dieser artikel wiederholt vieles was ich gelegentlich schon mal aufgeschrieben habe und ist eher technisch. also für die meisten hier mitlesenden sicherlich uninteressant. ich habe aber trotzdem das bedürfnis gehabt, das alles mal aufzuschreiben, sozusagen als quartalsweise bestandsaufnahme.
wenns ums machen, konstruieren, herstellen geht ist das wichtigste: gute werkzeuge. aber gute werkzeuge sind wiederum nichts wert, wenn man keinen plan hat, wenn man nicht weiss, was man mit den werkzeugen herstellen oder formen will. und zu wissen, was man machen will ist wiederum wenig wert, wenn man keinen blick fürs grosse und ganze, für den kontext hat.
wenn ich an meiner eigenen webseite rumbastel bin ich bauherr, architekt, fachingenieur, bauleiter und handwerker in personalunion. als bauherr formuliere ich anforderungen und ziele, als architekt entwickle ich das gesamtkonzept, sollte aber immer auch den blick aufs grosse und ganze haben, also die webseite, aber auch den kontext (das web). als architekt und fachingenieur sollte ich wissen was gerade state of the art ist und wie man einerseits erprobte techniken anwendet und trotzdem hier und da innovativ sein könnte. als handwerker sollte ich die geeigneten werkzeuge, liebe zum handwerk und sorgfalt mitbringen.
natürlich muss man das alles nicht in personalunion machen, die klassische arbeitsteilung funktioniert weiterhin. aber mir macht gerade das basteln an meiner website als generalunternehmer spass. oder genauer, der spass, die interessanz, steckt gerade im prozess, in der langfristigen interaktion der verschiedenen rollen. ich als bauherr habe ständig neue ideen und anforderungen an die webseite. ich als architekt erfahre ständig von neuen techniken, neuen materialien, effizienteren verfahren. der fachingenieur in mir sieht neue best practices, neue testverfahren, neue normen, der bauleiter entdeckt immer wieder neue begabte handwerker oder möglichkeiten readymades einzusetzen.
ich verstehe menschen gut, die einfach einen ort zum ablenkungsfreien schreiben haben wollen und sich eigentlich um nichts anderes kümmern wollen. aber mich fasziniert das ständiges rumbasteln und ausloten der möglichkeiten.
mir fallen beim schreiben ständig dinge ein, die ich vielleicht haben können wollte. fussnoten, verknüfpungsmöglichkeiten, die mir ermöglichen dinge besser zu strukturieren oder sinnvoll zu verknüpfen. möglichkeiten das geschriebene auch zu illustrieren oder, je nach kontext, auch mal anders zu gestalten. bei wiederkehrenden problemen fällt mir beim schrieben, nach dem hundersten stolpern, plötzlich eine lösung ein. oft schreibe ich beiträge um ein technisches feature das mich fasziniert auszuprobieren.
eine webseite wie eine wohnung zu beschreiben ist gar nicht so weit weg von der realität. was man sich bei der planung ausdenkt, funktioniert im alltag und im verlauf der zeit nicht immer so, wie man es mal geplant hat oder sich vorgestellt hat. egal wie viele steckdosen man eingeplant hat, am ende sind es immer zu wenige oder sie sind dann doch an den falschen stellen. nutzung verändert die anforderungen. und der luxus darauf ständig reagieren zu können ist (für mich) sehr befriedigend.
die to-do-liste bei kottke hat bei mir mehrere saiten klingen lassen. einerseits weil sich ein paar der ideen von ihm mit meinen decken und andererseits weil er hemmungslos grosse und kleine to-dos auf eine liste setzt. und:
some of the projects and site tweaks I most want to make aren’t even on my list. They live only in my head and I mull them over in the shower or while walking until they’re “done” enough to start working on.
egal wie doll ich versuche strukturiert zu planen und aufzuschreiben was ich mit dieser webseite machen will, ein grossteil der ideen will meinen kopf nicht verlassen bevor sie einen gewissen reifegrad erreicht haben. solange schwirren sie zuverlässig in meinem hinterkopf herum.
im folgenden ein paar der dinge die es im letzten jahr aus meinem kopf auf die webseite geschafft haben. danach ein paar dinge die es aus meinem kopf in eine liste geschafft haben.
syndikation
eine dieser ideen oder eher eine der fragen die jahrelang in meinem kopf herumschwirrte war: wie gehe ich mit instagram um? einerseits find ich meta doof und verstehe instagram nicht mehr wirklich, andererseits gibt es dort immer noch einige leute die sich offensichtlich über fotos von mir freuen und sich dort gerne herumtreiben. aber weil instagram in den letzten jahren alle schotten abgedichtet hat und es unmöglich gemacht hat von dort kopien der eigenen posts für die eigene webseite zu ziehen, wurde das posten dort zu einem mühseligen manuellen prozess. bis mir irgenwann einfiel, dass man dort mit einem „pro“-account auch programatisch posten kann. seitdem schiebe ich instagram-posts einfach von meinem kirby-backend per knopfdruck an, kopiere also von hier nach da. damit bleiben erstmal alle metadaten und originale bei mir. instagram bekommt ne kopie.
genauso mache ich es mit grain, fotos oder foto-serien schiebe ich selektiv von wirres.net zu grain. grain ist übrigens einer der wenigen #ATproto-dienste, die mein interesse seit meiner kurzen euphoriephase halten konnten. den ATproto-standard-reader, in dem ich kurzzeitig einen potenziellen nachfolger des google-readers gesehen habe, finde ich nach wie vor interessant, nutze ihn aber kaum noch. auch weil er (noch) so langsam werkelt, dass es die benutzbarkeit und den bedienungsspass stark einschränkt. aber grain ist toll, so wie früher mal instagram war: leute und deren fotos, umgekehrt chronologisch sortiert. fertig.
mittlerweile bekomme ich teilweise bei grain (17 follower) genauso viele ♥️ wie auf instagram (942 follower). fürs gleiche bild. absurd. daran sieht man wie abgefuckt instagram mittlerweile ist.
nicht sichtbares design
roman jasiek schreibt, dass er sich gerne in viele kleine details reinsteigert, „die vermutlich kaum jemand bewusst wahrnimmt“. das geht mir auch so.
zum beispiel ziehe ich anführungszeichen in der ersten zeile einer überschrift oder eines absatzes ein stückchen ein, so dass der text sich nach dem text ausrichtet und nicht nach dem satzzeichen. ich gehe davon aus, dass sowas ausser mir niemand sieht. aber mich macht sowas froh.
silbentrennung mit bedingten trennstrichen (soft hyphens). alle texte werden html-seitig bereits mit ­ an den stellen die trennbar sind ausgeliefert, so dass browser dann (relativ) zuverlässig den text trennen können. das nervt zwar beim kopieren von text, weil die soft-hyphens mitkopiert werden, aber wer mich unbedingt zitieren oder teile meiner texte kopieren will, kann jederzeit auf die markdow-version wechseln.
oder XLS-dateien, mit denen mal xml-dateien gestalten und strukturiert darstellen kann. das OPML-gedöns, das ich von matthias pfefferle übernommen habe, stylt die OPML-XML-dateien zum beispiel mit so einer XLS-datei (beispiel bei matthias oder hier). diese woche bin ich via kottkes-RSS-feed drauf gekommen, dass man das auch mit RSS (oder atom) machen kann. also hab ichs auch gemcht: /feed oder /feed/bilder. später hab ich gesehen, matthias macht das (natürlich) auch: notiz.blog/feed/. wer das rohe xml sehen will kann immer noch den quellcode ansehen. aber eigentlich sieht das alles eh keiner.
endmarken bei spiegel.de und wirres.metendmarken bei spiegel.de und wirres.met
ein like-button kann auch eine endmarke sein. bis ich drauf gekommen bin, dass ich auch das was der spiegel am ende seiner texte macht auch machen kann, sind ungefähr 12 monate vergangen. jetzt bin sehr zufrieden, dass der „like“ button nicht mehr irgendwo rumhängt, sondern seinen platz am textende hat. unsichtbar ist er zwar nicht, aber so obskur, dass er wohl in 90 prozent der fälle ignoriert wird. und jetzt bekommt man auch eine visuelle belohnung, wenn man drauf klickt.
ich habe eine rückseite und artikel-beilagen, weil ich die vorderseite möglichst — nun ja — minimalistisch halten will. ich finde seitenleisten und widgets zwar praktisch, aber eigentlich sind sie auch quatsch, weil das web heutzutage vornehmlich mobil stattfindet und da seitenleisten und widgets nicht auf den bildschirm passen auf taschenrechnern ans seitenende rutschen. ich mag die idee ausschliesslich den eigentlichen beitrag zu zeigen, mit den wichtigsten meta-informationen. da wo ich mich durchgerungen habe zusatzinfos auf den vorderseiten anzuzeigen (kommentare, backlinks, reaktionen-zähler), kann man sie auch zuklappen mit dem ▶, bzw. ▼ — was dann auch im browser gespeichert wird.
auch nicht offensichtlich, also quasi unsichtbar: wenn man auf bilder klickt, geht eine lightbox mit dem bild auf mit der man das bild vergrössern kann, wenn man will. und mit den pfeiltasten (desktop) oder wischend (mobil) kann man dann alle bilder auf der seite durchscrollen, dank prefetching in einem affenzahn. selbst mache ich das gelegentlich sehr gerne auf meiner bilder-übersicht, quasi meinem instagramersatz.
live fotos sind nicht unsichtbar, aber im besten fall sind sie ein foto mit einer subtilen bewegung, so wie hier zum beispiel. bisher habe ich ive-fotos in einem langen manuellen prozess verarbeitet: airdrop des live fotos auf meinen laptop (kommt als .mov an), ein web-optimiertes .mp4 und poster .jpg mit pixelmator und mediaCMS erstellen, mit einem batch-script ein fallback .gif erstellen und dann diese drei dateien im backend hochladen und konfigurieren. nachdem ich diesen prozess über 12 monate optimiert habe, hab ich mir einen kirby-block schreiben lassen, der das alles automatisiert. jetzt muss ich nur noch den geairdroppten .mov hochladen, den rest erledigt kirby serverseits.
optimierungen
pagespeed.web.dev ist von google, aber trotzdem ein unverzichtbares werkzeug. ein paar optimierungsvorschläge schlage ich konsequent in den wind, deshalb der punktabzug bei der barrierefreiheit und im mobilen bereich. aber wenn ich an der webseite rumfummel, schleichen sich unweigerlich gelegentlich fehler ein. vieles davon entdecke ich dann mit hilfe der PageSpeed Insights. das werkzeug hält mich quasi auf dem stand der aktuellen best practices. die optimierungen die aus solchen besuchen resultieren kommen auch nicht nur google zugute, sondern jedem besuchenden, sei es eine maschine oder ein mensch.
auch das habe ich schon öfter geschrieben, aber es ist und bleibt eins meiner lieblingsthemen: optimierung auf maschinenlesbarkeit. auch hier ist meine motivation nicht primär eine optimierung für google, sondern eben für alle. wer eins meiner rezepte in eine rezeptverwaltung wirft, sollte ein gutes resultat bekommen. wer will kann die rezepte sogar in melaabonnieren. bing, kagi, perplexity können alle auf die strukturierten daten zugreifen die ich hier an meine beiträge hänge. aber soweit ich das mitbekomme, macht derzeit eigentlich nur google davon gebrauch. ich mag was dabei teilweise rauskommt.
zur optimierung gehört auch darauf zu achten, dass die seite auch ohne css und js funktioniert. das kontrolliere ich auch gelegentlich und versuche die gröbsten fehler wegzuoptimieren, wenn ich welche finde. das würdevolle kaputtgehen oder in webdev-sprech: „graceful degradation“ ist eine der wichtigsten lektionen aus meinem architekturstudium und dem rumwüten in webdesgn-sphären. auch in meiner schreiner ausbildung versuchte ich so zu bauen, dass meine arbeiten auch nach einem einen schlag mit nem hammer noch gut aussehen. mauerwerk altert würdiger als vorhangfassaden, ein massivholztisch würdiger als ein spanplatten-tisch mit dünnen, aufgeleimten furnierkanten. die liste kann man unendlich weiterführen: putz / tapete, geöltes holz / lackiertes holz, parkett / laminat, terrazzo / laminat, verschraubt / verklebt, …
css optimieren, verschlanken und pflegeleichter machen
eine idee, die ich auf einem der letzten spaziergänge hatte: bookmarkvorschläge per webmention annehmen. auf indiewebnews kann man einen link zur eigenen seite posten, indem man erstens auf indiewebnews linkt und zweitens einen u-syndication-link anlegt. wenn man dann einen webmention sendet, landet ein link auf die eigene seite auf indiewebnews. so könnten mir auch andere ins-internet-schreibende links in die lesezeichensammlung legen.
diese markdown checklisten (* [ ]) im frontend korrekt rendern.
ein buch schreiben
mehr bücher lesen
ein strukturiertes, regelmässiges changelog schreiben
ein manifest schreiben, in dem alle features dieser webseite generisch beschrieben sind und nach dem man diese webseite feature-complete nachbauen könnte. würde wahrscheinlich hunderte seiten lang werden und werde ich nie machen. aber ich hätte so ein manifest gerne für mein altes wirres.net gehabt, dass ich vor anderthalb jahren nach kirby migrierte. es hat mich immer wieder selbst erstaunt wie viele unsichtbare und sichtbare features ich da über die jahre eingebaut hatte. und ich habe nach anderthalb jahren immer noch nicht alles rekonstruiert.
die strecke von hangelsberg nach fürstenwalde hab ich rausgesucht, weil sie nicht zu lang ist (14 kilometer) und man von fürstenwalde mit der bahn zurück nach hangelsberg fahren kann. wir sind dann zwar mit dem bus gefahren, aber das klappte genauso gut. die anfahrt haben wir mit dem auto gemacht, weil das nur 50 minuten dauerte und mit den öffentlichen zwei stunden gedauert hätte.
die tour sollte 14 kilometer lang sein und drei stunden dauern, wir haben das mit zwei pausen dann auch tatsächlich in 3 stunden geschafft.
die GPX-route von hier ist ziemlich veraltet und hat uns einmal in eine sackgasse geleitet. auch von dem fast durchgehenden fahrradweg zwischen hangelsberg und fürstenwalde wusste die GPX-route nichts. trotzdem, die strecke war nicht kompliziert, im prinzip immer an der müggelspree und später an der fürstenwaldspree entlang. besonders anspruchsvoll war die strecke auch nicht, aber teilweise sehr schön. seen gabs keine, aber die müggel- und fürstenwalde-spree waren auch schön und teilweise seen-artig.
einerseits schön, andererseits ein bisschen anstrengend war, dass der ziemlich neue fahrradweg zwischen hangelsberg und fürstenwalde oft auch gleichzeitig der 66 seen wanderweg war. trotzdem hat das auch gut mit dem hund geklappt. bei einer hundebegegnung wurde es kurz ein bisschen laut, einer von zwei hunden kam bellend auf uns zu und das frauchen schrie unablässig um ihn zurückzurufen. er war aber beschäftigt einen komischen alten mann (mich) mit einem noch komischeren kleinen hund (frida) zu vertreiben und konnte deshalb nicht zurück zur besitzerin laufen. ich hab ihn dann langsam aber sicher (mit abstand) doch wieder in richtung seiner besitzerin gedrückt. währenddessen blieb frida ruhig und vorbildlich hinter mir und liess mich die situation regeln.
die zweite und dritte hundebegegung erinnerte mich an die geschichte vom igel und dem hasen. ein päärchen mit je einem hund an der leine kam uns auf dem weg zweimal (!) entgegen. wir hatten wirklich ein gutes tempo1 drauf und ich kann mir, obwohl wir zwischendurch eine 20-minütige pause gemacht haben, nicht wirklich erklären wie die das gemacht haben.
die 14 kilometer haben wir gut weggesteckt, frida hatte einen stetigen und entspannten vorwärtsdrang. das entspannen fiel ihr witzigerweise bei der pause schwer. einmal unterwegs läuft und läuft und läuft sie und ich glaube ich/wir können auch eine längere wanderung als 14 kilometer mit ihr wagen. allerdings war sie nach der wanderung schon sehr müde und schläft und schläft und schläft.
der durchschnittspace über die ganze strecke war 10'25"/km, also fast 6 km/h (obwohl ständiges fotografieren und diese eine hundebegegnung den pace natürlich leicht ruiniert haben). ↑︎
technisch gesehen waren es drei dinge die anfang der zweitausenderjahre für das blogdings entscheidend wichtig waren: der permalinks, RSS und blogrollen. man konnte, damals wie heute, einfach auf einer handgeklöppelten webseite in internet schreiben, aber mit den anfang der 2000er aufkommenden content managmentsstemen wie wordpress (oder seinem vorgänger b2), mit movable type oder textpattern, wurde das ganze etwas einfacher und man konnte beiträge einfach mit permanenten links veröffentlichen, die dann auch noch automatisch in ein archiv eingeordnet wurden oder sich verschlagworten liessen. man konnte sich damit aufs schreiben konzentrieren, der organisatorische kram liess sich weitgehend automatisieren.
anke gröners blog hatte legendärerweise bis ende 2004 keine permalinks (so sah das aus). als sie das im november 2004 umbaute, freute ich mich, weil man dann endlich einzelne beiträge von anke verlinken und sich darauf beziehen konnte. mit permalinks konnte man einzelne beiträge empfehlen, kommentieren oder ergänzen. als leser konnte man sich so von beitrag zu beitrag und von blog zu blog hangeln. und wenn einem ein beitrag gefiel, abonnierte man das blog in seinem RSS-reader. serentipität nannte man das damals auch.
weiteren stoff für den RSS-reader fand man in den seitenleisten von blogs. listen mit blogs, die der autor oder die autorin des blogs empfahl oder selbst gerne las. diese blogrollen, die serentipität, das von einer empfehlung zur nächsten hüpfen und die abonnierbarkeit von blogs reichten aus, um aus webseiten ein soziales netz zu machen. man las sich und lernte andere zuerst durch das geschriebene wort und später auch durch durch treffen in der fleischwelt kennen, 2005 zum beispiel, auf der blogmich-party oder 2007 auf der ersten republica.
aber blogs waren nicht der einzige weg soziale netze im web aufzuspannen. foren funktionierten unter umständen genauso. legendär ist da zum beispiel das höfliche paparazzi-forum, bei dem es auch hier und da überschneidungen zur blog-sphäre gab. in der zeit zwischen ungefähr 2001 und 2007 kamen viele dinge zusammen, die das internet zu einem ort der sozialen vernetzung machten. die technik, wie frei verfügbare content managment systeme oder gehostete blogdienste wie antville, blogger.com und später blogger.de, die ins internet schreiben für viele einfach(er) machten. permalinks und blogrollen, die querverweise, verbindungen und empfehlungspipelines zum entlangsurfen bildeten und später von blog- und tag-suchdiensten wie technorati verstärkt wurden, mit denen dann blogs mit damals ziemlich offnen plattformen wie del.icio.us ode flickr verzahnt werden konnten.
bloggertreffen wie die blogmich-party oder die futura-bold-veranstaltungen von spreeblick (und ab 2007 die republica), stärkten diese bindungen zwischen leuten, die sachen im internet machten (und in berlin wohnten), dann weiter.
der witz war damals, dass das alles selbstorganisierend war. mit ein paar, auf den ersten blick obskuren und unverständlichen technologien wie permalinks, RSS/XML, linklisten/blogrolls, tags/schlagworten und gelegentlichen veranstaltungen, bildeten sich echte, dauerhafte soziale beziehungen. aufkommende plattformen unterstützten das und verstärkten diese netzwerkeffekte. ich glaube ein weiterer meilenstein war 2005 der google reader. er machte es nochmal einfacher blogs, über die man stolperte oder die man mochte, zu verfolgen. technorati half beiträge und blogs über themen zu finden.
aber der kern des ganzen waren empfehlungen. wenn ich A mag und A mir B empfiehlt, kann ich davon ausgehen, das ich B auch mag. und weil links zu anderen blogs oft in textwüsten verborgen blieben, waren blogrollen sozusagen der schnellzugang zu diesen empfehlungen.
Die „Blogroll“ enthält Verweise auf andere Weblogs, meist als Leseempfehlungen oder Listen befreundeter oder regelmäßig gelesener Autoren. Da die Blogroll in der Regel permanent auf der Startseite eines Weblogs sichtbar ist, besitzen diese Relationen einen stärkeren Stellenwert gegenüber den vergleichsweise flüchtigen Verweisen in Einzelbeiträgen, die nach einer gewissen Zeit von der Startseite verschwinden und nur noch im Archiv aufzufinden sind
Since the earliest blogs were published, blogrolls helped readers discover new blogs. Each blogger could promote the blogs they follow by listing them somewhere on their site (their blogroll). Readers could discover these suggestions as they browsed, helping them explore the blogosphere. A blogroll could be as simple as a list of hyperlinks, although recent tooling has become more advanced.
und dieses „more advanced recent tooling“ ist genau das, was ich gerade sehr spannend finde. so wie es damals, anfang der 2000er eine grosse erleichterung war, dass content managment systeme die texte, die ich ins internet schreiben wollte, automatisch in archivierbare, permanentverlinkte einzelbeiträge arrangieren konnten und ich bei einer aktualisierung nicht alles neu in html stricken musste, gibt es jetzt tools die mir die pflege, das anzeigen und die portabilität meiner leseempfehlungen erleichtern.
frank westpfahl von rivva stiess uns/mich vor ein paar wochen auf die neuen möglichkeiten für sowas, als er auf das (wordpress) blogroll-plugin von matthias pfefferle hinwies.
A blogroll is a list of the sites you read, put on your own site so other people can find them. This plugin adds one block for that. You collect the links, the block renders them on your page, and visitors can take the whole list with them into their feed reader.
also mit anderen worten: so wie bisher einfach eine liste mit empfehlungen anlegen, nur dass die liste zusätzlich noch etwas angereichert wird mit einem icon, links zum feed und das ganze von anderen (mit ein bisschen RSS/OPML/XML-magie) einfach in ihren RSS-reader mitgenommen werden kann. ich hab das schnell nachgebaut für mein kirby und spiele seitdem begeistert damit rum.
durch den artikel von robert alexander hab ich dann gesehen, dass die grundidee vom gleichen menschen, wie die grundidee von RSS (und podcasts) kam: dave winer hat das vorgeschlagen und sein dienst feedland macht das schon einen ganze weile so: man kann sich dort anmelden und entweder eine eigene liste von blogs anlegen die man gerne liest, die liste aus seinem feedreader importieren oder aus den blogrolls von anderen kopieren.
der vorteil von dieser formalisierten, strukturierten oder eben maschinenlesbaren liste ist, dass leichter zu pflegen ist und ich selbst und andere auch gleich sehen können, was aus den abos rauskommt. ich sehe also, wenn ich will, nicht nur eine empfehlungsliste, sondern auch gleich was drinsteckt, umgekehrt chronologisch geordnet.
die qualität oder der nutzen eine blogrolle hängt natürlich nicht an der maschinenlesbarkeit, aber diese maschinenlesbarkeit und portabilität öffnet viele neue, wie ich finde, spannende möglichkeiten.
man könnte visualisieren, wie blogs zusammenhängen, man könnte feeds abonnieren, die einem nicht nur neue beiträge in den feedreader spülen, sondern auch neue blogempfehlungen. oder man könnte thematische blogrollen-pakete schnüren. oder seinen feedreader zum bersten füllen.
aber das entscheidenste ist, blogrollen könnten genauso wie gute blogs funktionieren die man gerne liest: sie können überraschen, erfreuen, nachdenklich machen, einem fremde welten erschliessen und weiterempfohlen werden.
Früher™ war bloggen eine Tätigkeit, die sich in mindestens zwei Bereiche aufteilte: Blog schreiben und andere Blogs lesen. Dazu nutze man seinen Feedreader, wo die Liste der regelmäßig gelesenen anderen Blogs zu finden war und das war und ist die Blogroll.
Was ich bei den anderen aber vor allem mag, und ich auch machen moechte, sind die kurzen Beschreibungen zu jedem Blog. Die sind naemlich individuell, die machen eine Blogroll persoenlich.
Mir geht es um die Lüge von der Intelligenz. Gut raten, welches Wort als nächstes in einen Satz gehört scheint zu reichen, um das auszuüben, was ich mir mehr oder weniger autodidaktisch als Beruf beigebracht habe, das überrascht mich jetzt nicht mal wirklich. Aber das ist keine Intelligenz.
Das wäre kein Problem, wenn dieser Irrglaube, wir hätten es hier mit Intelligenz zu tun, nicht gerade dazu führen würde, das alles wa[s] wirkliche Intelligenz ausmacht, abgewertet wird.
nico redet hier — natürlich — über sogenannte künstliche Intelligenz, KIs, LLMs.
das lese ich seit vielen jahren immer wieder, allüberall, die betonung, dass das was LLMs, oder die large language models, die wir in der alltagssprache meist als künstliche intelligenzen bezeichnen, eben keine intelligenz sind, sondern nur dinger die worte aneinander reihen die irgendwelche wahrscheinlichkeiten erfüllen, also im prinzip nur autovervollständiger sind.
AI isn’t “artificial” and it’s not “intelligent.” “Machine learning” doesn't learn. On this week’s Trashfuture podcast, they made an excellent (and profane and hilarious) case that ChatGPT is best understood as a sophisticated form of autocomplete – not our new robot overlord.
ich bin kein philosoph und nicht besonders gut im tiefen nachdenken, weshalb ich mich hüte solchen behauptungen zu widersprechen. was mir aber fehlt, ist eine definition was intelligenz denn nun eigentlich ist. was macht „wirkliche Intelligenz“ aus?
die beste arbeitshypothese dazu hat mir hoimar von ditfurth von 40 jahren in den kopf gesetzt. releativ weit vorne in seinem buch „im anfang war der wasserstoff“ schreibt er:
[…] Geist und Verstand [sind] offensichtlich nicht erst mit uns Menschen in diese Welt hineingekommen […]. Diese Einsicht ist, wie mir scheint, eine der wichtigsten Lehren, die wir aus den Ergebnissen der modernen Naturwissenschaft ziehen können. Zielstrebigkeit und Anpassung, Lernen und Probieren, den schöpferischen Einfall ebenso wie Gedächtnis und Phantasie, das alles gab es, wie ich in diesem Buch im einzelnen zu zeigen versuchen werde, schon lange, bevor es Gehirne gab. Wir müssen umlernen: Intelligenz gibt es nicht deshalb, weil die Natur es fertigbrachte, Gehirne zu entwickeln, die das Phänomen »Intelligenz« am Ende einer langen Entwicklungsreihe schließlich ermöglicht hätten. […] Die Natur hat nur deshalb nicht bloß Leben, sondern schließlich auch Gehirne und zuletzt unser menschliches Bewußtsein hervorbringen können, weil es Geist, Phantasie und Zielstrebigkeit in dieser Welt schon immer gegeben hat, vom ersten Augenblick ihres Bestehens an.
sein argument ist, grob verkürzt, dass die evolution, die natur, leistungen produziert, die im prinzip wie intelligentes problemlösen aussehen — ohne ein planendes subjekt. beispiele die er nennt sind tarnung, evolutionäre anpassungsfähigkeit oder antibiotikaresitenz. einfache regeln in komplexen systemen, wie bei bienen- oder ameisenvölkern, mutation und selektion erwecken „den Eindruck von Lernfähigkeit und intelligentem Verhalten“.
Klammert man sich nicht mehr daran, daß eine intelligente Reaktion nur dann intelligent genannt werden darf, wenn es die Reaktion eines Individuums ist, nicht dagegen, wenn es sich um die Reaktion einer Art handelt, dann bestehen keine Schwierigkeiten, sich die isolierte Entstehung einzelner Leistungen vorzustellen, die in ihrer Gesamtheit dann an einem sehr viel späteren Punkt der Entwicklung, durch individuelle Gehirne zusammengefaßt, den Beginn der »psychischen« Entwicklungsstufe markieren.
Hier zeichnet sich folglich die Möglichkeit ab, das Gehirn zu begreifen als ein Organ, dessen eigentliche Leistung unter einem evolutionistischen Aspekt darin zu sehen sein könnte, daß es bestimmte Reaktionsmöglichkeiten, die unabhängig voneinander entstanden sind und fertig vorliegen, zu einem geschlossenen, individuellen Verhaltensrepertoire integriert.
platt gesagt, habe ich hoimar von ditfurth damals wie heute so verstanden, dass der geist, die fähigkeit zur intelligenten reaktionen auf die welt, einfach da ist, im universum oder den naturgesetzen steckt und sich im Laufe der evolution in immer komplexeren formen und irgendwie, irgendwann auch in unseren gehirnen manifestieren konnte.
hoimar von ditfurth kann man zum glück nicht nachsagen, er sei dem hype aufgesessen oder anthromorphisiere das universum. im gegenteil, er ermahnte uns bereits 1972 dazu, intelligenz nicht zu einer exklusiv menschlichen fähigkeit zu machen und ihre existenz nicht an gehirne oder ein individuelles bewusstsein zu knüpfen.
oder kurz gesagt: sätze wie
das ist keine Intelligenz
oder
AI is […] not “intelligent.”
scheinen mir einen erstaunlich geringen erkenntniswert zu haben, solange ungeklärt ist, wtf intelligenz eigentlich sein soll.
jonas ussing hat in den letzten zwei jahren sechs videos veröffentlicht, in denen er gegen den marketing-mythos der modernen film industrie argumentiert, dass filme ohne computer generierte effekte (CGI) etwas gutes seien. sein hauptargument ist auch der titel seiner reihe:
fast immer wenn beim marketing eines film behauptet wird, alles sei echt, alle stunts und effekte seinen „praktisch“ (practical) gefilmt und nicht am computer generiert, stimmt das immer nur so halb. stundenlang seziert jonas ussing in seinen videos solche behauptungen von practical effects. ich habe die filme von jonas ussing imemr wieder hier empfohlen und tue das nach wie vor.
ich habe mir den titel von jonas ussings video-reihe mal geborgt, weil ich glaube, dass bei „CGI“ und „AI“ oder „KI“ die gleichen effekte wirken.
zum einen wirkt marketing nur, wenn es auf fruchtbaren boden fallen kann. die behauptung: „kein CGI in diesem film“ wird ja nur deshalb gemacht, weil sie ein qualitätsversprechen ist, das einen wunsch des publikums abbildet. dass sich das versprechen dann bei genauerer betrachtung als kleine lüge herausstellt ist nicht schlimm, solange das CGI-gedöns unsichtbar, unmerklich bleibt.
auch die härtesten kritiker von KI haben keine oder kaum probleme mit dem, was unserere taschenrechnerkameras (smartphonekameras) seit vielen jahren produzieren: bilder die nicht mehr einfach das abbilden was linsen und sensoren eingefangen haben, sondern bilder die eine algorithmisch rekonstruierte interpretation der fotografierten szene sind. moderne taschenrechnerkameras rekonstruieren aus messdaten ein bild, das darauf optimiert wird unserere erwartung zu entsprechen, wie die welt aussieht.
bereits 2018, mit dem iphone XR, sprach apple davon, dass die bildverarbeitungspipeline auch die hilfe einer neural engine in anspruch nähme.
in unseren taschenrechnern werkelt also seit fast 10 jahren KI (machine learning) an unserern bildern rum. aber das stört uns nicht, weil das was rauskommt, genau unseren erwartungen entspricht und damit quasi unsichtbar ist.
The AI backlash was not caused by scary warnings about the future from tech CEOs, or the fact that OpenAI and Anthropic have not yet cured cancer. It’s about the ways AI is already starting to change society, which many Americans fear is for the worse.
oder mit anderen worten, der gegenwind, den KI nicht nur in den USA, sondern auch hier erfährt, liegt nicht nur daran dass KI-slop die medien verstopft oder KI-firmen die tolle zukunft, die uns KI bringen soll, nicht gut genug kommunizieren, sondern auch daran das wir jetzt schon beobachten können, wie diese technologie vertrauen erodiert, gesellschaftliche konflikte schürt und unsicherheit säät — so wie jede neue technologie die gesellschaft, geschäftsmodelle, lebensweisen verändert.
allerdings erscheinen die veränderungen die KI verursacht im unterschied zu vorherigen disruptionen durch technologiewandel, offenbar selbst hartgesottenen technologiefans und nerds unheimlich und unberechenbar. mir auch.
während das internet auch auf heftigen widerstand bei der gesellschaftlichen adoption traf, schienen immer irgendwie die vorteile zu überwiegen, auch wenn das internet die gesellschaft und die wirtschaft an vielen stellen auf den kopf stellte.
bei KI summieren sich die vor- und nachteile offenbar mehr und mehr zu einer negativen summe. und dagegen scheinen KI-firmen weder mit PR-kampagnen, noch mit immer blumigeren versprechen anzukommen.
das unbehagen, was viele menschen gegenüber KI haben, gleicht dem unbehagenm das viele menschen gegenüber donald trump haben. plötzlich ist da etwas, das an wichtigen schaltstellen der welt sitzt, das enorme macht und wirkmächtigkeit hat, aber gleichzeitug auch schlampig, verlogen, geschichtsvergessen arbeitet — und keinen geschmack und anstand hat. trump und KI machen uns auch deshalb angst, weil es so viele menschen gibt, die ihnen vertrauen oder sich vorteile von ihnen erhoffen und sie in machtvolle oder potenziell allmächtige positionen heben. wir beobachten trump und KI beim dilettieren und dass sie sich kaum einhegen oder kontrollieren lassen.
Jep. Ich setze KI ein. […] KI als Lektor. […] KI zum Ausloten von Optionen. Ja, ich liess manchmal KI Entwuerfe auf Basis meiner Ideen schreiben, um Richtungen auszuloten. Natuerlich habe ich danach diese Rohmasse redigiert, neugeschrieben, oder verworfen. Manchmal kam ich auch mit einem Problem zum LLM, und wir haben besprochen, welche Loesungen es geben kann.
aus meiner sicht ist eine solche nutzung von KI genauso legitim, wie eine bildverarbeitungspipeline in einem taschenrechner, so wie CGI kein CGI ist, so lange es unsichtbar bleibt. oder besser, solange das anthropomorphe, das menschliche, das handgedachte sichtbar und klar erkennbar bleibt.
andererseits ist es genauso legitim über so eine arbeitsweise zu denken: „Das ist mir zu viel KI.“
Text ist und war schon immer ein Gewebe eigener und fremder Gedanken und Worte, geformt durch nicht-simplizistische Prozesse und Werkzeuge. Im Weinberg des Textes und so …
… aber … [mit KI] sinkt der Wert aller Texte, automatisch. Egal, wie viel oder wenig. Text fällt im Wert und Text gerät unter Generalverdacht und wird es fortan bleiben.
im prinzip gehts wieder um die wurst. einerseits in dem sinn, dass wir als gesellschaft wieder wege finden müssen die verwerfungen der technologie so zu navigieren, dass wir unsere gesellschaften zusammenhalten können und vor dem auseinanderbrechen bewahren können. gesellschaftliche krisen die durch technologiewandel ausgelöst wurden, haben wir in der jüngeren geschichte ja schon öfter — mehr oder weniger erfolgreich — navigiert.
aber andererseits gehts auch um die herstellung der wurst. ich zitiere alle paarmonate dieses zitat von teller:
Sometimes, magic is just someone spending more time on something than anyone else might reasonably expect.
wenn wir wieder „handdenken“ (wortschöpfung: dvg), mehr arbeit in texte stecken als sich irgendwer vorstellen kann, haben wir vielleicht die chance den wert von text wieder zu steigern — auch wenn der generalverdacht bleiben wird.
text und andere kreative gewerke haben noch chancen, wenn der herstellungsprozess genau so sichtbar gemacht wird, wie es filmstudios gelegentlich in ihrem marketing versuchen, wenn sie behaupten ein film enthalte (angeblich) „no cgi“.
wer wurst herstellt und dafür konsumenten finden will, wird künftig möglicherweise nicht mehr umhin kommen, den herstellungsprozess so transparent wie nur möglich darzustellen. das heisst aber auch, ein einfaches label „no AI“ / „keine KI“ wird nicht reichen, da muss auch ganz viel differenziert werden. einfache label werden nicht reichen. harte und viel kreative hand- und denk-arbeit allein auch nicht.
so wie jonas ussing mit viel mühe über 6 videos hinweg die behauptung „no CGI“ als kleine oder grosse lüge entlarvt hat, werden auch label wie „no AI“ oder „keine KI“ nie die ganze wahrheit über die herstellung kreativer arbeit ehrlich abbilden. es ist immer komplizierter als man denkt. so wie „made in germany“, „selbstgebackenes brot“ oder „ohne konservierungsstoffe“ auch immer nur einen teil der geschichte erzählen.
vielleicht sollten wir uns statt auf labeling, eher darauf konzentrieren unserer KI-nutzung in bessere worte zu fassen? eine sprache dafür finden, um zu beschreiben wie wir arbeiten. vielleicht lohnt es sich darüber zu reflektieren, was wir von kunst, text und kultur eigentlich genau erwarten, was uns eigentlich wichtig ist? was wir eigentlich wollen? wo die grenzen verlaufen, wo wir die pflöcke einschlagen?
schön und lesenswert in diesem zusammenhang:
dieses foto von julius shulman kennt jeder architekturstudent. mich hat es während meines architekturstudiums zu feuchten träumen über sichtachsen und minimalistisches design inspiriert. an diesem foto stimmt konzeptionell alles und es fängt eine stimmung ein, die schwer zu beschreiben ist, die aber jeder versteht, sobald man das foto sieht. ganz ähnlich dem bild von edward hopper.
ich wusste, dass das haus am hang der hollywood-hills vom architekten pierre koenig gebaut wurde und dass es mindestens 21 weitere case study houses gibt.
was ich nicht wusste, war, dass die bauherren, die familie stahl, schon vor pierre koenig eine ziemlich genaue vorstellung vom haus hatten. das steht zwar auch so in der wikipedia …
Stahl provided the inspiration for the overall structure, setting out his ideas by mid-1956 in a model of the house he wanted for the site. Unlike the house as built, the model has a curved rear wall and butterfly roof. […]
Koenig adhered to the basic attributes of Stahl's concept but refined the design into something much more rigorous, geometric and 'pure' in its form and materials—in essence adapting it to his own vocabulary.
… aber dieses video erklärt die geschichte des hauses sehr bildlich. die kinder der stahls erzählen davon wie ihre eltern das haus planten, bauten und wie die familie darin lebte und wie das haus jetzt der öffentlichkeit zugänglich ist. eine grossartige kleine dokumentation, die nicht nur für architekturinteressierte interessant ist.
momentan wird allüberall dieser artikel von katie baker empfohlen, in dem es um die tiefgreifenden veränderungen der google-suche in richtung KI-antworten geht und wie sehr websites die sich auf suchmaschinentraffic verlassen haben und dafür optimiert haben, darunter leiden.
Last month, Bouliane was one of the guests on an NPR segment about the changes to Google; he told the hosts that his traffic was down 75 percent since AI Overviews was launched in 2024. Another guest, Amanda Natividad of SparkToro, offered a sobering stat (well, unless you’re a product manager at Google) about “zero-click” rates these days. “Sixty-eight percent of all U.S. Google searches end without a click,” she said—meaning that users get what they need directly in the search page (or just get distracted, I guess) without having to visit any outside sites. That’s an increase from 45 percent a decade ago. Another grim figure, per The Telegraph: While appearing first in Google search results used to mean getting a click 27 percent of the time, that number drops to 11 percent when there’s an AI Overview up top.
ich habe mir mal meine matomo zahlen angesehen. matomo nutze ich seit 2010 (damals noch als piwik). google hatte mindestens ein jahrzehnt den ruf sehr blogaffin zu sein. google mochte damals seiten die regelmässig aktiualisiert wurden und lebendig erschienen. ich kann mich an zeiten erinnern, zu denen beiträge von mir 2 minuten nach der veröffentlichung bereits in sucherergebnisseiten auftauchten.
mit dem einzug von frida bei uns vor sechs jahren und technischen problemen mit meinem uralt-CMS liess meine postingfrequenz stark nach und ich verlor google’s gunst.
seit ich im april 2025 diese website neugestartet habe, habe ich mich in der gunst von google langsam wieder hochgearbeitet. im juni 2025 schickte mir google um die zwei besucher pro tag vorbei. mittlerweile sind es so um die 60 besucher täglich. aktuell zeigt matomo 7000 besucher die mir google dieses jahr bereits geschickt hat. hochgerechnet dürften das mindestens 12.000 besucher dieses jahr werden. damit bin ich fast wieder auf dem niveau der jahre 2013 bis 2018.
ein grosser anteil der referer kommen über rezeptsuchen. obwohl auch rezeptseiten-betreiber laut katie baker über rückgängige zahlen klagen, scheint google rezeptsuchende weiterhin sehr gerne zu rezepten im web zu schicken, bzw. rezeptseiten nach wie vor mit sehr vielen besuchern zu „belohnen“. ich bin da nicht allein.
die frage die im raum steht, ob google das „offene netz“ zerstöre, wird jetzt oft gestellt. ich bin mir da nicht so sicher. früher™ war keinesfalls alles besser. aggressive suchmaschinenoptimierung hat bei mir regelmässig sehr viel mehr negative emotionen ausgelöst, als das was google da gerade veranstaltet. und: mir ist es ehrlichgesagt egal ob google besucher für ein rezept hierher schickt oder das rezept (mit ordentlicher quellenangabe) auf der suchergebnisseite anzeigt.
ich gebe mir grosse mühe rezepte die ich hier veröffentliche gut zugänglich, lesbar oder zum beispiel in rezept-apps exportierbar zu machen. wenig macht mich so aggressiv wie rezeptseiten im web, auf denen man erstmal drei banner wegklicken muss und dann sechs kilometer scrollen muss, um ans rezept zu kommen. rezepte sind zum kopieren, sammeln, weitergeben, empfehlen und vor allem wiederfinden da. das wiederfinden ist der grund, warum ich rezepte anfangs überhaupt ins internet schrob: um die guten sachen schnell wiederzufinden. mittlerweile finde ich alles in mela1, weil ich da alles reinspeichere und mela gleichzeitig auch als reader-app nutzen kann um das ganze brimborium auf rezeptseiten auszublenden.
ganz am ende von katie bakers artikel schreibt sie:
Back in 2000, four years before Google’s IPO, cofounder Larry Page mused in an interview that “artificial intelligence would be the ultimate version of Google.” In his vision, “It would understand everything on the web. It would understand exactly what you wanted, and it would give you the right thing.” Google Search as we thought we knew it feels broken, now that they’ve gone and changed the formula. But maybe all this time it’s been rounding into its final form, just as the elders foresaw.
ich erinner mich noch wie ich in den frühen 2000ern mal mit mario sixtus über marissa mayer plauderte, googles angestellte nummer 20. die hatte sich im studium unter anderem auf künstliche intelligenz spezialisiert. das heisst auch, dass google im prinzip seit 20, 25 jahren das web mit KI aufbereitet hat. vor dem aufkommen von large language models waren das noch andere KI-geschmacksrichtungen, aber überraschend ist die entwicklung von google zur heutigen KI-lastigen ausprägung nicht wirklich.
was auch klar ist: google kommt den vorlieben der menschen, die google benutzen, entgegen. so richtig verabscheuen scheinen die nutzenden die KI-vorschauen in der google suche nicht. sollten google messen, dass die anzahl der nutzenden abnimmt, würden sie wahrscheinlich sehr schnell gegensteuern.
trotzdem habe ich mir vorgenommen jetzt für eine weile mal eine andere standard-suchmaschine zu nutzen. kagi.com ist ja vielgelobt und auch wenn mein erster eindruck nicht berauschend2 ist, will ich das mal ausprobieren.
wer will kann meine rezepte auch als RSS in mela abonnieren (feed) ↑︎
kagi.com hat wirres.net nach eigenen angaben zuletzt 2008 indexiert zeigt verwirrende kalenderdaten neben den suchergebnissen an. ↑︎
beim bildblog wies lorenz meyer heute auf dieses 40 minuten lange video hin. das video ist über synchronsprecher und wie sie sich von KI bedroht fühlen.
ich habe mich durch das ganze video gequält und kann es nicht empfehlen. aber wenn ich über das video schreibe, dachte ich, muss ich da durch.
ich bin kein fan von synchronisation, im gegenteil. ich vermeide so gut ich kann. in den letzten 20 jahren ist mir das dank des technischen fortschritts auch ganz gut gelungen. die ersten 30 jahre meines lebens war ich der synchronisation von filmen und fernsehserien hilflos und alternativlos ausgeliefert. jeder film, jede fernsehserie wurde konsequent mit deutschen stimmen überbügelt.
serienauswahl in meiner DVDthek um das jahr 2007 herum
mit dem aufkommen der DVD wurden originalversionen leichter zugänglich. wenn ich mich recht erinnere, wandelten sich videotheken so um 2003 bis 2005 langsam aber sicher zu DVDtheken und mit DVDs hatte ich endlich eine wahl mir filme und serien auch endlich im original anzuschauen.
auf eine art bin ich den 30 jahren zwangssynchronisation dankbar. alles was ich in den ersten 30 jahren an medien konsumiert habe, kann ich jetzt nochmal völlig neu im original entdecken. vor einem jahr hab ich mir alle folgen der muppet show angesehen, davor magnum PI. vor 15 jahren war ich erstaunt darüber was für eine weiche, ernste, sympathische stimme eddie murphy hat und dass er eben kein affiger schreihals ist.
im video oben machen einige deutsche synchronsprecher darauf aufmerksam, dass das was sie tun kunst sei. dem möchte ich nicht widersprechen, aber diese kunst ist eine kunst mit der ich nichts zu tun haben will. so wie ich nicht auf ein auf ein death metal konzert gehen möchte oder in die oper. ich habe nichts dagegen wenn synchronsprecher ihrer kunst nachgehen, solange sie mich mit ihrer kunst in ruhe lassen. da sie mich 30 jahre meines lebens nicht in ruhe damit gelassen haben, habe ich in dieser zeit — und danach — allerdings ein emotionales meinungsbild über diese kunst entwickelt. kurz gesagt: ich ertrage diese stimmen nicht, weil sie so glatt und gleichzeitig überzeichnet, gestelzt und aufgetragen sind. kein mensch auf der welt redet so, wie synchronsprecher reden. ich denke im kunstkontext ist das auch OK, niemand singt so wie opernsingende singen, niemand malt so wie malerinnen malen, niemand tanzt so wie ballettänzerinnen tanzen.
der witz ist: als ich vor einer weile mal testweise die stimme der chatgpt-app aktiviert habe, dachte ich sofort an synchronsprecher: viel zu viel pathos, emotion, mühe. alles etwas zu doll aufgedreht und eine durchgängige nuschel-phobie.
im video sagt peter flechtner, der unter anderem ben affleck synchronisiert, an einer stelle:
ich glaube die leute werden irgendwann auch genervt sein wieder von den ki stimmen.
das glaube ich auch, aber ich glaube auch das viele leute von den synchronstimmen genervt sind. bestimmt nicht alle, im gegenteil, ganz offensichtlich mögen die viele auch, aber ich fand es frappierend wie in dem video die ganze zeit darauf hingewiesen wird wie scheisse und parasitär KI ist, aber kaum darüber geredet wird, dass synchronisierung das original verzerrt und uminterpretiert. ich vermute, dass viele filmemacher synchronisation ihrer werke nur wegen knebelvertriebsverträgen zulassen. ich kann mir zumindest nicht vorstellen, dass jemand der jahrelang für einen directors cut kämpft es toll findet, wenn das werk dann nochmal von synchronstudios neu interpretiert wird.
hollywoodschauspieler sind offenbar zu professionell um sich on the record negativ über synchronisation auszulassen. jodie foster hat in einem interview mal darauf hingewiesen, dass sie sich selbst in französisch synchronisiert. das sei ein schwieriger, anstrengender job.
So, I wish more actors could do it, but I got to tell you it's really hard. It's really hard.
aber sie weist auch darauf hin, dass die filme eben uminterpretiert werden:
I was […] supervising the Italian and the German and the Spanish and all of that. It was so interesting to see how all the different romance languages would interpret and how the character changes in some ways in all those languages.
jodie foster findet das auf eine art aufregend, ich find es eher schade. viele leute finden es auch aufregend ihre autos tiefer zu legen oder spoiler dranzukleben oder kaffee mit sprühsahne zu trinken. ich finde meistens das original aufregend genug.
wenn es tatsächlich so ist, dass die menschen ihre synchronstimmen lieben, darauf weisen die synchronsprecher und sprecherinnen mehrfach im video hin, dann gibt es ja eigentlich keinen grund zur sorge für die branche. dann lehnt die mehrheit artifizielle stimmen ab und die grossen streaminganbieter, filmstudios, vermarkter müssen nachziehen und weiter schauspieler fürs synchroniseren zahlen.
meine vermutung ist allerdings dass es den meisten menschen egal ist. zumindest den menschen die jetzt schon synchronisierte filme und serien akzeptieren oder dem original (mit untertiteln) vorziehen. die von den synchronsprechern vielbeschworene „deutsche synchronsprecher-kultur“ hat über viele jahrzehnte im wörtlichen sinne das original marginalisiert und entwertet. warum sollte sich diese mehrheit — der das original egal ist — jetzt plötzlich dafür interessieren, ob die stimmen original, kunst oder KI sind?
ich gehöre nicht zu den leuten die die alten zeiten im internet vermissen. ich finde das internet so wie es ist immer noch gut. ist halt noch unübersichtlicher geworden. 2005 war das internet kleiner, aber auch schon gross und unübersichtlich.
2005 hatte sascha lobo noch keinen irokesen und erklärte anderen das internet noch nicht. das hat 2005 mario sixtus getan, zum beispiel hier in der zeit.
im artikel lässt er doc searls blogs erklären:
»Bloggen ist wie Schneebälle einen Hang herunterrollen, manche bleiben liegen, andere rollen weiter, manche werden sogar riesig«, sagt Searls. Ein einziger inspirierter Eintrag kann in der Welt der Blogs eine Eigendynamik ohnegleichen entwickeln. Daher gilt die Blogosphäre als Frühwarnsystem für Themen, Trends und manchmal sogar Nachrichten. »Blogs sind Gespräche«, persifliert sich Searls selbst. Mit der Phrase »Märkte sind Gespräche« hatte er vor sechs Jahren die Grundlage des Cluetrain Manifests gelegt.
heute sind blogs nur noch schneeflocken.
2004 hatten „der ehemalige MTV-Moderator Adam Curry zusammen mit dem Web-Entwickler und Blog-Guru Dave Winer eine Methode, Audiodateien zeitversetzt und automatisiert in den Speicher von MP3-Spielern zu übermitteln“ ersonnen. so lange ist das schon her.
weil 2005 das wort „social media“ noch nicht geläifig war, schrieb mario sixtus damals von einem „humanisiertem netz“, damals bestand die hoffnung, dass das internet von menschen geprägt werden könne. kommunikation, zusammenarbeit, vertrauen und persönliche beziehungen würden sich in und um blogs bündeln — so die hoffnung.
2005 fand ich, dass dieser artikel von mario sixtus der „beste artikel über blogs (ever)“ sei. so hab ich das damals aufgeschrieben in einem artikel den ich über ein interview schrieb, das marin majica damals mit mir gefürhrt hat.
er wollte mich interviewen, wir trafen uns um 18 uhr im starbucks am hackeschen markt. er kam fünf minuten zu spät, aber ich schleimbeutel lobte ihn für seine pünktlichkeit. ich wurde, parteitagsgestählt, gleich investigativ: „lesen sie blogs? welche?“. er log mich an: „ja. ein paar.“ na gut ein paar blogs kannte er, aber von jamba und spreeblick hatte er noch nix gehört. ich trug ihm mit meiner unverbesserlichen arroganz auf das zu googlen und drückte ihm den besten artikel über blogs (ever) in die hand, den ich zufällig (wirklich), ausgedruckt, dabei hatte.
marin majica interessierte sich damals für mich, weil im (bundetags-) wahlkampf 2005 die damalige blogplattform um nico lumma blogg.de ein wahlblog organisisrte, dass ein paar blogger, unter anderem mich, zu parteitagen schickte. mit ein bisschen pressearbeit machte das damals eine kleine welle in der journalistenwelt.
das pressecho zu mir hab ich damals hier festgehalten: respektlos?
Bei einem Treffen in einem Berliner Café demonstriert Schwenzel ganz nebenbei seine Arbeitsmethoden. Ungefragt macht er mit dem Handy ein Foto des Gegenübers, das er direkt in seinen Blog lädt. "Flickrn" heißt das, benannt nach der dafür benutzten Software Flickr. Am Nachmittag wird er noch einen Kommentar zu dem Gespräch mit dem Journalisten dazustellen. Für den ist das gewöhnungsbedürftig: beschrieben zu sein, bevor man selbst beschreibt.
Auch dass Lafontaine so häufig das Wort „ich“ verwendete, wurde von Schwenzel kommentiert: „Da scheint sich eine neue Spielart im linken Spektrum abzuzeichnen: Sozialichmus.“
so war das damals: das internet steckte noch voller hoffnungsfroh stimmendem potenzial und man konnte aufmerksamkeit erregen, indem man einfach ins internet schrob.
von der prognostizierten humanisierung des netzes ist im grösseren masstab — ausser podcasts — nicht mehr allzuviel übrig. aber vielleicht ja doch, nur eben etwas anders als wir uns das damals vorgestellt haben. das internet besteht nach wie vor vor allem aus menschen, mit all seinen vor- und nachteilen.
vielleicht sollten wir wieder mehr darüber nachdenken wie wir die aufmerksamkeitsströme wieder humanisieren und aus den klauen der grossen plattformen und algorithmen befreien — oder unsere kleinen, übersichtlichen resonanzräume ausbauen, wie ich es vor ein paar monaten mal hier skizziert habe: elaborierte kulturtexte
fragmentebloggt wieder. mindestens dreissig tage lang will sie das machen. ich bin sicher, sie wird danach weitermachen. ich habe nie aufgehört und doch vier jahre kaum bis nichts ins internet geschrieben. zumindest keine längreen texte. ich war beschäftigt mit hundeerziehung und brot backen und heimautomatisierung — und doch: gelegentlich musste ich die eindrücke aus meinem leben teilen. das hab ich dann vier jahre lang hauptsächlich auf instagram gemacht.
was ich sagen will: das leben ist auch schön ohne bloggen. aber mit bloggen ist es interessanter. ich habe das gefühl bloggen zwingt mich auf mehr, auf anderen ebenen zu denken. das denken strukturiert sich anders, mein innerer monolog bekommt eine zusätzliche stimme die versucht erlebtes anders aufzuarbeiten, als wenn ich es nur für meinen inneren monolog aufarbeiten würde.
normalerweise, beim einschlafen, wenn mein bewusstsein langsam in den hintergrund tritt und mein unter- oder neben- oder autonom-bewusstsein langsam die bilder und gedanken in meinem kopf übernimmt, sehe ich luftbilder. im wahrsten sinne des wortes. ich sehe schwarz mit leuchtpunkten, so als ob man nachts mit dem flugzeug in einer grossen stadt landet (und dabei aus dem fenster schaut). eine weite dunkle ebene, die mit lichtpunkten gespickt ist. das fliegen ist nicht das thema, es geht auch nichts um licht oder die dunkelheit. es ist offenbar einfach ein bild das beruhigend auf mich wirkt.
gestern sah ich beim einschlafen einen kleeteppich auf einer wiese. in den letzten tagen betrachtete ich auch im wachzustand sehr viele kleeteppiche auf wiesen und versuchte — im langsamen gehen — vierblättrige kleeblätter zu sehen. seit mehreren tagen vergeblich — aber nicht umsonst. auch diese kleeteppiche die ich im übergangszustand zwischen wach und unwach sah hatten auch eine beruhigende und befriedigende wirkung. aber obwohl ich eigentlich beim einschlafen war, dachte ich im gleichen moment, kurz vor dem wegdämmern, darüber nach ob und wie ich das wohl ins internet schreiben könnte.
ich mag es, wie mein vorsatz regelmässig ins internet zu schreiben meine wahrnehmung verändert. genau deshalb mag ich es auch, wie mein vorsatz weitere vierblättrige kleeblätter zu finden, auch meinen blick auf die welt verändert.
jedenfalls lese ich das was fragmente ins internet schreibt sehr gerne. gestern zum beispiel über urlaub.
Vor fünfzehn Jahren habe ich angefangen zu arbeiten, also außerhalb der akademischen Welt, in einem Angestelltenverhältnis, und ich habe seither nicht mehr aufgehört. Erst hatte ich 26, dann 28 und mittlerweile 30 Tagen Jahresurlaub. Aber mehr als drei Wochen am Stück hatte ich nie frei.
Es fehlt mir. Diese langen, staubigen, heißen Tage. Pläne immer nur bis übermorgen. Ein Badeanzug, irgendwas drüber, Sandalen und seit Wochen keine Socken. Schwimmbadpommes und Cornetto-Eis und Gummitiere. Mit dem Fahrrad unterwegs. Grillenzirpen und Rasensprenger.
Es war so nie, außer in meiner Erinnerung. Trotzdem.
mir ist urlaub egal. unseren letzten campingurlaub vor 10 jahren haben wir irgendwann abgebrochen und haben zuhause gemerkt, dass es viel erholsamer und schöner ist, zuhause urlaub zu machen. gelegentlich machen wir noch (kurze) städtereisen, besuchen freunde oder verwandete anderswo oder verbringen einen tag am strand. aber drei wochen am stück weg von den anehmlichkeiten und routinen zuhause? finden wir mittlerweile beide schrecklich. auch der hund sperrt sich dagegen anderswo als zuhause zu entspannen.
meine arbeitskolleginnen müssen mich jedes jahr dazu drängen meinen urlaub aufzubrauchen. einerseits finden sie es praktisch, dass ich mir über weihnachten und zwischen den jahren keinen urlaub nehme, andererseits ist es nervig wenn ich im november noch mit mehr als 20 tagen urlaub da sitze. um meinen urlaub aufzubrauchen nehm ich mir dann wochenlang einen tag pro woche frei. das strukturiert die woche ganz interessant. so kann man aus einer woche zwei wochen mit zwei wochenenden (einem langen und einem kurzen) machen:
mo | di | - | do | fr | -- | mo | di | etc.
ich arbeite gerne. aber ich stelle mir sisyphos auch als glücklichen menschen vor. kürzlich dachte ich einen gedanken wieder, den ich als kind schon öfter dachte; mit etwas abstand betrachtet ist es eigentlich schon ein bisschen absurd dass wir uns 20 bis 30 jahre ausbilden lassen um dann 5 × 8 stunden pro woche die fähigkeiten unseres ausgebildeten gehirns an einen arbeitgeber zu vermieten. andererseits ist es genau so absurd den ganzen tag durch die savanne zu latschen und nüsse und wurzeln zu suchen, um die dann zu verspeisen, zu schlafen und dann, nach dem aufstehen, wieder nach nüssen und wurzeln oder nach weniger gut ausgebildeten tieren zu suchen.
aber mit etwas abstand betrachtet ist ja wohl alles ein bisschen absurd. dreieinhalb milliarden jahre evolution, dreihunderttausend jahre menschheitsgeschichte damit ich hier auf dem sofa sitzen kann und über die absurdität der welt laut nachdenken kann.
gestern bei der kaltmamsell gelesen, dass sie und herr kaltmamsell auf der museuminsel hombroich waren. an meinen letzten besuch dort erinnere ich mich als wäre es gestern, auch wenn meine erinnerungen daran leicht verblasst und verschmolzen sind. ich bin ja in der gegend mit den broichs aufgewachsen. fussbroichs, grevenbroich, korschenbroich, mörsenbroich, broichweiden waren namen sie ich in meiner jugend ständig gesehen habe. in der gegend gibt viele eigenartige ortsnamen. wenn wir nach aachen fuhren, passierten wir immer geilenkirchen (ecclesia erotica) und puffendorf (vicus lupanaris), auf dem weg nach düsseldorf gings an hombroich und grevenbroich vorbei.
jedenfalls liess sich mein internes gedächnis an den inselbesuch nicht mit meinem externen gedächnis verifizieren. ich habe hier nie etwas über die museumsinsel hombroich geschrieben oder bilder davon gepostet — oder kann sie nicht mehr finden. auch auf meinen social media profilen fand ich zunächst nichts. in meiner fotobibliothek fand ich dann über die ortssuche einen haufen bilder aus dem april 2011. mein archiv vom april 2011 zeigt schöne texte von der #rp11, aber nix von hombroich. mein twitterarchiv reicht nur bis 2012 (obwohl ich mich bei twitter 2007 angemeldet habe), mein erster instagram post ist vom oktober 2011 (lokale kopie). ich war mir aber sicher, dass ich zu diesem besuch etwas ins internet geschrieben oder gepostet hatte. mit spotlight fand ich dann einen hinweis in einer backupdatei auf dieses youtube video aus dem graphischen kabinett der museumsinsel, dass ich 2011 gepostet habe.
meine erinnerungen an die museumsinsel sind, wie gesagt, verwaschen. ich erinner mich aber sehr gut an die cafeteria. essen und getränke dort sind im eintrittpreis inbegriffen. die museumsinsel selbst erklärts (in einfacher sprache) so:
In der Cafeteria bekommen Sie ein kostenloses einfaches Buffet.
Das Essen kommt von Landwirt:innen und Lieferant:innen aus der Nähe. Darum ist das Essen besonders frisch.
meine erinnerung ist, dass es rosinenbrot gab. das brot war vorgeschnitten und es gab butter. die einfachheit dieser mahlzeit hat mich damals sehr begeistert. und die wespen auf der insel auch.
ich hab das schon öfter geschrieben, dass ich kunst die einem im alltag begleitet oder einfach entdeckbar ist interessant finde. meine eltern hatten nicht wenig kunst bei uns im haus und das zusammenleben mit diesen arbeiten öffnete permanent neue perspektiven. das alles funktioniert in einem museum auch, aber eben anders.
mir gehts in museen oft so, dass ich schnell gesättigt bin. beim sushi essen wird der ingwer traditionell ja nicht mit dem sushi gegessen, sondern zwischen verschiedenen sushi-sorten. damit verschafft man dem geschmackssinn angeblich eine erholung. und genau deshalb ist die musueminsel hombroich so toll. man wandert durch wunderschöne natur und stösst wie zufällig auf gefällige architektur in der oder um die kunst hängt, liegt oder steht.
mit dem prinzip der discoverability von kunst in der natur habe ich auch eine frühe kindheitserinnerung. meine eltern hatten bekannte die bei ludwig schokolade oder trumpf arbeiteten. ihr wohnhaus war ein frmen-bungalow, der direkt am park der familie ludwig lag und auch zugang zu diesem park hatte. der park war weitläufig und mit vielen skulpturen und bäumen gespickt. kristof und ich erkundeten den park regelmässig wenn wir bei den bekannten unserer eltern zu besuch waren. wir bekletterten die skulpturen und freuten uns über die abwesenheit von erwachsenen. der park war damals nicht öffentlich und ist heute mehr oder weniger komplett zugebaut. kunst einfach rumstehen zu lassen damit sie entdeckt, begriffen oder ignoriert werden kann, ist meiner meinung nach immer noch die beste art kunst zugänglich zu machen. mindestens genau so gut wie geschnittenes rosinenbrot.
die architektur, die bauten die auf der insel stehen sind einerseits typisch für die region und andererseits untypisch, weil geschmackvoll und minimalistisch. einfache geometrische formen umgeben von gezähmter, halb wilder natur. gelegentlich wird die natur getrimmt um die bauten zu ergänzen, an manchen stellen darf die natur machen was sie will.
auf den fotos der beifahrerin fummel ich ständig am handy rum. ich habe damals ganz offensichtlich beim besuch der insel an die verwertbarkeit im internet gedacht. sollte ich das noch rausfinden wo ich das damals gepostet habe, schreibe ich einen nachtrag. die fotos oben sind alle von der beifahrerin (mit einer Canon PowerShot SX200 IS powergeschossen). hier sind noch ein paar fotos die ich damals (mit einem HTC Incredible S) gemacht habe.
falls das noch nicht deutlich geworden ist: ich kann einen besuch der museumsinsel hombroich sehr empfehlen. das museum ist in der nähe von düsseldorf und ist mit dem auto am besten zu erreichen. bus und bahn gehen auch, wenn man gut zu fuss ist.
ich hab in den letzten monaten immer wieder überlegt wie ich artikel von hier auf instagram bringen kann oder umgekehrt. auf instagram habe ich immer noch viele menschen die mir folgen, oder besser gesagt, die auf pflanzenbilder und selfies von mir reagieren. instagram selbst nutze ich selbst so gut wie gar nicht mehr, weil ich mich immer ärgere wenn ich die app offen habe und verführt werde kurze videos in mich reinzustopfen. zack sind 30, 40 minuten vorbei und ich ärgere mich, dass ich meine zeit nicht selbstbestimmt verschwendet habe.
die schwierigkeiten die instagram einem in den weg legt wenn es darum geht eigene inhalte von instagram zurückzuholen sind erstaunlich. instagramm gibt sich sehr viel mühe öffentliche beiträge nicht automatiert auslesabr zu machen, ausser man heisst googlebot. jedenfalls hab ich mehr oder weniger aufgehört auf instagram zu posten, weil das kopieren der beiträge von instagram hierher zu mühsam wurde und umgekehrt nicht möglich ist.
ausser man wandelt sein instagramkonto in ein professionelle konto um, meldet sich bei facebook als entwickler an, verknüpft sein facebook und instagramkonto und stellt an einigen stellschraben rum. nach langem zögern hab ich das jetzt gemacht und kann beiträge von hier einfach auf instagram posten — per knopfdruck im kirby backend.
im indieweb nennt man das posse: „Publish (on your) Own Site, Syndicate Elsewhere“
ich veröffentliche also hier ein foto und von hier dann zu mastodon, bluesky, standard.site — und jetzt auch zu instagram. und jetzt wo ich über meta/facebook auch eingeschränkten zugang zur API habe, kann ich auch kommentrae von instagram hierherholen.
so nutze ich zwar meta/facebook/instagram, aber wenn die mich morgen sperren solten oder ich sie oder meta verendet oder nur noch spanner-brillen verkauft ist mir das egal — weil ich nix verliere.
ich bin kein freund davon zu behaupten sei irgendwas oder gar alles besser gewesen. aber den zustand der isntagram-app, bzw. der instagram-timeline, würde ich schon gerne beklagen. alles ist unübersichtlich geworden, ständig will mir jemand was verkaufen oder mich hypnotisieren und meine aufmerksamkeit absaugen.
wie wohltuend ist da zum beispiel grain: ein vertikaler, scrollbarer sreifen mit fotos, nichts als fotos. und: dark mode, herzchen zum drücken und … fotos. ich schleiche zwar seit wochen durch die ATmosphere, aber auf grain hat mich heute nochmal pxlnv.com gestupst.
weil grain auf dem ATprotokoll basiert und die fotos und metadaten auf meinem, bzw. dem PDS von bluesky speichert, kann ich kirby auch einfach beiträge auf grain posten lassen (indem kirby eingach im richtigen format/schema metadaten und einen blob speichert). auch das geht aus dem kirby-backend per knopfdruck und sieht dann so aus.
warum nicht pixelfed? ich würde sagen weil es meinem verständnis von digitaler unabhängigkeit widerspricht mir ein weiteres social media konto anzulegen nur um einen weiteren ausgabekanal für das zu haben was ich hier auf wirres.net und meiner eigenen fediverse gotosocial instanz schon habe. bei grain hingegegn melde ich mich mit meinem vorhandenen bluesky-konto an und dort, auf dem bluesky PDS wird das auch alles gespeichert und ich kann mit den daten machen was ich will. keine reibung, kein zusätzlicher login, kein zusätzlicher API key, einfach ein weiterer kanal.
weil es so einfach ist bei diensten mitzumachen, die auf dem ATprotokoll aufsetzen, hab ich mir gedacht mal alle profile die ich im lauf der zeit angelegt habe aufzulisten. das ist auch ganz einfach, indem ich in meinen PDS gucke.
ich weiss nicht ob mein verständnis von unabhängigkeit richtig ist oder der reinen lehre entspricht, aber dieses possen fühlt sich gut an. alles zuhause an einem ort zu haben und da wo es geht, da wo es vielleicht wen interessiert, auch meinen quark hinschieben zu können. oder eben auch nicht. wiediewied es mir gefällt.
ich erinnere mich noch gut wie ich 2001: odyssee im weltraum zum ersten mal gesehen habe: vor 37 jahren auf einem blassen, niedrig auflösenden röhren-farbfernseher1 im keller der eltern meiner damaligen freundin heike. ich hab den film noch nicht mal von anfang an gesehen, sondern als wir einschalteten lief er schon ne ganze weile. die handlung war nicht wirklich nachvollziehbar und der film war deutsch synchronisiert.
der film war also auf vielfältige weise verhunzt: niedrigauflösend, niedrig frequent, lichtarm, mit deutschen stimmen gepanscht, mit einemschepprigen mono-lautsprecher, nicht in einem darkroom (kino) präsentiert. wahrscheinlich waren auch die seiten wegen des fernsehformats abgeschnitten.
trotzdem schlug der film voll bei mir ein. ich war schwer beeindruckt und auf eine gute art irritiert. als ich mir den film später nochmal auf DVD oder im stream ansah, sehr viel besser aufgelöst, mit besserem ton und den originalstimmen, war ich genau so beeindruckt und irritiert. und konnte die handlung immer noch nicht nachvollziehen.
den neuen film mit ner odyssee, den der nicht im weltraum und nicht 2001, sondern irgendwas mit 3000 b.c. spielt, der nicht von kubrick, sondern von nolan gefilmt wurde, hab ich noch nicht gesehen. ich hab momentan keine lust auf kino.
ich sehe mir filme lieber alleine, in meinem tempo, mit einer scheinbar riesigen leinwand, 50 zentimeter vor meinem gesicht, in form eines hochauflösenden apple displays an. als ich das letzte mal einen film in einem imax-fähigen kino gesehen habe war ich mehr irritiert und abgelenkt von den effekten, als ich es mir gewünscht hätte.
mich lenkt das ganze gewummer und der bombast eher vom inhalt ab, als es mir hilft in den inhalt einzutauchen.
nolan behauptet mit imax würde die leinwand verschwinden und dass das ein bild sei, in dem man sich verlieren könne.
ich werde mir nolans odyssee jedenfalls nicht im kino ansehen. weder im normalen, noch im imax kino. ich warte bis der irgendwo streamt und schaue ihn mir dann auf dem laptop an.
wenn ich so drüber nachdenke, würde ich mir den film vielleicht sogar gerne auf einem alten röhrenfernseher anschauen2. allerdings nicht synchronisiert.
irgendwo las ich in einer kritik, dass nolan bestimmte dinge gar nicht zeige, sondern der phantasie des zuschauers überlasse. das halte ich immer für eine sehr gute idee und wir alle wissen, dass das gut funktioniert, bzw. eines der grundrezepte von guten geschichten ist. auch deshalb frage ich mich oft: dient der bombast dazu, von einer schwachen geschichte abzulenken, ist der bombast die eigentliche geschichte oder dient die technik hier tatsächlich der geschichte?
mir fällt bei der aktuellen (dritten) staffel von house of the dragon (hotd) auf, wie sehr mich bombast manchmal langweilt. die kleine, in jedem detail liebevoll gestrickte geschichte des hecken-ritters (hedge knight) in a knight of the seven kingdoms hat mir um längen besser gefallen als diese staffel hotd. das langweilige kann so viel interessanter sein als das komplexe.
trotzdem. auf ne art bin gespannt auf nolans odyssee. aber ich habs nicht eilig.
das war der gleiche fernseher, auf dem ich subway zum ersten mal gesehen habe. ↑︎
wenn ich noch weiter drüber nachdenke: im prinzip ist nolans odyssee ein diabend mit einer viertelmillion schnell abgespielten dias. (3 stunden = 180 minuten = 10.800 sekunden macht 10.800 × 24 = 259.200 einzelbilder) ↑︎
dieses wochenende waren wir kurz in hamburg um die abschlussausstellung vom kind anzusehen. also eigentlich war das die abschlussausstellung der bachelor und master absolvierenden dieses jahres an der hfbk. die arbeiten vom kind haben mir sehr gut gefallen und auch wenn ich das nicht so gut ausdrücken kann wie die beifahrerin, haben die arbeiten in mir resoniert. ich fand dieses bild auf den ersten blick interessant, wegen der tiefe und weil es möglicherweise ein paar architekten-saiten in mir anzupfte. ich mag es, wenn man mit minimalen mitteln etwas räumliches schafft das offen genug ist, um es mit eigenen assoziationen zu füllen.
der witz war, dass sich auf dem bild auch croutons befinden. die hatte ich aus der entfernung zwar gesehen, aber als gemalte, konstruktive elemente angesehen. solche mehrschichtigkeiten mag ich. auch zu den anderen arbeiten des kindes fand ich zugang.
mein zugang zu kunst war und ist eigentlich immer: resoniert da was in mir oder sehe ich etwas, das ich so toll finde, dass ich mir wünsche da selbst draufgekommen zu sein? manche leute sagen ja beim betrachten von eher minimalistischer kunst: „das hätte ich auch machen können!“ das ist natürlich aus mehreren gründen lahm: erstens haben leute die sowas sagen es eben nicht gemacht und zweitens übersieht eine solche aussage das wichtigste: den kontext.
ein werk, eine arbeit, ein objekt (und alles andere) hat immer kontext. es gab einen prozess (der sichtbar oder verborgen sein kann) der zu eben diesem ergebnis führt. der kontext, wie ein ding präsentiert wird, ist auch entscheidend.
ich bin sicher: das k in kunst kommt nicht von können, sondern von kontext.
das ist im produktdesign oder auch bei jeder anderen kreativen arbeit nicht anders. die idee ist weniger wichtig als der prozess, als die umsetzung, die umstände, die finanzierung, der zeitgeist — eben der kontext.
mindestens genauso interessant wie die rezeption der arbeiten auf einer ausstellung ist die rezeption der ausstellungsbesucher. wir hatten sehr viel zeit zur ausstellung an der hfbk mitgebracht und verbrachten dann auch nicht wenig zeit im ausstellungsraum des kindes. dort standen dankenswerter weise ein paar sofas auf denen wir sitzen konnten um die besucher der ausstellung zu beobachten.
ganz wie zuhause war das natürlich nicht, sowohl frida als auch ich sind auf dem sofa zuhause sehr viel entspannter. ausserdem schmeckt das bier zuhause besser.
da wir am samstag sehr früh losfuhren und ich meinen laptop erst nach 22 uhr in die hand bekam, konnte ich natürlich nichts bloggen. meine „streak“ regel, also wie ich zähle ob ich an einem tag gebloggt habe um dann (auf der rückseite) zu behaupten …
jedenfalls fiel mir bei dieser reise wieder auf, wie glücklich ich mit meinem aktuellen „blog“-setup bin. ich kann klassisches bloggedöns machen, schreiben, bilder posten, kurze und lange notizen festhalten und für alle die es interessieren mag auf der vorderseite und im rss-feed vorhalten und zugänglich machen. aber ich kann auch loggen, logbuch führen, buch über alle youtube-videos führen, denen ich einen 👍 gegeben habe, bookmarks setzen und später verwenden (oder nicht), bookmarks kommentieren und wenn es sich lohnt oder ich lust habe in beiträgen aggregieren oder einzeln auf die vorderseite holen.
kurz, die aufteilung in eine vorderseite auf der alles auftaucht was ich gerne mit einem breiteren publikum zeigen möchte, eine rückseite die beim navigieren der vorderseite helfen kann und ein paar teile des hintergrundrauschens zeigt. und dann das hintergrundrauschen, das nicht unsichtbar, aber eben auch nicht im vordergrund passiert. alles ist in verschiedenen stufen abonnierbar und niemand muss von meinen manchmal manischen aktivitäten im hintergrund genervt sein.
nochmal zurück zur hfbk. ich habe oben ja davon gesprochen, dass ich beim betrachten von fremden arbeiten gelegentlich denke: „schade dass ich da nicht selbst drauf gekommen bin.“ gestern dachte ich zumindest einmal: so eine idee hatte ich schonmal. leider habe ich mir weder den raum noch den namen der künstlerin notiert, aber sie hat einen traurigen mechanischen vogel aus kabeln, motoren und mechanischen kuckuckspfeifen gebaut.
weit weniger elegant, durchdacht und wohlklingend, hab ich das vor drei jahren auch mal gemacht (am ende sah es so aus).
über pfingsten eine kuckucksuhr gebaut. fast fertig, bevor das zifferblatt der funkuhr dran kommt, muss die beifahrerin das ding noch bemalen (statt beschnitzen, wie im schwarzwald).
heute beim morgenspaziergang hatte ich intensives kopfkino. die filmausschnitte bestanden aus erinnerungen, die von einströmenden umweltreizen ausgelöst wurden. auf dem footballfeld der berlin adler plärrte depeche mode aus den lautsprechern. lautsprecher die unter freien himmel spielen haben einen ganz charakteristischen klang. die musik verweht ein bisschen, wabbert und sammelt sich gelegentlich zu echos. vor meinem inneren ohr und auge liefen erinnerungen, die mich an den historischen jahrmarkt in kornelimünster1 denken liessen. auf diesem jahrmarkt habe ich einen teil meiner kindheit verbracht. vor meiner inneren nase zog grill- und ponygeruch auf.
das open-air-geschrei der eher jüngeren menschen auf dem weitläufigen football-platz in kombination mit ein paar harten sonnenstrahlen auf meinemn gesicht spülte dann auch noch erinnerungen an die sommer-zeltlager2 hoch.
ich staunte während des spaziergangs was da alles in mir aus der vergangenheit aufschwamm. das passiert mir nicht immer, aber heute fanden die sensorische inputs wohl einen weg sich in meinem kopf auszubreiten. ich spielte irgendwann sogar ausschnitte eines youtube-videos, das ich am vorabend gesehen hatte, vor meinen inneren augen ab.
während ich frida beobachtete, mich gerüche, geräusche, der wind im gesicht und in der nase reizten, ein paar sonnenstrahlen, eine kühle brise, wassergeruch, kindergeschrei, openair lautsprecher meine sinne stimulierten dachte ich: schon erstaunlich, was ich alles abgespeichert habe. ich staunte auch, dass nur schöne erinnerungen aufschwammen. die erinnerungen waren farbenfroh, positiv, ein bisschen nostalgisch.
gestern schrieb mir meine mutter, der gerade plötzlich zwei gute freunde weggestorben waren, wie schön sie es fand, dass sie mit volker, der gerade gestorben ist, noch vor zwei wochen beim „portugiesen“ essen waren und volker, wie immer, gutgelaunt trank und ass und erzählte. das müsse wohl dieses carpe diem („oder so“) sein, von dem alle sprechen. ich antwortete ihr dass vermeintlich langweilige oder ereignislose tage meiner meinung nach und in diesem sinne auch ok seien, müsse ja nicht alles eine wilde vergnügungsfahrt sein.
heute fällt mir auf, dieses carpe diem kann man auch im kopfkino machen. so kann auch ein langweiliger morgenspaziergang zu einer wilden vergnügungsfahrt werden. ich bin mir auch sicher dass ich mit dieser erfahrung nicht allein war und es frida ganz ähnlich ging. ihre sensorik gegenüber umweltreizen und gerüchen dürfte um einiges bunter und differenzierter sein und ich will nicht wissen was für ein kopfkino in ihrem kopf abgeht, wenn sie sich durch die umwelt schnüffelt.
zuhause musste ich natürlich gleich in meiner alten, analogen fotokiste kramen. dabei fiel mir auf, die bilder die ich vorher im kopf hatte waren bunter, lebendiger, mehrdimensionaler als die auf dem fotopapier. zumal mir dabei auch auffiel, wie zurückhaltend wir damals mit der anzahl fotos waren. 36 bilder hatten die filme damals, da knippst man nicht wie wild rum.
beim blättermn in der fotokiste fielen ir dann aber noch zwei fotos aus meinem studentenzimmer in die hand. strassenlärm, vor allem höllisch laut klappernde LKW, wecken normalerweise erinnerungen an dieses zimmer das direkt an einer der haupteinfallstrassen des stuttgarter kessels lag (heilbronner strasse). auch der geruch des zimmer-ölofens hat sich bei mir eingebrannt, wird aber selten ausgelöst weil man öl heutzutage ja fast nur noch völlständig und russfrei verbrennt und in seinem unverbranntem aggregatzustand kaum noch begegnet.
die zeltlager waren sehr liberal und wurden damals vom liberalen jugendwerk aachen und heiner jüttner organisisert. die zeltlager gabs wohl noch länger oder gibts gegebenenfalls immer noch. ich hab, wenn ich mich recht erinnere, an mehreren zeltlagern zwischen 1981 und 1986 teilgenommen und sehr viel über den verantwortungsvollen umgang mit tabak und alkohol gelernt. ↑︎
ich wünschte ich könnte das john irving zitat „sorrow floats“ öfter benutzen, aber es passt nie und nirgendwo.
das geniale an „sorrow floats“ ist das bildhafte, der nach seinem tod ausgestopfte familienlabrador sorrow, der nach einem flugzeugunglück irgendwo zwischen den trümmern treibt. und gleichzeitig ist „sorrow floats“ eine metapher dafür, dass trauer nie ganz verschwindet und immer wieder zwischen trümmern auftaucht.
aber es ist eben nicht nur die trauer die schwimmt, eigentlich ist es alles wichtige. das meine ich zumindest im laufe der jahre immer wieder beobachtet zu haben. und wenn ich schon nicht mein leben nach dieser erkenntnis ausrichte, so habe ich zumindest meinen medienkonsum danach ausgerichtet.
leider hört sich „importance floats“ nicht halb so gut an wie „sorrow floats“.
jedenfalls musste ich da heute wieder dran denken, weil ich gerade hier und da lese, dass manche leute von ihrem RSS reader gestresst sind. klar, lesen sollte kein stress sein und RSS zu lesen erst recht nicht.
die app current hat sich zur aufgabe gemacht das lesen von rss feeds wieder schön zu machen:
Every RSS reader treats your feeds as a to-do list. Current doesn't.
There are no unread counts. No badge of phantom obligation. Just a river.
New articles flow in at the top. Old ones drift downstream. Nothing is owed.
ich hab current gekauft und ausprobiert aber mir war das zu stressig. current versuchte mich wie ein gutmeinender onkel, der nichts von mir weiss, dabei zu unterstützen „wertvolle“ feeds zu identifizieren (von „authors“) und aus meinen vermeintlichen lesegewohnheiten filter zu bauen.
ich habe gemerkt: meine eigenen, eingebauten filter funktionieren ganz gut ohne app-hilfe und dass mich eine onkelige app nervt, die ständig in meine gewohnheiten grätscht.
ich habe auf einem asteroiden (von uberspace) miniflux installiert und nutze entweder das webfrontend von miniflux oder den reeder classic auf dem telefon um meine 435 feeds zu lesen. das oben drüber „ungelesen 7238“ steht ist mir egal. ich lese das was oben steht zuerst und springe weiter, wenn mich weder die überschrift, noch die ersten paar sätze interessieren.
das ist nicht anders als früher die tages- oder wochenzeitung zu lesen. da lagen auch mehrere hundert artikel vor mir und wenn mich weder die überschrift, noch die ersten paar sätze interessieren, sprang ich weiter in die nächste spalte oder seite.
warum sollte mich das stressen wenn ich ein paar hundert ungelesene artikel vor mir liegen habe? gelegentlich hab ich zeitungen in der mitte aufgeschlagen oder am ende, weil ich wusste dass dort kategorien themen oder kolumnen lagen die mich interessierten.
so mache ich das auch mit RSS. ein paar blogs, ein paar autoren habe ich irgendwann in einen ordner gelegt, den ich, wenn mir danach ist, gezielt ansteuern und lesen kann.
sonst gehe ich ausschliesslich umgekehrt chronologisch vor. ich lese das ungelesene und springe mit der tastatur (j/k) oder wischgesten weiter.
man vergisst ja schnell, dass chronologie bereits eine form von kuratierung ist. die zeit sorgt dafür, dass wichtiges wieder auftaucht und das belanglose vorbei treibt.
apropos zeit. ich habe vor vielen jahren, als nachrichten noch mehrheitlich auf papier vertrieben wurden, mal behauptet, dass die welt besser wäre wenn es nur wochenzeitungen gäbe (quasi). wenn nachrichten ein bisschen getrocknet sind und ihre atemlosigkeit nachlässt, wenn der oder die eine oder andere autorin zeit hatte nachzudenken, gewinnen nachrichten an interessanz und das wichtige bleibt, schwimmt auf.
wenn zeitungen das äquivalent zum feed-reader sind, dann wären magazine das äquivalent zu instagram oder tiktok. die magazin-macher haben auch schon damals versucht die lesenden emotional zu packen, zu skandalisieren und überspitzen. doomscrolling nannte man damals einfach blättern.
aber ich komme vom thema ab. was ich an meiner chronologischen sammlung von über 400 quellen so sehr mag ist gerade die anzahl der ungelesenen beiträge. beunruhigt bin ich, wenn mein feedreader leer wäre.
der ungelesen-zähler ist keine aufforderung, sondern entspannendes weisses rauschen.
wenn ich mal tiefer meinen selbst „kuratieren“ nachrichtenstrom einsteige (und dabei nicht einschlafe oder mir was besseres einfällt) und einfach immer weiter lese, bestätigt sich irgendwann die these von oben. das interessante, das wichtige war oben, nach unten wird meistens langweiliger und ich denke zunehmend: „kenn ich schon.“ oder „schon anderswo drüber gelesen“
möglicherweise ist die sicht auf einen strom auch einfach mit etwas distanz besser, als wenn man mittdrin steht. sicher ist: wenn man die ströme auch mal an sich vorbeiziehen lässt, verpasst man trotzdem nix.
ich benutzte meinen homepod eigentlich nur für zwei dinge und alleine wegen dieser beiden dinge mag ich meinen homepod sehr, sehr gerne. bis heute.
die eine sache für die ich die siri im homepod gerne nutze ist zu fragen: „wie spät?“ die andere sache ginge wahrscheinlich auch mit jedem anderen der 5 vernetzten lautsprecher bei mir im zimmer, aber ich lasse es den homepod machen: bei einem formel-eins-rennen, fünf minuten vor start ein formel-eins-wrooooom-geräusch abspielen.
seit heute fängt siri selbständig an musik abzuspielen. leise, aber immer wieder. da sich homepods nicht wirklich debuggen oder befragen lassen was sie zur jeweiligen aktion gebracht hat, steh eich völlig auf dem schlauch. ich habe zwischenzeitlich alles abgeschaltet was ich in verdacht hatte, mein iphone, home assistant, mein laptop bluetooth, die klimaanlage — nichts hilft.
aber zum automatisieren habe ich ja home assistant. eine kleine automation schaltet die musik jetzt aus, sobald die musik startet.
das funktioniert, auch wenns keine lösung ist. wenn ich in den nächsten tagen nicht rausbekomme was oder wer das verursacht, muss der homepod temporär sterben (stromlos werden). immerhin habe ich ausgeschlossen, dass der homepod das rauschen der klimaanlage als sprachbefehle interpretiert.
apropos formel 1, das guck ich ja gelegentlich gerne und fahre dafür gerne mit einem virtuellen privaten netzwerk nach östereeich. das rennen heute in östereich konnte zwar nicht viel mehr als dreissig prozent meiner aufmerksamkeit binden, war aber trotzdem ganz spannend. aber wirklich toll waren die drohnenaufnahmen, nicht mit der üblichen drohnen-vogelperspektive, sondern eine drohne, die den autos mit bis zu 300 km/h im tiefflug hinterherflog. keine ahnung was man machen muss um für sowas bei einer veranstaltung mit publikum eine genehmigung zu bekommen, aber östereich hatte ja noch kein rammstein. die bilder waren aber tatsächlich beeindruckend.
beim spiegel habe ich das schon öfter gesehen: endmarken. wenn ein spiegel-artikel zuende ist, klascht der spiegel ein logo-„S“ an den letzten absatz.
das kann ich auch, dachte ich mir und klatsche jetzt einen haufen scheisse, meinen shit-vote, bzw. „ich mag diesen scheiss!“-button an den letzten absatz — oder je nachdem, wenn ein beitrag nicht mit einem absatz endet, auch dadrunter.
ausserdem habe ich den artikel-fuss („footer“), die kommentar-sektion und die beilage ein bisschen neu geordnet, in der hoffnung dass damit auch menschen die nicht ich sind die funktion und den sinn (ein bisschen) begreifen. wenn nicht, ist auch nicht so schlimm, solange meine texte (ein bisschen) verständlich sind.
auch witzig (für mich) meine mutter, die jetzt ja ein welterste und -einzige wirres.net-beiträge per email bekommt, meinte sie hätte die letzten artikel nicht gelesen. dass habe ich ehrlichgesagt auch nicht anders erwartet, dass mein reigen an technischen deep-dives ins ATprotokoll, avtivitypub, bubbles und meine maschinenraum-geschichten an einem teil des publikums vorbeigehen und dass dieses publikum genau das tut, weiterblättern („scrollen“). das ist das schöne am internet: man kann den massengeschmack ignorieren und ganz viele nischeninteressen („long tail“) bedienen und das gezielte ignorieren funktioniert.
apropos home assistant und automatisierungen: phasenweise habe ich mich damit genauso manisch beschäftigt, wie ich mich derzeit manisch mit dieser website beschäftige. aber home assistant ist so freundlich, dass es auch ohne meine aufmerksamkeit monatelang zuverlässig funktioniert. selbst gelegentlich leerlaufende batterien bringen das system und die sensorik nicht zum erliegen, auch weil ich vieles redundant aufgesetzt habe. trotzdem habe ich der automatischen wohnung heute nochmal etwas aufmerksamkeit geschenkt, updates eingespielt, kaputtaktualisiertes („breaking changes“) gefixt, batterien getauscht und über-optimistische-sensor-wert-validierungen, bzw. glättung. als ich die aufgesetzt habe, konnte ich mir nicht vorstellen, dass am hoffenster temperaturen > 27°C auftreten (das ist immer im schatten). pustekuchen, in den letzten tagenm gings öfter drüber. deshalb hat meine sensor historie jetzt abgeflachte kurven und durch die filter-anpassung ein paar falschmessungen/ausreisser nach unten.
the agency staffel 2 hat mich in den ersten paar folgen mit 4 parallelen handlungssträngen total überfordert. aber mit jeder folge verstehe und finde ichs besser. die abgefucktheit von geheimdienstarbeit bringt die serie wirklich gut rüber, vor allem im gegenteil zu den 2000 anderen filmen und serien die geheimdienstarbeit gerne ästhetisieren, ridikülisieren oder glorifizieren. das macht the agency zwar auch, sonst wäre es ja nicht eine fiktionale unterhaltungssendung, sondern eine „true political crime“-serie auf netflix.
das klimaanlagen-/wärmepumpen-rabbithole, in das markus kürzlich gefallen ist, habe ich gerade noch vermieden. die beifahrerin hat vor ein paar jahren eine mobile, kleine klimaanlage für ihr atelier gekauft, die jetzt in meinem zimmer steht und es auf erträgliche 24,5°C kühlt. sie hat jetzt zwar auch interesse an einem weiteren gerät angemeldet, weil die temperaturen in ihrem zimmer jetzt auch auf über 25°C klettern. und meine eltern wollen auch eine. und da soll ich dann sowohl beraten als auch montieren. aber das konnte ich alles gut in den winter schieben weil man jetzt ohnehin nichts derartiges kaufen kann.
facebook gibts seit 2004, aber es dauerte noch mindestens vier jahre, bis man es in deutschland benutzen konnte. soziale netzwerke entstanden in dieser zeit gerade, in diesem beitrag von 2004 erwähne ich einen dienst der „frienster“ hiess und an den ich mich nicht mal mehr erinnern kann. über das bloggen schrieb ich damals das hier:
die person hinter einem weblog, ihre glaubwürdigkeit und das vertrauen das sie sich erschrieben hat, steht am anfang. jedes blog ist durch links, link-hubs und link-zähler, aggregatoren, blogrolls und kommentarfunktionen in eine art soziales netz von vertrauen, empfehlungen und bewertungen eingebettet. dieses soziale netz geht jetzt schon über systeme wie „frienster“ hinaus. es funktioniert vor allem jetzt schon.
blogs funktionierten damals „in sich“, sie vernetzten sich im wortsinn durch gegenseitige verlinkungen, interaktionen (kommentare), blogrollen (linklisten) und durch die hilfe von aggregatoren und teilweise auch suchmaschinen. ausserdem waren blogs immer schon abonnierbar mit RSS. das war technisch etwas anspruchsvoller als eine webseite/ein blog im browser aufzurufen, aber gute RSS-reader oder -clients gabs auch schon damals. der reiz, damals wie heute, von RSS ist natürlich die aggregation: neue artikel werden oben angezeigt, wie in einem blog, nur dass man sich in seinem reader dutzende oder hunderte blogs zusammenstellen konnte und so den überblick über neue beiträge behalten konnte.
nicht zu unterschätzen, ungefähr 2005 kam google mit dem google reader. der google reader machte RSS-feeds einfach zugänglich. ich weiss nicht mehr wie das genau funktionierte, aber die eingangsschwelle zum google reader war niedrig und einmal drin war es einfach blogs zu folgen. etwas später kamen empfehlungsfunktionen für einzelne beiträge dazu, mit dem man gelesene beiträge weiterempfehlen und (wenn ich mich recht erinnere) auch mit einem kommentar versehen konnte.
2013 endete der google reader, weil google eine bekloppte idee namens google plus hatte. wozu das gut sein sollte verstand damals ausserhalb von google niemand und irgendwann verstand das bei google auch niemand mehr und google plus wurde auch eingestellt. viele sahen das als eine art todesstoss für blogs, aber weder das ende des google readers, noch facebook oder twitter waren das ende von blogs. blogs verschwanden lediglich wieder in ihre nischen, in denen sie auch vorher schon waren, etwas ausserhalb der wahrnehmung des mainstreams.
jetzt habe ich weit ausgeholt, obwohl ich eigentlich nur sagen wollte, dass ich, als ich mein zitat oben las, dachte: das würde ich heute genau so schreiben. blogs funktionieren, blogs sind weiterhin da. manche verschwinden, viele neue tauchen auf, und ständig findet man perlen, inspiration, unterhaltung, kontroversen oder serendipität — wenn man im strom ein bisschen mitschwimmt.
und was mich in den letzten tagen immer wieder fasziniert hat ist das aufpoppen (in meinem sichtfeld) von spannendne „neuen“ technologien (#atproto, #activitypub), apps und aggregatoren die das potenzial haben dem ganzen (immer) wieder neuen schwung zu verleihen.
inzwischen ist [bubbles] bei mir der haupt-referrer über den leserinnen auf meine seite kommen. Außerdem stöbere ich dort auch echt gerne.
das er viele besucher von dort bekommt liegt wahrscheinlich auch daran, dass er (auch) englisch schreibt (seine profilseite bei bubbles zeigt auf die englische version seiner website), bei mir schaufelt rivva derzeit noch mehr besucher als fast jede andere website rüber. top referrer in den letzten 12 monaten:
tatsache ist aber, auch jetzt funktionieren blogs mindestens so gut, wenn nicht sogar besser als 2004. einerseits natürlich weil signifikant mehr leute ins internet schreiben, weil es RSS, rivva, blogrollen, webringe gibt, weil ins internet schreibende sich weiter gegeseitig verlinken und weil sich weiter viele menschen gedanken darüber machen, wie man technologien, plattformen, protokolle weiterentwickeln kann um dem ganzen nochmal mehr schwung zu geben.
ein anderer grund warum das ganze blogdings weiter brummt fällt mir morgens oft beim ersten kaffee auf, wenn sich mir (in etwa) dieses bild präsentiert:
die konstanz mancher ins internetschreibenden ist beeindruckend. jeden tag zwischen 6 und 7 uhr tauchen maximilian buddenbohm und die kaltmamsell bei mir in den feeds auf. oft ganz nah dran: markus. es scheint (weiterhin) sehr viele menschen zu geben, für die die lektüre bestimmter blogs zur morgen- oder tagesroutine gehört. ich hab wenig ahnung für wie viele menschen meine texte zur routine gehören, aber ich freue mich natürlich immer sehr, wenn ich andere mit in meine rabbitholes reissen kann oder zumindest dazu inspirieren kann, mal kurz einen blick auf dinge zu werfen über die ich mich gerade freue.
tl;dr: berichte über den tod des offenen webs sind stark übertrieben.
ich muss leider nochmal an einem teil meines publikums vorbeischreiben. das ATmosphere-rabbithole, in dem ich gerade stecke fasziniert mich gerade zu sehr, um das nicht aufzuschreiben.
man sagt ja: wenn man einen hammer in der hand hat, sieht man überall nägel. ich sehe im moment überall das AT-protokoll und die formate, bzw. lexika die dahinterstecken. mich fragen leute was der vorteil des standard.site-formats gegenüber RSS sei. der vergleich geht ein bisschen an der sache vorbei. die frage ist einfach: was sind die sachen die man mit einem protokoll machen kann, was sind die potenziale?
bereits 2002/2003, noch bevor es wordpress gab, hatte ich auf wirres.net bereits RSS (mit volltexten) eingebaut. weil ich potenzial, anwendungsfälle dafür sah — und weil es anwendungsfälle gab. ich weiss nicht ob ich es damals schon nutzte, aber netnewswire, also einen tollen RSS-reader, gabs seit 2002. 99,99% aller menschen interessierten sich damals nicht für RSS (und blogs), aber die die es nutzten fanden es grossartig, weil es grossartig und praktisch war.
mike masnik erinnert sich an das internet von damals, dass es angeblich nicht mehr gibt und von plattformen und apps zerfressen und zerfasert wurde. allerdings mit dem twist, dass das einerseits nicht stimmt, das alte internet ist noch da, und es keimt unter dem plattform-beton gerade wieder auf.
But, as Godier’s piece notes, protocols are… boring. They change slowly (for a good reason, because you need stability to build on). They tend to change by consensus, which is messy. And rather than having billion dollar companies throwing a whole massive engineering team at making everything work, in the protocol world, we rely on constant experimentation by anyone who wants to experiment.
The open web of the nineties didn’t win because the tools were better. It won because a critical mass of people decided that the alternative, a handful of AOL-style walled gardens choosing what everyone saw, was not the future they wanted. Then they built their way out of it. Slowly, unglamorously, in rooms that looked a lot like this one.
Whether atproto ends up being the thing, or a stepping stone to the thing, I don’t know. Nobody in the room claimed to know. But the work is real, the apps are shipping, and the people building them are taking it seriously without taking themselves seriously. That combination is rare, and historically, it’s the one that wins.
das entscheidende und spannende, damals wie heute, sind nicht die grossen visionen, die massenwirksamen apps und plattformen, sondern die greifbareren, jetzt nutzbaren werkzeuge die genutzt, ernsthaft weiterentwickelt werden und funktionieren. die arbeit im maschinenraum ist real. nicht meine, sondern die von tausenden frickelnden menschen, auf deren schultern man sich stellen kann und ihre werkzeuge mitbenutzen kann.
gestern habe ich eine liste von ein paar apps die auf dem AT-protokoll aufsetzen veröffentlicht die funktionieren und mit denen man spannenede sachen machen kann.
bei sill meldet man sich mit seinen bluesky- (oder beliebigen anderen ATproto-) login an und bekommt ohne weiteres zutun eine von seinen bluesky- (oder mastodon-) kontakten kuratierte und gewichtete linkliste.
bei margin meldet man sich mit seinen bluesky-login an und sieht bookmarks, anmerkungen oder hervorhebungen von textbasiertem zeug aus dem internet von allen menschen in der ATmosphere — und sicher auch irgendwann eine filtermöglichlichkeit auf menschen denen man folgt.
mein sifa-profil zeigt ohne weiteres zutun von mir auch meine bei popfeed als gesehen markierten serien und filme an.
das tolle am AT-protokoll ist, dass sich dienste und menschen auf basis dieses protokolls — und seiner (beliebig) erweiterbaren, strukturierten lexika — verbinden können. eine gemeinsame, offene, gestalbare sprache ist die basis von gemeinschaft.
man muss meine (aktuelle) begeisterung für protokolle nicht teilen. ich interessiere mich zum beispiel sehr wenig für den CAN bus oder das OBD-II protokoll. aber ich weiss, dass man mit ihnen spannende sachen mit autos machen kann. vor allem weiss ich, dass standardtisierte, offene protokolle jede technologie soweit voranbringen können, dass sie für jedermann und jederfrau nutzen bringen. kaum jemand interessiert sich für TCP/IP, http oder SSL, aber mittlerweile nutzten sie fast alle und freuen sich darüber, ohne zu wissen worüber sie sich freuen.
für mich ist wirres.net die quelle der wahrheit. nicht in dem sinn, dass alles was hier geschrieben steht stimmt, sondern das alles was ich ins internet schreibe und poste seine heimat hier hat. ich veröffentliche hier und verteile anderswohin. in ausnahmen veröffentliche ich auch anderswo, aber dann hole ich es auch wieder hierher. dafür gibts die beiden indieweb-begriffe POSSE und PESOS, aber das ist egal, weil das grundprinzip wichtiger ist, als wie man es nennt. der entscheidende punkt ist, dass ich einerseits hier alles an einer stelle beisamen und persistiert haben möchte und andererseits aber auch die menschen dort erreichen möchte wo sie gerade sind.
meiner mutter schicke ich automatisiert jeden artikel per mail. technikartikel wie diesen ignoriert sie einfach, zu langen, pseudophilosophischen texten schreibt sie mir fast immer zurück.
ich weiss dass (relativ) wenig menschen lust haben wirres.net in ihrem browser aufrufen, es aber gerne im RSS-reader ihrer wahl lesen. deshalb stelle ich RSS-feeds zur verfügung und gebe mir grosse mühe dass sie gut funktionieren und keine (oder wenig) einschränkungen zum original haben.
selfies poste ich weiterhin in kopie auf instagram, weil die menschen auf instagram aus mir unbekannten gründen gerne selfies und blumen sehen.
fotos und links zu manchen längeren artikeln poste ich auf bluesky und mastondon, weil es dort menschen gibt, die gerne auf diese art daran erinnert werden, dass ich ins internet schreibe und fotos poste.
filme und rezensionen zu filmen kopiere ich gelegentlich auch auf letterboxed, weil es dort (vielleicht) leute gibt die sie auf wirres.net nicht gefunden hätten und sich (vielleicht) über meine rezension freuen.
ich mache wieder checkins mit swarm, weils geht und es für mich der einfachste weg ist fotos mit text auf wirres.net zu posten (mit ownyourswarm). gelegentlich favt auch jemand checkins von mir auf swarm.
die liste kann ich fast beliebig weiterführen, der entscheidende punkt ist, dass die gezielte verteilung meiner inhalte im internet einerseits anderen entgegegnkommt und andererseits für mich die beschäftigung mit interessantem technik-gedöns bedeutet.
artikel im volltext mit dem standard.site protokoll in die ATmosphere zu blasen ersetzt RSS nicht. aber es eröffnet neue potenziale der entdeckbarkeit, von empfehlungs- und interaktionsmöglichkeiten. wenn ich einem RSS feed folge weiss das niemand. wenn ich einer standard.site publikation folge, wie zum beispiel nicos couchblog, sieht man das hier oder auch hier.
wenn ich ein bookmark in meinen river werfe sieht das kaum jemand. man kann die bookmarks zwar per RSS abonnieren (oder alles, wirklich alle abonnieren), aber vielleicht ist es ja besser dieses bookmark auch in einer dezidierten bookmarkanwendung finden zu können. hier zum beispiel. oder hier. wenn man sich mit seinem bluesky-login dort angemeldet, kann man mein bookmark kommentieren, weiterverteilen, faven oder selbst sichern.
das verteilen meiner artikel oder bookmarks ist und war nicht kompliziert. ausser schreibzugriff auf mein (bluesky) PDS (per app-passwort) brauche ich nichts weiter. kirby schickt dann ziemlich leichtgewichtige json-blobs an den PDS und fertig. obwohl margin.at keine ausgewachsene API hat, kann ich dort bookmarks, anmerkungen oder markierungen einfach (per knopfdruck) aus meinen ohnehin vorhandenen bookmarks auf wirres.net senden. ich brauche keine margin.at-app, das AT-protokoll reicht. wobei eine margin-app (fürs handy) gibts eh nicht, wohl aber eine chrome extension. die brauche ich dank des protokolls nicht zum anlegen von bookmarks, aber sie ist trotdem toll, weil zitate die ich ins bookmark kopiere, dann mit der extension in chrome auch auf der seite markiert werden.
diese markierung wäre dann auch sichtbar für jemanden der bei margin.at angemeldet ist und die chrome extension installiert hat.
ich weiss, alles technische, komplizierte spielereien deren nutzen zweifelhaft oder zumindest nicht sonderlich weit verbreitet ist. null relevanz. aber so viel potenzial.
um nochmal das zitat von tim trautmann von oben zu wiederholen:
Whether atproto ends up being the thing, or a stepping stone to the thing, I don't know.
weiss niemand, ob das zu was führt oder jemals von normalen menschen adaptiert wird. aber interessant ohne ende isses schon — und es funktioniert.
die überschrift („ich will keine APPs, ich will APIs“) habe ich ein bisschen im text vernachlässigt. das hole ich jetzt nach.
mir ist das schon seit vielen jahren aufgefallen, dass viele hersteller von sachen glauben, dass ihre sachen eine app brauchen. in der praxis geht das oft völlig am bedarf vorbei. bei der heimautomatisierung setzt sich (j sei dank) langsam die erkenntnis durch, dass es keinen sinn macht wenn der kühlschrank, die spülmaschine, der airfryer, der staubsaugerroboter und die lichter jeweils eine eigene app haben. langsam setzt sich (dank matter) die erkenntnis durch, dass offnene protokolle der weg sind, mit denen technisch komplexe sachen irgendwann mal akzeptanz finden können.
mit protokollen kann ich mit den sachen entweder machen was ich will oder etablierte, stabile systeme eines herstellers meiner wahl nutzen. im fall von heimautomatisierung zum beispiel home assistant, homekit, google home oder dieses alexa-gedöns.
wedium hat den schuss offenbar nicht gehört. wedium, das ich seit der republica „testen“ darf, erscheint mir als das langweiligste, verschlossenste und nutzloseste „soziale Netzwerk“ der welt.
im web ist wedium nicht zugänglich, beiträge sind auch nicht ausserhalb der app teilbar. der share-button in der app kopiert lediglich eine url des beitragsbildes. ich kann auf ios noch nicht mal aus der photos-app ein bild per share-button zu wedium sharen. nicht eine schnittstelle habe ich in der beta-version der app gesehen.
aber das ist neben dem „sozialen“ der ganze witz an einer netzwerk app: dass man sie vernetzen kann, dass man mit APIs spielen kann, potenziale ausloten kann, dass man als nutzer die app besser machen kann, indem man mit auf dem netzwerk rumhackt. völlig unverständlich, dass man bei wedium glaubt nicht nur das rad netzwerk neu erfinden kann, sondern dass man es auch von null auf besser machen könne.
so überwältigt ich in den letzten paar tagen vom AT-protokoll war, davor ganz ähnlich vom fediverse und activityPub fasziniert war, so unterwältigt bin ich von wedium.
wenn wedium schon das marketing verkackt, wie soll das dann erst mit der eigentlichen maschine klappen? bei der konkurenz? also konkret den grossen (über-) mächtigen plattformen und den vielen kleinen, spannenden, lebhaften und dynamischen projekten, die auf offenen protokollen aufsetzen.
spannende zeiten, aber höchstwahrscheinlich nicht für wedium.
vor ungefähr 35 jahren wurde während eines strandurlaubs unser auto aufgebrochen und ein paar sachen daraus geklaut. soweit ich mich erinnere, war nichts wichtiges oder wertvolles dabei, wir hatten ja nichts damals. aber auch mein adressbuch verschwand an diesem tag und das war sehr schmerzhaft. seitdem führe ich meine adressbücher nur noch redundant, ich habe seitdem immer ein backup. in den späten achtziger jahren waren das wahrscheinlich noch photokopien, aber seitdem ich zugriff auf einen PC und drucker hatte, führte ich meine kontakte mit computerhilfe. mein mobiles adressbuch bestand viele jahre aus gefalteten, klein bedruckten DIN-A4-blättern. meine adressen erfasste ich dann, glaube ich, mitte der neunziger jahre für den palm-pilot erstmals strukturiert. seitdem leben meine adressen in irgendeinem computer und sind immer irgendwo gesichert.
ich hole so weit nach anno dazumal aus, um zu begründen, warum die ersten smartphones mich von anfang an begeisterten und ich sie tatsächlich smart fand. weil vorher war das mit adressen und terminen einfach mist. man sollte die filo- oder papierfaxen zu denen wir damals gezwungen waren nicht verherrlichen. selbst das primitivste smartphone damals (bei mir unter anderem der palm pre) war um längen praktischer und smarter als der vorherige papierkram.
mein smartphone weiss einiges über mich: alle meine adressen, meine termine, meinen aufenthaltsort, mit wem ich telefoniere und schreibe. natürlich weiss mein telefon das alles nicht, sondern es speichert diese daten erstmal nur. der prozess, diese informationen zu echtem wissen umzuwandeln, steckt noch ziemlich am anfang.
mir fiel damals auf, dass diese zentrale aggregation von daten (oder digitale sammelwut) eigentlich auch nichts neues war. leute, die es sich leisten konnten, hatten schon immer assistenten oder diener, die das für sie erledigten.
ein guter butler (oder assistent) sollte meine kontakte, korrespondenz-metadaten und termine kennen, jederzeit meinen aufenthaltsort so genau wie möglich bestimmen können und so viel wie möglich über meine vorlieben und abneigungen wissen. diese daten sollte sich ein butler auch gut merken können, damit ihm das alles nicht jeden morgen neu erklärt werden muss.
mittlerweile sind smartphones und unsere anderen digitalen helfer sehr viel weiter als vor 13 jahren. wir erfassen und speichern noch mehr unserer daten auf ihnen, es fallen unmengen an metadaten an und die möglichkeiten, diese daten mit software zu verknüpfen, wurden im laufe der jahre immer besser. und jetzt stehen alle in den startlöchern und wollen diesen datenschatz mit künstlicher intelligenz aufbereiten, verknüpfen und auswerten. vorgeblich zu unserem nutzen und vorteil.
damals wie heute stellt sich vor allem die frage der loyalität: ist mein smartphone loyal? von butlern erwarten wir nicht nur loyalität, sondern auch diskretion. im prinzip erwarten wir das auch von unseren digitalen assistenten. in den jugendjahren unserer smartphones wurde dieses vertrauen gelegentlich gebrochen, wenn man irgendwann erfuhr, dass bei der anmeldung bei einem online-dienst auch gleich unser adressbuch auf die server dieses online-dienstes übertragen wurde.
mittlerweile haben die smartphone-hersteller an der loyalität ihrer produkte und den möglichkeiten der loyalitätskontrolle gearbeitet. moderne smartphones weisen darauf hin, wenn fremde zugriff auf persönliche daten erlangen wollen, und fragen bei uns nach. teilweise so oft, dass wir uns schon wieder assistenten wünschen, die diese anfragen automatisch und in unserem sinn beantworten würden. aber grundsätzlich haben die meisten menschen mittlerweile ein mittelgut begründetes vertrauen in die loyalität ihrer elektronischen helfer. bis auf die tatsache, um im bild zu bleiben, dass diese helfer oder butler alle amerikaner sind und deshalb etwas unberechenbar sind. aber das ist ein anderes problem als das, über das ich eigentlich schreiben wollte.
das problem ist künstliche intelligenz (KI). viele menschen (ich auch) erhoffen sich praktische vorteile davon, wenn sie KI-systemen zugriff auf all ihre daten geben. viele stöpseln sich mit openclaw oder anderen programmierknechten systeme zusammen, die zugriff auf all ihre daten bekommen und auch noch in ihrem namen handeln können. bildlich gesprochen ist die technologische lage momentan so, als ob sich die strassen plötzlich überall mit kobolden füllen, die uns versprechen, alle möglichen aufgaben für uns zu erledigen, kostenlos günstig und schnell. damit sie gut für uns arbeiten können, öffnen wir nicht nur unser haus und unsere wohnungstüren, sondern entfernen oft gleich alle schlösser und türen komplett, damit die kobolde ungestört arbeiten können.
das ist das gute recht aller erwachsenen menschen, so zu handeln, und wir werden alle sehr viel aus den erfahrungen mit den kobolden lernen, was passiert wenn sie autonom agieren oder wenn sie laienhaft mit scripten wie openclaw instruiert werden.
apple hat anfang der woche seine vorstellungen formuliert, wie die zusammenarbeit mit diesen kobolden aussehen soll. apple sucht die kobolde für uns aus und will sie rigoros auf unseren apple-telefonen einsperren. den schlüssel zu den kobolden will apple auf dem iphone nicht aus der hand geben. auf dem mac dürfen wir nach wie vor machen, was wir wollen, und beliebig kobolde einlassen. auf das iphone dürfen nur apple-approved kobolde in den daten wühlen.
die gesetzgeber in der europäischen union finden das nicht gut und meinen, dass auch andere kobolde im iphone in daten wühlen dürfen sollten. apple sagt, das ginge gar nicht, weil man nur die eigenen, ausgewählten amerikanischen kobolde kontrollieren könne. apple sagt (mit ganz anderen worten), dass man die kobolde derzeit einfach einmauert, um türen, fenster, einlass- und ausgangskontrollen, überwachung und kobold-auswahlkriterien zu konzipieren und zu bauen, brauche man noch mindestens 18 monate.
deshalb gibts jetzt wohl in der EU mindestens zwei jahre lang keine kobolde auf iphones.
ich hätte gerne mit den apple-kobolden auf meinem iphone rumgespielt. aber noch lieber hätte ich ein iphone, auf dem ich wie auf meinem mac das machen kann, was ich will. ein system, auf dem ich, wenn ich mal kobolde einlade, genau beobachten kann, was die kobolde machen, und sie jederzeit wieder rausschmeissen kann oder ihnen feingranular bestimmte rechte geben kann, wenn es mir mal experimentierfreudig zumute ist. aber apple will das momentan nicht auf iphones und ipads machen und wehrt sich mit händen und füssen und viel schlüpfriger resilienz gegen gesetze, die das eigentlich so vorsehen.