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aus­ge­dach­te aka­de­mie, selbst­ge­stell­te pro­ble­me, uz­lar le­sen, vor­bil­der selbst ma­len

felix schwenzel in notiert

mir ist auf­ge­fal­len, dass ich das was man heu­te ger­ne vibe co­ding nennt schon seit jahr­zehn­ten ma­che. näm­lich an pro­ble­me mit we­nig ah­nung, aber ei­nem aus­ge­präg­ten ge­fühl für ei­nen lö­sungs­an­satz ran­ge­hen und so­lan­ge an der lö­sung den­geln, bis das pro­blem ge­löst ist oder es so funk­tio­niertm wie ich mir das vor­her vor­ge­stellt habe.

schon die ers­ten ver­sio­nen die­ser web­site habe ich aus­chliess­lich mit frem­der hil­fe ge­baut. weil es da­mals kei­ne LLMs gab, die ihr wis­sen mit mir zei­len, nuss­te ich da­mals auf das wis­sen an­de­rer men­schen zu­rück­grei­fen. de­ren wis­sen muss­te man frü­her müh­sam zu­sam­men­su­chen, meis­ten in­dem man fra­gen in stich­wor­te auf­teil­te und sich dann schritt für schritt ei­ner lö­sung ent­ge­gen­han­gel­te.

an der ers­ten in­kar­na­ti­on die­ser web­site habe ich so um die 15 oder 20 jah­re lanf ge­schraubt bis sie den funk­ti­ons­um­fang hat­te, den ich mir vor­ge­stellt habe. mitt­ler­wei­le hat der funk­ti­ons­um­gang nach dem neu­start die­ser web­site, mei­ner ein­schät­zung nach, wie­der das ni­veau des vor­gän­gers er­reicht — in we­ni­ger als ei­nem jahr. die­ses mal ging es zwar schnel­ler, aber ehr­lich­ge­sagt schät­ze ichm dass die qua­li­tät des­sen was hin­ten raus­ge­kom­men ist um ein viel­fa­ches bes­ser ist als die vor­gän­ger-ver­sio­nen.

ich höre schon die rufe: das ist dann aber kein war­tungs­freund­li­cher code und wür­de dann ant­wor­ten: stimmt. aber dar­um geht’s gar nicht. wie lang­wei­lig wäre das denn, wenn ich mich nicht mehr in die lö­sung selbst­ge­stell­ter und selbst­ge­mach­ter pro­ble­me knien könn­te? mög­li­cher­wei­se kann man das mit dem berg­stei­gen ver­glei­chen: es geht nicht dar­um die ber­ge fla­cher oder steig­freund­lich zu ma­chen, son­dern mög­lichst im­mer stei­le­re ber­ge zu fin­den. es geht we­ni­ger dar­um pro­ble­me zu lö­sen, als im­mer wie­der neue pro­ble­me zu fin­den und die ar­beit an ih­rer lö­sung zu ge­nies­sen. ich rol­le den stein im­mer wie­der berg­auf, nicht weil mich die göt­ter dazu ver­ur­teilt ha­ben, son­dern weil ich den stein ger­ne berg­auf­wärts rol­le und berg­ab­rol­len lang­wei­lig wäre.


jo­han­nes weist dar­auf hin, dass mo­ritz von us­lar re­gel­mäs­sig ins in­ter­net schteibt. liest sich gut:

(12.03.2026) Eri­ka Tho­m­al­la hat­te ei­nen al­ten Text von Chris­ti­an Kracht vor­ge­le­sen, 1994 in der Zeit­schrift Tem­po er­schie­nen, The­ma: ein Por­trät des da­ma­li­gen SPD-Kanz­ler­kan­di­da­ten Ru­dolf Schar­ping (das ist der, der zu­rück­tre­ten muss­te, weil er für Bun­te mit ei­ner Grä­fin in ei­nem Pool plan­schen war). Der Text, ganz nor­mal vor­ge­le­sen, lös­te so­fort Be­klem­mung, Rat­lo­sig­keit, dann auch: Ent­set­zen aus, im Pu­bli­kum wie bei uns auf der Büh­ne. Es war Pop­jour­na­lis­mus pur, die da­mals ab­so­lut als toll emp­fun­de­ne Mi­schung aus Ul­tra-Sno­bis­mus, ja, auch Men­schen­ver­ach­tung, klar, (hier eher: Schar­ping-Ver­ach­tung), ir­rem Rum­ge­la­ber auf Sei­ten­we­gen (in die­sem Kracht-Text: das Deut­sche an sich, schwe­re Ar­beit, schwer Bö­den, Bäue­rin­nen mit gro­ßen Brüs­ten, hä?) und ein paar sehr di­rek­ten, gut sit­zen­den Kil­ler­sät­zen.


ben_ zählt män­ner­vor­bil­der auf. muss ich glau­be ich noch­mal drü­ber nach­den­ken, aber spon­tan wür­de ich sa­gen: vor­bil­der hatt eich nie. es gab im­mer ei­ni­ge men­schen die ich gut oder in­ter­es­sant fand, de­ren ver­hal­ten oder de­ren art ich in be­stimm­ten si­tua­tio­nen auch mal nach­ah­men wür­de. prä­gen­der wa­ren men­schen die mich dazu brach­ten be­stimm­te din­ge nicht zu tun, de­ren ver­hal­ten oder de­ren art ich un­ter kei­nen um­stän­den re­pli­zie­ren wol­len wür­de. ich woll­te auch nie zu ei­ner grup­pe ge­hö­ren, aber da­für habe ich im­mer wie­der in­ter­es­se an grup­pen ent­wi­ckeltm die ich ger­ne mal ken­nen­ler­nen wür­de oder ger­ne aus der nähe be­ob­ach­ten wür­de.

viel mehr als vor­bil­der hat mich fra­gen be­schäf­tigt: wie will ich sein, wie will ich mich ver­hal­ten, was will ich kön­nen, was brau­che ich nicht, wie löse ich das nächs­te pro­blem?

ich er­in­ner dar­an ir­gend­wan in den acht­zi­ger jah­ren im fern­se­hen ein sehr al­ten mann ge­se­hen zu ha­ben, der ganz an­ders war als alle an­de­ren al­ten men­schen, die ich bis da­hin kann­te. der alte mann, der viel­leicht gar nicht mal so alt war, aber auf mein 14 oder 15 jäh­ri­ges ich sehr alt wirk­te, stach des­halb her­vor, weil er be­sch­ei­den, klug, neu­gie­rig, po­si­tiv, wach, in­ter­es­siew­rt, eu­pho­risch und der zu­kunft zu­ge­wandt schien. die al­ten men­schen die ich bis da­gin kann­te leb­ten ge­öss­ten­teils in der ver­gan­gen­heit (oder er­zähl­ten gröss­ten­teils ge­schich­ten aus ih­rer ver­gan­gen­heit), fan­den die mo­der­ne welt nicht be­son­ders gutm zeig­ten kaum neu­gier, wa­ren grun­py und sta­chen nicht ge­ra­de durch klug­heit her­vor. selbt ein al­ter mensch zu wer­den schien mir an­ge­sichts der al­ten men­schen die ich kann­te nicht be­son­ders er­stre­bens­wert. bis ich die­sem ei­gen­ar­ti­gen al­ten mann im fern­se­hen sah. ich weiss bis heu­te nicht wer der alte mann war und ob ich mir heu­te mehr dazu zu­recht­rei­me als da­mals, aber die­sen men­schen wür­de ich durch­aus als vor­bild be­zeich­nen, auch wenn ich mir auch die­ses vor­bild, wie die meis­ten an­de­ren vor­bil­der, wohl vor al­lem selbst ge­zeich­net (oder bes­ser: ge­malt) habe.


eben hab ich das staf­fel­en­de von star­fleet aca­de­my ge­guckt. das war wie­der fast un­er­träg­lich. im­mer­hin ha­ben sie ein zi­tat ge­bracht, das mich zum mit­schrei­ben in­spi­rier­te. man kann das zi­tat aqus nahla akes schluss­plä­doy­er und das gan­ze fi­na­le auch als kom­men­tar zur po­li­ti­schen lage in den USA le­sen:

you never grew up. and it got us right here. so the ques­ti­ons i’d ask all the­se peo­p­le wat­ching: is this the per­son you want to fol­low into the fu­ture? an an­gry child with his fin­ger on the trig­ger, who­se en­ti­re world­view ist ba­sed on a lie?

ste­ven col­bert, der den elek­tri­schen KI-de­kan aus der PA ge­spro­chen hat, wird sich viel­leicht auch drü­ber ge­freut ha­ben.


hand­auf­le­gen, se­ri­en, lan­ge­wei­le, bü­cher und kar­tons

felix schwenzel in artikel

ges­tern habe ich ein vi­deo ge­se­hen, in dem ge­sagt wur­de, das men­schen und hun­de bein ge­mein­sa­men schlaf in ei­nem bett ihre herz­fre­quenz­va­ria­bi­li­tät (HRV) syn­chro­ni­sie­ren. ob­wohl sich hun­de und men­schen im bett nachts stän­dig ge­gen­sei­tig kurz we­cken, stei­ge trotz­dem die sub­jek­ti­ve schlaf­qua­li­tät.

fri­da lässt sich das na­tür­lich nicht neh­men in un­se­ren bet­ten zu schla­fen, egal ob wir im bett sind oder nicht. aber be­son­ders ger­ne liegt sie na­tür­lich im bett, wenn ei­ner von uns auch drin liegt.

tags­über liegt sie ger­ne bei der bei­fah­re­rin im wohn­zim­mer auf der couch, wäh­rend ich im home of­fice ne­ben­an ar­bei­te. aus­ser wäh­rend mei­ner täg­li­chen ca. 30 mi­nu­ten mi­t­ags­schlaf. die möch­te sie un­be­dingt bei mir ver­brin­gen. das ri­tu­al ist im­mer das glei­che. ich lege mich ge­gen 12 uhr in bett, sie kommt aus dem wohn­zim­mer ge­da­ckelt ge­pu­delt, springt aufs bett, prüft wie ich aus dem mund rie­che und legt sich dann, mit kon­takt zu mei­nen bei­nen, ans fus­sen­de.

ich schla­fe im­mer gut ein wenn ich mich ins bett lege, egal ob mit­tags oder abends oder spät nachts. aber wenn fri­da ne­ben mir liegt, schla­fe ich noch schnel­ler ein. es ist in der tat er­staun­lich, was für ei­nen be­ru­hi­gen­den ef­fekt ein hund am bein hat. und laut der stu­di­en, die das vi­deo zi­tiert, be­ruht das wohl auf ge­gen­sei­tig­keit. es ist als wür­de man sich ge­gen­sei­tig eine hand auf­le­gen, mit dem un­ter­schied, dass auf­ge­leg­te hän­de sich spä­tens nach 3 mi­nu­ten un­an­ge­nehm oder un­ge­müt­lich an­füh­len. noch er­staun­li­cher, wenn fri­da das bett ver­lässt, zum bei­spiel weil die bei­fah­re­rin sich es­sen macht und sie prü­fen möch­te was es gibt und ob et­was für sie ab­fal­len könn­te, bleibt das ge­fühl, dass fri­da an mei­nem fus­sen­de liegt, wie ein ab­druck be­stehen.


ich fra­ge mich in den letz­ten ta­gen: was ist es ei­gent­lich, was mich in fern­seh­se­ri­en rein­zieht? oder an­ders­rum ge­fragt, war­um lang­wei­len mich die zwei­ten staf­feln man­cher se­ri­en so sehr? ich hab die tage mit der zwei­ten staf­fel the night ma­na­ger an­ge­fan­gen und mä­kel­te in­ner­lich die gan­ze zeit dar­an rum. zwei fol­gen hab ich ge­schafft, mehr geht glau­be ich nicht.

die ers­te fol­ge der zwei­ten staf­fel hi­jack spielt in ber­lin, was mich 2 mi­nu­ten lang ge­freut hat, bis es dann pein­lich wur­de, weil nichts was man dort sieht, mit dem über­ein­stimmt, was ich selbst so in ber­lin sehe oder er­le­be.

die ant­wort auf die rhe­to­ri­sche fra­ge, die ich mir selbst ge­stellt habe, scheint pa­ra­dox, aber viel­leicht ist was dran: wenn ich die ers­te fol­ge ei­ner se­rie an­se­he und al­les was ich sehe ein biss­chen lang­wei­lig ist, weckt das un­ter um­stän­den (vor al­lem wenn die se­rie nicht zu bil­lig aus­sieht) mein in­ter­es­se. ich glau­be wenn eine se­rie zu am­bi­tio­niert und be­müht an­fängt, ent­wick­le ich so­fort wi­der­wil­len. wenn ich hin­ge­gen nor­ma­le leu­te sehe und das was sie ma­chen und was ih­nen pas­siert nach­voll­zie­bar ist, weckt das mein in­ter­es­se (wenn die se­rie nicht zu bil­lig aus­sieht). und tat­säch­lich ist das mög­lich­wei­se die grund­la­ge von gu­tem ge­schich­ten­er­zäh­len. das funk­tio­niert nur, wenn ich mich mit den prot­ago­nis­ten iden­ti­fi­zie­ren kann und da­für braucht es erst­mal nor­ma­li­tät.

id­ris elba als sam nel­son ist in der zwei­ten hi­jack-staf­fel von an­fang an pa­ra­no­id, sieht in je­dem wim­pern­zu­cken der men­schen in der ubahn et­was ver­däch­ti­ges. in der ers­ten staf­fel ist er ein­fach in ein flug­zeugt ge­stie­gen und das hat als span­nungs­bo­gen aus­ge­reicht.

tom hidd­le­s­ton als jo­na­than pine hat in der zwei­ten staf­fel vom night ma­na­ger durch­ge­hend dra­ma­ti­sche flash­backs im kopf­ki­no, die der re­gis­seur uns zu­schau­ern dann brüh­warm auf die au­gen bin­det. wenn das al­les et­was lang­wei­li­ger oder sub­ti­ler in­sze­niert wäre, wie viel span­nen­der hät­te das wer­den kön­nen? über­dra­ma­ti­sie­rung nimmt dem gan­zen dra­ma den schwung.

wenn ich mich recht er­in­ne­re, wa­ren die ers­ten 30 mi­nu­ten der ers­ten fol­ge brea­king bad irre lang­wei­lig. ich sah: das ist nicht bil­lig pro­du­ziert und mein in­ter­es­se war trotz (oder we­gen?) der lan­ge­wei­le ge­weckt. die fol­gen­den es­ka­la­tio­nen wur­zel­ten in so­li­der lan­ge­wei­le und blie­ben des­halb auf eine art nach­voll­zieh­bar. bei bet­ter call saul war die gan­ze ers­te staf­fel lang­wei­lig, da­mit die spä­te­ren es­ka­la­tio­nen in ruhe wur­zeln schla­gen konn­ten. auch bei a knight of the se­ven king­doms blieb es drei oder vier fol­gen lang sehr lang­wei­lig, aber da­für sah al­les sehr schön aus — und ich fand den rest der ers­ten staf­fel gran­di­os.


auf der ar­beit habe ich mich in den letz­ten ta­gen viel mit ta­bel­len­kal­ku­la­ti­on be­schäf­tigt. kon­kre­ter mit goog­le sheets. in ers­ter li­nie ver­su­che ich mir und mei­nem team ein paar werk­zeu­ge zu bau­en um bes­ser und schnel­ler preis­aus­künf­te ge­ben zu kön­nen. da­bei fiel mir auf, wie ar­cha­isch es ei­gent­lich ist, prei­se oder preis­lis­ten auf web­sei­ten oder pdfs als ein­fa­che lis­ten zu ver­öf­fent­li­chen.

mir kam der ge­dan­ke, dass ja ei­gent­lich jede oder je­der die vor ei­ner kauf­ent­sch­ei­dung ste­hen in ir­gend­ei­ner form prei­se und op­tio­nen ver­glei­chen wol­len oder müs­sen. war­um kann man das al­les nicht in­ter­ak­tiv wie bei ei­ner ta­bel­len­kal­ku­la­ti­on ma­chen? wenn ich ei­nen com­pu­ter kau­feh will, war­um in der preis­lis­te statt „16 GB RAM“ hin­zu­schrei­ben, ein aus­wahl­me­nü mit 16, 32, 64 oder 128 GB RAM an­bie­ten, und die sum­me dann dy­na­misch be­rech­nen? war­um sta­ti­sche ta­bel­len lay­ou­ten, wenn man ge­nau­so gut dy­na­mi­sche te­bel­len ver­öf­fent­li­chen könn­te und die kun­den so lan­ge an den op­tio­nen dre­hen kön­nen, bis es ih­nen passt? das muss ja auch nicht ex­klu­siv sein, man kann ja bei­des ver­öf­fent­li­chen.

der sta­tus quo ist ja der­zeit, dass fir­men ihre preis­lis­ten auf­wän­dig in ei­ner ta­bel­len­kal­ku­la­ti­on ent­wi­ckeln, dar­aus auf­wän­di­ge preis­lis­ten ab­lei­ten und die kun­den die­se preis­lis­ten dann wie­der für den ei­gen­ge­brauch in eine in­ter­ak­ti­ve ta­bel­len­kal­ku­la­ti­on um­wan­deln? wenn fried­rich merz jam­mern wür­de dass sta­ti­sche oder pdf-preis­lis­ten die pro­duk­ti­vi­tät un­se­rer öko­no­mie läh­men wür­den, dann gäbe es auch mal was wo ich ihm aus­nahm­se­wei­se zu­stim­men könn­te.


ges­tern habe ich an­ge­fan­gen die­ses buch zu le­sen. liest sich gut, ob­wohl ich stän­dig ein­ge­schla­fen bin (nicht we­gen des buchs, son­dern weil ich so ger­ne schla­fe). ich habe ich mehr als die hälf­te an ei­nem nach­mit­tag ge­le­sen. beim le­sen dach­te ich: „das sind doch al­les blog­bei­trä­ge!“ weil chris­ti­an han­ne zwei ka­pi­tel in sei­nem blog / auf sei­ner web­sei­te ver­öf­fent­lich hat, stimmt der ge­dan­ke also min­des­tens ein biss­chen („Fear and Loathing auf dem El­tern­sprech­tag“, „Epi­log“).

ich denk beim le­sen von bü­chern trotz­dem im­mer: war­um ei­gent­lich tex­te auf pa­pier dru­cken oder in ein e-book-da­tei­for­mat pres­sen? hat das fi­nan­zi­el­le grün­de? oder ha­ben bü­cher wirk­lich im­mer noch eine bes­se­re re­pu­ta­ti­on als tex­te im web? die ge­mein­frei­en klas­si­ker füh­len sich doch auch im pro­jekt-gu­ten­berg.org wohl?

oder ist es es die hap­tik? das ge­fühl et­was kau­fen zu kön­nen, was man dann in der hand hal­ten kann? ich für mei­nen teil könn­te gut da­mit le­ben ein buch zu kau­fen und dann statt es ei­nes bu­ches eine url ge­schickt zu be­kom­men auf der ich das am rech­ner oder dem te­le­fon le­sen kann. ich fin­de das hap­tisch aus­rei­chend. oder man ver­schickt bü­cher als klei­ne pap­kar­ten die auf der ei­nen sei­te das buch-co­ver auf­ge­druckt ha­ben und auf der an­de­ren sei­te ei­nen qr code mit der url, wo man das buch dann im web le­sen kann.

wer ger­ne zeigt was er ge­ra­de liest, kann die papp­kar­te hin­ten aufs te­le­fon kle­ben. für be­son­ders hoch­wer­ti­gen kar­ton kann man das dopp­le­te be­zah­len (hard­co­ver), die bil­li­ge ver­si­on (ta­schen­buch) ist auf dün­nem kar­ton ge­druckt. hard­co­ver könn­ten kreis­för­mi­ge ma­gne­te ein­ge­ar­bei­tet ha­ben, die dann an magsafe oder qi2 ma­gnet­rin­ge am han­dy an­klip­sen.

war­um ein buch nicht ein­fach wie eine web­sei­te mit be­zahl­schran­ke ver­öf­fent­li­chen? über­me­di­en ver­öf­fent­licht je­den tag (?) ei­nen ar­ti­kel und packt sie für eine wei­le ex­klu­siv hin­ter eine ste­ady be­zahl­schran­ke. war­um soll­te man das nicht auch mit ei­nem buch ma­chen? wenn das buch neu ist zah­le ich 12 euro und jede wo­che — oder je­den tag — kommt ein neu­es ka­pi­tel. sind alle ka­pi­tel er­schie­nen kau­fen 12 euro den zu­gang zum gan­zen buch. zah­le ich ein paar euro mehr be­kom­me ich ei­nen be­druck­ten kar­ton den ich mir ans te­le­fon hef­ten kann, an die wand hän­gen oder ins re­gal stel­len oder sta­peln kann.

für men­schen die ohne strom le­sen wol­len kann man na­tür­lich im­mer noch eine klei­ne auf­la­ge auf pa­pier aus­dru­cken oder den text in ein e-book-for­mat statt html pres­sen. ich mag es mitt­ler­wei­le wirk­lich am liebs­ten, wenn mich buch­sta­ben von ei­ner web­sei­te an­leuch­ten.

buch­sta­ben mit son­nen-, ker­zen- oder lam­pen­licht selbst zu be­leuch­ten regt kei­ne ge­füh­le in mir an. oder hab ich was über­se­hen, was aus­ge­druck­te buch­sta­ben zwi­schen papp­de­ckeln oder e-book-da­tei-for­ma­te so spe­zi­ell macht, dass nie­mand ein „buch“ als web­sei­te ver­öf­fent­li­chen mag?


ab­mah­nung, aus dem ma­schi­nen­raum

felix schwenzel in über wirres

als ich vor 23 jah­ren an­fing mit ei­nem con­tent ma­nag­ment sys­tem ins in­ter­net zu schrei­ben, war ich in vie­ler­lei hin­sicht ein biss­chen naiv. auch was die nut­zung von bil­dern an­geht. wenn schlech­te wit­ze (ar­nold schwar­zeg­ger hat schrank­far­be­ne haa­re) die nut­zung ei­nes bil­des er­for­der­ten, such­te ich mir ein bild und be­nutz­te es. 2002 wur­den ur­he­ber­rechts­ver­stös­se eher sel­ten ge­ahn­det und goog­le war ge­ra­de mal 4 jah­re alt.

spä­tes­tens zu zei­ten von ma­ri­ons koch­buch (die äl­te­ren wer­den sich er­in­nern) fing ich an mein ar­chiv für such­ma­schi­nen zu ver­ram­meln. bei ar­ti­keln die äl­ter wa­ren als 5 jah­re ver­bot ich die such­ma­schi­nen in­de­xie­rung. das hat so­weit gut ge­klapt. in den > 20 jah­ren in de­nen ich ins in­ter­net schrieb habe ich zwar die eine oder an­de­re ab­mah­nung be­kom­men, aber nie we­gen ur­he­ber­recht­ver­stös­sen. bis heu­te. ein foto von ar­nold schwar­zen­eg­ger das seit 20 jah­ren im web rum­lag, aus­ge­schlos­sen von such­ma­schi­nen-in­de­xie­rung und un­ge­se­hen von je­der men­schen­see­le, wur­de doch von ir­gend­ei­nem rech­te­inha­ber ge­fun­den. die sei­te, auf der das bild laut an­walts­schrei­ben zu se­hen ge­we­sen sei, war von der such­ma­schi­nen­in­de­xie­rung aus­ge­schlos­sen und da­mit im prin­zip un­sicht­bar. ich weiss zwar, dass ethisch frag­wür­di­ge craw­ler sich nicht an ro­bots.txt an­wei­sun­gen hal­ten, aber dass mög­li­cher­wei­se für die durch­set­zung von ur­he­ber­rech­ten auch sol­che an­wei­sun­gen igno­riert wer­den, scheint neu zu sein.

die 250 € habe ich über­wie­sen, das bild ge­löscht und den ar­ti­kel ent­fernt und gleich­zei­tig habe ich alle bil­der von ar­ti­keln die äl­ter als 2010 sind mit th­umb­hash bil­dern er­setzt. th­um­hashs sind „very com­pact re­pre­sen­ta­ti­ons of an image“, die ge­ra­de mal ein paar byte gross sind. die nut­ze ich schon län­ger fürs la­zy­loa­ding, man be­kommt die also zu se­hen wenn man wir­res.net mit ei­ner sehr lang­sa­men in­ter­net­ver­bin­dung be­sucht. an­sons­ten sieht man die nur sel­ten. hier eine bei­spiel­sei­te aus mei­nem ar­chiv.

screenshot aus meinem archiv, die bilder sind weiter bunt, aber gethumbhashed, also sehr, sehr unscharf.

die rie­sen­ma­schi­ne macht das schon lan­ge so mit bil­dern, de­ren rech­te­la­ge un­ge­klärt ist: ein­fach weg­las­sen.

screenshot von der riesenmaschine.de, bilder mit ungeklärten urheberrechten (also fast alle) werden einfach weggelassen.

aber nur we­gen ei­nes an­walt­schrei­bens soll mein ar­chiv nicht we­ni­ger bunt sein. des­halb fin­de ich mei­ne lö­sung, bil­der erst­mal pau­schal auf we­ni­ge bun­te byte zu re­du­zie­ren sehr schön. und ar­ti­kel mit bil­dern, über de­ren rech­te ich mir im kla­ren bin (zum bei­spiel weil ich die bil­der selbst auf­ge­nom­men habe), kann ich von der th­umb­hash­i­sie­rung aus­neh­men, aber das ist ein ma­nu­el­ler vor­gang.

so hat die ab­mah­nung auch was gu­tes: ein schö­nes neu­es fea­ture, von dem ich aus dem ma­schi­nen­raum be­rich­ten kann.


es gibt auch sonst ei­ni­ges neu­es aus dem ma­schi­nen­raum. zum bei­spiel neue feeds für den ri­ver, die fa­vo­ri­ten, book­marks oder was ich ge­se­hen habe (alle feeds sind au­to­dis­co­vera­ble oder hier auf­ge­lis­tet). un­ter /al­les sieht man jetzt auch wie­der wirk­lich al­les, eben­so im al­les-feed. auch im ar­chiv sieht man bei­trä­ge, favs, book­marks und ge­se­he­nes jetzt ein­zeln auf­ge­schlüs­selt — oder eben als al­les.

bei­spiel für ges­tern: al­les, bei­trä­ge, favs, book­marks, ge­se­hen.

das log­buch mei­nes me­di­en­kon­sums, das ich die­ses jahr füh­ren möch­te habe ich um die you­tube seh­zei­ten er­wei­tert. der­zeit steht mein me­di­en­kon­sum bei ca. 70 stun­den pro mo­nat die ich vor der glot­ze ver­brin­ge. ich bin mal ge­spannt wie sich das oder ob sich das über das jahr ver­än­dert.

und apro­pos ge­wohn­hei­ten, die man of­fen­bar mit zu­neh­mens­dem al­ter lieb­ge­winnt, mal schau­en ob mir ent­wick­lung der ge­wohn­heit ge­lingt, die­sen baum ein jahr lang je­den tag zu fo­to­gra­fie­ren.


fe­bru­ar sta­tis­ti­ken

felix schwenzel in artikel

der mo­nat ist noch nicht vor­bei, aber ich glau­be ich kann den fe­bru­ar jetzt schon mal sta­tis­tisch aus­wer­ten. und zwar, wie viel zeit ich vor der glot­ze ver­brin­ge. ich glau­be für den fe­bru­ar habe ich so ziem­lich alle fil­me und se­ri­en die ich ge­schaut habe er­fasst. das sind in sum­me 27 stun­den die ich vor der glot­ze ver­bracht habe. al­ler­dings ist mir ges­tern noch ein­ge­fal­len: was mach ich mit you­tube?

ge­mi­ni meint es gäbe kei­ne ein­fa­che me­tho­de die zeit, die ich mit you­tube-vi­de­os ver­brin­ge, per api ab­zu­fra­gen. also bin ich mei­nen you­tube-ver­lauf durch­ge­gan­gen und habe für je­des vi­deo und je­den tag die zeit no­tiert, die ich ge­schätzt da­mit ver­bracht habe. ab­ge­bro­che­ne vi­de­os oder vi­de­os in de­nen ich viel über­sprun­gen habe, flos­sen ent­spre­chend in die­se schät­zung ein. im fe­bru­ar wa­ren das bis jetzt noch­mal 31 stun­den.

da­mit habe ich im fe­bru­ar un­ge­fähr 58 stun­den vor der glot­ze ver­bracht. das sind 15 % mei­ner ver­füg­ba­ren frei­zeit, die ich mit you­tube, fil­men oder se­ri­en ver­bracht habe.

ges­tern habe ich ein ted-vi­deo von re­bec­ca oka­mo­to ge­se­hen, in dem sie er­klärt, wie man sich in 20 oder we­ni­ger wor­ten so vor­stellt, dass man ei­nen blei­ben­den ein­druck hin­ter­lässt. ich fand das vi­deo schlimm und habe es des­halb nicht ge­lik­ed und des­halb taucht es hier auch nicht auf, aber es ist doch et­was hän­gen­ge­blie­ben, mit dem ich die zeit, die ich vor der glot­ze ver­brin­ge, ra­tio­na­li­sie­ren kann: ich lese und sehe das in­ter­net leer, um ku­ra­tier­te emp­feh­lun­gen wei­ter­zu­ge­ben, die an­de­ren freu­de und mehr­wert brin­gen.


wie und ob ich die you­tube-zei­ten in mei­nem me­di­en­log ver­ar­bei­te oder zei­ge, weiss ich noch nicht. da die zei­ten über den ja­nu­ar und fe­bru­ar recht ähn­lich ver­teilt sind, kann ich im ø von 75 mi­nu­ten you­tube pro tag aus­ge­hen, wenn mir um die schät­zung mei­ner scre­en­ti­me geht. das ak­ku­rat pro tag zu log­gen hat ja kei­nen wirk­li­chen mehr­wert. aber ich über­le­ge noch, ob und was da sinn er­gibt.

die ma­to­mo-sta­tis­ti­ken zei­gen: wer re­gel­mäs­sig schreibt, wird auch ge­le­sen. vor­letz­ten und die­sen mo­nat wa­ren es um die 7000 (uni­que) pa­ge­views, im letz­ten mo­nat gab es ei­nen klei­nen aus­reis­ser nach oben. kon­stan­te be­su­cher­lie­fe­ran­ten sind bud­den­bohm-und-soeh­ne.de (400-600 pro mo­nat) und riv­va (100-200 pro mo­nat).

die zahl der pa­ge­views im RSS (um die 13.000/mo­nat) kor­re­liert na­tür­lich mit der an­zahl der ver­öf­fent­lich­ten ar­ti­kel. das wa­ren in den letz­ten 10 mo­na­ten im­mer um die 60 (über­sicht), also 2 pro tag. seit ja­nu­ar kom­men mo­nat­lich ca. 80 li­kes und 50-60 le­se­zei­chen dazu, die ich ver­öf­fen­ti­che.

beim ø-ge­wicht geht’s wei­ter ganz leicht ab­wärts, auch wenn ich ge­fühlt im ja­nu­ar und fe­bru­ar zwi­schen 94 und 92 kilo fest­ste­cke. der durch­schnitt sagt: es geht wei­ter ab­wärts. wohl­ge­merkt, ohne oz­em­pic und ohne ex­pli­zi­te „diät“. ich ver­zich­te nur auf süs­ses und esse we­ni­ger brot, bzw. ins­ge­samt et­was we­ni­ger.

beim trai­ning war ich bei lie­gen­stüt­zen ziem­lich faul, da­für ge­lang mir vor ei­ner wo­che zum ers­ten mal ein sau­be­rer klimm­zug von ganz un­ten bis un­ter das kinn. ich habe aber so ein ge­fühl, dass ich im märz be­rich­ten kann, dass ich 2-3 am stück schaf­fe.


ela­bo­rier­te kul­tur­tex­te

felix schwenzel in artikel

cover von walter moers roman qwert

@jan­schmidt hat sei­ne fol­gen­den ge­fragt ob er qwert oder was an­de­res le­sen soll. qwert ist der neue ro­man von wal­ter moers (ver­lang­slink). wal­ter moers habe ich ein biss­chen aus den au­gen ver­lo­ren. nach­dem ich 2004 die 13 ½ le­ben des käpt’n blau­bär ganz gran­di­os fand, fand ich 2013 das la­by­rinth der träu­men­den bü­cher ganz furcht­bar und mit sei­nem kliff­hän­ger mit­ten in der ge­schich­te auch un­ver­fro­ren. rumo hab ich dann, glau­be ich, wie­der mit gros­sem ver­gnü­gen ge­le­sen und dann nix mehr. der out­put von moers über die letz­ten jah­re scheint aber laut ver­lags­au­to­ren­sei­te kaum nach­ge­las­sen zu ha­ben.

ich habe er­freut fest­ge­stellt, dass die e-buch-ver­si­on von qwert bei tha­lia zwar so viel wie die ge­bun­de­ne aus­ga­be kos­tet (39,99 €), aber man da­für eine epub-da­tei ohne ko­pier­schutz be­kommt. das ist mal lo­bens­wert und ich über­le­ge mir mal ein paar tage ur­laub zu neh­men um das buch auf dem sofa bin­ge­zu­le­sen.


gemälde von ferdinand pauwels miot dem titel: „luther entdeckt die bibel“. aber eigentlich scheint luther vor einer bibel zu stehen und sie auszumessen

lorenz meyer teaserte diesen text von tilman baum­gär­tel vor ein paar tagen auf 6 vor 9 mit diesen worten an:

Tilman Baum­gär­tel beklagt in seinem Essay, dass ela­bo­rier­te Kul­tur­tex­te in der heutigen Auf­merk­sam­keits­öko­no­mie kaum noch Resonanz fänden, da die Reich­wei­te von Print­me­di­en schwinde, und Social-Media-Al­go­rith­men dif­fe­ren­zier­te Inhalte sys­te­ma­tisch be­nach­tei­li­gen würden.

über die­se eher un­dif­fe­ren­zier­te an­sicht woll­te ich mich gleich nach dem le­sen des teasers auf­re­gen und selbst was su­per-dif­fe­ren­zier­tes schrei­ben, aber das es­say von til­man baum­gär­tel liest sich bes­ser, als die teaser beim bild­blog oder über dem text bei der taz, ver­mu­ten las­sen. aber der text bie­tet trotz­dem nicht viel mehr als an­ek­do­ti­sche evi­denz: baum­gär­tel meint, frü­her habe es im­mer wie­der er­freu­li­ches Feed­back“ auf „lan­ge, feuil­le­to­nis­ti­sche Ar­ti­kel“ ge­ge­ben — und jetzt nicht mehr.

ich hab aus der ver­gan­ge­nen zeit der gate­kee­per auch die eine oder an­de­re an­ek­do­te. na­tür­lich ha­ben er­wäh­nun­gen von oder in­ter­views mit mir oder gar ar­ti­kel über mich in über­re­gio­na­len oder re­gio­na­len me­di­en ge­le­gent­lich spür­ba­res feed­back er­zeugt1 — wenn die gate­kee­per ihre tore mal ei­nen spalt öff­ne­ten. aber da­mals wa­ren mas­sen­me­di­en eben auch noch mas­sen­me­di­en und noch nicht durch­frag­men­ta­ri­si­ert. da­mals lenk­ten die tore, über die die gate­kee­per wach­ten, noch reis­sen­de flüs­se, jetzt plät­schert an die­se tore im bes­ten fall noch ein gluck­sen­der bach.

der auf­merk­sam­keits-markt ist grös­ser, lau­ter und un­über­sicht­li­cher ge­wor­den, für alle be­tei­lig­ten. es bil­den sich neue gate­kee­per-clus­ter, in­fluen­cer ge­win­nen an ein­fluss (scnr) und ge­druck­tes ist, wie vi­nyl, von ei­nem mas­sen­pro­dukt zu ei­nem lieb­ha­ber­pro­dukt ge­wor­den. ich hab hier ge­nau­so we­nig neue er­kennt­nis­se, wie til­man baum­gär­tel:

Dass man mit Vi­deo­schnip­sel-De­bat­ten­bei­trä­gen mehr Auf­merk­sam­keit als mit ela­bo­rier­ten Tex­ten er­hal­ten kann, ist zwar kei­ne neue Er­kennt­nis. Ich war bloß noch nie auf die Idee ge­kom­men, dass das auch für mich und mei­ne Kul­tur­ar­ti­kel gel­ten könn­te. Doch of­fen­bar be­we­gen wir uns dank So­cial Me­dia und Vi­deo­re­els wie­der in Rich­tung ei­ner ora­len Kul­tur, wie sie der Li­te­ra­tur­wis­sen­schaft­ler Wal­ter Ong be­schrie­ben hat.

wal­ter ong hab ich nicht ge­le­sen. wohl aber neil post­man. vor vier­zig jah­ren. der wur­de nicht müde zu ar­gu­men­tie­ren, dass die vor­herr­schaft des ge­druck­ten worts durch das zeit­al­ter des fern­se­hens, der bil­der und des amü­se­ments ab­ge­löst wür­de, bzw. schon wur­de. des­halb fra­ge ich mich: wa­ren die­se „ela­bo­rier­ten Kul­tur­tex­te“ über­haupt je­mals be­son­ders po­pu­lär? wa­ren die le­ser von so­was nicht im­mer schon eine ver­schwin­dend klei­ne spe­cial in­te­rest frak­ti­on der be­völ­ke­rung? war­um hat der in­fl­luen­cer mar­cel reich ra­ni­cki das li­te­ra­ri­sche quar­tett in den 80er jah­ren ins fern­se­hen ge­hievt? weil sich schon da­mals kei­ne sau für „ela­bo­rier­te Kul­tur­tex­te“ oder buch­kri­ti­ken in den ge­druck­ten me­di­en zu in­ter­es­sie­ren schien. also hat er mit ein paar be­kann­ten mit 70 mi­nu­ten lan­gen vi­deo­schnip­sel-de­bat­ten­bei­trä­gen ver­sucht mehr auf­merk­sam­keit für bü­cher zu ge­ne­rie­ren.

wenn ich mich recht an mei­nen ge­schichts­un­te­richt er­in­ne­re war mar­tin lu­ther, ge­nau wie post­man und ong da­von ge­nervt, dass die ka­tho­li­sche kir­che den glau­ben vor al­lem durch bil­der, sta­tu­en, ri­tua­le und per­for­man­ces ver­mit­tel­te und nicht sola scrip­tu­ra („al­lein durch die schrift“).

was ich sa­gen will: dif­fe­ren­zier­te, ela­bo­rier­te tex­te ha­ben es schon im­mer schwer ge­habt ein brei­tes pu­bli­kum zu fin­den. und viel­leicht ha­ben sich in­tel­lek­tu­el­le vor 20, 30, 100 oder 500 jah­ren, ge­nau wie der eine oder an­de­re blog­ger vor 20 jah­ren, da­von ein­lul­len las­sen, dass die de­bat­ten in vie­len fil­ter­bla­sen eben von in­tel­lek­tu­el­len do­miert wur­den und so eine et­was ein­di­men­sio­na­le, un­rea­lis­ti­sche wahr­neh­mung von re­so­nanz, re­le­vanz oder po­pu­la­ri­tät er­zeug­ten.

viel­leicht müs­sen me­di­en­schaf­fen­de (da zäh­le ich mich durch­aus mit dazu) ein­fach da­mit le­ben ler­nen, dass ihre tex­te ei­ner­seits eine sehr be­grenz­te, sehr klei­ne ziel­grup­pe ha­ben und dass es an­de­rer­seits im­mer schon schwer war die­se über­schau­ba­re ziel­grup­pe über­haupt zu er­rei­chen. feuil­le­tons wa­ren so­was wie ag­gre­ga­to­ren und such­ma­schi­nen der frü­hen zeit für „ela­bo­rier­te“, an­spruchs­vol­le­re tex­te, werk­zeu­ge um auf­merk­sam­keit­strö­me in ei­nem ge­wis­sen rah­men zu len­ken und zu ma­ni­pu­lie­ren oder zu sub­ven­tio­nie­ren.

um so wich­ti­ger dür­te es sein, die nut­zung des of­fe­nen webs wei­ter für ver­net­zung, ag­gre­ga­ti­on, emp­feh­lun­gen und ei­gen­ver­lag zu nut­zen. die ziel­grup­pe, klein und über­schau­bar, ist noch da, sie fin­det den gan­zen ela­bo­rier­ten scheiss nur im­mer schwe­rer. das kann man än­dern, in­dem man sich nicht mehr an den gros­sen plat­for­men ori­en­tiert, son­dern sich so gut wie mög­lich ver­netzt, fö­de­riert und werk­zeu­ge wei­ter­ent­wi­ckelt, ex­pe­ri­men­tiert und sein pu­bli­kum selbst ein­sam­melt und be­dient.

lu­ther nutz­te da­mals auch mo­der­ne werk­zeu­ge beim ver­such die men­schen aus den bild­wel­ten der kir­che zu zer­ren. und wie lu­ther ste­hen wir mäch­ti­gen gi­gan­ten ge­gen­über, aber wenn wir uns auf die kraft des ge­schrie­ben wor­tes ver­las­sen, tech­no­lo­gien klug nut­zen, er­tra­gen, dass die meis­ten men­schen uns igno­rie­ren und kaum wahr­neh­men, ha­ben wir viel­leicht doch die chan­ce hier und da je­man­den zu be­rüh­ren und viel­leicht auch was zu ver­än­dern.

am ende ist re­le­vanz fir­le­fanz und statt ei­nes mas­sen­pu­bli­kums ist ein or­dent­li­cher, selbst­ge­bau­ter re­so­nanz­raum wahr­schein­lich oh­ne­hin die bes­se­re lö­sung.


  1. vor zwan­zig jah­ren gabs das mal, dass sich zeit­wei­se arte, die taz und ber­li­ner zei­tung oder me­di­en­ma­ga­zi­ne für blog­ger und ge­le­gent­lich auch mich in­ter­es­sier­ten. 


riv­va un­ter­stüt­zen

felix schwenzel in artikel

tl;dr: un­ter­stützt riv­va!


ich bin nicht si­cher ob es ein doo­fer ver­gleich ist, aber ich zie­he ihn trotz­dem. und zwar ein le­cker­chen-ver­gleich.

le­cker­chen sind für die hun­de­er­zie­hung ein wich­ti­ges werk­zeug. auch wenn fri­da un­ser ers­ter hund ist und ich kei­ne ah­nung von hun­de­er­zie­hung hat­te, war mei­ne ers­te er­zie­hungs-ak­ti­on fri­da bei­zu­brin­gen le­cker­chen auf­zu­fan­gen, die ich ihr zu­wer­fe. fri­da hat so in ih­rem ers­ten hal­ben le­bens­jahr fast die hälf­te ih­res re­gu­lä­ren tro­cken­fut­ters von mir in ein­zel­stück­chen zu­ge­wor­fen be­kom­men. mo­na­te­lang. das war gut um ihre re­ak­ti­ons­fä­hig­keit zu trai­nie­ren, aber es hat ihr auch ein ge­fühl ver­mit­telt, dass der auf­ent­halt an mei­ner lin­ken sei­te ir­gend­wie gut und rich­tig ist.

mitt­ler­wei­le ver­ste­hen fri­da und ich uns auch ohne le­cker­chen, sie er­kennt an mei­nen lau­ten, ges­ten, mei­ner kör­per­hal­tung, ob ich et­was gut fin­de oder eher nicht. trotz­dem habe ich imemr noch, fast im­mer, le­cker­chen da­bei und be­loh­ne al­les was sie aus mei­ner sicht rich­tig macht. wenn sie ein­fach an krä­hen oder tau­ben vor­bei­läuft ohne auf­re­gung zu zei­gen (was ihr mitt­ler­wei­le leicht fällt): lercker­chen. wenn sie sich beim war­ten an ei­ner ro­ten am­pel an mein lin­kes bein drückt: le­cker­chen. wenn sie ein eich­hörn­chen sieht und es nicht ja­gen möch­te (was ihr schwer fällt): le­cker­chen.

der witz ist al­ler­dings: die le­cker­chen an sich, sind für fri­da gar nicht das in­ter­es­san­te. es ist die ges­te. ein le­cker­chen ver­stärkt nur noch­mal das das was ich mit mei­nen lau­ten, mei­nen ges­ten, mei­ner kör­per­hal­tung oh­ne­hin schon aus­drü­cke: ich find gut was du machst, das kannst du ge­nau so wei­ter ma­chen.

hun­de sind sehr gut im er­ken­nen von in­ten­ti­on. wir men­schen auch. on­line, wenn ges­ten, mi­mik und kör­per­hal­tung feh­len, wird es für uns men­schen manch­mal schwe­rer in­ten­ti­on zu er­ken­nen oder in­ten­ti­on aus­zu­drü­cken.

ich habe ein paar mo­nat­li­che abos, die für sich ge­nom­men eher klein und un­be­deu­tend sind, von de­nen ich mir al­ler­dings ein­bil­de, da­mit auch wert­schät­zung für die zum aus­druck zu brin­gen, an die ich die­se klei­nen mo­nat­li­chen be­trä­ge zah­le. wie bei fri­da könn­te ich die­se wert­schä­zung auch an­ders zum aus­druck brin­gen, freund­li­che emails oder blog­bei­trä­ge schrei­ben oder emp­feh­lun­gen aus­spre­chen; das wür­de wahr­schein­lich eine ähn­li­che wir­kung ha­ben.

und trotz­dem fin­de ich, dass die re­gel­mäs­si­ge zah­lung von klei­nen, aber re­gel­mäs­si­gen be­trä­gen eine wich­ti­ge und rich­tu­ge ges­te ist. des­halb zah­le ich (zum bei­spiel) der wi­ki­pe­dia, netz­po­li­tik, über­me­di­en, dem gu­ten in­ter­net, home-as­sistant, dem plötz­blog und riv­va re­gel­mäs­sig mo­na­ti­che be­trä­ge zwi­schen ei­nem und zehn euro. ich kau­fe ge­le­gent­lich apps die ich nicht un­be­dingt brau­che, aber un­ter­stüt­zens­wert fin­de, ich ma­che ge­le­gent­lich bei open source pro­jek­ten ein­mal­zah­lun­gen, wenns ein­fach geht und mir die pro­jek­te, war­um auch im­mer, ge­fal­len.

das sind ei­ner­seits al­les pea­nuts, kei­ne welt­be­we­gen­den be­trä­ge von de­nen je­mand le­ben könn­te, aber eben auch je­weils eine ges­te. eine ges­te die sagt: ich fin­de gut was ihr macht, macht von mir aus ge­nau so wei­ter.

und ich fin­de riv­va seit sei­ner ge­burts­stun­de so nütz­lich, dass ich be­reits seit sie­ben jah­ren mit klei­nen fi­nan­zi­el­len ges­ten wild ges­ti­ku­lie­re.

of­fen­sicht­lich den­ken nicht alle so wie ich. das ist ei­ner­seits gut so, aber an­de­rer­seits auch ein biss­chen trau­rig, zu­min­dest wenn ich mir die­sen screen­shot von der riv­va-un­ter­stüt­zer­sei­te auf ste­ady an­se­he.

21 leu­te? ich bin si­cher, dass sich in deutsch­land mehr als 21 leu­te fin­den die frank west­phal sa­gen wür­den: „ich fin­de gut was du machst, macht bit­te ge­nau so wei­ter und ger­ne auch dar­über hin­aus.“ (ich weiss, ins­ge­samt un­ter­stüt­zen frank mehr als 21 leu­te.)

spä­tes­tens jetzt, wo frank sein spen­den­auf­ruf­ban­ner von oben auf der den riv­va-sei­ten nach un­ten ver­la­gert hat, müss­ten ihm ei­gent­lich al­lein schon des­we­gen ganz vie­le leu­te eine fünf-euro-ges­te ent­ge­gen­schleu­dern.

vie­le leu­te, ich auch, stel­len der­zeit fest, dass es eine klei­ne blog-re­nais­sance gibt. ich kann aus er­fah­rung be­rich­ten, dass die ers­te wel­le von blogs vor ~15 jah­ren auch zu ei­nem gros­sen teil auf diens­te zu­rück­zu­füh­ren war, die die ver­net­zung von blogs un­ter­stüz­ten: tech­no­ra­ti.com als blog­such­ma­schi­ne und tag-ag­gre­ga­tor, der goog­le rea­der mit so­zia­len funk­tio­nen, mit de­nen man blog­bei­trä­ge mit ei­ner ein­fa­chen klick-ges­te an­de­ren in den feed agg­re­gie­ren konn­te. der frü­he er­folg von blogs da­mals™ wäre ohne die­se und ein paar an­de­re diens­te kaum mög­lich ge­we­sen.

was ich sa­gen will: die re­vo­lu­ti­on braucht werk­zeu­ge. und die re­nais­sance erst recht. und ohne riv­va siehts in sa­chen sicht­bar­keit für vie­le blogs düs­ter aus. oder an­ders ge­sagt: wer das blog­gen liebt, soll­te riv­va auch (ein biss­chen) lie­ben und das auch mit der ei­nen oder an­de­ren ges­te zei­gen.

wel­che ges­ten mög­lich sind hat frank hier selbst auf­ge­schrie­ben, ich emp­feh­le je­der und je­dem sich ein ste­ady-kon­to ein­zu­rich­ten, dann kann man ne­ben riv­va, auch das eine oder an­de­re pro­jekt mit klei­nen fi­nan­zi­el­len ges­ten un­ter­stüt­zen. oder wie frank zu sei­nem pay­pal-kon­to sagt:

Jetzt eine Mün­ze in die Bord­kas­se wer­fen!


mast­o­don

felix schwenzel in artikel

bei hei­ko, wahr­schein­lich beim rum­kli­cken in sei­nem auf kir­by mi­grier­ten blog, hab ich vor ein paar ta­gen die­sen al­ten tweet trööt von sa­scha lob ge­fun­den.

(via)

ich fin­de nach drei jah­ren kann man sa­schas aus­sa­ge noch­mal eva­lu­ie­ren. im gros­sen und gan­zen gilt sa­schas aus­sa­ge wohl noch. mast­o­don scheint twit­ters platz we­der ein­ge­nom­men zu ha­ben, noch auf dem weg da­hin zu sein. an­de­rer­seits kann man aber auch sa­gen, dass „x“ eben­so we­nig twit­ters platz ein­ge­nom­men hat — und th­reads und blues­ky auch nicht.

mei­ne ver­mu­tung ist, dass kei­ne platt­form, oder kein so­zia­les netz­werk, je­mals wie­der die glo­ba­le öf­fent­lich­keit her­stel­len wird, die twit­ter ein­mal her­ge­stellt ha­ben mag. ganz ähn­lich wie es wahr­schein­lich nie wie­der eine sen­dung ge­ben wird, die an ei­nem abend 18 mil­lio­nen men­schen in DACH vor dem bild­schirm ver­sam­melt, wie es 1999 noch wet­ten, dass…? konn­te.

auch wenn die er­folg­reicchs­ten vi­de­os, zum bei­spiel von kurz­ge­sagt, zwi­schen 20 und 30 mil­lio­nen views auf you­tube er­rei­chen, ist das un­term strich wohl nicht ver­gleich­bar mit der reich­wei­te und durch­schlags­kraft von fern­seh­sen­dun­gen in der gu­ten al­ten fern­seh­zeit.

jetzt könn­te ich sa­gen: mast­o­don ist eben nicht ver­gleich­bar mit twit­ter oder al­les ist eben an­ders, oder wie sa­scha es vor 3 jah­ren sag­te: „So­cial Net­works müs­sen sich stän­dig wei­ter­ent­wi­ckeln“ und ent­wi­ckeln sich eben stän­dig wei­ter. in­sta­gram ist nicht mehr das in­sta­gram das es vor 10 jah­ren war, x ist kein twit­ter mehr und wer nutzt ei­gent­lich noch face­book?

der witz ist al­ler­dings, mast­o­don hat für mich den platz von twit­ter über­nom­men. ich nut­ze mast­o­don ge­nau so, wie ich vor ein paar jah­ren twit­ter ge­nutzt habe.

ich lese ge­le­gent­lich in mei­ner time­line, aber nicht öf­ter als ein, zwei­mal täg­lich. mei­ne „öf­fent­lich­keit“ fand nie in der twit­ter-time­line statt, ge­nau­so wie sie jetzt nicht in der mast­o­don-time­line statt­fin­det. mei­ne öf­fent­lich­keit habe ich mir selbst in mei­nem RSS-rea­der zu­sam­men­ku­ra­tiert. ge­le­gent­lich scrol­le ich auch län­ger in mei­ner mast­o­don-time­line und ich freue mich, wenn ich in­ter­es­san­tes ent­de­cke, aber das sind dann eben zu­falls­fun­de oder din­ge die auf­schwim­men, die ich auch an­ders­wo ge­fun­den hät­te.

ich pos­te täg­lich ein, zwei mal auf mast­o­don, meis­ten din­ge die ich vor­her ins blog ge­schrie­ben habe, oft fo­tos. ge­le­gent­lich ent­wi­ckeln sich um ein­zel­ne post von mir kon­ver­sa­tio­nen und ich gebe mir mühe auf ant­wor­ten oder kom­men­ta­re zu re­agie­ren.

na­tür­lich nut­ze ich mast­o­don auch in der hoff­nung öf­fent­lich­keit, auf­merk­sam­keit für mei­ne bei­trä­ge her­zu­stel­len. al­ler­dings weiss ich auch, dass das eher sel­ten funk­tio­niert, so wie das frü­her auch auf twit­ter war. hier mal ein like, mit et­was glück mal ein boost. manch­mal tref­fe ich ei­nen nerv und bei­trä­ge mul­ti­pli­zie­ren (boos­ten, ret­wee­ten) sich et­was wei­ter. auch das war auf twit­ter nicht an­ders.

viel­leicht kann man das am bes­ten mit ei­nem bild be­schrei­ben, was twit­ter für mich war und mast­o­don für mich heu­te ist: schauf­nes­ter in ei­ner ein­kaufs­stras­se. ich gehe nicht stän­dig ein­kau­fen, aber wenn ich ein­kau­fen gehe, schaue ich mir die aus­la­gen an­de­rer an. manch­mal er­hascht eine aus­la­ge mei­ne auf­merk­sam­keit und ich blei­be ste­hen. viel­leicht ma­che ich ein foto, viel­leicht gehe ich in den la­den und rede mit den in­ha­bern des schau­fens­ters. meis­ten lauf ich ein­fach durch oder küm­me­re mich um mein ei­ge­nes schau­fens­ter. ich geb mir mühe selbst eine schö­ne aus­la­ge zu ha­ben, aber ich weiss, dass die meis­ten an mei­ner aus­la­ge vor­bei­ge­hen — so wie ich es bei an­de­ren tue. umso er­freu­ter bin ich, wenn ge­le­gent­lich ein paar leu­te vor mei­ner aus­la­ge ste­hen­blei­ben oder so­gar an­de­re leu­te her­bei­ru­fen. ge­le­gent­lich pas­siert das und wenn es mal in­ter­es­se an mei­nem la­den gibt, gebe ich mir mühe prä­sent zu sein und ge­ge­be­nen­falls fra­gen zu be­ant­wor­ten oder die aus­la­ge zu er­klä­ren.

städ­te än­dern sich stän­dig, ge­nau wie so­zia­le netz­wer­ke. das muss auch nicht im­mer eine wei­ter­ent­wick­lung sein, das kann auch eine re­gres­si­on sein. in städ­ten schät­ze ich des­halb auch oft die din­ge, die sich nicht än­dern. knei­pen, re­stau­rants, lä­den, die aus der zeit ge­fal­len sind, seit jahr­zehn­ten un­ver­än­dert.

mast­o­don ist ein biss­chen wie eine alte stamm­knei­pe. die knei­pe muss­te ge­le­gent­lich um­zie­hen, aber das stamm-pu­bli­kum folg­te ihr zu gros­sen tei­len. neue leu­te kom­men jetzt auch wie­der mehr, aber die stim­mung, der vibe ist un­ver­än­dert und ver­traut.

ja mast­o­don ist nach wie vor „fil­ter­bla­sig“ und hy­per­lo­kal. es ist im­mer noch kom­pli­ziert und die be­die­nung er­for­dert eine lern­kur­ve. al­les in selbst­be­die­nung mit furcht­bar kom­pli­zier­ten ap­pa­ra­ten. man kann auch sei­ne ei­ge­nen ap­pa­ra­te mit­brin­gen und ein­stöp­seln. das pu­bli­kum ist ver­traut und grund­sätz­lich sym­pa­thisch. manch­mal rich­tet sich die auf­merk­sam­keit kurz auf ei­nen selbst, meis­tens kann man kom­for­ta­bel in der men­ge ein­fach rum­hän­gen. oder nach hau­se ge­hen.

viel­leicht ist das auch das bes­te an mast­o­don: es ist un­auf­ge­regt, es bie­tet kei­ne gros­se show, es liegt eher ru­hig in ei­ner sei­ten­stras­se. ich weiss ich ver­pas­se nichts, wenn ich zu­hau­se blei­be, aber wenn ich da bin is­ses ver­traut und an­ge­nehm und wenn man hin­schaut pas­siert auch mal was span­nen­des, viel­elicht auch nur in ei­nem klei­nen ne­ben­raum. schrei­häl­se und dep­pen ver­ir­ren sich sel­ten zu mast­o­don, weil es ih­nen zu lang­wei­lig er­scheint und die büh­ne zu klein ist.

und wie so oft hat sa­scha lobo gleich­zei­tig 100% recht und liegt doch ganz leicht da­ne­ben.


pin­board.in

felix schwenzel in artikel

This is a fri­end­ly re­min­der that your Pin­board sub­scrip­ti­on (user­na­me: di­plix) ex­pi­res on 21 Fe­bru­ary 2026. If you wish to keep using the site, you'll need to vi­sit https://pin­board.in/u:di­plix/ex­tend/ and ex­tend your sub­scrip­ti­on.

ich bin seit dem 22.01.2011 mit­glied bei pin­board, habe 46.172 book­marks dort an­ge­legt und habe das kon­to 2021 für $150 für 60 mo­na­te in ein be­zahl-kon­to um­ge­wan­delt. die 60 mo­na­te (5 jah­re) sind am 21. fe­bru­ar um.

ich mag pin­board und ich mag maciej ce­g­low­ski der pin­board.in be­treibt und ge­le­gent­lich bloggt oder vor pu­bli­kum spricht. pin­board funk­tio­niert seit jah­ren zu­ver­läs­sig und ich nut­ze es mit ei­nem book­mar­klet um book­marks an­zu­le­gen und mit ei­ner in­te­gra­ti­on in mei­nem RSS-rea­der mi­ni­flux, der au­to­ma­tisch ein book­mark bei pin­board an­legt, wenn ich et­was im RSS rea­der mit ei­nem ⭐ mar­kie­re.

frü­her (so bis 2018), als ich fast täg­lich link­posts auf wir­res.net ver­öf­fen­ti­cht habe, habe ich die links mit html auf pin­board kom­men­tiert, mit s und w ge­taggt und dann im­por­tiert und mor­gens au­to­ma­tisch ein link­post ge­ne­rie­ren las­sen.

ich habe back­links (leu­te die auf wir­res.net lin­ken) mit pin­board ge­trackt. der über­ge­ord­ne­te tag war lin­king2wir­res und ein­zel­ne zi­ta­te, wie das hier auf turi2 war dann ein pin­board-book­mark in das ei­nen tag mit der wir­res.net-url hat­te: link:http://wir­res.net/ar­tic­le/ar­tic­le­view/10072/1/6/. in­dem ich die pin­board-api ab­frag­te, konn­te ich die­se back­links dann un­ter dem ar­ti­kel an­zei­gen.

die tech­ni­schen de­tails sind ei­gent­lich wurst. was ich sa­gen will, ich habe pin­board frü­her in­ten­siv als werk­zeug ge­nutzt. seit meh­re­ren jah­ren ei­gent­lich nicht mehr wirk­lich. es flos­sen im­mer noch book­marks aus mei­nem feed­rea­der in pin­board, in der hoff­nung, dass ich die book­marks spä­ter noch­mal an­se­he und auf ver­wend­bar­keit als link im blog prü­fe.

aber seit dem re­launch vor knapp ei­nem jahr fra­ge ich mich, war­um soll ich die werk­zeu­ge mit de­nen ich ar­bei­te auf ba­sis von diens­ten bau­en, die ich nicht kon­trol­lie­re und die je­der­zeit ver­schwin­den kön­nen oder an arsch­lo­cher ver­kauft wer­den kön­nen?

ich glau­be zwar nicht dass maciej ce­g­low­ski pin­board ver­kau­fen wür­de, aber rich­tig si­cher, ob pin­board noch 30 jah­re exis­tie­ren wird, bin ich auch nicht.

jetzt wo ich book­marks und fa­vo­ri­ten mit ei­nem klick di­rekt in strö­me hier auf wir­res.net wer­fen kann, sie mit ein, zwei wei­te­ren klicks nach vor­ne ins schau­fens­ter ho­len kann fra­ge ich mich: war­um soll ich noch pin­board nut­zen? ein grund fällt mir ein: um maciej ce­g­low­ski zu un­ter­stüt­zen. aber geld für ei­nen dienst zu be­zah­len, den ich nicht mehr wirk­lich nut­ze ist dann acuh für mich ei­nen ti­cken zu ab­surd.

ich habe mich trotz der freund­li­chen er­in­ne­rungs­mails von maciej ce­g­low­ski da­für ent­schie­den, mein pin­board-abo nicht mehr zu ver­län­gern. statt­des­sen habe ich mir ein klei­nes script ge­baut, dass al­les was ich in mei­nem RSS-rea­der mar­kie­re jetzt in den book­marks-fluss wirft, von wo ich das book­mark dann wei­ter­ver­ar­bei­ten kann oder, wie auf pin­board, ein­fach rum­lie­gen las­sen und ver­ges­sen kann. auch you­tube-fa­vo­ri­ten lan­den jetzt au­to­ma­tisch im fa­vo­ri­ten-fluss und ich bin mir si­cher, mir fal­len nop­ch vie­le neue au­to­ma­ti­sie­run­gen und ar­beits­er­lei­che­run­gen ein, die ich mit mei­nen ei­ge­nen werk­zeu­gen, in mei­ner eig­nen he­mis­hä­re bau­en kann.

tl;dr: ich bin seit 15 jah­ren ak­ti­ver pin­board.in nut­zer, möch­te das ab jetzt aber al­les lie­ber selbst ma­chen und bin des­halb ab jetzt in­ak­ti­ver pin­board.in-nut­zer.


geht hin und baut ei­gen­hei­me

felix schwenzel in artikel

um 12 uhr ma­che ich mit­tag. manch­mal auch fünf bis zehn mi­nu­ten spä­ter. dann sage ich: „hey snips, 25 mi­nu­ten mit­tags­schlaf“, was ei­nen sanf­ten we­cker stellt, den rech­ner aus­schal­tet und 25 mi­nu­ten alle ge­rä­te auf DND (oder wie ap­ple sagt, fo­kus auf „nicht stö­ren“) stellt und lege mich hin.

so­bald ich wie­der wach bin, ma­che ich mir ei­nen quark mit süss­stoff und TK obst und lese 15 mi­nu­ten in mei­nem RSS rea­der. ne­ben dem mor­gen­spa­zier­gang, dem früh­stück und dem fei­er­abend­bier ist das der bes­te teil mei­ens ta­ges.

heu­te habe ich dann dann eine sehr schö­ne ent­de­ckung ge­macht, die mich dann vom wei­te­ren RSS-kon­sum ab­hielt.


When I was 22 I would stand on the roof of my apartment at Smith & 9th St. in Brooklyn and watch the elevated MTA F-train go back and forth, and wonder, Where will I go? The answer: Back and forth.

auch sonst grosses le­se­ver­gnü­gen, ins­be­son­de­re das making-of (oder coming of age?) seiner website.

(via kopf­zei­ler)


paul ford schreibt be­ruf­lich und das sehr viel und gut. vor ein paar mo­na­ten ent­schied sich paul ford sei­nen „stuff scat­te­red all over the web“ in sei­nen ei­ge­nen „blob“ zu zie­hen. ein zu­hau­se im netz für sein zeug. tweets, ver­öf­fent­li­chun­gen, links und ge­döns. mit viel ex­per­ti­se ge­vi­be­codet. in etwa das was ich mir hier auch baue, nur in struk­tu­rier­ter.

mitt­ler­wei­le glau­be ich, dass die ge­fühl­te blog-re­nais­sance auch zu ei­nem gros­sen teil auf LLM-ba­sier­te co­ding-as­sis­tenz zu­rück zu füh­ren ist. hei­ko hat mit hil­fe von clau­de den sprung von word­press zu kir­by ge­macht, paul ford hat sei­ne im­ports mit clau­de ge­macht und ich hät­te den um­zug aus mei­nem an­ti­ken und ka­put­ten ez­pu­blish auch nicht ohne ma­schi­nen-as­sis­tenz hin­be­kom­men. ich ver­ste­he den reiz von word­press: das funk­tio­niert wie ein pop-up-zelt: hin­stel­len, an ei­ner lei­ne zie­hen und zack steht das zelt und just works. aber ge­nau so ver­ste­he ich den reiz sich ei­nen so­li­den bau­kas­ten zu be­sor­gen und dann al­les, mit et­was as­sis­tenz, selbst zu bau­en.

sich ein zu­hau­se im web zu bau­en ist wei­ter­hin nicht tri­vi­al, aber mit et­was ex­per­ti­se und er­fah­rung eben auch kei­ne gross­bau­stel­le und mit ein biss­chen hin­ga­be und be­harr­lich­keit für fast jede er­reich­bar.


paul fords be­rich­te aus dem ma­schi­nen­raum ha­ben et­was poe­ti­sches. ich lese (und sehe) sehr, sehr ger­ne was an­de­re über die tech­nik in ih­ren ma­schi­nen­räu­men be­rich­ten. aber bei paul ford ist das ein be­son­de­res ver­gnü­gen. hier schreibt er über den irr­sinn der ma­ni­schen bot-ar­meen, die wie ber­ser­ker web­sei­ten ab­häm­mern. wenn so ein zu­hau­se un­ge­schützt im win­di­gen, welt­wei­ten netz steht, ist es er­staun­lich zu be­ob­ach­ten, was die­se bot-ar­meen so trei­ben.

in den letz­ten mo­na­ten ging mein ser­ver auch ge­le­gent­lich durch sol­che be­su­che in die knie, bis ich die bots mit mit ei­ner 5 mi­nu­ten lan­gen ak­ti­vie­rung von cloud­fla­re ver­trei­ben konn­te. an­fang der wo­che schos­sen mei­ne be­su­cher­zah­len über zwei tage von 300 täg­li­chen be­su­chern auf fast 1000. ir­gend­wer hat­te sich die mühe ge­macht ein „head­less“ chro­me so vie­le mei­ner sei­ten wie mög­lich le­sen zu las­sen. die­ses head­less chro­me konn­te, im ge­gen­teil zu an­de­ren craw­lern, auch ja­va­script und den ma­to­mo-js-schnip­sel aus­füh­ren, wes­halb es sich in mei­ner, an­sons­ten ziem­lich bot­frei­en, ma­to­mo-sta­tis­tik deut­lich be­merk­bar mach­te — als be­su­cher aus al­len tei­len der welt.

je­den­falls ist das al­les irr­sinn und ich bin er­staunt wie kopf­los, stumpf und bru­te for­cig die­se bots vor­ge­hen. auch des­halb mag ich schon län­ger nicht mehr glau­ben, dass selbst­fah­ren­de au­tos, also bot-au­tos, ir­gend­was an der ver­kehrs­si­tua­ti­on zum po­si­ti­ven ver­bes­sern wür­den. da hin­ter je­dem bot auch men­schen ste­hen, sorgt es wahr­schein­lich für kei­nen merk­li­chen un­ter­schied, wenn bots, statt men­schen au­tos steu­ern, auch wenn man­che das noch fest glau­ben. die nut­zung von LLMs, die zu­sam­men­ar­beit mit bots und die be­ob­ach­tung ih­res trai­nings in der frei­en wild­bahn zei­gen: es sind dann nicht we­ni­ger feh­ler, nur an­de­re feh­ler, an­de­rer irr­sinn, die dann pas­sie­ren.


statt ei­nes schluss­worts, heu­te ein schluss­ge­räusch.


doch noch ein schluss­wort. aus dem strom der fa­vo­ri­ten und book­marks, die ich im hin­ter­hof samm­le, habe ich jetzt ei­nen „ri­ver“ ge­macht, der fa­vo­ri­ten und book­marks ge­mein­sam an­zeigt. die fa­vo­ri­ten und book­marks, die ich in ar­ti­keln ver­wen­de, wer­den et­was aus­gef­a­det an­ge­zeigt. ich fin­de das sehr prak­tisch. und ich sehe pa­ralel­len: ich bin auch so art eine craw­len­der, haulen­der bot im netz und samm­le erst­mal, leicht kopf­los, al­les was mir auf den ers­ten blick ge­fällt. und spä­ter wird das al­les dann noch­mal aus­ge­wer­tet und auf wei­ter­ver­wend­bar­keit und teil­bar­keit ge­prüft.


hart nach­den­ken?

felix schwenzel in artikel

tho­mas fragt (rhe­to­risch):

Wann hast du zum letz­ten mal rich­tig hart nach­ge­dacht?

wenn ich über die fra­ge nach­den­ke muss ich sa­gen: nie.

ich den­ke nicht „hart“. ich tas­te mich eher an ant­wor­ten, lö­sun­gen, zie­le oder auch tex­te her­an. ich sit­ze zum bei­spiel ge­ra­de hier auf dem sofa, bin in­spi­r­i­riert von tho­mas fra­ge und den­ke nicht über eine ant­wort nach, son­dern su­che for­mu­lie­run­gen oder bil­der um die ant­wort die mir vor­schwebt zu fas­sen oder zu be­grei­fen.

die­se ant­wort ist nichts über das ich hart nach­den­ken müss­te (oder könn­te), sie ist schon halb fer­tig da, viel­leicht noch fra­gil, weich und form­bar, ich muss sie nur her­aus­ar­bei­ten. ich muss dem pro­zess in mei­nem kopf nur zu­zu­ar­bei­ten. das ei­gent­li­che den­ken fin­det dann ohne mich statt. ich muss nur für in­spi­ra­ti­on sor­gen, skiz­zen an­fer­ti­gen, wort­bal­lons stei­gen las­sen, viel­leicht ein biss­chen ab­schwei­fen und quatsch ma­chen.

ei­gent­lich be­deu­tet nach­den­ken für mich mit ei­nem the­ma zeit zu ver­brin­gen. wenn ich mich ein­mal in ein the­ma ein­ge­hakt habe, ver­än­dert sich mei­ne wahr­neh­mung. ich kann ich mich re­la­tiv weit vom the­ma ent­fer­nen und trotz­dem in­spi­riert al­les dem ich be­geg­ne die sa­che mit der ich mich ge­ra­de be­schäf­ti­ge.

der ent­sch­ei­den­de punkt ist also nicht här­te oder kon­zen­tra­ti­on, son­dern die hin­ga­be, die be­harr­lich­keit, der wil­le zeit mit ei­nem pro­blem, ei­ner fra­ge, ei­ner lö­sungs­fin­dung zu ver­brin­gen. je wei­cher, je fle­xi­bler ich die­sen pro­zess steue­re, des­to bes­ser das er­geb­nis.

eine bes­se­re fra­ge könn­te also lau­ten: wann hast du dich zum letz­ten mal ei­ner sa­che hin­ge­ge­ben und bist be­harr­lich dran ge­blie­ben?


02.02.2026

felix schwenzel in artikel

heu­te früh um 7:30 uhr hat­ten wir ei­nen ter­min um das auto in te­gel zur in­spek­ti­on zu brin­gen. der plan war: hin­fah­ren ab­ge­ben, eine stun­de mor­gen­spa­zier­gang und da­nach mit der bahn bis nach hau­se fah­ren.

das hin­fah­ren klapp­te gut. au­to­fah­ren im tiefs­ten win­ter in ber­lin ist wirk­lich an­ge­nehm. wäh­rend man sich auf dem bür­ger­steig nicht wie ein bür­ger, son­dern eher wie ein affe auf dem schleif­stein fühlt, der von ei­ner split-spur zur nächs­ten ba­lan­ciert um sich nicht die kno­chen zu bre­chen, fühlt man sich als au­to­fah­rer in ber­lin wie ein kai­ser. die stras­sen sind tro­cken, das auto ist ge­heizt, dass wet­ter lässt sich zu 100% aus­blen­den — bis man aus­steigt.

der rück­weg klapp­te we­ni­ger gut, we­gen des warn­streiks der BVG in ber­lin fuh­ren we­der bus­se, noch u- oder stras­sen­bah­nen. von der werk­statt in te­gel bis nach hau­se wä­ren es an­der­t­alb stun­den fuss­weg ge­we­sen. bei -7°C eine her­aus­for­de­rung. glück­li­cher­wei­se fuh­ren die s-bah­nen. so sind wir eine stun­de von te­gel über ge­sund­brun­nen nach west­ha­fen ge­fah­ren und dann vom west­ha­fen 30 mi­nu­ten bis nach hau­se ge­lau­fen.

die luft war ste­chend kalt, so kalt, dass ich hoff­te ein stück un­ter tage ge­hen zu kön­nen, durch den ubahn­hof am­ru­ner stras­se, um fri­da und mich zu­min­dest 400 me­ter lang ein biss­chen auf­wär­men zu kön­nen. das ging na­tür­lich nicht, weil der ubahn­hof ab­ge­schlos­sen war. ich frag­te mich, wo denn wohl die ob­dach­lo­sen die sonst da un­ten sit­zen ih­ren tag ver­brin­gen wür­den, wenn die ubahn­hö­fe alle ge­schlos­sen sind. ich will mich nicht über streiks und strei­ken­de auf­re­gen, aber den nah­ver­kehr für leu­te ohne auto aus ge­heiz­ten blech­büch­sen an die fri­sche, sehr, sehr kal­te luft zu ver­le­gen kam mir am heu­ti­gen tag nicht be­son­ders so­li­da­risch vor.

dank der s-bahn gab es dann letzt­end­lich kei­ne ver­zö­ge­run­gen im be­triebs­ab­lauf mei­nes ar­beits­ta­ges, ich hat­te so­gar noch zeit or­dent­lich zu früh­stü­cken vor dem dai­ly.


abends die drit­te fol­ge von a knight of the se­ven king­doms ge­guckt. das war die bis­her bes­te fol­ge, auch wenn die bei­den vor­her auch toll wa­ren. ich mag dass die se­rie klein bleibt, haupt­säch­lich die per­spek­ti­ver der ein­fa­chen und nicht der ade­li­gen leu­te zeigt. game of thro­nes war pink floyd. knight of the se­ven king­doms ist john­ny cash. freu­de an den klei­nen din­gen, an den de­tails. all­tag statt welt­po­li­tik. salz­fleisch, statt fa­san. und nicht nur arsch­lö­cher, auch mal net­te men­schen.


seit wann zeigt goog­le maps bei der na­vi­ga­ti­on ein klei­nes auto, statt ei­nes pfeils an?

für ei­nen mo­ment dach­te ich: wo­her zum teu­fel weiss goog­le maps, dass ich ei­nen grau­en ID3 fah­re? dann fiel mir auf: ein grau­er ID3 ist so ge­ne­risch, dass es ge­ne­ri­scher nicht mehr geht. das icon in goog­le maps ist kein grau­er ID3, son­dern ein ge­ne­ri­sche auto-icon.


hei­ko ist jetzt (auch) auf kir­by um­ge­stie­gen. find ich gut. hut up was er da schon hin­ge­zau­bert hat. jetzt darf er auch op­ti­mie­ren, was ein gros­ser spass ist.


nach­trag 03.02.2026:

dank der an­re­gung von chris­toph in den kom­men­ta­ren mal in den goog­le maps ein­stel­lun­gen ge­guckt. scheint ein ge­ne­ri­sches icon zu sein, aber pas­send au­to­ma­tisch aus­ge­sucht. so sieht’s in den ein­stel­lun­gen aus. ich hat­te da vor­her nur „e-auto“ aus­ge­wählt, die au­to­ava­tare sind neu, jetzt hab ich al­ler­dings die far­be von weiss zu grau um­ge­stellt.


sub­way (1985)

felix schwenzel in gesehen

ges­tern hat mir der you­tube al­go­rith­mus vor­ge­schla­gen doch mal zu gu­cken „what re­al­ly hap­pend to chris­to­pher lam­bert“. mit chris­to­pher lam­bert ver­bin­de ich in ers­ter li­nie sub­way (nicht wie ei­ni­ge an­de­re den high­lan­der), ein film von 1985 von luc bes­son. wäh­rend ich das vi­deo über chris­to­pher lam­berts le­ben auf you­tube sah, dach­te ich mir: sub­way kanns­te ei­gent­lich noch mal gu­cken. das letz­te mal, dass ich den ge­se­hen habe ist jetzt so um die 40 jah­re her, mal gu­cken wie der film ge­al­tert ist.

ob­wohl ei­gent­lich gin­gen mir ganz an­de­re fra­gen durch den kopf. da­mals hat mich der film emo­tio­nal ge­packt, ich glau­be ich war be­stimmt eine wo­che lang high von dem film. regt sich in mir noch was, wenn ich den jetzt gu­cke? wird’s pein­lich? um was ging der film noch­mal?

also hab ich ama­zon 4 euro in den ra­chen ge­wor­fen und mir den film „ge­lie­hen“. um was der film geht weiss ich, nach­dem ich ihn ge­se­hen habe, im­mer noch nicht, aber das ist auch un­er­heb­lich, weil der film ei­gent­lich nur die pa­ri­ser ubahn zei­gen und ein paar jun­ge schau­spie­ler gut aus­se­hen las­sen will. ei­gent­lich ist er ein mu­sik­vi­deo in spiel­film­län­ge. das er­klärt auch die emo­tio­na­le re­ak­ti­on, die ich auf die­sen film da­mals hat­te. mu­sik­vi­de­os sind dar­auf aus­ge­legt emo­tio­na­le re­ak­tio­nen aus­zu­lö­sen und gut ge­mach­te mu­sik­vi­de­os ha­ben das dann ge­le­gent­lich auch ge­schafft.

am an­fang vom film war ich noch ein biss­chen kri­tisch und such­te feh­ler. wie kann fred beim her­um­streu­nen in der ubahn-in­fra­struk­tur ein­fach ei­nen safe spren­gen, ob­wohl er vor­her, ganz of­fen­sicht­lich nichts als ei­nen an­zug am leib hat­te? spä­ter fiel mir dann auf, dass er stän­dig ei­nen half­ter mit ein paar stan­gen spreng­stoff am leib trug, auch wenn er schlief.

dann war ich ir­ri­tiert, weil der film kaum ei­nen ge­dan­ken zu ende führ­te und stän­dig ab­rupt schnitt, wenn sich eine hand­lung zu er­ge­ben schien. dann kam mir der glei­che ge­dan­ke, der mir kürz­lich bei fall­out kam: mir reicht’s ei­gent­lich die bil­der an­zu­schau­en und den fi­gu­ren bei ih­rem trei­ben zu­zu­se­hen. hand­lung und dia­lo­ge sind se­kun­där bis egal. das scheint sich da­mals auch luc bes­son ge­dacht zu ha­ben, denn hand­lung und dia­lo­ge sind spar­ta­nisch. und das funk­tio­niert heu­te noch ge­nau so gut wie da­mals.

wirk­lich gross­ar­tig sind die bil­der. der film spielt zu 95% un­ter tage, im ge­wirr der pa­ri­ser ubahn-in­fra­struk­tur. so­weit ich ver­ste­he, wur­de der film auch tat­säch­lich vor ort, in der pa­ri­ser ubahn, ge­dreht und nicht im stu­dio. und das sieht man auch, al­les wirkt hy­per­rea­lis­tisch und gleich­zei­tig sur­re­al und ver­traut. auch er­staun­lich: die ubahn des pa­ris der acht­zi­ger ist der ubahn des ber­lin von heu­te gar nicht mal so un­ähn­lich.

jetzt, 40 jah­re spä­ter, stel­le ich fest, dass die acht­zi­ger, wenn sie or­dent­lich fo­to­gra­fiert sind, auch gar nicht so pein­lich aus­sa­hen wie in mei­nen fo­to­al­ben. die un­ter­schie­de sind an­de­rer­seits deut­lich: es wird an­dau­ernd und über­all ge­raucht, ka­me­ra-über­wa­chung schien es zwar in an­sät­zen ge­ge­ben zu ha­ben, aber so rich­tug scheint sie da­mals noch nicht funk­tio­niert zu ha­ben.

ich fin­de der film ist gut ge­al­tert und mir war es dann gar nicht pein­lich, dass ich den film da­mals so gut fand. ich hab den da­mals zwar in der deut­schen syn­chro­ni­sie­rung auf ei­nem nied­rig auf­lö­sen­den CRT-dis­play im li­nea­ren fern­se­hen ge­se­hen und jetzt, qua­si wie im kino, auf ei­nem hoch­auf­lö­sen­den bild­schirm 60 zen­ti­me­ter vor mei­nem ge­sicht. aber er funk­tio­niert da­mals wie jetzt und un­ab­hän­gig von der pro­jek­ti­ons­me­tho­de. der film hat kaum hand­lung und sinn­vol­len dia­log und zeigt eher als dass er er­zählt. da­mit er­gibt sich ei­ni­ges an pro­jek­ti­ons­flä­che. ich merk­te oder er­in­ner­te dann auch, was mich da­mals so pack­te. ich weiss nicht ob das ein acht­zi­ger jah­re ding ist, aber ei­nen tau­ge­nichts wie fred zu se­hen, der die an­nehm­lich­kei­ten und die in­fra­struk­tur der ge­sell­schaft zwar ger­ne nutzt, sich ihr und ih­ren re­geln aber ver­wei­gert, war für mich da­mals ein star­ker an­knüp­fungs­punkt. mög­li­cher­wei­se woll­ten wir da­mals ir­gend­wie alle so sein wie fred und hé­lè­na.

und es war schön jean reno und isa­bell ad­ja­ni in jung zu se­hen, chris­to­pher lam­bert wirk­te wie ein al­ter be­kann­ter — die pa­ri­ser ubahn so­wie­so — und trotz­dem hielt sich bei mir die nost­al­gie auf ei­nem er­träg­li­chen ni­veau. viel­leicht war das auch schon da­mals die es­senz des film: er hat be­reits in den acht­zi­gern nost­al­gie nach den acht­zi­gern er­zeugt.

das gröss­te kunst­stück ist na­tür­lich das ende. qua­si ein vir­tu­el­les hap­py-end das keins ist und ge­ra­de des­halb un­ge­heu­er zu­frie­den oder eu­pho­risch macht. was mir auch jetzt erst auf­fiel, die klam­mer mit der bes­son den film ein­rahmt und im prin­zip be­reits auf der ers­ten ti­tel-kar­te das ende des films framed: do be do be do, mah na mah na.

screenshot vom anfang des films subway von 1985. die schrifttafel zeigt: „to be is to do“ — socrate, „to do is to be“ — satre und „do be do be do“ — sinatra
ers­te ti­tel­kar­te von sub­way (1985)

letzte ein­stel­lung von subway (1985)


sie­he auch:


star trek

felix schwenzel in artikel

ich bin kein star trek-fan, aber ich gu­cke star trek seit über 40 jah­ren sehr, sehr ger­ne. als das „ori­gi­nal“ im fern­se­hen lief, war ich noch ein kind und ei­gent­lich hat mich nur die tat­sa­che in­ter­es­si­ert, dass es da ein raum­schiff gibt, das durch den welt­raum glei­tet und un­be­kann­te wel­ten er­kun­det. das war span­nend ge­nug für mich. mir wa­ren das bil­li­ge, grel­le set­de­sign und die er­zähl­ten ge­schich­ten egal.

in den acht­zi­ger und neun­zi­ger jah­ren fing star trek plötz­lich mit TNG an, auf­ge­räumt aus­zu­se­hen, und ich fing an zu ver­ste­hen, dass es in star trek nicht um die er­kun­dung des welt­raums ging, son­dern um die er­kun­dung von hu­ma­ni­tät, die fra­ge, was uns men­schen aus­macht, wie wir über uns hin­aus­wach­sen kön­nen, als ge­sell­schaft und als in­di­vi­du­en.

mit dem frag­men­tier­ten deep space nine, das im fern­se­hen ver­sen­det wur­de, konn­te ich nicht so viel an­fan­gen, bis ich dank net­flix die mög­lich­keit be­kam, DS9 se­quen­ti­ell, fol­ge für fol­ge zu se­hen. da er­kann­te ich, dass es ne­ben der er­kun­dung von hu­ma­ni­tät, ge­rech­tig­keit und mo­ral in star trek auch um epi­sches er­zäh­len ging, um das ab­klop­fen von phi­lo­so­phi­schen ideen und so­gar um den kon­flikt zwi­schen ra­tio­na­lis­mus und re­li­gi­on. DS9 voll­brach­te das kunst­stück, zu un­ter­hal­ten und gleich­zei­tig zu zei­gen, dass wahr­heit und mo­ral oft eine fra­ge der per­spek­ti­ve sind.

mit voy­a­ger wur­de dann klar, dass star trek auch ner­vig sein kann – ich sag nur nee­lix. ich moch­te es trotz­dem, es sah gut (viel­leicht et­was zu clean) aus und es fie­len ge­le­gent­lich tol­le ge­schich­ten hin­ten raus. in den spä­ten 90ern und frü­hen 00ern fand ich voy­a­ger trotz nee­lix und ge­sichts-ta­too toll und auch das spä­te­re durch­bin­gen auf net­flix war nur zu 30 % lang­wei­lig.

en­ter­pri­se, also die se­rie mit cap­tain ar­cher, die um das jahr 2150 spiel­te, sah wie­der fast so bil­lig und kam­mer­spiel­ar­tig aus wie das „ori­gi­nal“ mit cap­tain kirk. ich fand kaum eine fol­ge lang­wei­lig, als ich mir das vor ein paar jah­ren am stück rein­zog.

dis­co­very und spä­ter pi­card emp­fand ich dann als ex­tre­men bruch. star trek woll­te plötz­lich kein kam­mer­spiel mehr sein, son­dern am­bi­tio­nier­te ac­tion-un­ter­hal­tung. ich habe alle fol­gen von dis­co­very und pi­card ge­se­hen und nach je­der fol­ge dach­te ich ge­nau drei buch­sta­ben: WTF? ich dach­te auch: kann ja nur bes­ser wer­den — wur­de es dann aber nicht.

pa­thos hat­te star trek im­mer schon, aber seit dis­co­very wur­de das pa­thos un­er­träg­lich. sub­til war star trek auch nie, aber seit dis­co­very ver­schwand das hin­ter­grün­di­ge: statt dem pu­bli­kum die in­ter­pre­ta­ti­on des ge­se­he­nen zu über­las­sen, wur­de star trek ex­pli­zit und konn­te vor lau­ter ex­po­si­ti­on kaum noch at­men.

pi­card emp­fand ich dann ei­gent­lich nur noch als fan-ser­vice und nost­al­gie-quark — für den sich al­ler­dings kaum noch fans zu in­ter­es­sie­ren schie­nen. pi­card war die ers­te star trek-se­rie, die mich ag­gres­siv mach­te, weil sie gleich­zei­tig an­ge­strengt und lieb­los war.

pro­di­gy und stran­ge new worlds ge­fie­len mir dann wie­der. in stran­ge new worlds zog wie­der hu­mor ins star trek-uni­ver­sum ein, den ich seit worf in TNG und DS9 so sehr lieb­te. pro­di­gy war teil­wei­se ner­vig, wag­te aber auf eine art so was wie eine mu­ti­ge neu­in­ter­pre­ta­ti­on des gu­ten al­ten star trek-the­mas: die er­kun­dung der fra­ge, was mensch­lich­keit, was hu­ma­nis­mus aus­macht.

lower decks fand ich vor­wie­gend lang­wei­lig und bil­lig und wenn über­haupt, hab ich das sehr spo­ra­disch und un­ent­hu­si­as­tisch ge­se­hen.

und jetzt: star­fleet aca­de­my. drei fol­gen sind ver­sen­det und ich bin hin und her ge­ris­sen. vi­su­ell stim­me ich tho­mas gi­gold zu:

Die Sets sind, wie im­mer in neu­em Trek, über­bor­dend.

mit dem un­ter­schied dass tho­mas das of­fen­bar ge­fällt und ich es gräss­lich fin­de. mir ist das zu viel von al­len, vor al­lem zu viel bling, zu dick auf­ge­tra­gen, als ob man eine swa­row­ski-fi­lia­le oder den trump tower be­tritt.

„al­les fake“ ist ein al­tes, be­währ­tes star trek mus­ter, aber in aca­de­my ist es so dick, bunt und glän­zend auf­ge­tra­gen, dass es un­er­träg­lich wird. ich über­le­ge ernst­haft mei­nen bild­schirm für die nächs­ten fol­gen auf schwarz/weiss zu stel­len um das über­haupt noch er­tra­gen zu kön­nen.

et­was zu dick auf­ge­tra­gen sind für mei­nen ge­schmack auch die mus­keln von ca­leb. in den ers­ten bei­den fol­gen hat­te ich noch den ein­druck, dass das en­sem­ble zwar mit al­len mög­li­chen kör­per­for­men aus­ge­stat­te ist und nicht nur de­nen, die gän­gi­gen schön­heits­idea­len ent­spre­chen, aber das auf­trit­te in un­ter­hem­den oder frei­em ober­kör­per den durch­trai­nier­ten kör­pern vor­be­hal­ten wa­ren. das wur­de in fol­ge 3 dann aber re­la­ti­viert, in dem das gan­ze en­sem­ble in ba­de­ho­sen und -an­zü­gen auf­tre­ten muss­te.

auch wenn ich nach drei fol­gen aca­de­my hin und her ge­ris­sen bin und vie­les doof fin­de, habe ich an­knüp­fungs­punk­te ge­fun­den die mich — glau­be ich — wei­ter am ball hal­ten wer­den. ich fin­de die ge­schich­ten gar nicht mal sooo schlecht und ich bin froh, dass (aus­ser beim set­de­sign) das bom­bas­ti­sche der dis­co­very-ära wie­der zu­rück­ge­fah­ren wur­de. aca­de­my fühlt sich wie­der kam­mer­spiel­ar­ti­ger an und hat es in fol­ge 2 zwei­mal ge­schafft mich dazu zu brin­gen mir zi­ta­te zu no­tie­ren:

Child­ren are our am­bassa­dors to now.

und:

- Would you agree pro­gress is im­pos­si­ble wi­t­hout ch­an­ge?

- I be­lie­ve that most peo­p­le who say they want pro­gress don’t re­al­ly want to ch­an­ge. Which of­ten makes both im­pos­si­ble.

- Tou­ché.

das ers­te zi­tat fin­de ich nach ei­ner wo­che im­mer noch so klug wie vor ei­ner wo­che, das zwei­te ist schlech­ter ge­al­tert, ist aber gar nicht mal so dumm.

als zwi­schen­fa­zit wür­de ich über star­fleet aca­de­my sa­gen: es macht mich nicht ag­gres­siv, dass es scheis­se aus­sieht stört mich nicht wirk­lich und die ge­schich­ten sind zwar kei­ne welt­klas­se, aber er­träg­lich. wenn ich schul­no­ten ver­ge­ben müss­te: ge­ra­de noch be­frie­di­gend, hat luft nach oben.


ein bild, 572 wor­te, kei­ne wer­bung

felix schwenzel in artikel

aus dem bett aufgenommes bild meines kleiderschranks und der tür zum flur. in der spiegeltür des pax sieht man die balkontür. eigentlich sieht man noch viel mehr, das beschreibe ich aber sepaarte im artikel.

pax-, zim­mer- und bal­kon­tü­ren

als ich in den letz­ten ta­gen et­was öf­ter im bett lag, fiel mir auf, wie gut die an­ge­pass­te be­leuch­tung (ad­ap­ti­ve light­ing) der gar­di­nen­stan­ge funk­tio­niert. kon­kret: das die licht­far­be die durch die bal­kon-tür ins zim­mer dringt, der licht­far­be des LED-strei­fen über der bal­kon­tür äh­nelt. der LED-strei­fen auf der gar­di­nen­stan­ge be­leuch­tet die de­cke in­di­rekt, je nach ta­ges­zeit, oder ge­nau­er, je nach son­nen­stand je­weils an­ge­passt an die licht­far­be draus­sen.

man kann es auch ein­fach sa­gen: mor­gens und abends ist das licht rot/gelb sti­chig (warm­weiss), tags­über eher kalt­weiss, nachts leuch­tet es blau. blau leuch­tet es ers­tens weil ich es an­ge­nehm fin­de und zwei­tens, da­mit ich je­dem der be­haup­tet blau­es licht stö­re den schlaf sa­gen kann, dass ich seit fünf jah­ren bes­tens un­ter (schwa­chem) blau­licht schla­fe.

je­den­falls woll­te ich mei­ner be­frie­di­gung mit der home as­sistant ad­ap­ti­ve light­ing er­wei­te­rung aus­druck ver­lei­hen und ein be­weis­fo­to mei­ner be­frie­di­gung ver­öf­fent­li­chen. dann fiel mir fas­zi­niert auf, was man sonst noch so auf die­sem bild al­les se­hen kann.

klar zum ei­nen: wir lie­ben ikea und spe­zi­ell pax. vor 13 jah­ren habe ich pax zum ers­ten mal mei­ne lie­be er­klärt, dann ein paar tage spä­ter habe ich mir mit pax ei­nen traum er­füllt und vor sie­ben jah­ren ha­ben wir pax so­gar er­wei­tert. auf dem bild hier sieht man auch, dass wir die pax-spie­gel­tür ka­putt ge­macht ha­ben, aber schwar­zes gaf­fa-tape ver­deckt den scha­den ganz her­vor­ra­gend.

dann sieht man auch das „neon“ schild, dass ich mir vor acht jah­ren ge­baut habe (do­ku­men­ta­ti­on für die ers­te ver­si­on, die ich dem kind ge­schenkt habe).

man sieht die „pre­view edi­ti­on“ des home as­sistant voice dings, mit der ich sehr zu­frie­den bin und mit der ich mit home as­sistant spre­che und home as­sistant mit mir. man sieht auch, dass da noch eine play­sta­ti­on eye steht, die ich als mi­kro­fon be­nut­ze um da­mit die acht jah­re al­ten bi­na­ries des ori­gi­nal snips.co wa­ke­words „hey snips“ zu be­lie­fern. die­ses wirk­lich ur­alte wake word­funk­tio­niert wei­ter­hin sehr sen­si­bel (ich kann „hey snips“ auch flüs­tern) und mit so gut wie kei­nen fal­se po­si­ti­ves, dass ich sehr froh bin die al­ten bi­na­ries in ei­nem do­cker con­tai­ner am lau­fen hal­ten zu kön­nen. die play­sta­ti­on eye ist an ei­nem ra­spi an­ge­schlos­sen, auf dem ein rhass­py:2.5.11-con­tai­ner läuft, der nichts an­de­res macht als den mi­kro­fon­in­put per mqtt an die alte snips-bi­na­ry zu lie­fern.

da oben steht auch noch eine alte xiao­mi dafang ka­me­ra, die ge­ra­de weg­guckt, aber zur bal­kon­tür guckt, wenn wir die woh­nung ver­las­sen ha­ben. der dafang konn­te man da­mals eine ei­ge­ne firm­ware auf­spie­len, sie macht nach wie vor was sie ma­chen soll.

screenshot vom ipad, das bei uns flur hängt. man sieht ein vereinfachtes home assistant dashboard vor allem mit wetter-inormationen

aus­ser­dem sieht man im flur sche­men­haft un­se­ren brot­her dru­cker, links da­ne­ben ein ipad, das nur an­geht wenn der flur be­setzt ist und sonst das wet­ter zeigt. aus­ser­dem sieht man un­se­ren luft­rei­ni­ger AC2889/10 von phil­ips, der sich an­fangs et­was stö­risch, mitt­ler­wei­le dank kon­go09 aber sehr zu­ver­läs­sig mit home as­sistant steu­ern lässt.

was man auch sieht: den roll ho­cker, den sich die bei­fah­re­rin ei­gent­lich ge­kauft hat­te, der mir dann aber so gut ge­fiel, dass ich ihn seit­dem be­nut­ze. ich moch­te noch nie be­son­ders ger­ne auf stüh­len sit­zen. am liebs­ten sit­ze ich auf bar­ko­ckern oder sol­chen nied­ri­gen ho­ckern. ich bin qua­si ein stu­ben-ho­cker-ho­cker. die­sen spe­zi­el­len ho­cker (bei­spiel­k­auf­link) kann ich je­de­falls von gan­zem her­zen emp­feh­len, die rol­len funk­tio­nie­ren auf tep­pich oder jetzt neu, auch ohne tep­pich.


mein vor­trags­vor­schlag für die re­pu­bli­ca 2026

felix schwenzel in artikel

ich habe 90 mi­nu­ten vor dem ende der dead­line mei­nen vor­trags­vor­schlag für die re­pu­bli­ca die­ses jahr ein­ge­reicht. ei­gent­lich woll­te ich mei­ne ein­rei­chung zu­erst um die idee wi­ckeln die eine fern­seh­se­rie (plu­ri­bus) in mir ge­weckt hat: was, wenn es gar nicht so toll ist, wenn in der welt frie­den herrscht, alle zu­frie­den sind und sich ge­gen­sei­tig lie­ben? die­se höchst kon­train­tui­ti­ven ge­dan­ken wür­de ich ger­ne aus­wal­zen und trotz­dem die fra­ge be­ant­wor­ten, wie man an­ge­sichts der welt­la­ge op­ti­mis­mus und mo­ti­va­ti­on auf ei­nem er­träg­li­chen ni­veau hält.

am ende is­ses dann et­was ge­ne­ri­scher ge­wor­den und an­ge­sichts der vie­len vor­be­rei­tungs­ar­beit die so ein vor­trag und die vor­ab auf­ge­stell­ten stei­len the­sen be­deu­ten, wün­sche ich mir bei­na­he, dass mein vor­schlag die­ses jahr ab­ge­lehnt wird.

das habe ich eben ein­ge­reicht:

Die Welt ist scheis­se — und das ist auch gut so

So­bald wir ak­zep­tie­ren, dass die Welt vol­ler Un­ge­rech­tig­keit, Schmerz und Ab­sur­di­tät ist, kön­nen wir uns dem Schö­nen zu­wen­den. Das Schlech­te ist nicht wün­schens­wert, aber not­wen­dig. Es ist der Roh­stoff, aus dem Sinn, Kunst, Fort­schritt und Op­ti­mis­mus über­haupt erst ent­ste­hen.

Die Welt in der wir le­ben hat nichts müt­ter­li­ches, auch wenn der Volks­mund das seit Jahr­tau­sen­den be­haup­tet. Die Welt macht ihr Ding, nimmt ih­ren Lauf und be­ach­tet uns Men­schen nicht wei­ter. Wir Men­schen ma­chen es uns Men­schen auch nicht ge­ra­de leicht, im Ge­gen­teil. Aber ge­nau die Fein­se­lig­keit und Ab­sur­di­tät der Welt ist die Quel­le aus der wir Op­ti­mis­mus, Kraft für Ver­än­de­rung und Glück schöp­fen kön­nen. Op­ti­mis­mus muss kei­ne Schön­fär­be­rei sein und ist nicht der Glau­be, dass al­les gut wird. Op­ti­mis­mus ist die Ent­sch­ei­dung, in ei­ner be­schis­se­nen Welt trotz­dem Be­deu­tung zu er­zeu­gen.

In die­sem Sin­ne möch­te ich 30 Mi­nu­ten Op­ti­mis­mus ver­brei­ten.


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vi­ne.co

felix schwenzel in artikel

ges­tern muss­te ich an vine.co den­ken. das war mal eine vi­deo-sei­te auf der man 6 se­kun­den lan­ge vi­de­os ver­öf­fent­li­chen konn­te (wi­ki­pe­dia-ar­ti­kel zu vine). vor zwölf jah­ren schrieb ich:

ich glau­be vine und ich wer­den gute freun­de.

wur­den wir dann für kur­ze zeit, so vor neun jah­ren stell­te vine dann sei­nen dienst ein, ein paar mo­na­te nach der grün­dung wur­de vine von twit­ter ge­kauft.

ich weiss nicht ge­nau wie­so ich ges­tern an vine ge­dacht habe, aber mei­ne er­in­ne­run­gen sind po­si­tiv. ich habe mal ein ei­ni­ger­mas­sen wit­zi­ges vi­deo dort ge­pos­tet und ich er­in­ne­re mich, dass die sechs se­kun­den be­schrä­kung ein tol­ler mo­tor für krea­ti­vi­ät war und vie­le pos­te­ten da­mals ex­trem lu­us­ti­ge sa­chen. ich dach­te wahr­schein­lich, scha­de dass das al­les weg ist.

und dann dach­te ich, mal schau­en, ob viel­leicht doch noch was da ist. tei­le von vine schie­nen noch zu funk­tio­nie­ren, aber an die vi­deo-da­tei­en schien ich nicht dran­zu­kom­men. dann fand ich die­se sei­te des ar­chi­ve­teams: wiki.ar­chi­ve­team.org/in­dex.php?title=Vine

dort stand be­schrie­ben …

So­me­time ca Jan 3 2025 the site show­ing the vi­de­os fi­nal­ly bro­ke, though it is ac­ces­si­ble via a DNS hack.[3]

der dns hack ist fol­gen­des in die /etc/hosts da­tei ein­zu­tra­gen:

151.101.244.157 mtc.cdn.vine.co
151.101.244.157 v.cdn.vine.co

da­mit funk­tio­nie­ren die em­beds so­gar teil­wei­se wie­der. mit dem rest der an­lei­tung konn­te ich dann die me­ta­da­ten und vi­deo-da­tei­en mei­ner we­ni­gen em­beds „ret­ten“ und die­se bei­trä­ge auf wir­res.net mit vine-em­beds wie­der „re­kon­stru­ie­ren“:

vor 11 jah­ren ha­ben das­nuf und ich uns ge­gen­sei­tig bei der ar­beit ge­filmt. da­mals und auch im nach­hin­ein ist das schon ein biss­chen wit­zig, vor al­lem wenn man be­denkt, dass wir im­mer noch ar­beit­kol­le­gin­nen sind.

nach­trag:
im wi­ki­pe­dia-ar­ti­kel über vine steht, dass so­wohl kack dor­sey als auch elon musk von plä­nen ge­spro­chen ha­ben, vine wie­der zu re­ak­ti­vie­ren oder zu­gäng­lich zu ma­chen. da bin ich mal ge­spannt ob und wie da was draus wird.


Ueber die all­mähli­che Ver­fer­ti­gung der Ge­dan­ken beim Blog­gen

felix schwenzel in artikel

heu­te füh­le ich mich leicht grös­sen­wahn­sin­nig und habe mir ge­dacht, man könn­te kleist doch mal up­da­ten (ver­schwen­zeln).


wenn du über et­was nach­den­ken willst und dir auch durch in­ten­si­ves nach­den­ken oder dar­über me­di­tie­ren nichts sinn­vol­les ein­fällt, dann rate ich dir ein­fach drü­ber zu schrei­ben. das muss auch an nie­mand be­stimm­tes ge­rich­tet sein oder be­son­ders scharf­sin­nig sein, schreib ein­fach drü­ber, was dir durch den kopf geht.

auch wenn im­mer noch vie­le men­schen den­ken, man sol­le nur von din­gen re­den von de­nen man et­was ver­steht, hier geht es um et­was an­de­res als wis­sen­ver­mitt­lung oder *splai­nen. es geht dar­um beim schrei­ben um ei­nen ge­dan­ken her­um zu tan­zen. so wie der ap­pe­tit beim es­sen kommt, kom­men ei­nem im­mer auch ideen beim schrei­ben.

ich sit­ze oft am rech­ner oder lie­ge im bett und lese was an­de­re schrei­ben. manch­mal möch­te ich dem ge­le­se­nen wi­der­spre­chen, manch­mal möch­te ich es wei­ter­den­ken oder es an­ders be­trach­ten. mir schies­sen dann flüch­ti­ge ideen im kopf her­um, ich weiss das könn­te man wei­ter- oder ganz an­ders den­ken, aber ich weiss nicht wie, nur dass ich was dazu den­ken und sa­gen will. weil ich aber doch eine dunk­le vor­stel­lung von dem habe was ich viel­leicht sa­gen will, fan­ge ich ein­fach an zu schrei­ben und sät­ze zu kon­stru­ie­ren. sät­ze die ich an­ge­fan­gen habe, wol­len dann auch zu­en­de ge­führt wer­den. ich tas­te mich von wort zu wort, wie ein lar­ge lan­guage mo­del ver­su­che ich den satz so wei­ter­zu­füh­ren, wie er rich­tig klingt. ich ver­has­pel mich oft bei die­sem qua­si auto-ver­voll­stän­di­gen mei­ner sät­ze, aber das lässt sich dann meist beim spä­te­ren kor­rek­tur­le­sen aus­beu­len.

ge­le­gent­lich hilft es mich zu fra­gen wer das denn le­sen soll, ob die es auch nur im an­satz ver­ste­hen wür­den oder ob ich noch ein, zwei er­klä­ren­de sät­ze nach­schie­ben muss oder ein et­was zu luf­ti­ges ge­dan­ken­kon­strukt auf eine so­li­de­re ba­sis stel­len muss. der ge­dan­ke den text spä­ter zu ver­öf­fent­li­chen wirkt ein biss­chen wie ein stil­ler, trei­ben­der mo­tor. ob­wohl ich al­lei­ne vor dem rech­ner sit­ze und tip­pe, bin ich be­reits im dia­log mit ima­gi­nier­ten le­sern. ich weiss, dass der ge­dan­ke ei­nen text zu ver­öf­fent­li­chen auch wie eine brem­se wir­ken kann, aber ich glau­be die­se brem­se nutzt sich durch stän­di­ges, im­mer neu­es schrei­ben ab und kann sich dann zu ei­nem schwung­rad wan­deln das hel­fen kann im­mer wie­der neue ge­dan­ken los­zu­rüt­teln.

frü­her nutz­te ich oft noch ein zwei­tes schwung­rad: em­pö­rung. da­mit die em­pö­rung nicht aus­ufert, ent­wi­ckelt der ge­dan­ke der spä­te­ren ver­öf­fent­li­chung eine will­kom­me­ne brems­wir­kung. wie mit ei­nem ven­til kann man so das ent­wei­chen des em­pö­rungs­über­drucks ge­zielt steu­ern und ich fin­de in die­sem zu­stand aus schwung und brems­wir­kung plötz­lich wor­te und ge­dan­ken, auf die ich sonst wohl nie ge­kom­men wäre.

die­se mi­schung aus in­ne­rem dia­log, ab­wä­gen der schär­fe und den ima­gi­nier­ten le­sen­den führt im bes­ten fall zu bril­li­an­ten ge­dan­ken und im schlech­tes­ten fall zu et­was aus dem man ler­nen kann und rou­ti­ne beim ge­dan­ken-lo­ckern ge­win­nen kann. das ver­fas­sen schlech­ter tex­te, die viel­leicht eine oder meh­re­re gute ideen ent­hal­ten, aber es ir­gend­wie nicht zu­en­de ge­dacht in sät­ze ge­schafft ha­ben oder ein­fach un­ver­ständ­lich (wirr) sind, hilft viel­leicht nicht beim ge­winn von an­se­hen, aber bei ge­winn von rou­ti­ne im ba­lan­cie­ren und ge­ne­rie­ren von wor­ten und ge­dan­ken. man muss sich im­mer vor au­gen hal­ten: der meis­ter kann’s nur des­halb bes­ser, weil er mehr übung hat­te.

ich glau­be die­ser schrei­ben­de tanz um ei­nen ge­dan­ken her­um, der ideen aus dem hirn schüt­teln kann, funk­tio­niert auch ohne die kom­bi­nier­te schwung­rad­brem­se der spä­te­ren öf­fent­lich­ma­chung, wenn man nur für sich al­lein schreibt. so wie man rou­lette auch al­lei­ne, ge­gen sich selbst, ohne ech­ten ein­satz spie­len kann, kann man auch ohne den dro­hen­den klick auf den pu­blish-but­ton schrei­ben. aber der span­nungs­zu­stand, die er­re­gung, in den man sich ver­set­zen kann, wenn man et­was zu ver­lie­ren hat, ist viel­leicht ge­nau die en­er­gie die nö­tig ist, um vor­han­de­ne, fest­sit­zen­de ge­dan­ken zu lö­sen und in sät­ze zu gies­sen. so wie elek­tro­nen ihre bahn nur un­ter span­nung oder en­er­gie­zu­fuhr (oder en­er­gie­ent­zug) wech­seln kön­nen, tre­ten ge­dan­ken manch­mal erst dann aus dem un­ter­be­wuss­ten her­vor, wenn man sich in ei­nen ge­wis­sen span­nungs­zu­stand ver­setzt hat.

weil ich mit ei­nem rat an­ge­fan­gen habe, ende ich auch mit ei­nem rat. das ver­öf­fent­li­chen von tex­ten ist ein werk­zeug um eine ge­wis­se span­nung zu er­zeu­gen, die beim ern­ten von ge­dan­ken und ideen hilf­reich ist. der in­ne­re, ima­gi­nier­te dia­log mit le­sen­den ist ein werk­zeug, das auch beim schrei­ben­den den­ken hilft. das ge­fühl et­was zu ver­lie­ren, weil die re­zep­ti­on, die re­ak­tio­nen auf den ver­öf­fent­lich­ten text viel­leicht ne­ga­tiv aus­fal­len oder kaum je­mand den text zu le­sen scheint, ist eine täu­schung. mit dem schrei­ben ei­nes tex­tes tust du in ers­ter li­nie et­was für dich, hast du et­was ge­lernt und ge­won­nen. und mit je­dem neu­en ver­öf­fent­lich­ten text lernst du mehr.

die re­ak­tio­nen auf dei­nen text sa­gen we­ni­ger über dich oder dei­ne ge­dan­ken, son­dern al­les über die re­zi­pi­en­ten. schrei­be und du lernst zu den­ken, ver­öf­fent­li­che und du lernst sehr viel über men­schen.


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2026, tag 3

felix schwenzel in artikel

klimm­zug­stan­ge ge­kauft, wur­de heu­te ge­lie­fert, gleich mon­tiert (in den tür­rah­men ge­klemmt). die bei­fah­re­rin mein­te: „lass uns ei­nen wett­be­werb ma­chen!“ weil wir bei­de kei­ne klimm­zü­ge kön­nen, hab ich ge­sagt: „ok, lass uns schau­en wer län­ger hän­gen kann.“

die bei­fah­re­rin liess nach 6 se­kun­den los. ich hab ne mi­nu­te ge­schafft. das ist an­stren­gen­der als man denkt, ein­fach so ab­zu­hän­gen. es zieht in der hand und die schul­ter­mus­ku­la­tur hat zu tun. soll aber gut für den rü­cken sein, hab ich da­nach ge­le­sen. hän­gen zu kön­nen sei auch ein wich­ti­ger schritt zum klimm­zug. da­nach hab ich ein paar ne­ga­ti­ve klimm­zü­ge ge­macht, mich also lang­sam von oben wie­der in die hän­gen­de po­si­ti­on her­ab­ge­las­sen. das ist noch an­stren­gen­der.

ich glau­be es ist noch ein wei­ter weg zum ers­ten rich­ti­gen klimm­zug. lang­sa­me lie­ge­stüt­zen sind noch an­stren­gen­der. der vor­teil ist: man kommt zum at­men. zum spass ver­su­che ich die im ja­nu­ar täg­lich eben lang­sam und auf den fäus­ten zu ma­chen. das ziel sind 100 stück in drei sit­zun­gen über den tag ver­teilt. ich bin zwei tage lang nur zu ei­ner sit­zung (eher lie­gung) ge­kom­men, im­mer­hin hab ich mich von 10 auf 12 ge­stei­gert.

ge­me­ni meint 60 se­kun­den hän­gen zu kön­nen sei leicht über­durch­schnitt­lich. dar­aus fol­ge­re ich, dass das ab­neh­men nicht zu all­zu viel mus­kel­ver­lust ge­führt hat. trotz­dem, wer klimm zie­hen will muss auch mus­keln zie­hen.

bild der klimmzugstange die ich heute in den türrahmen geklemmt habe.

un­ser flur, jetzt mit klimm­zug­stan­ge

stran­ger things habe ich nach der ers­ten staf­fel auf­ge­hört. wa­ren mir et­was zu vie­le ein­fach ge­strick­te ver­schwö­rungs­theo­rien drin. ich wills jetzt noch­mal ver­su­chen. bin bis jetzt un­der­whel­med und schrei­be jetzt ge­ra­de lie­ber ins in­ter­net, als wei­ter zu gu­cken.

ges­tern run­ning man in der ver­si­on von 2025 an­ge­schaut. war mir auch zu ein­fach ge­strickt und mit zu viel pa­thos ge­spickt. habs trotz­dem bis zum be­scheu­er­ten ende ge­schaut. die so­zi­al- und me­di­en­kri­tik fand ich in ei­nem sol­chen ein­deu­tig auf block­bus­ter ge­trimm­ten film bil­lig, zy­nisch und un­glaub­wür­dig. lee pace hab ich in der ers­ten sze­ne an der stim­me er­kannt.

vor­ges­tern mit the north wa­ter an­ge­fan­gen. eine mini-se­rie mit co­lin fa­rell in ei­ner der haupt­rol­len. bis­her das ein­zig über­ra­schen­de: wie wand­lungs­fä­hig und gleich­zei­tig glaub­wür­dig co­lin fa­rell ist. die ge­schich­te ist nicht un­span­nend, gut er­zählt, schön dre­ckig ge­filmt aber fes­selt mich nicht im ge­rings­ten. mal schau­en ob ichs bis zum ende schaf­fe.


letz­tes jahr (ab april/mai) habe ich ca. 590 bei­trä­ge ver­öf­fent­licht. die­ses bild auf der rück­sei­te il­lus­triert die fre­quenz mei­ner ver­öf­fent­li­chun­gen und ich möch­te das hier­mit do­ku­men­tie­ren, weil sich die gra­fik ja stän­dig ver­än­dert.

ges­tern ha­ben mich die gif-wa­ckel­bil­der von vor 13 jah­ren dar­an er­in­nert, dass mei­ne neue ka­me­ra auch 3d-bil­der auf­meh­men kann. auf dem te­le­fon ma­chen sie sich gut als home-screen­bil­der, aber für hier auf wir­res.net kann ich den der­zei­ti­gen tech­ni­schen mög­lich­kei­ten nichts ab­ge­win­nen. mit spa­tia­li­fy kann man zwar wei­ter­hin aus 3d-bil­dern wa­ckel­bil­der ma­chen, aber das ist schon sehr un­be­ein­dru­ckend.

auf den ers­ten blick be­ein­dru­cken­der: im­mer­si­fy, auch als app. aber das er­geb­nis ist vol­ler art­fak­te und ver­zer­run­gen. ich glau­be 3d ist im­mer noch über­be­wer­tet.

da­für habe ich noch ein paar men­schen ge­fun­den, die — auf eine art — die tra­di­ti­on von iw­drm.tumb­lr.com fort­füh­ren:


94,5 de­zem­ber

felix schwenzel in artikel

ich hab noch oz­em­pic im kühl­schrank lie­gen, 3 oder 4 por­tio­nen. seit dem 03.10.2025 hab ich mir kei­ne sprit­ze mehr ge­setzt, hat­te aber vor weih­nach­ten über­legt mir vor oder nach weih­nach­ten viel­leicht noch­mal eine zu set­zen. dann hab ichs erst­mal ge­las­sen und woll­te mal schau­en was über weih­nach­ten pas­siert.

es hat sich nach meh­re­ren weih­nachts­es­sen und fünf ta­gen es­sen bei mei­nen el­tern ge­zeigt, dass ich über die fei­er­ta­ge eher ab­ge­nom­men habe.

den gan­zen de­zem­ber über schwank­te mein ge­wicht sta­bil um die 94,5 kg. bei mei­nen el­tern zeig­te die waa­ge zwi­schen­durch so­gar mal 93,5 kg an, aber die ers­te wää­gung zu­hau­se, auf mei­ner ei­ge­nen waa­ge, zeig­te wie­der 94,5 kg.

screenshot aus der health-app mit meinem gewicht über den dezember hinweg: durchschnitt 94,51 kg. die linie schwankt zwischen 95 und 94 kg, am ende fehlen über die feiertage ein paar messungen, die letzten beiden punkte sind bei 93,5 und 94,5 kg

mein ge­wicht nach ta­gen im de­zem­ber 2025

ges­tern auf dem rück­weg von mei­nen el­tern nach hau­se ha­ben fri­da und ich uns ein bic­mac-menü bei mc­do­nalds ge­teilt. also sie hat ein biss­chen rin­der­hack und ein paar pom­mes be­kom­men. das menü war „small“, aber ich moch­te die pom­mes dann doch nicht auf­es­sen. nicht we­gen der ka­lo­rien, son­dern weil sie ein­fach nicht so gut schme­cken, wie das was ich mitt­ler­wei­le zu­hau­se hin­be­kom­me. glei­ches gilt für bur­ger. mei­ne selbst­ge­mach­te „bign­mac sau­ce“ und pat­tis von bey­ond meat sind ein­fach le­cke­rer. und auf­es­sen um des auf­es­sens wil­len, auch wenns nicht wirk­lich gut schmeckt, hab ich mir ab­ge­wöhnt.

aber was mc­do­nalds bie­tet ist: dort schmeckt’s (und riecht es) nach frü­her. es schmeckt nach mc­do­nalds und die­ser ge­schmack ist an vie­le po­si­ti­ve as­so­zia­tio­nen ge­bun­den. aber ges­tern ha­ben mir der drei­vier­tel big mac und ein paar pom­mes ge­reicht um die nost­al­gie (und den ap­pe­tit) zu be­frie­di­gen.

an­de­rer­seits: wo gibt’s das denn sonst noch, dass es­sen so wie vor 45 jah­ren1 schmeckt? selbst bei mei­ner mut­ter schmeckt’s heu­te an­ders als vor 45 jah­ren. sie pro­biert stän­dig neu­es aus. ein re­zept das ich vom dies­jäh­ri­gen weih­nacht­be­such mit­ge­nom­men habe sind gur­ken­sticks:

  • 1 un­ge­schäl­te (bio) gur­ke in sehr gro­be sticks schnei­den
  • 2 ess­löf­fel es­sig (weis­ser bal­sa­mi­co, der bil­li­ge von kauf­land tut’s auch)
  • 1 tee­löf­fel salz
  • sehr viel knob­lauch, mei­ne mut­ter hat­te pro gur­ke eine die­ser di­cken ein­zel-knol­len (so­lo­knob­lauch) un­ter die sticks ge­quetscht
  • op­tio­nal viel fri­schen dill hin­zu­fü­gen
  • al­les gut ver­rüh­ren und min­des­tens 10 mi­nu­ten durch­zie­hen las­sen

tha­t's it.

bei mc­do­nalds in in­gers­le­ben, wo fri­da und ich uns das big­mac-menu ge­teilt ha­ben, woll­te eine an­ge­stell­te fri­da un­be­dingt hal­lo sa­gen. hat sie dann auch ge­macht, wäh­rend wir an der es­sens­aus­ga­be war­te­ten. als wir wie­der auf­bra­chen und noch­mal kurz aufs klo gin­gen, fing sie uns am aus­gang ab und frag­te ob sie dem hund et­was ge­ben kön­ne. sie hat­te ei­nen bur­ger­kar­ton mit drei chi­cken-fi­lets („ohne salz“) und woll­te mir den in die hand drü­cken. ab­ge­se­hen da­von, dass das men­gen­mäs­sig zwei bis drei ta­ges­por­tio­nen für fri­da wä­ren, ver­trägt sie huhn nicht be­son­ders gut. des­halb muss­te ich be­dau­ernd und dan­kend ab­leh­nen.

(rind ver­trägt fri­da ei­gent­lich auch nicht, aber weil die rin­der­brü­he bei mei­ner mut­ter ganz gut ver­trug, hat­te ich ihr auch vom bur­ger pat­ti ab­ge­ge­ben. nor­ma­ler­wei­se be­kommt und ver­trägt fri­da wild.)

ich fand das auf je­den fall herz­al­ler­liebst und ehr­lich­ge­sagt tra­gen aus mei­ner sicht sol­che er­leb­nis­se auch dazu bei, dass mc­do­nalds so be­liebt ist. durch die kon­se­quen­te stan­dar­di­sie­rung (des es­sens, der mit­ar­bei­ter mit mi­gra­ti­ons­hin­ter­grund, der zu­rück­hal­ten­den ge­müt­lich­keit, des ge­ruchs) ist je­des mc­do­nalds welt­weit eine in­sel des ge­wohn­ten und be­kann­ten in der frem­de. der aral-pul­se la­de­park in in­gers­le­ben war kalt, dun­kel, in der tie­fen sach­sen-an­hal­ti­ni­schen pro­vinz, aber di­rekt hin­ter der ein­gangs­tür von mc­do­nalds war es warm, hell, ver­traut — und freund­lich.


2026 wird das jahr an dem ich ernst­haft an mei­nem bu­cket-lis­ten-ein­trag „klimm­zü­ge“ ar­bei­ten wer­de. jetzt nach weih­nach­ten wer­de ich mir eine klimm­zug­stan­ge kau­fen die man im tür­rah­men ein­hän­gen kann. da­mit trai­nie­re ich das sys­te­ma­tisch. mitt­ler­wei­le weiss ich durch den kon­sum von schwer er­träg­li­chen fit­ness-vi­de­os auf you­tube, dass es zu min­des­tens 50% auf die tech­nik an­kommt und es gar nicht mal so ein­fach ist ei­nen be­we­gungs­ab­lauf hin­zu­be­kom­men in dem die rü­cken­mus­ku­la­tur die arme beim hoch­zie­hen un­ter­stützt. und die rü­cken­mus­ku­la­tur will auch auf­ge­baut wer­den. nicht auf der bu­cket list, aber fest vor­ge­nom­men: täg­lich 50-100 lie­ge­stüt­zen in drei­er-ein­hei­ten über den tag ver­teilt min­des­tens 3 mo­na­te durch­zie­hen. frü­her hab ich 100 schnel­le, slop­py lie­ge­stüt­zen am stück ge­schafft, mitt­ler­wei­le schaff ich von den slop­py lie­ge­stüt­zen wie­der 30 am stück. aber ich ver­su­che jetzt 20-30 lang­sa­me am stück auf­zu­bau­en. 8-14 schaf­fe ich da­von im mo­ment, das ist also noch aus­bau­fä­hig und durch die hand- und arm­hal­tung auch sehr gut va­ri­ier­bar.


  1. in aa­chen hat 1978 am markt das ers­te mc­do­nalds er­öff­net. seit den frü­hen 80ern ging ich dort re­la­tiv re­gel­mäs­sig hin. ein­mal sind wir auch des re­stau­rants ver­wie­sen wor­den, weil wir an­de­re gäs­te mit pa­pier­kü­gel­chen aus stroh­hal­men be­schos­sen ha­ben. big macs esse ich ger­ne, seit­dem ich mit­te der 90er 3 tage lang non-stop von ten­nes­see nach wa­shin­gon sta­te mit dem grey­hound-bus ge­fah­ren bin. der grey­hound hielt ge­le­gent­lich an mc­do­nalds-re­stau­rants und mei­ne ent­täu­schung war rie­sig, wenn wir mor­gens bei mc­do­nalds hi­le­ten und es dort „nur“ früh­stück und kei­ne big­macs gab. 

auch wenn mein ge­wicht im de­zem­ber kon­stant bei 94,5 lag, sind die jah­res- und sechs-mo­nats-gra­fik aus ap­ple he­alth op­ti­mis­tisch. aber der be­reich 90-95 kg ist ei­gent­lich ein be­reich in dem ich blei­ben will. mei­ne kla­mot­ten pas­sen mir noch, mei­ne el­tern ha­ben erst nach dem drit­ten bis vier­ten blick ge­se­hen, dass ich 18 kilo ab­ge­nom­men habe und die wer­te die ich er­fas­se (blut­druck, ru­he­puls, ca­ri­do­fit­ness) ha­ben sich si­gni­fi­kant ver­bes­sert. und ich kann auch wie­der auf dem rü­cken schla­fen ohne mich selbst durch in­fer­na­li­sches schnar­chen selbst zu we­cken. und durch die kom­bi­na­ti­on aus be­we­gung und ge­wichts­ver­lust ha­ben sich die krampf­adern die sich in den letz­ten vier, fünf jah­ren an mei­nen un­ter­schen­keln vor­wag­ten, wie­der alle ver­dün­ni­si­ert.


alt wer­den, al­te pfusch­zet­tel, al­te fo­tos

felix schwenzel in artikel

zu weih­nach­ten bin ich bei mei­nen el­tern. mei­ne mut­ter er­zählt, mein va­ter macht das was er im­mer macht und ich stau­ne, wie die klei­nen kon­flik­te, die bei mei­nen el­tern frü­her ge­le­gent­lich es­ka­lier­ten jetzt ein­fach ab­eb­ben. viel­leicht ist das ein wei­te­rer po­si­ti­ver aspekt am al­tern, dass sich das kurz­zeit­ge­däch­nis ver­kürzt und man ein­fach ver­gisst, über was man sich ger­dae auf­ge­regt hat. apro­pos äl­ter wer­den, mei­ne mut­ter er­zähl­te uns aus­la­dend dar­über, dass sie das buch von elke hei­den­reich über das al­tern nicht gut fand, aber sehr be­geis­tert von na­ta­scha wo­dins „Die spä­ten Tage“ ist. in „Die spä­ten Tage“ schreibt sie über das alt­wer­den und eine spä­te gros­se lie­be. ich muss keins der bü­cher le­sen, weil mir mei­ne mut­ter be­reits al­les er­zählt hat.

mei­ne mut­ter er­zählt von ih­rer freun­din vera, die 15 jah­re jüng­ger als sie ist. mitt­ler­wei­le sind bei­de alt, mei­ne mut­ter und vera. im al­ter ver­wi­schen al­ters­un­ter­schie­de. und es ist na­tür­lich auch pfif­fig jün­ge­re freun­de zu ha­ben, das macht sich im al­ter be­zahlt, wenn die gleich­alt­ri­gen oder äl­te­ren freun­de ver­här­ten oder ver­ster­ben.

wit­zi­ger­wei­se er­zähl­te mir mei­ne mut­ter ir­gend­wann auch von ih­ren ela­bo­rier­ten pfusch­zet­teln, an die ich vor ein paar ta­gen auch den­ken muss­te. sie habe die ge­ra­de beim auf­räu­men wie­der­ge­fun­den und ob ich die viel­leicht ha­ben wol­le. ich hab sie erst­mal fo­to­gra­fiert und dann ein­ge­steckt.

wäh­rend mei­ne mut­ter mir ihre ge­ra­de auf­ge­räum­ten schmuck­scha­tul­len zeigt, fällt mein blick auf die­ses alte bild mei­ner mut­ter und mei­ner schwes­ter aus den frü­hen acht­zi­ger­jah­ren.

foto eines fotos aus den achtziger jahren von meiner mutter mit meiner schwester elena auf dem schoss

mei­ne mut­ter zeigt mir den ers­ten band der bob-dy­lan-au­to­bio­gra­fie (Chro­nic­les, Band 1). das habe sie sich ge­kauft, weil es von kath­rin pas­sig (und ger­hard hen­schel) über­setzt wur­de und sie kath­rin pas­sig mal auf der re­pu­bli­ca ken­nen­ge­lernt oder ich sie ihr vor­ge­stellt habe. ich mer­ke wie we­nig ich weiss und freue mich, dass mei­ne mut­ter ih­ren geist mit über acht­zig bes­ser auf trab hält als ich.

ko­mi­scher­wei­se wer­de ich bei mei­nen el­tern nicht nost­al­gisch. die gan­zen al­ten sa­chen we­cken zwar vie­le alte er­in­ne­run­gen, aber ir­gend­wie fal­len mir vor al­lem die neu­en sa­chen auf. dass kon­flik­te zwi­schen mei­nen el­tern jetzt eher ab­b­eb­ben, als zu es­ka­lie­ren. wie schön und fo­to­gen die ge­gend hier in und um heins­berg ist und wie we­nig ich das da­mals of­fen­bar zu schät­zen ge­wusst habe.

panorama-foto von einem kahlen feld, man sieht im hintergrund kahle bäume und sehr weiten, organge-blauer himmel

am him­mel konn­te ich hier heu­te früh min­des­tens zwan­zig flug­zeu­ge se­hen. der him­mel war rie­sig und klar und alle flug­zeu­ge zo­gen kon­desn­strei­fen hin­n­ter sich her. das sieht man zwar auf dem bild nicht wirk­lich, aber so war es.

foto eines geteerten feldwegs, links ein grosser stall, einige kahle bäume am horizont, der morgenhimmel leuchtet orange-blau

mir fal­len aber auch ein paar alte din­ge auf, oder ge­nau­er, wie schnell din­ge die kürz­lich noch neu wa­ren plötz­lich ganz alt wir­ken. hier im haus sind noch über­all die­se kom­pak­ten neon-lam­pen ver­baut, die ein paar hun­dert mil­li­se­kun­den brau­chen, be­vor sie licht ab­ge­ben. die wa­ren vor kur­zem noch der letz­te heis­se scheiss. mein va­ter meint, die ha­lo­gen-läp­chen in sei­nem ba­de­zim­mer hiel­ten im durch­schnitt ge­ra­de mal 2 jah­re. die­se din­ger wa­ren we­gen der nie­der­volt-tech­nik auch mal ein heis­ser neu­er scheiss, mitt­ler­wei­el sieht das wohl kei­ner mehr so. und weil mein va­ter (zu recht) lie­ber kei­ne lei­ter mehr be­stei­gen will, habe ich jetzt wohl alle paar jah­re die auf­ga­be die lämp­chen aus­zu­tau­schen.

fri­da und ich sind heu­te zum ers­ten mal über den kar­ke­ner fried­hof ge­lau­fen. bis­her ha­ben wir das nicht ge­macht, weil ich mich in der re­gel an hun­de-ver­bo­te auf fried­hö­fen hal­te. frü­her bin ich aus des­in­ter­es­se nie über den kar­ke­ner fried­hof ge­al­ufen. heu­te, auf dem rück­weg vom mor­gen­spa­zier­gang, woll­te ich aber ei­nen bo­gen um das mensch-hund-team vor uns ma­chen, in dem der sehr gross ge­wach­se­ne hund ganz of­fen­sicht­lich die ho­sen an hat­te und die marsch­rich­tung be­stimm­te. also sind wir am fried­hof ab­ge­bo­gen.

gemauerter torbogen eingang zum karkener friedhof vom tichelkamp aus

un­se­re hoch­zeit in las ve­gas (vor 17 jah­ren)

felix schwenzel in artikel

vor 17 jah­ren ha­ben wir am 24.12.2008 in las ve­gas ge­hei­ra­tet. aus un­er­find­li­chen grün­den habe ich das hier auf wir­res.net nie rich­tig do­ku­men­tiert. in­sta­gram gabs da­mals noch nicht und twit­ter konn­te da­mals noch kei­ne bil­der. auf twit­pic lie­gen er­staun­li­cher­wei­se noch ein paar bil­der rum (twit­pic.com/wwza und twit­pic.com/vrtf), aber sonst fin­de ich jetzt fast nichts mehr.

was ich da­mals do­ku­men­tiert habe, war un­se­re deut­sche be­hör­den odys­see: hei­ra­ten in las ve­gas (märz 2009)


2008 ha­ben wir uns ent­schlos­sen zu hei­ra­ten — aus steu­er­li­chen grün­den. wir wa­ren da­mals schon drei jah­re zu­sam­men, ka­tia hat­te nichts da­ge­gen zu hei­ra­ten, mir war das eher egal. bis ich ir­gend­wann die steu­er­li­chen rah­men­be­din­gun­gen re­cher­chi­er­te und ka­tia am te­le­fon ei­nen an­trag mach­te: „ich hab das mal nach­ge­rech­net, wir müs­sen lei­der hei­ra­ten.“

da­mals war es schon spät im jahr und wir woll­ten den steu­er­vor­teil für 2008 noch mit­neh­men, also such­ten wir ei­nen weg mög­lichst schnell und un­kom­pli­ziert zu hei­ra­ten. las ve­gas er­schien uns eine gute idee: kei­ne gros­se orga, aus­ser ein ho­tel­zim­mer und ei­nen flug zu bu­chen, kein stress mit der fra­ge wen wir ein­la­den. wir ha­ben ein­fach alle ein­ge­la­den: „wir hei­ra­ten am 24.12 in las ve­gas: kommt ger­ne vor­bei, wir freu­en uns!“

foto des rücksitzbildschirms bei unserem transatlantikfluf am 21.12.2008, wir haben gerade „limerick überflogen“

früh­stück bei den­ny’s

am 21.12.2008 flo­gen wir mit dem kind los und check­ten ins the ve­ne­ti­an ein. un­ser jet­lag zwang uns re­la­tiv früh ins bett und ab 02:00 uhr mor­gens wa­ren wir wie­der wach. las ve­gas schläft ja be­kannt­lich nie, bzw. den ca­si­no-be­trei­bern ist es oh­ne­hin ein gros­ses an­lie­gen, dass nie­mand merkt wie die zeit ver­geht oder wie spät es ist. die aus­sen­tü­ren der ca­si­nos sind meist so tief ge­tönt, dass man in der re­gel von in­nen nicht er­ken­nen kann, ob draus­sen die son­ne scheint oder ob es tie­fe nacht ist. wir sind dann um drei uhr mor­gens ins den­ny’s vor dem ve­ne­ti­an ge­gan­gen (wo­bei den­ny’s im­mer of­fen hat). dort ha­ben wir def­tig ge­früh­stückt und dann den gan­zen tag un­ser tou­ris­ten-pro­gramm ab­ge­spult und uns cha­pels an­ge­se­hen, in de­nen wir hei­ra­ten könn­ten.

foto der little white wedding chapel in las vegas

als ka­pel­le such­ten wir uns die „a litt­le white wed­ding cha­pel“ (wi­ki­pe­dia link) aus, ei­ner­seits weil uns die da­mals schrot­ti­ge web­site ge­fiel und an­de­rer­seits we­gen ro­se­an­ne, die uns ein hoch­zeits­pa­ket-an­ge­bot schnür­te und wäh­rend des be­ra­tungs­ge­sprächs mal kurz („ex­cu­se me for a mo­ment“) an den au­to­schal­ter ging, an dem ge­ra­de ein auto vor­ge­fah­ren war, um dort eine au­to­schal­ter-hoch­zeit zu ab­zu­wi­ckeln, bzw. zu ko­or­di­nie­ren. als sie zu­rück­kam, sag­te sie uns, an das kind ge­rich­tet: „can you do me a fa­vour? never mar­ry in a car!“.

un­ser hoch­zeits­pa­ket um­fass­te eine li­mou­si­nen-an­fahrt aus dem ho­tel, blu­men­ge­ste­cke für die braut und den bräu­ti­gam, ei­nen fo­to­gra­fen der 12 bil­der an­fer­ti­gen wür­de und eine vi­deo­auf­nah­me. den stan­des­be­am­ten, bzw. pas­tor müs­se man se­pa­rat be­zah­len.

nach­dem wir das an­ge­bot an­ge­nom­men hat­ten, in mei­ner er­in­ne­rung war es sen­sa­tio­nell güns­tig, muss­ten wir nur noch un­se­re „mar­ria­ge li­cen­se“ be­sor­gen. da­für geht man ein­fach zum clark coun­ty mar­ria­ge li­cen­se bu­reau, eine be­hör­de die je­den tag von acht uhr mor­gens bis mit­ter­nacht ge­öff­net hat.

über die hoch­zeits-for­ma­li­en und vor al­lem wie man die ame­ri­ka­ni­sche hoch­zeit dann in deutsch­land an­er­ken­nen lässt, habe ich 2009 aus­führ­lich ge­schrie­ben (und jetzt noch­mal ak­tua­li­si­ert): hei­ra­ten in las ve­gas

felix, katia und anton in unserer limosine auf dem parkplatz der „little white wedding chapel“. das foto hat unser freundlicher fahrer gemacht . katia und ich schauen aus dem dachfenster, anton aus dem seitenfenster.

„aber rev stone hat ge­sagt …!“

am 24. hol­te uns dann ein fah­rer am ho­tel ab und fuhr uns zur litt­le white cha­pel.

na­tür­lich wa­ren kei­ne wei­te­ren gäs­te nach las ve­gas ge­kom­men (ob­wohl mei­ne el­tern das kurz in er­wä­gung ge­zo­gen hat­ten), des­halb wa­ren wir mit dem kind, dem fo­to­gra­fen und re­ver­end ro­bert l. stone al­lei­ne in der ka­pel­le. rev stone war ein nied­li­cher al­ter mann mit sehr di­cken bril­len­glä­sern, hin­ter de­nen man sehr freund­li­che gros­se au­gen se­hen könn­te. wir lies­sen ihn vor­ab wis­sen, dass wir athe­is­ten sei­en, aber die ze­re­mo­nie die er ver­an­stal­te­te war trotz des kitsch der uns um­gab sehr ro­man­tisch und rühr­se­lig. am ende hat­ten wir alle ein biss­chen feuch­te au­gen. er frag­te uns auch, ob er „trotz­dem“ für uns be­ten könn­te, was uns auch be­weg­te, athe­is­mus hin oder her.

rev stone spielt nach wie vor eine gros­se rol­le in un­se­rem le­ben, es ver­geht kaum ein mo­nat in dem nicht ei­ner von uns bei­den sagt: „aber rev stone hat ge­sagt …!“ lei­der ist rev. stone 2021 ge­stor­ben, auf sei­ner ob­itua­ry-sei­te kann man das eine oder an­de­re aus sei­nem le­ben er­fah­ren.

nach der hoch­zeit sind wir noch über den grand can­yon, palm springs und san die­go nach los an­ge­les ge­fah­ren. wäh­rend es in las ve­gas an­ge­nehm warm war, war es am grand can­yon bit­ter­kalt. um so schö­ner war es in palm springs, wo es ende de­zem­ber früh­lings­haft warm war. die hoch­zeits­rei­se war, wie die hoch­zeit, eine wil­de mi­schung ex­tre­mer kon­tras­te, kalt, warm, heiss, kit­schig, herz­lich, bunt, pom­pös und un­bü­ro­kra­tisch. das mit den kon­tras­ten, mit den ex­tre­men, das kön­nen die ame­ri­ka­ner. und in las ve­gas kön­nen sie hoch­zei­ten. wir be­reu­en es nicht und kön­nen hei­ra­ten in las ve­gas von gan­zem her­zen emp­feh­len.