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mor­gen­spa­zier­gang 18.10.2026

felix schwenzel in bilder

mir kommt es vor als läge ber­lin am po­lar­kreis. mor­gens wird es nicht mehr rich­tig hell. heu­te zu­min­dest. ob­wohl wir ex­tra spät los­gin­gen, wars wirk­lich düs­ter.

café an der brüsseler strasse im wedding. das café ist geschlossen, aber die pinke aussenbeluchtung leuchtet gegen das trübe morgenlicht an.

wir sind vom wed­ding zum prenz­lau­er berg ge­lau­fen. rich­tung prenz­lau­er berg wur­de es zwar nicht hel­ler, aber je nä­her wir dem prenz­lau­er berg ka­men, des­to hö­her wur­de die an­zahl ein­la­den­der ca­fés. oder wie ich mo­men­tan sa­gen wür­de: die dich­te der ein­la­den­den koh­len­hy­dra­te-, zu­cker- und kof­fe­in-dea­ler ver­hält sich of­fen­bar um­ge­kehrt pro­por­tio­nal zur ent­fer­nung vom prenz­lau­er berg.

es ist wirk­lich er­staun­lich wie emo­tio­nal ich auf kaf­fee­haus-ge­schirr­ge­klim­per und stim­men-wirr­war re­agie­re. oder kaf­fee­duft und ge­dimm­tes, gelb­sti­chi­ges licht die aus sol­chen lä­den strö­men. nur die aus­la­gen in den the­ken und den re­ga­len rei­zen mich nicht mehr. das ist er­staun­lich, denn frü­her wäre ich für eine gute cin­na­mon roll oder ein nata oder crois­sant mei­len­weit ge­gan­gen. jetzt hab ich mor­gens bock auf def­tig. wäh­rend des spa­zier­gangs me­di­tier­te ich dar­über wie ich mir den rest­li­chen kraut­sa­lat von ges­tern abend heu­te früh ver­län­gern wür­de. mit frisch blan­chi­er­ten boh­nen und zwei stan­gen su­ri­mi, et­was sah­ne und so­ja­sauce hat mir das dann spä­er zu­hau­se mehr freu­de be­rei­tet als eine süss­spei­se.

an­sons­ten war der spa­zier­gang ein deut­li­cher hin­weis der welt dar­auf, dass jetzt die trü­be jah­res­zeit be­gon­nen hat und die stadt noch et­was trüb­se­li­ger wirkt als sonst.

eingang vom schwimmbad am humboldhain. man sieht durch das geschlossene tor die wasserrutsche, die stimmung ist sehr herbstlich und trübe.

wenn man die au­gen zu­sam­men­kneift, kann man am ge­sund­brun­nen kurz das ge­fühl ge­ne­rie­ren in man­hat­tan zu sein. aber das ge­fühl hält nicht lan­ge.

blick auf die graue swinemünder brücke, im hintergrund graue plattenbauten und grauer himmel.

an­de­rer­seits ist auch man­hat­tan trüb­se­lig und wan­delt sich mit bru­ta­ler här­te. am s-bahn­hof schön­hau­ser al­lee sind über­all alte fo­tos in die ka­cheln und wän­de ein­ge­ar­bei­tet. bil­der aus der zeit vor dem mau­er­fall oder den welt­krie­gen. nichts ist mehr so wie frü­her, fast kein la­den den es noch vor 5 oder 10 jah­ren gab gibt es noch. das es­pres­so house das vor ein paar jah­ren noch am ein­gang der ar­ca­den war, ist jetzt über die stras­se ge­wan­dert und hat die räu­me des ehe­ma­li­gen bal­zac cof­fee über­nom­men. da wo frü­her das es­pres­so house war ist jetzt ein star­bucks. die ei­nen kom­men, die an­de­ren ge­hen und dann kom­men wie­der an­de­re. auch mit au­to­tei­len scheint man off­line heut­zu­ta­ge kein ge­schäft mehr ma­chen zu kön­nen.

blick durch die fenster eines aufgegebenen autoersatzteilhändlers an der pankstrasse

auch auf­fäl­lig wie schnell das neue ber­lin al­tert. die­se neu­bau­ten am ge­sund­brun­nen, bzw. bär­bel-boh­ley-ring sind ge­ra­de mal zehn jah­re alt und schei­nen nicht in wür­de al­tern zu wol­len. kann na­tür­lich sein, dass die­se neu­bau­ten in son­nen­licht we­ni­ger trüb­sal bla­sen.

wohnblock am bärbel-bohley-ring am gesundbrunnen. die fassade sieht für einen zehnjährigen bau schon ziemlich versifft aus, auf einem balkon siehtz man einen besen an die gläserne brüstung gelehnt.

das ehe­ma­li­ge um­spann­werk an der ko­pen­ha­ge­ren stras­se al­tert da­ge­gen ziem­lich wür­de­voll, auch nach gut hun­dert jah­ren.

ein fenster des alten umspannwerks in der kopenhagener strasse im prenzlauer berg. die fenster haben grün gestrichene metallrahmen und die brüstungen der fenster sind gemauert.

ins­ge­samt 6 ki­lo­me­ter ge­lau­fen und um die zwei stun­den un­ter­wegs ge­we­sen. 

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das in­die­web macht kei­ne vor­schrif­ten

felix schwenzel in artikel

ich nut­ze ei­ni­ge der in­die­webtools die aa­ron pare­cki zur nut­zung im web be­reit­stellt: mei­ne check­ins über die swarm ios app lan­den über own­y­ours­warm bei mir auf der web­sei­te. wenn es own­y­ours­warm nicht gäbe, wür­de ich swarm nicht nut­zen. frü­her, als man in­sta­gram noch scra­pen konn­te, habe ich das mit in­sta­gram und own­y­our­gram ge­macht. own­y­our­gram funk­tio­niert seit ei­ner wei­le nicht mehr, de­halb nut­ze ich in­sta­gram jetzt an­ders­rum. ich pos­te bil­der zu­erst hier und wenn ich sie für ge­eig­net für in­sta­gram hal­te, las­se ich sie au­to­ma­tisch aus kir­by per script auf in­sta­gram pos­ten.

ich nut­ze quill von aa­ron um an­de­rer leu­te bei­trä­ge im web zu li­ken oder zu book­mar­ken und um fo­tos von un­ter­wegs zu pos­ten. in der neu­en, kom­plett neu ge­schrie­be­nen ver­si­on ist es noch­mal nütz­li­cher ge­wor­den. ich kann ein oder meh­re­re bil­der von un­ter­wegs pos­ten, in­klu­si­ve tags, alt tex­ten, ti­tel, ei­nem text und syn­di­zie­rungs-tar­gets. kon­kret: per knopf­druck wird ein bild das ich mit quill auf wir­res.net ver­öf­fent­li­che auch gleich auf blues­ky, mast­o­don, grain oder in­sta­gram cross­ge­pos­tet.

je­den­falls: aa­ron hat sei­ne tools mit hil­fe von clau­de „re­buil­det“. die tools sind teil­wei­se be­reits 15 jah­re alt und ei­nen sol­chen zoo an öf­fent­lich zu­gäng­li­chen web-diens­ten zu ver­wal­ten ist si­cher kein ver­gnü­gen. des­halb freue ich mich sehr, dass aa­ron die­se tools jetzt re­no­viert hat, statt sie ab­zu­schal­ten. denn das wäre die al­ter­na­ti­ve zur über­ar­bei­tung mit hil­fe von co­ding-as­sis­tenz ge­we­sen.


ich bin schon lan­ge ein gros­ser fan des in­die­webs. es be­deu­tet ja auch in ers­ter li­nie auch nichts an­de­res als das, was brennan ken­neth brown hier sag­te:

the main idea be­ing to em­power in­di­vi­du­als to own their own iden­ti­ty, data, and web pre­sence ra­ther than re­ly­ing on cen­tra­li­zed so­cial me­dia si­los

das ist der zen­tra­le ge­dan­ke: die mir wich­ti­gen din­ge ver­wal­te ich selbst. das schliesst nicht aus, dass ich zen­tra­le oder de­zen­tra­le ex­ter­ne diens­te oder si­los be­nut­ze. der un­ab­hän­gig­keits­ge­dan­ke des in­die­webs schreibt nicht vor wel­che werk­zeu­ge ich zum er­rei­chen die­ses ziels be­nut­ze, noch nicht mal die pro­to­kol­le die ich nut­ze. wenn mir da­nach wäre, könn­te ich eine 1a in­die­webs­ei­te bau­en, die aus­schliess­lich über das go­pher-pro­to­koll zu­gäng­lich wäre. ich muss kei­ne web­men­ti­ons oder mi­cro­for­ma­te nut­zen um in­die­web zu ma­chen. ich kann auch mit json-ld und men­ti­on-scra­pern völ­lig un­ab­hän­gig das netz we­ben. oder in­dem ich ein­fa­che txt, md oder html da­tei­en ver­öf­fent­li­che. aber ein paar die­ser in­die­web­tools ha­ben sich als enorm prak­tisch und ef­fi­zi­ent er­wie­sen. des­halb nut­ze ich sie auch so­weit ich sie be­grei­fe.

die­se tools, stan­dards und pro­to­kol­le die man all­ge­mein mit dem in­die­web ver­bin­det, habe ich in der zeit vor KI-co­ding as­sis­ten­ten im­mer nur so halb ver­stan­den und des­halb halb­gar um­ge­setzt. mit co­ding as­sis­tenz und viel ex­pe­ri­men­tier­freu­de ver­ste­he ich das al­les nicht nur bes­ser, son­dern kann es auch so be­trei­ben, dass es für mich rei­bungs­frei und nutz­brin­gend funk­tio­niert.

das in­die­web ver­ste­he ich de­halb nicht als samm­lung von re­geln oder vor­schrif­ten, son­dern als stän­di­ge er­in­ne­rung dar­an, wie wich­tig es ist hier und da kon­trol­le über die ei­ge­nen din­ge zu­rück­zu­ho­len und zu be­hal­ten, aber vor al­lem als stän­di­ge in­spi­ra­ti­ons­quel­le und neu­gier­be­frie­di­gungs­ma­schi­ne. 



LL­Ms und das in­ter­net kil­led my hei­se abo

felix schwenzel in artikel

ich war über ein jahr­zehnt, viel­leicht so­gar zwei jahr­zehn­te abon­ne­ment der c’t. 2013 hat­te ich kei­ne lust mehr auf das alt­pa­pier, das mit den c’t-ar­ti­keln mit­ge­lie­fert wur­de und kün­dig­te mein c’t abo. da­mals gab es, so­weit ich mich er­in­ne­re, kein rei­nes on­line c’t abo. zwi­schen­zeit­lich las ich c’t wei­ter bei mei­nem ar­beit­ge­ber und kauf­te ge­le­gent­lich ein­zel­ar­ti­kel. seit sep­tem­ber 2021 bin ich hei­se+ abo­nent. da­mit konn­te ich al­les auf hei­se.de le­sen, in­klu­si­ve des make ma­ga­zi­ne und der c’t.

heu­te hab ich mein hei­se+ abon­ne­ment ge­kün­digt. war­um er­zähl ich gleich, aber erst muss ich noch­mal zwei schlen­ker ma­chen.


im ja­nu­ar 2024 ha­ben wir ei­nen neu­en gas­zäh­ler be­kom­men. nach­dem ich mir die spe­zi­fi­ka­tio­nen des bei uns ein­ge­bau­ten mo­dels an­ge­se­hen hat­te, kam ich auf die idee, dass ich den im­puls­geb­ner des gas­zäh­lers mit ei­nem aqa­ra-tür­sen­sor ab­grei­fen könn­te. wahr­schein­lich war das nicht mei­ne ori­gi­nal-idee, wahr­schein­lich las ich in ei­nem home-as­sistant-fo­rum oder an­ders­wo von leu­ten die so­was ähn­li­ches ma­chen. das klapp­te auf an­hieb, weil der tür­se­nor ohne plas­tik-hül­le ge­nau in eine aus­spa­rung des gas­zäh­lers pass­te und der im­puls­ge­ber den reed-kon­takt des aqa­ra-sen­sors zu­ver­läs­sig mit je­der um­dre­hung aus­lös­te. das ein­zig un­zu­ver­läs­si­ge war mei­ne be­fes­ti­gung mit kle­be­band, wes­halb ich ir­gend­wann nach ei­nem 3d-druck für ei­nen hal­ter such­te, ei­nen fand und mir den dru­cken liess.

seit­dem zählt der tür­sen­sor zu­ver­läs­sig im­pul­se und home as­sistant wan­delt das in ei­nen ver­brauchs­sen­sor.

nach­dem uber­space an­fang 2023 php 7.4 auf al­ten­teil schob, lief mein auf ez­pu­blish ge­hos­te­tes blog zwar noch, aber ich konn­te kei­ne bei­trä­ge mehr ver­öf­fent­li­chen, weil ez­pu­blish zu vie­le php feh­ler pro­du­zier­te. eine re­pa­ra­tur wäre da­mals ohne die hil­fe von pro­gram­mier­hel­fern sehr zeit­auf­wän­dig ge­wor­den, wes­halb ich zwei jah­re lang mehr oder we­ni­ger nur auf inst­gram ins in­ter­net schrieb. ei­gent­lich hat­te ich schon 2020 fak­tisch auf­ge­hört auf wir­res.net ins iner­net zu schrei­ben, ich glau­be vor al­lem weil ich mich lie­ber um un­se­ren hund küm­mern muss­te und woll­te und die er­zie­hung und das ler­nen über den um­gang mit hun­den, ein neu­er job, co­ro­na und über­haupt al­les an­de­re mei­ne auf­merk­sam­keit über ge­bühr in be­schlag nah­men.

als ich mich an­fang 2025 ent­schloss wir­res.net auf kir­by zu mi­grie­ren, bas­tel­te ich mir ei­nen do­cker con­tai­ner mit php 7.4 und mys­ql zu­sam­men und brach­te ez­pu­blish und das alte wir­res.net auf un­se­rem heim­ser­ver wie­der zum lau­fen. mit und in die­sem con­tai­ner bau­te ich mir ex­port-skrip­te um die al­ten in­hal­te ins neue kir­by zu mi­grie­ren. da mei­ne pro­gram­mier­fä­hig­kei­ten und vor al­lem die mei­ner co­ding-hel­fer da­mals noch nicht so aus­ge­prägt wa­ren und ich noch we­ni­ger ah­nung als heu­te hat­te, war die­se do­cker kon­struk­ti­on ein biss­chen wa­cke­lig.

mein ziel war ei­gent­lich das gan­ze ar­chiv in ei­nem ein­zi­gen ord­ner, mit ei­ner do­cker-com­po­se-da­tei in un­se­rem heim­netz­werk zu hos­ten und die­sen ord­ner, falls nö­tig, auch auf ei­nen an­de­ren ser­ver mi­grie­ren zu kön­nen. das habe ich mir dann mit ei­nem co­ding­hel­fer der neue­ren ge­ne­ra­ti­on vor ein paar mo­na­ten ge­baut. seit­dem kann ich im heim­netz ein­fach ar­chiv.wir­res.net auf­ru­fen und be­kom­me wir­res.net, in­klu­si­ve SSL ex­akt so an­ge­zeigt wie ich es 2023 ver­las­sen habe.

wie man sieht funk­tio­niert die ar­chiv-web­sei­te noch so gut, dass so­gar das good­reads-wid­get, dass ich vor vie­len jah­ren mal ein­ge­rich­tet habe, noch funk­tio­niert und die bü­cher an­zeigt, die ich bei good­reads als „curr­ent­ly re­a­ding“ an­ge­ge­ben habe.

aber auch die li­kes, re­posts und shares von da­mals wer­den noch ein­wand­frei an­ge­zeigt.

screenshot aus meinem wirres.net-archiv das die damaligen likes, reposts und shares von twitter und facebook anzeigt. die reaktionen habe ich damals mit skripten aus APIs ausgelesen und lokal in json-dateien gesichert. deshalb sind sie quasi mitarchiviert

das er­in­nert mich dar­an — mit ein biss­chen weh­mut — wel­che re­so­nanz-ma­schi­nen twit­ter und face­book noch vor 10 jah­ren wa­ren und das mei­ne mut­ter schon vor > 10 jah­ren mein ge­döns be­stän­dig lik­te, da­mals auf face­book.

je­den­falls steckt hin­ter dem do­cker con­tai­ner auf dem das wir­res.net-ar­chiv steckt ein php74-7.4.2 und ein ma­riadb-10.6.21 image, so­wie ein selbst­si­gnier­tes zer­ti­fi­kat und auf mei­nem lap­top ein /etc/hosts ein­trag. das ist nur so mit­tel-ele­gant, aber funk­tio­niert für mei­ne an­sprü­che, weil mein an­spruch ei­gent­lich le­dig­lich ist, ar­chiv.wir­res.net je­der­zeit auf mei­nem lap­top auf­ru­fen zu kön­nen um ge­ge­be­nen­falls ir­gen­was zu ver­glei­chen oder zu prü­fen, was bei der kir­by-mi­gra­ti­on viel­leicht nicht ge­klappt hat.


wo­bei wir bei mei­nem hei­se-abo an­ge­kom­men sind. ges­tern habe ich seit lan­gem mal wie­der hei­se.de auf­ge­ru­fen. mir fiel zu­erst auf, dass ich das schon seit wo­chen oder gar mo­na­ten nicht mehr ge­macht hat­te. und die bei­den ein­zi­gen ar­ti­kel die mich ein biss­chen in­ter­es­sie­ren wa­ren: „HTTPS im Heim­netz: So si­chern Sie lo­ka­le Diens­te ab“ und „So ma­chen Sie den Gas­zäh­ler smart: Home As­sistant und ein 17-Euro-Sen­sor ge­nü­gen“.

mir fiel also auf, dass ich auf hei­se.de ent­we­der gar nicht mehr lese oder dort nur sa­chen fin­de, auf die ich schon vor ein paar jah­ren oder mo­na­ten selbst ge­kom­men bin oder ge­macht habe. zu­ge­ge­ben, der ar­ti­kel über https im heim­netz er­in­ner­te mich dar­an, dass mei­ne lö­sung al­les an­de­re als ele­gant ist und das ich das mit cad­dy, pi­ho­le und lets en­crypt zwei bis drei ti­cken bes­ser ma­chen könn­te. aber die­se in­spi­ra­ti­on wäre mir in den nächs­ten wo­chen wohl auch auf die eine oder an­de­re art über den weg ge­lau­fen. vor al­lem fiel mir auf: wenn ich mein wir­res.net-ar­chiv auf cad­dy und lets en­crypt um­stel­len wür­de, dann wür­de ich es nicht mit hil­fe des hei­se.de-ar­ti­kels ma­chen, son­dern mit ei­nem mei­ner co­ding­hel­fer auf ba­sis ei­nes LLMs oder mit in netz zu­sam­men­ge­such­ten tu­to­ri­als oder you­tube-an­lei­tun­gen.

der hei­se ver­lag und ich ha­ben seit 20 oder 30 jah­ren ein ver­hält­nis, das zu­min­dest auf mei­ner sei­te meis­tens von re­spekt und ei­ner ge­wis­sen be­wun­de­rung ge­prägt war. aber jetzt ste­he sit­ze ich hier und bil­de mir ein, die­ser be­zie­hung ent­wach­sen zu sein. ich glau­be, dass hei­se mir nichts oder we­nig bie­ten kann, dass ich nicht auch an­ders­wo im in­ter­net fin­de oder zum teil so­gar selbst bes­ser kann oder weiss.

des­halb habe ich das hei­se+ abo heu­te zu­min­dest mit ei­nem leicht wei­nen­den auge ge­kün­digt. 


mor­gen­spa­zier­gang 04.10.2026

felix schwenzel in artikel

ges­tern beim mor­gen­spa­zier­gang über din­ge nach­ge­dacht, die ich re­la­ti­vie­ren könn­te. ich war ja vor ner wei­le mal ge­nervt von ei­ner kam­pa­gne die dazu auf­rief we­ni­ger (fil­me und fern­seh­se­ri­en) zu strea­men um die welt zu ret­ten. ab­ge­se­hen da­von dass sich das shift pro­ject, das die stu­die da­mals ver­öf­fent­lich­te und zur in­ter­net-ent­halt­samkkeit ge­gen die kli­ma­ka­ta­stro­phe auf­rief, sich or­dent­lich ver­rech­net hat­te.

ich hab beim mor­gen­spa­zier­gang un­ter an­de­rem dar­über nach­ge­dacht, dass die kino-vor­füh­rung ei­nes films ja auch nicht ge­ra­de kli­ma­neu­tral ist. so ein ki­no­saal wird kli­ma­ti­si­ert, der pro­jek­tor und der raum brau­chen strom, nicht alle vor­stel­lun­gen sind aus­ver­kauft und zu­schau­er müs­sen an­rei­sen. wenn sie das mit dem auto tun sind auch schnell ein paar ki­lo­gramm CO₂ pro­du­ziert.

sol­che CO₂ rech­nun­gen und un­ken­ru­fe zu neu­en tech­no­lo­gien er­mü­den mich nicht al­lein we­gen ih­rer ge­le­gent­li­chen un­über­schau­bar­keit und kom­ple­xi­tät, son­dern auch weil sie — und vor al­lem die be­richt­er­sta­tung dar­über — so sel­ten den ge­winn, die vor­tei­le, mög­li­che po­si­ti­ve ent­wick­lun­gen mit in be­tracht zie­hen.

mir fiel je­den­falls wie­der ein, wie schwie­rig es frü­her™ über­haupt war an in­for­ma­tio­nen zu kom­men. ich hat­te das glück in ei­nem haus­halt zu le­ben, in dem stän­dig sehr viel be­druck­tes pa­pier ge­kauft wur­de und fand so re­la­tiv viel le­se­stoff vor. als ich so um die 15 jah­re alt war ent­deck­te ich auch die stadt­bi­blio­thek aa­chen. ich er­in­ne­re mich noch gut dar­an, dass ich beim brow­sen in den re­ga­len lau­fend po­ten­zi­el­le ant­wor­ten auf die gros­sen fra­gen des le­bens ent­deck­te. eins der ers­ten bü­cher, das ich mir als jun­ger teen­ager dort aus­lieh, war ein buch über zu­fall und wahr­schein­lich­keits­rech­nung. ich kämpf­te mich durch das buch und be­kam da­mit eine gro­be vor­stel­lung der wahr­schein­lich­keits­rech­nung, der gauß­schen nor­mal­ver­tei­lung und lern­te ein paar tricks fürs spiel­ka­si­no.

na­tür­lich be­ka­men wir auch in der schu­le bü­cher, aber wirk­lich mit bü­chern zu ar­bei­ten, mir the­men aus bü­chern zu er­ar­bei­ten oder das was man re­cher­che nennt, das hab ich erst 18 jah­re nach mei­ner ge­burt in ei­ner ame­ri­ka­ni­schen high­school ge­lernt. die high­school die ich dort be­such­te war ei­gent­lich nicht be­son­ders gross oder fan­cy, aber sie hat­te eine je­der­zeit zu­gäng­li­che, gut sor­tier­te bi­blio­thek mit ei­ner ei­ge­nen bi­blio­the­ka­rin. das kann­te ich aus deutsch­land nicht. im prin­zip habe ich dank der bi­blio­thek und der mög­lich­keit, ein term-pa­per zu ei­nem frei wähl­ba­ren the­ma zu schrei­ben, in der ame­ri­ka­ni­schen high­school das re­cher­chie­ren und schrei­ben ge­lernt.

die­se bi­blio­thek an der steil­a­coom high­school war da­mals ge­nau­so wie heu­te das in­ter­net ein an­ge­bot das man wahr­neh­men oder igno­rie­ren konn­te. so wie ich mich heu­te im in­ter­net zu ei­nem the­ma durch­schlän­geln kann — zum bei­spiel von ei­nem ve­ri­ta­si­um vi­deo zu bayes theo­rem zu ei­nem wi­ki­pe­dia ar­ti­kel zu nate sil­vers the si­gnal and the noi­se oder zu wei­te­rer li­te­ra­tur — ge­nau­so kann ich mich auch in mei­nem in­sta­gram-feed dumm­scrol­len.

ab­ge­se­hen da­von, dass ich froh bin nicht mehr jung zu sein, wenn ich noch­mal jung sein müss­te, wür­de ich eine ju­gend in un­se­rer in­ter­net- und KI-welt mei­ner ju­gend in der pa­pier- und gate­kee­per-welt vor­zie­hen. ge­ziel­te in­for­ma­ti­ons­be­schaf­fung und un­ge­ziel­te neu­gier­be­frie­di­gung sind in un­se­rer ver­netz­ten welt po­ten­zi­ell so viel bes­ser, zu­gäng­li­cher und viel­fäl­ti­ger. so­gar bi­blio­the­ken sind durch die ver­net­zung bes­ser ge­wor­den.

aber ei­gent­lich woll­te ich ja re­la­ti­vie­ren.

mir fiel beim quer­le­sen des ar­chiv des pes­si­mis­mus wie­der auf, wie wir mit dem auf­kom­men fast je­der neu­en tech­no­lo­gie und mit je­der neu­en ge­ne­ra­ti­on das schlimms­te er­war­ten: ver­dum­mung, krank­heit, ver­ar­mung, zer­stö­rung der welt. pes­si­mis­mus hat oft ei­nen wah­ren kern, ge­nau wie po­pu­lis­mus sich auch oft an tat­säch­li­chen pro­ble­men kris­tal­li­si­ert. ge­nau­so ha­ben werk­zeu­ge und tech­no­lo­gien meis­tens so­wohl das po­ten­zi­al zum zer­stö­ren als auch zum kre­ieren. ich habe jah­re­lang als schrei­ner mit gross­ma­schi­nen ge­ar­bei­tet mit de­nen man sich und an­de­ren furcht­ba­re ver­let­zun­gen zu­fü­gen könn­te. aber weil ich ei­ner­seits (ein biss­chen) in ihre be­die­nung ein­ge­ar­bei­tet wur­de und ich an­de­rer­seits um ihre ge­fähr­lich­keit wuss­te, habe ich sie mit re­spekt und um­sicht be­dient.

mes­ser, sche­re, licht, sind für klei­ne kin­der nicht ist kein be­son­ders nütz­li­cher tipp. mei­de­ver­hal­ten ist nicht im­mer die bes­te lö­sung. bes­ser ist oft den um­gang mit ver­meint­lich ge­fähr­li­chen din­gen zu ver­än­dern oder prag­ma­tisch an­zu­ge­hen. licht ist mitt­ler­wei­le ex­trem kin­der­si­cher seit wir es nicht mehr in öl­lam­pen mit streich­höl­zern ein­schal­ten, es gibt kin­der­sche­ren und kin­dern den re­spekt­vol­len und um­sich­ti­gen um­gang mit mes­sern (un­ter auf­sicht) bei­zu­brin­gen scheint mir klü­ger und er­folg­ver­sprech­n­der als ein pau­schal­ver­bot.

rich­tig — glau­be ich zu­min­dest — ist es, fort­schritt­pes­si­mis­mus mit ge­an­au so viel skep­sis zu be­geg­nen wie fort­schritts­op­ti­mis­mus. aber bei skep­sis soll­ten wir, wie bei al­lem an­de­ren im le­ben, mass hal­ten. gut­gläu­big­keit ist ge­nau­so un­güns­tig wie ab­so­lu­te ab­leh­nung, zu­viel salz ge­nau­so un­ge­niess­bar wie keins.

ich fra­ge mich im­mer ob men­schen, die der ju­gend von heu­te dumm­heit oder faul­heit oder ver­weich­li­chung oder ra­di­ka­li­tät (oder das ge­gen­teil, je nach­dem was ge­ra­de in der pes­sis­mus-sze­ne en vogue ist) an­dich­ten, ei­gent­lich mer­ken, dass sie sich mit ih­rer ein­schät­zung in eine jahr­tau­sen­de alte tra­di­ti­on ein­rei­hen. na­tür­lich kann man die ju­gend kri­ti­sie­ren, na­tür­lich muss die ge­sell­schaft gren­zen set­zen und (im­mer wie­der neu) aus­lo­ten wo­hin wir uns be­we­gen wol­len und was wir be­wah­ren wol­len und was wir be­reit sind auf­zu­ge­ben. aber da­bei soll­te man nie die neu­gier aufs neue und un­be­kann­te ver­lie­ren, nur weil das alte, be­kann­te so be­quem oder eben be­kannt ist.

ste­ve jobs sag­te in sei­ner stan­ford com­mence­ment speech von 2005 sinn­ge­mäss, dass der tod wahr­schein­lich die bes­te er­fin­dung des le­bens sei: er schaf­fe platz für neu­es, in­dem das alte ver­schwin­de. in­so­fern könn­te man die ge­ring­schät­zung der ju­gend oder von neu­en for­men der spra­che oder neu­en tech­no­lo­gien und me­di­en si­cher­lich auch als furcht vor der ei­ge­nen be­deu­tungs­lo­sig­keit se­hen. also letz­ten­end­lich als furcht vor dem tod.

an­de­rer­seits kann man furcht vor still­stand oder rück­schritt na­tür­lich ge­nau­so als furcht vor be­deu­tungs­lo­sig­keit se­hen; schnell mal was neu­es/gros­ses/ir­res schaf­fen um mich un­ver­ges­sen zu ma­chen. aber mein punkt ist glau­be ich eher, dass ich ex­tre­men ge­wiss­hei­ten aus prin­zip miss­traue. wo­bei wir wie­der bei der gauß­schen nor­mal­ver­tei­lung sind und ich am ende mei­ner über­le­gun­gen vom mor­gen­spa­zier­gang. 

eine wiese mit umgeben von einer dichten baumreihe und gespickt mit ein paar baumninseln im morgengrauen und morgennebel.
die reh­ber­ge, ge­le­gent­lich ähn­lich ne­bu­lös wie mei­ne über­le­gun­gen.

aus dem ma­schi­nen- und to­do-raum

felix schwenzel in über wirres

beim le­sen der fol­gen­den ar­ti­kel fie­len mir lau­ter klei­nig­kei­ten auf, die ich mal wie­der auf­schrei­ben woll­te.

I keep a list of things I want to do for KDO in Apple Notes, organized into four sections: small, medium, large, and longshots/obsolete.

Ich habe Ferien gemacht und einiges – ich kor­ri­gie­re: vieles – hier technisch auf Vor­der­mann gebracht.


die­ser ar­ti­kel wie­der­holt vie­les was ich ge­le­gent­lich schon mal auf­ge­schrie­ben habe und ist eher tech­nisch. also für die meis­ten hier mit­le­sen­den si­cher­lich un­in­ter­es­sant. ich habe aber trotz­dem das be­dürf­nis ge­habt, das al­les mal auf­zu­schrei­ben, so­zu­sa­gen als quar­tals­wei­se be­stands­auf­nah­me.


wenns ums ma­chen, kon­stru­ie­ren, her­stel­len geht ist das wich­tigs­te: gute werk­zeu­ge. aber gute werk­zeu­ge sind wie­der­um nichts wert, wenn man kei­nen plan hat, wenn man nicht weiss, was man mit den werk­zeu­gen her­stel­len oder for­men will. und zu wis­sen, was man ma­chen will ist wie­der­um we­nig wert, wenn man kei­nen blick fürs gros­se und gan­ze, für den kon­text hat.

wenn ich an mei­ner ei­ge­nen web­sei­te rum­bas­tel bin ich bau­herr, ar­chi­tekt, fach­in­ge­nieur, bau­lei­ter und hand­wer­ker in per­so­nal­uni­on. als bau­herr for­mu­lie­re ich an­for­de­run­gen und zie­le, als ar­chi­tekt ent­wick­le ich das ge­samt­kon­zept, soll­te aber im­mer auch den blick aufs gros­se und gan­ze ha­ben, also die web­sei­te, aber auch den kon­text (das web). als ar­chi­tekt und fach­in­ge­nieur soll­te ich wis­sen was ge­ra­de sta­te of the art ist und wie man ei­ner­seits er­prob­te tech­ni­ken an­wen­det und trotz­dem hier und da in­no­va­tiv sein könn­te. als hand­wer­ker soll­te ich die ge­eig­ne­ten werk­zeu­ge, lie­be zum hand­werk und sorg­falt mit­brin­gen.

na­tür­lich muss man das al­les nicht in per­so­nal­uni­on ma­chen, die klas­si­sche ar­beits­tei­lung funk­tio­niert wei­ter­hin. aber mir macht ge­ra­de das bas­teln an mei­ner web­site als ge­ne­ral­un­ter­neh­mer spass. oder ge­nau­er, der spass, die in­ter­ess­anz, steckt ge­ra­de im pro­zess, in der lang­fris­ti­gen in­ter­ak­ti­on der ver­schie­de­nen rol­len. ich als bau­herr habe stän­dig neue ideen und an­for­de­run­gen an die web­sei­te. ich als ar­chi­tekt er­fah­re stän­dig von neu­en tech­ni­ken, neu­en ma­te­ria­li­en, ef­fi­zi­en­te­ren ver­fah­ren. der fach­in­ge­nieur in mir sieht neue best prac­ti­ces, neue test­ver­fah­ren, neue nor­men, der bau­lei­ter ent­deckt im­mer wie­der neue be­gab­te hand­wer­ker oder mög­lich­kei­ten re­a­dy­ma­des ein­zu­set­zen.

ich ver­ste­he men­schen gut, die ein­fach ei­nen ort zum ab­len­kungs­frei­en schrei­ben ha­ben wol­len und sich ei­gent­lich um nichts an­de­res küm­mern wol­len. aber mich fas­zi­niert das stän­di­ges rum­bas­teln und aus­lo­ten der mög­lich­kei­ten.

mir fal­len beim schrei­ben stän­dig din­ge ein, die ich viel­leicht ha­ben kön­nen woll­te. fuss­no­ten, ver­knüf­pungs­mög­lich­kei­ten, die mir er­mög­li­chen din­ge bes­ser zu struk­tu­rie­ren oder sinn­voll zu ver­knüp­fen. mög­lich­kei­ten das ge­schrie­be­ne auch zu il­lus­trie­ren oder, je nach kon­text, auch mal an­ders zu ge­stal­ten. bei wie­der­keh­ren­den pro­ble­men fällt mir beim schrie­ben, nach dem hun­ders­ten stol­pern, plötz­lich eine lö­sung ein. oft schrei­be ich bei­trä­ge um ein tech­ni­sches fea­ture das mich fas­zi­niert aus­zu­pro­bie­ren.

eine web­sei­te wie eine woh­nung zu be­schrei­ben ist gar nicht so weit weg von der rea­li­tät. was man sich bei der pla­nung aus­denkt, funk­tio­niert im all­tag und im ver­lauf der zeit nicht im­mer so, wie man es mal ge­plant hat oder sich vor­ge­stellt hat. egal wie vie­le steck­do­sen man ein­ge­plant hat, am ende sind es im­mer zu we­ni­ge oder sie sind dann doch an den fal­schen stel­len. nut­zung ver­än­dert die an­for­de­run­gen. und der lu­xus dar­auf stän­dig re­agie­ren zu kön­nen ist (für mich) sehr be­frie­di­gend.


die to-do-lis­te bei kott­ke hat bei mir meh­re­re sai­ten klin­gen las­sen. ei­ner­seits weil sich ein paar der ideen von ihm mit mei­nen de­cken und an­de­rer­seits weil er hem­mungs­los gros­se und klei­ne to-dos auf eine lis­te setzt. und:

some of the pro­jects and site tweaks I most want to make aren’t even on my list. They live only in my head and I mull them over in the show­er or while wal­king un­til they’re “done” en­ough to start working on.

egal wie doll ich ver­su­che struk­tu­riert zu pla­nen und auf­zu­schrei­ben was ich mit die­ser web­sei­te ma­chen will, ein gross­teil der ideen will mei­nen kopf nicht ver­las­sen be­vor sie ei­nen ge­wis­sen rei­fe­grad er­reicht ha­ben. so­lan­ge schwir­ren sie zu­ver­läs­sig in mei­nem hin­ter­kopf her­um.

im fol­gen­den ein paar der din­ge die es im letz­ten jahr aus mei­nem kopf auf die web­sei­te ge­schafft ha­ben. da­nach ein paar din­ge die es aus mei­nem kopf in eine lis­te ge­schafft ha­ben.


syn­di­ka­ti­on

eine die­ser ideen oder eher eine der fra­gen die jah­re­lang in mei­nem kopf her­um­schwirr­te war: wie gehe ich mit in­sta­gram um? ei­ner­seits find ich meta doof und ver­ste­he in­sta­gram nicht mehr wirk­lich, an­de­rer­seits gibt es dort im­mer noch ei­ni­ge leu­te die sich of­fen­sicht­lich über fo­tos von mir freu­en und sich dort ger­ne her­um­trei­ben. aber weil in­sta­gram in den letz­ten jah­ren alle schot­ten ab­ge­dich­tet hat und es un­mög­lich ge­macht hat von dort ko­pien der ei­ge­nen posts für die ei­ge­ne web­sei­te zu zie­hen, wur­de das pos­ten dort zu ei­nem müh­se­li­gen ma­nu­el­len pro­zess. bis mir ir­gen­wann ein­fiel, dass man dort mit ei­nem „pro“-ac­count auch pro­gra­ma­tisch pos­ten kann. seit­dem schie­be ich in­sta­gram-posts ein­fach von mei­nem kir­by-ba­ckend per knopf­druck an, ko­pie­re also von hier nach da. da­mit blei­ben erst­mal alle me­ta­da­ten und ori­gi­na­le bei mir. in­sta­gram be­kommt ne ko­pie.

ge­nau­so ma­che ich es mit grain, fo­tos oder foto-se­ri­en schie­be ich se­lek­tiv von wir­res.net zu grain. grain ist üb­ri­gens ei­ner der we­ni­gen #AT­pro­to-diens­te, die mein in­ter­es­se seit mei­ner kur­zen eu­pho­rie­pha­se hal­ten konn­ten. den AT­pro­to-stan­dard-rea­der, in dem ich kurz­zei­tig ei­nen po­ten­zi­el­len nach­fol­ger des goog­le-rea­ders ge­se­hen habe, fin­de ich nach wie vor in­ter­es­sant, nut­ze ihn aber kaum noch. auch weil er (noch) so lang­sam wer­kelt, dass es die be­nutz­bar­keit und den be­die­nungs­spass stark ein­schränkt. aber grain ist toll, so wie frü­her mal in­sta­gram war: leu­te und de­ren fo­tos, um­ge­kehrt chro­no­lo­gisch sor­tiert. fer­tig.

mitt­ler­wei­le be­kom­me ich teil­wei­se bei grain (17 fol­lower) ge­nau­so vie­le ♥️ wie auf in­sta­gram (942 fol­lower). fürs glei­che bild. ab­surd. dar­an sieht man wie ab­ge­fuckt in­sta­gram mitt­ler­wei­le ist.

nicht sicht­ba­res de­sign

ro­man ja­siek schreibt, dass er sich ger­ne in vie­le klei­ne de­tails rein­stei­gert, „die ver­mut­lich kaum je­mand be­wusst wahr­nimmt“. das geht mir auch so.

screenshot einber überschrift mit einem anführungszeichen. das anführungszeichen ist nach links eingezogen, so dass die schrift der überschrift sich an der schrift des folgendes absatz ausrichtet.
  • zum bei­spiel zie­he ich an­füh­rungs­zei­chen in der ers­ten zei­le ei­ner über­schrift oder ei­nes ab­sat­zes ein stück­chen ein, so dass der text sich nach dem text aus­rich­tet und nicht nach dem satz­zei­chen. ich gehe da­von aus, dass so­was aus­ser mir nie­mand sieht. aber mich macht so­was froh.
  • oder über­gän­ge beim wech­sel/la­den von sei­ten mit den gross­ar­ti­gen view-tran­si­ti­ons die mitt­ler­wei­le von al­len brow­sern un­ter­stützt wer­den. zum ers­ten mal beim me­di­en­bä­cker ge­se­hen und gleich über­nom­men. mir gehts mitt­ler­wei­le so, dass die mir nur noch auf­fal­len, wenn ich sie mal aus­ver­se­hen ka­putt ma­che, weil ich am CSS rum­ge­spielt habe.
    absatz mit vier trennungen und 97 unsichtbaren, bedingten trennzeichen
  • sil­ben­tren­nung mit be­ding­ten trenn­stri­chen (soft hy­phens). alle tex­te wer­den html-sei­tig be­reits mit ­ an den stel­len die trenn­bar sind aus­ge­lie­fert, so dass brow­ser dann (re­la­tiv) zu­ver­läs­sig den text tren­nen kön­nen. das nervt zwar beim ko­pie­ren von text, weil die soft-hy­phens mit­ko­piert wer­den, aber wer mich un­be­dingt zi­tie­ren oder tei­le mei­ner tex­te ko­pie­ren will, kann je­der­zeit auf die mark­dow-ver­si­on wech­seln.
  • oder XLS-da­tei­en, mit de­nen mal xml-da­tei­en ge­stal­ten und struk­tu­riert dar­stel­len kann. das OPML-ge­döns, das ich von mat­thi­as pfef­fer­le über­nom­men habe, stylt die OPML-XML-da­tei­en zum bei­spiel mit so ei­ner XLS-da­tei (bei­spiel bei mat­thi­as oder hier). die­se wo­che bin ich via kott­kes-RSS-feed drauf ge­kom­men, dass man das auch mit RSS (oder atom) ma­chen kann. also hab ichs auch gem­cht: /feed oder /feed/bil­der. spä­ter hab ich ge­se­hen, mat­thi­as macht das (na­tür­lich) auch: no­tiz.blog/feed/. wer das rohe xml se­hen will kann im­mer noch den quell­code an­se­hen. aber ei­gent­lich sieht das al­les eh kei­ner.
    endmarken bei spiegel.de und wirres.met
  • ein like-but­ton kann auch eine end­mar­ke sein. bis ich drauf ge­kom­men bin, dass ich auch das was der spie­gel am ende sei­ner tex­te macht auch ma­chen kann, sind un­ge­fähr 12 mo­na­te ver­gan­gen. jetzt bin sehr zu­frie­den, dass der „like“ but­ton nicht mehr ir­gend­wo rum­hängt, son­dern sei­nen platz am tex­ten­de hat. un­sicht­bar ist er zwar nicht, aber so ob­skur, dass er wohl in 90 pro­zent der fäl­le igno­riert wird. und jetzt be­kommt man auch eine vi­su­el­le be­loh­nung, wenn man drauf klickt.
  • ich habe eine rück­sei­te und ar­ti­kel-bei­la­gen, weil ich die vor­der­sei­te mög­lichst — nun ja — mi­ni­ma­lis­tisch hal­ten will. ich fin­de sei­ten­leis­ten und wid­gets zwar prak­tisch, aber ei­gent­lich sind sie auch quatsch, weil das web heut­zu­ta­ge vor­nehm­lich mo­bil statt­fin­det und da sei­ten­leis­ten und wid­gets nicht auf den bild­schirm pas­sen auf ta­schen­rech­nern ans sei­ten­en­de rut­schen. ich mag die idee aus­schliess­lich den ei­gent­li­chen bei­trag zu zei­gen, mit den wich­tigs­ten meta-in­for­ma­tio­nen. da wo ich mich durch­ge­run­gen habe zu­satz­in­fos auf den vor­der­sei­ten an­zu­zei­gen (kom­men­ta­re, back­links, re­ak­tio­nen-zäh­ler), kann man sie auch zu­klap­pen mit dem ▶, bzw. ▼ — was dann auch im brow­ser ge­spei­chert wird.
  • auch nicht of­fen­sicht­lich, also qua­si un­sicht­bar: wenn man auf bil­der klickt, geht eine light­box mit dem bild auf mit der man das bild ver­grös­sern kann, wenn man will. und mit den pfeil­tas­ten (desk­top) oder wi­schend (mo­bil) kann man dann alle bil­der auf der sei­te durch­scrol­len, dank pre­fet­ching in ei­nem af­fen­zahn. selbst ma­che ich das ge­le­gent­lich sehr ger­ne auf mei­ner bil­der-über­sicht, qua­si mei­nem in­sta­gra­mer­satz.
  • la­de­ge­schwin­dig­keit sieht man auch nicht wirk­lich. was man sieht ist wenn die la­de­ge­schwin­dig­keit fehlt. auch wenn die­se sei­te nicht be­son­ders schlank ist, fühlt sie sich nach mei­nem ge­fühl — in der re­gel — sehr flüs­sig an und be­steht auch fast alle pa­ge­speed.web.dev-tests. ich möch­te auch nicht da­von ab­rü­cken 21 der neu­es­ten bei­trä­ge auf der start­sei­te kom­plett an­zu­zei­gen, ob­wohl das na­tür­lich kos­tet. 4,1 mb wiegt die start­sei­te beim in­itia­len la­den. wenn man die start­sei­te bis zum ende durch­scrollt, kom­men 10 mb zu­sam­men. ein jahr über­schrif­ten lädt da­ge­gen nur 203 kb (800 kb un­kom­pri­miert). im hin­ter­grund (un­sicht­bar) wer­keln da la­zy­loa­ding, src-sets und op­ti­mier­te bild­for­ma­te.
    pagespeed-test-ergebnis von wirres.net auf mobil-device; 80% (leistung), 91% (barrierefreiheit), 100% (best practices), 100% (SEO)
    pagespeed-test-ergebnis von wirres.net auf desktop-device; 99% (leistung), 91% (barrierefreiheit), 100% (best practices), 100% (SEO)
  • live fo­tos sind nicht un­sicht­bar, aber im bes­ten fall sind sie ein foto mit ei­ner sub­ti­len be­we­gung, so wie hier zum bei­spiel. bis­her habe ich ive-fo­tos in ei­nem lan­gen ma­nu­el­len pro­zess ver­ar­bei­tet: air­drop des live fo­tos auf mei­nen lap­top (kommt als .mov an), ein web-op­ti­mier­tes .mp4 und pos­ter .jpg mit pi­xel­ma­tor und me­diaCMS er­stel­len, mit ei­nem batch-script ein fall­back .gif er­stel­len und dann die­se drei da­tei­en im ba­ckend hoch­la­den und kon­fi­gu­rie­ren. nach­dem ich die­sen pro­zess über 12 mo­na­te op­ti­miert habe, hab ich mir ei­nen kir­by-block schrei­ben las­sen, der das al­les au­to­ma­ti­si­ert. jetzt muss ich nur noch den ge­air­dropp­ten .mov hoch­la­den, den rest er­le­digt kir­by ser­ver­seits.

op­ti­mie­run­gen

pa­ge­speed.web.dev ist von goog­le, aber trotz­dem ein un­ver­zicht­ba­res werk­zeug. ein paar op­ti­mie­rungs­vor­schlä­ge schla­ge ich kon­se­quent in den wind, des­halb der punkt­ab­zug bei der bar­rie­re­frei­heit und im mo­bi­len be­reich. aber wenn ich an der web­sei­te rum­fum­mel, schlei­chen sich un­wei­ger­lich ge­le­gent­lich feh­ler ein. vie­les da­von ent­de­cke ich dann mit hil­fe der Pa­ge­Speed In­sights. das werk­zeug hält mich qua­si auf dem stand der ak­tu­el­len best prac­ti­ces. die op­ti­mie­run­gen die aus sol­chen be­su­chen re­sul­tie­ren kom­men auch nicht nur goog­le zu­gu­te, son­dern je­dem be­su­chen­den, sei es eine ma­schi­ne oder ein mensch.

auch das habe ich schon öf­ter ge­schrie­ben, aber es ist und bleibt eins mei­ner lieb­lings­the­men: op­ti­mie­rung auf ma­schi­nen­les­bar­keit. auch hier ist mei­ne mo­ti­va­ti­on nicht pri­mär eine op­ti­mie­rung für goog­le, son­dern eben für alle. wer eins mei­ner re­zep­te in eine re­zept­ver­wal­tung wirft, soll­te ein gu­tes re­sul­tat be­kom­men. wer will kann die re­zep­te so­gar in mela abon­nie­ren. bing, kagi, per­ple­xi­ty kön­nen alle auf die struk­tu­rier­ten da­ten zu­grei­fen die ich hier an mei­ne bei­trä­ge hän­ge. aber so­weit ich das mit­be­kom­me, macht der­zeit ei­gent­lich nur goog­le da­von ge­brauch. ich mag was da­bei teil­wei­se raus­kommt.

zur op­ti­mie­rung ge­hört auch dar­auf zu ach­ten, dass die sei­te auch ohne css und js funk­tio­niert. das kon­trol­lie­re ich auch ge­le­gent­lich und ver­su­che die gröbs­ten feh­ler weg­zu­op­ti­mie­ren, wenn ich wel­che fin­de. das wür­de­vol­le ka­putt­ge­hen oder in web­dev-sprech: „graceful de­gra­da­ti­on“ ist eine der wich­tigs­ten lek­tio­nen aus mei­nem ar­chi­tek­tur­stu­di­um und dem rum­wü­ten in web­de­sgn-sphä­ren. auch in mei­ner schrei­ner aus­bil­dung ver­such­te ich so zu bau­en, dass mei­ne ar­bei­ten auch nach ei­nem ei­nen schlag mit nem ham­mer noch gut aus­se­hen. mau­er­werk al­tert wür­di­ger als vor­hang­fas­sa­den, ein mas­siv­holz­tisch wür­di­ger als ein span­plat­ten-tisch mit dün­nen, auf­ge­leim­ten fur­nier­kan­ten. die lis­te kann man un­end­lich wei­ter­füh­ren: putz / ta­pe­te, ge­öl­tes holz / la­ckier­tes holz, par­kett / la­mi­nat, ter­raz­zo / la­mi­nat, ver­schraubt / ver­klebt, …


  • css op­ti­mie­ren, ver­schlan­ken und pfle­ge­leich­ter ma­chen
  • eine idee, die ich auf ei­nem der letz­ten spa­zier­gän­ge hat­te: book­mark­vor­schlä­ge per web­men­ti­on an­neh­men. auf in­die­web­news kann man ei­nen link zur ei­ge­nen sei­te pos­ten, in­dem man ers­tens auf in­die­web­news linkt und zwei­tens ei­nen u-syn­di­ca­ti­on-link an­legt. wenn man dann ei­nen web­men­ti­on sen­det, lan­det ein link auf die ei­ge­ne sei­te auf in­die­web­news. so könn­ten mir auch an­de­re ins-in­ter­net-schrei­ben­de links in die le­se­zei­chen­samm­lung le­gen.
  • die­se mark­down check­lis­ten (* [ ]) im front­end kor­rekt ren­dern.
  • ein buch schrei­ben
  • mehr bü­cher le­sen
  • ein struk­tu­rier­tes, re­gel­mäs­si­ges ch­an­ge­log schrei­ben
  • ein ma­ni­fest schrei­ben, in dem alle fea­tures die­ser web­sei­te ge­ne­risch be­schrie­ben sind und nach dem man die­se web­sei­te fea­ture-com­ple­te nach­bau­en könn­te. wür­de wahr­schein­lich hun­der­te sei­ten lang wer­den und wer­de ich nie ma­chen. aber ich hät­te so ein ma­ni­fest ger­ne für mein al­tes wir­res.net ge­habt, dass ich vor an­dert­halb jah­ren nach kir­by mi­grier­te. es hat mich im­mer wie­der selbst er­staunt wie vie­le un­sicht­ba­re und sicht­ba­re fea­tures ich da über die jah­re ein­ge­baut hat­te. und ich habe nach an­dert­halb jah­ren im­mer noch nicht al­les re­kon­stru­iert.
  • mit RSS.chat rum­spie­len
  • mein blogroll-plug­in auch für an­de­re nutz­bar(er) ma­chen
  • isso-kom­men­ta­re auch ohne ja­va­script zu­gäng­lich ma­chen
  • über­schrif­ten und ab­sät­ze mit sprung­mar­ken ver­se­hen (bei mou­seo­ver: #). sieht viel­leicht ko­misch aus und nie­mand weiss wozu es dient, ge­hört aber auf die to-do-lis­te.
  • an­zei­ge im foo­ter in wel­cher stadt ich ge­ra­de bin. kann stim­men, muss aber nicht, steue­rung von mei­nem han­dy.
  • ein web­log-log das er­eig­nis­se wie pu­blish und edits er­fasst, aber viel­leicht auch shit­vo­tes und an­de­re li­kes. auf der rück­sei­te site weit, in der ar­ti­kel­bei­la­ge wer­den nur die ar­ti­kel-re­le­van­ten er­eig­nis­se an­ge­zeigt.

… wird fort­ge­setzt und er­gänzt. 


im­mer noch 14 von 66 seen

felix schwenzel in artikel, teil der sammlung: 66 seen wanderungen

die stre­cke von han­gels­berg nach fürs­ten­wal­de hab ich raus­ge­sucht, weil sie nicht zu lang ist (14 ki­lo­me­ter) und man von fürs­ten­wal­de mit der bahn zu­rück nach han­gels­berg fah­ren kann. wir sind dann zwar mit dem bus ge­fah­ren, aber das klapp­te ge­nau­so gut. die an­fahrt ha­ben wir mit dem auto ge­macht, weil das nur 50 mi­nu­ten dau­er­te und mit den öf­fent­li­chen zwei stun­den ge­dau­ert hät­te.

die tour soll­te 14 ki­lo­me­ter lang sein und drei stun­den dau­ern, wir ha­ben das mit zwei pau­sen dann auch tat­säch­lich in 3 stun­den ge­schafft.

die GPX-rou­te von hier ist ziem­lich ver­al­tet und hat uns ein­mal in eine sack­gas­se ge­lei­tet. auch von dem fast durch­ge­hen­den fahr­rad­weg zwi­schen han­gels­berg und fürs­ten­wal­de wuss­te die GPX-rou­te nichts. trotz­dem, die stre­cke war nicht kom­pli­ziert, im prin­zip im­mer an der müg­gel­spree und spä­ter an der fürs­ten­wald­spree ent­lang. be­son­ders an­spruchs­voll war die stre­cke auch nicht, aber teil­wei­se sehr schön. seen gabs kei­ne, aber die müg­gel- und fürs­ten­wal­de-spree wa­ren auch schön und teil­wei­se seen-ar­tig.

ei­ner­seits schön, an­de­rer­seits ein biss­chen an­stren­gend war, dass der ziem­lich neue fahr­rad­weg zwi­schen han­gels­berg und fürs­ten­wal­de oft auch gleich­zei­tig der 66 seen wan­der­weg war. trotz­dem hat das auch gut mit dem hund ge­klappt. bei ei­ner hun­de­be­geg­nung wur­de es kurz ein biss­chen laut, ei­ner von zwei hun­den kam bel­lend auf uns zu und das frau­chen schrie un­ab­läs­sig um ihn zu­rück­zu­ru­fen. er war aber be­schäf­tigt ei­nen ko­mi­schen al­ten mann (mich) mit ei­nem noch ko­mi­sche­ren klei­nen hund (fri­da) zu ver­trei­ben und konn­te des­halb nicht zu­rück zur be­sit­ze­rin lau­fen. ich hab ihn dann lang­sam aber si­cher (mit ab­stand) doch wie­der in rich­tung sei­ner be­sit­ze­rin ge­drückt. wäh­rend­des­sen blieb fri­da ru­hig und vor­bild­lich hin­ter mir und liess mich die si­tua­ti­on re­geln.

die zwei­te und drit­te hun­de­be­ge­gung er­in­ner­te mich an die ge­schich­te vom igel und dem ha­sen. ein päär­chen mit je ei­nem hund an der lei­ne kam uns auf dem weg zwei­mal (!) ent­ge­gen. wir hat­ten wirk­lich ein gu­tes tem­po1 drauf und ich kann mir, ob­wohl wir zwi­schen­durch eine 20-mi­nü­ti­ge pau­se ge­macht ha­ben, nicht wirk­lich er­klä­ren wie die das ge­macht ha­ben.

die 14 ki­lo­me­ter ha­ben wir gut weg­ge­steckt, fri­da hat­te ei­nen ste­ti­gen und ent­spann­ten vor­wärts­drang. das ent­span­nen fiel ihr wit­zi­ger­wei­se bei der pau­se schwer. ein­mal un­ter­wegs läuft und läuft und läuft sie und ich glau­be ich/wir kön­nen auch eine län­ge­re wan­de­rung als 14 ki­lo­me­ter mit ihr wa­gen. al­ler­dings war sie nach der wan­de­rung schon sehr müde und schläft und schläft und schläft. 


  1. der durch­schnittspace über die gan­ze stre­cke war 10'25"/km, also fast 6 km/h (ob­wohl stän­di­ges fo­to­gra­fie­ren und die­se eine hun­de­be­geg­nung den pace na­tür­lich leicht rui­niert ha­ben). ↑︎

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selbst­or­ga­ni­sie­ren­de so­zia­le netz­wer­ke

felix schwenzel in artikel

OPML logo

tech­nisch ge­se­hen wa­ren es drei din­ge die an­fang der zwei­tau­sen­der­jah­re für das blog­dings ent­sch­ei­dend wich­tig wa­ren: der per­ma­links, RSS und blogrol­len. man konn­te, da­mals wie heu­te, ein­fach auf ei­ner hand­ge­klöp­pel­ten web­sei­te in in­ter­net schrei­ben, aber mit den an­fang der 2000er auf­kom­men­den con­tent ma­nag­ments­ste­men wie word­press (oder sei­nem vor­gän­ger b2), mit mo­va­ble type oder text­pat­tern, wur­de das gan­ze et­was ein­fa­cher und man konn­te bei­trä­ge ein­fach mit per­ma­nen­ten links ver­öf­fent­li­chen, die dann auch noch au­to­ma­tisch in ein ar­chiv ein­ge­ord­net wur­den oder sich ver­schlag­wor­ten lies­sen. man konn­te sich da­mit aufs schrei­ben kon­zen­trie­ren, der or­ga­ni­sa­to­ri­sche kram liess sich weit­ge­hend au­to­ma­ti­sie­ren.

anke grö­ners blog hat­te le­gen­dä­rer­wei­se bis ende 2004 kei­ne per­ma­links (so sah das aus). als sie das im no­vem­ber 2004 um­bau­te, freu­te ich mich, weil man dann end­lich ein­zel­ne bei­trä­ge von anke ver­lin­ken und sich dar­auf be­zie­hen konn­te. mit per­ma­links konn­te man ein­zel­ne bei­trä­ge emp­feh­len, kom­men­tie­ren oder er­gän­zen. als le­ser konn­te man sich so von bei­trag zu bei­trag und von blog zu blog han­geln. und wenn ei­nem ein bei­trag ge­fiel, abon­nier­te man das blog in sei­nem RSS-rea­der. se­ren­ti­pi­tät nann­te man das da­mals auch.

wei­te­ren stoff für den RSS-rea­der fand man in den sei­ten­leis­ten von blogs. lis­ten mit blogs, die der au­tor oder die au­torin des blogs emp­fahl oder selbst ger­ne las. die­se blogrol­len, die se­ren­ti­pi­tät, das von ei­ner emp­feh­lung zur nächs­ten hüp­fen und die abon­nier­bar­keit von blogs reich­ten aus, um aus web­sei­ten ein so­zia­les netz zu ma­chen. man las sich und lern­te an­de­re zu­erst durch das ge­schrie­be­ne wort und spä­ter auch durch durch tref­fen in der fleischwelt ken­nen, 2005 zum bei­spiel, auf der blog­mich-par­ty oder 2007 auf der ers­ten re­pu­bli­ca.

aber blogs wa­ren nicht der ein­zi­ge weg so­zia­le net­ze im web auf­zu­span­nen. fo­ren funk­tio­nier­ten un­ter um­stän­den ge­nau­so. le­gen­där ist da zum bei­spiel das höf­li­che pa­pa­raz­zi-fo­rum, bei dem es auch hier und da über­schnei­dun­gen zur blog-sphä­re gab. in der zeit zwi­schen un­ge­fähr 2001 und 2007 ka­men vie­le din­ge zu­sam­men, die das in­ter­net zu ei­nem ort der so­zia­len ver­net­zung mach­ten. die tech­nik, wie frei ver­füg­ba­re con­tent ma­nag­ment sys­te­me oder ge­hos­te­te blog­di­ens­te wie ant­ville, blog­ger.com und spä­ter blog­ger.de, die ins in­ter­net schrei­ben für vie­le ein­fach(er) mach­ten. per­ma­links und blogrol­len, die quer­ver­wei­se, ver­bin­dun­gen und emp­feh­lungs­pipe­li­nes zum ent­lang­sur­fen bil­de­ten und spä­ter von blog- und tag-such­di­ens­ten wie tech­no­ra­ti ver­stärkt wur­den, mit de­nen dann blogs mit da­mals ziem­lich off­nen platt­for­men wie del.icio.us ode flickr ver­zahnt wer­den konn­ten.

blog­ger­tref­fen wie die blog­mich-par­ty oder die fu­tu­ra-bold-ver­an­stal­tun­gen von spree­blick (und ab 2007 die re­pu­bli­ca), stärk­ten die­se bin­dun­gen zwi­schen leu­ten, die sa­chen im in­ter­net mach­ten (und in ber­lin wohn­ten), dann wei­ter.

der witz war da­mals, dass das al­les selbst­or­ga­ni­sie­rend war. mit ein paar, auf den ers­ten blick ob­sku­ren und un­ver­ständ­li­chen tech­no­lo­gien wie per­ma­links, RSS/XML, link­lis­ten/blogrolls, tags/schlag­wor­ten und ge­le­gent­li­chen ver­an­stal­tun­gen, bil­de­ten sich ech­te, dau­er­haf­te so­zia­le be­zie­hun­gen. auf­kom­men­de platt­for­men un­ter­stütz­ten das und ver­stärk­ten die­se netz­werk­ef­fek­te. ich glau­be ein wei­te­rer mei­len­stein war 2005 der goog­le rea­der. er mach­te es noch­mal ein­fa­cher blogs, über die man stol­per­te oder die man moch­te, zu ver­fol­gen. tech­no­ra­ti half bei­trä­ge und blogs über the­men zu fin­den.

aber der kern des gan­zen wa­ren emp­feh­lun­gen. wenn ich A mag und A mir B emp­fiehlt, kann ich da­von aus­ge­hen, das ich B auch mag. und weil links zu an­de­ren blogs oft in text­wüs­ten ver­bor­gen blie­ben, wa­ren blogrol­len so­zu­sa­gen der schnell­zu­gang zu die­sen emp­feh­lun­gen.

aus ei­ner for­schungs­ar­beit zu den „prak­ti­ken des blog­gens“ von jan schmidt von 2005:

Die „Blogroll“ ent­hält Ver­wei­se auf an­de­re Web­logs, meist als Le­se­emp­feh­lun­gen oder Lis­ten be­freun­de­ter oder re­gel­mä­ßig ge­le­se­ner Au­toren. Da die Blogroll in der Re­gel per­ma­nent auf der Start­sei­te ei­nes Web­logs sicht­bar ist, be­sit­zen die­se Re­la­tio­nen ei­nen stär­ke­ren Stel­len­wert ge­gen­über den ver­gleichs­wei­se flüch­ti­gen Ver­wei­sen in Ein­zel­bei­trä­gen, die nach ei­ner ge­wis­sen Zeit von der Start­sei­te ver­schwin­den und nur noch im Ar­chiv auf­zu­fin­den sind

dar­über schrieb 2024 auch ro­bert alex­an­der:

Sin­ce the ear­liest blogs were pu­blished, blogrolls hel­ped rea­ders dis­co­ver new blogs. Each blog­ger could pro­mo­te the blogs they fol­low by lis­ting them so­me­whe­re on their site (their blogroll). Rea­ders could dis­co­ver the­se sug­ges­ti­ons as they brow­sed, hel­ping them ex­plo­re the blogos­phe­re. A blogroll could be as simp­le as a list of hy­per­links, alt­hough re­cent too­ling has be­co­me more ad­van­ced.

und die­ses „more ad­van­ced re­cent too­ling“ ist ge­nau das, was ich ge­ra­de sehr span­nend fin­de. so wie es da­mals, an­fang der 2000er eine gros­se er­leich­te­rung war, dass con­tent ma­nag­ment sys­te­me die tex­te, die ich ins in­ter­net schrei­ben woll­te, au­to­ma­tisch in ar­chi­vier­ba­re, per­ma­nent­ver­link­te ein­zel­bei­trä­ge ar­ran­gie­ren konn­ten und ich bei ei­ner ak­tua­li­sie­rung nicht al­les neu in html stri­cken muss­te, gibt es jetzt tools die mir die pfle­ge, das an­zei­gen und die por­ta­bi­li­tät mei­ner le­se­emp­feh­lun­gen er­leich­tern.

frank west­pfahl von riv­va stiess uns/mich vor ein paar wo­chen auf die neu­en mög­lich­kei­ten für so­was, als er auf das (word­press) blogroll-plug­in von mat­thi­as pfef­fer­le hin­wies.

A blogroll is a list of the sites you read, put on your own site so other peo­p­le can find them. This plug­in adds one block for that. You coll­ect the links, the block ren­ders them on your page, and vi­si­tors can take the who­le list with them into their feed rea­der.

also mit an­de­ren wor­ten: so wie bis­her ein­fach eine lis­te mit emp­feh­lun­gen an­le­gen, nur dass die lis­te zu­sätz­lich noch et­was an­ge­rei­chert wird mit ei­nem icon, links zum feed und das gan­ze von an­de­ren (mit ein biss­chen RSS/OPML/XML-ma­gie) ein­fach in ih­ren RSS-rea­der mit­ge­nom­men wer­den kann. ich hab das schnell nach­ge­baut für mein kir­by und spie­le seit­dem be­geis­tert da­mit rum.

durch den ar­ti­kel von ro­bert alex­an­der hab ich dann ge­se­hen, dass die grund­idee vom glei­chen men­schen, wie die grund­idee von RSS (und pod­casts) kam: dave wi­ner hat das vor­ge­schla­gen und sein dienst feed­land macht das schon ei­nen gan­ze wei­le so: man kann sich dort an­mel­den und ent­we­der eine ei­ge­ne lis­te von blogs an­le­gen die man ger­ne liest, die lis­te aus sei­nem feed­rea­der im­por­tie­ren oder aus den blogrolls von an­de­ren ko­pie­ren.

ich hab das ges­tern mal aus­pro­biert: mei­ne star­ter­pack blogrol­le im­por­tiert er­gibt das glei­che in grün auf feed­land: eine lis­te von blogs die ich emp­feh­le oder eine lis­te der bei­trä­ge der blogs die ich selbst sehr ger­ne lese (feed­land / wir­res.net).

der vor­teil von die­ser for­ma­li­sier­ten, struk­tu­rier­ten oder eben ma­schi­nen­les­ba­ren lis­te ist, dass leich­ter zu pfle­gen ist und ich selbst und an­de­re auch gleich se­hen kön­nen, was aus den abos raus­kommt. ich sehe also, wenn ich will, nicht nur eine emp­feh­lungs­lis­te, son­dern auch gleich was drin­steckt, um­ge­kehrt chro­no­lo­gisch ge­ord­net.

seit kur­zem geht das auch mit fol­low.riv­va.de (wenn man riv­va un­ter­stützt).

die qua­li­tät oder der nut­zen eine blogrol­le hängt na­tür­lich nicht an der ma­schi­nen­les­bar­keit, aber die­se ma­schi­nen­les­bar­keit und por­ta­bi­li­tät öff­net vie­le neue, wie ich fin­de, span­nen­de mög­lich­kei­ten.

man könn­te vi­sua­li­sie­ren, wie blogs zu­sam­men­hän­gen, man könn­te feeds abon­nie­ren, die ei­nem nicht nur neue bei­trä­ge in den feed­rea­der spü­len, son­dern auch neue blog­emp­feh­lun­gen. oder man könn­te the­ma­ti­sche blogrol­len-pa­ke­te schnü­ren. oder sei­nen feed­rea­der zum bers­ten fül­len.

aber das ent­sch­ei­dens­te ist, blogrol­len könn­ten ge­nau­so wie gute blogs funk­tio­nie­ren die man ger­ne liest: sie kön­nen über­ra­schen, er­freu­en, nach­denk­lich ma­chen, ei­nem frem­de wel­ten er­schlies­sen und wei­ter­emp­foh­len wer­den.


auch le­sens­wert:

 


wtf ist in­tel­li­genz?

felix schwenzel in artikel

nico:

Mir geht es um die Lüge von der In­tel­li­genz. Gut ra­ten, wel­ches Wort als nächs­tes in ei­nen Satz ge­hört scheint zu rei­chen, um das aus­zu­üben, was ich mir mehr oder we­ni­ger au­to­di­dak­tisch als Be­ruf bei­ge­bracht habe, das über­rascht mich jetzt nicht mal wirk­lich. Aber das ist kei­ne In­tel­li­genz.

Das wäre kein Pro­blem, wenn die­ser Irr­glau­be, wir hät­ten es hier mit In­tel­li­genz zu tun, nicht ge­ra­de dazu füh­ren wür­de, das al­les wa[s] wirk­li­che In­tel­li­genz aus­macht, ab­ge­wer­tet wird.

nico re­det hier — na­tür­lich — über so­ge­nann­te künst­li­che In­tel­li­genz, KIs, LLMs.

das lese ich seit vie­len jah­ren im­mer wie­der, all­über­all, die be­to­nung, dass das was LLMs, oder die lar­ge lan­guage mo­dels, die wir in der all­tags­spra­che meist als künst­li­che in­tel­li­gen­zen be­zeich­nen, eben kei­ne in­tel­li­genz sind, son­dern nur din­ger die wor­te an­ein­an­der rei­hen die ir­gend­wel­che wahr­schein­lich­kei­ten er­fül­len, also im prin­zip nur au­to­ver­voll­stän­di­ger sind.

cory doc­to­row:

AI isn’t “ar­ti­fi­ci­al” and it’s not “in­tel­li­gent.” “Ma­chi­ne lear­ning” does­n't learn. On this week’s Trash­fu­ture pod­cast, they made an ex­cel­lent (and pro­fa­ne and hi­la­rious) case that ChatGPT is best un­ders­tood as a so­phis­ti­ca­ted form of au­to­com­ple­te – not our new ro­bot over­lord.

ich bin kein phi­lo­soph und nicht be­son­ders gut im tie­fen nach­den­ken, wes­halb ich mich hüte sol­chen be­haup­tun­gen zu wi­der­spre­chen. was mir aber fehlt, ist eine de­fi­ni­ti­on was in­tel­li­genz denn nun ei­gent­lich ist. was macht „wirk­li­che In­tel­li­genz“ aus?

die bes­te ar­beits­hy­po­the­se dazu hat mir ho­imar von dit­furth von 40 jah­ren in den kopf ge­setzt. re­leativ weit vor­ne in sei­nem buch „im an­fang war der was­ser­stoff“ schreibt er:

[…] Geist und Ver­stand [sind] of­fen­sicht­lich nicht erst mit uns Men­schen in die­se Welt hin­ein­ge­kom­men […]. Die­se Ein­sicht ist, wie mir scheint, eine der wich­tigs­ten Leh­ren, die wir aus den Er­geb­nis­sen der mo­der­nen Na­tur­wis­sen­schaft zie­hen kön­nen. Ziel­stre­big­keit und An­pas­sung, Ler­nen und Pro­bie­ren, den schöp­fe­ri­schen Ein­fall eben­so wie Ge­dächt­nis und Phan­ta­sie, das al­les gab es, wie ich in die­sem Buch im ein­zel­nen zu zei­gen ver­su­chen wer­de, schon lan­ge, be­vor es Ge­hir­ne gab. Wir müs­sen um­ler­nen: In­tel­li­genz gibt es nicht des­halb, weil die Na­tur es fer­tig­brach­te, Ge­hir­ne zu ent­wi­ckeln, die das Phä­no­men »In­tel­li­genz« am Ende ei­ner lan­gen Ent­wick­lungs­rei­he schließ­lich er­mög­licht hät­ten.
[…]
Die Na­tur hat nur des­halb nicht bloß Le­ben, son­dern schließ­lich auch Ge­hir­ne und zu­letzt un­ser mensch­li­ches Be­wußt­sein her­vor­brin­gen kön­nen, weil es Geist, Phan­ta­sie und Ziel­stre­big­keit in die­ser Welt schon im­mer ge­ge­ben hat, vom ers­ten Au­gen­blick ih­res Be­stehens an.

sein ar­gu­ment ist, grob ver­kürzt, dass die evo­lu­ti­on, die na­tur, leis­tun­gen pro­du­ziert, die im prin­zip wie in­tel­li­gen­tes pro­blem­lö­sen aus­se­hen — ohne ein pla­nen­des sub­jekt. bei­spie­le die er nennt sind tar­nung, evo­lu­tio­nä­re an­pas­sungs­fä­hig­keit oder an­ti­bio­ti­ka­re­si­tenz. ein­fa­che re­geln in kom­ple­xen sys­te­men, wie bei bie­nen- oder amei­sen­völ­kern, mu­ta­ti­on und se­lek­ti­on er­we­cken „den Ein­druck von Lern­fä­hig­keit und in­tel­li­gen­tem Ver­hal­ten“.

Klam­mert man sich nicht mehr dar­an, daß eine in­tel­li­gen­te Re­ak­ti­on nur dann in­tel­li­gent ge­nannt wer­den darf, wenn es die Re­ak­ti­on ei­nes In­di­vi­du­ums ist, nicht da­ge­gen, wenn es sich um die Re­ak­ti­on ei­ner Art han­delt, dann be­stehen kei­ne Schwie­rig­kei­ten, sich die iso­lier­te Ent­ste­hung ein­zel­ner Leis­tun­gen vor­zu­stel­len, die in ih­rer Ge­samt­heit dann an ei­nem sehr viel spä­te­ren Punkt der Ent­wick­lung, durch in­di­vi­du­el­le Ge­hir­ne zu­sam­men­ge­faßt, den Be­ginn der »psy­chi­schen« Ent­wick­lungs­stu­fe mar­kie­ren.

Hier zeich­net sich folg­lich die Mög­lich­keit ab, das Ge­hirn zu be­grei­fen als ein Or­gan, des­sen ei­gent­li­che Leis­tung un­ter ei­nem evo­lu­tio­nis­ti­schen Aspekt dar­in zu se­hen sein könn­te, daß es be­stimm­te Re­ak­ti­ons­mög­lich­kei­ten, die un­ab­hän­gig von­ein­an­der ent­stan­den sind und fer­tig vor­lie­gen, zu ei­nem ge­schlos­se­nen, in­di­vi­du­el­len Ver­hal­tens­re­per­toire in­te­griert.

platt ge­sagt, habe ich ho­imar von dit­furth da­mals wie heu­te so ver­stan­den, dass der geist, die fä­hig­keit zur in­tel­li­gen­ten re­ak­tio­nen auf die welt, ein­fach da ist, im uni­ver­sum oder den na­tur­ge­set­zen steckt und sich im Lau­fe der evo­lu­ti­on in im­mer kom­ple­xe­ren for­men und ir­gend­wie, ir­gend­wann auch in un­se­ren ge­hir­nen ma­ni­fes­tie­ren konn­te.

ho­imar von dit­furth kann man zum glück nicht nach­sa­gen, er sei dem hype auf­ge­ses­sen oder an­thro­mor­phi­sie­re das uni­ver­sum. im ge­gen­teil, er er­mahn­te uns be­reits 1972 dazu, in­tel­li­genz nicht zu ei­ner ex­klu­siv mensch­li­chen fä­hig­keit zu ma­chen und ihre exis­tenz nicht an ge­hir­ne oder ein in­di­vi­du­el­les be­wusst­sein zu knüp­fen.

oder kurz ge­sagt: sät­ze wie

das ist kei­ne In­tel­li­genz

oder

AI is […] not “in­tel­li­gent.”

schei­nen mir ei­nen er­staun­lich ge­rin­gen er­kennt­nis­wert zu ha­ben, so­lan­ge un­ge­klärt ist, wtf in­tel­li­genz ei­gent­lich sein soll. 



“no ai” is re­al­ly just in­vi­si­ble ai

felix schwenzel in artikel

jo­nas us­sing hat in den letz­ten zwei jah­ren sechs vi­de­os ver­öf­fent­licht, in de­nen er ge­gen den mar­ke­ting-my­thos der mo­der­nen film in­dus­trie ar­gu­men­tiert, dass fil­me ohne com­pu­ter ge­ne­rier­te ef­fek­te (CGI) et­was gu­tes sei­en. sein haupt­ar­gu­ment ist auch der ti­tel sei­ner rei­he:

“NO CGI” is re­al­ly just IN­VI­SI­BLE CGI
(play­list al­ler 6 vi­de­os)

fast im­mer wenn beim mar­ke­ting ei­nes film be­haup­tet wird, al­les sei echt, alle stunts und ef­fek­te sei­nen „prak­tisch“ (prac­ti­cal) ge­filmt und nicht am com­pu­ter ge­ne­riert, stimmt das im­mer nur so halb. stun­den­lang se­ziert jo­nas us­sing in sei­nen vi­de­os sol­che be­haup­tun­gen von prac­ti­cal ef­fects. ich habe die fil­me von jo­nas us­sing imemr wie­der hier emp­foh­len und tue das nach wie vor.

YouTube Video Vorschaubild you­tube-vi­deo la­den, info, di­rekt­link

ich habe mir den ti­tel von jo­nas us­sings vi­deo-rei­he mal ge­borgt, weil ich glau­be, dass bei „CGI“ und „AI“ oder „KI“ die glei­chen ef­fek­te wir­ken.

zum ei­nen wirkt mar­ke­ting nur, wenn es auf frucht­ba­ren bo­den fal­len kann. die be­haup­tung: „kein CGI in die­sem film“ wird ja nur des­halb ge­macht, weil sie ein qua­li­täts­ver­spre­chen ist, das ei­nen wunsch des pu­bli­kums ab­bil­det. dass sich das ver­spre­chen dann bei ge­naue­rer be­trach­tung als klei­ne lüge her­aus­stellt ist nicht schlimm, so­lan­ge das CGI-ge­döns un­sicht­bar, un­merk­lich bleibt.

auch die här­tes­ten kri­ti­ker von KI ha­ben kei­ne oder kaum pro­ble­me mit dem, was un­se­re­re ta­schen­rech­ner­ka­me­ras (smart­pho­ne­ka­me­ras) seit vie­len jah­ren pro­du­zie­ren: bil­der die nicht mehr ein­fach das ab­bil­den was lin­sen und sen­so­ren ein­ge­fan­gen ha­ben, son­dern bil­der die eine al­go­rith­misch re­kon­stru­ier­te in­ter­pre­ta­ti­on der fo­to­gra­fier­ten sze­ne sind. mo­der­ne ta­schen­rech­ner­ka­me­ras re­kon­stru­ie­ren aus mess­da­ten ein bild, das dar­auf op­ti­miert wird un­se­re­re er­war­tung zu ent­spre­chen, wie die welt aus­sieht.

be­reits 2018, mit dem ipho­ne XR, sprach ap­ple da­von, dass die bild­ver­ar­bei­tungs­pipe­line auch die hil­fe ei­ner neu­ral en­gi­ne in an­spruch näh­me.

in un­se­ren ta­schen­rech­nern wer­kelt also seit fast 10 jah­ren KI (ma­chi­ne lear­ning) an un­se­rern bil­dern rum. aber das stört uns nicht, weil das was raus­kommt, ge­nau un­se­ren er­war­tun­gen ent­spricht und da­mit qua­si un­sicht­bar ist.


auf wired.com er­schien die­ser tage ein ar­ti­kel von max­well zeff mit dem ti­tel „Si­li­con Val­ley Does­n't Get Why You Hate AI“

The AI back­lash was not cau­sed by sca­ry war­nings about the fu­ture from tech CEOs, or the fact that Ope­nAI and An­thro­pic have not yet cu­red can­cer. It’s about the ways AI is al­re­a­dy start­ing to ch­an­ge so­cie­ty, which many Ame­ri­cans fear is for the worse.

oder mit an­de­ren wor­ten, der ge­gen­wind, den KI nicht nur in den USA, son­dern auch hier er­fährt, liegt nicht nur dar­an dass KI-slop die me­di­en ver­stopft oder KI-fir­men die tol­le zu­kunft, die uns KI brin­gen soll, nicht gut ge­nug kom­mu­ni­zie­ren, son­dern auch dar­an das wir jetzt schon be­ob­ach­ten kön­nen, wie die­se tech­no­lo­gie ver­trau­en ero­diert, ge­sell­schaft­li­che kon­flik­te schürt und un­si­cher­heit säät — so wie jede neue tech­no­lo­gie die ge­sell­schaft, ge­schäfts­mo­del­le, le­bens­wei­sen ver­än­dert.

al­ler­dings er­sch­ei­nen die ver­än­de­run­gen die KI ver­ur­sacht im un­ter­schied zu vor­he­ri­gen dis­rup­tio­nen durch tech­no­lo­gie­wan­del, of­fen­bar selbst hart­ge­sot­te­nen tech­no­lo­giefans und nerds un­heim­lich und un­be­re­chen­bar. mir auch.

wäh­rend das in­ter­net auch auf hef­ti­gen wi­der­stand bei der ge­sell­schaft­li­chen ad­op­ti­on traf, schie­nen im­mer ir­gend­wie die vor­tei­le zu über­wie­gen, auch wenn das in­ter­net die ge­sell­schaft und die wirt­schaft an vie­len stel­len auf den kopf stell­te.

bei KI sum­mie­ren sich die vor- und nach­tei­le of­fen­bar mehr und mehr zu ei­ner ne­ga­ti­ven sum­me. und da­ge­gen schei­nen KI-fir­men we­der mit PR-kam­pa­gnen, noch mit im­mer blu­mi­ge­ren ver­spre­chen an­zu­kom­men.


das un­be­ha­gen, was vie­le men­schen ge­gen­über KI ha­ben, gleicht dem un­be­ha­genm das vie­le men­schen ge­gen­über do­nald trump ha­ben. plötz­lich ist da et­was, das an wich­ti­gen schalt­stel­len der welt sitzt, das enor­me macht und wirk­mäch­tig­keit hat, aber gleich­zei­tug auch schlam­pig, ver­lo­gen, ge­schichts­ver­ges­sen ar­bei­tet — und kei­nen ge­schmack und an­stand hat. trump und KI ma­chen uns auch des­halb angst, weil es so vie­le men­schen gibt, die ih­nen ver­trau­en oder sich vor­tei­le von ih­nen er­hof­fen und sie in macht­vol­le oder po­ten­zi­ell all­mäch­ti­ge po­si­tio­nen he­ben. wir be­ob­ach­ten trump und KI beim di­let­tie­ren und dass sie sich kaum ein­he­gen oder kon­trol­lie­ren las­sen.


kon­stan­tin nutzt KI.

Jep. Ich set­ze KI ein. […] KI als Lek­tor. […] KI zum Aus­lo­ten von Op­tio­nen. Ja, ich liess manch­mal KI Ent­wuer­fe auf Ba­sis mei­ner Ideen schrei­ben, um Rich­tun­gen aus­zu­lo­ten. Na­tuer­lich habe ich da­nach die­se Roh­mas­se re­di­giert, neu­ge­schrie­ben, oder ver­wor­fen. Manch­mal kam ich auch mit ei­nem Pro­blem zum LLM, und wir ha­ben be­spro­chen, wel­che Loe­sun­gen es ge­ben kann.

aus mei­ner sicht ist eine sol­che nut­zung von KI ge­nau­so le­gi­tim, wie eine bild­ver­ar­bei­tungs­pipe­line in ei­nem ta­schen­rech­ner, so wie CGI kein CGI ist, so lan­ge es un­sicht­bar bleibt. oder bes­ser, so­lan­ge das an­thro­po­mor­phe, das mensch­li­che, das hand­ge­dach­te sicht­bar und klar er­kenn­bar bleibt.

an­de­rer­seits ist es ge­nau­so le­gi­tim über so eine ar­beits­wei­se zu den­ken: „Das ist mir zu viel KI.“

ben_ be­ob­ach­tet, dass KI dazu bei­trägt text zu ent­wer­ten.

Text ist und war schon im­mer ein Ge­we­be ei­ge­ner und frem­der Ge­dan­ken und Wor­te, ge­formt durch nicht-sim­pli­zis­ti­sche Pro­zes­se und Werk­zeu­ge. Im Wein­berg des Tex­tes und so …

… aber … [mit KI] sinkt der Wert al­ler Tex­te, au­to­ma­tisch. Egal, wie viel oder we­nig. Text fällt im Wert und Text ge­rät un­ter Ge­ne­ral­ver­dacht und wird es fort­an blei­ben.

im prin­zip gehts wie­der um die wurst. ei­ner­seits in dem sinn, dass wir als ge­sell­schaft wie­der wege fin­den müs­sen die ver­wer­fun­gen der tech­no­lo­gie so zu na­vi­gie­ren, dass wir un­se­re ge­sell­schaf­ten zu­sam­men­hal­ten kön­nen und vor dem aus­ein­an­der­bre­chen be­wah­ren kön­nen. ge­sell­schaft­li­che kri­sen die durch tech­no­lo­gie­wan­del aus­ge­löst wur­den, ha­ben wir in der jün­ge­ren ge­schich­te ja schon öf­ter — mehr oder we­ni­ger er­folg­reich — na­vi­giert.

aber an­de­rer­seits gehts auch um die her­stel­lung der wurst. ich zi­tie­re alle paar mo­na­te die­ses zi­tat von tel­ler:

So­me­ti­mes, ma­gic is just so­meone spen­ding more time on so­me­thing than an­yo­ne else might re­ason­ab­ly ex­pect.

wenn wir wie­der „hand­den­ken“ (wort­schöp­fung: dvg), mehr ar­beit in tex­te ste­cken als sich ir­gend­wer vor­stel­len kann, ha­ben wir viel­leicht die chan­ce den wert von text wie­der zu stei­gern — auch wenn der ge­ne­ral­ver­dacht blei­ben wird.

text und an­de­re krea­ti­ve ge­wer­ke ha­ben noch chan­cen, wenn der her­stel­lungs­pro­zess ge­nau so sicht­bar ge­macht wird, wie es film­stu­di­os ge­le­gent­lich in ih­rem mar­ke­ting ver­su­chen, wenn sie be­haup­ten ein film ent­hal­te (an­geb­lich) „no cgi“.

wer wurst her­stellt und da­für kon­su­men­ten fin­den will, wird künf­tig mög­li­cher­wei­se nicht mehr um­hin kom­men, den her­stel­lungs­pro­zess so trans­pa­rent wie nur mög­lich dar­zu­stel­len. das heisst aber auch, ein ein­fa­ches la­bel „no AI“ / „kei­ne KI“ wird nicht rei­chen, da muss auch ganz viel dif­fe­ren­ziert wer­den. ein­fa­che la­bel wer­den nicht rei­chen. har­te und viel krea­ti­ve hand- und denk-ar­beit al­lein auch nicht.


so wie jo­nas us­sing mit viel mühe über 6 vi­de­os hin­weg die be­haup­tung „no CGI“ als klei­ne oder gros­se lüge ent­larvt hat, wer­den auch la­bel wie „no AI“ oder „kei­ne KI“ nie die gan­ze wahr­heit über die her­stel­lung krea­ti­ver ar­beit ehr­lich ab­bil­den. es ist im­mer kom­pli­zier­ter als man denkt. so wie „made in ger­ma­ny“, „selbst­ge­ba­cke­nes brot“ oder „ohne kon­ser­vie­rungs­stof­fe“ auch im­mer nur ei­nen teil der ge­schich­te er­zäh­len.

viel­leicht soll­ten wir uns statt auf la­be­l­ing, eher dar­auf kon­zen­trie­ren un­se­rer KI-nut­zung in bes­se­re wor­te zu fas­sen? eine spra­che da­für fin­den, um zu be­schrei­ben wie wir ar­bei­ten. viel­leicht lohnt es sich dar­über zu re­flek­tie­ren, was wir von kunst, text und kul­tur ei­gent­lich ge­nau er­war­ten, was uns ei­gent­lich wich­tig ist? was wir ei­gent­lich wol­len? wo die gren­zen ver­lau­fen, wo wir die pflö­cke ein­schla­gen?

schön und le­sens­wert in die­sem zu­sam­men­hang:


quel­len


aus­ser­dem


ca­se stu­dy house #22

felix schwenzel in artikel

die wichtigsten achsen des case study house #22 fotos von julius shulman mit weissen linien auf schwarzem grund nachgezeichnet.

die­ses foto von ju­li­us shul­man kennt je­der ar­chi­tek­tur­stu­dent. mich hat es wäh­rend mei­nes ar­chi­tek­tur­stu­di­ums zu feuch­ten träu­men über sicht­ach­sen und mi­ni­ma­lis­ti­sches de­sign in­spi­riert. an die­sem foto stimmt kon­zep­tio­nell al­les und es fängt eine stim­mung ein, die schwer zu be­schrei­ben ist, die aber je­der ver­steht, so­bald man das foto sieht. ganz ähn­lich dem bild von ed­ward hop­per.

ich wuss­te, dass das haus am hang der hol­ly­wood-hills vom ar­chi­tek­ten pierre koe­nig ge­baut wur­de und dass es min­des­tens 21 wei­te­re case stu­dy hou­ses gibt.

was ich nicht wuss­te, war, dass die bau­her­ren, die fa­mi­lie stahl, schon vor pierre koe­nig eine ziem­lich ge­naue vor­stel­lung vom haus hat­ten. das steht zwar auch so in der wi­ki­pe­dia …

Stahl pro­vi­ded the in­spi­ra­ti­on for the over­all struc­tu­re, set­ting out his ide­as by mid-1956 in a mo­del of the house he wan­ted for the site. Un­li­ke the house as built, the mo­del has a cur­ved rear wall and but­ter­fly roof.
[…]

Koe­nig ad­he­red to the ba­sic at­tri­bu­tes of Stahl's con­cept but re­fi­ned the de­sign into so­me­thing much more ri­go­rous, geo­me­tric and 'pu­re' in its form and ma­te­ri­als—in es­sence ad­ap­ting it to his own vo­ca­bu­la­ry.

… aber die­ses vi­deo er­klärt die ge­schich­te des hau­ses sehr bild­lich. die kin­der der stahls er­zäh­len da­von wie ihre el­tern das haus plan­ten, bau­ten und wie die fa­mi­lie dar­in leb­te und wie das haus jetzt der öf­fent­lich­keit zu­gäng­lich ist. eine gross­ar­ti­ge klei­ne do­ku­men­ta­ti­on, die nicht nur für ar­chi­tek­tur­in­ter­es­sier­te in­ter­es­sant ist. 


goog­le’s gunst

felix schwenzel in artikel

mo­men­tan wird all­über­all die­ser ar­ti­kel von ka­tie bak­er emp­foh­len, in dem es um die tief­grei­fen­den ver­än­de­run­gen der goog­le-su­che in rich­tung KI-ant­wor­ten geht und wie sehr web­sites die sich auf such­ma­schi­nen­traf­fic ver­las­sen ha­ben und da­für op­ti­miert ha­ben, dar­un­ter lei­den.

Last month, Boulia­ne was one of the guests on an NPR seg­ment about the ch­an­ges to Goog­le; he told the hosts that his traf­fic was down 75 per­cent sin­ce AI Over­views was laun­ched in 2024. An­o­ther guest, Aman­da Na­tiv­i­dad of SparkT­oro, of­fe­red a sobering stat (well, un­less you’re a pro­duct ma­na­ger at Goog­le) about “zero-click” ra­tes the­se days. “Six­ty-eight per­cent of all U.S. Goog­le sear­ches end wi­t­hout a click,” she said—mea­ning that users get what they need di­rect­ly in the search page (or just get dis­trac­ted, I guess) wi­t­hout ha­ving to vi­sit any out­side sites. That’s an in­crease from 45 per­cent a de­ca­de ago. An­o­ther grim fi­gu­re, per The Te­le­graph: While ap­pearing first in Goog­le search re­sults used to mean get­ting a click 27 per­cent of the time, that num­ber drops to 11 per­cent when the­re’s an AI Over­view up top.

ich habe mir mal mei­ne ma­to­mo zah­len an­ge­se­hen. ma­to­mo nut­ze ich seit 2010 (da­mals noch als pi­wik). goog­le hat­te min­des­tens ein jahr­zehnt den ruf sehr blogaf­fin zu sein. goog­le moch­te da­mals sei­ten die re­gel­mäs­sig ak­tiua­li­si­ert wur­den und le­ben­dig er­schie­nen. ich kann mich an zei­ten er­in­nern, zu de­nen bei­trä­ge von mir 2 mi­nu­ten nach der ver­öf­fent­li­chung be­reits in su­cher­er­geb­nis­sei­ten auf­tauch­ten.

mit dem ein­zug von fri­da bei uns vor sechs jah­ren und tech­ni­schen pro­ble­men mit mei­nem ur­alt-CMS liess mei­ne pos­ting­fre­quenz stark nach und ich ver­lor goog­le’s gunst.

übersicht der besucher pro jahr jahr die google auf wirres.net schickt. sie zahlen sind von matomo und reichen von 2010 bis jetzt.. 2012 lagen die zahlen um 18tausend pro jahr, 2014 gab es einen dip auf 10tausend, 2019 einen spitze von 20tausend und 2026 dürften es wieder 12tausend werden.

seit ich im april 2025 die­se web­site neu­ge­star­tet habe, habe ich mich in der gunst von goog­le lang­sam wie­der hoch­ge­ar­bei­tet. im juni 2025 schick­te mir goog­le um die zwei be­su­cher pro tag vor­bei. mitt­ler­wei­le sind es so um die 60 be­su­cher täg­lich. ak­tu­ell zeigt ma­to­mo 7000 be­su­cher die mir goog­le die­ses jahr be­reits ge­schickt hat. hoch­ge­rech­net dürf­ten das min­des­tens 12.000 be­su­cher die­ses jahr wer­den. da­mit bin ich fast wie­der auf dem ni­veau der jah­re 2013 bis 2018.

screenshot aus der google search console zeigt den anstieg der impressions und klicks in den letzten 16 monaten

ein gros­ser an­teil der re­fe­rer kom­men über re­zept­su­chen. ob­wohl auch re­zept­sei­ten-be­trei­ber laut ka­tie bak­er über rück­gän­gi­ge zah­len kla­gen, scheint goog­le re­zept­su­chen­de wei­ter­hin sehr ger­ne zu re­zep­ten im web zu schi­cken, bzw. re­zept­sei­ten nach wie vor mit sehr vie­len be­su­chern zu „be­loh­nen“. ich bin da nicht al­lein.

die fra­ge die im raum steht, ob goog­le das „of­fe­ne netz“ zer­stö­re, wird jetzt oft ge­stellt. ich bin mir da nicht so si­cher. frü­her™ war kei­nes­falls al­les bes­ser. ag­gres­si­ve such­ma­schi­nen­op­ti­mie­rung hat bei mir re­gel­mäs­sig sehr viel mehr ne­ga­ti­ve emo­tio­nen aus­ge­löst, als das was goog­le da ge­ra­de ver­an­stal­tet. und: mir ist es ehr­lich­ge­sagt egal ob goog­le be­su­cher für ein re­zept hier­her schickt oder das re­zept (mit or­dent­li­cher quel­len­an­ga­be) auf der such­er­geb­nis­sei­te an­zeigt.

ich gebe mir gros­se mühe re­zep­te die ich hier ver­öf­fent­li­che gut zu­gäng­lich, les­bar oder zum bei­spiel in re­zept-apps ex­por­tier­bar zu ma­chen. we­nig macht mich so ag­gres­siv wie re­zept­sei­ten im web, auf de­nen man erst­mal drei ban­ner weg­kli­cken muss und dann sechs ki­lo­me­ter scrol­len muss, um ans re­zept zu kom­men. re­zep­te sind zum ko­pie­ren, sam­meln, wei­ter­ge­ben, emp­feh­len und vor al­lem wie­der­fin­den da. das wie­der­fin­den ist der grund, war­um ich re­zep­te an­fangs über­haupt ins in­ter­net schrob: um die gu­ten sa­chen schnell wie­der­zu­fin­den. mitt­ler­wei­le fin­de ich al­les in mela1, weil ich da al­les rein­spei­che­re und mela gleich­zei­tig auch als rea­der-app nut­zen kann um das gan­ze brim­bo­ri­um auf re­zept­sei­ten aus­zu­blen­den.

ganz am ende von ka­tie bak­ers ar­ti­kel schreibt sie:

Back in 2000, four ye­ars be­fo­re Goog­le’s IPO, co­foun­der Lar­ry Page mu­sed in an in­ter­view that “ar­ti­fi­ci­al in­tel­li­gence would be the ul­ti­ma­te ver­si­on of Goog­le.” In his vi­si­on, “It would un­der­stand ever­y­thing on the web. It would un­der­stand exact­ly what you wan­ted, and it would give you the right thing.” Goog­le Search as we thought we knew it feels bro­ken, now that they’ve gone and ch­an­ged the for­mu­la. But may­be all this time it’s been roun­ding into its fi­nal form, just as the el­ders fo­re­saw.

ich er­in­ner mich noch wie ich in den frü­hen 2000ern mal mit ma­rio six­tus über ma­ris­sa may­er plau­der­te, goo­gles an­ge­stell­te num­mer 20. die hat­te sich im stu­di­um un­ter an­de­rem auf künst­li­che in­tel­li­genz spe­zia­li­si­ert. das heisst auch, dass goog­le im prin­zip seit 20, 25 jah­ren das web mit KI auf­be­rei­tet hat. vor dem auf­kom­men von lar­ge lan­guage mo­dels wa­ren das noch an­de­re KI-ge­schmacks­rich­tun­gen, aber über­ra­schend ist die ent­wick­lung von goog­le zur heu­ti­gen KI-las­ti­gen aus­prä­gung nicht wirk­lich.

ego suche nach felix schwenzel bei kagi
ego su­che nach fe­lix schwen­zel bei kagi

was auch klar ist: goog­le kommt den vor­lie­ben der men­schen, die goog­le be­nut­zen, ent­ge­gen. so rich­tig ver­ab­scheu­en schei­nen die nut­zen­den die KI-vor­schau­en in der goog­le su­che nicht. soll­ten goog­le mes­sen, dass die an­zahl der nut­zen­den ab­nimmt, wür­den sie wahr­schein­lich sehr schnell ge­gen­steu­ern.

trotz­dem habe ich mir vor­ge­nom­men jetzt für eine wei­le mal eine an­de­re stan­dard-such­ma­schi­ne zu nut­zen. kagi.com ist ja viel­ge­lobt und auch wenn mein ers­ter ein­druck nicht be­rau­schend2 ist, will ich das mal aus­pro­bie­ren. 


  1. wer will kann mei­ne re­zep­te auch als RSS in mela abon­nie­ren (feed) ↑︎

  2. kagi.com hat wir­res.net nach ei­ge­nen an­ga­ben zu­letzt 2008 in­de­xiert zeigt ver­wir­ren­de ka­len­der­da­ten ne­ben den such­er­geb­nis­sen an. ↑︎


plötz­lich ist das ori­gi­nal wich­tig

felix schwenzel in artikel

beim bild­blog wies lo­renz mey­er heu­te auf die­ses 40 mi­nu­ten lan­ge vi­deo hin. das vi­deo ist über syn­chron­spre­cher und wie sie sich von KI be­droht füh­len.

YouTube Video Vorschaubild youtube-video laden, info, direktlink

ich habe mich durch das gan­ze vi­deo ge­quält und kann es nicht emp­feh­len. aber wenn ich über das vi­deo schrei­be, dach­te ich, muss ich da durch.

ich bin kein fan von syn­chro­ni­sa­ti­on, im ge­gen­teil. ich ver­mei­de so gut ich kann. in den letz­ten 20 jah­ren ist mir das dank des tech­ni­schen fort­schritts auch ganz gut ge­lun­gen. die ers­ten 30 jah­re mei­nes le­bens war ich der syn­chro­ni­sa­ti­on von fil­men und fern­seh­se­ri­en hilf­los und al­ter­na­tiv­los aus­ge­lie­fert. je­der film, jede fern­seh­se­rie wur­de kon­se­quent mit deut­schen stim­men über­bü­gelt.

DVD-cover die es 2007 in der DVDthek gab, the wire, heroes, damages, cloverfield und ein hinweis: „neuheiten im original“ (das waren importierte DVDs, die noch nicht in deutschland vertrieben wurden)
se­ri­en­aus­wahl in mei­ner DVD­thek um das jahr 2007 her­um

mit dem auf­kom­men der DVD wur­den ori­gi­nal­ver­sio­nen leich­ter zu­gäng­lich. wenn ich mich recht er­in­ne­re, wan­del­ten sich vi­deo­the­ken so um 2003 bis 2005 lang­sam aber si­cher zu DVD­the­ken und mit DVDs hat­te ich end­lich eine wahl mir fil­me und se­ri­en auch end­lich im ori­gi­nal an­zu­schau­en.

auf eine art bin ich den 30 jah­ren zwangs­syn­chro­ni­sa­ti­on dank­bar. al­les was ich in den ers­ten 30 jah­ren an me­di­en kon­su­miert habe, kann ich jetzt noch­mal völ­lig neu im ori­gi­nal ent­de­cken. vor ei­nem jahr hab ich mir alle fol­gen der mup­pet show an­ge­se­hen, da­vor ma­gnum PI. vor 15 jah­ren war ich er­staunt dar­über was für eine wei­che, erns­te, sym­pa­thi­sche stim­me ed­die mur­phy hat und dass er eben kein af­fi­ger schrei­hals ist.

im vi­deo oben ma­chen ei­ni­ge deut­sche syn­chron­spre­cher dar­auf auf­merk­sam, dass das was sie tun kunst sei. dem möch­te ich nicht wi­der­spre­chen, aber die­se kunst ist eine kunst mit der ich nichts zu tun ha­ben will. so wie ich nicht auf ein auf ein de­ath me­tal kon­zert ge­hen möch­te oder in die oper. ich habe nichts da­ge­gen wenn syn­chron­spre­cher ih­rer kunst nach­ge­hen, so­lan­ge sie mich mit ih­rer kunst in ruhe las­sen. da sie mich 30 jah­re mei­nes le­bens nicht in ruhe da­mit ge­las­sen ha­ben, habe ich in die­ser zeit — und da­nach — al­ler­dings ein emo­tio­na­les mei­nungs­bild über die­se kunst ent­wi­ckelt. kurz ge­sagt: ich er­tra­ge die­se stim­men nicht, weil sie so glatt und gleich­zei­tig über­zeich­net, ge­stelzt und auf­ge­tra­gen sind. kein mensch auf der welt re­det so, wie syn­chron­spre­cher re­den. ich den­ke im kunst­kon­text ist das auch OK, nie­mand singt so wie opern­sin­gen­de sin­gen, nie­mand malt so wie ma­le­rin­nen ma­len, nie­mand tanzt so wie bal­let­tän­ze­rin­nen tan­zen.

der witz ist: als ich vor ei­ner wei­le mal test­wei­se die stim­me der chatgpt-app ak­ti­viert habe, dach­te ich so­fort an syn­chron­spre­cher: viel zu viel pa­thos, emo­ti­on, mühe. al­les et­was zu doll auf­ge­dreht und eine durch­gän­gi­ge nu­schel-pho­bie.

im vi­deo sagt pe­ter flecht­ner, der un­ter an­de­rem ben af­fleck syn­chro­ni­si­ert, an ei­ner stel­le:

ich glau­be die leu­te wer­den ir­gend­wann auch ge­nervt sein wie­der von den ki stim­men.

das glau­be ich auch, aber ich glau­be auch das vie­le leu­te von den syn­chron­stim­men ge­nervt sind. be­stimmt nicht alle, im ge­gen­teil, ganz of­fen­sicht­lich mö­gen die vie­le auch, aber ich fand es frap­pie­rend wie in dem vi­deo die gan­ze zeit dar­auf hin­ge­wie­sen wird wie scheis­se und pa­ra­si­tär KI ist, aber kaum dar­über ge­re­det wird, dass syn­chro­ni­sie­rung das ori­gi­nal ver­zerrt und um­in­ter­pre­tiert. ich ver­mu­te, dass vie­le fil­me­ma­cher syn­chro­ni­sa­ti­on ih­rer wer­ke nur we­gen kne­bel­ver­triebs­ver­trä­gen zu­las­sen. ich kann mir zu­min­dest nicht vor­stel­len, dass je­mand der jah­re­lang für ei­nen di­rec­tors cut kämpft es toll fin­det, wenn das werk dann noch­mal von syn­chron­stu­di­os neu in­ter­pre­tiert wird.

hol­ly­wood­schau­spie­ler sind of­fen­bar zu pro­fes­sio­nell um sich on the re­cord ne­ga­tiv über syn­chro­ni­sa­ti­on aus­zu­las­sen. jo­die fos­ter hat in ei­nem in­ter­view mal dar­auf hin­ge­wie­sen, dass sie sich selbst in fran­zö­sisch syn­chro­ni­si­ert. das sei ein schwie­ri­ger, an­stren­gen­der job.

So, I wish more ac­tors could do it, but I got to tell you it's re­al­ly hard. It's re­al­ly hard.

aber sie weist auch dar­auf hin, dass die fil­me eben um­in­ter­pre­tiert wer­den:

I was […] su­per­vi­sing the Ita­li­an and the Ger­man and the Spa­nish and all of that. It was so in­te­res­t­ing to see how all the dif­fe­rent ro­mance lan­guages would in­ter­pret and how the cha­rac­ter ch­an­ges in some ways in all tho­se lan­guages.

jo­die fos­ter fin­det das auf eine art auf­re­gend, ich find es eher scha­de. vie­le leu­te fin­den es auch auf­re­gend ihre au­tos tie­fer zu le­gen oder spoi­ler dran­zu­kle­ben oder kaf­fee mit sprüh­sah­ne zu trin­ken. ich fin­de meis­tens das ori­gi­nal auf­re­gend ge­nug.


wenn es tat­säch­lich so ist, dass die men­schen ihre syn­chron­stim­men lie­ben, dar­auf wei­sen die syn­chron­spre­cher und spre­che­rin­nen mehr­fach im vi­deo hin, dann gibt es ja ei­gent­lich kei­nen grund zur sor­ge für die bran­che. dann lehnt die mehr­heit ar­ti­fi­zi­el­le stim­men ab und die gros­sen strea­ming­an­bie­ter, film­stu­di­os, ver­mark­ter müs­sen nach­zie­hen und wei­ter schau­spie­ler fürs syn­chro­ni­se­ren zah­len.

mei­ne ver­mu­tung ist al­ler­dings dass es den meis­ten men­schen egal ist. zu­min­dest den men­schen die jetzt schon syn­chro­ni­sier­te fil­me und se­ri­en ak­zep­tie­ren oder dem ori­gi­nal (mit un­ter­ti­teln) vor­zie­hen. die von den syn­chron­spre­chern viel­be­schwo­re­ne „deut­sche syn­chron­spre­cher-kul­tur“ hat über vie­le jahr­zehn­te im wört­li­chen sin­ne das ori­gi­nal mar­gi­na­li­si­ert und ent­wer­tet. war­um soll­te sich die­se mehr­heit — der das ori­gi­nal egal ist — jetzt plötz­lich da­für in­ter­es­sie­ren, ob die stim­men ori­gi­nal, kunst oder KI sind? 


2005, als blog­gen noch po­ten­zi­al hat­te

felix schwenzel in artikel, teil der sammlung: #wahl05

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ich ge­hö­re nicht zu den leu­ten die die al­ten zei­ten im in­ter­net ver­mis­sen. ich fin­de das in­ter­net so wie es ist im­mer noch gut. ist halt noch un­über­sicht­li­cher ge­wor­den. 2005 war das in­ter­net klei­ner, aber auch schon gross und un­über­sicht­lich.

2005 hat­te sa­scha lobo noch kei­nen iro­ke­sen und er­klär­te an­de­ren das in­ter­net noch nicht. das hat 2005 ma­rio six­tus ge­tan, zum bei­spiel hier in der zeit.

im ar­ti­kel lässt er doc searls blogs er­klä­ren:

»Blog­gen ist wie Schnee­bäl­le ei­nen Hang her­un­ter­rol­len, man­che blei­ben lie­gen, an­de­re rol­len wei­ter, man­che wer­den so­gar rie­sig«, sagt Searls. Ein ein­zi­ger in­spi­rier­ter Ein­trag kann in der Welt der Blogs eine Ei­gen­dy­na­mik oh­ne­glei­chen ent­wi­ckeln. Da­her gilt die Blogo­sphä­re als Früh­warn­sys­tem für The­men, Trends und manch­mal so­gar Nach­rich­ten. »Blogs sind Ge­sprä­che«, per­si­fliert sich Searls selbst. Mit der Phra­se »Märk­te sind Ge­sprä­che« hat­te er vor sechs Jah­ren die Grund­la­ge des Clue­train Ma­ni­fests ge­legt.

heu­te sind blogs nur noch schnee­flo­cken.

2004 hat­ten „der ehe­ma­li­ge MTV-Mo­de­ra­tor Adam Cur­ry zu­sam­men mit dem Web-Ent­wick­ler und Blog-Guru Dave Wi­ner eine Me­tho­de, Au­dio­da­tei­en zeit­ver­setzt und au­to­ma­ti­si­ert in den Spei­cher von MP3-Spie­lern zu über­mit­teln“ er­son­nen. so lan­ge ist das schon her.

weil 2005 das wort „so­cial me­dia“ noch nicht ge­läi­fig war, schrieb ma­rio six­tus da­mals von ei­nem „hu­ma­ni­sier­tem netz“, da­mals be­stand die hoff­nung, dass das in­ter­net von men­schen ge­prägt wer­den kön­ne. kom­mu­ni­ka­ti­on, zu­sam­men­ar­beit, ver­trau­en und per­sön­li­che be­zie­hun­gen wür­den sich in und um blogs bün­deln — so die hoff­nung.

2005 fand ich, dass die­ser ar­ti­kel von ma­rio six­tus der „bes­te ar­ti­kel über blogs (ever)“ sei. so hab ich das da­mals auf­ge­schrie­ben in ei­nem ar­ti­kel den ich über ein in­ter­view schrieb, das ma­rin ma­ji­ca da­mals mit mir ge­fürhrt hat.

er woll­te mich in­ter­view­en, wir tra­fen uns um 18 uhr im star­bucks am ha­cke­schen markt. er kam fünf mi­nu­ten zu spät, aber ich schleim­beu­tel lob­te ihn für sei­ne pünkt­lich­keit. ich wur­de, par­tei­tags­ge­stählt, gleich in­ves­ti­ga­tiv: „le­sen sie blogs? wel­che?“. er log mich an: „ja. ein paar.“ na gut ein paar blogs kann­te er, aber von jam­ba und spree­blick hat­te er noch nix ge­hört. ich trug ihm mit mei­ner un­ver­bes­ser­li­chen ar­ro­ganz auf das zu goog­len und drück­te ihm den bes­ten ar­ti­kel über blogs (ever) in die hand, den ich zu­fäl­lig (wirk­lich), aus­ge­druckt, da­bei hat­te.

ma­rin ma­ji­ca in­ter­es­sier­te sich da­mals für mich, weil im (bun­de­tags-) wahl­kampf 2005 die da­ma­li­ge blog­platt­form um nico lum­ma blogg.de ein wahl­blog or­ga­ni­sisr­te, dass ein paar blog­ger, un­ter an­de­rem mich, zu par­tei­ta­gen schick­te. mit ein biss­chen pres­se­ar­beit mach­te das da­mals eine klei­ne wel­le in der jour­na­lis­ten­welt.

das press­echo zu mir hab ich da­mals hier fest­ge­hal­ten: re­spekt­los?

der ar­ti­kel von ma­rin ma­ji­ca ge­fiel mir da­mals (und heu­te) am bes­ten: Manch­mal schläft er ein (ar­chi­ve.org link)

Bei ei­nem Tref­fen in ei­nem Ber­li­ner Café de­mons­triert Schwen­zel ganz ne­ben­bei sei­ne Ar­beits­me­tho­den. Un­ge­fragt macht er mit dem Han­dy ein Foto des Ge­gen­übers, das er di­rekt in sei­nen Blog lädt. "Flick­rn" heißt das, be­nannt nach der da­für be­nutz­ten Soft­ware Flickr. Am Nach­mit­tag wird er noch ei­nen Kom­men­tar zu dem Ge­spräch mit dem Jour­na­lis­ten da­zu­stel­len. Für den ist das ge­wöh­nungs­be­dürf­tig: be­schrie­ben zu sein, be­vor man selbst be­schreibt.

auch die taz schrieb da­mals über mich und zi­tier­te mich:

Auch dass La­fon­taine so häu­fig das Wort „ich“ ver­wen­de­te, wur­de von Schwen­zel kom­men­tiert: „Da scheint sich eine neue Spiel­art im lin­ken Spek­trum ab­zu­zeich­nen: So­zia­lich­mus.“


so war das da­mals: das in­ter­net steck­te noch vol­ler hoff­nungs­froh stim­men­dem po­ten­zi­al und man konn­te auf­merk­sam­keit er­re­gen, in­dem man ein­fach ins in­ter­net schrob.

von der pro­gnos­ti­zier­ten hu­ma­ni­sie­rung des net­zes ist im grös­se­ren mas­stab — aus­ser pod­casts — nicht mehr all­zu­viel üb­rig. aber viel­leicht ja doch, nur eben et­was an­ders als wir uns das da­mals vor­ge­stellt ha­ben. das in­ter­net be­steht nach wie vor vor al­lem aus men­schen, mit all sei­nen vor- und nach­tei­len.

viel­leicht soll­ten wir wie­der mehr dar­über nach­den­ken wie wir die auf­merk­sam­keits­strö­me wie­der hu­ma­ni­sie­ren und aus den klau­en der gros­sen platt­for­men und al­go­rith­men be­frei­en — oder un­se­re klei­nen, über­sicht­li­chen re­so­nanz­räu­me aus­bau­en, wie ich es vor ein paar mo­na­ten mal hier skiz­ziert habe: ela­bo­rier­te kul­tur­tex­te 


frag­men­te bloggt wie­der. min­des­tens dreis­sig tage lang will sie das ma­chen. ich bin si­cher, sie wird da­nach wei­ter­ma­chen. ich habe nie auf­ge­hört und doch vier jah­re kaum bis nichts ins in­ter­net ge­schrie­ben. zu­min­dest kei­ne längreen tex­te. ich war be­schäf­tigt mit hun­de­er­zie­hung und brot ba­cken und heim­au­to­ma­ti­sie­rung — und doch: ge­le­gent­lich muss­te ich die ein­drü­cke aus mei­nem le­ben tei­len. das hab ich dann vier jah­re lang haupt­säch­lich auf in­sta­gram ge­macht.

was ich sa­gen will: das le­ben ist auch schön ohne blog­gen. aber mit blog­gen ist es in­ter­es­san­ter. ich habe das ge­fühl blog­gen zwingt mich auf mehr, auf an­de­ren ebe­nen zu den­ken. das den­ken struk­tu­riert sich an­ders, mein in­ne­rer mo­no­log be­kommt eine zu­sätz­li­che stim­me die ver­sucht er­leb­tes an­ders auf­zu­ar­bei­ten, als wenn ich es nur für mei­nen in­ne­ren mo­no­log auf­ar­bei­ten wür­de.

nor­ma­ler­wei­se, beim ein­schla­fen, wenn mein be­wusst­sein lang­sam in den hin­ter­grund tritt und mein un­ter- oder ne­ben- oder au­to­nom-be­wusst­sein lang­sam die bil­der und ge­dan­ken in mei­nem kopf über­nimmt, sehe ich luft­bil­der. im wahrs­ten sin­ne des wor­tes. ich sehe schwarz mit leucht­punk­ten, so als ob man nachts mit dem flug­zeug in ei­ner gros­sen stadt lan­det (und da­bei aus dem fens­ter schaut). eine wei­te dunk­le ebe­ne, die mit licht­punk­ten ge­spickt ist. das flie­gen ist nicht das the­ma, es geht auch nichts um licht oder die dun­kel­heit. es ist of­fen­bar ein­fach ein bild das be­ru­hi­gend auf mich wirkt.

ges­tern sah ich beim ein­schla­fen ei­nen klee­tep­pich auf ei­ner wie­se. in den letz­ten ta­gen be­trach­te­te ich auch im wach­zu­stand sehr vie­le klee­tep­pi­che auf wie­sen und ver­such­te — im lang­sa­men ge­hen — vier­blätt­ri­ge klee­blät­ter zu se­hen. seit meh­re­ren ta­gen ver­geb­lich — aber nicht um­sonst. auch die­se klee­tep­pi­che die ich im über­gangs­zu­stand zwi­schen wach und un­wach sah hat­ten auch eine be­ru­hi­gen­de und be­frie­di­gen­de wir­kung. aber ob­wohl ich ei­gent­lich beim ein­schla­fen war, dach­te ich im glei­chen mo­ment, kurz vor dem weg­däm­mern, dar­über nach ob und wie ich das wohl ins in­ter­net schrei­ben könn­te.

ich mag es, wie mein vor­satz re­gel­mäs­sig ins in­ter­net zu schrei­ben mei­ne wahr­neh­mung ver­än­dert. ge­nau des­halb mag ich es auch, wie mein vor­satz wei­te­re vier­blätt­ri­ge klee­blät­ter zu fin­den, auch mei­nen blick auf die welt ver­än­dert.

je­den­falls lese ich das was frag­men­te ins in­ter­net schreibt sehr ger­ne. ges­tern zum bei­spiel über ur­laub.

Vor fünf­zehn Jah­ren habe ich an­ge­fan­gen zu ar­bei­ten, also au­ßer­halb der aka­de­mi­schen Welt, in ei­nem An­ge­stell­ten­ver­hält­nis, und ich habe seit­her nicht mehr auf­ge­hört. Erst hat­te ich 26, dann 28 und mitt­ler­wei­le 30 Ta­gen Jah­res­ur­laub. Aber mehr als drei Wo­chen am Stück hat­te ich nie frei.

Es fehlt mir. Die­se lan­gen, stau­bi­gen, hei­ßen Tage. Plä­ne im­mer nur bis über­mor­gen. Ein Ba­de­an­zug, ir­gend­was drü­ber, San­da­len und seit Wo­chen kei­ne So­cken. Schwimm­bad­pom­mes und Cor­net­to-Eis und Gum­mi­tie­re. Mit dem Fahr­rad un­ter­wegs. Gril­len­zir­pen und Ra­sen­spren­ger.

Es war so nie, au­ßer in mei­ner Er­in­ne­rung. Trotz­dem.

mir ist ur­laub egal. un­se­ren letz­ten cam­ping­ur­laub vor 10 jah­ren ha­ben wir ir­gend­wann ab­ge­bro­chen und ha­ben zu­hau­se ge­merkt, dass es viel er­hol­sa­mer und schö­ner ist, zu­hau­se ur­laub zu ma­chen. ge­le­gent­lich ma­chen wir noch (kur­ze) städ­te­rei­sen, be­su­chen freun­de oder ver­wan­de­te an­ders­wo oder ver­brin­gen ei­nen tag am strand. aber drei wo­chen am stück weg von den anehm­lich­kei­ten und rou­ti­nen zu­hau­se? fin­den wir mitt­ler­wei­le bei­de schreck­lich. auch der hund sperrt sich da­ge­gen an­ders­wo als zu­hau­se zu ent­span­nen.

mei­ne ar­beits­kol­le­gin­nen müs­sen mich je­des jahr dazu drän­gen mei­nen ur­laub auf­zu­brau­chen. ei­ner­seits fin­den sie es prak­tisch, dass ich mir über weih­nach­ten und zwi­schen den jah­ren kei­nen ur­laub neh­me, an­de­rer­seits ist es ner­vig wenn ich im no­vem­ber noch mit mehr als 20 ta­gen ur­laub da sit­ze. um mei­nen ur­laub auf­zu­brau­chen nehm ich mir dann wo­chen­lang ei­nen tag pro wo­che frei. das struk­tu­riert die wo­che ganz in­ter­es­sant. so kann man aus ei­ner wo­che zwei wo­chen mit zwei wo­chen­en­den (ei­nem lan­gen und ei­nem kur­zen) ma­chen:

mo | di | - | do | fr | -- | mo | di | etc.

ich ar­bei­te ger­ne. aber ich stel­le mir si­sy­phos auch als glück­li­chen men­schen vor. kürz­lich dach­te ich ei­nen ge­dan­ken wie­der, den ich als kind schon öf­ter dach­te; mit et­was ab­stand be­trach­tet ist es ei­gent­lich schon ein biss­chen ab­surd dass wir uns 20 bis 30 jah­re aus­bil­den las­sen um dann 5 × 8 stun­den pro wo­che die fä­hig­kei­ten un­se­res aus­ge­bil­de­ten ge­hirns an ei­nen ar­beit­ge­ber zu ver­mie­ten. an­de­rer­seits ist es ge­nau so ab­surd den gan­zen tag durch die sa­van­ne zu lat­schen und nüs­se und wur­zeln zu su­chen, um die dann zu ver­spei­sen, zu schla­fen und dann, nach dem auf­ste­hen, wie­der nach nüs­sen und wur­zeln oder nach we­ni­ger gut aus­ge­bil­de­ten tie­ren zu su­chen.

aber mit et­was ab­stand be­trach­tet ist ja wohl al­les ein biss­chen ab­surd. drei­ein­halb mil­li­ar­den jah­re evo­lu­ti­on, drei­hun­dert­tau­send jah­re mensch­heits­ge­schich­te da­mit ich hier auf dem sofa sit­zen kann und über die ab­sur­di­tät der welt laut nach­den­ken kann. 


mu­se­ums­in­sel hom­broich

felix schwenzel in artikel

ges­tern bei der kalt­mam­sell ge­le­sen, dass sie und herr kalt­mam­sell auf der mu­se­u­min­sel hom­broich wa­ren. an mei­nen letz­ten be­such dort er­in­ne­re ich mich als wäre es ges­tern, auch wenn mei­ne er­in­ne­run­gen dar­an leicht ver­blasst und ver­schmol­zen sind. ich bin ja in der ge­gend mit den broichs auf­ge­wach­sen. fuss­broichs, gre­ven­broich, kor­schen­broich, mör­sen­broich, broich­wei­den wa­ren na­men sie ich in mei­ner ju­gend stän­dig ge­se­hen habe. in der ge­gend gibt vie­le ei­gen­ar­ti­ge orts­na­men. wenn wir nach aa­chen fuh­ren, pas­sier­ten wir im­mer gei­len­kir­chen (eccle­sia ero­ti­ca) und puf­fen­dorf (vicus lu­pana­ris), auf dem weg nach düs­sel­dorf gings an hom­broich und gre­ven­broich vor­bei.

je­den­falls liess sich mein in­ter­nes ge­däch­nis an den in­sel­be­such nicht mit mei­nem ex­ter­nen ge­däch­nis ve­ri­fi­zie­ren. ich habe hier nie et­was über die mu­se­ums­in­sel hom­broich ge­schrie­ben oder bil­der da­von ge­pos­tet — oder kann sie nicht mehr fin­den. auch auf mei­nen so­cial me­dia pro­fi­len fand ich zu­nächst nichts. in mei­ner fo­to­bi­blio­thek fand ich dann über die orts­su­che ei­nen hau­fen bil­der aus dem april 2011. mein ar­chiv vom april 2011 zeigt schö­ne tex­te von der #rp11, aber nix von hom­broich. mein twit­ter­ar­chiv reicht nur bis 2012 (ob­wohl ich mich bei twit­ter 2007 an­ge­mel­det habe), mein ers­ter in­sta­gram post ist vom ok­to­ber 2011 (lo­ka­le ko­pie). ich war mir aber si­cher, dass ich zu die­sem be­such et­was ins in­ter­net ge­schrie­ben oder ge­pos­tet hat­te. mit spot­light fand ich dann ei­nen hin­weis in ei­ner back­up­da­tei auf die­ses you­tube vi­deo aus dem gra­phi­schen ka­bi­nett der mu­se­ums­in­sel, dass ich 2011 ge­pos­tet habe.

mei­ne er­in­ne­run­gen an die mu­se­ums­in­sel sind, wie ge­sagt, ver­wa­schen. ich er­in­ner mich aber sehr gut an die ca­fe­te­ria. es­sen und ge­trän­ke dort sind im ein­tritt­preis in­be­grif­fen. die mu­se­ums­in­sel selbst er­klärts (in ein­fa­cher spra­che) so:

In der Ca­fe­te­ria be­kom­men Sie ein kos­ten­lo­ses ein­fa­ches Buf­fet.

Das Es­sen kommt von Land­wirt:in­nen und Lie­fe­rant:in­nen aus der Nähe.
Dar­um ist das Es­sen be­son­ders frisch.

mei­ne er­in­ne­rung ist, dass es ro­si­nen­brot gab. das brot war vor­ge­schnit­ten und es gab but­ter. die ein­fach­heit die­ser mahl­zeit hat mich da­mals sehr be­geis­tert. und die wes­pen auf der in­sel auch.

ich hab das schon öf­ter ge­schrie­ben, dass ich kunst die ei­nem im all­tag be­glei­tet oder ein­fach ent­deck­bar ist in­ter­es­sant fin­de. mei­ne el­tern hat­ten nicht we­nig kunst bei uns im haus und das zu­sam­men­le­ben mit die­sen ar­bei­ten öff­ne­te per­ma­nent neue per­spek­ti­ven. das al­les funk­tio­niert in ei­nem mu­se­um auch, aber eben an­ders.

mir gehts in mu­se­en oft so, dass ich schnell ge­sät­tigt bin. beim su­shi es­sen wird der ing­wer tra­di­tio­nell ja nicht mit dem su­shi ge­ges­sen, son­dern zwi­schen ver­schie­de­nen su­shi-sor­ten. da­mit ver­schafft man dem ge­schmacks­sinn an­geb­lich eine er­ho­lung. und ge­nau des­halb ist die musuem­in­sel hom­broich so toll. man wan­dert durch wun­der­schö­ne na­tur und stösst wie zu­fäl­lig auf ge­fäl­li­ge ar­chi­tek­tur in der oder um die kunst hängt, liegt oder steht.

mit dem prin­zip der dis­co­vera­bi­li­ty von kunst in der na­tur habe ich auch eine frü­he kind­heits­er­in­ne­rung. mei­ne el­tern hat­ten be­kann­te die bei lud­wig scho­ko­la­de oder trumpf ar­bei­te­ten. ihr wohn­haus war ein frmen-bun­ga­low, der di­rekt am park der fa­mi­lie lud­wig lag und auch zu­gang zu die­sem park hat­te. der park war weit­läu­fig und mit vie­len skulp­tu­ren und bäu­men ge­spickt. kris­tof und ich er­kun­de­ten den park re­gel­mäs­sig wenn wir bei den be­kann­ten un­se­rer el­tern zu be­such wa­ren. wir be­klet­ter­ten die skulp­tu­ren und freu­ten uns über die ab­we­sen­heit von er­wach­se­nen. der park war da­mals nicht öf­fent­lich und ist heu­te mehr oder we­ni­ger kom­plett zu­ge­baut. kunst ein­fach rum­ste­hen zu las­sen da­mit sie ent­deckt, be­grif­fen oder igno­riert wer­den kann, ist mei­ner mei­nung nach im­mer noch die bes­te art kunst zu­gäng­lich zu ma­chen. min­des­tens ge­nau so gut wie ge­schnit­te­nes ro­si­nen­brot.

die ar­chi­tek­tur, die bau­ten die auf der in­sel ste­hen sind ei­ner­seits ty­pisch für die re­gi­on und an­de­rer­seits un­ty­pisch, weil ge­schmack­voll und mi­ni­ma­lis­tisch. ein­fa­che geo­me­tri­sche for­men um­ge­ben von ge­zähm­ter, halb wil­der na­tur. ge­le­gent­lich wird die na­tur ge­trimmt um die bau­ten zu er­gän­zen, an man­chen stel­len darf die na­tur ma­chen was sie will.

auf den fo­tos der bei­fah­re­rin fum­mel ich stän­dig am han­dy rum. ich habe da­mals ganz of­fen­sicht­lich beim be­such der in­sel an die ver­wert­bar­keit im in­ter­net ge­dacht. soll­te ich das noch raus­fin­den wo ich das da­mals ge­pos­tet habe, schrei­be ich ei­nen nach­trag. die fo­tos oben sind alle von der bei­fah­re­rin (mit ei­ner Ca­non Power­Shot SX200 IS powerge­schos­sen). hier sind noch ein paar fo­tos die ich da­mals (mit ei­nem HTC In­cre­di­ble S) ge­macht habe.

falls das noch nicht deut­lich ge­wor­den ist: ich kann ei­nen be­such der mu­se­ums­in­sel hom­broich sehr emp­feh­len. das mu­se­um ist in der nähe von düs­sel­dorf und ist mit dem auto am bes­ten zu er­rei­chen. bus und bahn ge­hen auch, wenn man gut zu fuss ist. 

kartenübersicht  mit markierungen wo die fotos auf dieser seite augfgenommen wurden.

di­gi­ta­le un­ab­hän­gig­keit

felix schwenzel in artikel

ich hab in den letz­ten mo­na­ten im­mer wie­der über­legt wie ich ar­ti­kel von hier auf in­sta­gram brin­gen kann oder um­ge­kehrt. auf in­sta­gram habe ich im­mer noch vie­le men­schen die mir fol­gen, oder bes­ser ge­sagt, die auf pflan­zen­bil­der und sel­fies von mir re­agie­ren. in­sta­gram selbst nut­ze ich selbst so gut wie gar nicht mehr, weil ich mich im­mer är­ge­re wenn ich die app of­fen habe und ver­führt wer­de kur­ze vi­de­os in mich rein­zu­stop­fen. zack sind 30, 40 mi­nu­ten vor­bei und ich är­ge­re mich, dass ich mei­ne zeit nicht selbst­be­stimmt ver­schwen­det habe.

die schwie­rig­kei­ten die in­sta­gram ei­nem in den weg legt wenn es dar­um geht ei­ge­ne in­hal­te von in­sta­gram zu­rück­zu­ho­len sind er­staun­lich. in­sta­gramm gibt sich sehr viel mühe öf­fent­li­che bei­trä­ge nicht au­to­ma­tiert aus­les­abr zu ma­chen, aus­ser man heisst goo­gle­bot. je­den­falls hab ich mehr oder we­ni­ger auf­ge­hört auf in­sta­gram zu pos­ten, weil das ko­pie­ren der bei­trä­ge von in­sta­gram hier­her zu müh­sam wur­de und um­ge­kehrt nicht mög­lich ist.

aus­ser man wan­delt sein in­sta­gram­kon­to in ein pro­fes­sio­nel­le kon­to um, mel­det sich bei face­book als ent­wick­ler an, ver­knüpft sein face­book und in­sta­gram­kon­to und stellt an ei­ni­gen stell­sch­ra­ben rum. nach lan­gem zö­gern hab ich das jetzt ge­macht und kann bei­trä­ge von hier ein­fach auf in­sta­gram pos­ten — per knopf­druck im kir­by ba­ckend.

im in­die­web nennt man das pos­se: „Pu­blish (on your) Own Site, Syn­di­ca­te El­se­whe­re“

ich ver­öf­fent­li­che also hier ein foto und von hier dann zu mast­o­don, blues­ky, stan­dard.site — und jetzt auch zu in­sta­gram. und jetzt wo ich über meta/face­book auch ein­ge­schränk­ten zu­gang zur API habe, kann ich auch kom­men­trae von in­sta­gram hier­her­ho­len.

so nut­ze ich zwar meta/face­book/in­sta­gram, aber wenn die mich mor­gen sper­ren sol­ten oder ich sie oder meta ver­en­det oder nur noch span­ner-bril­len ver­kauft ist mir das egal — weil ich nix ver­lie­re.


ich bin kein freund da­von zu be­haup­ten sei ir­gend­was oder gar al­les bes­ser ge­we­sen. aber den zu­stand der isn­ta­gram-app, bzw. der in­sta­gram-time­line, wür­de ich schon ger­ne be­kla­gen. al­les ist un­über­sicht­lich ge­wor­den, stän­dig will mir je­mand was ver­kau­fen oder mich hyp­no­ti­sie­ren und mei­ne auf­merk­sam­keit ab­sau­gen.

wie wohl­tu­end ist da zum bei­spiel grain: ein ver­ti­ka­ler, scroll­ba­rer srei­fen mit fo­tos, nichts als fo­tos. und: dark mode, herz­chen zum drü­cken und … fo­tos. ich schlei­che zwar seit wo­chen durch die AT­mo­sphe­re, aber auf grain hat mich heu­te noch­mal pxlnv.com ge­stupst.

weil grain auf dem AT­pro­to­koll ba­siert und die fo­tos und me­ta­da­ten auf mei­nem, bzw. dem PDS von blues­ky spei­chert, kann ich kir­by auch ein­fach bei­trä­ge auf grain pos­ten las­sen (in­dem kir­by eing­ach im rich­ti­gen for­mat/sche­ma me­ta­da­ten und ei­nen blob spei­chert). auch das geht aus dem kir­by-ba­ckend per knopf­druck und sieht dann so aus.


war­um nicht pi­xel­fed? ich wür­de sa­gen weil es mei­nem ver­ständ­nis von di­gi­ta­ler un­ab­hän­gig­keit wi­der­spricht mir ein wei­te­res so­cial me­dia kon­to an­zu­le­gen nur um ei­nen wei­te­ren aus­ga­be­ka­nal für das zu ha­ben was ich hier auf wir­res.net und mei­ner ei­ge­nen fe­di­ver­se go­to­so­cial in­stanz schon habe. bei grain hin­ge­gegn mel­de ich mich mit mei­nem vor­han­de­nen blues­ky-kon­to an und dort, auf dem blues­ky PDS wird das auch al­les ge­spei­chert und ich kann mit den da­ten ma­chen was ich will. kei­ne rei­bung, kein zu­sätz­li­cher log­in, kein zu­sätz­li­cher API key, ein­fach ein wei­te­rer ka­nal.


weil es so ein­fach ist bei diens­ten mit­zu­ma­chen, die auf dem AT­pro­to­koll auf­set­zen, hab ich mir ge­dacht mal alle pro­fi­le die ich im lauf der zeit an­ge­legt habe auf­zu­lis­ten. das ist auch ganz ein­fach, in­dem ich in mei­nen PDS gu­cke.


ich weiss nicht ob mein ver­ständ­nis von un­ab­hän­gig­keit rich­tig ist oder der rei­nen leh­re ent­spricht, aber die­ses pos­sen fühlt sich gut an. al­les zu­hau­se an ei­nem ort zu ha­ben und da wo es geht, da wo es viel­leicht wen in­ter­es­si­ert, auch mei­nen quark hin­schie­ben zu kön­nen. oder eben auch nicht. wie­die­wied es mir ge­fällt. 


odys­see

felix schwenzel in artikel

ich er­in­ne­re mich noch gut wie ich 2001: odys­see im welt­raum zum ers­ten mal ge­se­hen habe: vor 37 jah­ren auf ei­nem blas­sen, nied­rig auf­lö­sen­den röh­ren-farb­fern­se­her1 im kel­ler der el­tern mei­ner da­ma­li­gen freun­din hei­ke. ich hab den film noch nicht mal von an­fang an ge­se­hen, son­dern als wir ein­schal­te­ten lief er schon ne gan­ze wei­le. die hand­lung war nicht wirk­lich nach­voll­zieh­bar und der film war deutsch syn­chro­ni­si­ert.

der film war also auf viel­fäl­ti­ge wei­se ver­hunzt: nied­ri­g­auf­lö­send, nied­rig fre­quent, licht­arm, mit deut­schen stim­men ge­panscht, mit ein­em­schepp­ri­gen mono-laut­spre­cher, nicht in ei­nem dark­room (kino) prä­sen­tiert. wahr­schein­lich wa­ren auch die sei­ten we­gen des fern­seh­for­mats ab­ge­schnit­ten.

trotz­dem schlug der film voll bei mir ein. ich war schwer be­ein­druckt und auf eine gute art ir­ri­tiert. als ich mir den film spä­ter noch­mal auf DVD oder im stream an­sah, sehr viel bes­ser auf­ge­löst, mit bes­se­rem ton und den ori­gi­nal­stim­men, war ich ge­nau so be­ein­druckt und ir­ri­tiert. und konn­te die hand­lung im­mer noch nicht nach­voll­zie­hen.


den neu­en film mit ner odys­see, den der nicht im welt­raum und nicht 2001, son­dern ir­gend­was mit 3000 b.c. spielt, der nicht von ku­brick, son­dern von no­lan ge­filmt wur­de, hab ich noch nicht ge­se­hen. ich hab mo­men­tan kei­ne lust auf kino.

ich sehe mir fil­me lie­ber al­lei­ne, in mei­nem tem­po, mit ei­ner schein­bar rie­si­gen lein­wand, 50 zen­ti­me­ter vor mei­nem ge­sicht, in form ei­nes hoch­auf­lö­sen­den ap­ple dis­plays an. als ich das letz­te mal ei­nen film in ei­nem imax-fä­hi­gen kino ge­se­hen habe war ich mehr ir­ri­tiert und ab­ge­lenkt von den ef­fek­ten, als ich es mir ge­wünscht hät­te.

mich lenkt das gan­ze ge­wum­mer und der bom­bast eher vom in­halt ab, als es mir hilft in den in­halt ein­zu­tau­chen.

no­lan be­haup­tet mit imax wür­de die lein­wand ver­schwin­den und dass das ein bild sei, in dem man sich ver­lie­ren kön­ne.

ich wer­de mir nolans odys­see je­den­falls nicht im kino an­se­hen. we­der im nor­ma­len, noch im imax kino. ich war­te bis der ir­gend­wo streamt und schaue ihn mir dann auf dem lap­top an.

wenn ich so drü­ber nach­den­ke, wür­de ich mir den film viel­leicht so­gar ger­ne auf ei­nem al­ten röh­ren­fern­se­her an­schau­en2. al­ler­dings nicht syn­chro­ni­si­ert.

ich fin­de es er­staun­lich wel­che band­brei­te die re­zep­ti­on des films hat. von „meis­ter­werk“ bis lang­wei­lig über „ewig die glei­che Ge­schich­te von männ­li­cher Über­mensch­lich­keit“, zu egal oder ir­gend­wie ok ist al­les da­bei.

ir­gend­wo las ich in ei­ner kri­tik, dass no­lan be­stimm­te din­ge gar nicht zei­ge, son­dern der phan­ta­sie des zu­schau­ers über­las­se. das hal­te ich im­mer für eine sehr gute idee und wir alle wis­sen, dass das gut funk­tio­niert, bzw. ei­nes der grund­re­zep­te von gu­ten ge­schich­ten ist. auch des­halb fra­ge ich mich oft: dient der bom­bast dazu, von ei­ner schwa­chen ge­schich­te ab­zu­len­ken, ist der bom­bast die ei­gent­li­che ge­schich­te oder dient die tech­nik hier tat­säch­lich der ge­schich­te?

mir fällt bei der ak­tu­el­len (drit­ten) staf­fel von house of the dra­gon (hotd) auf, wie sehr mich bom­bast manch­mal lang­weilt. die klei­ne, in je­dem de­tail lie­be­voll ge­strick­te ge­schich­te des he­cken-rit­ters (hedge knight) in a knight of the se­ven king­doms hat mir um län­gen bes­ser ge­fal­len als die­se staf­fel hotd. das lang­wei­li­ge kann so viel in­ter­es­san­ter sein als das kom­ple­xe.

trotz­dem. auf ne art bin ge­spannt auf nolans odys­see. aber ich habs nicht ei­lig. 


  1. das war der glei­che fern­se­her, auf dem ich sub­way zum ers­ten mal ge­se­hen habe. ↑︎

  2. wenn ich noch wei­ter drü­ber nach­den­ke: im prin­zip ist nolans odys­see ein diabend mit ei­ner vier­tel­mil­li­on schnell ab­ge­spiel­ten dias. (3 stun­den = 180 mi­nu­ten = 10.800 se­kun­den macht 10.800 × 24 = 259.200 ein­zel­bil­der) ↑︎


kunst log­gen (klog­gen?)

felix schwenzel in artikel

die­ses wo­chen­en­de wa­ren wir kurz in ham­burg um die ab­schluss­aus­stel­lung vom kind an­zu­se­hen. also ei­gent­lich war das die ab­schluss­aus­stel­lung der ba­che­lor und mas­ter ab­sol­vie­ren­den die­ses jah­res an der hfbk. die ar­bei­ten vom kind ha­ben mir sehr gut ge­fal­len und auch wenn ich das nicht so gut aus­drü­cken kann wie die bei­fah­re­rin, ha­ben die ar­bei­ten in mir re­so­niert. ich fand die­ses bild auf den ers­ten blick in­ter­es­sant, we­gen der tie­fe und weil es mög­li­cher­wei­se ein paar ar­chi­tek­ten-sai­ten in mir an­zupf­te. ich mag es, wenn man mit mi­ni­ma­len mit­teln et­was räum­li­ches schafft das of­fen ge­nug ist, um es mit ei­ge­nen as­so­zia­tio­nen zu fül­len.

bild von anton kelm in der jahresausstellung der hfnk. man sieht eine hüttenartige stangen-struktur mit konstruktiven  elementen aus croutons

der witz war, dass sich auf dem bild auch crou­tons be­fin­den. die hat­te ich aus der ent­fer­nung zwar ge­se­hen, aber als ge­mal­te, kon­struk­ti­ve ele­men­te an­ge­se­hen. sol­che mehr­schich­tig­kei­ten mag ich. auch zu den an­de­ren ar­bei­ten des kin­des fand ich zu­gang.

mein zu­gang zu kunst war und ist ei­gent­lich im­mer: re­so­niert da was in mir oder sehe ich et­was, das ich so toll fin­de, dass ich mir wün­sche da selbst drauf­ge­kom­men zu sein? man­che leu­te sa­gen ja beim be­trach­ten von eher mi­ni­ma­lis­ti­scher kunst: „das hät­te ich auch ma­chen kön­nen!“ das ist na­tür­lich aus meh­re­ren grün­den lahm: ers­tens ha­ben leu­te die so­was sa­gen es eben nicht ge­macht und zwei­tens über­sieht eine sol­che aus­sa­ge das wich­tigs­te: den kon­text.

ein werk, eine ar­beit, ein ob­jekt (und al­les an­de­re) hat im­mer kon­text. es gab ei­nen pro­zess (der sicht­bar oder ver­bor­gen sein kann) der zu eben die­sem er­geb­nis führt. der kon­text, wie ein ding prä­sen­tiert wird, ist auch ent­sch­ei­dend.

ich bin si­cher: das k in kunst kommt nicht von kön­nen, son­dern von kon­text.

das ist im pro­dukt­de­sign oder auch bei je­der an­de­ren krea­ti­ven ar­beit nicht an­ders. die idee ist we­ni­ger wich­tig als der pro­zess, als die um­set­zung, die um­stän­de, die fi­nan­zie­rung, der zeit­geist — eben der kon­text.


min­des­tens ge­nau­so in­ter­es­sant wie die re­zep­ti­on der ar­bei­ten auf ei­ner aus­stel­lung ist die re­zep­ti­on der aus­stel­lungs­be­su­cher. wir hat­ten sehr viel zeit zur aus­stel­lung an der hfbk mit­ge­bracht und ver­brach­ten dann auch nicht we­nig zeit im aus­stel­lungs­raum des kin­des. dort stan­den dan­kens­wer­ter wei­se ein paar so­fas auf de­nen wir sit­zen konn­ten um die be­su­cher der aus­stel­lung zu be­ob­ach­ten.

ganz wie zu­hau­se war das na­tür­lich nicht, so­wohl fri­da als auch ich sind auf dem sofa zu­hau­se sehr viel ent­spann­ter. aus­ser­dem schmeckt das bier zu­hau­se bes­ser.


da wir am sams­tag sehr früh los­fuh­ren und ich mei­nen lap­top erst nach 22 uhr in die hand be­kam, konn­te ich na­tür­lich nichts blog­gen. mei­ne „streak“ re­gel, also wie ich zäh­le ob ich an ei­nem tag ge­bloggt habe um dann (auf der rück­sei­te) zu be­haup­ten …

täg­li­che bei­trä­ge seit: 443 ta­gen

lau­tet so: book­marks, fa­vo­ri­ten, kom­men­ta­re oder ant­wor­ten oder din­ge die ich ge­se­hen habe zäh­len nicht (aus­ser ich hebe sie auf die vor­der­sei­te), wohl aber et­was das auf der vor­der­sei­te er­scheint oder eine kur­ze (oder lan­ge) no­tiz, ein ge­pos­te­tes bild oder ein che­ckin. sprich: mit ei­nem che­ckin habe ich mei­ne log­ging-pflicht für den tag im prin­zip er­füllt. check­ins pos­te ich aus­schliess­lich mit bil­dern, ohne bil­der wer­den sie auf wir­res.net gar nicht erst von swarm im­por­tiert.

je­den­falls fiel mir bei die­ser rei­se wie­der auf, wie glück­lich ich mit mei­nem ak­tu­el­len „blog“-set­up bin. ich kann klas­si­sches blog­ge­döns ma­chen, schrei­ben, bil­der pos­ten, kur­ze und lan­ge no­ti­zen fest­hal­ten und für alle die es in­ter­es­sie­ren mag auf der vor­der­sei­te und im rss-feed vor­hal­ten und zu­gäng­lich ma­chen. aber ich kann auch log­gen, log­buch füh­ren, buch über alle you­tube-vi­de­os füh­ren, de­nen ich ei­nen 👍 ge­ge­ben habe, book­marks set­zen und spä­ter ver­wen­den (oder nicht), book­marks kom­men­tie­ren und wenn es sich lohnt oder ich lust habe in bei­trä­gen agg­re­gie­ren oder ein­zeln auf die vor­der­sei­te ho­len.

kurz, die auf­tei­lung in eine vor­der­sei­te auf der al­les auf­taucht was ich ger­ne mit ei­nem brei­te­ren pu­bli­kum zei­gen möch­te, eine rück­sei­te die beim na­vi­gie­ren der vor­der­sei­te hel­fen kann und ein paar tei­le des hin­ter­grund­rau­schens zeigt. und dann das hin­ter­grund­rau­schen, das nicht un­sicht­bar, aber eben auch nicht im vor­der­grund pas­siert. al­les ist in ver­schie­de­nen stu­fen abon­nier­bar und nie­mand muss von mei­nen manch­mal ma­ni­schen ak­ti­vi­tä­ten im hin­ter­grund ge­nervt sein.


noch­mal zu­rück zur hfbk. ich habe oben ja da­von ge­spro­chen, dass ich beim be­trach­ten von frem­den ar­bei­ten ge­le­gent­lich den­ke: „scha­de dass ich da nicht selbst drauf ge­kom­men bin.“ ges­tern dach­te ich zu­min­dest ein­mal: so eine idee hat­te ich schon­mal. lei­der habe ich mir we­der den raum noch den na­men der künst­le­rin no­tiert, aber sie hat ei­nen trau­ri­gen me­cha­ni­schen vo­gel aus ka­beln, mo­to­ren und me­cha­ni­schen ku­ckucks­pfei­fen ge­baut.

weit we­ni­ger ele­gant, durch­dacht und wohl­klin­gend, hab ich das vor drei jah­ren auch mal ge­macht (am ende sah es so aus).

über pfings­ten eine ku­ckucks­uhr ge­baut. fast fer­tig, be­vor das zif­fer­blatt der funk­uhr dran kommt, muss die bei­fah­re­rin das ding noch be­ma­len (statt be­schnit­zen, wie im schwarz­wald).

ursprünglich veröffentlicht am 30.05.2023

zu die­ser po­ten­zi­ell kon­tro­ver­sen ku­ckucks­uhr von mi­cha­el sans hab ich vor 19 jah­ren mal was ge­schrie­ben. 


kopf­ki­no

felix schwenzel in artikel

heu­te beim mor­gen­spa­zier­gang hat­te ich in­ten­si­ves kopf­ki­no. die film­aus­schnit­te be­stan­den aus er­in­ne­run­gen, die von ein­strö­men­den um­welt­rei­zen aus­ge­löst wur­den. auf dem foot­ball­feld der ber­lin ad­ler plärr­te de­pe­che mode aus den laut­spre­chern. laut­spre­cher die un­ter frei­en him­mel spie­len ha­ben ei­nen ganz cha­rak­te­ris­ti­schen klang. die mu­sik ver­weht ein biss­chen, wab­bert und sam­melt sich ge­le­gent­lich zu echos. vor mei­nem in­ne­ren ohr und auge lie­fen er­in­ne­run­gen, die mich an den his­to­ri­schen jahr­markt in kor­neli­müns­ter1 den­ken lies­sen. auf die­sem jahr­markt habe ich ei­nen teil mei­ner kind­heit ver­bracht. vor mei­ner in­ne­ren nase zog grill- und pony­ge­ruch auf.

das open-air-ge­schrei der eher jün­ge­ren men­schen auf dem weit­läu­fi­gen foot­ball-platz in kom­bi­na­ti­on mit ein paar har­ten son­nen­strah­len auf mei­nemn ge­sicht spül­te dann auch noch er­in­ne­run­gen an die som­mer-zelt­la­ger2 hoch.

ich staun­te wäh­rend des spa­zier­gangs was da al­les in mir aus der ver­gan­gen­heit auf­schwamm. das pas­siert mir nicht im­mer, aber heu­te fan­den die sen­so­ri­sche in­puts wohl ei­nen weg sich in mei­nem kopf aus­zu­brei­ten. ich spiel­te ir­gend­wann so­gar aus­schnit­te ei­nes you­tube-vi­de­os, das ich am vor­abend ge­se­hen hat­te, vor mei­nen in­ne­ren au­gen ab.

wäh­rend ich fri­da be­ob­ach­te­te, mich ge­rü­che, ge­räu­sche, der wind im ge­sicht und in der nase reiz­ten, ein paar son­nen­strah­len, eine küh­le bri­se, was­ser­ge­ruch, kin­der­ge­schrei, open­air laut­spre­cher mei­ne sin­ne sti­mu­lier­ten dach­te ich: schon er­staun­lich, was ich al­les ab­ge­spei­chert habe. ich staun­te auch, dass nur schö­ne er­in­ne­run­gen auf­schwam­men. die er­in­ne­run­gen wa­ren far­ben­froh, po­si­tiv, ein biss­chen nost­al­gisch.

ges­tern schrieb mir mei­ne mut­ter, der ge­ra­de plötz­lich zwei gute freun­de weg­ge­stor­ben wa­ren, wie schön sie es fand, dass sie mit vol­ker, der ge­ra­de ge­stor­ben ist, noch vor zwei wo­chen beim „por­tu­gie­sen“ es­sen wa­ren und vol­ker, wie im­mer, gut­ge­launt trank und ass und er­zähl­te. das müs­se wohl die­ses car­pe diem („oder so“) sein, von dem alle spre­chen. ich ant­wor­te­te ihr dass ver­meint­lich lang­wei­li­ge oder er­eig­nis­lo­se tage mei­ner mei­nung nach und in die­sem sin­ne auch ok sei­en, müs­se ja nicht al­les eine wil­de ver­gnü­gungs­fahrt sein.

heu­te fällt mir auf, die­ses car­pe diem kann man auch im kopf­ki­no ma­chen. so kann auch ein lang­wei­li­ger mor­gen­spa­zier­gang zu ei­ner wil­den ver­gnü­gungs­fahrt wer­den. ich bin mir auch si­cher dass ich mit die­ser er­fah­rung nicht al­lein war und es fri­da ganz ähn­lich ging. ihre sen­so­rik ge­gen­über um­welt­rei­zen und ge­rü­chen dürf­te um ei­ni­ges bun­ter und dif­fe­ren­zier­ter sein und ich will nicht wis­sen was für ein kopf­ki­no in ih­rem kopf ab­geht, wenn sie sich durch die um­welt schnüf­felt.

zu­hau­se muss­te ich na­tür­lich gleich in mei­ner al­ten, ana­lo­gen fo­to­kis­te kra­men. da­bei fiel mir auf, die bil­der die ich vor­her im kopf hat­te wa­ren bun­ter, le­ben­di­ger, mehr­di­men­sio­na­ler als die auf dem fo­to­pa­pier. zu­mal mir da­bei auch auf­fiel, wie zu­rück­hal­tend wir da­mals mit der an­zahl fo­tos wa­ren. 36 bil­der hat­ten die fil­me da­mals, da knippst man nicht wie wild rum.

beim blät­termn in der fo­to­kis­te fie­len ir dann aber noch zwei fo­tos aus mei­nem stu­den­ten­zim­mer in die hand. stras­sen­lärm, vor al­lem höl­lisch laut klap­pern­de LKW, we­cken nor­ma­ler­wei­se er­in­ne­run­gen an die­ses zim­mer das di­rekt an ei­ner der haupt­ein­fall­stras­sen des stutt­gar­ter kes­sels lag (heil­bron­ner stras­se). auch der ge­ruch des zim­mer-öl­ofens hat sich bei mir ein­ge­brannt, wird aber sel­ten aus­ge­löst weil man öl heut­zu­ta­ge ja fast nur noch völl­stän­dig und russ­frei ver­brennt und in sei­nem un­ver­brann­tem ag­gre­gat­zu­stand kaum noch be­geg­net. 


  1. eine fo­to­ga­le­rie des his­to­ri­schen jahr­markts in kor­neli­müns­ter auf com­mons.wi­ki­me­dia.org, die­ses und die­ses und die­ses un die­ses foto tref­fen mei­ne 80er-jah­rer-er­in­ne­run­gen ganz gut. ↑︎

  2. die zelt­la­ger wa­ren sehr li­be­ral und wur­den da­mals vom li­be­ra­len ju­gend­werk aa­chen und hei­ner jütt­ner or­ga­ni­sis­ert. die zelt­la­ger gabs wohl noch län­ger oder gibts ge­ge­be­nen­falls im­mer noch. ich hab, wenn ich mich recht er­in­ne­re, an meh­re­ren zelt­la­gern zwi­schen 1981 und 1986 teil­ge­nom­men und sehr viel über den ver­ant­wor­tungs­vol­len um­gang mit ta­bak und al­ko­hol ge­lernt. ↑︎

→ mit route …