momentan wird allüberall dieser artikel von katie baker empfohlen, in dem es um die tiefgreifenden veränderungen der google-suche in richtung KI-antworten geht und wie sehr websites die sich auf suchmaschinentraffic verlassen haben und dafür optimiert haben, darunter leiden.
Last month, Bouliane was one of the guests on an NPR segment about the changes to Google; he told the hosts that his traffic was down 75 percent since AI Overviews was launched in 2024. Another guest, Amanda Natividad of SparkToro, offered a sobering stat (well, unless you’re a product manager at Google) about “zero-click” rates these days. “Sixty-eight percent of all U.S. Google searches end without a click,” she said—meaning that users get what they need directly in the search page (or just get distracted, I guess) without having to visit any outside sites. That’s an increase from 45 percent a decade ago. Another grim figure, per The Telegraph: While appearing first in Google search results used to mean getting a click 27 percent of the time, that number drops to 11 percent when there’s an AI Overview up top.
ich habe mir mal meine matomo zahlen angesehen. matomo nutze ich seit 2010 (damals noch als piwik). google hatte mindestens ein jahrzehnt den ruf sehr blogaffin zu sein. google mochte damals seiten die regelmässig aktiualisiert wurden und lebendig erschienen. ich kann mich an zeiten erinnern, zu denen beiträge von mir 2 minuten nach der veröffentlichung bereits in sucherergebnisseiten auftauchten.
mit dem einzug von frida bei uns vor sechs jahren und technischen problemen mit meinem uralt-CMS liess meine postingfrequenz stark nach und ich verlor google’s gunst.
seit ich im april 2025 diese website neugestartet habe, habe ich mich in der gunst von google langsam wieder hochgearbeitet. im juni 2025 schickte mir google um die zwei besucher pro tag vorbei. mittlerweile sind es so um die 60 besucher täglich. aktuell zeigt matomo 7000 besucher die mir google dieses jahr bereits geschickt hat. hochgerechnet dürften das mindestens 12.000 besucher dieses jahr werden. damit bin ich fast wieder auf dem niveau der jahre 2013 bis 2018.
ein grosser anteil der referer kommen über rezeptsuchen. obwohl auch rezeptseiten-betreiber laut katie baker über rückgängige zahlen klagen, scheint google rezeptsuchende weiterhin sehr gerne zu rezepten im web zu schicken, bzw. rezeptseiten nach wie vor mit sehr vielen besuchern zu „belohnen“. ich bin da nicht allein.
die frage die im raum steht, ob google das „offene netz“ zerstöre, wird jetzt oft gestellt. ich bin mir da nicht so sicher. früher™ war keinesfalls alles besser. aggressive suchmaschinenoptimierung hat bei mir regelmässig sehr viel mehr negative emotionen ausgelöst, als das was google da gerade veranstaltet. und: mir ist es ehrlichgesagt egal ob google besucher für ein rezept hierher schickt oder das rezept (mit ordentlicher quellenangabe) auf der suchergebnisseite anzeigt.
ich gebe mir grosse mühe rezepte die ich hier veröffentliche gut zugänglich, lesbar oder zum beispiel in rezept-apps exportierbar zu machen. wenig macht mich so aggressiv wie rezeptseiten im web, auf denen man erstmal drei banner wegklicken muss und dann sechs kilometer scrollen muss, um ans rezept zu kommen. rezepte sind zum kopieren, sammeln, weitergeben, empfehlen und vor allem wiederfinden da. das wiederfinden ist der grund, warum ich rezepte anfangs überhaupt ins internet schrob: um die guten sachen schnell wiederzufinden. mittlerweile finde ich alles in mela1, weil ich da alles reinspeichere und mela gleichzeitig auch als reader-app nutzen kann um das ganze brimborium auf rezeptseiten auszublenden.
ganz am ende von katie bakers artikel schreibt sie:
Back in 2000, four years before Google’s IPO, cofounder Larry Page mused in an interview that “artificial intelligence would be the ultimate version of Google.” In his vision, “It would understand everything on the web. It would understand exactly what you wanted, and it would give you the right thing.” Google Search as we thought we knew it feels broken, now that they’ve gone and changed the formula. But maybe all this time it’s been rounding into its final form, just as the elders foresaw.
ich erinner mich noch wie ich in den frühen 2000ern mal mit mario sixtus über marissa mayer plauderte, googles angestellte nummer 20. die hatte sich im studium unter anderem auf künstliche intelligenz spezialisiert. das heisst auch, dass google im prinzip seit 20, 25 jahren das web mit KI aufbereitet hat. vor dem aufkommen von large language models waren das noch andere KI-geschmacksrichtungen, aber überraschend ist die entwicklung von google zur heutigen KI-lastigen ausprägung nicht wirklich.
ego suche nach felix schwenzel bei kagi
was auch klar ist: google kommt den vorlieben der menschen, die google benutzen, entgegen. so richtig verabscheuen scheinen die nutzenden die KI-vorschauen in der google suche nicht. sollten google messen, dass die anzahl der nutzenden abnimmt, würden sie wahrscheinlich sehr schnell gegensteuern.
trotzdem habe ich mir vorgenommen jetzt für eine weile mal eine andere standard-suchmaschine zu nutzen. kagi.com ist ja vielgelobt und auch wenn mein erster eindruck nicht berauschend2 ist, will ich das mal ausprobieren.
wer will kann meine rezepte auch als RSS in mela abonnieren (feed) ↩︎
kagi.com hat wirres.net nach eigenen angaben zuletzt 2008 indexiert zeigt verwirrende kalenderdaten neben den suchergebnissen an. ↩︎
beim bildblog wies lorenz meyer heute auf dieses 40 minuten lange video hin. das video ist über synchronsprecher und wie sie sich von KI bedroht fühlen.
ich habe mich durch das ganze video gequält und kann es nicht empfehlen. aber wenn ich über das video schreibe, dachte ich, muss ich da durch.
ich bin kein fan von synchronisation, im gegenteil. ich vermeide so gut ich kann. in den letzten 20 jahren ist mir das dank des technischen fortschritts auch ganz gut gelungen. die ersten 30 jahre meines lebens war ich der synchronisation von filmen und fernsehserien hilflos und alternativlos ausgeliefert. jeder film, jede fernsehserie wurde konsequent mit deutschen stimmen überbügelt.
serienauswahl in meiner DVDthek um das jahr 2007 herum
mit dem aufkommen der DVD wurden originalversionen leichter zugänglich. wenn ich mich recht erinnere, wandelten sich videotheken so um 2003 bis 2005 langsam aber sicher zu DVDtheken und mit DVDs hatte ich endlich eine wahl mir filme und serien auch endlich im original anzuschauen.
auf eine art bin ich den 30 jahren zwangssynchronisation dankbar. alles was ich in den ersten 30 jahren an medien konsumiert habe, kann ich jetzt nochmal völlig neu im original entdecken. vor einem jahr hab ich mir alle folgen der muppet show angesehen, davor magnum PI. vor 15 jahren war ich erstaunt darüber was für eine weiche, ernste, sympathische stimme eddie murphy hat und dass er eben kein affiger schreihals ist.
im video oben machen einige deutsche synchronsprecher darauf aufmerksam, dass das was sie tun kunst sei. dem möchte ich nicht widersprechen, aber diese kunst ist eine kunst mit der ich nichts zu tun haben will. so wie ich nicht auf ein auf ein death metal konzert gehen möchte oder in die oper. ich habe nichts dagegen wenn synchronsprecher ihrer kunst nachgehen, solange sie mich mit ihrer kunst in ruhe lassen. da sie mich 30 jahre meines lebens nicht in ruhe damit gelassen haben, habe ich in dieser zeit — und danach — allerdings ein emotionales meinungsbild über diese kunst entwickelt. kurz gesagt: ich ertrage diese stimmen nicht, weil sie so glatt und gleichzeitig überzeichnet, gestelzt und aufgetragen sind. kein mensch auf der welt redet so, wie synchronsprecher reden. ich denke im kunstkontext ist das auch OK, niemand singt so wie opernsingende singen, niemand malt so wie malerinnen malen, niemand tanzt so wie ballettänzerinnen tanzen.
der witz ist: als ich vor einer weile mal testweise die stimme der chatgpt-app aktiviert habe, dachte ich sofort an synchronsprecher: viel zu viel pathos, emotion, mühe. alles etwas zu doll aufgedreht und eine durchgängige nuschel-phobie.
im video sagt peter flechtner, der unter anderem ben affleck synchronisiert, an einer stelle:
ich glaube die leute werden irgendwann auch genervt sein wieder von den ki stimmen.
das glaube ich auch, aber ich glaube auch das viele leute von den synchronstimmen genervt sind. bestimmt nicht alle, im gegenteil, ganz offensichtlich mögen die viele auch, aber ich fand es frappierend wie in dem video die ganze zeit darauf hingewiesen wird wie scheisse und parasitär KI ist, aber kaum darüber geredet wird, dass synchronisierung das original verzerrt und uminterpretiert. ich vermute, dass viele filmemacher synchronisation ihrer werke nur wegen knebelvertriebsverträgen zulassen. ich kann mir zumindest nicht vorstellen, dass jemand der jahrelang für einen directors cut kämpft es toll findet, wenn das werk dann nochmal von synchronstudios neu interpretiert wird.
hollywoodschauspieler sind offenbar zu professionell um sich on the record negativ über synchronisation auszulassen. jodie foster hat in einem interview mal darauf hingewiesen, dass sie sich selbst in französisch synchronisiert. das sei ein schwieriger, anstrengender job.
So, I wish more actors could do it, but I got to tell you it's really hard. It's really hard.
aber sie weist auch darauf hin, dass die filme eben uminterpretiert werden:
I was […] supervising the Italian and the German and the Spanish and all of that. It was so interesting to see how all the different romance languages would interpret and how the character changes in some ways in all those languages.
jodie foster findet das auf eine art aufregend, ich find es eher schade. viele leute finden es auch aufregend ihre autos tiefer zu legen oder spoiler dranzukleben oder kaffee mit sprühsahne zu trinken. ich finde meistens das original aufregend genug.
wenn es tatsächlich so ist, dass die menschen ihre synchronstimmen lieben, darauf weisen die synchronsprecher und sprecherinnen mehrfach im video hin, dann gibt es ja eigentlich keinen grund zur sorge für die branche. dann lehnt die mehrheit artifizielle stimmen ab und die grossen streaminganbieter, filmstudios, vermarkter müssen nachziehen und weiter schauspieler fürs synchroniseren zahlen.
meine vermutung ist allerdings dass es den meisten menschen egal ist. zumindest den menschen die jetzt schon synchronisierte filme und serien akzeptieren oder dem original (mit untertiteln) vorziehen. die von den synchronsprechern vielbeschworene „deutsche synchronsprecher-kultur“ hat über viele jahrzehnte im wörtlichen sinne das original marginalisiert und entwertet. warum sollte sich diese mehrheit — der das original egal ist — jetzt plötzlich dafür interessieren, ob die stimmen original, kunst oder KI sind?
ich gehöre nicht zu den leuten die die alten zeiten im internet vermissen. ich finde das internet so wie es ist immer noch gut. ist halt noch unübersichtlicher geworden. 2005 war das internet kleiner, aber auch schon gross und unübersichtlich.
2005 hatte sascha lobo noch keinen irokesen und erklärte anderen das internet noch nicht. das hat 2005 mario sixtus getan, zum beispiel hier in der zeit.
im artikel lässt er doc searls blogs erklären:
»Bloggen ist wie Schneebälle einen Hang herunterrollen, manche bleiben liegen, andere rollen weiter, manche werden sogar riesig«, sagt Searls. Ein einziger inspirierter Eintrag kann in der Welt der Blogs eine Eigendynamik ohnegleichen entwickeln. Daher gilt die Blogosphäre als Frühwarnsystem für Themen, Trends und manchmal sogar Nachrichten. »Blogs sind Gespräche«, persifliert sich Searls selbst. Mit der Phrase »Märkte sind Gespräche« hatte er vor sechs Jahren die Grundlage des Cluetrain Manifests gelegt.
heute sind blogs nur noch schneeflocken.
2004 hatten „der ehemalige MTV-Moderator Adam Curry zusammen mit dem Web-Entwickler und Blog-Guru Dave Winer eine Methode, Audiodateien zeitversetzt und automatisiert in den Speicher von MP3-Spielern zu übermitteln“ ersonnen. so lange ist das schon her.
weil 2005 das wort „social media“ noch nicht geläifig war, schrieb mario sixtus damals von einem „humanisiertem netz“, damals bestand die hoffnung, dass das internet von menschen geprägt werden könne. kommunikation, zusammenarbeit, vertrauen und persönliche beziehungen würden sich in und um blogs bündeln — so die hoffnung.
2005 fand ich, dass dieser artikel von mario sixtus der „beste artikel über blogs (ever)“ sei. so hab ich das damals aufgeschrieben in einem artikel den ich über ein interview schrieb, das marin majica damals mit mir gefürhrt hat.
er wollte mich interviewen, wir trafen uns um 18 uhr im starbucks am hackeschen markt. er kam fünf minuten zu spät, aber ich schleimbeutel lobte ihn für seine pünktlichkeit. ich wurde, parteitagsgestählt, gleich investigativ: „lesen sie blogs? welche?“. er log mich an: „ja. ein paar.“ na gut ein paar blogs kannte er, aber von jamba und spreeblick hatte er noch nix gehört. ich trug ihm mit meiner unverbesserlichen arroganz auf das zu googlen und drückte ihm den besten artikel über blogs (ever) in die hand, den ich zufällig (wirklich), ausgedruckt, dabei hatte.
marin majica interessierte sich damals für mich, weil im (bundetags-) wahlkampf 2005 die damalige blogplattform um nico lumma blogg.de ein wahlblog organisisrte, dass ein paar blogger, unter anderem mich, zu parteitagen schickte. mit ein bisschen pressearbeit machte das damals eine kleine welle in der journalistenwelt.
das pressecho zu mir hab ich damals hier festgehalten: respektlos?
Bei einem Treffen in einem Berliner Café demonstriert Schwenzel ganz nebenbei seine Arbeitsmethoden. Ungefragt macht er mit dem Handy ein Foto des Gegenübers, das er direkt in seinen Blog lädt. "Flickrn" heißt das, benannt nach der dafür benutzten Software Flickr. Am Nachmittag wird er noch einen Kommentar zu dem Gespräch mit dem Journalisten dazustellen. Für den ist das gewöhnungsbedürftig: beschrieben zu sein, bevor man selbst beschreibt.
Auch dass Lafontaine so häufig das Wort „ich“ verwendete, wurde von Schwenzel kommentiert: „Da scheint sich eine neue Spielart im linken Spektrum abzuzeichnen: Sozialichmus.“
so war das damals: das internet steckte noch voller hoffnungsfroh stimmendem potenzial und man konnte aufmerksamkeit erregen, indem man einfach ins internet schrob.
von der prognostizierten humanisierung des netzes ist im grösseren masstab — ausser podcasts — nicht mehr allzuviel übrig. aber vielleicht ja doch, nur eben etwas anders als wir uns das damals vorgestellt haben. das internet besteht nach wie vor vor allem aus menschen, mit all seinen vor- und nachteilen.
vielleicht sollten wir wieder mehr darüber nachdenken wie wir die aufmerksamkeitsströme wieder humanisieren und aus den klauen der grossen plattformen und algorithmen befreien — oder unsere kleinen, übersichtlichen resonanzräume ausbauen, wie ich es vor ein paar monaten mal hier skizziert habe: elaborierte kulturtexte
fragmentebloggt wieder. mindestens dreissig tage lang will sie das machen. ich bin sicher, sie wird danach weitermachen. ich habe nie aufgehört und doch vier jahre kaum bis nichts ins internet geschrieben. zumindest keine längreen texte. ich war beschäftigt mit hundeerziehung und brot backen und heimautomatisierung — und doch: gelegentlich musste ich die eindrücke aus meinem leben teilen. das hab ich dann vier jahre lang hauptsächlich auf instagram gemacht.
was ich sagen will: das leben ist auch schön ohne bloggen. aber mit bloggen ist es interessanter. ich habe das gefühl bloggen zwingt mich auf mehr, auf anderen ebenen zu denken. das denken strukturiert sich anders, mein innerer monolog bekommt eine zusätzliche stimme die versucht erlebtes anders aufzuarbeiten, als wenn ich es nur für meinen inneren monolog aufarbeiten würde.
normalerweise, beim einschlafen, wenn mein bewusstsein langsam in den hintergrund tritt und mein unter- oder neben- oder autonom-bewusstsein langsam die bilder und gedanken in meinem kopf übernimmt, sehe ich luftbilder. im wahrsten sinne des wortes. ich sehe schwarz mit leuchtpunkten, so als ob man nachts mit dem flugzeug in einer grossen stadt landet (und dabei aus dem fenster schaut). eine weite dunkle ebene, die mit lichtpunkten gespickt ist. das fliegen ist nicht das thema, es geht auch nichts um licht oder die dunkelheit. es ist offenbar einfach ein bild das beruhigend auf mich wirkt.
gestern sah ich beim einschlafen einen kleeteppich auf einer wiese. in den letzten tagen betrachtete ich auch im wachzustand sehr viele kleeteppiche auf wiesen und versuchte — im langsamen gehen — vierblättrige kleeblätter zu sehen. seit mehreren tagen vergeblich — aber nicht umsonst. auch diese kleeteppiche die ich im übergangszustand zwischen wach und unwach sah hatten auch eine beruhigende und befriedigende wirkung. aber obwohl ich eigentlich beim einschlafen war, dachte ich im gleichen moment, kurz vor dem wegdämmern, darüber nach ob und wie ich das wohl ins internet schreiben könnte.
ich mag es, wie mein vorsatz regelmässig ins internet zu schreiben meine wahrnehmung verändert. genau deshalb mag ich es auch, wie mein vorsatz weitere vierblättrige kleeblätter zu finden, auch meinen blick auf die welt verändert.
jedenfalls lese ich das was fragmente ins internet schreibt sehr gerne. gestern zum beispiel über urlaub.
Vor fünfzehn Jahren habe ich angefangen zu arbeiten, also außerhalb der akademischen Welt, in einem Angestelltenverhältnis, und ich habe seither nicht mehr aufgehört. Erst hatte ich 26, dann 28 und mittlerweile 30 Tagen Jahresurlaub. Aber mehr als drei Wochen am Stück hatte ich nie frei.
Es fehlt mir. Diese langen, staubigen, heißen Tage. Pläne immer nur bis übermorgen. Ein Badeanzug, irgendwas drüber, Sandalen und seit Wochen keine Socken. Schwimmbadpommes und Cornetto-Eis und Gummitiere. Mit dem Fahrrad unterwegs. Grillenzirpen und Rasensprenger.
Es war so nie, außer in meiner Erinnerung. Trotzdem.
mir ist urlaub egal. unseren letzten campingurlaub vor 10 jahren haben wir irgendwann abgebrochen und haben zuhause gemerkt, dass es viel erholsamer und schöner ist, zuhause urlaub zu machen. gelegentlich machen wir noch (kurze) städtereisen, besuchen freunde oder verwandete anderswo oder verbringen einen tag am strand. aber drei wochen am stück weg von den anehmlichkeiten und routinen zuhause? finden wir mittlerweile beide schrecklich. auch der hund sperrt sich dagegen anderswo als zuhause zu entspannen.
meine arbeitskolleginnen müssen mich jedes jahr dazu drängen meinen urlaub aufzubrauchen. einerseits finden sie es praktisch, dass ich mir über weihnachten und zwischen den jahren keinen urlaub nehme, andererseits ist es nervig wenn ich im november noch mit mehr als 20 tagen urlaub da sitze. um meinen urlaub aufzubrauchen nehm ich mir dann wochenlang einen tag pro woche frei. das strukturiert die woche ganz interessant. so kann man aus einer woche zwei wochen mit zwei wochenenden (einem langen und einem kurzen) machen:
mo | di | - | do | fr | -- | mo | di | etc.
ich arbeite gerne. aber ich stelle mir sisyphos auch als glücklichen menschen vor. kürzlich dachte ich einen gedanken wieder, den ich als kind schon öfter dachte; mit etwas abstand betrachtet ist es eigentlich schon ein bisschen absurd dass wir uns 20 bis 30 jahre ausbilden lassen um dann 5 × 8 stunden pro woche die fähigkeiten unseres ausgebildeten gehirns an einen arbeitgeber zu vermieten. andererseits ist es genau so absurd den ganzen tag durch die savanne zu latschen und nüsse und wurzeln zu suchen, um die dann zu verspeisen, zu schlafen und dann, nach dem aufstehen, wieder nach nüssen und wurzeln oder nach weniger gut ausgebildeten tieren zu suchen.
aber mit etwas abstand betrachtet ist ja wohl alles ein bisschen absurd. dreieinhalb milliarden jahre evolution, dreihunderttausend jahre menschheitsgeschichte damit ich hier auf dem sofa sitzen kann und über die absurdität der welt laut nachdenken kann.
gestern bei der kaltmamsell gelesen, dass sie und herr kaltmamsell auf der museuminsel hombroich waren. an meinen letzten besuch dort erinnere ich mich als wäre es gestern, auch wenn meine erinnerungen daran leicht verblasst und verschmolzen sind. ich bin ja in der gegend mit den broichs aufgewachsen. fussbroichs, grevenbroich, korschenbroich, mörsenbroich, broichweiden waren namen sie ich in meiner jugend ständig gesehen habe. in der gegend gibt viele eigenartige ortsnamen. wenn wir nach aachen fuhren, passierten wir immer geilenkirchen (ecclesia erotica) und puffendorf (vicus lupanaris), auf dem weg nach düsseldorf gings an hombroich und grevenbroich vorbei.
jedenfalls liess sich mein internes gedächnis an den inselbesuch nicht mit meinem externen gedächnis verifizieren. ich habe hier nie etwas über die museumsinsel hombroich geschrieben oder bilder davon gepostet — oder kann sie nicht mehr finden. auch auf meinen social media profilen fand ich zunächst nichts. in meiner fotobibliothek fand ich dann über die ortssuche einen haufen bilder aus dem april 2011. mein archiv vom april 2011 zeigt schöne texte von der #rp11, aber nix von hombroich. mein twitterarchiv reicht nur bis 2012 (obwohl ich mich bei twitter 2007 angemeldet habe), mein erster instagram post ist vom oktober 2011 (lokale kopie). ich war mir aber sicher, dass ich zu diesem besuch etwas ins internet geschrieben oder gepostet hatte. mit spotlight fand ich dann einen hinweis in einer backupdatei auf dieses youtube video aus dem graphischen kabinett der museumsinsel, dass ich 2011 gepostet habe.
meine erinnerungen an die museumsinsel sind, wie gesagt, verwaschen. ich erinner mich aber sehr gut an die cafeteria. essen und getränke dort sind im eintrittpreis inbegriffen. die museumsinsel selbst erklärts (in einfacher sprache) so:
In der Cafeteria bekommen Sie ein kostenloses einfaches Buffet.
Das Essen kommt von Landwirt:innen und Lieferant:innen aus der Nähe. Darum ist das Essen besonders frisch.
meine erinnerung ist, dass es rosinenbrot gab. das brot war vorgeschnitten und es gab butter. die einfachheit dieser mahlzeit hat mich damals sehr begeistert. und die wespen auf der insel auch.
ich hab das schon öfter geschrieben, dass ich kunst die einem im alltag begleitet oder einfach entdeckbar ist interessant finde. meine eltern hatten nicht wenig kunst bei uns im haus und das zusammenleben mit diesen arbeiten öffnete permanent neue perspektiven. das alles funktioniert in einem museum auch, aber eben anders.
mir gehts in museen oft so, dass ich schnell gesättigt bin. beim sushi essen wird der ingwer traditionell ja nicht mit dem sushi gegessen, sondern zwischen verschiedenen sushi-sorten. damit verschafft man dem geschmackssinn angeblich eine erholung. und genau deshalb ist die musueminsel hombroich so toll. man wandert durch wunderschöne natur und stösst wie zufällig auf gefällige architektur in der oder um die kunst hängt, liegt oder steht.
natur@museumsinsel.homboich
mit dem prinzip der discoverability von kunst in der natur habe ich auch eine frühe kindheitserinnerung. meine eltern hatten bekannte die bei ludwig schokolade oder trumpf arbeiteten. ihr wohnhaus war ein frmen-bungalow, der direkt am park der familie ludwig lag und auch zugang zu diesem park hatte. der park war weitläufig und mit vielen skulpturen und bäumen gespickt. kristof und ich erkundeten den park regelmässig wenn wir bei den bekannten unserer eltern zu besuch waren. wir bekletterten die skulpturen und freuten uns über die abwesenheit von erwachsenen. der park war damals nicht öffentlich und ist heute mehr oder weniger komplett zugebaut. kunst einfach rumstehen zu lassen damit sie entdeckt, begriffen oder ignoriert werden kann, ist meiner meinung nach immer noch die beste art kunst zugänglich zu machen. mindestens genau so gut wie geschnittenes rosinenbrot.
die architektur, die bauten die auf der insel stehen sind einerseits typisch für die region und andererseits untypisch, weil geschmackvoll und minimalistisch. einfache geometrische formen umgeben von gezähmter, halb wilder natur. gelegentlich wird die natur getrimmt um die bauten zu ergänzen, an manchen stellen darf die natur machen was sie will.
auf den fotos der beifahrerin fummel ich ständig am handy rum. ich habe damals ganz offensichtlich beim besuch der insel an die verwertbarkeit im internet gedacht. sollte ich das noch rausfinden wo ich das damals gepostet habe, schreibe ich einen nachtrag. die fotos oben sind alle von der beifahrerin (mit einer Canon PowerShot SX200 IS powergeschossen). hier sind noch ein paar fotos die ich damals (mit einem HTC Incredible S) gemacht habe.
selfie anno 2011
falls das noch nicht deutlich geworden ist: ich kann einen besuch der museumsinsel hombroich sehr empfehlen. das museum ist in der nähe von düsseldorf und ist mit dem auto am besten zu erreichen. bus und bahn gehen auch, wenn man gut zu fuss ist.
ich hab in den letzten monaten immer wieder überlegt wie ich artikel von hier auf instagram bringen kann oder umgekehrt. auf instagram habe ich immer noch viele menschen die mir folgen, oder besser gesagt, die auf pflanzenbilder und selfies von mir reagieren. instagram selbst nutze ich selbst so gut wie gar nicht mehr, weil ich mich immer ärgere wenn ich die app offen habe und verführt werde kurze videos in mich reinzustopfen. zack sind 30, 40 minuten vorbei und ich ärgere mich, dass ich meine zeit nicht selbstbestimmt verschwendet habe.
die schwierigkeiten die instagram einem in den weg legt wenn es darum geht eigene inhalte von instagram zurückzuholen sind erstaunlich. instagramm gibt sich sehr viel mühe öffentliche beiträge nicht automatiert auslesabr zu machen, ausser man heisst googlebot. jedenfalls hab ich mehr oder weniger aufgehört auf instagram zu posten, weil das kopieren der beiträge von instagram hierher zu mühsam wurde und umgekehrt nicht möglich ist.
ausser man wandelt sein instagramkonto in ein professionelle konto um, meldet sich bei facebook als entwickler an, verknüpft sein facebook und instagramkonto und stellt an einigen stellschraben rum. nach langem zögern hab ich das jetzt gemacht und kann beiträge von hier einfach auf instagram posten — per knopfdruck im kirby backend.
im indieweb nennt man das posse: „Publish (on your) Own Site, Syndicate Elsewhere“
ich veröffentliche also hier ein foto und von hier dann zu mastodon, bluesky, standard.site — und jetzt auch zu instagram. und jetzt wo ich über meta/facebook auch eingeschränkten zugang zur API habe, kann ich auch kommentrae von instagram hierherholen.
so nutze ich zwar meta/facebook/instagram, aber wenn die mich morgen sperren solten oder ich sie oder meta verendet oder nur noch spanner-brillen verkauft ist mir das egal — weil ich nix verliere.
ich bin kein freund davon zu behaupten sei irgendwas oder gar alles besser gewesen. aber den zustand der isntagram-app, bzw. der instagram-timeline, würde ich schon gerne beklagen. alles ist unübersichtlich geworden, ständig will mir jemand was verkaufen oder mich hypnotisieren und meine aufmerksamkeit absaugen.
wie wohltuend ist da zum beispiel grain: ein vertikaler, scrollbarer sreifen mit fotos, nichts als fotos. und: dark mode, herzchen zum drücken und … fotos. ich schleiche zwar seit wochen durch die ATmosphere, aber auf grain hat mich heute nochmal pxlnv.com gestupst.
weil grain auf dem ATprotokoll basiert und die fotos und metadaten auf meinem, bzw. dem PDS von bluesky speichert, kann ich kirby auch einfach beiträge auf grain posten lassen (indem kirby eingach im richtigen format/schema metadaten und einen blob speichert). auch das geht aus dem kirby-backend per knopfdruck und sieht dann so aus.
warum nicht pixelfed? ich würde sagen weil es meinem verständnis von digitaler unabhängigkeit widerspricht mir ein weiteres social media konto anzulegen nur um einen weiteren ausgabekanal für das zu haben was ich hier auf wirres.net und meiner eigenen fediverse gotosocial instanz schon habe. bei grain hingegegn melde ich mich mit meinem vorhandenen bluesky-konto an und dort, auf dem bluesky PDS wird das auch alles gespeichert und ich kann mit den daten machen was ich will. keine reibung, kein zusätzlicher login, kein zusätzlicher API key, einfach ein weiterer kanal.
weil es so einfach ist bei diensten mitzumachen, die auf dem ATprotokoll aufsetzen, hab ich mir gedacht mal alle profile die ich im lauf der zeit angelegt habe aufzulisten. das ist auch ganz einfach, indem ich in meinen PDS gucke.
ich weiss nicht ob mein verständnis von unabhängigkeit richtig ist oder der reinen lehre entspricht, aber dieses possen fühlt sich gut an. alles zuhause an einem ort zu haben und da wo es geht, da wo es vielleicht wen interessiert, auch meinen quark hinschieben zu können. oder eben auch nicht. wiediewied es mir gefällt.
ich erinnere mich noch gut wie ich 2001: odyssee im weltraum zum ersten mal gesehen habe: vor 37 jahren auf einem blassen, niedrig auflösenden röhren-farbfernseher1 im keller der eltern meiner damaligen freundin heike. ich hab den film noch nicht mal von anfang an gesehen, sondern als wir einschalteten lief er schon ne ganze weile. die handlung war nicht wirklich nachvollziehbar und der film war deutsch synchronisiert.
der film war also auf vielfältige weise verhunzt: niedrigauflösend, niedrig frequent, lichtarm, mit deutschen stimmen gepanscht, mit einemschepprigen mono-lautsprecher, nicht in einem darkroom (kino) präsentiert. wahrscheinlich waren auch die seiten wegen des fernsehformats abgeschnitten.
trotzdem schlug der film voll bei mir ein. ich war schwer beeindruckt und auf eine gute art irritiert. als ich mir den film später nochmal auf DVD oder im stream ansah, sehr viel besser aufgelöst, mit besserem ton und den originalstimmen, war ich genau so beeindruckt und irritiert. und konnte die handlung immer noch nicht nachvollziehen.
den neuen film mit ner odyssee, den der nicht im weltraum und nicht 2001, sondern irgendwas mit 3000 b.c. spielt, der nicht von kubrick, sondern von nolan gefilmt wurde, hab ich noch nicht gesehen. ich hab momentan keine lust auf kino.
ich sehe mir filme lieber alleine, in meinem tempo, mit einer scheinbar riesigen leinwand, 50 zentimeter vor meinem gesicht, in form eines hochauflösenden apple displays an. als ich das letzte mal einen film in einem imax-fähigen kino gesehen habe war ich mehr irritiert und abgelenkt von den effekten, als ich es mir gewünscht hätte.
mich lenkt das ganze gewummer und der bombast eher vom inhalt ab, als es mir hilft in den inhalt einzutauchen.
nolan behauptet mit imax würde die leinwand verschwinden und dass das ein bild sei, in dem man sich verlieren könne.
ich werde mir nolans odyssee jedenfalls nicht im kino ansehen. weder im normalen, noch im imax kino. ich warte bis der irgendwo streamt und schaue ihn mir dann auf dem laptop an.
wenn ich so drüber nachdenke, würde ich mir den film vielleicht sogar gerne auf einem alten röhrenfernseher anschauen2. allerdings nicht synchronisiert.
irgendwo las ich in einer kritik, dass nolan bestimmte dinge gar nicht zeige, sondern der phantasie des zuschauers überlasse. das halte ich immer für eine sehr gute idee und wir alle wissen, dass das gut funktioniert, bzw. eines der grundrezepte von guten geschichten ist. auch deshalb frage ich mich oft: dient der bombast dazu, von einer schwachen geschichte abzulenken, ist der bombast die eigentliche geschichte oder dient die technik hier tatsächlich der geschichte?
mir fällt bei der aktuellen (dritten) staffel von house of the dragon (hotd) auf, wie sehr mich bombast manchmal langweilt. die kleine, in jedem detail liebevoll gestrickte geschichte des hecken-ritters (hedge knight) in a knight of the seven kingdoms hat mir um längen besser gefallen als diese staffel hotd. das langweilige kann so viel interessanter sein als das komplexe.
trotzdem. auf ne art bin gespannt auf nolans odyssee. aber ich habs nicht eilig.
das war der gleiche fernseher, auf dem ich subway zum ersten mal gesehen habe. ↩︎
wenn ich noch weiter drüber nachdenke: im prinzip ist nolans odyssee ein diabend mit einer viertelmillion schnell abgespielten dias. (3 stunden = 180 minuten = 10.800 sekunden macht 10.800 × 24 = 259.200 einzelbilder) ↩︎
dieses wochenende waren wir kurz in hamburg um die abschlussausstellung vom kind anzusehen. also eigentlich war das die abschlussausstellung der bachelor und master absolvierenden dieses jahres an der hfbk. die arbeiten vom kind haben mir sehr gut gefallen und auch wenn ich das nicht so gut ausdrücken kann wie die beifahrerin, haben die arbeiten in mir resoniert. ich fand dieses bild auf den ersten blick interessant, wegen der tiefe und weil es möglicherweise ein paar architekten-saiten in mir anzupfte. ich mag es, wenn man mit minimalen mitteln etwas räumliches schafft das offen genug ist, um es mit eigenen assoziationen zu füllen.
der witz war, dass sich auf dem bild auch croutons befinden. die hatte ich aus der entfernung zwar gesehen, aber als gemalte, konstruktive elemente angesehen. solche mehrschichtigkeiten mag ich. auch zu den anderen arbeiten des kindes fand ich zugang.
mein zugang zu kunst war und ist eigentlich immer: resoniert da was in mir oder sehe ich etwas, das ich so toll finde, dass ich mir wünsche da selbst draufgekommen zu sein? manche leute sagen ja beim betrachten von eher minimalistischer kunst: „das hätte ich auch machen können!“ das ist natürlich aus mehreren gründen lahm: erstens haben leute die sowas sagen es eben nicht gemacht und zweitens übersieht eine solche aussage das wichtigste: den kontext.
ein werk, eine arbeit, ein objekt (und alles andere) hat immer kontext. es gab einen prozess (der sichtbar oder verborgen sein kann) der zu eben diesem ergebnis führt. der kontext, wie ein ding präsentiert wird, ist auch entscheidend.
ich bin sicher: das k in kunst kommt nicht von können, sondern von kontext.
das ist im produktdesign oder auch bei jeder anderen kreativen arbeit nicht anders. die idee ist weniger wichtig als der prozess, als die umsetzung, die umstände, die finanzierung, der zeitgeist — eben der kontext.
mindestens genauso interessant wie die rezeption der arbeiten auf einer ausstellung ist die rezeption der ausstellungsbesucher. wir hatten sehr viel zeit zur ausstellung an der hfbk mitgebracht und verbrachten dann auch nicht wenig zeit im ausstellungsraum des kindes. dort standen dankenswerter weise ein paar sofas auf denen wir sitzen konnten um die besucher der ausstellung zu beobachten.
ganz wie zuhause war das natürlich nicht, sowohl frida als auch ich sind auf dem sofa zuhause sehr viel entspannter. ausserdem schmeckt das bier zuhause besser.
da wir am samstag sehr früh losfuhren und ich meinen laptop erst nach 22 uhr in die hand bekam, konnte ich natürlich nichts bloggen. meine „streak“ regel, also wie ich zähle ob ich an einem tag gebloggt habe um dann (auf der rückseite) zu behaupten …
jedenfalls fiel mir bei dieser reise wieder auf, wie glücklich ich mit meinem aktuellen „blog“-setup bin. ich kann klassisches bloggedöns machen, schreiben, bilder posten, kurze und lange notizen festhalten und für alle die es interessieren mag auf der vorderseite und im rss-feed vorhalten und zugänglich machen. aber ich kann auch loggen, logbuch führen, buch über alle youtube-videos führen, denen ich einen 👍 gegeben habe, bookmarks setzen und später verwenden (oder nicht), bookmarks kommentieren und wenn es sich lohnt oder ich lust habe in beiträgen aggregieren oder einzeln auf die vorderseite holen.
kurz, die aufteilung in eine vorderseite auf der alles auftaucht was ich gerne mit einem breiteren publikum zeigen möchte, eine rückseite die beim navigieren der vorderseite helfen kann und ein paar teile des hintergrundrauschens zeigt. und dann das hintergrundrauschen, das nicht unsichtbar, aber eben auch nicht im vordergrund passiert. alles ist in verschiedenen stufen abonnierbar und niemand muss von meinen manchmal manischen aktivitäten im hintergrund genervt sein.
nochmal zurück zur hfbk. ich habe oben ja davon gesprochen, dass ich beim betrachten von fremden arbeiten gelegentlich denke: „schade dass ich da nicht selbst drauf gekommen bin.“ gestern dachte ich zumindest einmal: so eine idee hatte ich schonmal. leider habe ich mir weder den raum noch den namen der künstlerin notiert, aber sie hat einen traurigen mechanischen vogel aus kabeln, motoren und mechanischen kuckuckspfeifen gebaut.
weit weniger elegant, durchdacht und wohlklingend, hab ich das vor drei jahren auch mal gemacht (am ende sah es so aus).
über pfingsten eine kuckucksuhr gebaut. fast fertig, bevor das zifferblatt der funkuhr dran kommt, muss die beifahrerin das ding noch bemalen (statt beschnitzen, wie im schwarzwald).
heute beim morgenspaziergang hatte ich intensives kopfkino. die filmausschnitte bestanden aus erinnerungen, die von einströmenden umweltreizen ausgelöst wurden. auf dem footballfeld der berlin adler plärrte depeche mode aus den lautsprechern. lautsprecher die unter freien himmel spielen haben einen ganz charakteristischen klang. die musik verweht ein bisschen, wabbert und sammelt sich gelegentlich zu echos. vor meinem inneren ohr und auge liefen erinnerungen, die mich an den historischen jahrmarkt in kornelimünster1 denken liessen. auf diesem jahrmarkt habe ich einen teil meiner kindheit verbracht. vor meiner inneren nase zog grill- und ponygeruch auf.
das open-air-geschrei der eher jüngeren menschen auf dem weitläufigen football-platz in kombination mit ein paar harten sonnenstrahlen auf meinemn gesicht spülte dann auch noch erinnerungen an die sommer-zeltlager2 hoch.
ich staunte während des spaziergangs was da alles in mir aus der vergangenheit aufschwamm. das passiert mir nicht immer, aber heute fanden die sensorische inputs wohl einen weg sich in meinem kopf auszubreiten. ich spielte irgendwann sogar ausschnitte eines youtube-videos, das ich am vorabend gesehen hatte, vor meinen inneren augen ab.
während ich frida beobachtete, mich gerüche, geräusche, der wind im gesicht und in der nase reizten, ein paar sonnenstrahlen, eine kühle brise, wassergeruch, kindergeschrei, openair lautsprecher meine sinne stimulierten dachte ich: schon erstaunlich, was ich alles abgespeichert habe. ich staunte auch, dass nur schöne erinnerungen aufschwammen. die erinnerungen waren farbenfroh, positiv, ein bisschen nostalgisch.
gestern schrieb mir meine mutter, der gerade plötzlich zwei gute freunde weggestorben waren, wie schön sie es fand, dass sie mit volker, der gerade gestorben ist, noch vor zwei wochen beim „portugiesen“ essen waren und volker, wie immer, gutgelaunt trank und ass und erzählte. das müsse wohl dieses carpe diem („oder so“) sein, von dem alle sprechen. ich antwortete ihr dass vermeintlich langweilige oder ereignislose tage meiner meinung nach und in diesem sinne auch ok seien, müsse ja nicht alles eine wilde vergnügungsfahrt sein.
heute fällt mir auf, dieses carpe diem kann man auch im kopfkino machen. so kann auch ein langweiliger morgenspaziergang zu einer wilden vergnügungsfahrt werden. ich bin mir auch sicher dass ich mit dieser erfahrung nicht allein war und es frida ganz ähnlich ging. ihre sensorik gegenüber umweltreizen und gerüchen dürfte um einiges bunter und differenzierter sein und ich will nicht wissen was für ein kopfkino in ihrem kopf abgeht, wenn sie sich durch die umwelt schnüffelt.
zuhause musste ich natürlich gleich in meiner alten, analogen fotokiste kramen. dabei fiel mir auf, die bilder die ich vorher im kopf hatte waren bunter, lebendiger, mehrdimensionaler als die auf dem fotopapier. zumal mir dabei auch auffiel, wie zurückhaltend wir damals mit der anzahl fotos waren. 36 bilder hatten die filme damals, da knippst man nicht wie wild rum.
beim blättermn in der fotokiste fielen ir dann aber noch zwei fotos aus meinem studentenzimmer in die hand. strassenlärm, vor allem höllisch laut klappernde LKW, wecken normalerweise erinnerungen an dieses zimmer das direkt an einer der haupteinfallstrassen des stuttgarter kessels lag (heilbronner strasse). auch der geruch des zimmer-ölofens hat sich bei mir eingebrannt, wird aber selten ausgelöst weil man öl heutzutage ja fast nur noch völlständig und russfrei verbrennt und in seinem unverbranntem aggregatzustand kaum noch begegnet.
die zeltlager waren sehr liberal und wurden damals vom liberalen jugendwerk aachen und heiner jüttner organisisert. die zeltlager gabs wohl noch länger oder gibts gegebenenfalls immer noch. ich hab, wenn ich mich recht erinnere, an mehreren zeltlagern zwischen 1981 und 1986 teilgenommen und sehr viel über den verantwortungsvollen umgang mit tabak und alkohol gelernt. ↩︎
gruppenbild mit zeltlager teilnehmern ca. anno 1981. ich bin ziemlich mittig mit einem mickey mouse t-shirt
meine schreibtischsituation in stuttgart, ca. anno 1996
meine schlaf- und schreibtichsituation ca. anno 1995
ich wünschte ich könnte das john irving zitat „sorrow floats“ öfter benutzen, aber es passt nie und nirgendwo.
das geniale an „sorrow floats“ ist das bildhafte, der nach seinem tod ausgestopfte familienlabrador sorrow, der nach einem flugzeugunglück irgendwo zwischen den trümmern treibt. und gleichzeitig ist „sorrow floats“ eine metapher dafür, dass trauer nie ganz verschwindet und immer wieder zwischen trümmern auftaucht.
aber es ist eben nicht nur die trauer die schwimmt, eigentlich ist es alles wichtige. das meine ich zumindest im laufe der jahre immer wieder beobachtet zu haben. und wenn ich schon nicht mein leben nach dieser erkenntnis ausrichte, so habe ich zumindest meinen medienkonsum danach ausgerichtet.
leider hört sich „importance floats“ nicht halb so gut an wie „sorrow floats“.
jedenfalls musste ich da heute wieder dran denken, weil ich gerade hier und da lese, dass manche leute von ihrem RSS reader gestresst sind. klar, lesen sollte kein stress sein und RSS zu lesen erst recht nicht.
die app current hat sich zur aufgabe gemacht das lesen von rss feeds wieder schön zu machen:
Every RSS reader treats your feeds as a to-do list. Current doesn't.
There are no unread counts. No badge of phantom obligation. Just a river.
New articles flow in at the top. Old ones drift downstream. Nothing is owed.
ich hab current gekauft und ausprobiert aber mir war das zu stressig. current versuchte mich wie ein gutmeinender onkel, der nichts von mir weiss, dabei zu unterstützen „wertvolle“ feeds zu identifizieren (von „authors“) und aus meinen vermeintlichen lesegewohnheiten filter zu bauen.
ich habe gemerkt: meine eigenen, eingebauten filter funktionieren ganz gut ohne app-hilfe und dass mich eine onkelige app nervt, die ständig in meine gewohnheiten grätscht.
ich habe auf einem asteroiden (von uberspace) miniflux installiert und nutze entweder das webfrontend von miniflux oder den reeder classic auf dem telefon um meine 435 feeds zu lesen. das oben drüber „ungelesen 7238“ steht ist mir egal. ich lese das was oben steht zuerst und springe weiter, wenn mich weder die überschrift, noch die ersten paar sätze interessieren.
das ist nicht anders als früher die tages- oder wochenzeitung zu lesen. da lagen auch mehrere hundert artikel vor mir und wenn mich weder die überschrift, noch die ersten paar sätze interessieren, sprang ich weiter in die nächste spalte oder seite.
warum sollte mich das stressen wenn ich ein paar hundert ungelesene artikel vor mir liegen habe? gelegentlich hab ich zeitungen in der mitte aufgeschlagen oder am ende, weil ich wusste dass dort kategorien themen oder kolumnen lagen die mich interessierten.
so mache ich das auch mit RSS. ein paar blogs, ein paar autoren habe ich irgendwann in einen ordner gelegt, den ich, wenn mir danach ist, gezielt ansteuern und lesen kann.
sonst gehe ich ausschliesslich umgekehrt chronologisch vor. ich lese das ungelesene und springe mit der tastatur (j/k) oder wischgesten weiter.
man vergisst ja schnell, dass chronologie bereits eine form von kuratierung ist. die zeit sorgt dafür, dass wichtiges wieder auftaucht und das belanglose vorbei treibt.
apropos zeit. ich habe vor vielen jahren, als nachrichten noch mehrheitlich auf papier vertrieben wurden, mal behauptet, dass die welt besser wäre wenn es nur wochenzeitungen gäbe (quasi). wenn nachrichten ein bisschen getrocknet sind und ihre atemlosigkeit nachlässt, wenn der oder die eine oder andere autorin zeit hatte nachzudenken, gewinnen nachrichten an interessanz und das wichtige bleibt, schwimmt auf.
wenn zeitungen das äquivalent zum feed-reader sind, dann wären magazine das äquivalent zu instagram oder tiktok. die magazin-macher haben auch schon damals versucht die lesenden emotional zu packen, zu skandalisieren und überspitzen. doomscrolling nannte man damals einfach blättern.
aber ich komme vom thema ab. was ich an meiner chronologischen sammlung von über 400 quellen so sehr mag ist gerade die anzahl der ungelesenen beiträge. beunruhigt bin ich, wenn mein feedreader leer wäre.
der ungelesen-zähler ist keine aufforderung, sondern entspannendes weisses rauschen.
wenn ich mal tiefer meinen selbst „kuratieren“ nachrichtenstrom einsteige (und dabei nicht einschlafe oder mir was besseres einfällt) und einfach immer weiter lese, bestätigt sich irgendwann die these von oben. das interessante, das wichtige war oben, nach unten wird meistens langweiliger und ich denke zunehmend: „kenn ich schon.“ oder „schon anderswo drüber gelesen“
möglicherweise ist die sicht auf einen strom auch einfach mit etwas distanz besser, als wenn man mittdrin steht. sicher ist: wenn man die ströme auch mal an sich vorbeiziehen lässt, verpasst man trotzdem nix.
ich benutzte meinen homepod eigentlich nur für zwei dinge und alleine wegen dieser beiden dinge mag ich meinen homepod sehr, sehr gerne. bis heute.
die eine sache für die ich die siri im homepod gerne nutze ist zu fragen: „wie spät?“ die andere sache ginge wahrscheinlich auch mit jedem anderen der 5 vernetzten lautsprecher bei mir im zimmer, aber ich lasse es den homepod machen: bei einem formel-eins-rennen, fünf minuten vor start ein formel-eins-wrooooom-geräusch abspielen.
seit heute fängt siri selbständig an musik abzuspielen. leise, aber immer wieder. da sich homepods nicht wirklich debuggen oder befragen lassen was sie zur jeweiligen aktion gebracht hat, steh eich völlig auf dem schlauch. ich habe zwischenzeitlich alles abgeschaltet was ich in verdacht hatte, mein iphone, home assistant, mein laptop bluetooth, die klimaanlage — nichts hilft.
aber zum automatisieren habe ich ja home assistant. eine kleine automation schaltet die musik jetzt aus, sobald die musik startet.
das funktioniert, auch wenns keine lösung ist. wenn ich in den nächsten tagen nicht rausbekomme was oder wer das verursacht, muss der homepod temporär sterben (stromlos werden). immerhin habe ich ausgeschlossen, dass der homepod das rauschen der klimaanlage als sprachbefehle interpretiert.
apropos formel 1, das guck ich ja gelegentlich gerne und fahre dafür gerne mit einem virtuellen privaten netzwerk nach östereeich. das rennen heute in östereich konnte zwar nicht viel mehr als dreissig prozent meiner aufmerksamkeit binden, war aber trotzdem ganz spannend. aber wirklich toll waren die drohnenaufnahmen, nicht mit der üblichen drohnen-vogelperspektive, sondern eine drohne, die den autos mit bis zu 300 km/h im tiefflug hinterherflog. keine ahnung was man machen muss um für sowas bei einer veranstaltung mit publikum eine genehmigung zu bekommen, aber östereich hatte ja noch kein rammstein. die bilder waren aber tatsächlich beeindruckend.
beim spiegel habe ich das schon öfter gesehen: endmarken. wenn ein spiegel-artikel zuende ist, klascht der spiegel ein logo-„S“ an den letzten absatz.
das kann ich auch, dachte ich mir und klatsche jetzt einen haufen scheisse, meinen shit-vote, bzw. „ich mag diesen scheiss!“-button an den letzten absatz — oder je nachdem, wenn ein beitrag nicht mit einem absatz endet, auch dadrunter.
ausserdem habe ich den artikel-fuss („footer“), die kommentar-sektion und die beilage ein bisschen neu geordnet, in der hoffnung dass damit auch menschen die nicht ich sind die funktion und den sinn (ein bisschen) begreifen. wenn nicht, ist auch nicht so schlimm, solange meine texte (ein bisschen) verständlich sind.
auch witzig (für mich) meine mutter, die jetzt ja ein welterste und -einzige wirres.net-beiträge per email bekommt, meinte sie hätte die letzten artikel nicht gelesen. dass habe ich ehrlichgesagt auch nicht anders erwartet, dass mein reigen an technischen deep-dives ins ATprotokoll, avtivitypub, bubbles und meine maschinenraum-geschichten an einem teil des publikums vorbeigehen und dass dieses publikum genau das tut, weiterblättern („scrollen“). das ist das schöne am internet: man kann den massengeschmack ignorieren und ganz viele nischeninteressen („long tail“) bedienen und das gezielte ignorieren funktioniert.
apropos home assistant und automatisierungen: phasenweise habe ich mich damit genauso manisch beschäftigt, wie ich mich derzeit manisch mit dieser website beschäftige. aber home assistant ist so freundlich, dass es auch ohne meine aufmerksamkeit monatelang zuverlässig funktioniert. selbst gelegentlich leerlaufende batterien bringen das system und die sensorik nicht zum erliegen, auch weil ich vieles redundant aufgesetzt habe. trotzdem habe ich der automatischen wohnung heute nochmal etwas aufmerksamkeit geschenkt, updates eingespielt, kaputtaktualisiertes („breaking changes“) gefixt, batterien getauscht und über-optimistische-sensor-wert-validierungen, bzw. glättung. als ich die aufgesetzt habe, konnte ich mir nicht vorstellen, dass am hoffenster temperaturen > 27°C auftreten (das ist immer im schatten). pustekuchen, in den letzten tagenm gings öfter drüber. deshalb hat meine sensor historie jetzt abgeflachte kurven und durch die filter-anpassung ein paar falschmessungen/ausreisser nach unten.
the agency staffel 2 hat mich in den ersten paar folgen mit 4 parallelen handlungssträngen total überfordert. aber mit jeder folge verstehe und finde ichs besser. die abgefucktheit von geheimdienstarbeit bringt die serie wirklich gut rüber, vor allem im gegenteil zu den 2000 anderen filmen und serien die geheimdienstarbeit gerne ästhetisieren, ridikülisieren oder glorifizieren. das macht the agency zwar auch, sonst wäre es ja nicht eine fiktionale unterhaltungssendung, sondern eine „true political crime“-serie auf netflix.
das klimaanlagen-/wärmepumpen-rabbithole, in das markus kürzlich gefallen ist, habe ich gerade noch vermieden. die beifahrerin hat vor ein paar jahren eine mobile, kleine klimaanlage für ihr atelier gekauft, die jetzt in meinem zimmer steht und es auf erträgliche 24,5°C kühlt. sie hat jetzt zwar auch interesse an einem weiteren gerät angemeldet, weil die temperaturen in ihrem zimmer jetzt auch auf über 25°C klettern. und meine eltern wollen auch eine. und da soll ich dann sowohl beraten als auch montieren. aber das konnte ich alles gut in den winter schieben weil man jetzt ohnehin nichts derartiges kaufen kann.
facebook gibts seit 2004, aber es dauerte noch mindestens vier jahre, bis man es in deutschland benutzen konnte. soziale netzwerke entstanden in dieser zeit gerade, in diesem beitrag von 2004 erwähne ich einen dienst der „frienster“ hiess und an den ich mich nicht mal mehr erinnern kann. über das bloggen schrieb ich damals das hier:
die person hinter einem weblog, ihre glaubwürdigkeit und das vertrauen das sie sich erschrieben hat, steht am anfang. jedes blog ist durch links, link-hubs und link-zähler, aggregatoren, blogrolls und kommentarfunktionen in eine art soziales netz von vertrauen, empfehlungen und bewertungen eingebettet. dieses soziale netz geht jetzt schon über systeme wie „frienster“ hinaus. es funktioniert vor allem jetzt schon.
blogs funktionierten damals „in sich“, sie vernetzten sich im wortsinn durch gegenseitige verlinkungen, interaktionen (kommentare), blogrollen (linklisten) und durch die hilfe von aggregatoren und teilweise auch suchmaschinen. ausserdem waren blogs immer schon abonnierbar mit RSS. das war technisch etwas anspruchsvoller als eine webseite/ein blog im browser aufzurufen, aber gute RSS-reader oder -clients gabs auch schon damals. der reiz, damals wie heute, von RSS ist natürlich die aggregation: neue artikel werden oben angezeigt, wie in einem blog, nur dass man sich in seinem reader dutzende oder hunderte blogs zusammenstellen konnte und so den überblick über neue beiträge behalten konnte.
nicht zu unterschätzen, ungefähr 2005 kam google mit dem google reader. der google reader machte RSS-feeds einfach zugänglich. ich weiss nicht mehr wie das genau funktionierte, aber die eingangsschwelle zum google reader war niedrig und einmal drin war es einfach blogs zu folgen. etwas später kamen empfehlungsfunktionen für einzelne beiträge dazu, mit dem man gelesene beiträge weiterempfehlen und (wenn ich mich recht erinnere) auch mit einem kommentar versehen konnte.
2013 endete der google reader, weil google eine bekloppte idee namens google plus hatte. wozu das gut sein sollte verstand damals ausserhalb von google niemand und irgendwann verstand das bei google auch niemand mehr und google plus wurde auch eingestellt. viele sahen das als eine art todesstoss für blogs, aber weder das ende des google readers, noch facebook oder twitter waren das ende von blogs. blogs verschwanden lediglich wieder in ihre nischen, in denen sie auch vorher schon waren, etwas ausserhalb der wahrnehmung des mainstreams.
jetzt habe ich weit ausgeholt, obwohl ich eigentlich nur sagen wollte, dass ich, als ich mein zitat oben las, dachte: das würde ich heute genau so schreiben. blogs funktionieren, blogs sind weiterhin da. manche verschwinden, viele neue tauchen auf, und ständig findet man perlen, inspiration, unterhaltung, kontroversen oder serendipität — wenn man im strom ein bisschen mitschwimmt.
und was mich in den letzten tagen immer wieder fasziniert hat ist das aufpoppen (in meinem sichtfeld) von spannendne „neuen“ technologien (#atproto, #activitypub), apps und aggregatoren die das potenzial haben dem ganzen (immer) wieder neuen schwung zu verleihen.
inzwischen ist [bubbles] bei mir der haupt-referrer über den leserinnen auf meine seite kommen. Außerdem stöbere ich dort auch echt gerne.
das er viele besucher von dort bekommt liegt wahrscheinlich auch daran, dass er (auch) englisch schreibt (seine profilseite bei bubbles zeigt auf die englische version seiner website), bei mir schaufelt rivva derzeit noch mehr besucher als fast jede andere website rüber. top referrer in den letzten 12 monaten:
tatsache ist aber, auch jetzt funktionieren blogs mindestens so gut, wenn nicht sogar besser als 2004. einerseits natürlich weil signifikant mehr leute ins internet schreiben, weil es RSS, rivva, blogrollen, webringe gibt, weil ins internet schreibende sich weiter gegeseitig verlinken und weil sich weiter viele menschen gedanken darüber machen, wie man technologien, plattformen, protokolle weiterentwickeln kann um dem ganzen nochmal mehr schwung zu geben.
ein anderer grund warum das ganze blogdings weiter brummt fällt mir morgens oft beim ersten kaffee auf, wenn sich mir (in etwa) dieses bild präsentiert:
meq 7:39, kaltmamsell 6:29, buddenbohm 6:01
die konstanz mancher ins internetschreibenden ist beeindruckend. jeden tag zwischen 6 und 7 uhr tauchen maximilian buddenbohm und die kaltmamsell bei mir in den feeds auf. oft ganz nah dran: markus. es scheint (weiterhin) sehr viele menschen zu geben, für die die lektüre bestimmter blogs zur morgen- oder tagesroutine gehört. ich hab wenig ahnung für wie viele menschen meine texte zur routine gehören, aber ich freue mich natürlich immer sehr, wenn ich andere mit in meine rabbitholes reissen kann oder zumindest dazu inspirieren kann, mal kurz einen blick auf dinge zu werfen über die ich mich gerade freue.
tl;dr: berichte über den tod des offenen webs sind stark übertrieben.
ich muss leider nochmal an einem teil meines publikums vorbeischreiben. das ATmosphere-rabbithole, in dem ich gerade stecke fasziniert mich gerade zu sehr, um das nicht aufzuschreiben.
man sagt ja: wenn man einen hammer in der hand hat, sieht man überall nägel. ich sehe im moment überall das AT-protokoll und die formate, bzw. lexika die dahinterstecken. mich fragen leute was der vorteil des standard.site-formats gegenüber RSS sei. der vergleich geht ein bisschen an der sache vorbei. die frage ist einfach: was sind die sachen die man mit einem protokoll machen kann, was sind die potenziale?
bereits 2002/2003, noch bevor es wordpress gab, hatte ich auf wirres.net bereits RSS (mit volltexten) eingebaut. weil ich potenzial, anwendungsfälle dafür sah — und weil es anwendungsfälle gab. ich weiss nicht ob ich es damals schon nutzte, aber netnewswire, also einen tollen RSS-reader, gabs seit 2002. 99,99% aller menschen interessierten sich damals nicht für RSS (und blogs), aber die die es nutzten fanden es grossartig, weil es grossartig und praktisch war.
mike masnik erinnert sich an das internet von damals, dass es angeblich nicht mehr gibt und von plattformen und apps zerfressen und zerfasert wurde. allerdings mit dem twist, dass das einerseits nicht stimmt, das alte internet ist noch da, und es keimt unter dem plattform-beton gerade wieder auf.
But, as Godier’s piece notes, protocols are… boring. They change slowly (for a good reason, because you need stability to build on). They tend to change by consensus, which is messy. And rather than having billion dollar companies throwing a whole massive engineering team at making everything work, in the protocol world, we rely on constant experimentation by anyone who wants to experiment.
The open web of the nineties didn’t win because the tools were better. It won because a critical mass of people decided that the alternative, a handful of AOL-style walled gardens choosing what everyone saw, was not the future they wanted. Then they built their way out of it. Slowly, unglamorously, in rooms that looked a lot like this one.
Whether atproto ends up being the thing, or a stepping stone to the thing, I don’t know. Nobody in the room claimed to know. But the work is real, the apps are shipping, and the people building them are taking it seriously without taking themselves seriously. That combination is rare, and historically, it’s the one that wins.
das entscheidende und spannende, damals wie heute, sind nicht die grossen visionen, die massenwirksamen apps und plattformen, sondern die greifbareren, jetzt nutzbaren werkzeuge die genutzt, ernsthaft weiterentwickelt werden und funktionieren. die arbeit im maschinenraum ist real. nicht meine, sondern die von tausenden frickelnden menschen, auf deren schultern man sich stellen kann und ihre werkzeuge mitbenutzen kann.
gestern habe ich eine liste von ein paar apps die auf dem AT-protokoll aufsetzen veröffentlicht die funktionieren und mit denen man spannenede sachen machen kann.
bei sill meldet man sich mit seinen bluesky- (oder beliebigen anderen ATproto-) login an und bekommt ohne weiteres zutun eine von seinen bluesky- (oder mastodon-) kontakten kuratierte und gewichtete linkliste.
bei margin meldet man sich mit seinen bluesky-login an und sieht bookmarks, anmerkungen oder hervorhebungen von textbasiertem zeug aus dem internet von allen menschen in der ATmosphere — und sicher auch irgendwann eine filtermöglichlichkeit auf menschen denen man folgt.
mein sifa-profil zeigt ohne weiteres zutun von mir auch meine bei popfeed als gesehen markierten serien und filme an.
das tolle am AT-protokoll ist, dass sich dienste und menschen auf basis dieses protokolls — und seiner (beliebig) erweiterbaren, strukturierten lexika — verbinden können. eine gemeinsame, offene, gestalbare sprache ist die basis von gemeinschaft.
man muss meine (aktuelle) begeisterung für protokolle nicht teilen. ich interessiere mich zum beispiel sehr wenig für den CAN bus oder das OBD-II protokoll. aber ich weiss, dass man mit ihnen spannende sachen mit autos machen kann. vor allem weiss ich, dass standardtisierte, offene protokolle jede technologie soweit voranbringen können, dass sie für jedermann und jederfrau nutzen bringen. kaum jemand interessiert sich für TCP/IP, http oder SSL, aber mittlerweile nutzten sie fast alle und freuen sich darüber, ohne zu wissen worüber sie sich freuen.
für mich ist wirres.net die quelle der wahrheit. nicht in dem sinn, dass alles was hier geschrieben steht stimmt, sondern das alles was ich ins internet schreibe und poste seine heimat hier hat. ich veröffentliche hier und verteile anderswohin. in ausnahmen veröffentliche ich auch anderswo, aber dann hole ich es auch wieder hierher. dafür gibts die beiden indieweb-begriffe POSSE und PESOS, aber das ist egal, weil das grundprinzip wichtiger ist, als wie man es nennt. der entscheidende punkt ist, dass ich einerseits hier alles an einer stelle beisamen und persistiert haben möchte und andererseits aber auch die menschen dort erreichen möchte wo sie gerade sind.
meiner mutter schicke ich automatisiert jeden artikel per mail. technikartikel wie diesen ignoriert sie einfach, zu langen, pseudophilosophischen texten schreibt sie mir fast immer zurück.
ich weiss dass (relativ) wenig menschen lust haben wirres.net in ihrem browser aufrufen, es aber gerne im RSS-reader ihrer wahl lesen. deshalb stelle ich RSS-feeds zur verfügung und gebe mir grosse mühe dass sie gut funktionieren und keine (oder wenig) einschränkungen zum original haben.
selfies poste ich weiterhin in kopie auf instagram, weil die menschen auf instagram aus mir unbekannten gründen gerne selfies und blumen sehen.
fotos und links zu manchen längeren artikeln poste ich auf bluesky und mastondon, weil es dort menschen gibt, die gerne auf diese art daran erinnert werden, dass ich ins internet schreibe und fotos poste.
filme und rezensionen zu filmen kopiere ich gelegentlich auch auf letterboxed, weil es dort (vielleicht) leute gibt die sie auf wirres.net nicht gefunden hätten und sich (vielleicht) über meine rezension freuen.
ich mache wieder checkins mit swarm, weils geht und es für mich der einfachste weg ist fotos mit text auf wirres.net zu posten (mit ownyourswarm). gelegentlich favt auch jemand checkins von mir auf swarm.
die liste kann ich fast beliebig weiterführen, der entscheidende punkt ist, dass die gezielte verteilung meiner inhalte im internet einerseits anderen entgegegnkommt und andererseits für mich die beschäftigung mit interessantem technik-gedöns bedeutet.
artikel im volltext mit dem standard.site protokoll in die ATmosphere zu blasen ersetzt RSS nicht. aber es eröffnet neue potenziale der entdeckbarkeit, von empfehlungs- und interaktionsmöglichkeiten. wenn ich einem RSS feed folge weiss das niemand. wenn ich einer standard.site publikation folge, wie zum beispiel nicos couchblog, sieht man das hier oder auch hier.
wenn ich ein bookmark in meinen river werfe sieht das kaum jemand. man kann die bookmarks zwar per RSS abonnieren (oder alles, wirklich alle abonnieren), aber vielleicht ist es ja besser dieses bookmark auch in einer dezidierten bookmarkanwendung finden zu können. hier zum beispiel. oder hier. wenn man sich mit seinem bluesky-login dort angemeldet, kann man mein bookmark kommentieren, weiterverteilen, faven oder selbst sichern.
das verteilen meiner artikel oder bookmarks ist und war nicht kompliziert. ausser schreibzugriff auf mein (bluesky) PDS (per app-passwort) brauche ich nichts weiter. kirby schickt dann ziemlich leichtgewichtige json-blobs an den PDS und fertig. obwohl margin.at keine ausgewachsene API hat, kann ich dort bookmarks, anmerkungen oder markierungen einfach (per knopfdruck) aus meinen ohnehin vorhandenen bookmarks auf wirres.net senden. ich brauche keine margin.at-app, das AT-protokoll reicht. wobei eine margin-app (fürs handy) gibts eh nicht, wohl aber eine chrome extension. die brauche ich dank des protokolls nicht zum anlegen von bookmarks, aber sie ist trotdem toll, weil zitate die ich ins bookmark kopiere, dann mit der extension in chrome auch auf der seite markiert werden.
diese markierung wäre dann auch sichtbar für jemanden der bei margin.at angemeldet ist und die chrome extension installiert hat.
ich weiss, alles technische, komplizierte spielereien deren nutzen zweifelhaft oder zumindest nicht sonderlich weit verbreitet ist. null relevanz. aber so viel potenzial.
um nochmal das zitat von tim trautmann von oben zu wiederholen:
Whether atproto ends up being the thing, or a stepping stone to the thing, I don't know.
weiss niemand, ob das zu was führt oder jemals von normalen menschen adaptiert wird. aber interessant ohne ende isses schon — und es funktioniert.
die überschrift („ich will keine APPs, ich will APIs“) habe ich ein bisschen im text vernachlässigt. das hole ich jetzt nach.
mir ist das schon seit vielen jahren aufgefallen, dass viele hersteller von sachen glauben, dass ihre sachen eine app brauchen. in der praxis geht das oft völlig am bedarf vorbei. bei der heimautomatisierung setzt sich (j sei dank) langsam die erkenntnis durch, dass es keinen sinn macht wenn der kühlschrank, die spülmaschine, der airfryer, der staubsaugerroboter und die lichter jeweils eine eigene app haben. langsam setzt sich (dank matter) die erkenntnis durch, dass offnene protokolle der weg sind, mit denen technisch komplexe sachen irgendwann mal akzeptanz finden können.
mit protokollen kann ich mit den sachen entweder machen was ich will oder etablierte, stabile systeme eines herstellers meiner wahl nutzen. im fall von heimautomatisierung zum beispiel home assistant, homekit, google home oder dieses alexa-gedöns.
wedium hat den schuss offenbar nicht gehört. wedium, das ich seit der republica „testen“ darf, erscheint mir als das langweiligste, verschlossenste und nutzloseste „soziale Netzwerk“ der welt.
im web ist wedium nicht zugänglich, beiträge sind auch nicht ausserhalb der app teilbar. der share-button in der app kopiert lediglich eine url des beitragsbildes. ich kann auf ios noch nicht mal aus der photos-app ein bild per share-button zu wedium sharen. nicht eine schnittstelle habe ich in der beta-version der app gesehen.
aber das ist neben dem „sozialen“ der ganze witz an einer netzwerk app: dass man sie vernetzen kann, dass man mit APIs spielen kann, potenziale ausloten kann, dass man als nutzer die app besser machen kann, indem man mit auf dem netzwerk rumhackt. völlig unverständlich, dass man bei wedium glaubt nicht nur das rad netzwerk neu erfinden kann, sondern dass man es auch von null auf besser machen könne.
so überwältigt ich in den letzten paar tagen vom AT-protokoll war, davor ganz ähnlich vom fediverse und activityPub fasziniert war, so unterwältigt bin ich von wedium.
wenn wedium schon das marketing verkackt, wie soll das dann erst mit der eigentlichen maschine klappen? bei der konkurenz? also konkret den grossen (über-) mächtigen plattformen und den vielen kleinen, spannenden, lebhaften und dynamischen projekten, die auf offenen protokollen aufsetzen.
spannende zeiten, aber höchstwahrscheinlich nicht für wedium.
vor ungefähr 35 jahren wurde während eines strandurlaubs unser auto aufgebrochen und ein paar sachen daraus geklaut. soweit ich mich erinnere, war nichts wichtiges oder wertvolles dabei, wir hatten ja nichts damals. aber auch mein adressbuch verschwand an diesem tag und das war sehr schmerzhaft. seitdem führe ich meine adressbücher nur noch redundant, ich habe seitdem immer ein backup. in den späten achtziger jahren waren das wahrscheinlich noch photokopien, aber seitdem ich zugriff auf einen PC und drucker hatte, führte ich meine kontakte mit computerhilfe. mein mobiles adressbuch bestand viele jahre aus gefalteten, klein bedruckten DIN-A4-blättern. meine adressen erfasste ich dann, glaube ich, mitte der neunziger jahre für den palm-pilot erstmals strukturiert. seitdem leben meine adressen in irgendeinem computer und sind immer irgendwo gesichert.
ich hole so weit nach anno dazumal aus, um zu begründen, warum die ersten smartphones mich von anfang an begeisterten und ich sie tatsächlich smart fand. weil vorher war das mit adressen und terminen einfach mist. man sollte die filo- oder papierfaxen zu denen wir damals gezwungen waren nicht verherrlichen. selbst das primitivste smartphone damals (bei mir unter anderem der palm pre) war um längen praktischer und smarter als der vorherige papierkram.
mein smartphone weiss einiges über mich: alle meine adressen, meine termine, meinen aufenthaltsort, mit wem ich telefoniere und schreibe. natürlich weiss mein telefon das alles nicht, sondern es speichert diese daten erstmal nur. der prozess, diese informationen zu echtem wissen umzuwandeln, steckt noch ziemlich am anfang.
mir fiel damals auf, dass diese zentrale aggregation von daten (oder digitale sammelwut) eigentlich auch nichts neues war. leute, die es sich leisten konnten, hatten schon immer assistenten oder diener, die das für sie erledigten.
ein guter butler (oder assistent) sollte meine kontakte, korrespondenz-metadaten und termine kennen, jederzeit meinen aufenthaltsort so genau wie möglich bestimmen können und so viel wie möglich über meine vorlieben und abneigungen wissen. diese daten sollte sich ein butler auch gut merken können, damit ihm das alles nicht jeden morgen neu erklärt werden muss.
mittlerweile sind smartphones und unsere anderen digitalen helfer sehr viel weiter als vor 13 jahren. wir erfassen und speichern noch mehr unserer daten auf ihnen, es fallen unmengen an metadaten an und die möglichkeiten, diese daten mit software zu verknüpfen, wurden im laufe der jahre immer besser. und jetzt stehen alle in den startlöchern und wollen diesen datenschatz mit künstlicher intelligenz aufbereiten, verknüpfen und auswerten. vorgeblich zu unserem nutzen und vorteil.
damals wie heute stellt sich vor allem die frage der loyalität: ist mein smartphone loyal? von butlern erwarten wir nicht nur loyalität, sondern auch diskretion. im prinzip erwarten wir das auch von unseren digitalen assistenten. in den jugendjahren unserer smartphones wurde dieses vertrauen gelegentlich gebrochen, wenn man irgendwann erfuhr, dass bei der anmeldung bei einem online-dienst auch gleich unser adressbuch auf die server dieses online-dienstes übertragen wurde.
mittlerweile haben die smartphone-hersteller an der loyalität ihrer produkte und den möglichkeiten der loyalitätskontrolle gearbeitet. moderne smartphones weisen darauf hin, wenn fremde zugriff auf persönliche daten erlangen wollen, und fragen bei uns nach. teilweise so oft, dass wir uns schon wieder assistenten wünschen, die diese anfragen automatisch und in unserem sinn beantworten würden. aber grundsätzlich haben die meisten menschen mittlerweile ein mittelgut begründetes vertrauen in die loyalität ihrer elektronischen helfer. bis auf die tatsache, um im bild zu bleiben, dass diese helfer oder butler alle amerikaner sind und deshalb etwas unberechenbar sind. aber das ist ein anderes problem als das, über das ich eigentlich schreiben wollte.
das problem ist künstliche intelligenz (KI). viele menschen (ich auch) erhoffen sich praktische vorteile davon, wenn sie KI-systemen zugriff auf all ihre daten geben. viele stöpseln sich mit openclaw oder anderen programmierknechten systeme zusammen, die zugriff auf all ihre daten bekommen und auch noch in ihrem namen handeln können. bildlich gesprochen ist die technologische lage momentan so, als ob sich die strassen plötzlich überall mit kobolden füllen, die uns versprechen, alle möglichen aufgaben für uns zu erledigen, kostenlos günstig und schnell. damit sie gut für uns arbeiten können, öffnen wir nicht nur unser haus und unsere wohnungstüren, sondern entfernen oft gleich alle schlösser und türen komplett, damit die kobolde ungestört arbeiten können.
das ist das gute recht aller erwachsenen menschen, so zu handeln, und wir werden alle sehr viel aus den erfahrungen mit den kobolden lernen, was passiert wenn sie autonom agieren oder wenn sie laienhaft mit scripten wie openclaw instruiert werden.
apple hat anfang der woche seine vorstellungen formuliert, wie die zusammenarbeit mit diesen kobolden aussehen soll. apple sucht die kobolde für uns aus und will sie rigoros auf unseren apple-telefonen einsperren. den schlüssel zu den kobolden will apple auf dem iphone nicht aus der hand geben. auf dem mac dürfen wir nach wie vor machen, was wir wollen, und beliebig kobolde einlassen. auf das iphone dürfen nur apple-approved kobolde in den daten wühlen.
die gesetzgeber in der europäischen union finden das nicht gut und meinen, dass auch andere kobolde im iphone in daten wühlen dürfen sollten. apple sagt, das ginge gar nicht, weil man nur die eigenen, ausgewählten amerikanischen kobolde kontrollieren könne. apple sagt (mit ganz anderen worten), dass man die kobolde derzeit einfach einmauert, um türen, fenster, einlass- und ausgangskontrollen, überwachung und kobold-auswahlkriterien zu konzipieren und zu bauen, brauche man noch mindestens 18 monate.
deshalb gibts jetzt wohl in der EU mindestens zwei jahre lang keine kobolde auf iphones.
ich hätte gerne mit den apple-kobolden auf meinem iphone rumgespielt. aber noch lieber hätte ich ein iphone, auf dem ich wie auf meinem mac das machen kann, was ich will. ein system, auf dem ich, wenn ich mal kobolde einlade, genau beobachten kann, was die kobolde machen, und sie jederzeit wieder rausschmeissen kann oder ihnen feingranular bestimmte rechte geben kann, wenn es mir mal experimentierfreudig zumute ist. aber apple will das momentan nicht auf iphones und ipads machen und wehrt sich mit händen und füssen und viel schlüpfriger resilienz gegen gesetze, die das eigentlich so vorsehen.
Ich habe in den letzten Wochen sehr viel KI genutzt. Ich glaube, das wird auch nicht mehr so schnell aufhören. Es wird ein Werkzeug werden und ich werde gleichzeitig als Nutzer, Konsument, Bürger oder Angestellter immer öfter mit KI konfrontiert sein. […] Ich versuche ab jetzt hier im Blog immer mal wieder aufzuschreiben, was mir mit KI passiert ist, was ich damit gemacht habe, wo es fürchterlich war. Höchstwahrscheinlich werden viele Sachen sehr schnell, sehr schlecht altern.
ich finde das eine hervorragende idee festzuhalten wie ich KI nutze und wie sich das über die zeit gegebenenfalls ändert. vor allem wenn ich bedenke, was sich in den 14 monaten seit meinem ersten mit kirby veröffentlichten artikel getan hat. wenn ich mich recht erinnere, habe ich damals, also vor etwas über einem jahr zwar gelegentlich schon chatGPT benutzt, aber zum beispiel das migrationsscript noch klassisch gebaut: selbst googlen, gefundene scripte umbauen, testen, mehr googlen, mehr testen, weiter umschreiben, debuggen und optimieren. sehr geholfen haben mir bei der planung und umsetzung der neuen wirres.net-version zuerst auch bastian allgeiers kirby tutorials. ich habe von bastian viel über kirby gelernt und vor allem über strukturierte und saubere php-programmierung. und ich habe damals sehr, sehr viel selbst am code gemacht.
gelegentlich habe ich dann auch chatGPT im chat-modus um code-snippets gebeten, aber das copy&pasten und die korrekturschleifen wurden dann sehr schnell lästig und ich habe mir von chatGPT erklären lassen wie ich VS-code als programmierumgebung, inklusive chatGPT unterstützung einrichten und nutzen kann.
VS-code war dann für mich ein game changer. ich habe immer schon direkt alles auf dem live-server „entwickelt“, per SFTP client und BBEdit. da VS-Code auch direkt auf dem server laufen kann (per SSH), habe ich dann mit VS-code zu zweit, also mit unterstützung von chatGPT direkt auf dem live-server am code gearbeitet. mit VS code ist das wirklich angenehm, transparent und aus meiner sicht auch sicherer als mein gefrickel vorher: alle codeänderungen werden im editor markiert und sind reversibel. zusätzlich habe ich angefangen änderungen mit git (auf dem server) lokal zu versionieren.
so habe ich monatelang an wirres.net rumgeschraubt bis mir irgendwann cursor über den weg lief. cursor nutzt im prinzip auch VS-code, aber dahinter sind sehr viele mögliche LLMs. ich bezahle cursor eine monatliche gebühr und kann dafür eine grosse auswahl an agents nutzen, nämlich die, die der cursor agent gerade für geeignet für die aufgabe hält.
Ich bin kein einzelnes Modell, sondern der Agent-Router in Cursor. Ich lese euer Setup, führe Befehle aus, ändere Dateien und denke mit.
in der regel lasse ich die agentenauswahl auf auto. aber gelegentlich, wenn die automatisch ausgewählten agents nicht so arbeiten wie ich das wünsche, stelle ich eine weile auf teurere und besser mitdenkende agents um, deren nutzung bei meinem abo-modell allerdings begrenzt ist.
seit der umstellung auf einen hetzner server, sind hier und da performance probleme sichtbar geworden die vorher nicht ins gewicht fielen. die standard (auto) agents haben da teilweise keine befriedigenden lösungen oder ansätze gefunden. eine explizite umstellung auf (claude) opus-4.8 hat dann sehr viel klügere und strukturiertere vorschläge geamacht, die so effektiv waren, dass die grundlast des servers von einem lauten rauschen zu einem leisen plätschern geworden ist.
das scheint mir das wirklich gute an cursor zu sein: ich muss nicht bei mehreren KI-firmen konten anlegen und geld zahlen — und kann sie trotzdem alle nutzen.
heiko deutet das auch an: es ist wichtig zu wissen was man will und wie das alles grundsätzlich funktionieren soll. dann kann man KI-agenten als sparringspartner mitdenken lassen und ideen umsetzen lassen. die KI denkt manchmal in absurde oder viel zu komplizierte richtungen. aber wenn ich die arbeit wie ein architekt angehen, also einen plan und das grosse und ganze im kopf habe, dann kann man die KI wie einen handwerker oder fachingenieur nutzen.
seit ein paar wochen nutze ich cotypist, das ist eine KI die lokale modelle nutzt um beim tippen wort- oder satzvervollständigungen zu machen. das hilft mir vor allem dabei mit weniger buchstabendrehern zu schreiben und gelegentlich einen ticken schneller zu schreiben. das ist ein bisschen so wie das tippen auf dem iphone, nur etwas besser und kontext-sensibler als das was apple in iOS bietet. kein game changer, aber sehr praktisch.
was meine texte hier auf wirres.net angeht oder meinen vortrag: ich schreibe alles selbst. aber ich habe gemerkt, dass ich LLMs als resonanzraum, einschätzer, zusammenfasser und plausibilitätschecker sehr gerne nutze. für längere texte oder meine republica sessions neige ich dazu mir wahnsinnig viele notizen zu machen und dann gelegentlich den überblick über meine notizen und quellen zu verlieren. da sind LLMs, oder cursor, teilweise sehr hilfreich um mich in meiner gedankenwelt zu orientieren und mir meine eigenen notizen kurz und knapp zu erklären.
gelegentlich habe ich LLMs gebeten meinen schreibstil zu imitieren, aber das hat bisher noch nie ein befriedigendes ergebnis gebracht. vor ein paar jahren habe ich übrigens etwas ähnliches gemacht, nur dass da nicht ein LLM meinen schreibstil imitieren sollte, sondern eine ghostwriterin. auch das hat damals nur so mittelprächtig funktioniert.
beim schreiben dieses artikels fiel mir ein zitat ein das ich in den letzten tagen aufgeschnappt hatte. nach etwas nachdenken fiel mir ein, dass das wohl in einem video gewesen sein musste. zuerst fragte ich chatGPT, der war zu doof, aber gemini verstand mich:
promt
in diesem video spricht einer der designer von nostalgie und dass nostalgie sich eigentlich auf etwas bezieht, was in der vergangenheit der neue heisse scheiss war. findest du das zitat so, oder soll ich mal das transcript hierrein copy & pasten?
antwort
Ja, ich habe die Stelle gefunden! Das ist ein zentraler Punkt des Gesprächs zwischen Flavio Manzoni (Ferrari Chief Designer) und Jony Ive.
Das Zitat bzw. der Gedankengang findet sich vor allem im Kapitel "The Future of Ferrari" (ab ca. 17:23). Flavio Manzoni zitiert dort den Komponisten Gustav Mahler, um Ferraris Philosophie zu erklären:
"Tradition is not the worship of ashes. Tradition is the preservation of fire." (Tradition ist nicht das Anbeten der Asche, sondern die Weitergabe des Feuers.)
Zuvor (ab ca. 09:00 und später ab 18:15) führt er diesen Gedanken weiter aus: Er erklärt, dass wir heute in einer Ära mit einem sehr starken "nostalgic approach" leben, in der die Leute oft nur zurückblicken. Er betont aber, dass Ikonen wie der Ferrari F40 (der heute Inbegriff der Ferrari-Nostalgie ist) zum Zeitpunkt ihres Erscheinens extrem kontrovers und radikal neu waren.
das hätte ich auch mit leichtigkeit in 20 minuten selbst rausfinden können, indem ich in dem video rumspringe oder das transscript copy & paste und mir passende suchbegriffe ausdenke. aber sowas eine KI machen zu lassen ist schon eine echte erleichterung.
wobei es mir bei der nutzung von KI weniger ums zeitsparen geht, mit KI kann ich dinge umsetzen, die ich vorher nicht hätte umsetzen können. zeit spart das meistens nicht, weil alles was ich KI machen lässt immer nochmal 2-3 (und manchmal sehr viel mehr) korrekturläufe und neuansätze braucht. aber das ist das wesen von werkzeugen: man kann mit ihnen tolle sachen bauen, wenn man weiss was man will und was man tut.
oder umgekehrt: werkzeuge erweitern die fähigkeiten ihrer nutzer, aber auch deren fehler und irrtümer. sie ersetzen weder geschmack noch urteilsvermögen. um aus einer spanplatte etwas schönes zu machen, braucht man mehr als eine kreissäge. und die letzten jahrzehnte haben gezeigt, dass bessere werkzeuge nicht automatisch zu besseren ergebnissen führen. dank kreissägen und modernen plattenbaumaterialien hat sich die welt mit billigen, austauschbaren möbelschrott gefüllt — oder wie man heute sagen würde: spanplatten-slop.
mit mühe und sorgfalt — und im besten fall etwas geschmack und erfahrung — kann man werkzeuge aber auch nutzen um zu besseren ergebnissen zu kommen. slop ist nicht die folge von werkzeugen, sondern ihrer uninspirierten nutzung.
mein highlight des dritten und letzten republica tag war arne semsrott, der über die kraft der zivilgesellschaft sprach. das war hoffnungstiftend und anschaulich. das war zwar auch der aufruf etwas zu tun, sich in dieser ominösen zivilgesellschaft zu engagieren, aber es war vor allem die aussage: schaut mal, wie gut die zivilgesellschaft hier, hier und hier funktioniert.
arne semsrott machte das anschaulich, wozu ich theoretisch in meiner session versucht habe herzuleiten: die krisen unserer zeit (die scheisse) ist eine handlungsaufforderung. nur das arne semsrott ganz konkret auf vorhandene initiativen zeigte, die gut funktionieren.
Wir hatten äh die größte Protestwelle überhaupt 2024. Die Leute, die sind alle da. Und es wird dann vielleicht über diese Protestwelle gesagt, die hat ja irgendwie nichts bewegt und das ist komplett falsch. Die hat so viele Netzwerke überall in Deutschland geschaffen. Die sind alle noch da. Es gibt die Omas gegen rechts inzwischen, überall. Ja, und auch die Omas gegen rechts, […] die sagen, wir sind da und wir gehen hier auch nicht weg. Und das ändert auch wirklich eine Demo, wenn eine Oma sagt, ja, trag mich doch weg, Polizist. Das es macht wirklich einen Unterschied. […] Wir sind alle da und wir sind viele. Wir sind die Gegenmacht, wenn wir uns auf unsere Kraft besinnen, wenn wir solidarisch sind, wenn wir Unterstützungsstrukturen machen, wenn wir Transparenz einfordern, wenn wir neue Räume schaffen, wenn wir dabei Freude haben.
ich finde es lohnt sich, diese knappe stunde zu investieren und zu hören, was arne semsrott gesagt hat.
in die gleiche kerbe schlug fabian grischkat. er zeigte was er tat um rechte zu ärgern. wie man gegenhalkten kann und dabei freude haben kann, trotz aller düsternis. ich war ein bisschen erschüttert davon, wie professionell, eloquent und telegen diese jungen menschen heutzutage sind. ich weiss wirklich nicht, wie sich irgendwer übver die jugend von heute oder gen y, z oder alpha beklagen kann. ausser natürlich: neid.
um die mittagszeit habe ich mir dann noch zwei sessions am energiemobild angesehen. so schön aussernbühnen auch sind, wenns regnet wird dann halt feucht.
paul starzmann: „Anleitung zum Ungehorsam: Warum wir alle besser leben, wenn wir öfter »Nein« sagen“
matthias quent hat alte erinnerungen an uni-vorlesungen geweckt. duktus, inhalt, folien und das siezen der studierenden des publikums, alles wie damals. nicht schlecht, alles sehr pragmatisch, gut strukturiert und aufbereitet, aber selbst philip armthor konnte sich besser ins publikum einfühlen als matthias quent.
während maren urner mich vor zwei jahren mit ihrem vortrag vom hocker gehauen hatte, fand ich den vortrag dieses jahr nur sehr gut. ich kann mich keine 20 stunden später auch nicht mehr erinnern über was sie im detail gesprochen hat, ausser dass es auch bei ihr darum ging, dass hoffnung gut ist, ein werkzeug (oder kognitive strategie) und dass praktizierte hoffnung gesellschaftliche strategien verändern kann. auch sie betonte, wie cory doctorow, dass hoffnung aktiv und optimismus passiv sei. damit war ich wahrscheinlich der einzige sprecher auf der republica, der ein gutes haar am optimismus gelassen hat, bzw. ihn einfach umdefiniert habe zu etwas aktivem.
die entkrempelung der welt von gabriel yoran war angenehm offtopic, unaufgeregt, unterhaltsam und auch ein bisschen lehrreich. parallel zu gabriel sprach auf stage 1 tilo jung über politische rhetorik und tat so, als sei es überraschend, dass politik und regierungen ihre eigenen aktionen und kriege rhtorisch positiv darstellen und die aktionen und kriege ihrer gegner negativ. nächstes jahr spricht tilo jung dann über seine erkenntnis, dass manche politiker oder parteien im wahlkampf manchmal mehr versprechen als sie dann in der regierung umsetzen. 2028 folgt dann ein deep dive dazu, warum pressesprecher nicht immer alles sagen, was sie wissen.
von albrecht von luckes session habe ich nur das ende mitbekommen. aber da sagte er etwas (mittel) bemerkenswertes:
Und insofern wäre es, und das wäre mein Vorschlag zum Schluss, es wäre doch zu überlegen, ob nicht die republica einen Anfang machen könnte, dergestalt, dass man, nachdem man hier so ungemein spannende Vorträge gehört hat, dass man sie anschließend auch wieder zu Papier bringt, dass man gewissermaßen, wie es frühere Kirchentage übrigens [auch] gemacht haben, einen Rechenschaftsbericht über die relevantesten Themen, Thesen und auch Papiere zum Tragen bringt, die genau dieser Beliebigkeit des gesprochenen Wortes, das so flüchtig ist, etwas entgegensetzt.
ich bin ja sehr dankbar, dass ein grossteil der republica vorträge und sessions sofort oder nach einer kurzen verzögerung auf youtube landen. zu die meisten videos erstellt youtube auch automatisch eine abschrift (komischerweise ist das bei markus beckedahls vortrag deaktiviert), verschriftlicht sie also. aber wenn die vorträge nicht nur in der amerikanischen youtube-cloud weiterleben würde, sondern auch als einfache text/html datei, dann würde das nicht nur crawler, sondern auch menschen helfen. man könnte einfacher aus ihnen zitieren, deeplinken und sie besser wiederfinden. ich habe das mit meinen republica-vorträgen gelegentlich versucht (rp12, rp14, rp17, rp18, rp26), aber offensichtlich war mir das in den meisten jahren dann doch zu viel arbeit. dieses jahr hatte ich den vortrag, angesichts der kleinen bühne und fehlenden aufzeichnung, von anfang an so geschrieben, dass er ohne folien funktioniert, weshalb er sich auch recht einfach verschriftlichen liess.
zwischendurch, während der republica fand ich auf der fediwall eine diskussion darüber, warum die republica-videos nicht auf einer peertube instanz landen. ohne die beweggründe der republica zu kennen, vermute ich aber mal, dass — wie so oft bei amerikanischen plattformen — bequemlichkeit, zuverlässigkeit, zugänglichkeit und reichweite eine rolle spielen. der deal ist ja im prinzip nicht schlecht: man lädt terrabyteweise video-datei hoch und youtube hostet die jahrzehntelang kostenlos und gut zugänglich. auf der anderen seite könnte jeder der genügend speicherplatz und eine peertube-instanz zur hand hat, die videos von youtube downloaden und auf peertube zur verfügung stellen. alle republica-videos sind mit einer CC BY-SA 4.0 lizenz versehen.
ich freu mich jedenfalls wie jedes jahr darüber, auch nach der dreitägigen druckbetankung mit ideen, impulsen und bildern noch mehr davon auf youtube asynchron nachzukonsumieren.
fazit
ich wiederhole mich, aber es war schon erstaunlich wie sich dieses jahr — zumindest in den sessions deren zeuge ich wurde — das thema hoffnung als meta-motto abzeichnete. vielleicht ist arne semsrotts flapsige zusammenfassung des stimmungsbilds, das er am anfang seines vortrags einzufangen versuchte, sogar die eigentliche essenz der diesjährigen republica:
Okay, ihr fühlt euch von der AfD bedroht, aber es geht euch gut dabei. Das ist doch schön.
um das positiv zu drehen: nicht nur die speaker waren überwiegend hoffnungsvoll, sondern auch die besucher der republica. das heisst die scheisse der welt, die poly-krise, lähmt uns nicht, sondern weist auf einen aufbruch hin, auf eine verschiebung der prioritäten, funktioniert als handlungsaufforderung.
was ich auch positiv sehe: blogs sind dieses jahr viel sichtbarer. das kann daran liegen, das rivva dieses jahr einen eigenen #rp26 stream hatte, inklusive RSS, aber vielleicht auch daran, dass es tatsächlich eine kleine blog-renaissance in den letzten 12 monaten gab. letztes jahr war ich beinahe schockiert darüber, wie wenig resonanz die republica in meinem RSS reader hervorrief. weiter unten veröffentliche ich ein paar der blogbeiträge, die ich gerne gelesen habe.
das essen war dieses jahr besser als letztes jahr. ich habe jeden tag ein gericht eines anderen food-lastwagens ausprobiert und auch wenn das letzte das beste war, war alles ok.
am montag habe ich eine einladung für wedium bekommen („Welcome on board! You´re one of the first believers and testers of wedium!“). zuerst dachte ich: „wow, gutes timing zur republica“. während der republica habe ich aber weder dran gedacht, noch eine veranlassung gesehen etwas auf wedium zu posten. wenn man einen wedium-beitrag „teilt“, bekommt man die url des bilds, sonst nix (beispiel). hashtags gehen noch nicht, scheint alles noch sehr, sehr früh und unfertig zu sein. ich kann jedenfalls noch keinen grund erkennen, warum ich das nutzen sollte.
Dann aber Closing Ceremony […] wieder ermutigende Zahlen (deutlich mehr als die Hälfte der Besucherinnen und Speakerinnen sind weiblich), ein ordentlicher Abschied für Johnny und Tanja (der bei der Opening Ceremony schlicht gefehlt hatte) und schöne, hoffnungsvolle Worte zu den Beiden. Darüber, wie es die Welt besser macht, wenn man Räume so gestaltet, dass sich Frauen dort wohl fühlen, weil sie dann für alle ein besserer Ort sind. Darüber, dass sich bei der re:publica alle auf einen Mindestkonsens (Menschenrechte, Demokratie und sowas) einigen können.
Hinterher stolpere ich fast aus Versehen in ein Blogger*innen-Meet-up, das nach dem Stand der Hoffnung unter Bloggenden fragt und sich haltungsmäßig sehr ins gestrige Blogpanel einreiht: Die Anwesenden schreiben halt einfach gerne ins Internet, für die meisten ist das nur ein Hobby und Vernetzung und Reichweitenstärkung sind nicht so wichtig. Liegt aber vermutlich in beiden Fällen an der Zusammensetzung der Anwesenden – Blogs zu Fachthemen oder mit Monetarisierungsziel sind etwas ganz anderes als so ein kleines Tagebuchblog wie das hier. (Wobei ich schon schlucken musste, als einer der bekannteren Blogger von „damals“ etwas von organischen vierstelligen Besucherzahlen am Tag erzählt.)
ich war das nicht, aber es erinnert mich daran, dass die zahlen dieser website auch mal besser waren. aber um vierstellige zaheln in meinen statistiken zu sehen, muss ich in den matomo-statistiken schon bis 2012 zurückgehen. damals kamen auch täglich so um die 100 besucher:innen über suchmaschinen. heute schickt google nur noch leute die rezeote suchen. allein das spitzkohl-im-airfryer-rezopt kommt so auf 500 pageviews pro monat.
Dann geht es an gleicher Stelle weiter mit dem von Geraldine de Bastion moderierten Gespräch zwischen Mareice Kaiser und Hanno Sauer, die anhand ihrer beiden aktuellen Bücher über Klassismus diskutieren – sie von unten und er von oben. Ziemlich schnell übernimmt Mareice dann aber die Regie, führt Hanno regelrecht vor und holt dann unabgesprochen eine Küchenkraft aus der Charité auf die Bühne, die dem feinen Herrn Professor mal erklärt, wie das Leben in der Unterschicht wirklich ist und auch dem geneigten und faszinierten Publikum wieder seine Privilegien vorführt. Großes Kino, unbedingt nachschauen!
schlecht gelaunt, stefan laurin im deepstate-modus:
Mir persönlich wäre es egal, welches Angebot, für das ich bezahlen muss, ohne es zu nutzen, ich mit meinen Zwangsgebühren finanziere. Das Geld wird sowieso abgebucht.
„Ohne uns wären die schon längst pleite“, sagte eine prominente WDR-Führungskraft einem Freund von mir, der ihn am Montag darauf ansprach, warum die öffentlich-rechtlichen Sender auf der re:publica so präsent seien. Ob das stimmt oder nur Anstaltshybris war, kann ich nicht beurteilen. […] Woran es allerdings zurzeit noch nicht mangelt, ist Geld für NGOs, und auch die Anstaltsfinanzierung ist gesichert. Wer diesen Weg gehen will, muss sich auch keine Gedanken um die Nutzer machen; es reicht, in der Politik gut vernetzt zu sein.
In der Retrospektive nehme ich sehr viele Impulse wahr. Solche, die von aussen kamen und die von mir selbst. Noch weiß ich nichts über eine Form, bin mir aber sicher, dass es sich finden wird. Der Impuls zum Widerstand, zum Anderssein und emotionale Sensibilität sind nämlich, wie ich bestätigt bekam, keine Antagonisten, sondern können sich sehr gut befruchten. Und so bin ich wieder auf der Suche nach Neuland für Kopf und Seele. Wie sehr viele Andere da draussen auch. Denn so viele auf der re:publica Anwesende können kein Zufall sein. Wir brauchen uns nur gegenseitig zu erkennen und stützen. Die Richtung gemeinsamer Bewegung ergibt eine Welle, mit der wir zukünftig auch größere Boote schaukeln können.
Aber ich hörte nichts, ich sah nichts, der kleine Bereich vor dem „Energiemobil“ war hoffnungslos überfüllt. Warum gibt man einem Felix Schwenzel keine ordentliche Bühne? Das ist doch keine Neuigkeit, dass viele Republicaner:innen ihn sehen wollen!
solche texte sind der grund warum ich ein fanboy von franziska bluhm bin. zurückgelehnt, entspannt und auf den punkt klug.
9. Was uns alle verband: die Liebe zum geschriebenen Wort.
Am Ende bleibt das. Wir haben geschrieben, weil wir schreiben wollten. Weil Sprache uns etwas bedeutet hat. Das Schöne: Es gibt immer noch Menschen, denen das etwas bedeutet. Inmitten von KI-Texten, algorithmischen Feeds und kurzlebigen Trends sehnen sich Menschen nach Stimmen, die echt klingen. Nach Texten, die jemanden verraten. Nach Sprache, die nicht optimiert ist – sondern gemeint.
Vielleicht etwas mehr Garten. Mehr Kinder. Mehr Jugendliche. Mehr Kinder. Wo waren die alle? Mehr Sessions mit Spaß und Infotainment, besonders am Abend (lustige TikToks mit Kommentar schauen würde schon reichen. Katzencontent. Quiz.). Witze vorlesen und nicht lachen. Mehr Videospielkonsolen, Computerspielemuseum. Mehr Foto-Spots, auch für die Jugendlichen. Alle sicheren Memes und Dinger, die im echten Raum stattfinden, und uns Internet unterhalten. Es braucht mehr Spaß. Kein Krawall und Remidemmi, Lachen reicht.
Außerdem kann ich jetzt nachvollziehen, warum Pianist Igor Levit ein so gefragter Diskussionsteilnehmer ist: Er formuliert nicht nur zuhörenswert, sondern stellt auch kluge Bezüge her.
über den metabene newsletter bin ich auf dieses video gestossen, in dem robin thiesmeyer (meta bene), rocko schamoni und marc-uwe kling über „offene soziale Netze“ reden.
am anfang zeigt robin eine kurze präsentation, in der er sich vorstellt. ich fand das sehr witzig.
… weil ich minimalist bin, als ästhetisches konzept, das kennen sie vielleicht, das is ne sehr anstrengende art von faulheit …
der rest war nicht so lustig, weil die drei, vier auf der bühne, dann über reichweite und monetarisierung reden. über reichweite reden oder nachdenken ist immer irgendwie traurig. wenn einen keiner liest (oder sieht), ist man traurig, wenn man merkt dass ein paar leute das lesen oder sehen was man ins netz veröffentlicht, ist man auch traurig, weil andere ja bestimmt mehr aufmerksamkeit bekommen. und wenn man 1000 follower oder abonnenten hat, ist man traurig, dass man nicht 2000 hat.
damit will ich mich keinesfalls über die drei auf der OMG 2MR-bühne lustig machen, sondern es ist eine erfahrung die ich in den letzten 30 jahren gemacht habe. noch trauriger wird es, wenn dann neben reichweite auch noch über monetarisierung gesprochen wird, weil beides wahnsinnig schwer ist und mit diesen „offenen sozialen netzwerken“ noch schwerer. und wenn man wirklich viele leute erreichen will, muss man sich gegebenenfalls auch noch verbiegen und die angebote von amerikanischen tech-buden in anspruch nehmen und sich da an absurde regeln halten oder mit bürokartischen bots auseinandersetzen.
wenn mich am montag alex matzkeitin seinem panel auf der republica fragt, wie es denn damals in den frühen tagen der blogosphäre war, werde ich möglicherweise (auch) sagen: wir konnten uns für eine kurze weile einbilden viel reichweite und eine gewisse relevanz zu haben. einbildung deshalb, weil das vielleicht eine relativ hohe reichweite war, aber absolut eher nicht. wir haben halt in unserer blase „gebloggt“ und gelegentlich vergessen, dass unsere blase eigentlich teil eines riesigen schaumteppichs mit milliarden anderen blasen ist.
unsere blogoblase (vielleicht ein besseres wort als blogoshäre?) hatte allerdings eine eigenschaft, die die reichweite vermeintlich massiv erhöhte: die blogoblase hatte viele schnittstellen mit der journalisten-blase. deshalb gab es multiplikationseffekte und gelegentlich sowas wie gefühlte relevanz. aber meine these ist, dass „wir“, die bloggenden menschen der frühen 2000er und 2010er, unserer reichweite aus einem sehr begrenzten umkreis rekrutierten.
irgendwann (vor 10 jahren) wurden mal ein paar erfolgreiche youtuber auf die republica eingeladen. als die ihre zuschauer- und abonnentenzahlen nannten, fiel den meisten bloggern, mindestens mir, die kinnlade runter. trotz der beeindruckenden zahlen der youtuber waren sie trotzdem extreme nischenanbieter. auch die youtuber-blasen waren bei weitem nicht so gross, dass meine eltern einen oder eine von ihnen jemals gesehen hätten oder freunde und bekannte ausserhalb meiner internet-blase die kannten.
was ich sagen will: reichweite ist relativ. und sehr, sehr schwer zu erreichen und noch schwerer zu halten. und monetarisierung ist noch schwerer. elendig viel arbeit.
was ich auch sagen will: ich bin froh dass mir beide themen, reichweite und monetarisierung, mittlerweile (grösstenteils) völlig egal sind. das hat eine sehr entspanende wirkung. andererseits muss ich davon was ich in der öffentlichkeit veranstalte auch nicht leben.
We don’t make movies to make money; we make money to make more movies.
Gruber’s version: don’t make software to make money, make money to make more software.
My version: don’t make websites to make money, make money to make more websites.
das ist genau mein derzeitiger arbeitsmodus im netz: das was ich hier veranstalte tue ich nicht um geld zu verdienen, sondern ich verdiene geld, damit ich das hier machen kann. der grund warum ich anfing öffentlich zu schreiben, zuerst in einen newsletter, dann unter meiner eigenen domain wirres.net, war mein bedürfnis zu schreiben. ein bedürfnis etwas zu tun, was sich kreativ anfühlt und mich zwingt um und in mich zu schauen — und das was ich sah in worte zu fassen.
und das mache ich seitdem. reichweiten und monetarisierungsfragen haben mich auf dieser reise gelegentlich neugierig gemacht und ich habe damit viel experimentiert, aber die eigentliche monetarisierung kam immer aus der lohnarbeit.
ich bin darüber nicht traurig, im gegenteil, aber trotzdem ist es doch traurig, dass kreative arbeit mit kreativer arbeit allein so schwer finanzierbar ist. ich glaube auch nicht dass es dafür techische lösungen gibt. die gibt und gab es schon länger, steady, patreon oder youtube — und früher mal flattr. aber bis auf ganz wenige ausnahmen, können da die wenigsten von leben.
vor zwanzig oder dreissig jahren hatten wir mal die hoffnung, dass das netz die gatekeeper davonschwemmt und aufmerksamkeit demokratischer oder gerechter verteilt werden könnte. oder dass die 15 minuten fame die uns andy warhol in den 60ern versprochen hat, sich durchs netz und neue technologien vervielfachen liessen. stattdessen kamen neue gatekeeper und die konkurenz um die ware aufmerksamkeit wird immer schärfer.
ich liebe weiterhin aufmerksamkeit, aber um sie ersthaft zu verfolgen bin ich wahrscheinlich einfach zu müde und zu alt. mir gefällt, dass ich diesen text hier einfach rausrotzen kann und ihn erst später, lange nach dem drücken des veröffentlichen-knopfs, nochmal gegenlese und die gröbsten orthographischen schnitzer rauskorrigiere.
auch weil ich in den letzten tagen als reaktion auf anje gelegentlich (eins, zwei) über die automatische wohnung geschrieben habe, habe ich gestern und heute vermehrt darüber nachgedacht was der betrieb einer automatischen wohnung im alltag bedeutet. aufwand durch automatisierung zu sparen ist nämlich eine menge aufwand. irgendwas ist immer. vor allem batterien. aber auch schwächelnde geräte, firmware- und software-updates und und und.
wenn ich die automatische wohnung von grund auf neu bauen würde, hätten alle sensoren, schalter und aktoren ein kabel. das wäre auch für die zuverlässigkeit ein vorteil. aber es geht auch retrofitted, non-invasiv, kabellos, bzw. im mischbetrieb. bedeutet halt oft fummelei und erhöhten pflegebedarf.
in der letzten woche ging die funk-/atomuhr in der küche nach. normalerweise freue ich mich fast täglich darüber, dass die alte, schrittige ikea uhr den sekundenzeiger an der gleichen stelle hat, wie meine apple watch. deshalb war ich tieftraurig, als sie 5 minuten hinterherging. aber nach kurzem nachdenken war klar: es muss die batterie sein: batterie getestet, war schwach, getauscht, uhr stellte sich wieder sekundengenaiu ein. puh.
eine andere batterie bereitete mir mehr kopfzerbrechen. unser mac mini von 2012, auf dem früher alles lief (home assistant, plex, dateiserver, fernzugang) — bis ich nach und nach fast alle aufgaben auf linux-server migrierte — wollte gestern nach einem harten shutdown nicht mehr starten. er machte keinen mucks mehr, so dass ich schon dachte, das netzteil sei kaputt. nach ein paar stunden debugging stellte sich aber raus, dass es die CMOS-batterie sein muss. nachvollziehbar, dass die nach 14 jahren schwächelt, aber für den tausch werde ich den ganzen mac mini auseinanderbauen müssen. das habe ich schon zweimal gemacht, weil die festplatte auch schon zweimal getauscht werden musste. die batterie hat also schon 2-3 festplatten überlebt.
nachdem der mac mini gestern aufgab, versuchte ich nachzudenken was der mac mini eigentlich noch macht. mir fiel nur noch ein, dass er eine kopie unserer icloud fotomediatheken zieht und die auf eine backup-platte kopiert. ausserdem sind festplatten an den mac mini gestöpselt mit altem scheiss und backups auf die wir selten aber gelegentlich zugreifen möchten. ausserdem laufen über den mac ein paar mit syncthing synchronisierte ordner, die der mac mit time-machine sichern soll.
er zeigte auch ein vereinfachtes home assistant dashboard an, dass ich per VNC auf ein altes ipad beame, dessen browser zu alt ist um home assistant dashboards überhaupt noch darstellen zu können. das liess ich aber unkompliziert in einen chromium-docker-container auslagern, den das ipad jetzt per VNC anzeigt.
ein weiteres stück jahrzehnte-alte hardware hab ich ebenfalls in den letzten tagen mehrfach angefasst: ein fire tablet das so alt ist, dass es noch mit android 4.4 lief (und sich auch nicht weiter upgraden lässt). dieses fire tablet steht neben dem bett mit einem sehr stark vereinfachten dashboard (mit einem app daemon dashboard gebaut).
das app daemon dashboard wird mit fully kiosk angezeigt, für das ich 2018 eine pro-lizenz gekauft habe. die lizenz konnte irgendwann nach einer neuinstallation nicht mehr geladen werden, weshalb fully kiosk eine unschöne lizenzwarnung anzeigte.
die liess sich auch mit dem support von fully kiosk nicht wegbekommen („we fully stopped support for Android 4.4 about 5 years ago. You can't activate a license on Android 4.4 device anymore.“). auch der versuch tls 1.2 nachzurüsten scheiterete. zum glück haben wir noch ein weiteres uraltes, aber nicht ganz so altes fire-tablet, das bereits mit android 5.x läuft. das konnte ich umwidmen, das alte tablet darf sich damit zur ruhe setzen.
(die tablets sind wie die (chinesischen) kameras vom internet getrennt, sie können nur aufs lokale netzwerk zugreifen. das macht sie nicht unangreifbar, aber ein bisschen.)
aufpoliertes dashboard am bett
wo ich gerade dabei war, habe ich das dashboard auch gleich ein bisschen aufgeräumt und einen wetteransage button eingebaut. der triggert ein homeassistant script das die wetterdaten an chatgpt füttert und es anweist daraus eine ansage zu bauen:
action:conversation.processdata:agent_id:conversation.chatgpttext:>-set station = wetter_stündlich.values() | list | first %} {% set forecast =station.forecast[:24] %}Hier sind die Wetterdaten für die nächsten 24 Stunden:{{forecast}}Frage:{{frage | default('Wie wird das Wetter heute? Gib mir eine kurze,sehr schlecht gelaunte und pampige Zusammenfassung.')}}Anleitung:Nutze die Daten, um die Frage verständlich, schön kurz und inwenigen Sätzen zu beantworten. Antworte direkt als Sprecher für eine Ansage.Wenn es nach 20 Uhr ist, sage das Wetter vom nächsten Tag an. gebe keineBewertung des Wetters ab (ein schöner Tag, denk an den Regenschirm oderÄhnliches).conversation_id:wetter_ansageresponse_variable:chatgpt_response
ehrlichgesagt ist die ansage immer noch ziemlich gut gelaunt, ich muss noch etwas am promt feilen, damit das entweder neutraler oder wirklich pampig rauskommt.
zurück zu batterien: einige der batterien die sich ihrem ende zuneigen melden sich in einer home assistant übersicht. theoretisch ist das sehr praktisch, im alltag klappts nicht immer, auch weil sich manche geräte bei der batteriediagnose verrechnen oder verhaspeln oder ihren batteriestand nicht verraten wollen.
ich bin schwer beeindruckt von der langlebigkeit der batteriene in den geräten einiger hersteller. die xiaomi/aquara-zigbee-sensoren (schalter, fenster oder bewegungssensoren) halten wirklich jahrelang. aber weil die jahre heutzutage doch recht schnell vergehen, gibt’s fast jeden monat was zu wechseln.
theoretisch hatte ikea kürzlich eine ziemlich gute idee. deren batteriesensoren sind jetzt alle auf AAA batterien ausgerichtet und kommen vor allem mit wiederaufladbaren AAA akkus zurecht. unsere tado-thermostate verbitten sich das explizit, wegen der entaldungscharakteristik und weil die spannung der akkus für den motor nicht stabil oder stark genug ist. aber auch wiederaufladbare batterien müssen regelmässig gewechselt werden.
alle paar monate schaue ich mir meine selbstgebauten sensoren an. die meisten sind auf esp8266 oder esp32 basis mit esphome gebaut. das ist toll, einfach und theoretisch auch sehr pflegeleicht. weil sich esphome sehr dynamisch und beeindruckend weiterentwickelt, bedeutet das auch oft änderungen die nicht rückwärtskompatibekl sind. ich bin kein religiöser firmware-updater, aber ich mag es gerne, wenn meine konfiguration relativ aktuell ist. schliesslich exponieren die microcontroller ja eine theoretisch angreifbaren wlan-verbindung. wichtig ist natürlich in erster linie statbilität und ein gerät das zuverlässig, schnell und gut funktioniert, aktualisiere ich dann in der regel auch nicht ständig. aber sobald ich mal anpassungen machen will, muss neu kompiliert werden und dann ist es natürlich schön, wenn ich da nicht erst anpassungen wegen irgendwelcher breaking changes machen muss.
ich habe gemini mal gebeten mir einen template sensor zu machen der eine liste alle esphome geräte und ihrer firmware versionen ausgibt. da war ich jetzt selbst kurz überrascht wie viele das (vier bluetooth proxies die ich anderswo, zur lokalisierung von tiles nutze, fehlen sogar noch) sind und wie breit gestreut die esphome-versionen sind.
wir haben eigentlich mehr als genug bildschirme in der wohnung. aber ich habe mich vor zwei tagen von snazzy labs, genauer, diesem video, bequatschen lassen das trmnl (og) zu kaufen.
die lieferung war promt (2 tage) und kostenlos. der preis nicht so irre günstig, allerdings gab’s mit dem referer-code von snazzy labs 10% rabatt.
das trmnl ist ein kleiner epaper-bildschirm mit akku und microcontroller, ähnlich dem switchbot-bilderrahmen, nur eben in schwarz-weiss.
was mich überzeugt hat war das engagement von trmnl im open source bereich, von dem im video viel die rede ist. sprich, wenn ich wollte könnte ich das gerät auch ohne die trmnl-cloud betreiben, indem ich einfach einen docker container hochfahre (repo) und das trmnl damit verbinde, statt der trmnl-cloud.
die einrichtung (mit der cloud) war wieder mal etwas hakelig. die cloud schien auch mehrfach während meiner einrichtung ausfälle gehabt zu haben und das trmnl meldete zuerst mehrfach, dass es sich nicht mit dem wlan verbinden könnte — und später beklagte es sich, dass es sich zwar mit dem wlan verbinden, aber nicht mit der api verbinden konnte.
es gibnt eine vielzahl von erweiterungen mit denen man inhalte auf das trmnl bringen kann. das einfachste ist plain text, der auf dem display auch sehr knackig und scharf aussieht.
als ich die home assistant erweiterung fand war ich sehr erfreut. ich habe schon seit jahren nach einer möglichkeit gesucht screenshots von home assistant dashboards automatisch anfertigen zu lassen. lösungen gibt’s, aber das war alles fummelig, aufwändig und bastelig. trmnl hat eine lösung entwickelt, trmnl-home-assistant, die nicht nur von home assistant dashboards screenshots machen kann, sondern von beliebigen web-seiten. die kann man dann als jpg, png oder bitmap ausgeben lassen, für das epaper-display dithern lassen — oder eben nicht. und das alles indem man — mal wieder — einfach einen docker-container hochfährt: docker-compose.yml in der doku.
allein für diese entdeckung hat es sich gelohnt > 100 € für das teil auszugeben. wenn ich mal in bastellaune bin werde ich damit bilder auf einen cheap yellow display beamen. jetzt hab ich erstmal meinen wetter-graphen aufs trmnl gebeamt.
links das switchbot epaper-display, rechts ein bild der beifahrerin, unten das trmnl (od)
oben wolkendecke und sonnenscheindauer, mitte temperatur, unten regenwahrscheinlichkeit und niederschlag laut dwd regenradar
da lassen sich noch einige spannende sachen draus basteln.
vor ziemlich genau 10 jahren habe ich die ersten beiden hue LED-birnen gekauft. von den zwei birnen die damals im hue-starterset waren lebt eine noch und ist noch im einsatz. die erwartungen an LED-leuchten lauten damals: 15 bis 20 jahre lebensdauer. in der praxis freue ich mich darüber, dass eine von denen tatsächlich 10 jahre hält. es zeigt sich leider, dass LED-birnen teilweise genau so schnell kaputtgehen (oder lange halten) wie die alten glühbirnen. entweder gibt das netzteil, die eletronik und manchmal auch das gehäuse auf.
trotzdem bereue ich nicht, die ganze wohnung nicht nur auf LED umgestellt zu haben, sondern zum grössten teil auch auf zigbee. seit dem ich vor sechs jahren die proprietären hubs von ikea und hue weggeschmissen habe und einen eigenen hub mit zigbee2mqtt betreibe, lässt sich das potenzial von zigbee auch voll ausschhöpfen. fummelig und teilweise buggy war es trotzdem gelegentlich, vor allem fielen immer wieder die tollen, kleinen und günstigen xiaomi und aquara gerätchen aus dem zigbee netz und wollten neu gepaart werden. aber auch die firmware meines zigbee-koordinators, also meines DIY-hubs (ein CC26x2R LaunchPad) zickte immer wieder mal und hatte bugs.
aber insgesamt war zigbee über die jahre stabil, schnell, gut zu erweitern und zufriedenstellend. insgesamt sind hier 88 geräte, davon 39 batteriebetriebene (sensoren und schalter). aber als home assistant vor ein paar monaten einen neuen, selbstenmtwickelten, offenen zigbee-router (zbt-2) vorstellte, schlug ich zu. das versprechen von zukunftsfähigkeit, einer optimierten antenne, modernster chipsätze und guter performance gefiel mir und bisher hab ich gute erfahrungen mit der hardware (der software sowieso) die home assistant baut gemacht.
die migration vom alten „hub“ zum neuen hub war leider sehr fummelig, unter anderem, weil ich meine 80 geräte nicht alle neu anlernen wollte. am ende lief alles, auch merklich stabiler, aber ein paar eigenartige probleme blieben. so konnte ich bestimmte geräte einfach nicht ins netzwerk hinzufügen. der workaround war, dass ich diese geräte dann in mein zweit zigbee-netz hinzufügte, das ich seit ein paar jahren mit dem vorgänger des zbt-2, dem sky-connect betrieb. dorthin hatte ich damals alle xiaomi und aquara sensoren ausgelagert, die im hauptnetz immer rausfielen, und im kleinen sondernetz keine mucken mehr machten. insgesamt fand ich das unbefreidigend und weil ich dieses wochenende sturmfreie bude hatte und lichtausfälle nicht beschimpft werden würden, entschied ich mich mein haupt-zigbee-netz neu aufzuspannen.
den ersten test führte ich mit einer jungfräulichen, frisch geonboardeten zigbee2mqtt-installation durch, ich wählte einen weniger belegten zigbee-kanal und schaute ob die geräte die sich vorher nicht joinen liessen jetzt dem netzwerk beitraten. dass sie es taten war gleichzeitig eine gute und eine schlechte nachricht. jetzt konnte ich um die 80 geräte manuell hinzufügen und neu konfigurieren und hätte dann am ende ein fehlerloses zigbee-netz.
die ganze prozedur war dann wirklich sehr mühsam, auch weil ich im home assistant viele der entity-ids und namen neu setzen musste, aber andererseits konnte ich auch ein bisschen aufräumen. tatsächlich, nach zwei tagen arbeit, läuft das zigbee-netz laut zigbee2mqtt fehlerfrei, die einzige leuchte die gelegentlich fehlermeldung im log verursacht ist die 10 jahre alte hue-birne, die zu ihrer verteidigung aber auch in einem metallenen lampengehäuse steckt. ansonsten keine fehlermeldungem, timeouts oder unerreichbare geräte.
auch die beiden neuen kajplats weissspektrum birnen mit 1500 lumen, die ich kürzlich gekauft habe, sind jetzt im zigbee-netz. die werden eigentlich mit matter ausgeliefert, sprechen aber auch zigbee. weil mein zbt-2 die aber nicht ins zigbeenetz aufnehmen wollte, habe ich die auch 2-4 wochen mit matter betrieben. das lief eigentlich auch sehr gut, matter reagiert mindenstens so schnell wie zigbee, subjektiv vielleicht sogar einen ticken schneller. was matter aber noch fehlt ist eine brauchbare gruppierung auf netzwerk-ebene. bei zigbee kann man beliebig viele leuchten in eine zigbee-gruppe stecken und dann mit einem einzigen broadcast-befehl alle leuchten schalten, statt jede einzelne zu schalten. bei zwei, drei birnen ist das eigentlich egal, aber es fühlt sich einfach besser an, alle drei lampen im flur mit einem einzigen befehl zu schalten und den weisswert zu setzen, statt mit dreien.
zwischen matter und zigbee kann man übrigens so umschalten: erst matter zurücksetzen, indem man die birne 6 mal aus- und anschaltet, danach zigbee zurücksetzen, bzw. in den verbindungsmodus versetzen mit 12 mal aus- und anschalten.
nervig ist, dass von den 10 verschiedenen herstellern von denen ich zigbee-birnen besitze, jeder eine eigene art hat die birnen zu resetten, bzw. in den verbindungsmodus zu versetzen: mal, wie bei ikea, sechsmal aus und an, manchmal 5 mal je 5 sekunden aus und 5 sekunden an und manche muten ihren nutzern sogar kombinationen aus 5 sekunden und 2 sekunden schaltsequenzen zu. zum glück gibt’s touchlink, zum beispiel mit der 10 jahre alten hue fernbedienung: wenn man die fernbedienung an eine lampe hält und an- und aus-taster 10 sekunden lang hält, resetten die meisten lampen sich und verbinden sich neu.
ausserdem gelernt, die bindings mit denen man zum beispiel zigbee-fernbedienungen direkt mit einer leuchte verbinden kann, so dass man die auch mit der fernbedienung steuern kann, wenn das zigbee-netz ausgefallen ist, diese bindungen werden nicht in zigbee2mqtt gespeichert, sondern in den geräten selbst. man sieht diese bindings zwar im zigbee2mqtt-frontend, aber zigbee2mqtt holt sich die info jedes mal aus dem gerätespeicher. das ist ein bisschen schade, weil ich immer die vorstellung hatte, dass zigbee2mqtt diese info sichert und wenn sie im gerät verloren gehen sollte, wieder neu setzen kann beim „rekonfigurieren“. is aber nicht so.
mein fazit lautet also: ich liebe und hasse mein zigbee-netz gleichzeitig. einerseits ist es (bisher) zu 95% zuverlässig gewesen, aber die 5% probleme kosten immer noch zu viel zu viel zeit. ich hoffe mit dem zbt-2 jetzt auf 99,9% zuverlässigkeit. matter ist bereits sehr gut, aber noch nicht ganz so weit um damit grosse netze zu verwalten. der teufel und die arbeiten stecken da noch in vielen kleinen details. beide, zigbee und matter sind deshalb toll, weil man sich damit zu 100% herstellerunabhängig machen kann. und allein deshalb überwiegt meine liebe zu zigbee — und in ein paar jahren sicher auch zu matter.
beim anschauen dieses videos habe ich folgendes widget gesehen.
sowas wollte ich auch haben. zunächst habe ich mir von cursor ein markdown-widget für home assistant bauen lassen. das sah dann so aus.
die zeile mit dem leben nehm ich möglicherweise wieder raus weil sie zu frustruierend ist. ich habe cursor mein geburtsdatum verraten und gehe für die statistik davon aus, dass ich 90 jahre alt werde. davon sind bald zwei drittel rum.
aber dann fiel mir ein, dass ich noch einen epaper tag übrig habe, für den ich keine besonders gute verwendung habe. im flur und kinderzimmer hängen tags die nützlich sind und das datum und das wetter anzeigen. der im flur hängt über einem ipad, das bereits das wetter und datum anzeigt. jetzt zeigt es die restzeiten des tages, der woche, des monats und des jahres an. find ich gut.