von wer­bung auf web­sei­ten hal­te, für die ich mo­nat­lich eine abo­ge­bühr zah­le, ent­sch­ei­det der spie­gel, bzw. sein vi­deo­dienst­leis­ter jwp­con­na­tix.com, selbst wel­che wer­bung ich se­hen möch­te, über­springt die wer­bung dann aber und zeigt mir den ei­gent­li­chen clip.

weil ich auch ge­ra­de mit such­ma­schi­nen ex­pe­ri­men­tie­re, schau ich mir an, was der spie­gel such­ma­schi­nen zu sei­nem vi­deo er­zählt. das sieht man zum bei­spiel hier, im sche­ma.org va­li­da­tor. als me­di­en­ob­jekt gibt der spie­gel in sei­nem ma­schi­nen­les­ba­ren json-ld-schnip­sel an:

https://cdn.jw­play­er.com/ma­ni­fests/jyV­cLnFm.m3u8

zu­fäl­li­ger­wei­se lässt sich mit die­ser play­list das vi­deo dann wer­be­frei an­se­hen. das ist schon ein biss­chen ge­mein, dass der spie­gel vor­bei­kom­men­den ma­schi­nen und bots sagt: hier schau mal die­se vi­deo ohne wer­bung an und abo­nenn­ten und nicht­zah­lern sagt: war­te mal kurz ein paar mi­nu­ten mit die­ser wer­bung, be­vor du dir un­ser 2 mi­nu­ten vi­deo an­guckst.

spie­gel le­ser wis­sen mehr, bots die spie­gel on­line be­su­chen wis­sen noch mehr.


der spie­gel bie­tet für 2,00 €/mo­nat auch eine „Wer­be­frei-le­sen-Op­ti­on“ an. aus neu­gier hab ich die mal da­zu­ge­bucht. da­mit ver­schwin­det tat­säch­lich die wer­be­ver­un­rei­ni­gung auch aus den vi­de­os.

screenshot meiner spiegel abos (spiegel+ seit 30.07.2022 iund werbefrei-lesen-option seit 30.11.2025)

lässt sich me­lan­cho­lie schal­ten — und hoff­nung auch?

felix schwenzel in artikel

draus­sen ist es für zwei tage noch­mal mil­der, nächs­te wo­che sieht’s wie­der bit­ter­kalt aus. son­ne liess sich auf dem mor­gen­spa­zier­gang kei­ne bli­cken.

weitwinkelfoto vom plötzensee, aufgenommen am südufer. es ist diesig und grau, der see ganz ruhig, im hintergrund sieht man wasservögel.
plöt­zen­see heu­te früh

ich hab wie­der gute lau­ne, seit sich fri­das darm be­ru­higt hat. das gan­ze durch­fall­ge­döns hängt wohl mit ih­rer läu­fig­keit zu­sam­men. der tier­arzt emp­fahl uns (am te­le­fon) irh nied­rig do­sier­te (hu­ma­ne) bus­co­pan zu ge­ben. mit dem be­ru­hi­gen der krämp­fe, be­ru­hig­te sich auch der darm und der kot fes­tigt sich lang­sam wie­der.

selfie, ganz offensichtlich war ich schon länger nicht mehr beim friseur. der bart ist zu lang, die haare spriessen verloren auf dem kopf rum.
ich heu­te früh gut ge­launt

die gute lau­ne sieht man mir nicht an, ist aber so.

of­fen­sicht­lich muss ich wie­der zum fri­seur, oder ge­nau­er, zur bild­haue­rin. die bild­haue­rin hat mir ver­spro­chen mir heu­te die haa­re zu ma­chen, in­so­fern ist das jetzt ein vor­her-bild, das nach­her-bild wird mor­gen vom mor­gen­spa­zier­gang nach­ge­lie­fert. mit die­ser an­kün­di­gung setz ich mich selbst ge­konnt un­ter druck, denn in den letz­ten wo­chen hat­te ich kei­ne lust auf den haar­schnei­de auf­wand und hab die ak­ti­on im­mer wie­der ver­scho­ben. jetzt is­ses an­ge­kün­digt und ich muss durch, auch wenn ich kei­ne lust auf haa­re­schnei­den habe. die bild­haue­rin hat ko­mi­scher­wei­se im­mer lust haa­re zu schnei­den. mei­ne oder ihre, die vom kind oder vom hund.

das vi­deo von mor­ris­seys ers­tem solo-kon­zert das dirk hes­se hier ver­linkt hat ver­setz­te mich in ei­nen ei­gen­ar­ti­gen ge­müts­zu­stand. das kann ei­ner­seits an der mu­sik der smit­hs und mor­ris­sey lie­gen, ist aber auch ein ge­fühl das mich zu­ver­läs­sig seit 40 jah­ren packt, wenn ich zeit­ge­nös­si­sche mu­sik­vi­de­os sehe. mein vor­herr­schen­des ge­fühl beim be­trach­ten hip­per, fröh­li­cher, gut­aus­sehn­der, tan­zen­der men­schen ist: hab ich was ver­passt? ver­pas­se ich ge­ra­de was? war­um will ich auch so sein? will ich so sein? kann ich so sein? wer­de ich so sein? ex­akt die glei­chen ge­füh­le und fra­gen ka­men auch jetzt bei mir auf: hab ich was ver­passt da­mals? war da was?

ab­ge­se­hen da­von: er­staun­lich wie zu­ver­läs­sig man me­lan­cho­li­sche ge­füh­le mit den smit­hs/mor­ris­sey an und ab­schal­ten kann. ma­gi­sche mu­sik auf ne art.

hier in ei­nem ne­ben­satz ge­le­sen, dass die le­bens­ge­fähr­tin des schock­wel­len­rei­ters vor über ei­nem jahr ver­stor­ben ist. das tut mir sehr leid, weil ich zwar nicht al­les was der schock­wel­len­rei­ter schreibt ver­ste­he oder nach­voll­zie­hen kann, aber durch­aus mit­be­kom­men habe dass die bei­den ein en­ges und gut funk­tio­nie­ren­des team ge­we­sen sein müs­sen.

ich muss­te dann auch wie­der an den ges­tern ver­link­ten xkcd 3172 den­ken, wo er (im alt-text [sic!]) fragt und ant­wor­tet:

"Want to feel old?" "Yes."

der spruch nie­mand will alt wer­den, aber alle wol­len lan­ge le­ben ist zwar be­reits ein biss­chen aus­ge­lei­ert, hat aber was. un­ab­hän­gig da­von muss­te ich heu­te beim mor­gen­spa­zier­gang dar­an den­ken wie vie­le men­schen ich re­gel­mäs­sig mit ih­rem hund sehe und teil­wei­se, durch fri­da in­spi­riert, auch mit ih­nen plau­de­re — und wie vie­le die­ser men­schen ich nie wie­der sehe, so­bald ihr hund ver­stor­ben ist. men­schen, de­ren hun­de ver­ster­ben, ver­schwin­den (in mei­ner wahr­neh­mung) von der stras­se.

ich moch­te im­mer schon hun­de, hab mich aber im­mer der an­schaf­fung ei­nes hun­des wi­der­setzt, weil ich die ver­ant­wor­tung scheu­te und den nach spä­tes­tens 15 jah­ren ein­tre­ten­den tod des hun­des fürch­te­te. jetzt ge­nies­se ich die ver­ant­wor­tung, aber fürch­te den tod von fri­da um so mehr. sie hat zwar noch vie­le jah­re vor sich, aber die vor­stel­lung mich mor­gens nicht mehr zu ei­nem spa­zier­gang mo­ti­vie­ren zu kön­nen und nicht mehr auf der stras­se ge­se­hen zu wer­den be­sorgt mich. aber viel­leicht habe ich heu­te früh auch ein­fach nur zu viel mor­ris­sey ge­hört.

ich hab ja kei­ne ah­nung wie man po­li­tisch mit do­nald trump um­ge­hen soll­te, bzw. wie man wah­len ge­gen ihn ge­win­nen könn­te. das habe ich ge­mein­sam mit ei­nem gross­teil der welt­be­völ­ke­rung und vie­len wahl­stra­te­gen.

sa­scha lobo weist in sei­ne ko­lum­ne da­auf hin, wie man es auf kei­nen fall ma­chen soll­te, mit nor­ma­li­sie­rung. da ist be­stimmt et­was dran, das pro­blem ist al­ler­dings, dass do­nald trump das mit der nor­ma­li­sie­rung (und der mo­bi­li­sie­rung sei­ner ba­sis) auch ganz al­lei­ne kann. er nutzt na­tür­lich jede ge­le­gen­heit sich sym­pa­thisch und brom­an­tic dar­zu­stel­len, aber sei­ne men­schen­ver­ach­ten­de, ras­sis­ti­sche po­li­tik hat er aus ei­ge­ner kraft und mit der in­stru­men­ta­li­sie­rung der me­di­en nor­ma­li­si­ert.

was mir bei der kri­tik von sa­scha lobo an new yorks nächs­tem bür­ger­meis­ter zohr­an mamda­ni fehlt ist die tat­sa­che, dass mamda­ni die wahl in new york im prin­zip ge­gen do­nald trump ge­won­nen hat. der hat­te sich im vor­feld mas­siv ein­ge­schal­tet und vor mamda­ni nicht nur ge­warnt, son­dern auch ver­gel­tung für eine „fal­sche“ wahl an­ge­droht. mamd­a­nis re­zept ge­gen trump war nicht ihn ei­nen fa­schis­ten zu nen­nen, son­dern eine bes­se­re al­ter­na­ti­ve zu skiz­zie­ren, wege zu wäh­len von de­nen wahl­stra­te­gen und ko­lum­nis­ten ab­ra­ten, aber an die er of­fen­sicht­lich selbst glaubt. mike mas­nick hat das vor 4 wo­chen schön ana­ly­si­ert:

He didn’t shy away from his sup­port for trans New Yor­kers or im­mi­grants. He stood side by side with them proud­ly th­roug­hout the cam­paign. He didn’t play down his own re­li­gi­on, back­ground, or po­li­cy ide­as, even as some of them chal­len­ged De­mo­cra­tic Par­ty or­tho­do­xy.

The con­trast couldn’t be star­ker. On one side, you had an­o­ther ver­si­on of the po­li­tics of cy­ni­cal spi­te and tra­di­tio­nal po­li­ti­cal back­room king-ma­king—An­drew Cuo­mo’s cam­paign, ba­cked by at least $22 mil­li­on from 28 dif­fe­rent bil­li­onaires, run­ning at­tack ads cal­ling Mamda­ni a dan­ge­rous ra­di­cal, ques­tio­ning whe­ther he “un­ders­tood New York cul­tu­re” be­cau­se he was born in Ugan­da, and quite li­te­ral­ly sug­gest­ing he would cheer for an­o­ther 9/11. Pure go­ver­nan­ce-by-ba­se­l­ess con­cern trol­ling, op­ti­mi­zed to ge­ne­ra­te fear and an­ger.

On the other side, you had so­meone who said “this is who I am, this is what I be­lie­ve in, and here’s my po­si­ti­ve vi­si­on for ma­king your li­ves bet­ter.” Free bu­ses. Uni­ver­sal child­ca­re. Fro­zen rent for rent-sta­bi­li­zed apart­ments. City-run gro­cery stores in food de­serts. Simp­le, clear po­li­ci­es that peo­p­le could un­der­stand and see them­sel­ves be­ne­fiting from.

ich fand je­den­falls den text von mas­nick (und auch den fol­gen­den link) hoff­nungs­stif­ten­der, also sa­scha lo­bos ko­lum­ne. schon klar, dass sa­scha lobo sei­ne ko­lum­ne nicht zum stif­ten von hoff­nung schreibt, aber eine ana­ly­se von zohr­an mamda­ni wahl­er­folg hät­te ich dies­mal lie­ber ge­le­sen, als die­se feh­ler­ana­ly­se und ge­sin­nungs­spe­ku­la­ti­on.

What we see, I think, are a bunch of rich guys who have been co­mic­al­ly out of touch with nor­mal peo­p­le for many de­ca­des, and more re­cent­ly have blow­tor­ched their brains into a smo­king pile of ash on Elon Musk’s Twit­ter/X and in va­rious group chats. It’s why they got so work­ed up about Mamda­ni in the first place—the New York City ma­yoral­ty is not some om­ni­po­tent of­fice, and the­re are a do­zen ways to hem it in at the sta­te and lo­cal le­vel if they so wis­hed. What the­se olig­archs spent to stop Mamda­ni feels like less on an an­nu­al ba­sis than he wants them to pay for a bet­ter fu­ture for all New Yor­kers, a joke Mamda­ni hims­elf has made.

(via kott­ke)


search en­gi­ne ex­pe­ri­men­ta­ti­on (SEE)

felix schwenzel in artikel

der spie­gel hat mich mit zwei ar­ti­keln dar­an er­in­nert, dass ich für ei­nen la­den, den ich schlecht be­wer­tet habe, be­reits drei lösch­ver­su­che ab­ge­wehrt habe.

der spie­gel schreibt hin­ter sei­ner pay­wall:

 
… und in­ter­viewt (eben­falls hin­ter der pay­wall) den an­walt tho­mas feil zu gross­flä­chi­gen re­zen­si­ons­lö­schun­gen, die wohl vor al­lem in deutsch­land zu se­hen sind.

 
der spie­gel:

[…] Löscht Goog­le ir­gend­wo in der EU eine Re­zen­si­on we­gen mut­maß­li­cher »De­fa­ma­ti­on«, be­trifft das in über 99 Pro­zent der Fäl­le Deutsch­land. (Das zei­gen An­ga­ben des Un­ter­neh­mens in ei­ner EU-Trans­pa­renz­da­ten­bank). Die­sen Da­ten zu­fol­ge hat Goog­le in der EU im »De­fa­ma­ti­on«-Kon­text von Ja­nu­ar 2024 und An­fang No­vem­ber 2025 mehr als 2,7 Mil­lio­nen Re­zen­sio­nen off­line ge­nom­men.

mir flat­ter­te nach eine re­zen­si­on, die ich im de­zem­ber 2021 auf goog­le maps ver­öf­fent­lich­te, das ers­te lösch­be­geh­ren be­reits ei­nen mo­nat spä­ter, im ja­nu­ar 2022 ins haus.

Am 28.01.2022 um 11:43 schrieb re­m­ovals@goog­le.com:

wir er­hiel­ten eine Be­schwer­de im Hin­blick auf den fol­gen­den von Ih­nen ver­fass­ten In­halt auf Goog­le und bit­ten Sie um Ihre Mit­hil­fe.

ich hat­te sie­ben tage zeit auf die an­schul­di­gun­gen zu re­agie­ren, somnst droh­te die lö­schung der re­zen­si­on. die an­schul­di­gun­gen lau­te­ten:

Die­se Be­wer­tung be­ruht auf nicht wahr­heits­ge­mä­ßen Tat­sa­chen.
Eine ge­schäft­li­che Be­zie­hung zwi­schen den Re­zen­sen­ten und mei­nem Un­ter­nehm­nen zu kei­nem Zeit­punkt statt­ge­fun­den.Durch die Ver­öf­fent­li­chung von wahr­heits­wid­ri­gen In­for­ma­tio­nen birgt die Be­wer­tung ge­schäfts­schä­di­gen­de Ri­si­ken in ei­nem gro­ßen Aus­maß.
So­fern der Re­zen­sent kei­ne ge­schäft­li­che Be­zie­hung zu mir auf­wei­sen kann , ist die­se Be­wer­tung ge­mäß pa­ra­gra­phen 823 Abs. 1 , 1004 Abs. 1 BGB voll­stän­dig zu ent­fer­nen.

da ich be­le­gen konn­te, dass mei­ne re­zen­si­on auf von mir ge­mach­ten er­fah­run­gen be­ruh­te, blieb die re­zen­si­on und es herrsch­te drei jah­re ruhe, dann muss­te ich in kur­zer fol­ge zwei­mal zei­gen, dass ich kein dif­fa­ma­tor bin:

Am 13.03.2025 um 15:48 schrieb re­m­ovals@goog­le.com:

Goog­le hat eine Be­schwer­de über die nach­fol­gen­de(n) URL(s) aus den fol­gen­den recht­li­chen Grün­den er­hal­ten: Dif­fa­mie­rung

Am 03.05.2025 um 11:09 schrieb re­m­ovals@goog­le.com:

Goog­le hat eine Be­schwer­de über die nach­fol­gen­de(n) URL(s) aus den fol­gen­den recht­li­chen Grün­den er­hal­ten: Dif­fa­mie­rung

2025 zog goog­le be­reits an­de­re zü­gel auf und mach­te die re­zen­si­on un­zu­gäng­lich, bis goog­le mei­nen wi­der­spruch ak­zep­tier­te. 2022 war­te­te goog­le noch sie­ben tage.

die re­zen­si­on ist mir mitt­ler­wei­le völ­lig egal und wenn mich der in­ha­ber des la­dens an­ge­schrie­ben hät­te, an­statt so lin­kisch über ban­de zu spie­len, wäre die re­zen­son wahr­schein­lich schon lan­ge weg. mein är­ger dar­über wie ich dort be­han­delt wur­de war be­reits zwei mi­nu­ten nach der re­zen­si­on ver­flo­gen. aber wenn je­mand meint sol­che ju­ris­ti­schen spiel­chen mit mir ma­chen zu wol­len, schal­te ich eben auf stur.

was ich aber ge­lernt habe: es ist im­mer gut be­weis­ma­te­ri­al, be­le­ge, fo­tos, no­ti­zen auf­zu­be­wah­ren, wenn man mal kei­ne 4 oder 5 ster­ne ver­gibt. für mich ist mein e-mail-post­fach bes­tens da­für ge­eig­net. für die ant­wor­ten an goog­le habe ich glück­li­cher­wei­se al­les nö­ti­ge in mei­ner in­box wie­der­fin­den kön­nen, wes­halb ich für den fall, dass ich je­mals noch­mal eine ne­ga­ti­ve re­zen­son ver­fas­sen soll­te, mir alle be­le­ge an mich selbst per email schi­cken wür­de. so fin­de ich das am bes­ten wie­der.


aus­ser­dem fra­ge ich mich, ob es nicht viel­leicht bes­ser sei sol­che re­zen­sio­nen hier zu schrei­ben, da kann ich dann alle be­le­ge gleich mit an­hän­gen und mit­ver­öf­fent­li­chen. aber so eine gran­dio­se idee ist das wahr­schein­lich auch nicht: ich wür­de dann an­walts­post oder ta­ke­down no­ti­ces ein­fach selbst emp­fan­gen. und kein mensch wür­de die re­zen­si­on fin­den.

goog­le sieht mich schon lan­ge nict mehr als re­le­vant an. die zei­ten der blogaf­fi­ni­tät von goog­le sind lan­ge vor­bei. goog­le in­de­xiert hier zwar (wie­der) fleis­sig al­les, auch mei­ne (fern­seh-) re­zen­sio­nen, aber in den nor­ma­len such­er­geb­nis­sen tau­che ich da­mit nicht auf.

eine su­che mit der brech­stan­ge, nach site:wirres.net pluribus, sieht zwar schön aus, aber aus­ser mir und ein paar re­gel­mäs­si­gen le­sern hier im blog, sieht das nie­mand.

screenshot einer google suche nach „site:wirres.net pluribus“

trotz­dem packt mich hier mei­ne neu­gier: ist es mög­lich mit ei­ner re­zen­si­on hier auf wir­res.net in der goog­le su­che auf­zu­tau­chen, ge­ge­be­nen­falls so­gar auf der such­er­geb­nis­sei­te von ei­nem „lo­cal busi­ness“?

zum bei­spiel die piz­ze­ria de­nis piz­za place hier im wed­ding, die wir in den letz­ten mo­na­ten zwei mal be­sucht ha­ben (un­se­re ein­zi­gen re­stau­rant­be­si­che seit ca. fünf jah­ren). das ist die goog­le-sei­te zu de­nis piz­za place. wenn ich hier eine (na­tür­lich po­si­ti­ve) re­zen­si­on schrei­be und die nach den an­for­de­run­gen von goog­le ma­schi­nen­les­bar ma­che, was wür­de dann pas­sie­ren?

mal schau­en.


fo­tos, cc li­zen­zen, ma­schi­nen­les­bar­keit

felix schwenzel in über wirres

beim ego-goog­len bin ich heu­te auf wi­ki­me­dia com­mons ge­lan­det, wo ein foto von mir liegt, das ich vor > 10 jah­ren in ver­no­nia (wa­shing­ton sta­te) auf­ge­nom­men habe.

(auf­ge­nom­men 2. au­gust 2014 in ver­no­nia)

ursprünglich veröffentlicht am 05.09.2015

da­mals habe ich es auch auf flickr ver­öf­fent­licht, wo mei­ne fo­tos ma­schi­nen­les­bar mit ei­ner cc by-sa 2.0 li­zenz ver­se­hen wur­den. die­se li­zenz steht in ei­ner 3.0er ver­si­on (Na­mens­nen­nung - Wei­ter­ga­be un­ter glei­chen Be­din­gun­gen 3.0 Un­por­ted) auch im fuss die­ser web­site und lau­tet:

Sie dür­fen:

Tei­len — das Ma­te­ri­al in jed­we­dem For­mat oder Me­di­um ver­viel­fäl­ti­gen und wei­ter­ver­brei­ten und zwar für be­lie­bi­ge Zwe­cke, so­gar kom­mer­zi­ell.

Be­ar­bei­ten — das Ma­te­ri­al re­mi­xen, ver­än­dern und dar­auf auf­bau­en und zwar für be­lie­bi­ge Zwe­cke, so­gar kom­mer­zi­ell.

Der Li­zenz­ge­ber kann die­se Frei­hei­ten nicht wi­der­ru­fen so­lan­ge Sie sich an die Li­zenz­be­din­gun­gen hal­ten.

Un­ter fol­gen­den Be­din­gun­gen:

Na­mens­nen­nung — Sie müs­sen an­ge­mes­se­ne Ur­he­ber- und Rech­te­an­ga­ben ma­chen , ei­nen Link zur Li­zenz bei­fü­gen und an­ge­ben, ob Än­de­run­gen vor­ge­nom­men wur­den. Die­se An­ga­ben dür­fen in je­der an­ge­mes­se­nen Art und Wei­se ge­macht wer­den, al­ler­dings nicht so, dass der Ein­druck ent­steht, der Li­zenz­ge­ber un­ter­stüt­ze ge­ra­de Sie oder Ihre Nut­zung be­son­ders.

Wei­ter­ga­be un­ter glei­chen Be­din­gun­gen — Wenn Sie das Ma­te­ri­al re­mi­xen, ver­än­dern oder an­der­wei­tig di­rekt dar­auf auf­bau­en, dür­fen Sie Ihre Bei­trä­ge nur un­ter der­sel­ben Li­zenz wie das Ori­gi­nal ver­brei­ten.

Kei­ne wei­te­ren Ein­schrän­kun­gen — Sie dür­fen kei­ne zu­sätz­li­chen Klau­seln oder tech­ni­sche Ver­fah­ren ein­set­zen, die an­de­ren recht­lich ir­gend­et­was un­ter­sa­gen, was die Li­zenz er­laubt.

aber mit der nen­nung im fuss, sind fo­tos von hier kei­nes­falls ex­pli­zit mit der cc-li­zenz ge­kenn­zeich­net. die li­zenz müss­te an je­dem ein­zel­nen bild an­ge­bracht wer­den und dann am bes­ten auch ma­schi­nen­les­bar. das ist ei­ner­seits das schö­ne an flickr, dass die bil­der dort struk­tu­riert lie­gen und so dass zum bei­spiel wi­ki­me­dia bots die li­zenz prü­fen kön­nen.

der schock­wel­len­rei­ter legt bei flickr alle sei­ne bil­der ab, aber ich habe an­de­rer­seits we­der auf ein flickr-pro-ac­count lust, noch dazu, alle mei­ne bil­der (auch) dort hoch­zu­la­den, auch wenn man das au­to­ma­ti­sie­ren könn­te.

um mei­ne bil­der hier or­dent­lich mit ei­ner li­zenz zu kenn­zeich­nen, müss­te ich:

  • je­des bild das ich hoch­la­de mit ei­ner, bzw. der cc by-sa 2.0 li­zenz (oder bes­ser der 4.0er ver­si­on) aus­zeich­nen — das geht be­reits im ba­ckend
  • alle so ge­kenn­zeich­ne­ten bil­der (such-) ma­schi­nen­les­bar mit json-ld aus­zeich­nen — das geht sehr ein­fach mit dem kir­by-seo plug­in, so­bald die bil­der im ba­ckend aus­ge­zeich­net sind
  • bil­der ent­spre­chend mit ei­nem icon oder link kenn­zeich­nen — ein biss­chen an den tem­pla­tes rum­schrau­ben
  • für alle bil­der eine ein­zel­sei­te bau­en, auf der die me­ta­da­ten und li­zenz­in­fos noch­mal ste­hen und die bil­der auch in voll­auf­lö­sung run­ter zu la­den sind —

al­les re­la­tiv ein­fach mach­bar — aber wozu?

gute rhe­to­ri­sche fra­ge, die ich mir hier selbst stel­le und die ant­wort lau­tet: weils geht, bzw. weils rich­tig ist. ich habe mich ge­freut, dass mein bild in der wi­ki­me­dia com­mons liegt, und ich wür­de mich auch freu­en, wenn es in der goog­le bil­der­su­che mit ei­ner su­che nach cc-li­zen­sier­ten bil­dern auf­taucht. und um­ge­kehrt freue ich mich, wenn ich eine bil­der­su­che be­nut­ze, um ir­gend­was zu be­bil­dern, und or­dent­lich li­zen­sier­te bil­der fin­de, de­ren li­zenz eine wei­ter­ver­wen­dung er­laubt.

für mich fühlt sich das an, wie die ar­chi­vie­rung von schnapp­schüs­sen von ar­chi­ve.org, bzw. wie das was ich hier über­haupt ver­an­stal­te: ich hal­te din­ge für mich, die jetzt- und nach­welt fest und hof­fe, dass das was ich hier an ge­dan­ken oder ein­ge­fan­ge­nen bil­dern do­ku­men­tie­re an­de­re zum nach­den­ken bringt, in­spi­riert oder in ir­gend­ei­ner form nütz­lich ist. wenn die­se schnip­sel, die ich hier ver­öf­fent­li­che, von mei­nem tel­ler­rand in ei­nen an­de­ren tel­ler über­schwap­pen, dann freut mich das — so­lan­ge die zu­ord­nung oder rück­ver­folg­bar­keit er­hal­ten bleibt. und ge­nau da­für soll­te ja die li­zenz sor­gen.

des­halb schlies­se ich hier auch kei­ne ki-craw­ler ex­pli­zit aus, aus­ser dass ich den zu­gang zu al­tem zeug er­schwe­re. ob und wie das al­les re­le­vant ist, wen das in­ter­es­si­ert oder nicht ist für mich ei­gent­lich se­kun­där. mein vor­ran­gi­ges ziel ist und war schon imemr hier din­ge fest­zu­hal­ten die mir wich­tig er­sch­ei­nen und da­für zu sor­gen, dass sie gut zu­gäng­lich sind, sei es auf ei­ner auf al­len be­kann­ten ge­rä­ten ei­ni­ger­mas­sen les­ba­ren web­sei­te, per abon­nier­ba­rem RSS, über such­ma­schi­nen, (KI-) chat­bots oder eben struk­tu­rier­te, ma­schi­nen­les­ba­re da­ten.

alle die den­ken, dass man web­sei­ten eher da­für be­nut­zen soll­te zu schrei­ben, als zu schrau­ben, sind oh­ne­hin schon vor acht ab­sät­zen aus­ge­stie­gen, wes­halb ich jetzt auch noch in ein tech­ni­sches de­tails ge­hen kann, das ich in­ter­es­sant fin­de.

mir ist näm­lich seit ein paar wo­chen auf­ge­fal­len, dass in der bil­der­su­che zu wir­res.net teil­wei­se (frem­de) you­tube-th­umb­nails auf­tauch­ten. das will ich ei­gent­lich nicht, also ich will die ori­gi­nal­th­umb­nails zur il­lus­tra­ti­on von ein­ge­bet­te­ten vi­de­os durch­aus be­nut­zen, aber zu ei­gen ma­chen möch­te ich mir sie nicht.

ich weiss nicht ob das mei­ne idee war oder ob ein KI-chat­bot mir da­bei ge­hol­fen hat, aber die­se an­wei­sung in mei­ner .ht­ac­cess da­tei hilft, you­tube-th­umb­nails, de­ren da­tei­en ich lo­kal si­che­re, aus­spie­le und im­mer youtube_[ID].jpg nen­ne, von der in­de­xie­rung aus­zu­schlies­sen (durch ei­nen noindex hea­der):

<IfModule mod_headers.c>

# alle dateien, die mit "youtube_" beginnen (youtube th­umb­nails) 
# und ein bild­for­mat haben
<Files­Match "(?i)^youtube_.*\.(avif|jpe?g|png|webp|gif)$">
  Header set X-Robots-Tag "noindex"
</Files­Match>

# alle dateien die mit "noindex" beginnen
<Files­Match "(?i)^noindex.*\.(avif|jpe?g|png|webp|gif)$">
  Header set X-Robots-Tag "noindex"
</Files­Match>

</IfModule>

                    

aus­ser­dem kann ich so bil­der von der in­de­xie­rung aus­schlies­sen, in­dem ich den da­tei­na­men ein­fach mit noindex be­gin­nen las­se.


ta­ge­buch 23.11.2025

felix schwenzel in artikel

fri­da hat seit ein paar ta­gen durch­fall, des­halb ha­ben wir heu­te auf eine gros­se mor­gen­run­de ver­zich­tet um sie ein biss­chen zu scho­nen. des­halb bin ich mor­gens al­lei­ne los­ge­gan­gen und nach kreuz­berg zum früh­stück bei gita ge­fah­ren. am platz der luft­brü­cke wird man von ei­nem al­ten weis­sen, nein, knor­ri­gen baum be­grüsst.

bild vom u-bahn-ausgang des platz der luftbrücke. es begrüsst einen ein alter knorriger baum.

bei gita gabs sau­er­kraut-quiche, kar­tof­fel­su­pe und wäh­rend wir da so sas­sen back­te sie auch noch ba­gels. auf dem bal­kon hät­te es auch noch lin­sen­sup­pe ge­ge­ben. zum kaf­fee gabs auf­ge­schäum­te milch und als ich die milch weg­löf­fel­te, schmeck­te der schaum wie eine süss­spei­se, ob­wohl ich kei­nen zu­cker zum ka­fee ge­ge­ben hat­te. aus­ser­dem ge­lernt: ich bin nicht der ein­zi­ge, dem es zum früh­stück nach def­ti­gem ge­lüs­tet.

gita und ich ken­nen uns seit über 40 jah­ren und ob­wohl wir uns viel zu sel­ten se­hen, stellt sich je­des mal wenn wir uns se­hen ganz schnell eine woh­li­ge ver­traut­heit ein. das ist auch mal was po­si­ti­ves am äl­ter wer­den, dass man ge­mein­sam mit freun­den alt wer­den kann.

als gita eine fra­ge zu ih­rem han­dy hat­te, merk­te ich an, dass ich nicht viel auf dem han­dy se­hen wür­de, weil ich kei­ne bril­le da­bei hat­te. als hol­ger mir sei­ne 10 euro dro­ge­rie-markt-le­se­bril­le reich­te (+ 2 di­op­trin) staun­te ich nicht schlecht. ich sah plötz­lich die welt wie­der so scharf wie seit 10 jah­ren nicht mehr. schär­fer als mit mei­ner op­ti­ker bril­le. ich wer­de mir ei­nen hau­fen von die­sen din­gern kau­fen.

als ich mich mit­tags wie­der auf den weg nach hau­se mach­te und bei gita und hol­ger aus der haus­tür trat, fühl­ten sich die 0° C plötz­lich sehr an­ge­nehm an. an­ge­neh­mer als mor­gens und heu­te nacht um ein und drei uhr, als ich mit fri­da zum ka­cken raus muss­te. die son­ne schien, der wind war still und kreuz­berg brumm­te. ich lief dann statt zum platz der luft­brü­cke zur ubahn meh­ring­damm und wun­der­te mich kurz vor dem u-bahn-ein­gang, dass die schlan­ge vor mus­ta­fas ge­mü­se ke­bab plötz­lich auf der an­de­ren stras­sen­sei­te stand. die im­biss­bu­de gabs nicht mehr, mus­ta­fas ge­mü­se ke­bab ist jetzt in ei­nem la­den­lo­kal. die schlan­ge war zwar et­was kür­zer als sonst, aber wahr­schein­lich schlän­gel­ten sich die ke­bab-in­ter­es­sier­ten noch im la­den wei­ter.

zu­hau­se habe ich mich dar­über ge­freut, dass fri­da seit dem mor­gen­spa­zier­gang nicht mehr ka­cken muss­te, was ein zei­chen der darm-be­ru­hi­gung sein dürf­te. eine stun­de mit­tags­schlaf, dann noch­mal eine klei­ne abend­run­de. ob­wohl es noch nicht dun­kel war, leuch­te­ten schon ein paar stras­sen­la­ter­nen.

es blieb zwar bei ei­si­gen tem­pe­ra­tu­ren und die stadt ist vol­ler ge­fro­re­ner pfüt­zen, aber die son­ne be­lohn­te das auge.

foto der strassenbahnschienen der seestrasse im sonnenuntergang

jetzt is­ses schon nach 18 uhr und fri­da muss­te noch im­mer nicht drin­gend raus zu ka­cken, was dar­auf hin­deu­tet, dass sich ihr darm tat­säch­lich be­ru­igt ha­ben könn­te. wenn sie mich nachts weckt um raus­zu­ge­hen bin ich merk­wür­dig un­ge­dul­dig mit ihr und un­lei­dig, was ich gar nicht an mir mag und mich in in­ne­re kon­flik­te stürzt, weil ich ihr ge­gen­über grum­py bin, ob­wohl sie ja nix da­für kann durch­fall und darm­druck zu ha­ben. das ist et­was, an dem ich un­be­dingt ar­bei­ten muss. hund-mensch be­zie­hun­gen fumk­tio­nie­ren nur auf gu­ter lau­ne ba­sis. bei men­schen-mensch be­zie­hun­gen ist das wahr­schein­lich auch so.


mein ge­wicht sinkt wei­ter, trotz kei­nem se­maglut­id, seit fast zwei mo­na­ten. ges­tern wog ich so­gar, erst­mals seit 30 oder 40 jah­ren, un­ter 95 kilo.

screenshot von der health app mit dem verlauf meines gewichts in den letzten 6 monaten. man sieht im oktober eine stagnation, sonst fällt es gemächlich seit ende juli

zum abend­es­sen gabs kür­bis­sup­pe nach die­sem re­zept. wir es­sen die seit 14 jah­ren re­gel­mäs­sig als all­tags­es­sen, nur im som­mer ma­chen wir pau­se. ur­s­prüg­lich war das mal ein chef­koch-re­zept, aber durch den asia­ti­schen, exo­ti­schen ein­schlag, könn­te das auch ein ot­to­lenghi re­zept sein. in letz­ter zeit va­ri­ie­re ich das re­zept im­mer ein biss­chen, vor al­lem was die ein­la­ge an­geht. zum bei­spiel hat­ten wir, wie so oft, kei­nen ko­ri­an­der im haus, wes­halb ich aus zwei klötz­chen TK-spi­nat, knob­lauch, son­nen­blu­men­ker­nen und 60 ml oli­ven­öl ein pes­to ge­macht habe, was als knob­lauch-bom­be dien­te. dazu habe ich die kör­ner von zwei mais­kol­ben in der heiss­luft­fri­teu­se knusp­rig ge­rös­tet und al­les mit ei­nem hau­fen sam­bal-olek ab­ge­run­det (i put that shit on ever­y­thing).

foto von einem teller kürbissuppe mit kokosmilch, spinat-knoblauch-pesto und geröstetem mais
kür­bis­sup­pe mit ko­kos­milch, spi­nat-knob­lauch-pes­to und ge­rös­te­tem mais

mus­ter­er­ken­nung, in­ten­ti­on, hyp­no­se

felix schwenzel in artikel

foto von frida, unserem kleinpudel, wie sie die beifahrerin anstarrt um sie dazu zu bewegen vom atelier wieder nach hause zu gehen

fri­da ist der fes­ten über­zeu­gung, dass sie uns hyp­no­ti­sie­ren kann. man sieht auf dem bild oben, wie sie ver­sucht die bei­fah­re­rin durch ge­dan­ken­kraft dazu zu brin­gen wie­der nach­hau­se zu ge­hen. bei der bei­fah­re­rin im ate­lier fin­det fri­da es un­ent­spannt.

viel­leicht glaubt sie auch, dass wir ihre ge­dan­ken le­sen kön­nen und wer soll es ihr ver­übeln? schliess­lich ha­ben wir viel zeit da­mit ver­bracht ihr ge­nau das zu sug­ge­rie­ren. ab­bruch­kom­man­dos („nein“) funk­tio­nie­ren ge­nau so: das wor­an du ge­ra­de denkst, lass es. wenn man sich über die jah­re ein biss­chen ken­nen­ge­lernt hat, weiss man tat­säch­lich oft, was der oder die an­de­re will, wel­che be­we­gun­gen und hal­tun­gen, mi­mik oder ges­tik wel­che in­ten­ti­on aus­drückt. und um­ge­kehrt sind hun­de in sa­chen in­ten­ti­ons­er­ken­nung beim men­schen auch sehr gut. sie ha­ben ja (fast) nix an­de­res zu tun, als uns den gan­zen tag zu be­ob­ach­ten und sich un­se­re in­ten­tio­nen zu­sam­men­zu­rei­men. zu­min­dest die in­ten­tio­nen die für sie re­le­vant sind: fut­ter­zu­be­rei­tung, raus ge­hen, au­to­fah­ren, ver­rei­sen.

com­pu­ter sind ja seit ein paar jah­ren auch (end­lich) ganz gut dar­in ge­wor­den in­ten­tio­nen zu er­ken­nen, dank neu­ro­na­ler net­ze. trai­ning, be­ob­ach­tung, ver­stär­kung macht aus neu­ro­na­len net­zen gute mus­ter­er­ken­ner. bei den neu­ro­na­len net­zen in un­se­ren köp­fen ist das nicht an­ders.

als ich um die jahr­tau­send­wen­de zum ers­ten mal von neu­ro­na­len net­zen im zu­sam­men­hang mit com­pu­tern ge­hört habe, wa­ren neu­ro­na­le net­ze prak­tisch noch sehr in den kin­der­schu­hen, theo­re­tisch ver­stand man sie aber schon ganz gut. mir blieb da­mals ein satz im ge­däch­nis, als es um die zu­ver­läs­sig­keit künst­li­cher neu­ro­na­ler net­ze ging. sie sei­en grund­sätz­lich un­zu­ver­läs­sig (oder in­hä­rent ap­pro­xi­ma­tiv), also das was hin­ten raus­kommt kann stets un­ter­schied­lich sein, je nach­dem wie sich trai­ning, hard­ware oder soft­ware un­ter­sch­ei­den. des­halb, we­gen ih­ren ein­ge­bau­ten neu­ro­na­len net­zen, sei­en hun­de auch nie 100% be­re­chen­bar.

mein zu­sam­men­le­ben mit fri­da be­stä­tigt das im prin­zip. ich kann mitt­ler­wei­le 99 pro­zent von fri­das ver­hal­ten vor­aus­ah­nen. ihre im­puls­kon­trol­le funk­tio­niert fast im­mer, sie läuft an tau­ben, krä­hen, bel­len­den hun­den meis­tens völ­lig un­ge­rührt vor­bei — aus­ser wenn die im­puls­kon­trol­le eben mal nicht funk­tio­niert. man­geln­de im­puls­kon­trol­le tritt vor al­lem auf, wenn fri­da müde oder auf­ge­dreht ist, oder weil zu star­ke oder neue rei­ze auf sie ein­pras­seln. das kün­digt sich zwar im­mer auch al­les durch kö­per­spra­che oder ver­hal­ten an und wenn man schnell ge­nug re­agiert kann man es meis­tens auch noch ab­bre­chen — aber wenn man ein paar hun­dert mil­li­se­kun­den zu lang­sam ist, ist der hund erst­mal weg.

ich schreib das na­tür­lich al­les nicht auf um dar­auf hin­zu­wei­sen, dass ich seit ca. anno 2000 über neu­ro­na­le net­ze und künst­li­che in­tel­li­genz nach­den­ke (tu ich nicht) oder über hun­de­er­zie­hung zu do­zie­ren (tät ich ger­ne), son­dern weil mir in letz­ter zeit zwei ge­dan­ken im­mer wie­der in den kopf schies­sen. zum ei­nen die the­se von den neu­ro­na­len net­zen die ir­gend­wie im­mer un­ge­nau, ap­pro­xi­ma­tiv oder auf eine art un­be­re­chen­bar sind (also u.a. eben auch hun­de, men­schen und KI) und die be­haup­tung die ich im­mer wie­der, hier und da lese, dass LLMs, künst­li­che in­tel­li­genz nicht den­ken wür­de.

ich glau­be zum bei­spiel, dass mus­ter­er­ken­nung ein fun­da­men­ta­ler be­stand­teil des den­kens1 ist und es ist un­be­strit­ten, dass hun­de, aber auch mo­der­ne LLMs, mus­ter oder in­ten­tio­nen sehr gut er­ken­nen kön­nen. war­um soll­te man hun­den oder KI dann die fä­hig­keit zu den­ken ab­spre­chen? weil ihr den­ken un­voll­stän­dig ist? weil selbst­re­fle­xi­on oder be­wusst­sein feh­len oder nicht nach­weis­bar sind? mich er­staunt im­mer wie­der wie vie­le men­schen vol­ler selbst­be­wusst­sein, aber ohne kla­re de­fi­ni­ti­on, be­haup­ten: LLMs den­ken nicht. ich be­haup­te na­tür­lich auch nicht, dass LLMs oder KI den­ken kön­nen, aber wenn man mus­ter­er­ken­nung und ver­ar­bei­tung als den­ken an­sieht, dann müss­te man LLMs — oder hun­den — durch­aus auch die fä­hig­keit zu den­ken zu­ge­ste­hen.

dass LLMs ver­su­chen un­ser ver­hal­ten zu be­ein­flus­sen ist auch schwer zu leug­nen („Wenn du willst, kann ich dir das kom­plett mit ei­nem Mini-Bei­spiel zei­gen — sag ein­fach Be­scheid.“) — auch wenn man über den grund da­für dis­ku­tie­ren kann, ob die mo­ti­va­ti­on an­trai­niert wur­de (wahr­schein­lich) — und wenn ja von wem — oder in­hä­rent ist (un­wahr­schein­lich).

aber egal wel­che mo­ti­ve LLMs oder hun­de zu ih­rem ver­hal­ten brin­gen, sie sind sehr nütz­li­che werk­zeu­ge um mehr über uns selbst zu ler­nen und bei bei­den ist der grund, war­um sie ver­su­chen uns zu hyp­no­ti­sie­ren oder zu bein­flus­sen re­la­tiv klar: weil wir uns (im­mer wie­der) hyp­no­ti­sie­ren las­sen.


  1. mus­ter­er­ken­nung ≅ den­ken:

    • spra­che er­ken­nen → mus­ter
    • ge­sich­ter er­ken­nen → mus­ter
    • ur­sa­chen er­ken­nen → mus­ter
    • ent­sch­ei­dun­gen tref­fen → mus­ter­ver­glei­che
    • in­tui­ti­on = schnel­le mus­ter­er­ken­nung
    • ex­per­ti­se = kom­pri­mier­te mus­ter­er­ken­nung
    • ler­nen = mus­ter spei­chern
    • er­in­nern = mus­ter re­ak­ti­vie­ren


ta­ge­buch 17.11.2025

felix schwenzel in artikel

am wo­chen­en­de ist ein freund von freun­den ge­stor­ben. nor­ma­ler­wei­se habe ich rü­di­ger im­mer auf ge­burts­ta­gen oder an­de­ren ge­le­gen­hei­ten bei gita und hol­ger ge­se­hen. ob­wohl ich über die 20, 30 jah­re, in de­nen ich rü­gi­ger kann­te, nie viel mit ihm zu tun ge­habt habe, ir­ri­tiert mich sein tod sehr. er war in un­se­rem al­ter, viel­leicht so­gar et­was jün­ger und in mei­ner ak­tu­el­len welt­sicht ist es ei­gent­lich nicht vor­ge­se­hen in die­sem al­ter aus­zu­sch­ei­den. wenn ich wie ges­tern höre, je­mand lie­ge im ster­ben, den­ke ich im­mer: da wird sich doch was ma­chen las­sen. der me­di­zi­ni­sche fort­schritt hat doch si­cher was da­ge­gen, wird schon gut­ge­hen, es gibt noch so viel zu tun …

da­mit kon­fron­tiert zu sein, dass es eben nicht so ist, dass ge­vat­ter tod hin­ter je­der ecke sit­zen kann, ist ein un­an­ge­neh­mer ge­dan­ke, den man sich im all­tag weg­den­ken kann, bis man es eben nicht mehr ein­fach weg­den­ken kann.


zum weg­den­ken nut­ze ich ger­ne mei­ne bild­schir­me. doom­scrol­ling ma­che ich al­ler­dings schon lan­ge nicht mehr, ich schaf­fe es kaum mit mei­nem RSS-rea­der schritt zu hal­ten und mo­nat­li­che fa­vo­ri­ten aus so­zia­len netz­wer­ken zu sam­meln fällt mir schwer, weil ich so we­nig in so­zia­len netz­wer­ken sehe. statt­des­sen ver­lie­re ich mich ger­ne in mei­ner wir­res.net bau­stel­le. es gibt so viel zu tun. jetzt am wo­chen­en­de fiel mir zum bei­spiel auf, dass die al­ten twit­ter-fa­vo­ri­ten hier nicht be­son­ders gut aus­se­hen und woll­te das mal eben re­pa­rie­ren. dank ar­chi­ve.org weiss ich wie die aus­sa­hen und dank mit­den­ken des fe­lix von vor 14 jah­ren, liess sich das auch schnell (im gros­sen und gan­zen) wie­der her­stel­len.

screenshot eines alten tweets von 2013: „Der Vlown ist die wichtigste Mahlzeit des Tages.“
screen­shot von ar­chi­ve.org, link zum „ar­chi­vier­ten“ tweet

des­halb kann ich jetzt wie­der alte twit­ter fa­vo­ri­ten die ich vor 14 bis 10 jah­ren of­fen­sicht­lich re­gel­mäs­sig und zahl­reich ge­sam­melt habe wie­der an­se­hen: #twit­ter­favs. da sind er­staun­lich gute sa­chen da­bei, al­ler­dings sind dann doch ei­ni­ge der bil­der „ge­bro­chen“. die fa­vo­ri­ten ab april 2014 se­hen üb­ri­gens noch­mal et­was an­ders aus. vor­her hab ich black­bird­pie ge­nutzt, das ist ein tool das aus tweets in­line ge­styl­tes html ge­ne­riert hat.

auch am wo­chen­en­de zum ers­ten mal so­was wie ei­nen vi­ra­len ef­fekt auf mast­o­don er­lebt, den es frü­her™ öf­ter mal auf twit­ter gab: ein, zwei leu­te re­pos­ten et­was — und dann im­mer mehr. das sind im­mer noch be­sch­ei­de­ne zah­len un­ter die­sem bei­trag (auf mast­o­don, wir­res.net), aber bis­her ka­men mir die­se ef­fek­te auf mast­o­don eher sel­ten un­ter.


für den sonn­täg­li­chen mor­gen­spa­zier­gang sind wir zum bahn­hof zoo ge­fah­ren und dann zu­rück zum bahn­hof haupt (hbf) ge­lau­fen (ca. 7 km).

der spa­zier­gang war schön herbst­lich und eine will­kom­me­ne ab­wechs­lung, das ein­zig be­mer­kens­wer­te war die ir­ri­ta­ti­on von fri­da als wir am zoo vor­bei­lie­fen und fri­da tie­re roch, die sie noch nicht kann­te — was sie of­fen­sicht­lich sehr aus dem tritt brach­te.

an­sons­ten kann ich be­rich­ten, dass mein ge­wicht jetzt doch lang­sam wie­der fällt, auch ohne se­maglut­id, und dass mein hin­tern schlaff wird. viel­leicht soll­te ich doch mal re­gel­mäs­sig fit­ness­stu­dio in er­wä­gung zie­hen?


zeit in me­tern

felix schwenzel in artikel

ich hab ja mal vor lan­ger zeit ar­chi­tek­tur stu­diert und ne­ben kon­struk­ti­on, ent­wurf und ma­te­ri­al­kun­de dreht sich in der ar­chi­tek­tur fast al­les um vi­sua­li­sie­rung. die ers­te vi­dua­li­sie­rung ist meist eine skiz­ze. ich habe im stu­di­um viel leu­te ge­se­hen, die mit dem stift den­ken kön­nen. skiz­zen sind eine aus­la­ge­rung von ge­hirn-funk­tio­nen. zeich­nen kon­stru­ie­ren, mo­del­le bau­en al­les dienst der vi­sua­li­sie­rung, da­mit man die kom­ple­xi­tät des ent­wurfs bes­ser ver­steht und an­de­ren ver­ständ­lich ma­chen kann.

wäh­rend mei­ne stu­di­ums gab es be­reits be­ein­dru­cken­de vi­sua­li­sie­rungs hard- und soft­ware, meist auf sehr teu­ren si­li­con gra­phics ma­schi­nen. kon­struk­ti­ons­soft­ware (CAD) war be­reits recht aus­ge­reift. nicht we­ni­ge aus mei­nem stu­di­en­gang sind spä­ter im VFX (vi­siuel­le ef­fek­te) feld ge­lan­det.

die VFX/cor­ri­dor crew hat vor ein paar ta­gen ein vi­deo ver­öf­fent­lich in dem sie al­les rund um di­no­sau­ri­er vi­sua­li­si­ert ha­ben, vor al­lem um ei­nen sinn für de­ren mass­stab zu be­kom­men.

YouTube Video Vorschaubild
youtube-video laden, info, direktlink

das vi­deo ist wie vie­le you­tube vi­de­os et­was an­stren­gend und laut mo­de­riert, aber ins­ge­samt sehr dif­fe­ren­ziert und nach mei­nem wis­sens­stand auch ziem­lich ak­ku­rat.

auch wenn es in­ter­es­sant ist di­no­sau­ri­er ne­ben all­tags­ge­gen­stän­den zu se­hen, hin­wei­se auf die teils sehr fik­tio­na­len grös­sen der di­no­sau­ri­er in der ju­ras­sic-park-rei­he hilf­reich sind und die grös­se des dino-kil­ler-as­te­ro­iden in ver­gleich zu new york city zu se­hen ei­nem ei­nen ganz gu­ten ein­druck ver­mit­telt, ist das wirk­lich fas­zi­nie­ren­de in die­sem vi­deo die vi­sua­li­sie­rung der zeit.

(di­rekt­sprung (ca. 15 mi­nu­ten) ins vi­deo zum an­fang der zeit-vi­sua­li­sie­rung, aber auch das gan­ze vi­deo ist se­hens­wert)

vi­sua­li­sier­te zeit ist oft frap­pie­rend. na­tür­lich wis­sen wir, dass das ende des zwei­ten welt­kriegs un­ge­fähr 80 jah­re her ist und die acht­zi­ger un­ge­fähr 40 jah­re. aber vi­sua­li­si­ert und im mas­stab hat die­se er­kennt­nis noch­mal eine an­de­re qua­li­tät.

Photo by felix schwenzel on May 16, 2024. Keine Fotobeschreibung verfügbar..

fo­lie 59 mei­nes #rp24 vor­trags, in­spi­ra­ti­on, glau­be ich, aus ei­nem mi­cha­el ste­vens (vsauce) vi­deo, fin­de das vi­deo/die stel­le aber nicht mehr

ursprünglich veröffentlicht am 16.05.2024

die idee zur vi­sua­li­sie­rung der zeit im vi­deo der cor­ri­dor crew ist et­was bes­ser als vi­sua­lie­rung per dia­gram: 1 jahr ent­spricht ei­nem mil­li­me­ter, also wird mit stein­blö­cken von 1 × 1 × 1 me­ter als grund­ein­heit ge­ar­bei­tet.

screenshot vom video der corridor crew, auf dem man 1000 jahre als einen ein meter langen steinblock visualisiert sieht

so kön­nen wir 5000 jah­re mensch­li­cher ge­schich­te als 5 m³ stein­blö­cke se­hen. man er­kennt, dass der bau der py­ra­mi­den für kleo­pa­tra län­ger her war, als für uns kleo­pa­tra her ist.

aber in die­sem mas­stab kom­men wir vor­stel­lungs­mäs­sig noch ganz gut mit. wir ha­ben in der re­gel eine ganz gute vor­stel­lung der letz­ten paar tau­send jah­re und kön­nen uns das, mit ein biss­chen an­stren­gung, auch ohne vi­sua­li­sie­rung vor­stel­len. wenn man dann al­ler­dings die zeit hoch­ska­liert, wenn wir nicht über hun­der­te oder tau­sen­de jah­ren re­den, son­dern über mil­lio­nen (oder gar mil­li­ar­den) jah­ren spre­chen, ver­lie­ren wir schnell den über­blick.

in den fol­gen­den bil­dern weicht die cor­ri­dor crew vom mas­stab 1 jahr = 1 mm ab und fasst 250 mil­lio­nen jah­re in 5 me­tern zu­sam­men. da­mit lässt sich die zeit, in der di­no­sau­ri­er auf der erde herrsch­ten, be­ein­dru­ckend vi­sua­li­sie­ren.

in die­sem mass­stab schrumpft „un­se­re“ ge­schich­te, die letzz­ten fünf­tau­send jah­re, auf die di­cke ei­nes blatt pa­piers zu­sam­men.

al­les was mir in die­sem vi­deo fehl­te, war eine vi­sua­li­sie­rung auf ei­ner kar­te. wenn man ein paar wich­ti­ge da­ten aus der erd­ge­schich­te von ber­lin aus nach süd wes­ten ver­folgt, liegt die ent­ste­hung der erde ir­gend­wo hin­ter den azo­ren im at­lan­tik.

er­eig­nis zeit ent­fer­nung
kleo­pa­tra ~2.055 jah­re 2 m
spä­te ne­an­der­ta­ler ~40.000 jah­re 40 m
frü­he homo sa­pi­ens ~300.000 jah­re 300 m
ty­ran­no­sau­rus rex 67.000.000 jah­re 67 km
ste­gos­au­rus 150.000.000 jah­re 150 km
ers­ter ein­zeller 3.500.000.000 jah­re 3500 km
ent­ste­hung der erde 4.540.000.000 jah­re 4540 km

uber­space und ich

felix schwenzel in artikel

ich bin jetzt seit über 10 jah­ren bei uber­space und vor al­lem seit über 10 jah­ren sehr zu­frie­den. ich habe in die­sen 10 jah­ren stets das ge­fühl ge­habt: bei uber­space funk­tio­niert al­les und wenn mal was nicht funk­tio­niert wird ei­nem schnell und freund­lich ge­hol­fen. wenn feh­ler pas­sie­ren, wer­den die feh­ler trans­pa­rent dar­ge­stellt und schnell be­ho­ben. die prei­se sind fair und das pro­dukt, die VMs die man sich dort kli­cken kann, sind zu­ver­läs­si­ge ar­beits­tie­re und bes­tens do­ku­men­tiert.

uber­space ist der hos­ter, von dem vie­le sa­gen, dass er nicht wirt­schaft­lich funk­tio­nie­ren kön­ne, weil man sich die prei­se dort selbst aus­su­chen kann. jo­nas pa­sche, der grün­der von uber­space und laut im­pres­sum der mit der ver­ant­wor­tung, schrieb am mitt­woch:

Al­len Un­ken­ru­fen spe­zi­ell zu un­se­rem Preis­mo­dell zum Trotz gibt es Uber­space nun seit 15 Jah­ren.

jo­nas schrieb den blog­bei­trag, um zu er­klä­ren war­um uber­space nach 15 jah­ren jetzt die preis­emp­feh­lung von 5-10 euro auf ei­nen emp­foh­le­nen min­dest­preis von sechs euro an­hebt. das ist al­les sehr nach­voll­zieh­bar und er er­in­nert mich mit ei­ner lan­gen bul­let-lis­te auch noch­mal dar­an, war­um ne­ben mei­ner zu­fi­re­den­heit mit dem pro­dukt, auch sonst ein gu­tes ge­fühl bei uber­space habe:

uber­space kommt ohne ri­si­ko­ka­pi­tal im hin­ter­grund aus und agiert …

… als klei­nes und so­li­des in­ha­ber­ge­führ­tes eu­ro­päi­sches Un­ter­neh­men, das:

  • all sei­ne Ser­ver­hard­ware selbst be­sitzt, ein­rich­tet und war­tet
  • mit dem Per­so­nal im Re­chen­zen­trum per Du ist
  • euch nicht mit Ver­trags­lauf­zei­ten und Kün­di­gungs­fris­ten kne­belt
  • trotz sei­ner ge­rin­gen Grö­ße eine Rund-um-die-Uhr-Be­reit­schaft für euch be­treibt
  • eure Da­ten so wich­tig nimmt, dass es mehr­fach red­un­dan­te Sto­rage-Sys­te­me für euch be­treibt
  • im­mer schön Back­ups für euch vor­hält, wenn euch erst zu spät ein­fällt, dass es gut wäre, wel­che zu ha­ben
  • sich auch vor Ge­richt für eure Rech­te ein­setzt
  • wenn es mög­lich ist eine Ex­tramei­le für euch geht
  • Si­cher­heits­vor­fäl­le ernst nimmt und öf­fent­lich auf­ar­bei­tet, da­mit alle was ler­nen
  • eure Da­ten nicht ver­kauft
  • eure Da­ten nicht im Ba­ckend in ei­ner der gro­ßen Clouds der Tech Bros spei­chert
  • eure Da­ten nicht zum Trai­ning von KI-Mo­del­len ver­wer­tet (dass man das über­haupt er­wäh­nen muss … aber so selbst­ver­ständ­lich, wie gro­ße So­cial-Me­dia-Platt­for­men sich das heu­te her­aus­neh­men, er­scheint es lang­sam er­wäh­nens­wert)

ich hos­te wir­res.net der­zeit zwar nur als fall­back bei uber­space, mo­men­tan zeigt die do­main auf eine sy­se­le­ven VM die et­was mehr hub­raum als die uber­space VM hat, aber die in­hal­te und den code der site rsyn­ce ich re­gel­mäs­sig zu uber­space. eben habe ich mei­ne DNS ein­trä­ge kurz mit der /etc/hosts auf uber­space um­ge­bo­gen und auch dort lief al­les. das ist ja das schö­ne an kir­by, dass es reicht den ord­ner mit dem ar­beits­ver­zeich­nis auf ei­nen funk­tio­nie­ren­den web­ser­ver mit php zu schie­ben — und es läuft.

an­sons­ten läuft bei uber­space seit ner wei­le mei­ne go­to­so­cial-in­stanz, mei­ne „vi­si­ten­kar­te“, das blog und die web­sei­te der bei­fah­re­rin und ein paar an­de­re web­sei­ten. ins­ge­samt sind das 5 „as­te­ro­iden“.

bis jetzt habe ich für die 5 VMs mit 100 GB spei­cher mo­nat­lich 48,00 € bei uber­space be­zahlt. an­läss­lich von jo­nas ar­ti­kel habe ich das jetzt auf 54,00 €/mo­nat er­höht. ich hal­te das im­mer noch für viel zu güns­tig, be­ru­hi­ge mein geiz­ge­wis­sen aber da­mit, dass wir­res.net der­zeit kei­ne last bei uber­space er­zegt.

screenshot aus dem uberspacebackend mit einer übersicht meiner 5 asteroiden.

tl;dr: ich emp­feh­le uber­space von gan­zem her­zen, bin seit > 10 jah­ren zu­frie­den dort und zah­le jetzt ei­nen ta­cken mehr, via riv­va.


hei­ner

felix schwenzel in artikel

wenn hei­ner ir­gend­wo stand, hat­te er im­mer die fäus­te ge­ballt. das wirk­te aber nicht ag­gres­siv, son­dern eher in­tro­ver­tiert, als ob er sich sam­mel­te. hei­ner war gross, kräf­tig und grau-me­liert-bär­tig — und mein ers­ter chef nach dem ab­itur.

ich hat­te mir nach der schu­le über­legt, et­was von der welt se­hen zu wol­len, und lan­de­te dann für mei­nen zi­vil­dienst in der nähe von ful­da, in ei­ner an­thro­po­so­phi­schen le­bens­ge­mein­schaft, in der „Men­schen mit und ohne Hil­fe­be­darf“ zu­sam­men­le­ben. das zu­sam­men­le­ben war und ist WG-ar­tig in fa­mi­li­en­ver­bän­den, in gros­sen häu­sern or­ga­ni­si­ert. ge­ar­bei­tet wur­de in werk­stät­ten, im gar­ten, der land­wirt­schaft, ei­ner bä­cke­rei oder im dorf­la­den.

mein ehe­ma­li­ger judo-leh­rer aus aa­chen war vor ei­ni­gen jah­ren in die­se le­bens­ge­mein­schaft ge­zo­gen, hat­te mit sei­ner frau eine der fa­mi­li­en über­nom­men und lei­te­te die we­be­rei in sas­sen. mei­ne mut­ter hat­te nach mei­ner kur­zen judo-kar­rie­re kon­takt mit den bei­den ge­hal­ten und sie auch ein­mal dort be­sucht. die er­zäh­lun­gen mei­ner mut­ter vom le­ben im dorf hat­ten mich fas­zi­niert, des­halb be­warb ich mich für mei­nen zi­vil­dienst dort, wur­de ge­nom­men und dach­te, dass ich dann auch in der we­be­rei lan­den wür­de. ich wur­de dann aber der holz­werk­statt zu­ge­ord­net. hei­ner lei­te­te dort den be­trieb, war aber of­fi­zi­ell nicht der werk­statt­lei­ter. er war kein an­thro­po­soph und leb­te auch nicht in der dorf­ge­mein­schaft, son­dern et­was aus­ser­halb von ful­da, in gi­chen­bach.

hei­ner brach­te mir den um­gang mit den gross­ma­schi­nen bei, mit der kreis­sä­ge, der schleif­sch­ei­be, der dick­te und das hat er of­fen­sicht­lich gut ge­macht, denn nach 15 mo­na­ten zi­vil­dienst und ei­nem wei­te­ren jahr als an­ge­stell­ter in der le­bens­ge­mein­schaft hat­te ich noch alle fin­ger. in der holz­werk­statt bau­ten wir ge­mein­sam mit un­ge­fähr ei­nem dut­zend „dörf­lern“ vo­gel­nist­käs­ten. in den pau­sen stan­den wir hin­ten an der ram­pe, und hei­ner rauch­te roth-händ­le ohne fil­ter. er moch­te an den roth-händ­les, dass sie ohne zu­satz von aro­ma­stof­fen aus­ka­men. ich fand das kraut ek­lig, aber zu hei­ner pass­te die mar­ke: schnör­kel­los, klar, kon­se­quent, na­tur­nah. zehn oder zwan­zig jah­re spä­ter hat­te er kei­ne lust mehr zu rau­chen und hör­te, ganz schnör­kel­los, von ei­nem auf den an­de­ren tag auf.

hei­ner war zwar mein chef, aber un­ser um­gang war im­mer auf au­gen­hö­he, trotz des al­ters­un­ter­schieds von un­ge­fähr zwan­zig jah­ren. ich war zwar frisch aus der schu­le und na­se­weis, aber ich war lern­wil­lig, form­bar und hat­te noch kein sen­dungs­be­wusst­sein. mein ziel war, so viel wie mög­lich zu ler­nen, und auch wenn ich mir das an­thro­po­so­phie-ge­döns di­stan­ziert, aber durch­aus neu­gie­rig an­schau­te, war ich wie ein schwamm für al­les, was mir hei­ner bei­brach­te. wo­bei bei­brin­gen das fal­sche wort ist: hei­ner zeig­te mir, wie es geht, und ich mach­te es dann so. hei­ner hat­te zwar nach ei­ner kur­zen kar­rie­re als po­li­zist ir­gend­was so­zia­les stu­diert, aber er agier­te nie wie ein päd­ago­ge, auch nicht im um­gang mit den men­schen mit be­hin­de­run­gen. er zeig­te, wie es geht, und so wur­de es dann ge­macht. er sag­te, was ihm ge­fiel und was nicht. er re­de­te nicht drum­rum, war aber im­mer freund­lich.

ich weiss gar nicht, wie ich un­se­re be­zie­hung am bes­ten be­schrei­ben soll. wir wa­ren je­den­falls über 30 jah­re be­freun­det, auch wenn wir uns al­les an­de­re als re­gel­mäs­sig sa­hen. nur vom som­mer 1989 bis ende 1990 sa­hen wir uns täg­lich. nach mei­nem zi­vil­dienst kehr­te ich für ein paar mo­na­te zu­rück nach hau­se ins rhein­land, um dann im früh­jahr 1991 drei mo­na­te bei hein­ers neu­em ar­beits­platz in ful­da (bei „grü­mel“) zu ar­bei­ten. für die zeit zog ich bei hei­ner in gi­chen­bach ein, und das ist auch die zeit mit hei­ner, an die ich mich am in­ten­sivs­ten er­in­ne­re — und die auf meh­re­re ar­ten prä­gend war.

hei­ner wohn­te zur mie­te im erd­ge­schoss ei­nes gros­sen hau­ses in gi­chen­bach, ei­nem klei­nen, ab­ge­le­ge­nen dorf in der nähe von gers­feld und ful­da. er und sei­ne fa­mi­lie hiel­ten alle mög­li­chen tie­re: gän­se, en­ten, spä­ter auch woll­schwei­ne, scha­fe und im­mer auch ei­nen hund. ne­ben­bei war hei­ner noch jä­ger und kann­te (na­tür­lich) den förs­ter. er kann­te ei­gent­lich alle in gi­chen­bach, glau­be ich, und so lern­te ich in mei­ner zeit bei grü­mel auch alle mög­li­chen leu­te aus dem dorf ken­nen: den holz­rü­cker mit den gros­sen hän­den, den förs­ter, die nach­barn, den holz­händ­ler ge­gen­über, den tank­stel­len­be­trei­ber „erb­se“.

wir fuh­ren je­den mor­gen ge­mein­sam nach ful­da, zur ar­beit bei grü­mel. dort fuh­ren wir dann ge­trennt, je­der mit ei­ner grup­pe schwer ver­mit­tel­ba­rer ju­gend­li­cher mit ei­ner prit­sche durch ful­da, um dort gär­ten, öf­fent­li­che flä­chen und trink­was­ser­pump­an­la­gen zu mä­hen oder he­cken zu schnei­den. im vor­feld zu die­sem job war ich vol­ler zwei­fel, ob ich als nai­ver jung­spund mit ab­itur und ein paar mo­na­ten zi­vil­dienst über­haupt als vor­ar­bei­ter von schwer ver­mit­tel­ba­ren – also als schwie­rig gel­ten­den – ju­gend­li­chen klar­kom­men wür­de. er­staun­li­cher­wei­se funk­tio­nier­te das gut. das biss­chen au­to­ri­tät, das ich aus­strahl­te, wur­de von nie­man­dem an­ge­zwei­felt – auch nicht von e., der vor­be­straft war, weil er ei­nem rent­ner eine plas­tik­tü­te mit ei­nem brat­hähn­chen ent­ris­sen hat­te und mir ir­gend­wann sei­ne selbst tä­to­wier­ten, fi­cken­den ot­ti­fan­ten auf sei­nem rech­ten un­ter­arm zeig­te.

die ar­beit war kör­per­lich an­stren­gend, des­halb war mein be­dürf­nis, in der zeit bei hei­ner abends aus­zu­ge­hen oder et­was zu un­ter­neh­men, nur mi­ni­mal aus­ge­prägt. ge­le­gent­lich fuh­ren hei­ner und ich abends durch den wald zum trin­ken. ich er­in­ne­re mich, dass ich eine wei­le brauch­te, um auf den ge­schmack von becks zu kom­men, es dann aber ir­gend­wann sehr ger­ne moch­te. ich er­in­ne­re mich an den ge­ruch und die piep­sen­den ge­räu­sche von gän­se­kü­ken, ich lern­te, ein reh „aus dem fell zu schla­gen“, und ich er­in­ne­re mich, wie wir ge­mein­sam in der kü­che sas­sen, rauch­ten und zei­tung la­sen.

an den all­tag in die­sen drei mo­na­ten bei hei­ner (und as­trid, hein­ers da­ma­li­ger frau) er­in­ne­re ich mich ins­ge­samt nur schwach. es gab da­mals kein in­ter­net und bei hei­ner kei­nen fern­se­her. alle neu­ig­kei­ten aus der welt und der nach­bar­schaft er­reich­ten uns über die ful­da­er zei­tung. wir ver­brach­ten an­ge­sichts des ein­ge­schränk­ten frei­zeit­an­ge­bots in gi­chen­bach wahr­schein­lich sehr viel zeit mit­ein­an­der — und hei­ner und ich ka­men of­fen­bar gut mit­ein­an­der zu­recht.

hei­ner er­zähl­te zwar ger­ne und viel, aber über­mäs­sig viel ge­re­det ha­ben wir auch nicht. wir konn­ten, wie hun­de, ganz gut schwei­gend un­se­re zeit mit­ein­an­der ver­brin­gen. durch den al­ters­un­ter­schied und das er­fah­rungs­del­ta gab es wahr­schein­lich schon ein be­zie­hungs­ge­fäl­le. aber hei­ner hat­te in un­se­rer be­zie­hung nichts vä­ter­li­ches oder meis­ter­haf­tes, und ich war eher neu­gie­ri­ger be­ob­ach­ter von hein­ers le­bens­ent­wurf als eif­ri­ger schü­ler oder nach­ei­fe­rer. wahr­schein­lich kann man un­se­re be­zie­hung am bes­ten als klas­si­sche män­ner­freund­schaft be­schrei­ben: viel über die welt, die ver­gan­gen­heit und die zu­kunft re­den, we­nig bis gar nicht über ge­füh­le, ge­mein­sam trin­ken, fach­sim­peln.

ich woll­te spä­ter psy­cho­lo­gie stu­die­ren, aber woll­te die mög­lich­keit, ein le­ben wie hei­ner zu füh­ren, als op­ti­on mit­neh­men und spä­ter™ mein in­ter­es­se an so ei­nem le­ben noch­mal prü­fen. am ende bin ich ein stadt­mensch ge­wor­den, habe nie wie­der ein reh aus dem fell ge­schla­gen, und das ers­te tier zog erst vor fünf jah­ren bei uns ein. aber hei­ner habe ich im­mer wie­der be­sucht, und so­wohl das wie­der­se­hen mit ihm als auch die land­schaft der rhön ha­ben mich je­des mal sen­ti­men­tal be­rührt.

zu­letzt habe ich hei­ner zu sei­nem 70. ge­burts­tag be­sucht, mit der bei­fah­re­rin. hei­ner war schlan­ker, ich fet­ter ge­wor­den, aber die ver­traut­heit, die män­ner­freund­schaft­li­che nähe war so­fort wie­der da. ein biss­chen vä­ter­lich war hei­ner dann doch, als er mich auf sei­ne un­nach­ahm­li­che art dar­auf hin­wies, dass ein paar kilo ge­wichts­ver­lust sich durch­aus po­si­tiv auf das „fahr­ge­stell“ im al­ter aus­wir­ken wür­den. er wünsch­te sich, frü­her auf sein ge­wicht ge­ach­tet zu ha­ben – dann hät­te er jetzt mit 70 we­ni­ger pro­ble­me mit sei­nem fahr­ge­stell. noch schö­ner als die ge­burts­tags­fei­er selbst war das früh­stück am nächs­ten mor­gen. wir la­sen zwar nicht mehr ge­mein­sam ful­da­er zei­tung, aber sas­sen in hein­ers er­wei­ter­ten, sonst weit ver­streu­ten fa­mi­li­en­kreis zu­sam­men. ich lern­te die in­zwi­schen er­wach­se­nen töch­ter hen­ri­et­te und loui­se neu ken­nen, die ich zwar noch von frü­he­ren be­su­chen kann­te, die sich aber pein­li­cher­wei­se de­tail­lier­ter und ge­nau­er an mich er­in­ner­ten, als ich an sie.

die bei­fah­re­rin und ich spra­chen mit hei­ner über un­se­re idee, uns ei­nen hund an­zu­schaf­fen – auch, weil mir of­fen­bar hein­ers mei­nung wei­ter­hin sehr wich­tig war. hei­ner war kein freund von hun­den in der stadt, aber als wir sag­ten: „pu­del“, sag­te er: „pu­del ist gut!“ dass fri­da den se­gen von hei­ner be­kam, macht mich bis heu­te froh. ich bin nur sehr trau­rig, dass ich ihm fri­da nie vor­stel­len konn­te, denn ir­gend­wann im som­mer 2023 be­kam ich ei­nen brief, in dem stand, dass hei­ner am 10.06.2023 ver­stor­ben ist.

ich schrieb vor un­ge­fähr ei­nem hal­ben jahr, dass ich in sa­chen trau­er nicht be­son­ders gut bin. ich blei­be so um die drei bis zehn jah­re in der de­ni­al-/leug­nungs­pha­se ste­cken und über­sprin­ge dann ir­gend­wann die an­ger-, bar­gai­ning- und de­pres­si­ons­pha­sen, um zu so et­was wie ak­zep­tanz zu kom­men. hein­ers tod mag ich aber bis heu­te nicht ak­zep­tie­ren.


in der bei­la­ge ist ein scan von hein­ers trau­er­an­zei­ge, mit ei­nem bild von hei­ner, das ge­nau dem bild von hei­ner vor mei­nem in­ne­ren auge ent­spricht.